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Unlauteren Ausverkaufs betraf Dort veranstaltet ein Uhrmacher seit mehreren Jahren regel mäßig um die Oster- und Weihnachtszeit einen Ausverkauf von Gold- und Silberwaren und Uhren. Der übliche „Klimbim“ in den Zeitungen fehlt natürlich nicht, und das Schaufenster weist alle möglichen verlockenden Herrlichkeiten zu den billigsten Preisen auf. Ein Grund für den Ausverkauf war diesmal nicht angegeben. Unser Gewährsmann meint nundaß es sich in der Hauptsache um Waren handle, die erst zwei oder drei Wochen alt seien und zum Zwecke des Ausverkaufs angeschafft seien. Wir setzten uns mit den dortigen Interessenten in Verbindung. Sollte sich herausstellen, daß diese „Ausverkäufe“ tatsächlich fortgesetzt betrieben werden, an ein wirkliches „Ausverkaufen“ der Waren also gar nicht gedacht ist, so werden wir darauf hinwirken, daß gegen den Betreffenden wegen unlauteren Wettbewerbs eingeschritten wird.

Die Firma „Osten & Co.“ in Hamburg, gegen welche wir schon einmal polemisierten, weil sie mit ihrem

„Detail-Großvertrieb an Private“ und die Art ihrer Reklamen sicherlich den kleinen Goldschmied am Platze schädigt, hat wiederum Reklamebeilagen ausgegeben, in denen Rabatte, Ziele bis auf ein Jahr hinaus, fünfjährige Garantie für Uhren usw. in die Augen stechen. Aber der „Detail-Großvertrieb an Private“ hat diesmal noch etwas Neues als Reklame angefügt. Er hat darauf gedruckt: „Mitglied des Verbandes deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede“. Das ist in der Tat ja eine Ehrenbezeichnung, aber wir meinen, daß Osten & Co., wenn sie auf diese Mitgliedschaft berechtigterweise so hohen Wert legen, auch ihren Prospekt etwas weniger marktschreierisch gestalten sollten. Nachahmenswert sind aller Orten die Bekanntmachungen der Innungen behufs Einkauf

von Gold- und Silberwaren an das Publikum. Wir weisen nur auf eine solche der Leipziger Innung hin, in welcher das kauflustige Publikum darauf aufmerksam gemacht wird, daß es bei den Innungsmeistern am Platze am solidesten bedient wird. „Geschäfte“, heißt es darin, „welche das Publikum durch Schein-Ausverkäufe, hohe Rabattgewährung und unmögliche Preisermäßigung anzulocken suchen, bieten keine Gewähr. Wir empfehlen solche Bekanntmachungen überall da zu erlassen, wo die Reklamesucht allzu üppig ins Kraut schießt und die Blicke von dem soliden Geschäft des wirklichen Goldschmieds abzulenken sucht. Unsere

Gutachten in Rechtsangelegenheiten wurden auch in letzter Zeit wieder recht rege in Anspruch genommen. So hatten wir uns mit zwei Fällen aus dem Verkehr zwischen einem Goldschmiedemeister und seinen Angestellten näher zu beschäftigen. Ein Gehilfe hatte einem Graudenzer Meister beim Engagement einen höheren Gehalt, als er ihn in Wahrheit in seiner letzten Stellung bezogen hatte, angegeben und auf Grund dieser Angabe auch einen höheren Lohn erlangt.

Wir wurden von dem betreffenden Goldschmiedemeister um ein Gutachten ersucht und äußerten uns dahin, daß der Arbeitgeber in solchen Fällen berechtigt sei, wenn sich herausstelle, daß der Gehilfe einen so hohen Lohn nach seiner Fähigkeit nicht beanspruchen könne, den Lohn auf den Betrag herabzusetzen, der tatsächlich in der früheren Stellung bezogen wurde. Der Gehilfe hatte sich durch das Manöver 20 Mk. Lohn mehr pro Monat zu verschaffen gewußt. Das Gewerbegericht hat sich unserem Gutachten auch angeschlossen, hat aber das Verhalten des Gehilfen nicht als Entlassungsgrund gelten lassen, weil eine „Notlüge“ vorgelegen habe. Solche „Notlügen“ wollen wir aber lieber nicht im Geschäftsverkehr einbürgern lassen.

