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gut eine so hohe Summe aufwenden können, andererseits aber von allen Juwelieren in B. die Fragebogen beantwortet erhalten haben, mit Ausnahme des der Firma C. O., endlich aber von allen Polizeibehörden Deutschlands in der denkbar entgegenkommendsten Weise Hilfe geleistet wurde, so wagen wir noch einmal die höfliche und sehr ergebene Bitte an eine Hochlöbliche Polizeidirektion in B. zu richten, vielleicht durch einen Polizeidiener direkt bei C. 0. die Anfrage zu stellen, ob derselbe in den letzten 20 Jahren Feuerschaden gehabt hat, und in welcher Höhe. Unsere Bemühungen, von diesem Kollegen einer Antwort gewürdigt zu werden, sind bis jetzt vergebens.

Indem wir für die Rückantwort eine Freimarke beilegen, zeichnen mir im voraus bestens dankend,

Mit Hochachtung ergebenst

gez. Fischer, 1. Vorsitzender. Die Antwort lautete:

„Der Juwelier 0. hat in den letzten 20 Jahren keinen Brandschaden gehabt.“

Die Statistik über die Feuersgefahr in unserem Gewerbe hat eine zwiefache Bedeutung. 1. Um angemessene Konzessionsbedingungen von seiten des Kaiserlichen Aufsichtsamtes für Privatversicherung zu erhalten. 2. Weil der Vorstand des Verbandes, bevor er in die Arbeitstätigkeit als Versicherungsverein eintritt, eine völlige Klarheit haben will über das Risiko, welches zu tragen ist. Wenn ja auch keinesfalls feststeht, daß sich die Schäden genau so wie in den letzten 20 Jahren wiederholen werden, da die Feuerschäden größer, auch kleiner sein können, so ist es doch unbedingt erforderlich zu wissen, wie sich in den letzten 20 Jahren die Feuersgefahr gestaltet hat. Jedenfalls wird die Statistik nicht eher von dem Vorstand des Verbandes aus den Händen gegeben, bis wir nicht von den noch offenstehenden 32 Städten in jeder Beziehung einwandfreie Nachweise über die Feuerschäden in den letzten 20 Jahren erhalten haben.

Die 32 Städte, um welche es sich handelt, sind nachstehend aufgeführt: Bielefeld, Bietigheim, Bonn, Brandenburg, Breslau, Danzig, Dresden, Dortmund, Gnesen, Goslar, Hamburg, Hannover, Kalbe, Kannstatt, Kassel, Kleve, Königsberg, Königswinter, Kirchheim, Leipzig, Lengerich i./Hann., Mühlhausen a. Rh., Nowawes. Nürnberg, Oe!s, Pforzheim,' Rostock, Schwäb. Gmünd, Stralsund, Trostberg, Vohwinkel, Zabrze. Wir richten noch einmal öffentlich an die in diesen Städten wohnenden Kollegen die höfliche und sehr ergebene Bitte, uns bei Anfragen, die noch in nächster Zeit erfolgen, ihre Hilfe nicht zu versagen. Je mehr dieses Entgegenkommen stattfindet, und je schneller die Anfragen beantwortet werden, desto schneller werden wir in der Lage sein, die außerordentlich wichtige Statistik zum Abschluß zu bringen, Berlin, den 31. Oktober 1904. Verband Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede

Berlin S., Oranienstraße 143.

Fischer. Rudolf Menzel.

Herr Fischer verliest einen Brief des Herrn H. in B., der sich gegen die Tätigkeit des Verbandes wendet; besonders wendet er sich gegen die Fabrikanten, welche detaillieren, während er es für unerheblich hält, daß sich Uhrmacher Goldarbeiter nennen. Herr F. verliest ebenfalls seine Antwort, die erschöpfend ist.

Einige andere Eingänge übergibt Herr Fischer Herrn Müller zur Kenntnisnahme. Die Vorstandssitzung wird um 8%, Uhr geschlossen.

Vorstandssitzung des Verbandes unter Hinzuziehung der Vorstandsmitglieder der Innung und der

Freien Vereinigung um 9 Uhr.

Zweite Sitzung. Herr Fischer begrüßt die Erschienenen und teilt mit, daß die Herren Dönges, Große, Eisenach sich entschuldigt haben.

Bezüglich der Besteckkonvention teilt Herr Fischer mit, daß Freie Vereinigung und Verband sich schriftlich an die Fachgenossen Berlins und des Regierungsbezirks Potsdam gewendet hatten. Da sich prinzipiell 303 für die Konvention und nur 24 dagegen ausgesprochen haben, macht Herr Fischer darauf aufmerksam, daß trotz dieser Absagen doch noch die Bestimmung im Nachsatz der Konvention zu beachten ist, nach der die Mehrheit quantitativ und qualitativ dem Vorstande die Möglichkeit an die Hand gibt, die Konvention durch Verpflichtung der Fabrikanten abzuschließen. Herr F. erläutert dies an den schlesischen Städten Glogau, Liegnitz und Görlitz.

