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Mit der Jungfräulichkeit Ziervereinst du die Freuden der Mutter, Nie noch glich dir ein Weib, nie wird ein and'res dir gleichen, Die ohn' Gleichen du hast gefallen Christo, dem Stönig.

S. M. D.)

Auch der Papst Gelasius (+ 496) hat nach dem Zeugnisse des Gennadius (De viris illustr. c. 94) Hymnen nach Art des Ambrosius gedichtet. Leider ist uns indessen nicht nur sein Hymnarium als Ganzes verloren, sondern wir sind auch außerstande irgend einen einzelnen Hymnus als sein literarisdes Eigentum nachzuweisen. II. Die Zeit der Meropinger.

Schon Gelafius, mehr aber noch Ennodius, Bischof von Pavia (1 521), gehört der Zeit nach in diese Epoche, während er seinem ganzen Wesen und Denken nach in der vorigen altchristlichen Zeit wurs zelt. Wir besißen von Ennodius zwölf Hymnen, ein Hymnar, von denen die meisten uns nur in einer (Brüsseler) Handschrift überliefert sind. Ennodius ist offensichtlich von Ambrosius zum Dichten angeregt und schreibt seine Hymnen jedenfalls noch als Erzdiakon von Mailand zum Gebrauche dieser Kirche. Er schreibt seine Hymnen, einen, den achten, ausgenommen, in demselben Versmaße wie sein großes Vorbild, er gibt ihnen acht Strophen wie jener und wählt sich nur solche Vorwürfe, die nicht bereits von Ambrosius besungen sind. Dennoch hat die Mailändische Kirche feinem Wunsche nicht ents sprochen; seine Hymnen hat sie in ihre Liturgie nicht aufgenommen, und nur drei derselben lassen sich in anderen Liturgien, namentlich Süditaliens nachweisen. Ennodius ist einer der Dichter, über den die Literarhistoriker hart zu urteilen pflegen, vielleicht zu hart; feine Hymnen wenigstens verdienen den Tadel kaum, den man auf ihn zu häufen pflegte. Bei aller Nachahmung des Ambrosius entraten sie nicht völlig der Individualität und bei aller Dunkelheit der Diktion ermangeln sie nicht

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eine gewissen Schwunges. Am bekanntesten ist durch die Anthologien sein Abendlied Nigrante tectum pallio geworden, das auch mehrfach ins Deutsche überfeßt worden ist. Doch läßt mich die notwendige Spacsamkeit mit dem Raume von der Wiedergabe absehen.

Hier ist auch der Ort des Papstes Gregor bes Großen zu gedenken, nicht als eines Hymnendichters, sondern als eines vermeintlichen Hymnendichters. Wie die ganze reformatorische Tätigkeit dieses Papstes auf dem Gebiete der Liturgie im Dunkeln liegt und bei dem Fehlen älterer Monumente wohl immer ein Gegenstand des Gelehrten-Zwistes bleiben wird, so wissen wir auch über eine dichterische Tätigkeit desselben nichts. Ales, was man da und dort über Hymnen, die er verfaßt haben soll, liest, ist entweder das Produkt subjektivsten Meinens“, oder es geht auf Jodokus Chlichtoväus zurück, der zuerst in seinem Elucidatarium Ecclesiasticum, Basel 1517, einige wenige Hymnen Gregor zugeschrieben hat, ohne irgendwelche Gründe dafür beizubringen. Im ganzen Mittelalter bis zu den Zeiten Gregors hinauf herrscht in dieser Sache das absoluteste Schweigen, so daß wir das negative Resultat der Forschung dahin zusammenfaßen können: „Wir kennen keinen einzigen Hymnus, den wir mit irgendwelchem Grunde Gregorzuschreiben könnten, ja wir haben keine einzige Nachricht, nicht einmal eine unbegründete, daß er je Hymnen gebidhtet habe.“

Wenden wir uns der größten und hervorragendsten Dichtergestalt der uns beschäftigenden Zeit zu. Es ist dies Venantius Honorius Clementianus Fortunatus.