In einer Zeugnisangelegenheit äußerten wir uns dahin: Wenn eine Veruntreuung begangen wurde und es wird ein Zeugnis auch über die Führung gegeben, so muß darin bei Schadenersatzverpflichtung diese Veruntreuung erwähnt sein. Wird dagegen nur eine einfache Dienstbescheinigung gegeben, so braucht die Veruntreuung nicht erwähnt zu werden, und es braucht auch eine von einem anderen Prinzipal erfolgte Anfrage nicht beantwortet zu werden. Vielmehr kann die Auskunft über den Gehilfen beliebig abgelehnt werden. Gibt man jedoch Auskunft, so muß auch die Veruntreuung gemeldet werden,

Schließlich wandte sich ein Goldschmied aus W. an uns und bat um die Intervention unserer Redaktion, die denn auch erfolgte. Bei ihm holte ein Wirt verschiedene Silberwaren zu einem Schießen. Dabei wurde die Bedingung gestellt: Wenn nicht genug Karten abgeschossen würden, sollte der Goldschmied etwas zurücknehmen. Da keine Beteiligung war, wurde ihm alles zur Verfügung gestellt. Mußte er sich damit einverstanden erklären? Unser Gutachten ging dahin, daß der Goldschmied nicht gezwungen werden könne, sämtliche Waren zurückzunehmen, sondern daß er nur etwas, im Zweifel die Hälfte, wiedernehmen müsse. Es empfiehlt sich jedoch, bei solchen Gelegenheiten gleich eine feste Vereinbarung zu treffen, was eventuell zurückgenommen werden soll, um spätere Differenzen zu vermeiden.

Von einigen Veränderungen im

Vorstand des Verbandes deutscher Juweliere, Gold- und

Silberschmiede hat unsere Redaktion mit Bedauern Kenntnis genommen. Die Herren 0. M. Werner und Dr. Schröder sind aus dem Vorstand ausgetreten. dem sie seit der Begründung des Verbandes angehört haben. Beide sind für die Idee einer engeren Zusammenschließung der deutschen Goldschmiede mit Begeisterung eingetreten und hatten schon den von uns seiner Zeit ins Leben gerufenen deutschen Goldschmiede-Verband mitgründen helfen. Die Arbeit, die sie dem Verbande geleistet haben, werden ihnen die deutschen Goldschmiede nicht vergessen. Haben sie doch auch pekuniäre Opfer nicht gescheut, um den Verband dem erstrebten Ziele mit näher bringen zu helfen. Wir hoffen, daß ihre Mitarbeit, trotz ihres Austrittes aus dem Vorstand, der guten Sache des Verbandes erhalten bleibt!

Hat der Kampf gegen Feuervergoldung heute noch

Berechtigung?

In Nr. 9 der Deutschen Goldschmiede-Zeitung vom verflossenen Jahr erschien aus der Feder unseres Mitarbeiters Dr. Hans Braun, Berlin ein Aufsatz „Die Nachteile und Gefahren der Feuervergoldung.“ An anderer Stelle haben wir auf Veranlassung aus unserem Leserkreis diesen Artikel noch einmal zum Abdruck gebracht. Vor Jahresfrist gingen uns über diesen Aufsatz auch viele anerkennende Briefe unserer Abonnenten zu, von denen einige auch forderten, daß der Inhalt dieser Arbeit dem Laienpublikum zugänglich gemacht werden sollte, um diesem klar zu machen, daß es eigentlich ein Attentat auf die Gesundheit der Goldarbeiter sei, noch Feuervergoldung zu verlangen.

In dem Artikel schrieb Dr. Hans Braun u. a. „die ständige ärztliche Beobachtung der Arbeiter und Beaufsichtigung des Betriebes durch Gewerbeinspektoren ist selbstver

ständlich. Daß von seiten der Regierung eines Tages dieser Richtung vorgegangen wird, ist ganz unzweifelhaft.“

Diese Sache hat jetzt das Journal der Goldschmiedekunst aufgenommen, um damit für das Goldschmiedegewerbe angeblich einzutreten. Wenn es nun damals geeignet erschienen wäre, im Interesse der Arbeiter unseres Faches vorzugehen, so hätten wir dieses, wir brauchen es eigentlich nicht besonders zu versichern, natürlich selber getan. Denn uns ist das Leben nicht nur eines unserer Fachgenossen ebenso lieb wie jedes anderen Mitmenschen, sondern wir bedauern und betrauern auch jeden Unglücksfall besonders im Fach und schätzen das Leben eines Fachgenossen ebenso hoch, wie unser seliger eiserner Kanzler das Blut eines pommerschen Grenadiers. Wenn wir auf die Feuervergoldungsfrage heute noch einmal zurückkommen, so geschieht es lediglich, um unsern Lesern

zu beweisen, daß die Anregung zu einer eventuellen ge- fährlichen Dampf gerade in das Gesicht treiben, was unter einem setzlichen Regelung dieser Frage von uns ausgegangen ist. Abzug niemals vorkommt. Wenn an letzterem nun ferner noch

Aus unserem Leserkreis sind uns über die technischen Vorteile eine Vorrichtung angebracht worden ist, in der sich das verflüchtete und Nachteile Nachrichten der verschiedensten Art zugegangen. Die Quecksilber wieder kondensieren kann, so ist auch für die Umbeiden wichtigsten bringen wir zum Abdruck. In dem einen Auf gebung die Vergiftungsgefahr beseitigt. Benutzt man außerdem noch satz wird gegen die Feuervergoldung, in dem anderen für die die Vorsicht, welche sich übrigens in Fabriken physikalischer ApFeuervergoldung gesprochen. Beide Arbeiten stammen aus der Feder parate, wo bekanntlich mehr als im Goldschmiedegewerbe mit alter, bewährter Fachgenossen.