Auch die Fabrikanten haben ein Interesse daran, die Konvention abzuschließen. Herr Dr. Gartenschläger betont, daß nur dadurch, daß die Fabrikanten sich bereit erklären, die Lieferung an nicht beigetretene Firmen einzustellen, ein Druck ausgeübt werden könnte.

Herr Winter macht auf Lieferung durch Pfandleihen aufmerksam, und Herr Fischer betont, daß gerade dies durch Abschluß der Konvention beseitigt würde.

Es wird darauf die Konvention verlesen und beschlossen, § 10 zu streichen, da er für Berlin, wenn die Konvention zum Abschluß kommt, belanglos ist.

Bei § 11, jetzt 10, wird die Dauer von 2 Jahren festgesetzt und der Beginn auf den 1. Januar 1905 angenommen.

Zum Abschluß wird eine Versammlung am 30. Oktober, vormittags 11 Uhr, einberufen. Als Lokal wird Schultheiß, Neue Jakobstraße 24-25, festgesetzt.

Hierauf wird die Konvention von den Anwesenden unterschrieben, soweit sie dazu in der Lage waren.

gez, Fischer. gez, Oscar Müller,

Protokoll der Vorstandssitzung des Verbandes

am 17. Oktober 1904. Herr Fischer gibt Kenntnis von dem Tode des Herrn Kommerzienrat Foehr. Der Vorstand beschließt, einen Kranz am Grabe niederlegen zu lassen. Als Aufschrift: „Seinem verehrten Mitgliede der Verband Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede".

Für die Versammlung der Mittelstandsvereinigung in Hannover soll Herr Eduard Sewig in Hannover, Schriftführer der Hannoverschen Vereinigung, gebeten werden, derselben beizuwohnen.

Herr Fischer verließt die Tagesordnung für die Ausschussitzung wie folgt: Vorstands- und Ausschußsitzung am 6. November 1904

Jägerstraße 22.

Tages-Ordnung: 1. Feststellung, in welchen Bezirken die Besteckpreiskonvention

beschlossen worden ist. 2. Aufnahmegesuch des Kreditorenvereins. 3. Aufnahmegesuch des Vereins Lübecker Goldschmiede. 4. Stellungnahme zur Mittelstandsvereinigung. 5. Bericht über die Konferenz des Vorsitzenden mit den Vorsitzen

den der Uhrmacherverbände. 6. Bericht über die Verhandlungen des Bundes der Kaufleute. 7. Bericht über die Konferenz des Bundes der Handel- und Ge

werbetreibenden. 8. Die Zurückziehung herausgegebener Muster von Silberwaren

fabrikanten zugunsten einzelner Firmen. 9. Lieferung der Firma K. an die Alfenide- und Nickelwarenhandlung

von Ehrhardt & Co., Berlin. 10. Ausschluß einer Firma. (Antrag des Vereins Württemberg.) 11. Nochmalige Beschlußfassung über die Forderung des Herrn

Wilhelm Diebener. 12. Verschiedenes.

Protokoll der Vorstandssitzung am 6. Oktober 1904 in der Geschäftsstelle des Verbandes, Berlin, Oranienstraße 143.

Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung um 10'/4 Uhr. Anwesend sind die Herren Müller, Telge, Schmidt, Fischer. Entschuldigt fehlen die Herren Menzel und Dirks.

Die Eintragung der neugewählten Vorstandsmitglieder und die Löschung der ausgeschiedenen Herren ist am 30. September auf dem Amtsgericht erfolgt.

Der Vorsitzende berichtet über seine Agitationsreise in Verbandsangelegenheiten. In Görlitz sei von allen 16 in Frage kommenden Juwelieren die Besteckpreis-Konvention mit 15 Stimmen angenommen worden; in Liegnitz von 11 maßgebenden Firmen; in Glogau von 6 Firmen gegen die Firma Emil Weitz, Inh. Willy Rothe; in Schweidnitz unterschrieben von 14 in der Versammlung anwesenden Herren 13 die Konvention. Alle 4 Vereinigungen behielten sich vor, daß, wenn Berlin und Breslau in Frage kommen, die Vereinbarung nicht besteht.

Da diese 4 Vereine eine gleichlautende Konvention beschlossen haben, die Mitglieder insgesamt quantitativ und qualitativ zweifellos die Majorität bedeuten, so gilt die Besteckpreis-Konvention für die Provinz Schlesien als abgeschlossen.

Von verschiedenen Vereinen wurde dem Vorsitzenden Fischer der Wunsch ausgesprochen, die schlesischen Vereine zu einem Schlesischen Verbande zusammenzuschliessen. Der Vorsitzende sicherte zu, die Verhandlungen mit den Vereinen zu führen.

