Page images
PDF
EPUB

nötig, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Dabei entstand ein Gewirr von Seilbahnen und hängenden Kabeln über den ganzen Distrikt, über eingestürzte und wassergefüllte Gruben, und zugleich machte sich eine Ueberproduktion von Diamanten auf dem Weltmarkt bemerkbar. In diesem Chaos der Arbeit und der Gewinnsucht bewahrten nur zwei hervorragende Männer ihre kühle Ruhe und Berechnung: Cecil Rhodes und Bernett Barnato. Rhodes hatte, durch den Aufkauf der Aktien der Vereinigten Dutoitspan und Buitfontain-Gesellschaften“, die „De Beers-Consolidated-Mines“ gegründet, und Barnato war in den Aufsichtsrat der Kimberley ZentralKompany gekommen. Zwischen beiden Rivalen fand ein Kampf um Sein oder Nichtsein statt. Niemals zuvor standen die Diamanten so tief im Preise: achtzehn Mark pro Karat! Dann gelang es

plötzlich Rhodes, in den Besitz des Hauptaktienbestandes der Kimberley Zentral-Kompany zu kommen. Durch seinen Scheck von 25 882292 Dollar, den größten, der je einer Bank präsentiert und in „cash“ bezahlt wurde, erhielt er die führende Rolle und konnte als Herr der. Situation dem gesamten Diamanten-Handel Preise und Gesetze diktieren. Unter seiner Leitung nahm die Förderung der Gewinnung der Diamanten einen geregelten Gang und zugleich einen mächtigen Aufschwung: der Wert der Produktion der Kimberley- und der De Beers-Minen bezifferte sich in dem Jahrgang 1895/1896 auf Vierundsechzig Millionen Mark, während sie im Jahre 1889 nur achtzehn Millionen Mark betragen hatte. Bis heute hat sich die nach der Konsolidierung des Betriebes eingesetzte Preiserhöhung halten können.

[graphic][merged small]

Meine Geschäftsunkosten.
Wie dem Schreiber dieses, so wird es wohl vielen verehrten Mein Personal verursacht mir folgende Ausgaben:
Kollegen in großen, mittleren und kleineren Städten geben, er wird

Haftpflichtversicherung. . . . . . . Mk. 18.aus seiner Buchführung ersehen, daß die Geschäftsunkosten von Beiträge zur Krankenkasse 3 Gehilfen. „ 43.68 Jahr zu Jahr höher werden und einen immer größeren Anteil des

2 Lehrlinge. 24.96 mit vieler Mühe und großem Fleiß verdienten Nutzens in Anspruch

1 Hausdiener 43.68 nehmen. Nicht allein, daß man größere Aufwendungen für zeit

1 Fräulein . , 21.84 gemäße Ausstattung des Schaufensters, ausgiebige Beleuchtung, Alters- u. Invalidenversicherung 3 Gehilfen 23.40 zweckentsprechende Reklame u. dergl. machen muß, erfordern auch

2 Lehrlinge. , 20.80 die Versicherung des vorhandenen Lagers und die durch die moderne

1 Hausdiener , 15.60 soziale Handwerkergesetzgebung uns auferlegten Lasten ganz be

1 Fräulein .

12.48. trächtliche Summen, die ich in Nachstehendem zusammengestellt Beiträge bei der Innung sind folgende zu machen: habe: Ich schicke dabei voraus, daß ich ein Ladengeschäft habe,

Ein- und Ausschreiben der Lehrlinge . . Mk. 4.mein Lager rund 40000 Mark wert ist, in meiner Werkstatt 3 Ge

Schulgeld für die Fortbildung derselben. „ 24.– hilfen und 2 Lehrlinge, sowie i Hausdiener beschäftigt sind, und

Mein Innungsbeitrag . . . . . . .

9.—. ich außerdem noch der Hilfe eines schmucken Ladenfräuleins nicht zum Verband gehöre ich als Mitglied der Innung bereits, aber entbehren kann, um meine Kundschaft prompt zu bedienen.

eigentlich sollte ich zur besseren Unterstützung der Verbandszwecke Mein Lager und meine Einrichtung muß ich versichern, und zwar: dort direktes Mitglied sein und einen höheren Beitrag zahlen, als gegen Einbruch mit jährlich ....Mk. 150.

für meine Wenigkeit von der Innung an den Verband abgeführt wird. , Feuerschaden mit jährlich . . .

40.—

Kurz, alle obigen Ausgaben ergeben allein schon die Summe „ Glasschaden , , , , , , 12. —

von rund 500 Mk., von denen in den guten, alten Zeiten kein Goldschmied etwas gewußt hat. Damals konnte der Geschäftsmann noch jedes Jahr etwas auf die hohe Kante legen und hatte Aussicht, sich nach einem arbeitsreichen Leben einmal zur Ruhe setzen zu können, heutzutage ist daran nur unter sehr günstigen Verhältnissen zu denken, und die meisten von uns mittleren Goldschmieden sterben im besten Alter und auch in höheren Jahren immer noch im Geschäft stehend und arbeitend, arbeitend, wenig für sich selbst, aber desto mehr für andere. Die soziale und die Handwerkergesetzgebung sind ganz gewiß eine schöne Sache und aus den besten und humansten Beweggründen heraus geschaffen worden, aber uns haben sie doch nur Lasten und Kosten gebracht und nur unserem Personal Vorteile. Wenn wir nicht selbst uns einer Krankenkasse anschließen, wenn wir nicht selbst durch eine Lebensversicherung für unsere Hinterbliebenen nach unserem Tode sorgen, denkt niemand an uns und hilft uns niemand. Wer gibt uns, wenn wir alt und dienstunfähig werden, eine Pension, wie sie jeder Beamte hat, der doch lange nicht so angestrengt arbeiten muß wie wir, sondern pünktlich sein Bureau verlassen und sich die Arbeit

auf den nächsten Tag aufheben kann, die heute nicht fertig wird, während wir ewig hasten und jagen müssen, um mit unseren Arbeiten unsere Kunden pünktlich zu bedienen.

