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Wie herrlich er jeßt triumphiert,
Der, mit Erhabenheit geziert,
Die Erde macht dem Himmel gleich,
Verbindend sie zu einem Reich.

Als demutvolle Kämpfer stehn
Laßt uns vorm Könige und flehn,
Daß er uns führ aus dieser Zeit
Ein in des pimmels Herrlichkeit!

Dem Vater auf dem höchsten Thron
Und seinem neugebor'nen Sohn
Wie auch dem Geist, der Trost verleiht,
Sei Ehr und Preis in Ewigkeit.

(2. D.)

Sonst verdienen von französischen Hymnendichtern dieses Zeitalters noch Erwähnung Adhémar von Chabannes, Mönch von Engoulême (* 1034), der unermüdliche und wenig skrupelhafte Verfechter des , Apostolats" des hl. Martial von Limoges, der den Patron seines Klosters, den hl. Eparchius mit Hymnen perherr: licht; ferner Eufebius Bruno, Bifchof von Angers (f 1081), der uns eine Anzahl religiöser Rhythmen hinterlassen hat, von denen einer auf den hl. Stephanus Gemeingut der mittelalterlichen Kirche geworden ist; endlich Anselm, Abt von Le Bec, fpäter Erzbischof von Canter bury (+ 1109), der als Dichter einiger frommer Ge. bete gilt, und von dem nur zu bedauern ist, daß wir außerstande find, seine hymnologische Tätigkeit sicherer zu begründen und genauer zu umschreiben. In der Handschrift der Gedichte des Eusebius Bruno finden wir auch ein Lied des Berengar von Tours († 1088), der mehr durch seine theologischen Streitigkeiten, als durch feine dichterische Beteiligung an der hymnodischen Arbeit der Kirche bekannt ist. Da dasselbe auch inhaltlich anspricht, mag es um des Dichters willen hier folgen:

Nr. 21.
Jesu Christ, gerechter Richter,

aller fön'ge König du,
Mit dem Vater und dem heilgen

Geist regierend, o geruh'
Dies mein Flehen zu vernehmen,

höre mir in Gnaden zu!
Der du hast vom Himmel steigend

in der Jungfrau Schoß geruht Und, dort wahres Fleisch geworden,

kamst zur Welt, o höchstes Gut! Das Gebilde deiner Hände

rettend mit dem eig'nen Blut. Dich, mein Gott, anflehend bitt' ich:

laß beschirmen vor Gefahr Mich dein ruhmgekröntes Leiden,

das du trugft am Nreuzaltar, Auf daß ich in deinem Dienste

dürf' verbleiben immerdar. Lasse stets mich deine Hilfe,

stets mich deinen Beistand fehn, Laß dem Feind mich, der verwirren

meinen Geist will, widerstehn, Daß ich nicht in seiner Schlinge

müff, verdammt, zugrunde gehn! Der du brachst mit starker Rechten

auf das Tor des Acheron, D vernichte meine Feinde,

Die im Hinterhalte schon Alle Pfade meines Herzens

listig zu besezen drohn! Sei Beschirmer mir und Anwalt

und ein Schuß berleih'nder Schild, Hinter dem ich allen troke,

die zu stürzen mich gewillt. Gib, daß einst vom Siegesjubel

bauernd mir der Bujen (chwilt.

Deines Streuzes Zeichen möge

Festigkeit den Sinnen leihn,
Deine Heil'ge Siegesfahne

weih auch mich zum Sieger ein.
Laß den Feind, ist er bezwungen,

ledig aller träfte sein!

Send' den heilgen Geist hernieder

aus des Himmels Höhen, daß Er mit seinem Licht erleuchte

meinen Geist ohn' Unterlaß, Und den scheuch', der unablässig

mich verfolgt mit seinem Haß!

Jesu, der du des lebend'gen

Gottes Sohn, erbarm' dich mein,
Sei so gnädig, Herr der Engel,

meinem Flehn Gehör zu leihn
Und, wenn du Vergebung spendest,

einst aus mein gebent zu sein i

Werd' im Vater wie im Sohne

und im heilgen Geist geweiht, Preis dir, o dreifalt'ge Gottheit,

herrschend über Raum und Zeit, Dein sei alzeit Sieg und Stärke, Ehr und Ruhm in Ewigkeit!