In der Nähe von Treviso im zweiten Viertel des sechsten Fahrhunderts geboren, erhielt er seine Ausbildung in den Wissenschaften des Rechtes sowohl wie in den freien Künsten zu Ravenna. Durch die Fürbitte des hl. Martinus von Tours auf, wie er glaubte, wunderbare Weise von einem Augenübel geheilt, unternahm er, wahrscheinlich um das Jahr 565 eine Wanderung nach Gallien zu dem Grabe des Heiligen. Sein Weg führte ihn über bas Hoflager Sigiberts von Austrasien, wo er wertvolle Verbindungen anzuknüpfen und aufrecht zu erhalten vermochte, während er in Tours mit dem Bischofe Gregor, dem Eusebius der Franken, in innige und dauernde Bes ziehungen trat. Von Tours fam er nach Poitiers, wo die fromme und bereits betagte Radegunde, eine Prinzessin der Thüringe, die Witwe Chlotars I, in dem von ihr gegründeten Kloster des hl. Kreuzes in stiller Abgeschiedenheit lebte. Der vertraute und fympathische Vers kehr mit ihr und ihrer Pflegetochter Agnes, der Äbtissin des Klosters, bewog ihn in schon vorgerüdtem Alter in ben geistlichen Stand zu treten; er wurde zum Presbyter geweiht und in der Folge, um die Neige des Jahrhunderts, wahrscheinlich im Jahre 599, in welchem Bischof Plato mit Tode abging, zum Bischofe von Poitiers erforen. Die nähere Zeit seines Todes, der in den Anfang des siebten Jahrhunderts fällt, ist unbekannt.

Die Poesie des Fortunat ist, wenn wir die vier Bücher vom Leben des hl. Martinus abrechnen, Gelegenheitsdichtung im volften und wahrsten Sinne des Wortes. In den elf Büchern ,dermischter Gedichte" lösen fich Reisebeschreibungen und Hochzeitsgedichte, poes tische Episteln und Grabinschriften, Elegien und Panegyriken in reicher Fülle und buntem Wechsel ab. Am öftesten werden Radegunde und Agnes, dann Gregor von Tours mit Poesien des Dichters erfreut. Niemand wird diese Gedichte lefen, ohne dem Dichter persönlich näher zu treten, und wenn ihn manchmal ein byzantinischer Zug der Panegyriken verstimmt, wird ihn die wahre und tiefe Freundschaft entschädigen, von denen die

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Briefe an Radegunde erzählen. Ohne fie und Agnes fühlt er sich auch in den volfsreichsten Städten allein (Ap. 29, 12); eine wahre Freude würde er empfinden, wenn er mit ihnen die Hiße der Küche teilen und beim Spülen des Geschirres behülflich sein könnte (Ap. 22, 13).

Nach dem Zeugnisse des Paulus Diakonus (Hist. Longobard. II, 13) hat aber Fortunat auch zahlreiche Hymnen auf die verschiedenen Festtage des Kirchenjahres verfaßt. Diese Hymnen entziehen sich, wenn sie nicht in Verlust gerieten, jedenfalls unserer Kenntnis. In den elf Büchern vermischter Gedichte, die wir von Fortunat besiten, befinden sich nur drei Kreuzhymnen, sowie ein Gelegenheitsgedicht auf Ostern, welches felten ganz, häufiger gekürzt als Prozessionshymnus verwandt wurde. Außer diesen befißen wir noch drei weitere Hymnen, die mit dem Namen Fortunats teils in Handschriften auf treten, teils von Schriftstellern späterer Zeit in Verbindung gebracht sind. Ersteres ist der Fall mit dem Taufliede Tibi laus, perennis auctor, welches ein Pontifikale aus der Bischofsstadt Fortunats, aus Poitiers, das im 8. Jahrhundert geschrieben, sich nun auf der Bibliothèque de l' Arsenal in Paris befindet, als

Versus Fortunati presbyteri“ bezeichnet; leßteres trifft bei dem Weihnachtshymnus Agnoscat omne saeculum und dem schönen Marienliede Quem terra, pontus, aethera zu, bezüglich derer die Verfasserschaft Fortunats burch innere Gründe fichergestellt werden kann.

Macht man es Fortunat mit Recht zum Vorwurfe, daß er in seinen Dichtungen, welche von wahrer poetischer Begabung und echtem Gefühle überall Zeugnis geben, die Form über Gebühr vernachläffigt habe, so gehören dagegen seine Hymnen zu den anerkanntesten Perlen der gesamten christlichen Literatur. Hymnen wie das Pange Dreve 8, Die Kirche der Lateiner. (S. M.)

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