Quecksilber gearbeitet wird, vollauf bewährt hat, während der AusBetrachten wir die Frage, ob eine gesetzliche Regelung resp. führung der Feuervergoldung eine Kopfbedeckung, ein Tuch vor ein Verbot der Feuervergoldung wünschenswert sei, heute lediglich dem Mund und eine große Lederschürze zu tragen, so kann bei von dem Standpunkte des Hygienikers, so wird man zuerst Nach den wenigen Fällen, wo Feuervergoldung überhaupt noch angewendet forschungen halten müssen, wieviel Goldschmiede denn eigentlich wird, nichts passieren. Vor vielen Jahren sind in einer Fabrik jährlich an Quecksilbervergiftung zugrunde gehen. Wir haben uns elektrischer Glühlampen in Wien in einem Jahr 12 Fälle von Queckbereits bemüht, dieses festzustellen und werden unsere Bemühungen silbervergiftung beobachtet worden. Die Untersuchung hat dann auch fortsetzen -- uns ist aber bis zur Stunde noch kein Todesfall ergeben, daß die Vergiftungen nur dadurch zustande kommen konnten, eines Goldarbeiters durch Quecksilberdampf nachgewiesen worden. weil die Arbeiter, welche mit der Quecksilberluftpumpe die Luft Chronische Quecksilbervergiftungen konnten wir durch Umfrage auch aus den gläsernen Birnen entleerten, in höchster Weise gleichgiltig noch nicht ermitteln. Dieses letztere hat seinen Grund. Es gibt und nachlässig mit dem Quecksilber umgegangen waren. Quecknämlich nur ungeheuer wenig Goldschmiede, welche die silbervergiftungen sind in Thermometerfabriken zu den Seltenheiten Feuervergoldung noch praktisch anwenden. Vor allen Dingen geworden. Wir möchten in bezug auf die Verwendung des Queckscheidet die große Menge der Ladenjuweliere aus. Die jüngeren · silbers im Goldschmiedegewerbe die Spiegelfabrikation zum Vergleich Fachgenossen kommen ebenfalls nicht in Betracht, denn wie uns heranziehen. Noch zurzeit Liebigs war das Belegen mit Zinnamalgam von vielen Seiten versichert wird, gibt es unter diesen praktischen allgemein. Heute gehört diese Art der Spiegelfabrikation schon zu Goldschmieden sehr viele, welche die Feuervergoldung nur den Seltenheiten. Auch die Feuervergoldung wird eines Tages ganz dem Namen nach kennen und den wenigen alten Herren, die von selbst aus unseren Werkstätten verschwinden, weil sie nicht vor 25 bis 50 Jahren früh morgens das Kohlenfeuer schüren mußten, mehr zeitgemäß und zu teuer ist. Verdrängt doch die Maschine um es für die Feuervergoldung vorzubereiten, denen ist heute die auf allen Gebieten die Handarbeit. Arbeit zu sauer. Das Publikum will die viele Arbeit nicht bezahlen, Fast glauben wir, man hat die Kollegen im andern Lager durch denn eine gute Feuervergoldung kostet mindestens das doppelte, diese Arbeit in den April schicken wollen. häufig aber auch das zwei- und dreifache der elektrolytischen Ver- Wir halten von der ganzen Bewegung, welche ein gesetzliches goldung. In Fabrikbetrieben wird die Feuervergoldung, Verbot der Feuervergeldung bewirken soll, gar nichts. Den Ausgang wie uns von maßgebender Seite versichert wird, so häufig des ganzen Manövers können wir uns eigentlich schon genau vorangewendet, daß, wenn man die ganze Arbeitszeit zu stellen. Die Petition wird vermutlich von der Petitionskommission sammenfaßt, ein einziger Arbeiter noch nicht eine Woche des Reichstags zurückgelegt oder im günstigsten Falle dem Herrn damit zu tun hätte, um sein Arbeitspensum zu erledigen. Reichskanzler zur Kenntnisnahme überreicht --- und damit ist

Und deshalb die Klinke der Gesetzgebung in die Hand nehmen? die Sache tot! Wird die Petition dann aber zum zweiten- oder zum

