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halten; ferner wieviel Touren müssen die die Kugeln enthaltenden Trommeln in der Minute machen?

W. T. in W. Frage 30. Welche Silberwarenfabrik führt als Stempelzeichen ein geschlossenes Visier – ähnlich dem der Vereinigten SilberwarenFabriken zu Düsseldorf – aber einfacher ?

J. S. in R. Antworten: Zu Frage 13. Zum Bezug aller Arten Oxyde, Vergoldungen, Rezepte, etc. etc. hält sich Ludwig Bertram, Galvanotechnische Anstalt zu Pforzheim bestens empfohlen.

Zu Frage 14. Für Lieferung von silbernen, galvanoplastischen Figuren empfehlen wir die Galvanoplastische Kunstanstalt, Geislingen-Steige und bemerken dabei, sofern sich die in Frage kommenden Stücke überhaupt für Ausführung in Silbergalvanoplastik eignen. Von wichtigeren Arbeiten in Silbergalvanoplastik, welche die Firma schon ausgeführt hat, wollen wir besonders noch ein sehr schönes Relief 60 x 70 cm. von Prof. Jansen in Düsseldorf modelliert erwähnen, welches s. Zt. als Ehrengabe für den Vorsitzenden der Düsseldorfer Industrie- und Gewerbe-Ausstellung von 1902 gedient hat. Ferner liefert höchst originelle Figuren in künstlerischer Vollendung für Aufsätze und Girandols geeignet die Firma Lazarus Posen Wwe., Silberwarenfabrik Frankfurt a./M. Steinweg 12. Bedingung ist, daß die Sachen nicht nach Deutschland kommen.

Zu Frage 18. Um das Gewicht eines vollständig runden Steines annähernd zu bestimmen verfährt man folgendermaßen: Mittels einer Schubleere stellt man den Durchmesser des Steines fest. Dies Zahl mutipliziert man 3 mal mit sich selbst und teilt das Ganze durch 230. Das Gewicht eines runden Steines von 8 mm Durchmesser ist demnach ungefähr 21/, Karat. Regel:

Bei einem ganz regelmäßig geschliffenen, aber stumpf viereckigen Stein ist das Verfahren ebenso, nur teilt man die durch Multiplizieren erhaltene Zahl durch 200. Also:

8.8.8 /

230 -= 2/4

8.8.8

Frage 20. Wer liefert Schaufensteretalagen, welche sich drehen und mit Uhrwerk versehen sind ?

C. H. in P. Frage 21. Wer ist der Fabrikant von versilberten Eau de CologneBehältern mit Pfropfen- und Korkenzieher, Stempel J.B. & Co. und E.P.?

L. K. in H. Frage 22. In welcher Art werden photographische Reproduktionen auf Silber behandelt?

K. in H. Frage 23. Wer liefert oder fabriziert fertiges Pech für Treibarbeiten der Ziseleure ?

P. M. in D. Frage 24. Wenn ein massiv goldener Gegenstand z. B. goldene Kette oder goldener Trauring nur den gesetzlichen Gehaltsstempel 750,585 oder 333/000 (also keine Schutzmarke oder Firmenstempel) trägt, nach Feuerprobe aber ca. 30/000 Teile weniger als den gestempelten Gehalt ergibt, wie beweist in diesem Falle der Privatmann als Käufer, daß das nicht vollgehaltige Stück bei dem von ihm bezeichneten Ladenbesitzer gekauft ist, oder der Detaillist dem Grossisten und letzterer eventuell dem Fabrikanten? In welchem Zeitraum kann deswegen Schadenersatz verlangt werden? Kann ein Chemiker oder Probierer für den von ihm durch Feuerprobe festgestellten Feingehalt verantwortlich gemacht werden, und ist jeder Irrtum selbst auf ein Tausendstel in dieser Beziehung vollständig ausgeschlossen?

Es soll beispielsweise ein fertiggestellter Silbergegenstand nicht unter 925 000 sein, der Chemiker stellt, ohne das betreffende Stück vollständig einzuschmelzen, sondern nur durch Abnahme eines zur Probe erforderlichen Stückes jedoch einen Feingehalt von 924/000 Teile fest. Ist eine derartige Gehaltdifferenz überhaupt festzustellen, und kann der Fabrikant wegen der in diesem Falle festgestellten Differenz von seinem Abnehmer für den ihm dadurch entstandenen Schaden verantwortlich gemacht werden?

J. S. in H. Frage 25. Wer liefert oder fabriziert kleine Nippessachen, wie Stühlchen, Tischchen, Schränkchen etc. in Silberfiligran ?

W. D. in W. Frage 26. Vor einigen Wochen erhielt ich eine lange Uhrkette, Messing, fein Panzermuster, wie es früher modern war, zum Vergolden. Da ich nicht selbst vergolde, es kommt hier sehr wenig vor, rentiert sich also nicht, sandte ich die Kette nach Hamburg zum Galvaniseur im gewöhnlichen Brief (20 Pf.-Marke). Als ich die Kette nach einigen Tagen nicht zurückerhielt, sandte ich eine Postkarte ab und wurde mir daraufhin mitgeteilt, daß die Kette schon 1 Tag nach Empfang vergoldet und wieder abgesandt worden sei. Es ist nun ein Laufzettel vom Hamb. Postamt erlassen worden, jedoch nichts nachgekommen, da die Kette im gewöhnlichen Brief wieder abgesandt worden ist. Die Kette sollte zu Weihnachten verschenkt werden, nun auf einmal, wo dieselbe verloren gegangen, ist es ein Erbstück, quasi unersetzlich. Meiner Ansicht nach verschenkt man wertvolle Erbstücke nicht. Was kann nun der Betreffende für die verloren gegangene Kette verlangen? Da die alte aus Messing war, hatte ich mehrere amerikanische Doublé ca. Mk. 6.50-8.50 zur Wahl als Ersatz angeboten, wurde jedoch mit den Worten abgewiesen, die andere Kette wäre viel feiner (feingliederig) gewesen. Genügt es vielleicht, wenn ich mich erbiete, eine neue Kette, silbervergoldet, Muster wie gewesen, machen zu lassen? Wie verhalte ich mich bei einer event. Klage ?