Wenn das Geschäft geht, nur einigermaßen geht, dann ist es ja noch zu ertragen, aber wenn stille Zeiten kommen, wie in den letzten Jahren, wenn die Ersparnisse früherer günstigerer Zeiten wieder zugesetzt werden müssen, wie dann? Die Ausgaben bleiben dieselben, meine Steuern und meine Beiträge zur Alters- und Invaliditätsversicherung, zur Krankenkasse, zur Ausbildung der Lehrlinge, zur Innung muß ich nach wie vor pünktlich bezahlen.

Warum ich dies alles hier erzähle? Weil ich glaube, daß mancher Kollege die oben aufgeführten Angaben in sein Buch einschreibt, aber da es jeweils nur kleine Beträge sind, die er wöchentlich oder monatlich leisten muß, vielleicht nicht darauf achtet, wie sie sich im Laufe des Jahres zu einer netten runden Summe zusammen addieren. Und diese soll er bei seinen Verkaufspreisen mit in Betracht ziehen und nicht, um nur einen Umsatz zu erzielen, dieselben allzu billig stellen.

Das Zeugnisverweigerungsrecht der Geschäftsinhaber und Geschäftsführer.

In einer Klage auf Zahlung gelieferter Waren, welche ein Fabri- amtliche oder berufsmäßige Vertrauensstellung einnehmen, d. h. eine kant gegen einen Kunden angestrengt hatte, hatte der letztere die solche, den zufolge das Publikum in die Lage kommt, ihnen Geeidliche Vernehmung des Prokuristen des Klägers beantragt, welcher heimnisse anvertrauen zu müssen, und somit eine entsprechende darüber Auskunft geben sollte, ob ein anderer Kunde die Waren Pflicht zur Verschwiegenheit besteht. Eine solche Stellung nimmt billiger erhalten habe. Der Kunde hatte nämlich die Zahlung ver- aber ein Geschäftsmann nicht ein, wenn sich sein Gewerbebetrieb weigert, da er behauptete, ihm seien - entgegen der getroffenen auf die Herstellung von dem allgemeinen Gebrauch dienenden Waren Vereinbarung – nicht die billigsten Preise berechnet worden. Der bezieht. Der Zeuge könnte also die Beantwortung von Fragen verProkurist verweigerte nun sein Zeugnis, indem er sich auf $ 383 5 weigern, wenn er dabei ein Kunst- oder Fabrikgeheimnis offenbaren der Zivil-Prozeßordnung stützte, wonach bekanntlich diejenigen zur müßte. Um ein solches Geheimnis handelt es sich aber bei Preisen , Verweigerung ihrer Aussagen vor Gericht berechtigt sind, denen für Fabrikate nicht, denn die Preise sind ihrer Natur nach nicht Kraft ihres Standes oder Gewerbes Tatsachen anvertraut sind, deren zur Geheimhaltung bestimmt, werden vielmehr vielfach geschäftsGeheimhaltung durch die Natur derselben oder durch gesetzliche üblich durch Versendung von Preislisten zur Kenntnis des Publikums Vorschriften geboten ist, in betreff der Tatsachen, auf welche die gebracht. Hieran ändert auch der Umstand nichts, daß der Preis Verpflichtung zur Verschwiegenheit sich bezieht. In letzter Instanz nicht allen Kunden gleich, sondern je nach Verschiedenheit der hat das Reichsgericht diesen Einwand des Zeugen für unbegründet Verhältnisse (Größe des Bezuges, Kreditwürdigkeit u. S. W.) den erklärt. Die angeführte Gesetzesbestimmung – so begründet der einzelnen Kunden verschieden bestimmt wird. Demnach konnte die Gerichtshof diese Entscheidung — muß auf die Klassen derjenigen Zeugnisverweigerung des Prokuristen nicht als begründet angesehen Personen beschränkt werden, welche dem Publikum gegenüber eine werden.

Wifen kam das diekale abhierbehörten, ihre moin

Die Haarkette.

