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Mittel nichts kommen lassen wollte und sich als Beispiel dafür anführte, daß die Zwetschgen nicht schuld sein konnten, denn sonst wäre ihm doch auch übel geworden. Wer weiß, wie weit der Streit noch gediehen wäre, wenn nicht der Steward zum Einnehmen des Abendbrotes gerufen hätte.

Wacker und ich gingen hin und versprachen, dem Hiller sein Abendbrot mitzubringen. Es gab zwei dicke Weißbrotschnitten mit Käse belegt und ein heißes Getränk, das Tee genannt wurde. Milch und Zucker waren gleich zugeschüttet. Hiller nahm das Brot in die Hand, wollte essen, aber den ersten Bissen konnte er schon nicht genießen und er bat uns, an einer anderen Stelle unser Abendbrot zu essen, denn von dem bloßen Zusehen werde ihm schon schlecht. Wir setzten uns nachher wieder zu ihm und da klagte er nun wieder, daß sein Magen so leer sei und er etwas essen möchte. „Halt, ich habs,“ sagte er, ..ich hole mir vom Steward einen Hering und eine Flasche Bier. Gesagt, getan. Nach kurzer Zeit kam er, in der einen Hand einen Hering, in der andern eine Flasche Bier, mit Mühe in dem schaukelnden Schiffe die Balance haltend, an und vergnügt verzehrte er sein Göttermahl.

Hier will ich einschalten, daß unser Dampfer noch einer der ältesten war, und deshalb nichts von dem ruhigen Gange der heutigen großen Schnelldampfer hatte. Während der ganzen drei Wochen dauernden Fahrt kam er aus dem Schlingern nicht heraus.

Freund Hiller versicherte, nun sei ihm wieder ganz wohl, und beruhigt erzählten wir uns noch aus unserer Vergangenheit einige lustige Sachen und gingen dann in unsere Kabine. Kabine, darunter versteht man eigentlich etwas anderes, als diese Holzverschläge, die Raum für 3 bis 6 Personen boten.

Wir hatten eine dreischläfrige annektiert und schliefen darin auf unseren Matratzen ganz prächtig. Um 8 Uhr früh gab es Kaffee. Schlechteren hatte ich in meinem Leben noch nicht getrunken, denn er hatte einen lieblichen Beigeschmack nach Petroleum und war sehr dünn. Aber er war heiß und bald hatten wir uns an den Petroleumgeschmack gewöhnt. Wir aßen dazu unsere ebenfalls verabreichten Brotschnitten und gingen dann auf das Verdeck, um zu rauchen. Ich bin leidenschaftlicher Raucher, habe aber zu Hause aus Sparsamkeitsrücksichten nur lange Pfeife gerancht. Zu der Reise hatte ich mir einige Pfund besten Varinas Canaster besorgt und auf die Reise meine lange Pfeife auch mit genommen. Ich stellte es mir so poetisch vor, auf dem Verdeck des Schiffes sitzend, das große Meer zu bewundern und dazu eine Pfeife zu schmauchen. Als wir in Köln das Schiff bestiegen hatten, banden wir unsere Stöcke, Schirme, und auch die lange Pfeife dazu, zusammen, und brachten auch alles glücklich auf den Ozeandlampfer; nun war aber der Kopf von meiner langen Pfeife verloren gegangen. Da saß ich jetzt mit meinem schönen Knaster und konnte ihn nicht verwerten. Wacker und Hiller rieten mir zwar, eine große Kartoffel, die ich in der Küche erhalten konnte, auszuhöhlen und als Pfeifenkopf zu benutzen, aber ich wollte davon nichts wissen. Nachher gelang es mir doch, durch Vermittlung des Stewards, mit dem wir uns anfreundeten, eine noch nicht gebrauchte Tabakspfeife von einem Matrosen zu erhandeln.

Also wir saßen einträchtiglich auf dem Verdeck des Dampfers und sahen dem Rauche des Tabaks nach, betrachteten auch das Meer (es kam uns aber gar nicht so poetisch, sondern etwas langweilig vor), als Hiller wieder anfing: „Kinder, ich glaube, mir wird schon wieder schlecht. Ich gehe hinunter, ich kann das Wogen des Meeres nicht mehr ansehen.“ Also wieder hinunter, aber nicht lange darauf schoß mein lieber Hiller wieder herauf und studierte Kotzebues Werke. Matt und abgeschlagen führten wir ihn wieder herunter.

„Kinder,“ sagte er, „ich fühle mich so schlecht, ich sterbe, glaubt es mir, grüßt meinen Bruder von mir.“ Wir redeten ihm gut zu, Wacker bot noch einmal schüchtern seine getrockneten Zwetschgen an, wurde aber so von ihm angeschrien, daß er zurückfuhr. „Holt mir wieder einen Hering und eine Flasche Bier,“ bat schließlich Hiller, „vielleicht hilft es mir wieder.“ Wir

holten das Verlangte, Hiller setzte sich trübselig in eine Ecke, biß in seinen Hering und trank einen Schluck Bier. Wir wußten ihn gut aufgehoben, wollten ihm aber noch mal zureden, doch lieber oben auf Deck an die frische Luft zu kommen, als da unten in dem dumpfen Raum zu bleiben. „Nein,“ sagte er, „ich komm auf keinen Fall nach oben. Wenn ich oben das Schwanken des Schiffes fühle und das Meer so wogen sehe, denke ich immer, ich muß Kopfkegel schießen und dann ins Meer fallen. Kinder, sagt dem Kapitän, ich mache nicht mehr mit, er soll anhalten, ich will aussteigen.“ Na, den Humor hatte er ja noch nicht verloren, also wirds ja wieder werden, dachten wir. Aber frische Luft würde ihm doch gut tun. Alle Luken waren fest zu.