Wir sind der Ansicht, daß die heute bestehenden gesetzlichen drittenmale eingereicht, so wird vielleicht ein Regierungskommissar Bestimmungen vollauf genügen – wenigstens im großen und ganzen (denn der Herr Reichskanzler hat mehr zu tun) im Plenum erklären, - um gegen Nachlässigkeiten der Arbeitgeber gesetzlich vorzugehen. die Angelegenheit sei zunächst einmal dem Reichsgesundheitsamt

Es ist eine Eigentümlichkeit, die in jedem Menschen liegt, daß zur Bearbeitung überwiesen, und wenn man dann nach Jahr und er die Gefahr mißachten lernt, der er beständig ausgesetzt ist. Es Tag endlich wieder auf diese Angelegenheit zurückkommt, wird man ist nicht abzustreiten, daß beim Hantieren mit giftigen Chemikalien, im Goldschmiedegewerbe die Leute, welche eine Feuervergoldung insbesondere mit Cyankalium Unglücksfälle vorkommen. Feuer- praktisch ausgeführt haben, mit der Laterne suchen müssen. Jetzt vergoldungen werden aber so selten ausgeführt, daß der Gold- nachdem soviel davor gewarnt ist, wird man sie noch mehr als arbeiter eine heilige Scheu vor ihr hat. Er kennt nämlich die Ge- bisher meiden, und die Regierung wird dann erst recht keine Verfahren des Quecksilbers nur vom Hörensagen und wer sie dann anlassung haben, sich um Angelegenheiten zu bekümmern, die der eines Tages wirklich einmal ausführen muß, ist doppelt vorsichtig. Vergangenheit angehören. Bei der Feuervergoldung ist vor allen Dingen wichtig, daß die Sollen Löwen gegen Mäuse kämpfen oder soll man gegen Arbeit unter einem guten Abzug vorgenommen wird, obwohl unser Mücken ein Armeekorps mobil machen ? verehrter Fachgenosse S. N. das Arbeiten im Freien empfiehlt. In Uns will es scheinen, als ziehe das „Journal der Goldschmiedeletzterem Falle kann nämlich ein Windstoß dem Arbeiter den ge- kunst“ gegen einen bereits Sterbenden zu Felde.

Zur Frage der Feuervergoldung.

Herr 0. und Herr R. G. streiten seit einiger Zeit im „Journal der Goldschmiedekunst“ wegen galvanischer und Feuervergoldung herum. Beide Herren haben in einzelnen Punkten recht, nur die Ansicht ist wohl irrig, daß galvanische Vergoldung Feuervergoldung ersetzen kann. Hierbei kommt es sehr auf den Gegenstand und seine Bestimmung an. Nicht genug damit, daß zwei Fachleute streiten über gut oder besser, die vorgenannte Fachschrift will nun mehr sogar ein Gesetz fabrizieren lassen, damit wir demnächst nur noch an Cyankali sterben können und die Feuervergoldung gesetzlich verboten wird. Mit Gesetzen sind wir nachgerade genug beglückt, denn erlaubt ist ja ohnehin schon nichts mehr, das Gesetz erlaubt ja nicht einmal mehr das Schwarzwerden der Wände. Jede Werkstatt mit mindestens zehn Gehülfen muß jedes Jahr einmal geweißt werden, wie § 10 Anhang Nr. VII 5 besagt, und dies doch wohl nur, damit schöne weiße Flächen für neue Bilder und Sprüche geschaffen würden, die mancher so sinnreich mit Holzkohle zu zeichnen versteht. Leider komme ich erst heute dazu, mein Be

fremden darüber auszudrücken, daß jemand behaupten kann, galvanische Vergoldnung könne Feuervergoldung ersetzen, galvanische Vergoldung kann niemals Feuervergoldung ersetzen. Die Gesundheit kann bei dem Prozeß der Feuervergoldung nur dann leiden, wenn der damit Betraute die Vorsichtsmaßregeln außer acht läßt. (Sehr richtig! D. Red.) Die Gefahr des Abblätterns (Steigens) ist bei beiden Verfahren wohl gleich groß, und liegt nur an Unreinlichkeit oder unrichtiger Zusammensetzung der Bäder resp. des mit Quecksilber gesättigten Goldes in Verbindung mit Unachtsamkeit und Unkenntnis der Arbeit. Die Behauptung, daß man galvanisch ebenso stark vergolden kann, wie im Feuer, ist sehr richtig, bei guter Behandlung der galvanischen Vergoldung ist es leicht möglich, einen Silbergegenstand so zu vergolden, daß derselbe geglüht werden kann, wie ein feuervergoldetes Stück. Beide lassen nach dem Glühen noch deutlich erkennen, daß die Stücke vergoldet waren, ohne daß das Gold abblättert. Im Feuer kann man Silber, Kupfer, Messing, Bronze in den verschiedensten Legierungen direkt vergolden, nur