Eine schreckliche aber wahre Weihnachtsgeschichte von 0. G. Es war gleich nach Weihnachten, als die Goldschmiede, die einem Gehilfen. Ich bin mein eigener Gehilfe. Das ganze Jahr der Innung unserer Stadt angehörten, ihre monatliche Versammlung über geht es ja ganz gut so, aber zu Weihnachten nehmen mich in ihrem Stammlokale abhielten. Nach Abwicklung des Geschäft- Laden und Arbeitsstube doch zu sehr in Anspruch, daß ein Verlichen kam das Gemütliche. Unser lieber Kollege N. sprang plötzlich, sehen wohl zu entschuldigen ist. Es liegt alles auf meinen Schultern wie von einem schnellen Entschlusse beseelt, auf und rief dem und 14 Tage lang wird es 12 bis 2 Uhr, ehe ich ins Bett komme. Kellner zu, ein Achtelchen Echtes aufzulegen. „Ja, liebe Kollegen“, Meine Frau hat, da die Wohnung in einer anderen Straße liegt, sagte er, „Sie sehen mich erstaunt an. Eine sehr verwickelte Ge- auch wenig Gelegenheit, mich zu unterstützen. Die Wirtschaft schichte, die mir zu Weihnachten passierte und mir die ganzen nimmt sie in Anspruch und kommt sie wirklich Nachmittags in den Feiertage verdarb, hat heute Gott sei Dank einen unerwartet er- Laden, so verlangt die Kundschaft doch meistenteils, mich selbst zu freulichen Abschluß gefunden und in der Freude meines Herzens sprechen. Mein Töchterchen ist zwar in den Weihnachtsferien einen lade ich Sie zu einem Schoppen „Echtes" ein.“ Die Gläser wurden großen Teil des Tages im Laden, aber sie kann doch nur die Regefüllt und auf das Wohl des Gebers angestoßen. „Aber nun er- paraturen abliefern und vielleicht ein silbernes Ringchen verkaufen. zählen, lieber Kollege, wie war die Sache!“ „Ein Paar Trauringe Ja, der Goldschmied, der ein mittelgroßes Geschäft hat, das er falsch abgeliefert und dadurch eine Verlobung verhindert? Wie, sonst zu jeder Jahreszeit gut allein versehen kann, ist zu Weihwar es so?“ fragte Kollege M. „Nein, Herrschaften, es war eine nachten schlimm daran und ich freue mich schon immer darauf, ganz dumme Geschichte, bei der mir meine Vergeßlichkeit einen wenn der heilige Abend anbricht und ich weiß, daß ich am nächsten ganz niederträchtigen Streich spielte. Also bitte, hören Sie zu, Tage ein freier Mann bin. Dann wird gefaulenzt und der Körper aber lachen Sie mich erst aus, wenn Sie mich nicht mehr sehen, gepflegt. Denn wie oft hat man in den Tagen vor Weihnachten ich würde mich sonst zu sehr fuchsen. Wie Sie ja wohl wissen, nur schnell etwas verschlingen können, da die Ladentür alle Augenversehe ich mein Geschäft ganz alleine, ich habe in der Arbeits- blicke ertönt. Warmes Mittag kennt man gar nicht mehr. Dies stube nur einen Lehrling, arbeite selber von früh bis spät und muß schicke ich voraus, um das Vorkommnis einigermaßen zu erklären dabei noch den Laden versehen. Denn bei der hohen Miete und und nun zur Sache.“ Diese große Vorrede hatte uns sehr gespannt den großen Unterhaltungskosten einer Familie reicht es nicht zu gemacht. Nachdem die Schoppen geleert und wieder frisch gefüllt