„Ich habe eine Idee,“ sagte Wacker, stieg auf eine Bank und suchte eine der Luken zu öffnen. Es ging. „So, Mensch,“ sagte er zu Hiller, „setze dich hier auf die Bank unter der Luke, da hast du frische Luft und brauchst das wogende Meer nicht zu sehen.“ Hiller setzte sich mit einem ergebenen Lächeln auf die angewiesene Bank. Wir wünschten ihm guten Appetit zu seinem Hering und Bier und gingen lachend nach oben. Kaum waren wir eine halbe Stunde oben, als wir nach unten gerufen wurden, dem Hiller sei etwas passiert, er sei quitschenaß. „Nanu, sagte Wacker, „,sollte er sich so ——“ Wir sprangen hinunter, da stand der Unglücksmensch in einer Ecke des Schiffraums und war beschäftigt, sich auszuziehen. Eine Sturzwelle war durch die Luke geschlagen und unser lieber Kollege war bis auf die Haut durchnäßt worden. Wir holten ihm schleunigst andere Wäsche und Kleidung und halfen ihm, sich umzuziehen. Das Sturzbad schien aber heilsam für ihn gewesen zu sein, denn die Seekrankheitsanfälle kamen seltener und nicht mehr so stark, und wir sahen ihn nur noch zwei- oder dreimal, in der einen Hand einen Hering, in der anderen eine Flasche Bier haltend, mit trübseligem Gesicht dasitzen.

Langsam, sehr langsam schlich die Zeit dahin. Fortwährend schlafen konnte man doch nicht. Die Bücher, die ich bei mir hatte, waren von uns schon dreimal durchgelesen worden. Das Wetter war unangenehm geworden, auf dem Deck konnte man sich deshalb nicht lange aufhalten. Das Essen war kräftig und wurde ausreichend verteilt, aber das immerwährende Pökelfleisch war uns zuwider geworden. Da kamen wir auf den Gedanken, unser Brot zu rösten. Wir legten die Butterbrote auf eines meiner Bücher, es war Lenaus Savonarola, und baten in der Küche um Erlaubnis, es in den Bratofen schieben zu dürfen und das Produkt schmeckte uns köstlich. Doch wie alles in der Welt, vergingen auch diese Tage und eines Morgens hieß es „Land in Sicht". Das war ein Aufstand. Alles lief aufs Deck, aber nur da ganz weit vorne sah man einen Streifen, der ebensogut eine tiefliegende Wolke sein konnte. Trotzdem dauerte die Aufregung an. Ein Barbier war unter den Mitreisenden, und hatte er während der vorhergegangenen Zeit vergebens seine Dienste angeboten, so rib man sich jetzt um ihn und bezahlte gern den verlangten Preis von 50 Pfennig. Die guten Kleider wurden vorgeholt und als man am Nachmittag schon eine Stadt auf dem Lande, New York, erkennen konnte, da glaubten alle, heute Abend sind wir dort. Ich hatte noch vor wenigen Tagen einen großen Ärger gehabt. Wir hatten so starken Sturm, daß das Schiff wie ein Federball hin und hergeworfen wurde. Um nur auf Schiff gehen zu können, waren Taue gespannt, um sich beim Gehen daran festzuhalten. Es war nun eine schwierige Sache, mit dem in einem Napf geholten Essen glücklich wieder an seinen Platz zu kommen. Den einen Tag gab es Erbsen und war der Boden durch einiges verschüttetes Essen schlüpfrig geworden. Ich glitt aus, fiel mit meinem Napf voll Erbsen hin und mein Hintermann über mich rüber, sein ganzes Essen auf meinen noch guten Überzieher schüttend. Ich hatte alles mögliche angegeben, die Erbsen aus dem Flockinüberzieher herausziklauben, aber es half nichts, ich mußte mit meinem Überzieher, der auf dem Rücken noch die deutlichen Überreste des Erbsengerichtes aufwies, ans Land gehen.

Wir glaubten also, heute Abend noch an Land zu kommen, aber es wurde nichts daraus. Wir hatten vielmehr eine fürchter

----- -- - - - - = = = = =-=-- - lich kalte Nacht noch auf dem Schiffe zuzubringen. Je näher dem Briefe willkommen und bat, wir möchten depeschieren, wann wir dem Lande kamen, desto kälter wurde es, das Schiff war wir in Boston eintreffen. Man hörte in dem großen Gebäude bald mit Eis überzogen, so daß es lebensgefährlich war, auf dem alle möglichen Sprachen, aber Deutsch am meisten, und so hatten Deck zu gehen.