So günstig, wie die Konvention in der Provinz Schlesien verlaufen ist, so große Schwierigkeiten haben sich in Breslau bei einzelnen Firmen herausgestellt. Der Vorsitzende hat 24 Juweliere besucht. Direkt ablehnend verhielten sich nur die Firmen Frey & Söhne und Guttentag & Co. Die übrigen großen Firmen hielten es wohl für wünschenswert, daß eine Verständignng über die Preisbemessung erzielt würde, konnten jedoch zu einer bestimmten Stellungnahme nicht bewegt werden. Alle mittleren und kleinen Geschäfte sind für eine Besteckpreis-Konvention. Am 20. September, abends 8'/, Uhr, fand auf Einladung der Freien Vereinigung eine Versammlung statt, zu der der Vorsitzende Fischer sämtliche Herren, die er besuchte, persönlich geladen hatte. Er hielt einen eingehenden Vortrag über die Notwendigkeit einer BesteckpreisKonvention, damit den Juwelieren der ihnen rechtmäßig zukommende Gewinn an den Bestecken, den sie jetzt durch ihre Uneinigkeit dem Publikum einfach schenken, ohne dafür besondere Anerkennung zu erhalten, wieder zugeführt wird. Erschienen waren 10 Vereinsmitglieder in der Versammlung, welche alle für die Besteckkonvention sind, jedoch einen Abschluß einer solchen vorläufig für unmöglich hielten.

Das einzige Ergebnis der Breslauer Reise war, daß 6 Herren sich dem Verband anschlossen, und die Feststellung, daß auch für Breslau eine Besteckkonvention möglich ist, doch reichen dazu 1'/, Tage, die ihm zur Verfügung waren, nicht aus. Es würde er forderlich sein, jedem einzelnen die Angelegenheit vorzutragen, um die Unterschrift zu erhalten.

In Hirschberg. wo der Verband nur ein Mitglied zählte. sich aber 4 Goldschmiede und in Warmbrunn 3 Goldschmiede befinden, sind diese vom Vorsitzenden besucht worden, doch war es nur möglich, den Hofjuwelier Bergmann in Warmbrunn als Mitglied zu gewinnen.

Von Pirna war unter dem 12. August ein Beschwerdebrief an den Vorstand eingegangen, deshalb benutzte der Vorsitzende die Gelegenheit, nach Dresden über Pirna zu fahren, und dort persönlich die strittige Angelegenheit zu ordnen. Er besuchte dort den Juwelier Arno Hausding, welcher sich als Mitglied des Verbandes aufnehmen ließ, dann einen Uhrmacher, der sich Goldarbeiter nannte, dessentwegen der Streit entstanden war, und erzielte nach eingehender und langer Verhandlung, daß derselbe sich bereit erklärte, bis spätestens zum 1. Dezember das Schild mit der Bezeichnung „Goldarbeiter“ aus dem Schaufenster zu entfernen.

Die für Freitag, den 23. September, in Dresden gewünschte Versammlung konnte nicht abgehalten werden, weil der Herr Obermeister Eckhardt nach den Statuten Innungsversammlungen, um über Preisfestsetzungen zu beraten, nicht abhalten kann. Nach der Information, die Herr Fischer bei den dortigen Juwelieren eingezogen hat, liegt das Bild ähnlich so wie in Breslau. Die ersten Firmen, welche das Besteckgeschäft in der Hand haben, verhalten sich ablehnend; die mittleren und kleinen Geschäfte sind dafür. Die ursprüngliche Absicht, wie in Halle besprochen war, Dresden, Chemnitz und Leipzig zu bearbeiten, mußte infolge der Verhältnisse in Dresden aufgegeben werden. Er habe daher die Reise nach Chemnitz unterlassen und wollte direkt nach Berlin fahren. Da aber das Billet über Chemnitz und Leipzig zusammengestellt war, eine Umschreibung der Reiseroute, wobei eine preußische Linie beteiligt ist, in Sachsen nicht vorgenommen werden konnte, so sei er über den kürzesten Weg, über Riesa nach Leipzig gefahren. So schwierig die Dinge in Breslau und Dresden gelegen, so günstig haben sich seine Wünsche bei den Juwelieren in Leipzig gestaltet. Obgleich ein Schreiben von dem Obermeister Schmidt aus Leipzig eingegangen war, wonach sich die Innung in der Besteckpreis-Konvention zunächst vollständig ablehnend verhalten wolle, habe er es doch als seine Pflicht erachtet, den maßgebenden Firmen einen Besuch abzustatten, um sich über die Geneigtheit, eine Besteckpreis-Konvention herbeizuführen, zu unterrichten. Es habe sich da nun herausgestellt, daß alle ersten Firmen voran, und zwar Strube & Sohn, Holtbuer Nachf., Hch. Schneider, L. A. Gündel, Hugo Meschke, J. Leweck, L. Steiber, A. Winter usw., sich durchaus für eine Besteckpreis-Konvention aussprachen. Die Firma C. E. Kaiser steht der Frage sympatisch gegenüber und hat dem Vorsitzenden die Erklärung abgegeben: „Wir sind Männer, die mit sich reden lassen“, und da sich auch die Inhaberin der Firma Keuhl Nachfl., Frau Seifert, ebenfalls eins der ersten Geschäfte in Leipzig, dahin ausgesprochen hat, daß sie die Beschlüsse der Herren Kollegen anerkenne, So wurde mit Herrn Heinrich Schneider, der sich bereit erklärt hatte, die Verabredung getroffen, daß innerhalb von 4 Wochen eine Versammlung stattfinde, zu der alle Herren dem Vorsitzenden Fischer ihr Erscheinen zugesagt haben. Da aber der Herr Obermeister prinzipiell nicht gegen eine Besteckpreis-Konvention ist, so gilt die Bildung einer Konvention für gesichert.