--- - ---===== waren, fing Freund N. an, seine tolle Geschichte, wie er sie nannte, Hand. Nur der vorlaute Kollege M. rief: „Na, ich hätte der alten zu erzählen: „Also vier Tage vor Weihnachten kam ein junges Schachtel anders heimgeleuchtet." Mädchen und brachte eine Haarkette, die schon beschlagen war, Kollege N. fuhr fort: „Der Kriminalkommissar ist ein netter um ein Monogramm eingravieren zu lassen. Sie hatte die Kette Herr, er behandelte die Angelegenheit rein sachlich und sagte zum bei einem Friseur bestellt, und der gute Mann hat ihr auch gleich Schluß: „Ich befürchte, mein lieber Herr N., Sie sind einer Schwindlerin Beschläge vorgelegt. Nun, da hat sie auch einen genommen und zum Opfer gefallen. Einen ähnlichen Fall hatte ich im vorigen Jahre. ich sollte ihr sagen, ob der Beschlag auch wirklich echt wäre. Bei einem Schuhwarenhändler kaufte eine Dame Schuhe für die Gewiß war er echt, nämlich echt Doublé. Sie hatte für alles 20 Mk. ganze Familie für gegen 60 Mk. und wollte sie nachher abholen bezahlt, was nach meiner Anschauung ein mehr wie teurer Preis lassen. Bald darauf kam eine Frau, sie solle hier Schuhe abholen. war. Sie fragte auch, ob der Preis zu hoch wäre. Ja, liebes Bereitwilig wurden ihr die Schuhe verabfolgt und der Schluß war, Fräulein, sagte ich, was heißt zu hoch, der eine rechnet 25%, der daß der Kaufmann der Dame noch einmal Schuhe geben mußte, andere 50° Verdienst, es gibt auch Leute, die 100 bis 200°, Ver- denn sie hatte die Frau nicht geschickt, Schuhe abzuholen. Und,“ dienst nehmen. Ich kann Ihnen nur raten, ein nächstesmal solchen sagte er, „da die Frau die Haarkette noch nicht wiedergebracht hat, Beschlag beim Goldschmied zu kaufen, da haben Sie ihn billiger. So werden Sie sie auch nicht mehr zurückerhalten und vielleicht ist Denn ebenso wenig wie ich kompetent bin für Kämme, Bürsten es dieselbe Schwindlerin, die damals die Schuhe eroberte, und die und Puder, versteht der Friseur etwas von Goldsachen. Aha, nun wir nicht ausfindig machen konnten. Seien sie froh, daß es kein denken Sie, meine Herren Kollegen, das Fräulein ist zu dem Barbier teurerer Gegenstand war, die 20 Mk. sind schließlich zu ver- pardon Friseur gegangen und hat ihm eine Szene gemacht und schmerzen. Suchen Sie sich mit der Frau zu einigen.“ Ergebungsder Friseur kam zu mir und machte mir eine Szene. Nein, das voll senkte ich mein Haupt. Ja, aber mit der Frau einigen, wie geschah nicht. Das Fräulein war still auf meine Bemerkung, gab sollte ich das machen. Der Kommissar meinte, ich sollte ihr eine mir ihren Namen Schirmer für das Abholen der Kette an, bat noch Kette anbieten, die im selben Werte sei, vielleicht gehe sie sehr, die Kette ja bis morgen gravieren zu lassen, da sie für ihren darauf ein. Bräutigam bestimmt sei und sie die Kette noch weit wegschicken Ich schickte gleich meinen Lehrling hin, mit dem Angebot, daß müsse. Die Gravierung wurde ausgeführt. Am nächsten Tage vor- ich ihr eine Kette für 20 bis 25 Mk. geben wolle und gab ihm mittags kam eine anständig gekleidete Frau und verlangte die Kette, auch mehrere Ketten mit, hoffend, sie würde sich eine aussuchen, die ein Fräulein zum Gravieren gegeben hätte. Nun, ich hatte ja und ich brauchte dann nicht mehr zu fürchten, ihren Anklagen nur eine Kette zum Gravieren oder glaubte es wenigstens, nur eine wegen meiner Nachlässigkeit, dazu vielleicht angesichts eines vollen zu haben. (Achten Sie, meine Herren Kollegen, hierauf) und legte Ladens, ausgesetzt zu sein. Wie ein begossener Pudel kam mein ihr die Haarkette vor, gleichzeitig den Namen verlangend. Schmerl, Stift zurück, die Frau hatte ihn rausgeworfen, sie wolle ihre Haarsagte sie. Schmerl, dachte ich, ich habe doch Schirmer aufge- kette haben und lasse sich auf nichts ein. Kostbare Stunden waren schrieben. Nun, jedenfalls habe ich mich verhört oder verschrieben. mir verloren gegangen und ich mußte tüchtig schaffen, um das VerEs kann nur diese Kette sein. Die Frau wußte die Anfangsbuch- säumte nachzuholen. So kam der heilige Abend. Gott sei Dank staben des Namens des Bräutigams K. H. Das stimmte auch. Also war die Frau nicht wiedergekommen. Zwar ging ich immer mit ich gab die Kette, sie entrichtete ihren Obulus für die Gravierung Zittern und Zagen in den Laden, wenn es klingelte, aber es schien und ging. Ein bis zwei Stunden später, der Laden war gut besucht, ja, als hätte die Frau sich beruhigt. Ich hoffte auch noch, die kommt das Fräulein und verlangt seine Haarkette. „Sie haben die Kette wiederzubekommen, da sich der Kriminalkommissar eine BeKette doch schon holen lassen. „Die Kette holen lassen, nein, schreibung der Kette hatte geben lassen und bei allen Goldschmieden das kann nicht stimmen. Ich habe niemand danach geschickt.“ Ich und Versatzämtern Anzeige machen wollte.“ „Ja, das stimmt,“ verbeschreibe ihr die Frau, sie kennt sie nicht. „Na“, sage ich darum, sicherten die Kollegen, „uns wurde eine Haarkette als gestohlen „die Sache ist nicht schlimm, die Frau wird die Kette schon wieder bezeichnet.“ „Der letzte Tag vor Weihnachten war da,“ begann bringen, wenn ihre Auftraggeberin sieht, daß es eine falsche Kette Kollege N. wieder. „Kaum hatte ich den Laden geöffnet, so begann ist. Jedenfalls sollte die Frau bei dem nebenanwohnenden Gold- der Verkauf. Ich hatte mein Töchterchen gleich mit in den Laden schmied eine Kette abholen, denn ich habe weiter keine Kette zum genommen. Während ich einen Kunden bediente, brachte der BriefGravieren liegen, und sie ist fälschlich zu mir gekommen. Ich bitte träger die Post. Ich sah die Adressen durch, drei Geschäftsbriefe, Sie, nachmittags wieder zu kommen.“ Nun, was soll ich sagen, von denen ich wußte, was darin stehen würde, zwei Lotterieanzeigen das Fräulein kam, aber die Kette war nicht gekommen. Das Fräu und ein Brief mit dem Poststempel U— Die Geschäftsbriefe legte lein brachte ihre Mutter mit und diese war eine von den Weibern, ich auf das Pult und die drei anderen Briefe ließ ich auf dem von denen man gelinde sagt, sie hätten Haare auf den Zähnen. Ladentisch liegen. Das Geschäft ließ nicht nach, im Gegenteil, ein Und das sprudelte nun heraus und ich wurde klein und immer Kunde kam nach dem anderen, und wir hatten beide zwei bis drei kleiner und hätte mich am liebsten in ein Mauseloch verkrochen. Stunden lang tüchtig zu tun. Dann kam eine Pause. Da ich noch Aber das ging nicht, ich mußte standhalten und allmählich kam in der Arbeitsstube zu tun hatte, sagte ich meiner Tochter, sie mein Selbstbewußtsein zum Vorschein, namentlich als ich sah, was solle die vorgelegten Waren wieder einräumen und die Lotteriebriefe die anderen anwesenden Kunden für Augen machten. Also ich er- könne sie in den Ofen werfen. Als ich ein Weilchen am Werkbrett klärte ihr: „Ja, ich habe die Kette an eine Frau gegeben. Ich habe gesessen hatte, fiel mir der Brief aus U— ein. Ich gehe in den einen Irrtum begangen. Ich fühle mich verpflichtet, Sie zu ent Laden, kann den Brief aber nicht finden, mein liebes Töchterchen schädigen, wenn sich die Kette nicht einfindet, aber sie kann sich hat die Briefe ohne sie zu besehen, in den Ofen geworfen, den noch einfinden.“ Das nutzte mir aber wenig, die Frau war nicht Brief aus U— mit. Was stand nun in dem Briefe? War es eine zu beruhigen und die Kleine weinte, weinte herzbrechend. Was ihr Bestellung? Ich konnte nichts machen, der Brief war verbrannt. Bräutigam denken wird, wenn sie die versprochene Haarkette, uhu, Meine Herren, achten Sie darauf, der Brief aus U— war fort, war uhu nicht schickt usw. Ich kam mir schrecklich schuldbewußt vor. in den Ofen gekommen. O tückisches Schicksal, wie spielst du Endlich gondelten sie los, nachdem die Alte noch erklärte hatte, mit uns unglückseligen Erdenwürmern! Wäre der Brief nicht in sie gehe direkt zur Polizei. Und sie ging, sie ging zur Polizei! den Ofen gekommen, hätte ich ihn lesen können, so wäre mir viel Und ich war so konsterniert, daß ich dem Herrn, der ein Armband Ärger erspart worden.“ gekauft hatte, die Brosche einwickelte, die die Dame gekauft hatte, Ein frisch gefülltes Glas mußte den wieder aufgestiegenen und der Dame das Armband mitgab, das der Herr gekauft hatte. Ärger unseres Kollegen herunterspülen. „Nachmittag, als ich wieder Sie gingen und ich sank gebrochen auf einen Stuhl. Aber was Kunden bediente, kamen Vater, Mutter und Tochter noch einmal, halfs, ich mußte arbeiten gehen. Klingelte es, so schrak ich zu ich hätte vor Ärger fortlaufen mögen und verlangten wieder ihre sammen, befürchtend, die Alte käme wieder, mich runterzumachen. Haarkette. Schließlich krümmt sich auch der Wurm, wenn er Und der Kriminalkommissar, ein Bekannter von mir, kam und ich getreten wird und ich raffte mich auf, um zu sagen: Sie sollten dachte, er wollte mich abführen. Aber so schlimm war es nicht. doch soviel Rücksicht nehmen, mich nicht bei gefülltem Laden zu