wir bald erfahren, auf welchem Wege wir am besten nach Boston Bei Anbruch der Dunkelheit ließ das Schiff Anker fallen kämen und wann wir dort eintreffen. Die gewünschte Depesche und wir lagen bis zum nächsten Morgen still. Es wurde kälter ging ab. Wir benutzten die „Fall River Line". Von New York und immer kälter. Die Überzieher schützten gar nicht und im fuhren wir Abends in einem hochelegant eingerichteten Dampfer Zwischendeck lief Alles auf und ab, um sich zu erwärmen. Der ab, Morgens kamen wir in Fall River an und fuhren dann noch Steward verkaufte manche Flasche Brandy und Gin, und über- drei Stunden mit der Bahn. Das war ein freudiges Wiedersehn. nächtigt und zerschlagen fand uns der endlich anbrechende Morgen. Uns zu Ehren hatte Frau Hiller einen feinen Schmaus hergerichtet Der Lotse kam an Bord, bald darauf die Gesundheitskommission und nachher zum Kaffee Apfelplätzchen gebacken, denen wir drei und endlich, endlich legte das Schiff im Dock an. Aber an Land ausgehungerte Gesellen so zusprachen, daß Frau Hiller gar nicht kamen wir noch nicht. Wir mußten auf einen Prahm umsteigen so rasch backen konnte, wie wir aben. Der nächste Tag war und fuhren noch über eine Stunde den Red River hinauf, bis wir der 24. Dezember, Weihnachtsheiligabend, und ich so fern der in Castle-garden endlich an Land kamen. Castle-garden, inzwischen Heimat. Das lag mir immer im Sinn, als Hiller I sagte: „Nun, abgebrannt und dann wieder aufgebaut, war ein sehr großes, an Kinder kommt, time is money. Jetzt gehen wir rasch noch in einen Zirkus erinnerndes Gebäude, das jeder Einwanderer passieren die Fabrik, damit ihr euch vorstellt und morgen heißt es: ran muß. Auf dem Dampfer noch waren unsere Habseligkeiten von an die Arbeit.“ Wir protestierten, das lohne doch nicht mehr, einem Steuerbeamten durchsucht worden. Hier in Castle-garden morgen sei Heiligabend, dann erster und dann zweiter Feiertag. mußte jeder seinen Namen, Stand, Heimatsort und Ziel angeben. Da lachte er nur und sagte, hier gibts keinen Heiligabend und Dann schmeckte aber die erste gute Tasse Kaffee und der leckere keinen zweiten Feiertag, nur einen Christmessday. Also dann Apfelkuchen.

gings noch zum Vorstellen in die Fabrik und dann ins Bett, in Da wurde plötzlich der Name Hiller gerufen. „Hier brüllte ein schönes deutsches Federbett, will aber bemerken, daß die Amerier und erhielt einen Brief von seinem Bruder. Er hieß uns in kaner fast nur wollene Decken oder Steppdecken als Decke benutzen.

Schmuck und Mode.

Kann der Goldschmied nicht helfen? Eine der schwierigsten Fragen in der weiblichen Bekleidungskunst der Gegenwart bildet die Gestaltung des Kragens. Gesundheitslehre und rationelle Schönheitspflege fordern mit gleichem Recht die Beseitigung des hohen Stehkragens mit seinen steifen Einlagen. Dieser hohe Stehkragen ist für den Gebrauch im Zimmer zu heiß; er verwöhnt den Hals, macht ihn empfindlich gegen Erkältungen und führt gleichzeitig ein verfrühtes Runzeligwerden der Haut herbei. Die Reformbewegung in der Frauenkleidung suchte sich dadurch zu helfen, daß sie den hohen Stehkragen einfach wegließ. Wer indessen ein halbwegs entwickeltes Gefühl für Stil und Schicklichkeit besitzt, muß zugeben, daß der unbekleidete Hals auf der Straße, in Bureaus und Arbeitsräumen ein bestimmtes Gefühl der Vernachlässigung, der Gleichgültigkeit gegen das Preisgeben intimer Reize erweckt. Straßen- und Arbeitskleid der Frau müssen nach modernem Empfinden immer etwas von straffer Disziplin und strenger Zweckmäßigkeit an sich tragen, darum ist eine ziemlich hohe einfach gezeichnete Bekleidung des Halses für

diese Kleider unentbehrlich. Der hohe Stehkragen ist aber z. B. während des Schreibens höchst unbequem, man muß auch zum mindesten das Futter sehr häufig erneuern, um normalen Ansprüchen an Sauberkeit zu genügen. Versucht man Band oder weiche Seide um den Hals zu legen, so müssen auch hier die Lagen dick genommen werden, um eine akkurate Linienführung zu sichern. Die Schäden der hohen Stehkragen werden also dadurch nicht beseitigt. Manche Damen helfen sich, indem sie Stehkragen aus duftigen oder durchbrochenen Stoffen im Nacken und zu beiden Seiten des Halses durch weiche Fischbeineinlagen stützen. Ist es nicht möglich, Kolliers allereinfachster Art zu schaffen, die etwa vermöge beweglicher und doch Stützfähiger Scharniere diese Aufgabe übernehmen könnten, indem sie so eingerichtet sind, daß man ohne Mühe Band oder sonstige Einlagen daran befestigen kann? Die Kollierstützen müßten nach unten ziemlich weit übergreifen und könnten zum Ausgangspunkt für allen möglichen Kettenschmuck gemacht werden.

Erwerbung einer Ringsammlung. Für die Erwerbung einer Ringsammlung für die Kunstgewerbeschule Pforzheim hat der badische Landtag 40000 Mark als ll. Rate in den Staatsvoranschlag eingestellt.

Zentrumsantrag gegen die Offiziers- und Beamten-Warenhäuser.

Der Zentrumsantrag gegen die Offiziers - und Beamten -Warenhäuser ist ein schönes Weihnachtsgeschenk für die deutschen Goldschmiede! Seit Jahren kämpfen sie gegen diesen geschäftlichen Krebsschaden. Der Antrag hat Aussicht, durchzugehen. Wir kommen darauf noch näher zurück. Sind wir selber doch allezeit energisch gegen diese Warenbazare eingetreten! Endlich wird es Ernst!

Diamantarbeiterstreik. Die Arbeitgeber der Antwerpener Diamantenindustrie verwarfen einstimmig den von den Arbeitern laut Beschluß des Pariser internationalen Kongresses geforderten Neunstundentag. Man erwartet Anfang Januar den Generalstreik.

Streik. Wie aus Paris gemeldet wird, streiken dort für den Neunstundentag 2500 Juwelier- und Bijouteriegehilfen.

Aufschwung der Diamantenindustrie. Antwerpen. Die Diamantenindustrie hat in den letzten Jahren einen derartigen Aufschwung genommen, daß sie dem Amsterdamer Platze den Rang streitig macht. Antwerpen zählt jetzt ungefähr 25 größere Diamantschleifereien mit ca. 5000 Arbeitern.