W. J. in L. Frage 27. Welcher deutsche Fabrikant berücksichtigt Auswahlsendungen guter Entwürfe für moderne Schmucksachen im englischen Geschmacke?

B. B. in G. Frage 28. Von der Firma N. empfange ich nun zum zweitenoder drittenmal (das vorige Mal im Januar 1903) per Postkarte die Aufforderung, ihr meinen Umsatz mit der Firma ,,S. Erlanger, NewYork“, die sie an mich empfohlen haben will, anzugeben, damit sie mir die Provision in Rechnung stellen könne. Ganz abgesehen davon, daß ich die New-Yorker Firma gar nich kenne und demzufolge auch noch nichts an dieselbe verkauft haben kann, finde ich es sonderbar, daß jemand, der einem einen Kunden zugeführt zu haben glaubt, für alle Geschäfte noch auf Jahre hinaus Provision verlangt. Es wäre mir angenehm, wenn Sie in ihrem Fragekasten der Goldschmiedezeituug diese Angelegenheit besprechen würden.

W. in P. Frage 29. Auf welche Art scheuert man Metallgegenstände, wie Ketten, Anhänger usw. mit Stahlkugeln, um einen Hochglanz zu er

- 21!, Karat.

200

= 2, Karat.

400

Bei unregelmäßig geschliffenen Steinen erhebe man den Durchmesser ins Quadrat, multipliziere die erhaltene Zahl mit der dreifachen Höhe und teile das Ganze durch 400.

D:D:3H Regel:

" = Gewicht des Steines. Ist ein Stein länglich geformt, so erhält man das Gewicht durch Multiplizieren der Länge mit der doppelten Höhe. Das Ganze teilt man durch 300.

L:B:3H Regel:

!= Gewicht des Steines. 300

A. F. in L.

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Zu Frage 28. Eine Provision kann an sich nur dann verlangt werden, wenn die Firma sich vorher für die Zuweisung solcher Abnehmer von Ihnen eine solche ausbedungen hatte. Da Ihr Geschäft aber als ein kaufmännisches anzusehen ist, so kommt § 354 des Handelsgesetzbuches in Frage, wonach Kaufleute unter sich Provision für geleistete Dienste auch ohne Vereinbarung fordern können. Der Anspruch der Firma N. wäre also gerechtfertigt, wenn sie Ihnen die New-Yorker Firma nachgewiesen hätte.

Bekanntmachungen des Verbandes Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede. Bekanntmachung.

Verband herantreten, Kenntnis zu haben, schildern wir nachstehend

den Hergang einer solchen Sache, die aber auch außerdem für die Was unter systematischer Bearbeitung einer an den Verband

vielen gerichtlich vereideten Sachverständigen unter unseren Mitherantretenden Sache zu verstehen ist.

gliedern von Bedeutung sein wird. Da es für unsere verehrlichen Mitglieder von Interesse sein Am 7. Januar wurde uns von einem Mitgliede des Verbandes, dürfte, über die Art der Bearbeitung der Angelegenheiten, die an den welcher aber auch gleichzeitig gerichtlich vereideter Sachverständiger

ist, ein Erkenntnis zugeschickt mit Begleitschreiben, woraus hervorging, daß der Kollege verurteilt ist wegen eines abgegebenen Gutachtens über eine neue goldene Uhr. Der Vorstand entschied auf Vorschlag des Vorsitzenden dahin, die sämtlichen vereideten Sachverständigen von Berlin und Charlottenburg über den Fall anzuhören. Um sich aber außerdem noch über einige Rechtsfragen, ganz besonders über die Bedeutung eines Werkvertrages, zu unterrichten, verhandelte der Vorsitzende mit dem Rechtsbeistand. Dann wurde mit den sämtlichen gerichtlich vereideten Sachverständigen, welche mit Ausnahme eines Herrn der Einladung Folge geleistet hatten, in einer Sitzung das ganze Gerichtsverfahren, das Erkenntnis und das Gutachten selbst beraten und schließlich das Gutachten, welches von dem Vorstand des Verbandes verlangt wurde, in den Grundzügen niedergelegt. Das Gutachten wurde dann von dem Vorsitzenden bearbeitet und unserem Mitgliede für die Berufung gegen das gerichtliche Urteil eingereicht.

Das Gutachten lautet folgendermaßen:

Gutachten. In Sachen des Uhrmachers Albert G. in D. gegen den Juwelier und Gerichtstaxator S. in D. wird Berufung gegen das Erkenntnis, verkündet am 7. Dezember 1903, eingelegt und zwar aus folgenden Gründen:

Der Tischlermeister M. in D. kam zu dem Beklagten, um sich ein Gutachten über den Wert einer goldenen Remontoiruhr geben zu lassen. Der Beklagte stellte den Wert der Uhr auf 85 Mark fest. Diese Wertfeststellung war zutreffend insofern, als sich der Wert eines Gegenstandes aus Material und Arbeitslohn zusammensetzt. Die Uhr hat von dem Grossisten 93 Mark gekostet. Nach den Handelsusancen im Uhrenengroshandel geht von diesem Preis gewöhnlich bei guten Zahlern 5-10% Skonto ab. Dem Kläger sind nur 2% eingeräumt, vermutlich, weil er länger Ziel in Anspruch nimmt. Der Beklagte hatte als Sachverständiger festzustellen, welchen Materialwert und Arbeitslohnwert die Uhr hatte, also wieviel Goldwert, Wert des Werkes, und den Wert der Arbeitsleistung an der Uhr. Er kam zu dem richtigen Schluß, daß dieser Wert 85 Mark betragen würde. Der Verdienst eines Grosissten in Uhren ist ein sehr minimaler, so daß dem Erfordernis fast genau entsprochen ist. Eher könnte man behaupten, daß der Wert der Uhr zu hoch angegeben ist.