1 erzählte noch einmal den Zusammenhang. Er fragte, ob ich inkommodieren. Ich würde nach Schluß des Ladens zu ihnen nicht noch eine andere Kette da habe, die zum Gravieren gegeben kommen und alles zu regeln suchen.“ „Da ist nichts zu regeln“, sei. Nein, ich habe keine andere. O, mein Gott, hätte ich doch sagte die Frau, „wir wollen unsere Haarkette. Ich gehe noch einlieber nachgesehen.“ Ganz überwältigt von den Erinnerungen an mal zur Polizei. Es war zum Haarausreißen. Und sie gingen diese Tage schwieg unser lieber Kollege und stürzte ein Glas Bier dann auch mit Aplomb ab. Und nun mußte ich auf die mitfühlenhinunter. Die Nächstsitzenden drückten ihm voll Mitgefühl die den Fragen der anwesenden Kunden meine Unglücksgeschichte

II

erzählen, was mich nicht fröhlicher stimmte. Endlich war der Tag herum. Ich ging gar nicht erst zu den Leuten hin, denn ich konnte ihnen die Haarkette doch nicht bringen.

Beim Weihnachtsbaum mußte ich meiner Frau, die noch von nichts wußte, um meine Mißstimmung zu erklären, die ganze Geschichte wieder erzählen. Das brachte mir wohlwollende Ermahnungen zur Vorsicht ein und verärgert ging ich zu Bett. Nachts träunte ich nur von Haarketten. Ich aß Haarketten, ich zog Kleider an, die aus Haarketten gemacht waren, ja ich wurde schließlich selbst eine Haarkette. Wie ich am ersten Feiertage erwachte, war mein erster Gedanke die Haarkette, und mich beschlich die Furcht, daß die Leute mich in den Feiertagen in meiner Privatwohnung aufsuchen und ihre Haarkette verlangen würden. Deshalb blieb ich am ersten Feiertage wenig zu Hause, was meine Frau wieder verstimmte. Meine Furcht war aber unbegründet. Sie kamen nicht am ersten und auch nicht am zweiten und dritten Feiertage. Am dritten Feiertage traf ich den Kommissar, und fragte ihn, ob er noch keine Spur von der Kette gefunden habe. „Nein“, sagte er, „aber der alten Dame habe ich die Wahrheit gesagt. Sie kam Nachmittags am Heiligen Abend zu mir und verlangte, ich solle ihr Recht schaffen, daß Sie ihr die Haarkette geben oder sie will Sie verklagen. Ich bedeutete ihr, sie solle sich mit Ihnen einigen und nicht solche Dummheiten sagen, denn Sie können doch eine Kette nicht geben, die Sie nicht haben. Im übrigen habe sie keine Ursache zum Klagen, da Sie ihr ja die Kette bezahlen eventuell eine andere geben wollen. Zu mehr könne das Gericht Sie auch nicht verurteilen. Was anderes wäre es, wenn Sie sich weigerten, Ersatz zu geben.“ Na, heute am vierten Feiertage früh kam der Vater mit der Tochter, um mit mir zu unterhandeln. Gott sei Dank hatten sie die Alte nicht mitgebracht. Wenn der Vater nun zwar auch anfangen wollte, mir groß und breit Vorwürfe zu machen, so genügte bei ihm doch der Hinweis, daß ich der leidende Teil sei, mir selbst Vorwürfe genug mache und mir von ihm solche verbitte.