Der Vorsitzende berichtet noch zum Schluß, daß er in Leipzig den Vorsitzenden des Uhrmacher-Verbandes, Herrn Freygang, und eines zweiten Uhrmacher-Verbandes, Herrn Alfred Hahn, und den Vorsitzenden des Uhren-Grossisten-Verbandes, Herrn Popitz, besucht habe, um sie darüber zu befragen, ob ein Zusammengehen in großen Angelegenheiten, bei welchen gemeinsame Interessen auf dem Spiele stehen, möglich ist, z. B. in der Leihhausfrage, Hausierwesen und bei der Stellungnahme gegen die Uhrmacher, die sich Goldarbeiter nennen. Bei allen drei Herren fand er volle Geneigtheit, und ist verabredet, ebenfalls in 4 Wochen eine Versammlung in Leipzig stattfinden zu lassen, zu der auch der Vorsitzende des Deutschen Uhrmacher-Bundes, Herr Marfels-Berlin, geladen werden soll, um in dieser Versammlung zu beraten, welche Schritte in den angeregten Fragen vorzunehmen sind.

Herr Fischer resümiert sich dahin, daß, wenn ihm irgendwie mal Zweifel aufgekommen seien über die Notwendigkeit der Durchführung einer Besteckpreiskonvention, diese durch die letzte Reise vollständig beseitigt seien. Es muß unter allen Umständen und mit Aufbietung aller Kräfte dahin gearbeitet werden, daß die Besteck

schleuderei, dieser für den Juwelierstand unwürdige Zustand, beseitigt wird. Es sei greadezu unerhört, daß ein Artikel, der zu seiner Abnutzung und vollem Verbrauch Jahrhundert beansprucht, dem Publikum ohne den angemessenen Gewinn übermittelt wird. Es stehe fest, daß das Ansehen der Juweliere, welche ihr Geschäft in lauterer Weise betreiben und auch auf Bestecke den angemessenen Gewinn fordern, in der erheblichsten Weise durch solche Elemente geschädigt wird, die es mit ihrer Standesehre vereinbar halten, dem Kollegen das Geschäft durch Unterbietung aus den Händen zu entwinden.

Die Möglichkeit, die Besteckkonvention vollständig durchzuführen, wird um so eher gegeben sein, wenn der Vorstand durch die Vereinsvorstände mehr Unterstützung findet wie bisher.

Betreffs der Besteckkonvention legt der Vorsitzende ein Anschreiben vor und empfiehlt, dasselbe sämtlichen Dresdener Juwelieren zuzusenden. Bei dem außerordentlich günstigen Ergebnis der persönlichen Umfrage in Leipzig, welche in Dresden nicht ausführbar war, würde es wünschenswert sein, für die Leipziger Versammlung schon einen Überblick zu haben, wie die Angelegenheit in Dresden steht. Das Anschreiben wird beschlossen.

Während der Reise des Vorsitzenden haben sich als Einzelmitglied nachstehende Firmen gemeldet:

1. Guttentag & Co., Inh. Alfred Guttentag, Juwelier, Breslau,

Ohlauerstr. 1. 2. Georg und Ernst Püschel, Juweliere, Breslau, Ohlauerstr. 10/11. 3. Gebr. Kwiatkowski, Juweliere, Breslau, Ohlauerstr. 87. 4. Georg Dahle, Breslau, Klosterstr. 11. 5. Eduard Guttentag, Juwelier, Breslau, Am Rathaus, Riemer

zeile 23.
6. E. Friesing, Breslau, Albrechtstr. 3.
7. Arno Hausding, Goldschmied, Pirna, Schuhgasse 5.
8. Wilhelm Bergmann, Inhaber Alfred Bergmann, Hofjuwelier,

Warmbrunn.
Die Herren werden aufgenommen.

Die Wiederaufnahme des Herrn Baumert wird zurückgestellt, weil eine Anfrage bezüglich der Form der Eintragung seines Namens bisher unbeantwortet blieb.

Gegen die Aufnahme des Herrn I. in M. ist Protest erhoben worden, mit der Begründung, daß der betreffende Uhrmacher ist. Es muß diesem Protest nach dem Wortlaut unserer Satzungen Folge gegeben werden. Herrn L. wird der gezahlte Beitrag zurückgegeben.

Zur Besprechung kommt die Eingabe der Handelskammer zu Hanau, den Entwurf einer neuen Maß- und Gewichtsordnung betreffend.

Herr Schmidt teilt mit, daß auch die Freie Vereinigung in der letzten Sitzung sich mit dieser Materie befaßt habe.