Für die Werkstatt. Firma Chr. Bauer, Pforzheim, Schwarzwaldstrasse 2, bringt als Neuheit ein Lötrohr in Handel, welches eine Lötlampe entbehrlich macht. Die Vorzüge sind aus der Abbildung ersichtlich, die Regulierung der Flamme erfolgt in leichter Weise mit den Lippen. Näheres siehe auch Inserat dieser Nummer.

Geschäftliche Mitteilungen. Eine hübsche Neuheit, die sich in unserer Damenwelt sehr bald eingebürgert haben dürfte, bringt die Firma Gust. Hauber, Silberwarenfabrik in Schw.-Gmünd auf den Markt. Es ist dies ein Boaoder Schalhalter. Wie die Abbildungen im Inserate zeigen, besteht der Halter der Hauptsache nach aus einem verschlungenen Drahte, von dem die beiden Enden federn und den Schal oder die Boa beim Gebrauch zusammenhalten. Da die Handhabung einfach ist, so dürfte der neue Halter sich bald viele Freunde erworben haben. Zu beziehen ist der Halter vom Fabrikanten, der auf Anfragen gern näher tritt. Siehe auch Inserat der heutigen Nummer.

Essig, Doublékettenfabrik, verkauften ihre Fabrikgebäude für 148000 M. - G. F. Herbst gibt die Fabrikation goldener Ringe auf. Attendorn (Westf.). Die ehemalige Bijouteriefabrik Haller & Alberts wird von der Konkursverwaltung zu verkaufen gesucht. — Hannover. Das Haus des Juweliers Wilh. Bückmann, Georgstraße 13, ist für 675000 M. verkauft worden. - Köslin. Paul Thümmel verkaufte sein am Markte belegenes Bijouteriegeschäft für 60000 M. – Sonderburg. Witwe Marie Bendixen verkaufte ihr Gewese an den Goldschmied Arthur Helmer daselbst für 30 000 M.

Todesfälle. Bijouteriefabrik Geißel & Hartung, Hanau a. M. Philipp Hartung durch Tod ausgeschieden. — Nagy-Tapolcsany. Juwelier Bernh. Felsenburg ist in Wien im Alter von 74 Jahren verschieden. - Regensburg. Juwelier Ludw. Albrecht starb nach längerem Leiden im Alter von 63 Jahren. – Prag. Goldwarenhändler M. Kersch, Obstgasse 771, gestorben.

Personalien und Geschäftsnachrichten.

Geschäftseröffnungen. Stuttgart. Eugen Benk, Marienstr. 10. Detailgeschäft für versilberte Bestecke und Metallwaren. – Pforzheim. Levy Hermanos, Luisenstraße 36, Einkauf von Bijouterie. – August Bossert, Ispringerstraße 21, Doublékettenfabrik. – Fr. Holzhauer, Holzgartenstraße 12, Fabrik für Panzerbracelets in Silber und amerik. Doublé. - Nürnberg. Heinrich Raetz, Gostenhofer Hauptstraße 4 (am Plärrer), Ladengeschäft für Juwelen, Gold- und Silberwaren. - Breslau. J. Schlossarek, Gold- und Silberwaren. fabrik mit elektrischem Betrieb, Ladengeschäft Schweidnitzerstraße 10. -- Mannheim. Herm. Prey, Kunststraße N. 2, 7, Wiedereröffnung des Gold- und Silberwarengeschäftes. – Danzig. Franz Eversbach, Jopengasse 22, Reparaturwerkstätte für Gold- und Silberwaren. Ochsenhausen. Max Huttelmayer, Poststraße 9, Gold- und Silberwarengeschäft.

Handelsgerichtliche Eintragungen. Meran. Anton Frühauf, k. u. k. Hofjuwelier. Inh. Christoph Unterauer, k. u. k. östr., herzgl. bayr. und hrzl. anhalt. Hofjuwelier. -- Berlin SW. 12. Fr. Langer, Neusilber- und Alfenidewaren, Friedrichstraße 49. - Oberstein. Aug. Hahn zu Oberstein, Wohnort Idar, Uhrkettenfabrik. – Berlin W. 8. Paul Erhardt & Co., Neusilberwaren, Leipzigerstraße 40. Kaufmann Max Erhardt ist als persönlich haftender Gesellschafter in das Geschäft eingetreten.

Geschäfts-Firmenänderungen. Eisleben. Hermann Dittrich, Goldschmied und Graveur, Markt 28, übernimmt das Geschäft von Adolf Krause. -- Pforzheim. Wilh. Köbele übernimmt das Bijouteriehilfsgeschäft von Theodor Maisenbacher. – DoubleRingfabrik Julius Wimmer gekauft von Ludwig Bibinger, bish. kaufm. Leiter. - Moritz Hausch, Bijouteriefabrik nach Durlacherstraße 41 verlegt. – Joh. Albrecht Nachf., Inh. Rob. Klaiber und Wilh. Stadelmeyer, verzogen nach Güterstraße 23. - Jena. Friedrich Gräfe, Juwelier, Geschäft verlegt nach Johannisstraße 17, am Eichplatz.

Firmenlöschungen. Pforzheim. Fröschle & Klink, Metallwarenfabrik. - Gebr. Benzinger, Bijouteriefabrik.

Prokura-Erteilungen. Meran. Maria Unterauer Witwe Frühauf, geb. Laner, Hofjuweliersgattin.