Nun ist von dem Kläger die Behauptung aufgestellt worden, daß bei der Abgabe des Gutachtens die erforderlichen Kunstregeln außer acht gelassen worden sind. Diese Behauptung ist insofern unzutreffend, als es Kunstregeln für ein Gutachten überhaupt nicht gibt. Diese Behauptung ist aber auch nur möglich geworden, weil in der weiteren Begründung unzutreffend der § 631 des Bürgerlichen Gesetzbuches herangezogen worden ist.

Die Annahme, daß ein Werkvertrag vorliegen soll, ist nach jeder Richtung hin unzutreffend. Unter Werkvertrag versteht man ein nach technischen Grundsätzen herzustellendes Werk, wozu eine physische Arbeit erforderlich ist. Die gutachtliche Äußerung über eine goldene Uhr ist ein Geistesprodukt; eine ausgesprochene Ansicht über den Wert einer Sache und hat mit dem Werkvertrag absolut nichts zu tun. Ein Werkvertrag würde es z. B. sein, wenn dem Beklagten aufgegeben worden wäre, dem Tischlermeister M. eine Herrenuhr anzufertigen, und zwar aus Gold, vielleicht mit dem Zusatz, daß die Küvette, oder vielmehr der innere Deckel ebenfalls aus Gold angefertigt sein muß. Beklagter hätte nun aber anstatt Gold, Messing verwendet, dann läge eine Verletzung des Werkvertrages vor, und der Besteller der Uhr, der Tischlermeister M., wäre berechtigt, auf Grund des § 633 des Bürgerlichen Gesetzbuches die Wandlung des Werkvertrages, also die Herstellung eines goldenen Deckels inwendig, zu beanspruchen.

Alles das trifft hier nicht zu, sondern der Kläger gewordene Uhrenhändler G. verlangt Abänderung der gutachtlichen Äußerung über den Wert der Uhr, nicht, weil ein Mangel des Gutachtens vorhanden ist, sondern weil ihm dieses Gutachten im höchsten Grade unbequem ist.

Zu dem Erkenntnis sind die von Nationalökonomen aufgestellten Grundsätze über Tauschwert, Gebrauchswert und Kunstwert usw. herangezogen worden, jedoch mit Unrecht, denn diese kommen für die Beurteilung des Wertes einer goldenen Herrenuhr nicht sonderlich in Frage.

Beklagter hat zweifellos den objektiven Wert der Uhr richtig angegeben, weil dieses nur allein möglich ist. Den Ladenpreis einer goldenen Herrenuhr genau zu beurteilen ist niemand deshalb in der Lage, weil eine Norm für den Verkaufspreis einer Sache nicht besteht. Kunstregeln dafür gibt es nicht, und wenn die Sachverständigen zu dem Ergebnis gelangten, daß die Uhr, welche mit 135 M. verkauft

dan die Uhr welche mit 135 M verkauft ist, 140 -- 150 M. wert sei, so ist das einfach eine Vermutung oder

einfach eine Vermutung oder erraten, denn eine Basis für die Bemessung dieses Wertes fehlt voll

rtes fehit voll ständig. Jedem Sachverständigen von Uhren und des Uhrenhandels muß bekannt sein, daß Herrenuhren mit einem ganz verschiedenen Ladenaufschlag verkauft werden. Es steht fest, daß Uhren zu dem Ankaufspreis verkauft werden und zwar, um damit als Lockmittel

Käufer heranzuziehen. Es steht ferner fest, daß ein Aufschlag von 5%, 10%, 20%, 25% bis 100% gerechnet wird. Bei Uhrmachern, welche ihre Uhren nach streng soliden kaufmännischen Grundsätzen verkaufen, würde ein Gewinn von etwa 25% angemessen sein. Danach würde diese Uhr einen sogenannten Ladenpreis von 120 M. haben können. Es ergibt sich also, daß die Angabe der Sachverständigen, die Uhr sei 140-150 M. wert, lediglich eine Vermutung ist. Weil aber Grundsätze dafür fehlen, wie ein Kaufmann seine Waren zu verkaufen habe, so ist ein Sachverständiger, der gewissenhaft handelt, nicht in der Lage, den genauen Ladenpreis einer Uhr festzustellen. Er wird sich also immer daran halten müssen, den objektiven Wert einer Uhr aus den Produktionskosten mit Hinzuziehung des Metallwertes festzusetzen. Da dies von dem beklagten vereideten Sachverständigen geschehen ist, so hat er nach jeder Richtung hin seine Schuldigkeit erfüllt.

Ein Werkvertrag lag nicht vor, und ist ein Werkvertrag demzufolge nicht verletzt, Kunstregeln sind ebenfalls nicht verletzt, weil solche nicht bestehen, und so war Kläger nicht berechtigt, eine Wandlung nach § 633 des Bürgerlichen Gesetzbuches zu verlangen.