muß das Quecksilber für die Vergoldung bei dem einen Metall stärker mit Gold gesättigt sein, wie bei anderen. Dies lehrt die Erfahrung bald. Bei Cyankalibädern ist es aber nicht möglich, einen Goldüberzug, der sich polieren läßt, direkt auf Messing und einer ganzen Anzahl Bronzelegierungen ohne vorheriges Versilbern oder Verkupfern der Gegenstände herzustellen. (Wir hörten auch die entgegengesetzte Ansicht! D. Red.). Um diese Legierungen direkt vergolden zu können, müßte man denn schon wieder Blutlaugensalzbäder haben, dieses ist aber lange nicht so zuverlässig und dauerhaft für große Bäder, wie Cyankali, nebenbei bemerkt, auch sehr giftig. Der Goldauftrag ist bei den Verfahren gleich stark herzustellen, wenn genügend Gold verwendet wird. Die galvanische Vergoldung ist auch viel sparsamer und billiger, erstens, weil der Gehülfe bei größeren Stücken, die ja stets nach dem Reinigen längere Zeit ruhig im Bade bleiben, nicht ununterbrochen tätig zu sein braucht, zweitens, weil nicht so viel Gold nötig ist. Bei der galvanischen Vergoldung werden die hohen vorstehenden Stellen zuerst gedeckt, bei der Feuervergoldung ist das umgekehrt der Fall. Das mit Gold gesättigte Quecksilber läuft beim Erwärmen in die Vertiefungen und muß ununterbrochen herausgebürstet nnd über den Gegenstand verteilt werden, trotzdem sitzt in den Tiefen stets viel mehr Gold. Die Feuervergoldung benötigt also mehr Gold und mehr Arbeit, ist infolgedessen viel kostspieliger. (Hierin sind sich alle Praktiker einig. D. Red.) Hierzu kommt noch, daß man galvanisch ebenso stark vergolden kann, wie im Feuer, und verleitet dies wohl einzelne Fachleute dazu, die Behauptung aufzustellen, daß galvanische Vergoldung ebenso gut sei, wie die Feuervergoldung. Die Betreffenden haben wohl kaum Gelegenheit gehabt, Feuervergoldung an größeren Gebrauchsgegenständen auszuführen, von

nen bei andauerndem Gebrauch und bei einer Aufbewahrung in feuchten und dunstigen Räumen eine lange Haltbarkeit verlangt wird. Würden die Betreffenden Gelegenheit haben, diese Einwirkungen auf galvanischen und feuervergoldeten Gegenständen zu beobachten, So würden sie zweifellos der Ansicht werden, daß Feuervergoldung besser ist. Jede galvanische Vergoldung läßt sich dunkelbraunschwarz färben, die Feuervergoldung läßt dies nicht zu. Seit langen Jahren habe ich Gelegenheit, alte kunsthistorische Arbeiten, die in dumpfen, feuchten Räumen jahrhundertelang aufbewahrt wurden, zu sehen und wieder herzustellen, Stücke aus allen Zeiten in den verschiedensten Ausführungen. Wie tadellos ist hier die Farbe der Vergoldung erhalten, besonders da, wo sie durch den Gebrauch nicht abgenutzt ist! Gehen Sie in die Kirchen und Museen, wo Sie Gelegenheit haben, neuere Stücke zu sehen, dort finden Sie an galvanisch vergoldeten Gegenständen braunrote Flecken, die stellenweise ins schwarze übergehen, die so fest haften, daß nur ganz scharfe Cyankalilösung solche entfernt. Hier ist der springende Punkt.

Die Feuervergoldung widersteht dem Witterungseinfluß etc. in jeder Weise, die galvanische Vergoldung nicht, weil sich bei diesem Prozeß stets etwas von dem im Bade hängenden Kupferdrähten löst und der Niederschlag nicht reines Gold ist, die Beimischungen sind im Verhältnis gering, genügen aber, so daß der Niederschlag mit der Zeit fleckig wird. Bei Benutzung von Gold- oder Platindraht ausgeschlossen. Nehmen Sie einmal ein großes Cyankalibad in dem