Jubiläen und Ehrungen. Pforzheim. Chr. Klein, Chemikaliengeschäft für die Bijouteriebranche. beging 40jähriges GeschäftsJubiläum. – Heilbronn. Vom Württemb. Kunstgewerbeverein ist Herr P. Bruckmann, Silberwarenfabrikant, zum 1. artistischen Vorstand gewählt. - Hannover. Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht: dem Juwelier Karl Lameyer das Prädikat eines Königlichen Hofjuweliers zu verleihen. — Ulm. Fritz Miller, Juwelier, erhielt das Prädikat: „Hoflieferant Ihrer Kaiserl. Hoheit der Frau Herzogin Wera von Württemberg“.

Diverses. Pforzheim. Emil Bohnenberger erwarb das Anwesen Bleichstraße 44 und Kanalstraße 6a für 137000 M. - Gebr.

Frage- und Antwortkasten. Für brieflich gewünschte Fragebeantwortung bitten wir das Porto beizufügen. Die Herren Fabrikanten, Grossisten und Detailleure werden in ihrem und Aller Interesse höflichst aufgefordert, von der allezeit kostenfreien Benutzung dieser Abteilung den aus. giebigsten Gebrauch zu machen, Fragen allgemeiner und technischer Art uns einzusenden und an deren Beantwortung sich zu beteiligen. Auch dieser Teil unseres Blattes ist dazu geschaffen, zur gegenseitigen Belehrung beizutragen.

Fragen: Frage 1. Wer liefert aparte Kleinsilberwaren englischen Genres, sowohl in massiv Silber als in Plated ?

O. H. in D. Frage 2. Erbeten wird gefl. Angabe der genauen Adresse des Goldarbeiters Herrn Hugo Sokolowski, welcher bis vor kurzem in dem Goldwarengeschäft von Imbach in Essen (Ruhr) tätig war.

G. L. in L. Frage 3. Wer liefert Kolliers und Halsketten aus Bernstein ?

P. P. in G. Frage 4. Wer fabriziert transparente Reklameglasschilder für Schaufenster und Ladentüre?

F. W. in L. Frage 5. Wer ist der Fabrikant von alten Silberwaren? Die Stempel sind: Traube, 2 Kreise mit 7 Punkten und eine Art Tulpe.

0. W. in D. Antworten: Zu Frage 511. Billige Emailleabzeichen für Guttempler in allen Arten liefert zu sehr billigen Preisen Joh. Schimpf in Pforzheim. Genaue Angabe des gewünschten Musters ist jedoch nötig.

Zu Frage 528. Wenn Gold und Silber durch scharfes Feuer beim Schmelzen porös wird, so ist es zu lange im Feuer und verbrennt; auch durch zu kalten Ausguß entsteht Porösität. Um dieser Eventualität aus dem Wege zu gehen, wird man gut tun, vor dem Ausgießen pulverisierte Holzkohle mit Zucker vermischt dem Tiegel zuzusetzen. Ferner muß der Einguß erwärmt und etwas eingefettet sein.

Zu Frage 534. Haarschmuck in Silber mit Similis liefern Wilh. A. Jung, W. Frey & Cie. und Bernh. Dissinger, Pforzheim, Hermann Bauer, Haegell & Geiger, Schw.-Gmünd. Für sog Gablonzer Ware dürften H. Freitag & Cie., Gablonz, mit Niederlassung in Berlin SW., Kommendantenstraße 18, oder R. Freudenberg & Cie., Gablonz, dienen.

F. S. in Pf. Zu Frage 535. Firma E. Schulze-Hermsdorf & Kynast, Schlesien, liefert für Silberbeschläge geeignete geschliffene Kristallglasartikel.

Zu Frage 536. Firma Herrmann Jonas in Brieg b. Breslau liefert ausgezeichnete Korke speziell für Fassungen.

Zu Frage 539. Für Anfertigung von Haarketten und Lieferung empfehlen sich Busch & Rabe, Hamburg. – Haarketten fertige ich an, auch versehe ich solche mit Beschlägen, in Gold, Silber und Doublé zu billigsten Preisen.

Joh. Schimpf-Pforzheim. Zu Frage 540. Vertretung der Laubsägen „Gerhardt“ für den Verkauf hat Fr. Gerhardt, Pforzheim, Kreuzstraße 1.

Bekanntmachungen des Verbandes Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede. Nachdruck aus dem Inhalt vorliegender Zeitung ist nur mit Erlaubnis der Redaktion und unter genauer Quellenangabe gestattet

Bekanntmachung. Wir bringen hiermit zur Kenntnis unserer verehrlichen Mit. glieder, daß das Urteil in Sachen Uhrmacher H. in Gotha, der sich Goldarbeiter nannte, nunmehr rechtskräftig geworden ist. Es sind uns eine ganze Anzahl Anträge auf Verfolgung eingegangen, und werden wir in sachgemäßer Weise gegen die Betreffenden vor gehen.

Auch die „Deutsche Uhrmacher - Zeitung“ hat sich mit dieser Angelegenheit in No. 22 vom 15. November d. J. beschäftigt, und wollen wir daher nicht versäumen, vorher genau den Standpunkt festzulegen, den wir in der Sache einnehmen, und wie wir die

Angelegenheit zu erledigen gedenken. Es liegt dem Vorstand des Verbandes völlig fern, etwa die Uhrmacher ohne zwingenden Grund in ihrem Vermögen zu schädigen. Wir werden in jedem einzelnen Fall den Uhrmacher, der sich zu Unrecht Goldarbeiter nennt, vorher auf die Gefahren aufmerksam machen, denen er sich aussetzt, wenn er fortgesetzt sich einen Titel zulegt, der ihm nicht zukommt, denn die Kosten bei einer Verurteilung sind erhebliche und von dem Beklagten zu tragen. Nützt diese Verwarnung nicht, so werden wir in jedem einzelnen Fall gegen den betreffenden Uhrmacher, der sich Goldarbeiter nennt, klagbar vorgehen.