Übrigens hat der Tischlermeister M., wie in dem Erkenntnis festgestellt ist, dem Beklagten ausdrücklich gesagt: „Ich habe die Uhr gekauft und will wissen, was die Uhr wert ist. Das ist eine Frage, die sehr häufig von Personen gestellt wird, die über einen gekauften Gegenstand eine gutachtliche Außerung haben wollen. Es war für M., nachdem ihm von dem Sachverständigen S. der Wert der Uhr mitgeteilt worden ist, ein Leichtes, sich den Gewinn, welcher dem Uhrmacher und Händler G. zugute kam, selbst hinzuzurechnen.

Es muß dahingestellt bleiben, ob der Aufschlag von 45 M. berechtigt war oder nicht.

Wollte der Tischlermeister M. von dem beklagten Sachverständigen S. erfahren, welchen Ladenpreis die Uhr habe, so hätte er dies ausdrücklich dem Beklagten sagen müssen. Ziemlich sicher ist anzunehmen, daß Beklagter dieses Ansinnen rundweg abgelehnt hätte, denn auf die Bemerkung des Tischlermeisters M., nachdem der Beklagte die Uhr auf 85 M. angegeben hatte, daß er dieselbe für 135 M. gekauft habe, hat der Beklagte ausdrücklich erklärt, daß das für ihn nicht in Frage komme, daß er also die üblichen Grundsätze der Wertbestimmung sich von anderen nicht vorschreiben lasse.

Schließlich sei noch bemerkt, daß man sich bei Ankauf von Uhren vorher über die Solidität der Handlung, in welcher man das Stück erstehen will, informiert und nicht darauf loskauft und nachher zu Sachverständigen geht und wie es hier vorliegt, ein genehmes Urteil einholen will. Ñ. mußte sich mit dem gegeben Gutachten begnügen und keinenfalls hat der Uhrmacher G. irgend ein Anrecht, ein Gutachten in seinem Sinne zu erzwingen.

Würde das vorliegende Erkenntnis in der Berufungsinstanz bestätigt, so würde für gewissenhafte vereidigte Sachverständige eine höchst bedenkliche Beunruhigung entstehen, denn sie würden von den bisherigen Grundsätzen, wonach ein Gegenstand wegen des Wertes zu beurteilen ist, abgehen müssen und für die Folge einen Handelswert erraten, den sie aus den angegebenen Gründen nicht genau festzustellen in der Lage sind.

Das Erkenntnis hat auf Antrag des Vorstandes des Verbandes deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede den gerichtlich vereidigten Sachverständigen von Berlin und Charlottenburg zur Beratung vorgelegen. Diese Beratung hat am 11. Januar stattgefunden, und sind die Grundzüge der Begründung der Berufungsschrift festgesetzt worden.

Bekanntmachung. Nach dem Tagesjournal zählt der Verband seit 1. Juli 1903 bis zum 28. Januar 1904 1808 Eingänge, und wenn auch natürlich nicht alle eine so umfangreiche Bearbeitung erfordern, so ist doch in dieser Weise bisher jede an den Verband herantretende Angelegenheit behandelt, und leuchtet es wohl ein, daß diese gründliche Durcharbeit einen enormen Zeitaufwand und Geldkosten für die Verbandskasse erforderlich macht.

Um so befremdlicher ist es, daß auf das Rundschreiben, datiert vom November 1903, verschickt mit der Mitgliederliste des Verbands zu Weihnachten 1903, von 1941 Versendungen nur 92 Antworten eingegangen sind.

In dem Rundschreiben ist in ausführlicher Weise darauf hingewiesen, daß für eine geordnete Geschäftsführung enorme Kosten entstehen, und daß es dringend notwendig ist, daß diejenigen Mitglieder, welche in der Lage sind, ein kleines Opfer für die Vertretung der Standesinteressen aufzubringen, sich als Einzelmitgied des Verbandes eintragen lassen.

Wir gestatten uns daher, noch einmal an das Rundschreiben vom November vorigen Jahres zu erinnern, und ersuchen unsre verehrlichen Mitglieder höflichst, sofern sie dasselbe bis jetzt nicht be

antwortet haben, uns per Postkarte mitzuteilen, welchen Beitrag die Der Vorstand des Verbandes verpflichtet sich hierdurch, soweit selben als Einzelmitglied von dem nächsten Geschäftsjahr, vom es in seiner Macht steht, Glasversicherungen nur mit der Aktien1. Juli 1904, an zahlen wollen.

Gesellschaft Hammonia zu vermitteln und nur genannte Gesellschaft Ganz besonders möchten wir aber noch darauf hinweisen, daß den Mitgliedern zu empfehlen, auch in den Verbandssitzungen auf es wünschenswert ist, daß die Vereine, welche bisher nur ganz un- die Vorteile, welche die Hammonia den Verbandsmitgliedern bietet, bedeutende Zuschüsse zu den Kosten der Geschäftsführung leisteten, empfehlend hinzuweisen. in ihren nächsten Vereinssitzungen sich mit der Frage der Erhöhung Dieser Vertrag, welcher in zwei gleichlautenden Exemplaren ausder Beiträge für die Zentralstelle beschäftigen.

gefertigt ist, hat keine rückwirkende Kraft, und ist die „Hammonia“ Berlin, den 29. Januar 1904.

gehalten, den vereinbarten Rabatt nur bei neugeschlossenen Ver

sicherungen zu gewähren. Verband Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede

Ferner gilt der Vertrag für beide Teile für eine Dauer von fünf Berlin S., Oranienstraße 143.

Jahren abgeschlossen und für dieselbe Zeitdauer prolongiert, wenn Fischer.

nicht sechs Monate vor Ablauf desselben von einem Kontrahenten

schriftlich gekündigt wird.
Bekanntmachung.