lange Zeit vergoldet wurde, füllen dasselbe aus, schmelzen den Satz und probieren nunmehr das gewonnene Metall, dann werden Sie finden, wie groß die Beimengung des fremden Metalles ist. Wird ein großer Gegenstand im Feuer vergoldet, geschieht dies über Kohlenfeuer im Freien, so wüßte ich nicht, wo die Gefahr zu suchen ist, wenn der Betreffende sich den Mund mit einem Tuche gut verbindet. Ich selbst beachte diese Vorsicht nie und bin wohl und munter, nur ein bißchen nervös, hauptsächlich dann, wenn die Polizei kommt und mit sachverständiger Miene den Betrieb revidieren will, der hierdurch entstehende Ärger wirkt viel schlimmer, als Quecksilberdämpfe. Die Glasbüchsen, in denen Cyankali verschickt werden, sind von den Firmen stets mit Totenköpfen und verschiedenen Kreuzchen etc. beklebt uud ich vermute infolgedessen, daß der Inhalt der Behälter giftig ist. Hörte auch schon, daß hier und da einmal ein Goldschmied an zu viel Cyankali verstorben sei. Von der Feuervergoldung hörte ich nie, daß diese in solcher Weise dem Goldschmied nach dem Leben trachtet, und daß nachgewiesen wurde die Feuervergoldung führt den Tod herbei.“ Oder hat einer der Kollegen schon gehört, daß gemeldet wurde: „Der Tod trat durch Feuervergoldung ein?“ Der Tod trat durch Cyankali ein“ ist schon des öfteren gemeldet worden und müßten wir demnach auch wohl noch ein Gesetz fertigen lassen, daß den Gebrauch von Cyankali verbiet. Dieses wirkt bekanntlich lähmend auf die Herztätigkeit. Im übrigen wird auch kaum mehr so viel im Feuer vergoldet, daß es nötig ist, dieserhalb ein Gesetz fabrizieren zu lassen, denn die Zeit ist ja schon da, daß man mehr das Gesetzbuch, wie sein Geschäft studieren muß, um nicht jeden Augenblick irgendwo anzustoßen, vorausgesetzt, daß man nicht zu denen gehört, die zu allem „ja“ sagen. In jeder größeren Goldschmiedewerkstätte müßten, wenn es genau genommen würde, ja jetzt schon mehr Plakate hängen, wie Wandflächen da sind, um den Gehilfen und Meistern kund zu tun, was das Gewerbegesetz erlaubt und was dieses verbietet. Gestattet ist ja jetzt eigentlich schon nichts anderes mehr, als Steuern und sonstige Abgaben zu zahlen

Wer nicht feuervergolden will, mag es bleiben lassen. Unsere Herren Gehilfen werden auch ohne Rückhalt sagen, die Arbeit mache ich nicht und die wenigsten kennen das Verfahren und haben darin so viel Übung und Erfahrung wie nötig ist um rationell im Feuer vergolden zu können. Die Betriebe, wo so viel im Feuer vergoldet wird, daß die Gesundheit der Gehilfen leiden könnte, werden wenige sein, und diese sind auch durch das Gesetz gezwungen, Einrichtungen anzulegen zum Schutz der Gesundheit, sonst steht dem leidenden Teile ja eine Beschwerde an die Gewerbeinspektion frei, und diese würde dann schon alles Weitere veranlassen. Ob das, was die Sachverständigen dann vorschreiben, das Richtige ist, wollen wir dahingestellt sein lassen. Statt an den Reichstag eine Eingabe zu machen, wegen eines Verbotes der Feuervergoldung, wäre es am Ende besser, eine Eingabe um vorläufige Pensionierung der Gesetzentwurffabrikanten einzukommen, damit alle Fachgenossen Zeit finden, das jetzt vorliegende Gewerbegesetz gründlich zu studieren. Zweifellos würde dann unser Stand einsehen, daß es nötiger wäre, Eingaben zu machen, um Aufhebung mancher Verordnungen, die am grünen Tische entstanden, als nach neuen Gesetzen zu verlangen.

P. B.

de

Zum „gesetzlichen“ Verbot der Feuervergoldung.

Die Deutsche Goldschmiede-Zeitung brachte am 1. Mai verflossenen Jahres bereits aus der Feder des Herrn Dr. Hans Braun eine von allen Fachgenossen freudig aufgenommene Abhandlung über „Die Nachteile und Gefahren der Feuervergoldung" mit dem Schlusse: „Daß von seiten der Regierung eines Tages in dieser Richtung vorgegangen werden wird, ist unzweifelhaft.“ Das „Journal der Goldschmiedekunst“ brachte nun im Anschluß daran in seiner letzten Nummer einen Aufruf zur Sammlung von Unterschriften, um ein gesetzliches Verbot der so sehr gesundheitsschädlichen Feuervergoldung herbeizuführen. In den Werkstätten, wo diese gefährliche Arbeit noch ausgeführt werden muß, dürfte dieser Aufruf unter Meistern und Gehilfen Anklang gefunden haben – aber ob sich die ersteren wohl getrauen, ihren Namen unter den Aufruf zu setzen? Ob dieselben nicht fürchten, die böse Kon

