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Nr. 19. Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Men

fchen auf Erden, die eines guten Willens sind. Wort, das zur Rechten des Vaters, was immer erschaffen, belebet,

Wi r loben dich,
Heiliger Stönig, den die sämtlichen Wesen lobpreifen,

Wir preisen dich,
Den so Himmel als Erd’ und Meer anbetend verehren,

Wir beten dich an, Lamm, verherrlicht zumal von den Bürgern der himmlischen Sion,

Wir verherrlichen dich, Arone, Ruhm du und Zier der Heiligen aller bort oben,

Wir sagen dir Dant wegen deiner großen

Ehre uff. Der, ohn' Schuld du allein die Schulden tilgest der andern,

Da du allein heilig, Der du den Sternen befiehlest, erbarme dich unseres Jammers,

Du allein der Herr, Der du alles erhältst und schmücft und alles umhegest,

Du allein der Allerhöchste, Uns und unser Gebet schreib ein in die Bücher des Himmels,

Jefu Chrifte, mit dem heiligen Geiste in der

Þerrlichkeit des Vaters. Amen. (G. M. D.)

Neben der Schule von St. Gallen wäre in diesem Zeitraume namentlich die von Saint-Amand zu nennen. Hier blühte als gefeierter Lehrer Milo († 872), ein fruchtbarer Dichter, von dem uns indes Hymnen, wenn er solche verfaßt haben sollte, nicht erhalten sind, vor allem aber Hucbald (7 930), dessen Name für immer mit den ersten Anfängern der Harmonie verknüpft ist. Denn er war der Erfinder des ,,Organums" oder der „ars organizandi“, 8. h. der Kunst

, eine gegebene Melodie in reinen Quintenparallelen zu begleiten, einer Dhrenfolter, aus der fich langsam forschreitend die Kunst entwickelt hat, die in Palästrina ihren Kulminationspunkt er: reicht. Hucbalds Name steht aber auch in Verbindung

mit den ersten Anfängern des metrischen oder des ReimOffiziums (f. Einleitung), denn er hat neben einigen Hymnen und Sequenzen auf die heiligen Theodorich von Reims und Cyricus von Nevers auch das Reimoffizium auf die hl. Riftrube von Marchiennes und vielleicht noch einige andere verfaßt. Jedenfalls dürfen wir wohl die Gegend von Saint-Amand, Lüttich, Saint-Omer als die Heimat dieser, später so beliebten Dichtungsart ansehen.

Dreves, Die Kirche der Lateiner. (S. S.)

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IV. Das Frühmittelalter.

Wir haben, indem wir die St. Galler Schule als ein Ganzes behandelten, zeitlich bereits in das Frühmittelalter hinübergegriffen. Wir können als solches das zehnte und elfte Jahrhundert auffassen. Das zehnte Fahrhundert nimmt die Arbeit auf, welche durch die karolingische Renaissance unterbrochen und hintangehalten war, die Arbeit, den lateinischen Hymnús von der antiken Metrit loszulösen und dem Rhythmus zuzuführen. Dieser Prozeß ist ein langsamer und der Weg führt durch Barbarei und Verwilderung. Die hymnischen Dichtungen sind nicht mehr metrisch, aber sie sind auch nicht rhythmisch; der Wortakzent hat fich noch nicht an Stelle des metrischen Iktus zu feßen und zu behaupten vermocht, es ist vielmehr, als sei er abhanden gekommen und die Dichtungen folgten rein dem filbenzählenden Prinzipe. Auch die Herrschaft des Reimes ist noch keine gesicherte. Wir sehen ihn vereinzelt in der karolingischen Zeit hervortreten, teilweise bei Raban, überraschend bei seinem Schüler Gottschalk. Das ganze zehnte Jahrhundert hin durch bleibt indes der Reim stumpf und unrein, und erst das elfte führt wie den Akzent so den Reim jener Höhe entgegen, die wir beide im zwölften und dreizehnten Fahrhundert einnehmen sehen. Daneben läuft, eifrig kultiviert, die Sequenzendichtung. Sie bewegt sich in den Bahnen Notfers, erreicht aber in Frankreich nie, in Deutschland nur in einigen Dichtern Notkers Gedankentiefe und Mystik. Erst im elften Jahrhundert treten in Frankreich Sequenzen auf, die einen neuen Typus vorbereiten, die Notfers Prosen in Poesie, feine filbenzählenden Klauseln in Rhythmen und Strophen umbauen. Sie sinnbilden den Übergangsstil, in dem romanische Grundformen mit den Anfängen des Spißbogens versetzt erscheinen. Neben diesen gährenden Stoffen behauptet sich in dieser Epoche, wie im ganzen Mittelalter, mehr allerdings in der profanen so wie in der geistlichen Lehr-Dichtung das Metrum. Wir werden immer Gelegenheit haben, auf Dichter hinzuweisen, die es mit Liebe und Erfolg pflegen.

Überblicken wir die Dichter, die dieser Periode angehören, so steht abseits der Angelfachse Wulstan, Präcentor von St. Smithun in Winchester (+ 990). Wir besißen von ihm mehrere Abcdarien im elegischen Versmaße auf die Lokalheiligen von Winchester, Athelwold, Birin und Swithun; diefelben sind dem Hymnus des Beda auf Edilthrida nachgedichtet und bis auf einen von Drdericus Vitalis einer Überarbeitung unterzogen worden.

Das Neform-Kloster des Benediktinerordens. Cluny, dessen Einfluß in dieser Zeit nicht bloß Frankreich, sonbern alle christlichen Reiche des Abendlandes umspannt, beteiligt sich an der Hymnendichtung durch die beiden hervorragendsten Übte, die es gehabt, durch Obo (+ 943) und Odilo († 1048), von denen der erstere einer der gefeiertsten Musikkenner seiner Zeit war. Wir befißen aber von beiden nur wenige Trümmer ihrer hymnodischen Tätigkeit. Ersterer befang mit Vorliebe ben großen Heiligen seiner Vaterstadt Tours, lekterer u. a. den hl. Abt Majolus von Cluny und die hr. Raiserin Adelheid, die Gemahlin Ottos des Großen, der er im Leben nahe gestanden hatte.

Dem Kreise von Cluny steht innerlich nahe der deutsche Dichterpapst Leo IX., ein Graf von Egisheim (+ 1054), von dem wir außer zwei Hymnen ein rhythmisches Offizium auf den hl. Gregor d. G. befißen.

Weit überstrahlt diese Namen und Gestalten durch seinen Knhm als Theologe, Schulmann und Dichter Fulbert von Chartres (1028), einer der gefeiertsten Namen seiner Zeit. Er dichtet in den verschiedenartigsten Metren und Rhythmen; das zeigen die verhältnismäßig wenigen Dichtungen, die uns von ihm erhalten sind. Weitere Verbreitung fanden von seinen liturgischen Dichtungen eine Sequenz Sonent regi nato, in Frankreich der Hymnus auf Epiphanie Nuntium vobis fero de supernis, in der ganzen Christenheit das Osterlied Chorus nova e Jerusalem:

Nr. 20.

Jerusalems, des neuen, Chor
Jauchz'. süßen Lobgesang empor
Zum Himmelszelt, begehend heut'
Das Osterfest in reiner Freud',

Da Christ, bem Leu'n, der nie besiegt,
Des Todes Drache unterliegt,
Wo seine helle Stimm' erklingt,
Erweckend in die Gräber dringt.

Was schon des bösen Feindes Beut',
Das gibt zurüd die Hölle heut,
Und Jesu folget nach die Schar,
Die nun durch ihn der Stnechtschaft bar.

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