Berlin, den 31. Januar 1903.
Hammonia", Glasversicherungs-

Verband Deutscher Juweliere,
Glasversicherung.

Gesellschaft des Verbandes von

Gold- und Silberschmiede Nachstehend bringen wir nochmals den Vertrag zur Kenntnis Glaser-Innungen Deutschlands. Berlin S., Oranienstraße 143. unserer verehrlichen Mitglieder, welchen wir im Interesse derselben

Ehrenberg.

Fischer, 1. Vors.

Rudolf Menzel, 2. Vors. mit der Aktien-Gesellschaft „Hammonia", Glas-Versicherungsgesell

Dr. iur. Schröder, Schrifti. schaft des Verbandes von Glaser-Innungen Deutschlands, abgeschlossen haben. Daraus geht hervor, daß jedem Mitgliede ein Rabatt von 10%

Gutachten. der Prämie gewährt wird. Insbesondere aber ist festgesetzt, daß im Falle von Streitigkeiten

In Angelegenheit einer verloren gegangenen echten Perle von zwischen unsern Mitgliedern und der Gesellschaft dem Vorstand des

etwa einem Karat, welche auf einem mit Gewinde und Schüssel verJuwelier-Verbandes unter Ausschluß jedes gerichtlichen Ver

sehenem Knopfe mit Pariser Perlkitt festgekittet war, wofür Schadenfahrens die alleinige Entscheidung zusteht.

ersatz von dem Juwelier erlangt wird, ebenfalls Klage erfolgt. Das. Es leuchtet ein, daß wir in jedem einzelnen Falle die Interessen

selbe lautet folgendermaßen: unserer Mitglieder in erster Linie wahren werden, und liegt in diesem

Infolge Ihres gefl. Schreibens vom 26. Januar teile ich Ihnen erdem Vorstande des Verbandes gemachten Zugeständnis die größte

gebenst mit, daß der Vorstand sich eingehend mit Ihrer Angelegenheit Bedeutung der Abmachungen.

beschäftigt hat. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, Ihnen anzuWir bitten daher unser Mitglieder höflichst, auch dann ihre Ver

raten, sich auf nichts einzulassen; es sei denn, daß der Kunde Ihnen sicherungen der „Hammonia" zuzuwenden, wenn von seiten einer

wertvoll ist, dann würde ein Entgegenkommen zu empfehlen sein. anderen Gesellschaft durch Gewährung eines Rabatts versucht werden

Der Vorstand ist der Meinung, daß eine aufgeschraubte Perle sollte, unsern Vertrag für die „Hammonia" wirkungslos zu machen.

immer am besten hält; daß aber eine Perle, die auf einer Schüssel Wir bitten insbesondere auch deshalb um Versicherungsnahme bei der „Hammonia“, weil wir derselben eine große Beteiligung seitens

mit Gewindestift aufgekittet, durchaus haltbar ist und in Fabriken unserer werten Mitglieder in sichere Aussicht gestellt haben, und dem

meistens in dieser Weise ausgeführt wird. Schließlich aber, wo sollte

es hinführen, wenn eine Haftbarkeit des Juweliers vorläge, wenn nicht Verbande für diesen Fall noch besondere Vergünstigungen seitens der Gesellschaft „Hammonia" zugesichert sind.

grobe Fahrlässigkeit nachweisbar ist. Wir erkennen diese Haftbarkeit Zum Schluß richten wir an unsere Mitglieder die Bitte, uns in

nicht an, und dies um so weniger, als es an jeder Kontrolle fehlt jedem einzelnen Falle Mitteilung zu machen, wenn irgend ein be

darüber, ob es bei dem Verlieren der Perle oder eines Steines regulär sonderes Angebot sie verhindert, mit der „Hammonia" abzuschließen,

zugegangen ist. Nun kommt aber noch hinzu, daß der Perlenknopf, und zwar vor Abschluß der betreffenden Versicherung.

den Sie angefertigt haben, überhaupt nicht verloren gegangen ist,

und die Behauptung Ihres Kunden: „der angefertigte Knopf sei verBerlin, den 1. Februar 1904.

loren gegangen, der Wahrheit nicht entspricht, wofür Sie durch das Verband Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede Zeugnis Ihres Gehülfen Beweis antreten können. Berlin S., Oranienstraße 143.

Sehr zweifelhaft ist es auch, ob schließlich die Perle verloren Fischer.

gegangen ist von dem alten Knopf, den Ihr Gehülfe, wie Sie schreiben, nackagekittet hat. Es kann also sehr wohl der dritte Perlenknopf

sein. Son dem die Perle verloren gegangen ist. Vertrag.

zu Wemerken ist noch, daß zweifellos Perlenknöpfe so gefertigt

werden kennen, daß sie viele Jahre halten. Es kommt aber dabei Zwischen der Aktien-Gesellschaft Hammonia, Glasversicherungs

dann sehr rauf an, wie diese Knöpfe behandelt sind. Es liegt gesellschaft des Verbandes von Glaser-Innungen Deutschlands einer seits, und dem Verbande Deutscher Juweliere, Gold- und Silber

doch die Möglichkeit vor, daß der Knopf in rücksichtslosester Weise

in ein steifoepitetes Hemd hineingedrückt worden ist. Das sind schmiede andrerseits wird hierdurch vereinbart, daß die diesem Vertrage angeschlossenen allgemeinen Versicherungsbedingungen mit

alles Dinge die bei der Beurteilung der Sache in Frage kommen. dem dazu angehängten Prämientarif für die Mitglieder des Verbanden

Wir ersuchen Sie, uns über den weiteren Verlauf in Kenntnis zu Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede gültig sein sollen.

setzen. und ist der Vorstand gern bereit, Ihnen bei einem etwaigen Von jeder so geschlossenen Versicherung wird jedem Mitgliede

Prozeß zur Seite zu stu. ein Extra-Rabatt von 10% gewährt.