kurrenz, welche mit dem hochklingenden Namen „Feuer“ bei jeder Gelegenheit prunkt und Gläubige findet, könnte sie bei der Kundschaft verraten und sie so in ihrem Geschäft schädigen? Es klingt ja fast unglaublich, daß manche Laienkreise, namentlich Geistliche, noch immer und trotz aller Gegenvorstellungen hartnäckig auf der veralteten Feuervergoldung bestehen, trotzdem z. B. gerade die Besteckfabrikation zur Evidenz den Triumph der galvanischen Metallniederschläge gezeigt hat. Man hört da oft sagen: Die neuen Arbeiten sind doch nicht mehr so gut vergoldet wie die in unseren Museen befindlichen alten Stücke, und da dieselben feuervergoldet sind, so muß dies die bessere Manier sein. Ja, ist da zu erwidern Bezahlt die Vergoldungsarbeiten besser, gebt uns z. B. zur Vergoldung eines Kelches auch noch 4–5 Dukaten wie früher, und wir liefern eine galvanische Vergoldung, die in jeder Beziehung der besten Feuervergoldung standhält. Im Preis und nicht in der Herstellungsart (Wird uns von vielen Seiten bestätigt. Die Redaktion.) liegt ja der Hauptgrund für die Güte jeder Vergoldungsarbeit, und was speziell die Feuervergoldung betrifft, so wird dieselbe ja fast gar nicht mehr auf die einstige Weise hergestellt; kaum ein Goldschmied „glühwachst“ mehr, sondern gibt Farbe. (und wie oft auch die ausschlaggebende Goldauflage!) auf galvanischem Wege. Warum also sich noch auf etwas steifen, von dem nur mehr das Gefährlichste, das Spiel mit Quecksilber, geblieben? Wenn schwerere Quecksilbervergiftungen heute nicht mehr so häufig sind als früher, so hat dies seinen Grund darin, daß eben der weitaus größere Teil sich schon der vernünftigen Methode der galvanischen Vergoldung zuwenden konnte; würden alle die tausende

Kilo Silber und Gold, die heute auf galvanischem Wege auf Gegenstände niedergeschlagen werden, noch ausschließlich im Feuer aufgetragen, so würde sich eine erschreckende Menge Vergiftungsfälle ergeben. Dem Rest der Goldschmiede aber, welche aus Rücksicht auf Laienvorurteil noch, wenn auch höchst widerwillig, Feuervergoldung ausführen müssen, und solchen, die dieselbe zwar gezwungen versprechen, aber aus Vernunfts- und Menschlichkeitsgründen nicht ausführen (in solchen Fällen spricht man Laien gegenüber bekanntlich von „galvanischer Feuervergoldung“), möge endlich durch ein allgemeines gesetzliches Verbot die ersehnte Erlösung aus der schweren Wahl zwischen Invalidität und — Lüge kommen.

S. N

Gebr. Friedländer, Hofjuweliere, Berlin.

Ein Erinnernngsblatt zum 75 jährigen Jubiläum am 30. März 1904.

im Jahre 1801 geboren – in Gemeinschaft mit Louis Saling in Berlin ein Gold- und Silberwarengeschäft, dem ein Wechsel- und

Drei Jahre vor seinem Tode ernannte König Friedrich Wilhelm I. von Preußen den Stempelschneider Z. L. Friedländer, wohnhaft in der Gertraudtenstraße zu Berlin zum Münzwardein, .... „dieweil er etliche Stampilien zu Unserer Zufriedenheit wolgeraten und feyn“ ausgeführet habe.“ Auch unter dem Nachfolger des Königs, dem großen Friedrich, bekleidete Friedländer sein Amt noch manche Jahre, wie auch verschiedene Münzen aus der fridericianischen Zeit mit seinen Stempeln geprägt sind. Er starb hochbetagt in angesehener Stellung. Die Beschäftigung des alten Münzwardeins mit Edelmetallen scheint die Vorliebe für solche in der Familie erblich gemacht zu haben. Ein Enkel gleichen Namens wie der Großvater, gründete in noch sehr jugendlichem Alter - er war

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HERMANN HERZ.

Kommissionsgeschäft angegliedert war. Beide Geschäfte wurden am 30. März 1829 im Hause Schloßplatz 13 eröffnet.

Diese geschäftliche Gemeinschaft bestand aber nur vier Jahre; warum nicht länger, dafür sind keine Gründe überliefert. Unter dem 1. April zeigte Saling & Friedländer ihrer verehrten Kundschaft und den werten Geschäftsfreunden an, daß die „bisherige Firma mit dem heutigen Tage zu Ende gehet.“ Der Teilhaber Saling übernahm das Wechsel- und Kommissionsgeschäft und unser Friedländer

FELIX FRIEDLÄNDER.

setzte das bisherige Gold- und Silberwarengeschäft unter der Firma Friedländer & Co. im alten Lokale fort.