Er legte mir nun eine Quittung vom Friseur über 20 Mark vor, berechnete die Haare seiner Tochter mit 5 Mark und ich zahlte 25 Mark. Das war eine bittere Pille, aber sie mußte geschluckt werden. Da ich noch immer hoffte, die Haarkette wieder zu bekommen, ließ ich mir einen Revers ausstellen, laut welchen sie mir das Geld wiedergeben sollten, wenn sich die Haarkette wieder einfindet.“ Hier machte Kollege N. eine Pause, um zu fragen, ob einer von den Herren ahne, was nun komme. Kollege Y., ein alter, vornehm aussehender Herr, strich seinen langen weißen Bart und sagte lächelnd: Ich ahne, daß die Kette nach außerhalb gekommen ist, daß in dem verbrannten Briefe die Aufklärung stand, und ich ahne ferner, daß heute vormittag jemand Ihnen die Haarkette brachte. „Stimmt es?“ „Ja“, sagte Kollege N. „es stimmt auf fallend. Aber nun muß ich Ihnen erklären, wie es mit der anderen

Kette zuging. Im November kaufte eine junge Dame von außerhalb ein Medaillon, bestellte ein Monogramm einzugravieren und ließ eine Kette da, an die das Medaillon angehängt werden sollte. Sie wollte alles am selben Tage abholen, kam aber nicht, auch nicht in den nächsten Tagen. Ich verwahrte die Kette und hatte schließlich ganz daran vergessen. Ein Zufall war es, daß dieselben Buchstaben in das Medaillon und in die Haarkette eingraviert werden mußten, sonst wäre die Verwechslung gar nicht vorgekommen. Also eine Stunde nach dem Fortgang der beiden, ich suchte mich durch einen Kognak von der bitteren Pille zu erholen, kam ein · Herr in den Laden, stellte mir das Kästchen mit der Haarkette hin und fing nun seinerseits an, mir Vorwürfe zu machen, daß ich seiner Tochter eine falsche Kette geschickt habe, wodurch sie am Verlobungstage in große Verlegenheit kam, und daß ich auf den Brief nicht geantwortet hätte. „Um Gottes Willen,“ sagte ich: „halten Sie ein, ich hab genug ausgehalten, ich habe meine Sünden bei der Kette abgebüßt,“ und erzählte ihm nun kurz die tragikomische Geschichte. Er sah ein, daß eine Verkettung von Umständen hier mitgespielt hatte und entschuldigte sich, daß er die Kette nicht gleich per Post zurückgeschickt hätte, aber sie haben im Verlobungs- und Weihnachtstrubel keine Zeit dazu gehabt. Und eine halbe Stunde später hatte ich meine 25 Mark wieder. Das ist die Geschichte von der Haarkette und nun Prosit, meine Herren.“ „Hm,“ sagte Kollege M., sich vom Schnurrbart den Bierschaum wischend, wie man von der Kette vergessen konnte, begreif ich nicht. Mir könnte so etwas nicht passieren.“ „Ei, Ei, Herr Kollege“ erwiderte Herr Y., „nicht aufs hohe Pferd setzen, Irren ist menschlich, denken Şie an die Brillantbrosche.“ „Brillantbrosche, fangen Sie schon wieder davon an, das ist doch längst verjährt und ich hoffe, daß die Herren die Brillantbrosche endlich ruhen lassen. Übrigens, es ist 12 Uhr, ich habe gestern einen Familienschrumm mitgemacht und bin erst heute früh nach Hause gekommen, bin müde. Es war sehr interessant, Ihrer Geschichte zuzuhören, Herr N., das Bier auch vorzüglich. Adieu, meine Herren.“ Unter den Zurückgebliebenen, aber sich jetzt ebenfalls zum Aufbruch rüstenden befand sich Kollege B., der erst seit kurzer Zeit etabliert war und seit 3 Monaten Mitglied der Innung. Dieser wandte sich an Herrn Y. mit der Frage, was es mit der „Brillantbrosche“ für eine Bewandnis habe, denn wie er gesehen habe, wäre Herr M. sehr ärgerlich geworden, hätte sich aber beherrscht. „Mein junger Freund,“ antwortete Herr Y. „das ist eine interessante Geschichte, die sich aber nicht im Handumdrehn erzählen läßt. Heute ist es zu spät, es ist Zeit, den heimischen Penaten zuzustreben. Vielleicht das nächste Mal, wenn wir wieder so gemütlich zusammen sind, erzähle ich oder ein anderer der Herren die amüsante Geschichte von der Brillantbrosche.“ Darauf trennten sie sich.

Etwas über die „schwarzen Listen.“

Unter „schwarze Listen“ versteht man bekanntlich ein Verzeichnis von Personen, denen das Omen eines böswilligen Schuldners anhaftet. In den weitaus meisten Fällen handelt es sich um solche Schuldner, bei denen nicht blos Zahlungsaufforderungen erfolglos sind, sondern meist auch das gerichtliche Eintreibungsverfahren zu einem negativen Erfolge führt. Die Bezeichnung „negativ“ ist um deswillen angebracht, weil es sich nicht in allen Fällen um tatsächlich zahlungsunfähige Schuldner handelt, sondern vielmehr um solche Schuldner, die zahlen könnten, aber auf irgend welche Weise die Befriedigung ihrer Gläubiger zu hintertreiben suchen. Ist es doch factum, daß namentlich in Großstädten es viele Existenzen gibt, die auf großem Fuße leben, eine elegante Wohnung inne haben etc., aber das alles meist auf Kosten anderer die in der Kreditgewährung unvorsichtig oder gutgläubig sind. Sind doch die Fälle nicht selten, wo Einkläger von Forderungen noch die Kosten für das Klageverfahren tragen müssen, weil das Besitztum des Schuldners (Möbel etc.) entweder verpfändet oder aber Eigentum der Ehefrau ist. Vielfach könnte man sich wundern, daß es den fraglichen Personen immer wieder gelingt, neuen Kredit zu erhalten, wenn man nicht in dem Bestreben nach Gewinnung von Kundschaft und dem sicheren, ja protzigen Auftreten mancher „Kunden“ die