Wir wiederholen, daß der Vorstand des Verbandes vollkommen anerkennt, wenn die Uhrmacher darauf sehen, dass sich ein Goldarbeiter nicht den Titel Uhrmacher beilegt. Wir rechnen aber ebenso auf Anerkennung unseres Grundsatzes. „Jedem das Seine!“ Berlin, den 9. Dezember 1903.

Der Vorstand des Verbandes Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede

Berlin S., Oranien-Straße 143.

Fischer.

vorhanden ist, herbeiführen. Hierdurch wird die Beschwerde über den Bescheid des Oberstaatsanwalts vom 23. Oktober d. J. gegenstandslos.

Im Auftrage

gez. Lucas. Berlin, den 2. Dezember 1903. Verband Deutscher Jurveliere, Gold- und Silberschmiede Berlin S., Oranien-Straße 143.

Fischer.

Bekanntmachung. Bezüglich Glasversicherung ist uns die Mitteilung geworden, daß trotz der günstigen Bedingungen, die uns gestellt worden sind durch die Hammonia, nur eine kleine Anzahl Versicherungen bisher abgeschlossen wurden. Dieses Ergebnis befriedigt nicht, des. halb bringen wir heute noch einmal unsern verehrten Mitgliedern zur Kenntnis, daß zwischen der Aktiengesellschaft „Hammonia“, Glasversicherungsgesellschaft des Verbandes von Glaser-Innungen Deutschlands einerseits, und dem Verband deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede andrerseits ein Vertrag dahin abgeschlossen wurde, daß die Gesellschaft sich verpflichtet, bei allen durch Vermittelung des Verbandes abgeschlossenen Versicherungsverträgen den Mitgliedern auf die Versicherungsprämie einen Extrarabatt von 10% zu gewähren. Der Hauptwert dieses Vertrages liegt für die Mitglieder aber darin, daß entstehende Streitigkeiten durch den Vorstand und Ausschuß des Verbandes unter Aus. schluß des gerichtlichen Verfahrens geschlichtet werden.

Ganz besonders weisen wir aber noch darauf hin, daß nicht nur den Mitgliedern 10% Skonto auf die Prämiensumme gewährt wird, sondern daß die Gesellschaft auch der Verbandskasse von dem Netto-Prämiensatz 10% Rabatt gewährt.

Wer von unseren Mitgliedern mit der Hammonia einen Glasversicherungsvertrag abschließt, hat den Vorteil, daß bei Glasbruch eine gerechte Entschädigung stattfindet; andrerseits wird aber die Verbandskasse ebenfalls dadurch gestärkt.

Wir richten an unsere Mitglieder infolgedessen nochmals das höfliche Ersuchen, sich bei Glasversicherungen an die Geschäftsstelle des Verbandes, Berlin S., Oranienstr. 143, zu wenden. Berlin, den 2. Dezember 1903.

Der Vorstand des Verbandes Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede

Berlin S., Oranienstr. 143.

Fischer.

Bekanntmachung. Neuerdings sind in den Juweliergeschäften häufig neue Goldund Silberwaren, auch Uhren zum Kaufe angeboten worden, welche aus Juweliergeschäften herstammen und vor dem Konkurs versetzt wurden. Der Versatz solcher Gold- und Silberwaren etc. stellt eine Beiseiteschaffung von Vermögensobjekten dar, ist strafbar und wird bei eintretendem Konkurs als betrügerischer Bankerott be. handelt. Die geschädigten Fabrikanten und Grossisten wollen in der Folge mit aller Schärfe in der Sache vorgehen, und warnen wir im Interesse unserer Mitglieder dringend vor Ankauf solcher Waren. Aus den Preisen, die gestellt werden, geht zweifellos her: vor, daß es sich nicht um reguläre Käufe, sondern um nicht rechtliche Erwerbe handelt, und können die Ankäufer solcher Waren in einen Hehlereiprozek, der die denkbarsten Unbequemlichkeiten zur Folge hat, verwickelt werden.

Wir sprechen gleichzeitig die Bitte aus, von den Angeboten solcher Waren mit Benennung des Anbietenden Mitteilung an die Geschäftsstelle des Verbandes gelangen zu lassen. Berlin, den 3. Dezember 1903. Verband Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede Berlin S., Oranien-Strasse 143.

Fischer.

Bekanntmachung. Auf die in den Verbandsblättern veröffentlichte Beschwerde. schrift an den Herrn Justizminister darüber, daß Anträge wegen unlauteren Wettbewerbes meist als nicht im öffentlichen Interesse gelegen zu verfolgen abgelehnt werden, ist von dem Herrn Justizminister folgendes Schreiben eingegangen: Der Justizminister.

Berlin W. 64, den 27. November 1903. J. No. IV. 17651.

Wilhelmstr. 65. Auf die Beschwerde vom 27. Oktober d. J. in der Anzeige gegen den Tischlergesellen H. Siegel zu Freiburg i. Schl. wegen

unlauteren Wettbewerbes.

Nach seinem in der vorliegenden Anzeigesache erstatteten Berichte ist der Oberstaatsanwalt in Breslau von seiner Auffassung, daß die Strafverfolgung nicht im öffentlichen Interesse liege, abgegangen, und wird eine sachliche Prüfung, ob ein strafrechtlich verfolgbarer Tatbestand des unlauteren Wettbewerbes

Bekanntmachung. Die verschiedenen Einbrüche in Juweliergeschäften und die Tatsache, daß die Ersetzung des Schadens durch Versicherungsgesellschaften mit großen Schwierigkeiten verbunden ist, mahnt dringend daran, Einrichtungen zu treffen, wodurch das Eigentum sicher geschützt wird. Elektrische Vorrichtungen haben sich bekanntlich nicht bewährt, weil die Anlagen derselben in den meisten Fällen nicht zweckentsprechend sind. Als zuverlässig können aber Kontrolluhren gelten, und sind bis jetzt unseres Wissens Einbrüche in solchen Geschäften, wo eine stündliche Revision der Räume stattfindet, nicht erfolgt.