Berlin, den 3. Februah

Conr 1904 Streitigkeiten werden unter Ausschluß des gerichtlichen Verfahrens durch den Vorstand und Ausschuß des Verbandes Deutscher Juu

Verband Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede

zelerlin-S., Oranienstrasse 143. liere, Gold- und Silberschmiede entschieden.

1C

Fischer. march aus dem Inhalt vorliegender Zeitung ist nur mit Erlaubnis der Redaktion und in

nur mit Erlaubnis der Redaktion und 0'inter genauer Quellenangabe gestattet Bezugs-Preis:

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M. 112.

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iii!

erhoi'.

Hierzu eine Beilage: Wöchentlicher Arbeitsnachweis No. 7.

Amtliches Organ des Verbandes Deutscher Juweliere, Bold- und Silberschmiede
des Vereins der Juweliere, Bold- und Silberschmiede von Rheinland und Westfalen, des Vereins der
Juweliere, Gold- und Silberschmiede Württembergs, der freien Vereinigung des Bolds und Silberwaren-
Bewerbes für Berlin und den Reg.-Bezirk Potsdam, des Vereins der Juweliere, Bold- und Silbersamiede
des Großherzogtums Baden, der Goldschmiede - Werkgenossenschaft Berlin, der Kölner Juwelier - Vereinigung,
der Freien Vereinigung der Juweliere, Bold- und Silberschmiede des Reg.-Bezirks Stettin, der Goldschmiedes
Innung Schwerin, der Freien Vereinigung der Bold- und Silberschmiede zu Görlits, des Kreditoren-Vereins
für die Golds, Silberwaren- und Uhren-Industrie Pforzheim, der Kunstgewerbe-Vereine Hanau und Pforzheim,

vuot totiu des Bewerbemuseums Gmünd, der Zentralstelle Schmuck und Mode u sisisisis Begründet und berausgegeben von Wilbelm Diebener, Leipzig 21, Schützenstr. 15 Verantwortliche Redakteure: Syndikus Herm. Pilz, Leipzig

. Für den kunstgewerblichen Teil: R. Rücklin, Pforzheim – für den volkswirtschaftlichen Teil:

Erscheint jeden Freitag | Leipzig, 26. Febr. 1904

No. 9 – VII. Jahrgang

Soll mein Sohn Goldschmiedelehrling werden?

Um die Osterzeit werden die Familien durch die schwer- Korbmachern, Kürschnern, Malern, Nadlern, Sattlern, Segelmachern, wiegende Frage beunruhigt, was soll aus unseren Kindern werden? Seilern, Steinsetzern, Lackierern, während bei den Graveuren und Wie verhalten wir uns namentlich bei der Berufswahl unseres Ziseleuren, Dekorateuren, Glasmalern, Dachdeckern, Holzbildhauern, Knaben? Wo er Lust hat, in des Vaters Fußtapfen zu treten, und Köchen, Maurern, Posamentierern, Schreibern, Steinmetzen, Steindieser ihn, den Meistersohn“ ins eigene Geschäft aufnimmt, da bildhauern, Vergoldern, Tapezierern, Zimmerleuten zwar auch mittlere ist die Sorge bald behoben. Aber nur zu oft eignet sich der Spröß Aussichten herrschen, aber hinreichendes Lehrlingsmaterial zurzeit ling gar nicht zu seines Vaters Beruf, hat auch keine Neigung dazu, vorhanden ist. Vollständig überfüllt sind die Berufe der Büchsenund man soll bekanntlich niemand zu einem Berufe zwingen, weil macher, Elektrotechniker, Feinmechaniker, Optiker, Maschinenbauer, er ihm dann doch über kurz oder lang einmal untreu wird. Da und direkt abgeraten werden muß nach der Zusammenstellung vom ist die Wahl schwer. Die Aussichten sind heute nicht in allen Böruf der Brauer, Förster, Gipsbildhauer, Kellner, Lithographen, Berufsarten die gleichen. Die eine bietet

Photographen, Schuhmacher, Steindrucker, gute, die andere mittlere, die dritte gar

Uhrmacher, Instrumentenmacher, Müller, schlechte Aussichten. Es ist also ledig

Modelleure, Weber und Wirker. Wir lich eine Phrase, wenn behauptet wird,

sehen, daß sich den jungen Gold- und daß jeder Beruf aussichtsvoll sei, wenn

Silberschmieden eine mittlere Aussicht man sich seiner nur mit Lust und Liebe,

für ihr Fortkommen bietet. Was wird Ausdauer und Fleiß annehme. Mancher

darunter verstanden? Man meint, daß Beruf ist überfüllt, z. B. derjenige der

sie für ihre Arbeit ein gutes Auskommen Gelehrten, Techniker, Kaufleute usw., wäh

finden, daß sie zwar nicht besonders rend in anderen wieder Mangel herrscht,

hohe Löhne erhalten, aber doch so bez. B. bei Gärtnern, die außerordentlich

zahlt werden, daß sie ein anständiges, über den Mangel an jungem Nachwuchs

auskömmliches Leben führen und bei klagen. Für einen Durchschnittsmenschen

solidem Lebenswandel auch einen Notohne besondere Neigungen, heißt es in

pfennig zurücklegen können. Sie erreichen einem Artikel des „Erwerbsmarkt“, wird

zwar verhältnismäßig nicht die Lohnsätze es freilich sehr schwierig sein, die Wahl