Erklärung fände. Leider bietet das Gesetz nur wenig wirksamen Schutz gegen das Gebahren der böswilligen Schuldner. Und in dieser Hinsicht wäre es gar nicht so unangebracht, wenn für gewisse Fälle „böswillige Schuld“ durch Freiheitsstrafe geahndet werden könnte. Es soll damit keineswegs die mittelalterliche Rechtsprechung wieder herbeigesehnt werden. Aber wenn man sieht, wie so viele Geschäftsleute für gelieferte Waren, ausgeführte Arbeiten etc. um ihr Geld kommen, von Leuten, die nicht zahlen wollen, ja nicht scheuen, den Offenbarungseid zu leisten, so ist der Wunsch nach einem wirksameren Schutz des Gläubigers begreiflich. Neuerdings hat man nun versucht, durch Einführung sogenannter ,,schwarzer Listen“ eine gewisse Selbsthilfe zu schaffen. Diese Listen welche meist von wirtschaftlichen Vereinigungen, dazu gehören auch Vereine und Innungen der Goldschmiede, herausgegeben werden, verfolgen den Zweck, die Mitglieder untereinander mit notorischen, böswilligen Schuldnern bekannt zu machen und damit den letzteren den Kredit zu beschneiden. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, wird man gegen die gedachte Einrichtung keinerlei Einwendungen erheben können. Man wird hierbei immer den Grundsatz als Voraussetzung annehmen müssen, daß bei der Führung der schwarzen Listen durchaus gewissenhaft und vorsichtig verfahren wird. Dies ist schon in

eigenem Interesse der Listenherausgeber geboten, da eine unberechtigte Aufnahme einer Person in schwarze Listen strafrechtliche Konzessionen zur Folge haben würde. Auch muß mit den Listen selbst sehr vorsichtig umgegangen werden, d. h. sie dürfen nur in den Kreisen der Mitglieder zirkulieren; einen öffentlichen Charakter haben diese schwarzen Listen nicht.

So berechtigt die Einrichtung der sogenannten schwarzen Listen an sich ist, so hat sie doch auch ihre bedenkliche Seite. Das betrifft die an säumige Schuldner gerichtete Drohung betreffs Aufnahme in die Listen der faulen Schuldner. Das Reichsgericht hat zwar ausgesprochen, daß die Drohung mit Aufnahme in die Schuldnerliste als eine Nötigung im Sinne des § 240 St. G. B., nicht von der Voraussetzung ausgegangen, daß es sich in dem der Beurteilung unterstehenden Falle auch tatsächlich um einen böswilligen Schuldner handelte. Dies folgert schon aus dem ganzen Charakter der schwarzen Listen. Daß aber der Begriff „säumig“ und „böswillig“ keineswegs identisch zu sein braucht, dafür ein Beispiel: Ein Baugewerke hatte für jemanden eine kleine Arbeit auszuführen. Hierfür war zwischen beiden Parteien vorher ein fester Preis von vier Mark vereinbart worden. Nachdem die Arbeit ausgeführt worden war, sandte der Baugewerke eine Rechnung über 5.20 Mk. Der Auftraggeber verweigerte die Zahlung mit der Motivierung, daß nur 4 Mk. ausgemacht worden seien und stellte diesen Betrag zur Verfügung. Der Handwerker lehnte die Annahme der 4 Mk. ab und übergab die vermeintliche Forderung von Mk. 5.20 einem Inkasso-Bureau zwecks Einziehung, ohne jedoch den Auftraggeber davon in Kenntnis zu setzen. Das Bureau forderte nun mehrfach zur Zahlung des

Betrages von 5.20 Mk. auf und knüpfte an die letzte Zahlungsaufforderung die Drohung bei Zahlungsverweigerung den säumigen Schuldner auf die schwarze Liste zu setzen. Daraufhin wandte sich der Betroffene an die Staatsanwaltschaft und ersuchte um Erhebung einer Anklage wegen Nötigungsversuch, die Staatsanwaltvermochte jedoch ihrerseits nicht vorzugehen, da das Inkasso-Bureau in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt habe und verwies den Antragstellenden auf den Weg der Privatklage. Zu der letzteren ist es nicht gekommen, (was in prinzipieller Hinsicht zu bedauern ist), da der Gläubiger nachträglich den Betrag von 4 Mk. widerspruchslos angenommen hat. Unseres Erachtens war in dem angezogenen Falle die Drohung durchaus unberechtigt, da der Schuldner ja nicht die Zahlung der Schuld an sich verweigert hat, sondern nur den ihm zu hoch angerechneten Betrag. Somit handelt es sich auch nicht um einen böswilligen Schuldner, und war hier in der Drohung zur Aufnahme in die Schuldnerliste das Merkmal einer Ehrverletzung gegeben. Aus diesem Grunde ist die Mahnung zur Vorsicht recht wohl am Platze. Man vergegenwärtige sich hierbei, daß im Geschäftsleben Zahlungsbeanstandungen nicht selten sind, ohne daß von einer Böswilligkeit die Rede sein kann.

Was nun die tatsächliche Aufnahme von Schuldnern in eine schwarze Liste“ anbelangt, so versteht es sich eigentlich von selbst, daß diese nicht erfolgen darf, wenn die Nichtbezahlung einer Forderung gerichtlich festgestellt ist, d. h. durch Auspfändung, Offenbarungseid etc. Dies schon auf bloße Mahnungen hin tun zu wollen wäre direkt strafbar. Die Konkurs-Eröffnung berechtigt gleichfalls nicht zur Aufnahme des Kridars in eine schwarze Liste.