Aus der Eingabe geht hervor, daß sich die Handelskammer auf den Standpunkt stellt, daß die Duldung des Karatgewichtes im Interesse des deutschen Edelsteinhandels unbedingt erforderlich ist.

Herr Müller liest die von ihm für die Freie Vereinigung verfaßte Eingabe vor und wird beschlossen, diese vom Verbande aus an das Reichsamt des Innern persönlich durch den Vorsitzenden zu überreichen.

Von der Eingabe wird der Handelkammer Berlin Mitteilung gemacht; sie lautet:

Berlin, Oktober 1904.
An das
Reichsamt des Innern

Berlin. Der ergebenst unterfertigte Verband deutscher Juweliere, Goldund Silberschmiede als Vertreter des Groß- und Kleinhandels in Juwelen, Gold- und Silberwaren in Deutschland, ersucht gehorsamst bei einer Revision der gesetzlichen Bestimmungen für Maße und Gewicht dahin wirken zu wollen, daß den mit Edelsteinen und Perlen Handeltreibenden die Benutzung des Karatgewichtes gestattet werde.

Begründung: Edelsteine und Perlen werden im Gebiete des Deutschen Reiches nicht hervorgebracht (die Flußperlenfischerei kommt nicht mehr in Betracht). Bei dem Einkauf vollständig auf das Ausland angewiesen, erhält jeder Juwelier oder Händler ausnahmslos diese Ware nach Karaten oder Grain (1 Karat = 4 Grain) zugewogen und ist somit gezwungen, sich des Karatgewichtes beim Nachwiegen zu bedienen. Er kann also für seinen Teil weder auf den Gebrauch von Karatgewichten verzichten, noch ist er imstande, diese, durch Generationen vererbte internationale Gewichtseinheit einfach auszuschalten und an ihre Stelle ein für Edelsteine und Perlen völlig ungebräuchliches Gewicht zu setzen.

An den Begriff Karat und seine Bruchteile knüpft sich die Vorstellung von der jeweiligen Größe der Edelsteine und Perlen, ferner die Schätzung des Wertes, darum würde die in langen Jahren mühsam errungene und im notwendigen Verkehr mit dem Auslande unentbehrliche Uuterscheidungsfähigkeit mit der Einführung des Grammgewichtes verloren gehen.

Nachdevergleichen läßt. Papiermaß überhaupt nicht

Aus dem eben angeführten Grunde hat die Einführung des Grammgewichtes weder in Frankreich noch in Deutschland die Benutzung des Karatgewichtes für Edelsteine und Perlen beeinflussen können, denn das Milligramm (1 Grain = 51,325 Milligramm) ist als Wert- bzw. Gewichtsmesser schon deshalb nicht verwendbar, weil es mit dem Karatgewicht (1 Karat = 205,3 Milligramm), dessen sich die Edelsteine hervorbringenden Länder bedienen, nicht in Übereinstimmung gebracht werden kann.

Das Wiegen nach Milligramm würde aber weit empfindlichere Wagen verlangen als die bisher benutzten Edelsteinwagen. Die Juweliere wären genötigt, analytische oder Präzisionswagen zu verwenden, und diese würden, weil sie nicht eichungsfähig sind, wiederum von der Polizeibehörde beschlagnahmt, sobald sie sich im Verkaufslokal des Juweliers befinden und Bestrafung des letzteren verursachen. Das Publikum kennt für Edelsteine ebenfalls keinen anderen Wertmesser und verlangt beim Einkauf die Angabe des Gewichtes nach Karaten.

Nun ist es zwar zufolge gerichtlicher Entscheidung (Prozeß Rob. Rehfeld, Juwelier, Posen) gestattet, in einem nicht zum Geschäftslokal gehörigen Raume nach Karat zu wiegen, was im Verkaufslokal nach dieser Gewichts- und Wertermittelung verkauft wird, aber es ist unter Strafandrohung untersagt, im Verkaufsraume Gewichte solcher Art aufzubewahren. Daß der hiermit geschaffene Zustand völlig unhaltbar ist, bedarf gewiß nicht erst eines besonderen Hinweises.

Zu berücksichtigen bleibt ferner, daß der bei weitem größte Teil der Edelsteine bereits gefaßt verkauft wird, wie denn überhaupt eine Übervorteilung des Käufers durch falsches Gewicht bei einem schon in Größe von Ve Karat = cr. 3 Milligramm zur Verwendung kommenden Luxusgegenstand mit Liebhaberwert ausgeschlossen erscheint.

Im Gold- und Silberschmiedegewerbe wird Gold und Silber nach Kilogramm ein- und verkauft, für Edelsteine und Perlen aber ersuchen die ergebenst Unterzeichneten um Erlaß einer Bestimmung, welche den Juwelieren und Händlern den Gebrauch des KaratGewichtes gestattet.

Ehrerbietigst
Verband Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede

Berlin, S., Oranienstraße 143.

Fischer. Die Nummer 37 des Journals der Goldschmiedekunst ist bezüglich des Inserates der Firma K. & Sch. beanstandet, weil bei jedem Gegenstand die Preise für jedermann kenntlich angegeben sind.