der Berufe erster Klasse, aber sie werden so zu treffen, daß sie die Quelle sozialen

ausreichend für ihre Arbeit bezahlt. DaWohlbefinden wird. Und da die meisten

mit dürfte in der Darstellung im allKinder des Volkes nur eben Durchschnitts

gemeinen das Richtige getroffen sein. menschen sind, die lediglich etwas er

Nur was den Lehrlingsmangel anlangt, ergreifen sollen, um Geld zu verdienen, so

lauben wir uns zu bemerken, daß er nicht dürfte es allgemein interessieren, zu

so in den Vordergrund gestellt werden wissen, welche Berufe nach dieser Rich

kann wie in manchen anderen der in tung hin die meiste Aussicht bieten und

der zweiten Klasse aufgeführten Berufe. andererseits, von welchen Berufen durch

Es ist aber auch keine Überfüllung voraus abgeraten werden muß. Solche Auf

LÖFFELCHEN, VIER JAHRESZEITEN
VON P. BRUCKMANN & SÖHNE, HEILBRONN.

handen, so daß man die Frage: ,,Soll mein klärungen sind um die Osterzeit Goldes

Sohn Goldschmiedelehrling werden ?“ recht wert. —

wohl mit einem zuversichtlichen .. Ja!“ beAuf grund der Erhebungen über die Berufsarten im Reichsamt antworten kann. Wenn in den Kreisen der Gehilfen vielfach dardes Innern hat der „Erwerbsmarkt“ auch eine Zusammenstellung über geklagt wird, daß die Aussichten deshalb so trübe seien, weil der Berufsarten gegeben, und zwar in drei Klassen, je nachdem die nur selten die Selbständigkeit im Berufe der Goldschmiede winke, Aussichten in ihnen gute, mittlere oder schlechte sind. Da bietet und weil den älteren, verheirateten Gehilfen nur zu oft der Laufpaß gute Aussichten, bei zur Zeit herrschendem Lehrlingsmangel, gegeben werde, um jüngere Kräfte zu engagieren, so wird hier von der Beruf der Böttcher, Buchbinder, Barbiere, Former, Färber, Gelb einzelnen Fällen aus gleich auf die Allgemeinheit gegangen, und das gießer, Gürtler, Glaser, Klempner, Kupferschmiede, Konditoren, Kutscher, ist sicher ein Schritt der Ungerechtigkeit. Wohl kommt es vor, daß Schneider, Stuckateure, Töpfer und Wagenbauer. Gute Aussichten alternde Gehilfen unverdientermaßen der Stellenlosigkeit anheimbietet auch, jedoch bei zurzeit hinreichendem Lehrlingsangebot, der fallen, aber die Regel ist doch die, daß man einen geschickten, Beruf der Musterzeichner, Schlosser, Schriftsetzer, Schriftgießer, fleißigen, erfahrenen Gehilfen dem Neuling vorzieht und ihn nicht, Schornsteinfeger und Tapezierer. Mittlere Aussichten bieten wie es dargestellt wird, auf die Straße setzt, um sich eine billigere sich, bei herrschendem Lehrlingsmangel, den Buchhändlern, Bäckern, Kraft für die Werkstatt zu holen. Und mit dem Etablieren sieht Feilenhauern, Drogisten, Gold- und Silberarbeitern, Hutmachern, es so trübe auch nicht aus, namentlich in großen Ortschaften, die von Jahr zu Jahr in der Bevölkerungsziffer wachsen. Ohne weiteres erlangt nicht den Grad, der unerläßlich ist, und damit ist auch die geben wir allerdings zu, daß sich nur dem Goldschmied eine gute Vorbedingung für eine lohnende Beschäftigung als Gehilfe gefallen. Aussicht zur Selbständigmachung eröffnet, der sein Geschäft mit Wir brauchen aber vor allem auch intelligente, flotte, leichteinigen Betriebsmitteln ausstatten kann, sei es ein kleines Kapital auffassende junge Leute! Man weiß ja aus den Anekdoten, daß von zu Hause, sei es eine Ersparnis, die im Laufe der Jahre ge- „Goldschmieds Junge“ ein „heller, fixer Kerl“ sein muß. Wir können macht wurde. Lediglich auf den Kredit des Fabrikanten und Grossisten keine „Tranlampen“ in der Werkstatt oder im Laden gebrauchen. hin die Selbständigkeit aufzubauen, das ist ein verhängnisvoller Geistig nicht normal entwickelte Knaben, junge Leute, deren SchulLeichtsinn, und gewöhnlich ist der Goldschmied dabei so im Nach- bildung rückständig ist, können wir als Goldschmiedelehrlinge nicht teile wie sein Lieferant. Das aber kann uns wahrlich noch nicht gebrauchen. Die vier Lehrjahre wollen gut ausgenutzt sein, wenn veranlassen, den Pessimisten herauszukehren und von der Ergreifung die Gehilfenprüfung in Ehren bestanden werden soll. Wer sich des Goldschmiedehandwerks den jungen Bürgersöhnen abzuraten. für die Goldschmiedekunst entscheidet, der muß Geschmack, GeAuch in anderen Erwerbszweigen ist das Selbständigmachen mit fühl für die Schönheit in Form und Farbe haben, und wenn auch Schwierigkeiten und Gefahren, mit Entbehrungen und Sorgen ver- der Lehre der Meister diesen Geschmack läutern und ausbilden knüpft. Diese Erscheinung ist allgemein. Sie tritt auch beim Ge und festigen, das Gefühl stärken soll, es muß doch schon in lehrtenstande, beim Rechtsanwalt oder Arzt, der sich an einem Orte dem Lehrling ein gewisses Auffassungsvermögen vorhanden sein, niederläßt, hervor und kann

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der Boden, auf dem der nicht als Schreckgespenst

Meister nun während der vor Augen geführt werden.