Der Vorsitzende des Verbandes hat bei seiner letzten Reise nach Erfurt von der Einrichtung eines Wach- und Schließ-Institutes Kenntnis genommen; danach wird in der Stadt eine Zentrale geschaffen, welcher sich alle Geschäfte, bei denen die Bewachung erforderlich ist, anschließen. Für eine mäßige Vergütung werden diese Geschäfte, in welchen eine Kontrolluhr anzubringen ist, halbstündlich oder stündlich revidiert.

Bei der Wichtigkeit dieser Frage für unseren Beruf möchten wir unseren Vereinsvorständen ganz besonders nahelegen, sich mit den Uhrmachern, Bankgeschäften usw. ein vereinigtes Wach- und Schließ-Institut einzurichten und sich so bei Aufbringung geringer Kosten vor Schaden zu bewahren. Berlin, den 3. Dezember 1903. Verband Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede

Berlin S., Oranienstr. 143.

Fischer.

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Bezugs-Preis:
Grosse Ausgabe, mit kunstgewerblichem Teil:

In Deutschland, jedes Vierteljahr M. 2.—. In Oesterreich, jedes Vierteljahr
Kr. 2.50. Im Ausland, fürs ganze Jahr M. 10.--

Einzel-Nummern:
Mit kunstgewerblichem Teil M. -60. Ohne kunstgewerblichen Teil M. - 30.

Wöchentlicher Arbeitsnachweis allein M. -.10.
Kleine Ausgabe:

In Deutschland, jedes Vierteljahr M. 1.--. In Oesterreich, jedes Vierteljahr
Kr. 1.25. Im Ausland, fürs ganze Jahr M. 5.- Einzelnummern M. - .30.

Wöchentlicher Arbeits-Nachweis allein M, --.10.
Wöchentlicher Arbeits-Nachweis:

In Deutschland, fürs ganze Jahr M. 2.--. In Oesterreich, fürs ganze Jahr
Kr. 2.50. Tin Ausland, fürs ganze Jahr M. 2.50. Einzelnummern ^. --.10.

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Berechnung erfolgt nach Übereinkommen, Probe - Exemplare erwünscht.

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für den Wöchentlichen Arbeitsnachweis: Mittwoch Vormittag,

für große Anzeigen: Dienstag Vormittag.

Hierzu ein. Peilage: Wöchentlicher Arbeitsnachweis No. 1.

Amtliches Organ des Verbandes Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede
des Vereins der Juweliere, Bold- und Silberschmiede von Rheinland und Westfalen, des Vereins der
Juweliere, Bold- und Silberschmiede Württembergs, der freien Vereinigung des Gold- und Silberwaren-
Gewerbes für Berlin und den Reg.-Bezirk Potsdam, des Vereins der Juweliere, Gold- und Silberschmiede
des Großherzogtums Baden, der Goldschmiede - Werkgenossenschaft Berlin, der Kölner Juwelier - Vereinigung,
der Freien Vereinigung der Juweliere, Bold- und Silberschmiede des Reg.-Bezirks Stettin, der Goldschmiede-
Innung Schwerin, der freien Vereinigung der Gold- und Silberschmiede zu Görlitz, des Kreditoren-Vereins
für die Bold-, Silberwaren- und Uhren-Industrie Pforzheim, der Kunstgewerbe-Vereine Hanau und Pforzheim,

Jotatag des Bewerbemuseums Gmünd, der Zentralstelle Schmuck und Mode Biosios Begründet und berausgegeben von Wilhelm Diebener, Leipzig 21, Schützenstr. 15

für den kunstgewerblichen Teil: B. Bücklin, Pforzheim - Für den volkswirtschaftlichen Teil: • Syndikus Herm. Pilz, Leipzig

Leipzig, 15. Januar 1904

Verantwortliche Redakteure: Syndikuek
No. 3 – VII. Jahrgang Erscheint jeden Freitag

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Daß die „Deutsche Goldschmiede-Zeitung“ mit festem Griff zupackt, wenn es gilt, Schäden aus dem Betriebe unseres Gewerbes auszumerzen, hat sie oft genug bewiesen. Sie hat aber auch bewiesen, daß sie dabei kein Ansehen der Person kennt.

Gerechtigkeit steht auf unserer Fahne . . . Unparteilichkeit ist unsere Parole.

Ob eine Firma groß und bedeutend ... ob sie nur unscheinbar ist .... falls uns Manipulationen derselben zu Ohren kommen, die den Interessen des Goldschmieds zuwiderlaufen ... ist sie gerichtet!

Wir hatten in Nr. 24 von einem Ausverkauf der Metallwarenfabrik Basse & Fischer in Lüdenscheid gesprochen und darauf hingewiesen, daß durch denselben die Goldschmiede am Platze, die Kunden der Firma seien, geschädigt würden. Es waren uns in der Tat auch Beschwerden zugegangen. Jetzt teilt uns die Firma mit daß sie sich wohl überlegt habe, ob sie auf das Detailgeschäft am Platze Rücksicht nehmen solle. Aber sie sei zu einem negativen Urteil gelangt, da diese Detailgeschäfte nichts bei ihr kauften, sondern sie nur Reparaturarbeiten ausführen ließen, während sie die neuen Sachen von auswärts bezögen. Wenn das allerdings wahr wäre, dann hätte man auch auf der anderen Seite keinen Grund, sich zu beschweren. Interessant ist es jedenfalls zu hören, wenn die Firma schreibt, „daß die anderen Metallwarenfabriken in Lüdenscheid das ganze Jahr hindurch an Private verkaufen!“ Das sind ja paradiesische Zustände!