Der Antragsteller hält es für unser Gewerbe schädigend, wenn dem Publikum Kenntnis von den Preisen gegeben wird.

Es wird beschlossen, an die Firma zu schreiben, sie möge sich der bekannten Schlüssel: Silberoxyd bzw. Baldurinos bedienen.

Ferner ist in der Deutschen Goldschmiedezeitung ein Inserat der Firma Waag & Nonnemann-Pforzheim, welche Massenartikel empfiehlt, beanstandet worden, und zwar deshalb, weil diese Firma nicht als solche zu bezeichnen ist, von der Goldschmiede und Juweliere beziehen können, weil von derselben ein lebhafter DetailHandel betrieben wird. . Es wird beschlossen, eine aufklärende Bekanntmachung in den Fachzeitungen zu erlassen.

Von seiten der Firma W. Sch. ist ein Papier-Ringmaß verschickt, dasselbe empfohlen und dabei das Verbandsringmaß in Mißkredit gebracht.

Der Vorstand verwahrt sich gegen die seitens der Firma ausgesprochene Vergleiche ihres Maßes mit dem Verbandsmaße und

hebt hervor, daß sich ein Papiermaß überhaupt nicht mit einem Metallmaß vergleichen läßt.

Nachdem der Tait-Unfug aufzuhören scheint, fängt der BeraDiamanten-Humbug an, und zwar im Hamburg, Leipzig, Breslau, München usw. Der Vorsitzende schlägt vor, noch einmal bei der Staatsanwaltschaft in Leipzig deshalb vorzugehen, um zu erzielen, daß das Wort „Diamanten“ nicht in Beziehung gebracht werden darf zu unechten Steinen. .

Aus Hannover liegt ein Zirkular vom 5. September vor, worin aufgefordert wird, für eine zu gründende Mittelstandsvereinigung, Zentrale Hannover, Delegierte zu entsenden.

Der Vorstand steht der Sache sympathisch gegenüber und wird die Entscheidung dem Ausschuß überlassen.

Der Bund der Handel- und Gewerbetreibenden veranstaltet in Angelegenheit Erhöhung der Warenhaussteuer, die Bekämpfung der Konsumvereinsgefahr, eine Konferenz am Sonntag, den 16. Oktober, vormittags 9 Uhr, in der Neuen Philharmonie.

Es wird beschlossen, daß der Vorsitzende an dieser Versammlung teilnimmt, um so mehr als vom Verein Rheinland und Westfalen eine Vertretung besonders gewünscht ist. Es soll sich den Verhandlungen, wozu als Referenden Landtagsabgeordneter Hammer und Professor Dr. Suchsland, bestimmt sind, eine Beratung über Vorschläge zum Zusammenschluß zum gemeinsamen Vorgehen der interessierten Vereine anschließen.

Von der Firma S. & W. ist eine silberne Kanne eingereicht, welche mit dem Fabrikstempel der Firma K. und der Nr. 37069 versehen ist. Außerdem trägt die Kanne noch dem Stempel der Firma Ehrhardt & Co., eines Alfenide- und Nickelwarengeschäftes in der Leipzigerstraße.

Die Angelegenheit wird dem Ausschuß vorgelegt.

Die Hausierer Leopold Salomon, Peter Reitmeier, Josef Meier sind auf Grund von 3 Anzeigen des Wachtmeisters Ruppel-Worms bestraft worden.

Der Schutzmann Orlamünder in Zeulenroda hat dem Strumpfwirker H. Noldin, Reisenden S. Pattner, Kaufmann Schwarz, Kaufmann Junghahn durch Anzeige zur Bestrafung gebracht. Beide Fälle sind amtlich beglaubigt, und es werden die Prämien bewilligt.

Betreff der Korona-Ringe, womit sich der Vorstand schon in der letzten Sitzung beschäftigt hatte, war Herr Menzel als Referent bestimmt. Da Herr Menzel nicht anwesend ist, muß die Verhandlung darüber verschoben werden.

In Sachen des Unterstützungsgesuches M. in G.wird beschlossen, einen ablehnenden Bescheid zu geben. 1. hat er Beitrag nicht bezahlt, 2. ist sein Vorleben und sein Alter nicht geeignet, ihn unterstützungswürdig erscheinen zu lassen.

Von dem Sekretariat des Handelsvertrags-Vereins ist ein Schreiben eingegangen, ob der Verband an einem Handelsvertrage mit Schweden Interesse hat. Da dies bejaht werden muß, so wird der Anschluß an diese Eingabe beschlossen und ein Exemplar derselben verlangt.

Herr Fischer teilt mit, daß er der Generalversammlung des Bundes der Kaufleute am 5. Oktober beigewohnt habe; die Berichterstattung wird für die Ausschussitzung verbehalten.

Für die nächste Ausschussitzung schlägt Herr Fischer den 30. Oktober vor, doch hält der Vorstand den 6. November für geeigneter, und es wird in diesem Sinne beschlossen.