Lehrzeit säen will und soll. Ebensowenig darf mißmutig

Wo kein Geschick dafür vorimmer wieder von den nied

handen ist, kein Talent in rigen Löhnen gesprochen

dem Knaben von vornherein werden. Sie sind es gar

zu bemerken ist, da gebe nicht in dem Maße, wie be

man den Gedanken auf, hauptet wird. Der durch

einen Goldschmiedelehrling schnittliche Wochenlohn eines

aus dem Knaben zu machen, brauchbaren Goldschmiede

denn es ist dann meist gehilfen beläuft sich doch

Hopfen und Malz verloren. immerhin auf 18 bis 20 M.,

Im Zeichnen soll der junge wo noch freie Station ge

Goldschmied eine gewisse währt wird, neben dieser auf

Fertigkeit besitzen, welche etwa 10 Mk. Das ist also

später in der Lehre und in auch kein Grund, die Eltern,

der Fachschule, die er etwa welche ihre Söhne dem Be

besucht, zur Kunstfertigkeit rufe des Goldschmieds zu

gesteigert wird. Sind doch führen wollen, kopfscheu zu

die Anforderungen, die an machen. Eins tut aber vor

den jungen Goldschmied geallem auch in unserem Berufe

stellt werden, auch sonst not: Es muß wahre BerufsLÖFFELCHEN, DEUTSCHE MÄRCHEN

nicht gering. Er muß in freudigkeit vorhanden sein!

der Edelmetallkunde, in der Wo sie fehlt, da wird auch VON P. BRUCKMANN & SÖHNE, HEILBRONN.

Naturgeschichte der Edelnichts erreicht. Da mangelt

steine usw. bewandert sein, es an der gründlichen Durchbildung, und mit dieser natürlich auch er soll aber auch die chemischen Kenntnisse sich aneignen, welche er an einer guten Entlohnung. Denn es gilt heute immer noch, obwohl in seinem Berufe zur Anwendung bringen muß, und schließlich soll er man ihn in Arbeiterkreisen gern beseitigen möchte, der Grundsatz; auch die allgemeinsten kaufmännischen Disziplinen, wie Buchführung, Wie die Arbeit, so der Lohn!

Korrespondenz usw., beherrschen. Das wird nur ein intelligenter Wie soll aber ein Goldschmiedelehrling beschaffen junger Mann fertig bringen! Wer aber eine sorgfältige Schulsein? Es sind für ihn keine schweren, aufreibenden Strapazen bildung genossen hat, wer über eine gewisse Handfertigkeit, Geauszustehen, wie sie der Beruf der Schmiede, Schlosser, Gärtner usw. schick und Geschmack und vor allem über Lust und Liebe zu mitbringt. Es kann daher auch ein Knabe dem Beruf zugeführt unserer schönen Goldschmiedekunst verfügt, den führe man ihr werden, der nicht über einen robusten Körperbau, eine „pommersche getrost zu, denn er wird in ihr seine Befriedigung und sein AusGesundheit“, verfügt, wie man zu sagen pflegt. Aber auch kränk- kommen finden! Es wäre vielleicht gut, wenn der Verband der liche junge Leute wollen wir in unserer Werkstatt nicht haben, Juweliere, Gold- und Silberschmiede jetzt in der Osterzeit der denn der Lehrling der Goldschmiedekunst muß andauernd in seinem Presse einen kurzen orientierenden Artikel über die Lage im GoldFach seine Lehrzeit ausfüllen, wenn er wirklich ein tüchtiger Gehilfe schmiedegewerbe übermittelte. Auch die Innungen wären an den werden will. Wird die Arbeit häufig durch Kränklichkeit unterbrochen einzelnen Plätzen dazu berufen. Das könnte segensreich für die so bleibt die Ausbildung lückenhaft, die Geschicklichkeit der Hand Fortbildung der Goldschmiedekunst wirken!

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Londoner Juwelier- und Goldwarenarbeiten.

Originalkorrespondenz von F. Schönfeldt in London. (Mit Abbildungen.) Es ist ungemein schwierig, sich über den Stand der eng- des fashionablen Westends und der City, weil sie niemals handeln lischen Juwelier- und Goldwarenbranche ein ganz genaues Bild und auch bei Nennung sehr respektabler Sümmchen kein Erzu machen, doch erhält man einen sehr guten allgemeinen Ein- staunen zeigen, weshalb Schecks von Tausenden von Pfund druck, wenn man die Schaufenster Londons im Herbste betrachtet, Sterling für Einkäufe in Juwelen gar nichts Seltenes sind. wo dieselben ihren reichsten Inhalt zeigen. Es ist dieses die Paris nennt sich zu Unrecht mit seiner im Verhältnis zur Zeit, wenn die amerikanischen Dollarfürsten mit ihren Familien Einwohnerzahl Frankreichs geringen Einwohnerzahl „le cæur de nach ihrer Europatour in London eine mehr oder weniger lange la France, während die Themsehauptstadt mit ihrer nach den Rast machen und diese vielfach benutzen, um gerade in der neuesten amtlichen Schätzungen rund 6000 000 Personen beJuwelenbranche sehr bedeutende Einkäufe zu machen. Die tragenden Volksmenge ziemlich genau den siebenten Teil der Yankees sind eine sehr beliebte Kundschaft bei den Juwelieren Bewohner des Vereinigten Königreichs darstellt und mit Recht

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