Deutschlands Export in Gold- und Silberwaren.

Mit stolzem Behagen können wir unsere Handelsstatistik stu- Schweden, Norwegen, Spanien, Portugal, Mexiko, Kuba, Portoriko, dieren. Sie zeigt uns, daß die Arbeit unserer heimischen Industrie Uruguay und Chile. an der Deckung des Welthandels in unserer Branche mit keinem

Selbst die Staaten, welche für unsere Branchen bezüglich der geringen Anteil beteiligt ist, und wir ersehen ferner, daß das Jahr Einfuhr nur einen 2. Rang einnehmen, wie Gibraltar, Malta, Cypern, 1903 die tiefgehende Konjunktur des vorigen Jahres eingeholt, Griechenland, Rumänien, Türkei, Bulgarien, Serbien, Südafrika, Algier, ja sogar die noch günstigen Resultate des Jahres 1901 überholt hat. Tunis, Britisch-Nord-Amerika, Guatemala, Peru, Britisch-Indien, China

Der Export in Edelmetallwaren zeigt eine stabile Steigerung; Japan, Niederl. Indien, Philippinen und Australien werden im Versand in unedlen Metallen haben wir in den ersten 9 Monaten des berücksichtigt, für dessen Intensität die Zahlen der Handelsstatistiken Jahres 1903 bereits ein Mehr von 238 Doppelzentnern gegenüber maßgebend sind. Zudem wird auch in jener Zeit, da sich der Wettdem ganzen Jahre 1901 und ein bedeutendes Mehr gegen das streit der Völker auf der Internationalen Ausstellung in St. Louis, Jahr 1902, Auch in anderen Industriezweigen zeigt sich eine Mo., zeigt, die „Deutsche Goldschmiede-Zeitung“ in ihrer ExportSteigerung des Absatzes. So hat die Großuhrenausfuhr bereits in Nummer eine würdige Repräsentantin unserer heimischen Industrie 9 Monaten des Jahres 1903 das ganze Jahr 1901 um 1590 Doppel- bilden. zentner überholt.

Dazu garantieren wir aber auch einen intensiven VerWir stellen nun die Frage: Ist es möglich den Export in unserer sand an alle nur auftreibbaren Spezialadressen in der Branche noch zu fördern? Diese Möglichkeit ist nicht nur zu be- gleichen Gründlichkeit, wie wir den Versand der deutschen jahen, sondern es ist eine Pflicht, nichts zu verabsäumen, Ausgabe der Deutschen Goldschmiede-Zeitung“ vorum unseren Industrie-Erzeugnissen im Ausland weitere nehmen. Einführung zu schaffen.

Ein Inserat in unserer Export-Nummer hat mindestens den zehnDie Redaktion der „Deutschen Goldschmiede-Zeitung“, welche fach höheren Wert als ein solches in einer allgemeinen Exportsich neben der Förderung des Gewerbes auch das Ziel setzte, den Zeitung. Wir glauben deshalb, daß die Inserat-Aufgabe in diesem Absatz deutscher Waren im Ausland zu unterstützen, hat sich zur Falle eine recht rationelle ist, auch nach der Richtung hin, als Herausgabe einer Export-Nummer entschlossen.

sie einen weiten Blick beweist für Zeiten der Schwankungen Die deutsche Ausgabe der D. G.-Z., die auch im Ausland eine im modernen Wirtschaftsleben, für die vorher fürsorglich angemessene Verbreitung findet, muß Halt machen vor dem Ge- zu handeln die Klugheit gebietet. schäftsmann fremder Zunge, und hier soll eine Export-Nummer die Die Inserentenliste erscheint in drei Sprachen: deutsch, franBrücke schlagen zum Abnehmer unserer Erzeugnisse im gesamten zösisch und englisch. Für die Inserate selbst lassen wir den Herren fremdsprachigen Ausland.

Inserenten die Wahl der Sprachen offen. Die Manuskripte sind Der Versand erfolgt an alle Kaiserl. deutschen Konsulate; an fertig zu liefern, eventuell übernehmen wir die Übersetzung gegen alle Importeure des Auslandes, an alle Exporteure des Auslandes Berechnung der Selbstkosten. für die Kolonien, an alle ausländischen Großhandlungen und an die Der Preis einer Inserat-Seite beträgt 150 Mark, einer halben bedeutendsten ausländischen Detail-Handlungen. Außerdem werden Seite 80 Mark, einer viertel Seite 40 Mark; die erste und letzte auch alle in Deutschland anwesenden Goldwaren-Einkäufer die Export- seite vor und nach dem Texte kostet 175 Mark, jede UmschlagNummer erhalten.

Seite 200 Mark, ohne jeden Rabatt; bei Aufgabe von 12 Inseraten Da Österreich-Ungarn und die Schweiz, auch ein Teil des für die „Deutsche Goldschmiede-Zeitung“ wird auf das Exporteuropäischen Rußlands durch die deutsche Ausgabe der Deutschen Inserat 10% Rabatt gewährt. Die 7 Vorzugsseiten werden nur Goldschmiede-Zeitung gedeckt wird, so kommt für den Versand ungeteilt abgegeben. der Export-Ausgabe in erster Linie unser Hauptabnehmer England Mit unserer Export-Nummer rüsten wir einen eleganten in Betracht, dann Italien, ferner: Dänemark, Rußland, Finnland, Salondampfer aus, auf dem wir unseren ausländischen Niederlande, Belgien, Frankreich, Argentinien, Brasilien, Ägypten, Abnehmern einen Besuch abstatten wollten. Die Teil

« PreviousContinue »