Die Feststellung der Tagesordnung wird wegen vorgerückter Zeit noch einer nächsten Sitzung vorbehalten. Schluß der Sitzung 14/2 Uhr.

gez. Fischer. gez. Oscar Müller.

Nachdruck aus dem Inhalt vorliegender Zeitung ist nur mit Erlaubnis der Redaktion und unter genauer Quellenangabe gestattet.

· Deutsche Goldschmiede-Zeitung Begründet und herausgegeben von Wilhelm Diebener, Leipzig 21,

Schützenstraße 15. Verantwortliche Redakteure: Für den kunstgewerblichen Teil: Professor R. Rücklin, Pforzheim. Für den volkswirtschaftlichen Teil:

Syndikus Hermann Pilz, Leipzig. Amtliches Organ des Verbandes Deutscher Juweliere, Goldund Silberschmiede, des Vereins der Juweliere, "Gold- und Silberschmiede von Rheinland und Westfalen, des Vereins der Juweliere, Gold- und Silberschmiede Württembergs, der Freien Vereinigung des Gold- und Silberwaren-Gewerbes für Berlin und den Reg.-Bezirk Potsdam, des Vereins der Juweliere, Gold- und Silberschmiede des Großherzogtums Baden, der Goldschmiede-Werkgenossenschaft Berlin, der Kölner Juwelier - Vereinigung, der Freien Vereinigung der Juweliere, Gold- und Silberschmiede des Reg.-Bezirks Stettin, der Goldschmiede-Innung Schwerin, der Freien Vereinigung der Goldund Silberschmiede zu Görlitz, des Kreditoren-Vereins für die Gold-, Silberwaren- und Uhren - Industrie Pforzheim, der Kunstgewerbe-Vereine Hanau und Pforzheim, des Gewerbemuseums

Gmünd, der Zentralstelle Schmuck und Mode.

Bezugs-Preis: . Ausgabe mit der Beilage „Das Moderne Kostüm Modenzeitung für den Goldschmied. (Frühjahrs- u. Herbstheft.) In Deutschland, das Vierteljahr M. 2. In Oesterreich, das Vierteljahr Kr. 2.50. Im Ausland, das ganze Jahr M. 10.— Preis des Einzelheftes: große Nummer M. --,40.

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No. 46 — VII. Jahrgang

LEIPZIG, 11. November 1904

Zeichen der Zeit im Goldschmiedegewerbe.

Jetzt, wo allmählich das Weihnachtsfest in allernächste Nähe auf das Weihnachtsgeschäft ausüben werden. Die Ausbeute an gerückt wird, und das Christkind seinen Einzug hält und „Frieden besseren Steinen ist nicht ergiebig genug, so daß man noch einen auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“ verkünden weiteren Preisaufschlag auf bessere Waren erwarten muß, während soll, - jetzt, wo der Juwelier und Ladenbesitzer seine Waren- minderwertige Brillanten noch genügend gefunden werden. Die vorräte nochmals mustert, um ja bei Beginn der Einkaufzeit mit Handelsverträge mit dem Ausland harren noch in vielen Fällen auf allem Möglichen gerüstet zu sein, und wo sowohl für ihn als auch die Einigung der verschiedenen Regierungsvertreter, so daß die für den Fabrikanten und Grossisten ein Zeitpunkt unermüdlicher Fabrikation spannenden Verhältnissen unterliegt, die von dem Tätigkeit eintritt, jetzt ist es nun doch einmal nötig, Umschau in Zustandekommen oder der eventuellen Scheiterung der Handelsunserem Gewerbe zu halten, ob auch alle Voraussetzungen dazu verträge wesentlich beeinflußt werden. Die Herbstreisen der gegeben sind, auch dem Goldschmied, dem Verkäufer der Schmuck- Goldwaren-Engroshäuser und Fabriken sind beendet, gegenstände, ein fröhliches Weihnachten“ zu sichern. Ob es und bei letzteren findet in einem Teil derselben Überarbeit statt, auch dem Arbeiter unseres Gewerbes, ob es dem Fabrikanten und um die plötzlich eingelaufenen Bestellungen rasch erledigen zu können. Grossisten ermöglicht wird, ein Weihnachten im Kreise der Ihren Im allgemeinen ist jedoch die diesjährige Kauflust in Goldwaren als ein fröhliches Fest zu feiern? Im fernen Osten liegen sich gegen die Vorjahre etwas zurückgeblieben. Die Lager der Grossisten, schon monatelang zwei Kulturvölker in den Haaren, man sollte ebenso wie die Vorräte der Juweliere, sind noch bedeutende, und nicht glauben, daß Menschenleben so billig seien, um sie in so ist die Neuherstellung von Waren in bescheidenen Grenzen solcher Weise dahinzuopfern. Mancher der einst im größten gehalten, teils um eventuelle Lücken ausfüllen zu können, größtenFamilienglück lebenden Kämpfer hat seinen Odem ausgehauchi, teils jedoch, um im letzten Augenblicke der Fabrik die Möglichbis endlich Friede auf Erden wird! Und erst welche weit- keit zu geben, noch rechtzeitig liefern zu können. Das Weihnachtsgehenden geschäftlichen Schädigungen bringt solch ein geschäft der Fabriken drängt sich in diesem Jahre auf den Zeitraum Völkerkrieg für die übrige zivilisierte Welt und gerade für unsere einiger Wochen zusammen, denn während erst vor kurzem die allIndustrie mit sich. Wenn auch Metallgießereien und Geschütz- gemeine, volle Arbeitszeit begann, ist bekanntlich der Dezember fabriken vollauf beschäftigt sind, um dem Verlangen nach neuen schon wieder dem Mustermachen gewidmet, damit der Fabrikant nach Mordwaffen Genüge zu leisten, in unserem Gewerbe und ins- den Weihnachtsfeiertagen gleich wieder auf die Reise gehen kann. besondere in der fabrikationsmäßigen Warenherstellung ist ein Da in letzter Minute kommt auch noch ein schwerer Schlag Stillstand zu verzeichnen, den man selbst vor Wochen noch nicht für unsere gesamte Fabrikindustrie. Die Firma Engel & Co. in geahnt hätte. Ganze Warenaufträge russischer Firmen Paris hat ihre Zahlungen eingestellt, und über dieselbe wurde wurden einstweilen sistiert oder gar abbestellt, und tag- Konkurs verhängt. Paris allein ist mit 1 Million Mark in Antäglich gehen Wechselproteste ein, weil der gegenwärtige Krieg spruch genommen, Pforzheim mit 600 000 Mark, Hanau und gebietet, russische Gelder für Kriegszwecke und für die kom- Gmünd mit je ca. 300 000 Mark ohne die kleineren Posten, die menden Zeiten aufzusparen. Aus Rumänien kommen gleichfalls sich auf andere Städte noch verteilen. Wenn man bedenkt, welch sehr schlechte Nachrichten über Insolvenzen usw., die es immensen Verlust nahezu 3 Millionen Passiva repräsentieren, dem vorsichtigen Geschäftsmann anheimgeben, Ordres von diesem So müssen wir hier leider wieder konstatieren, daß das Hinausohnehin zahlungsfaulen Lande nur unter ganz günstigen Umständen borgen solcher Summen und auf solch lange Zeiten kein Kreditzu erledigen. Aus dem Reiche der Steinindustrie müssen wir wesen mehr in sich verkörpert sondern den Kreditunfug zeigt, vernehmen, daß die Brillanten einen bis zu 30% steigenden Preis- der in unserer Branche herrscht, und daß es dringend geraten unterschied erfahren werden, und somit noch einen kleinen Druck erscheint, im Kreditwesen geregeltere Bahnen zu betreten!