Mit den Ausverkäufen ist es überhaupt noch schlecht bestellt. Wir haben schon darauf hingewiesen, wie man verschiedentlich wieder versucht hat, um die Weihnachtszeit sein Schäfchen im Ausverkaufe zu scheren, wobei immer „bedeutend herabgesetzte Preise“ den Lockvogel machen. Auflösung des Geschäftes . .. Aufgabe des Ladengeschäftes ... Wegzug ... Verkauf oder Über nahme eines größeren Geschäftes ... Verlegung des Geschäftes ... so flimmert und flirrt es in den Inseraten wie Taits-Diamanten vor den Augen des kauflustigen Publikums. Wir haben keine Lust, die Inserenten hier alle festzunageln ... Obwohl man eine schwarze Liste über sie führen sollte. Einen neuen Artistentrick wendete Jos. Imbach in Essen an, als er seinen „Totalausverkauf wegen Geschäftsauflösung“ proklamierte. Er allarmierte die Goldschmiede am Platze und forderte sie auf, ihm sein Lager im Werte von 180000 Mk. zu 10-15%, einen Teil 20-25% unter dem Einkaufspreis abzukaufen, andernfalls müsse er zum Ausverkauf schreiten! Ob die Kollegen am Platze wohl an die Angel gegangen sind? Wir haben nichts näheres wieder gehört. Zuweilen sieht man ja den Reklameinseraten auf den ersten Blick an, was unter der Löwenhaut steckt. Wenn Osten & Co. in Hamburg ihre „höchste Leistungsfähigkeit“ dadurch dokumentieren wollen, daß sie gol. dene Damen-Remontoirs für 15 Mark, silberne für 9 Mark, goldene Herren-Remontoirs für 30 Mark, amerikanische Double-, Charnier- und Silber-Doubléketten für eine Mark verkaufen und dazusetzen: „Für Haltbarkeit wird garantiert“ und „Im Tragen unverwüstlich“, so ist das eine unverwüstliche Komödie, die nur

insofern einen tragischen Beigeschmack hat, als das Publikum sich durch solchen Reklameunfug tatsächlich täuschen läßt. Für Reklamezwecke ist eben alles gut genug. Mit welcher Dreistigkeit dabei vorgegangen wird, beweist ein Manöver der Firma Stiel & Hegner, Hamburg und Hannover, die ein Ausstellungslokal in Hannover, Georgstraße 20, hat. Nachdem die deutsche GoldschmiedeZeitung eine Notiz über das neue Verfahren in Paris, durch Hitze und Druck Diamanten herzustellen, gebracht hatte, annonciert diese Firma „daß sie derartige unter Tausenden von Hitzegraden hergestellte Pariser Steine in Brillantenschliff auf Lager hat“. Selbstverständlich handelt es sich bei ihrer Similiware gar nicht um die neuen Pariser Experimente und wir protestieren gegen die Bezugnahme auf unsere „Deutsche Goldschmiede-Zeitung“ in den fraglichen Inseraten. Wären wir der Sultan, würden wir der Firma die seidene Schnur schicken. Oft haben diese Reklamen einen verzweifelt komischen Beigeschmack. Wenn z. B. Emil Friesing in Breslau ganz außergewöhnlich billige Preise macht, weil er auf teure Reklamen verzichtet und dies dem Publikum in einem eleganten, nicht billigen Katalog mitteilt, so meinen wir, es beißt sich hier die Schlange selbst in den Schwanz.

Die gerichtlichen Urteile in bezug auf das Ausverkaufswesen gehen noch immer recht auseinander. Auch das Oberlandesgericht Darmstadt hat den Nachschub von Waren für zulässig erklärt, „wenn sie unmittelbar dem Zwecke des Ausverkaufs dienen und für dessen Durchführung geradezu erforderlich sind.“ Das Nürnberger Landgericht hält dagegen in einem neuerlichen Urteil einen „Ausverkauf“ und einen Verkauf bei Nachschiebung von Waren“ für widersprechende Begriffe. Bei einem Ausverkauf denke man an einen „irregulären“ Verkauf, und um einen solchen herbeizuführen, sei es nicht nötig, das Lager zu ergänzen. Unter diese Entscheidung werden die gewohnheitsmäßigen Veranstalter von Ausverkäufen drei Kreuze machen, während wir die Feder vor ihr präsentieren. Daß das Oberlandesgericht Dresden entschieden habe, daß ein Konkursmassen ausverkauf nur vom Konkursverwalter veranstaltet werden könne, weil die Ware mit der Veräußerung an einen Dritten aufhöre, Konkursware zu sein, hat sich als irrig herausgestellt. Das Dresdner Urteil verlangt nur, daß in den Ankündigungen klar zum Ausdruck kommt, daß der Warenbestand nur aus einer Konkursmasse herrührt. Das Wort Konkursmassenausverkauf ist also an sich nicht verpönt.

Gegen die Schäden, welche den Goldschmieden durch Detailreisende und Hausierer, Versandgeschäfte, Warenhäuser, Detaillieren der Fabrikanten und Grossisten, Konsumvereine, Schleuder- und Partiewarengeschäfte usw. bereitet werden, hat man sich in Göppingen und Umgegend durch einen Rabatt-Sparverein geholfen, der sich eines großen Zuspruches erfreut und dem auch Juweliere, Gold- und Silberschmiede sowie Uhrmacher angehören. Er besteht seit dem 7. Dezember und gewährt 5% Rabatt. Ein Rabattbuch genügt für alle Geschäfte, unter denen sich auch solche der Bekleidungs-, Nahrungsmittel-, Spielwaren-, Eisen-, Glas-, Seifen-, Kohlen-, Drogenwarenbranche usw. befinden. Die Beteiligung ist der

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