(3. D.) Wenden wir unseren Blick nach Italien, so begegnet derfelbe, abgesehen von Papst Leo IX., von dem schon die Rede war, zwei hervorragenden Dichtern, die sich im übrigen so ferne stehen als zwei Dichter es nur können, dem Petrus Damiani (f 1072) und dem Alphanus von Salerno (1085). Der eine schreibt in mittelalterlichen Rhythmen, den andern möchte man am liebsten als einen Vorläufer des Humanismus bezeichnen. Er ist ein sprechendes Beispiel für die oben aufgestellte Behauptung, daß die metrische Dichtung das ganze Mittelalter hindurch nicht ausstirbt, sondern neben der rhythmi

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schen herläuft, ähnlich wie im alten Rom die rhythmische sich neben der hellenisierenden Kunstpoesie behauptet hatte.

Petrus Damiani ist 1006 zu Ravenna von armen Eltern geboren, nach deren Tod er in die Obhut seines Bruders Damian, Erzpriesters von Ravenna, kam, welcher ihn Studien halber nach Faenza und später nach Parma fandte. Nach Vollendung derselben (1034) lehrte er zu Ravenna Grammatik und Rhetorik, trat aber schon bald (um 1035) in das Camaldulenserkloster Fonte Avellana bei Gubbio. Während der Jahre 1039—41 weilte er bei dem Abte Guido in Pomposa zur Instruktion der dortigen Mönche; 1043 zu gleichem Zwecke in dem Kloster San Vincente bei Urbino. Kurz darauf zum Abte von Fonte Avellana erwählt, nimmt er an der römischen Ostersynode von 1051 teil und wird in der Folge von den Päpsten Leo IX. und Stephan IX. wie später von Nikolaus II. und Alexander II. zu verschiedenen kirchlichen Sendungen benußt. Stephan Ix. ernannte ihn zum Kardinalbifchof von Ostia (1057). Beim Tode dieses Papstes flieht er amts- und weltmüde nach Fonte Avellana, muß aber unter Nikolaus II. nach glücklicher Erledignng seiner schwierigen Legation nach Mailand (1059) auch noch die Verwaltung von Gubbio übernehmen. Im Jahre 1069 von Alexander II. seines Bistums ents bunden, dessen Titel er aber auch in der Folge noch führt, hat er gleichwohl wichtige Sendungen nach Frankreich (vor allem nach Cluny, und nach Deutschland zu unternehmen. Nachdem er noch, mit einer Sendung nach Ravenna betraut, bort den Frieden zwischen Bischof und Volk wiederhergestellt, starb er den 22. Februar 1072 im Kloster St. Maria vor den Toren von Faenza.

Petrus Damiani gehört zu den fruchtbareren Hymnen-Dichtern des Mittelalters. Die Form seiner Poesien kann kaum den Vergleich mit den feineren und raffinierteren Dichtungen der Folgezeit aufnehmen; es birgt sich aber unter der schmudlosen Hülle mit der stumpfen Reimassonanz ein echter dichterischer Geist und eine Wärme des Gefühls, die zuweilen vulkanisch heiß zu werden scheint. Er besiegt in den herkömmlichen Hymnenformen Maria und die Lokalheiligen seiner Heimat, in schwungvollen Rhythmen die Freuden des Himmels oder die Schrecken des Gerichtes. Seinem Liebe von den Freuden des Paradieses, das ich nachfolgend mitteile, ist sogar die Ehre widerfahren, entweder in das 6. christliche Jahrhundert verseßt, oder gar dem hl. Augustin zugeschrieben

So weit ist manchmal die Naivität der Hymnologen von der Wahrheit abgeirrt.

zu werden.

Nr. 22.

Nach dem Born des ew'gen Lebens

sehnt der Geist sich durftentbrannt,
Und die Seele möchte brechen

ihrer Erdenhülle Band,
Die Verbannte glüht und lechzet

einzugeh'n ins Vaterland.
Während unter Schmerz und Leiden

sie in Reue sich verzehrt,
Fühlt sie, welch ein Gut verloren,

seit sie fiel, und so vermehrt
Gegenwärtige Bedrängnis

des entschwund'nen Glückes Wert. Wer vermöcht die Lust zu schildern

in des ero’gen Friedens Tal,
Wo aus glänzend hellen Perlen

stehn Paläste ohne Zahl,
Wo die hohen Dächer schimmern

golden in der Sonne Strahl?

Nichts als prächtige Edelsteine

dieser Bau als Zierde trägt,

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