Er verstand es, das Geschäft hübsch vorwärts zu bringen und so zu festigen, daß es auch das kritische Jahr 1848 ohne Schwierigkeiten überstand. Aufs beste wurde er von seiner Frau Rosalie geb. Jacoby aus Driesen unterstützt, die jede freie Minute im Interesse des aufblühenden Hauses verwendete. Ihr, die von den vielen Kunden des Geschäfts den scherzhaften Beinamen „Silber-Röschen“ erhalten hatte, war es vergönnt, in hohem Alter dem 50 jährigen Jubiläum der Firma beiwohnen zu können. Ja, noch mehr, die

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HEINRICH STRAUSS SEN.

PAUL STRAUSS JUN.

selten rüstige Greisin konnte auch noch die Einweihung des neuen Geschäftslokales erleben und hatte, als sie im 83. Lebensjahre starb, noch die Freude gehabt, ihren Enkel im Geschäft tätig zu sehen.

Der Ehe entsprossen vier Söhne, von denen die beiden ältesten dem Vater in der Führung des Geschäftes beistanden, um später als Teilhaber mit aufgenommen zu werden; und zwar trat der älteste Sohn Leopold 1854 ein, der zweitälteste Siegmund 1856; ersterer übernahm hauptsächlich die Führung des Bankhauses, das inzwischen neben dem Juwelengeschäft wieder eingerichtet war, während Siegmund seine Tätigkeit ausschließlich dem letzeren widmete.

Im März 1860 starb der Begründer des Hauses, der in der Berliner Gesellschaft eine angesehene Stellung einnahm. Kurze Zeit nach seinem Tode trennten sich die Brüder derart, daß Leopold das Bankhaus für seine Rechnung allein unter der Firma Friedländer & Co. übernahm, indes Siegmund mit seinem Bruder Theodor, der 1862 in die Firma eintrat, das Gold- und Silberwarengeschäft unter dem Namen Gebr. Friedländer fortsetzte.

In den sechziger Jahren waren Gebr. Friedländer zu Hofjuwelieren ihrer Kgl. Hoheit, Prinzessin Luise von Preußen ernannt worden, auch der damalige Kronprinz und seine Gemahlin (später Kaiser und Kaiserin Friedrich) wurden und blieben der Firma gnädige Gönner und am 24. Juni 1874 wurde diese auch Hofjuweliere des Kronprinzen des Deutschen Reiches und von Preußen.

Der immer wachsende Umfang des Geschäftes machte den Umbau der Lokalitäten im Hause Schloßplatz 13 notwendig, aber selbst die so erweiterten Räume waren schon nach kurzer Zeit wieder zu zu klein. Darum mußte man sich endlich von dem alten Stammhause, wenn auch schweren Herzens, trennen, und erwarb das Grundstück, Unter den Linden 28, in dem sich heute die Geschäftsräume von Gebr. Friedländer befinden. Der Einzug in das neue Haus fand im Juli 1889 statt. In den achtziger Jahren trat auch Herr Jakob Herz, der bei der Firma gelernt hatte und besonders umsichtig und eifrig war, als Teilhaber ein, gehörte ihr aber nicht lange an, da er schon 1897 starb.

Den schmerzlichsten Verlust hatte die Firma aber schon im Jahre 1890 erlitten, als ihr Seniorchef Siegmund aus dem Leben abberufen wurde. Bis zu seinem Ende war er unermüdlich tätig gewesen und hatte für Gebr. Friedländer die größten Erfolge errungen; er war anerkannt einer der ersten Juwelenkenner. Daneben besaß er größtes kaufmännisches Geschick und nimmer rastende Energie. 1878 wurde er Kgl. Kommerzienrat. Sein Bruder Theodor starb 1893, ein weiterer großer Verlust für das Geschäft, dem er durch seine Liebenswürdigkeit und geschäftliche Offenheit einen beträchtlichen Teil der Kundschaft mit herangezogen hatte. Mit seinem Tode also, mit dem die zweite Generation dahingestorben war, mußte in der Oberleitung von Gebr. Friedländer ein durchgreifender Wechsel eintreten. Alle Nachfolger aber, von denen die meisten heute noch die Firma weiterführen, sind aus der Schule Siegmunds und Theodors hervorgegangen und haben gelernt, in derem Sinne die geschäftlichen Grundsätze fortzuführen und sich von ihnen leiten zu lassen.

Im Jahre der ersten Berliner Gewerbeausstellung feierten Gebr. Friedländer ihr 50 jähriges Geschäftsjubiläum, und erhielten auf der Ausstellung die höchste zu vergebende Auszeichnung. Dem heimischen Erfolge folgten auswärtige, überall errang die Firma allererste Preise, den letzten auf der großen Pariser Weltausstellung von 1900. Im Anschluß hieran sei erwähnt, daß Friedländer 1876 Hof

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