Die Goldschmiede werkstätten, die noch keine Massenwaren herstellen, werden voraussichtlich am besten abschneiden, denn da, wo die Kunst noch gepflegt wird und Schmuckwaren noch nach Einzelaufträgen, unter Berücksichtigung von Wünschen des Auftraggebers, angefertigt werden, dort werden auch noch bessere Preise bezahlt, so daß der Verkäufer nicht nur selbst zurecht kommt sondern auch seine Arbeiter dementsprechend ablohnen kann. Im Fabrikwesen sind die Löhne wenn auch scheinbar gestiegen, so doch im Verhältnis der vermehrten Arbeitsleistung gegen früher in Wirklichkeit gefallen. Leider machen sich auch in dem stillen Geschäftsgange wieder Manipulationen einzelner Firmen geltend, die für unser Kunstgewerbe deprimierend und deren Erscheinungen daher sehr zu bedauern sind.

Wirft man nämlich einen Blick in die für unsere Branche maßgebenden Blätter, so kann man Inserate finden, die geeignet sind, ein eigentümliches Licht auf unser Gewerbe fallen zu lassen. Inserate, wie:

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Das soll ein Wink sein für manche, auf Vorrat zu arbeiten, um so einem andern, der nur nach Bestellung fabriziert, durch Warenverschleuderung in den Rücken zu fallen. Solche und ähnliche Inserate haben zur Folge, daß sie unser Gewerbe diskreditieren und die Ehre der gesamten Fabrikantenschaft durch das Schuldkonto einzelner herabwürdigen. Welche Blüten daraus entstehen, davon zeugt uns eine Briefkastennotiz einer Pforzheimer Tageszeitung, woselbst es heißt:

J. W. in K. Ich habe ein 20jähriges Dienstmädchen. Dasselbe habe ich aber meist gedingt, um es am Brett arbeiten zu lassen, da ich Bijoutier bin. Ich habe Jahreslohn ausgemacht. Ich bitte um Auskunft, ob es sein darf, ein Dienstmädchen am Brett arbeiten zu lassen? - Sie können das Mädchen zu Arbeiten verwenden, für welche Sie es gedingt haben. : Sie müssen sich aber im übrigen an die gesetzlichen Vorschriften halten, die für Arbeiterinnen bestehen.

Wenig erfreulich muß man es nennen, wenn in unserem Gewerbe solche Zustände einreißen können, und der Verfasser bedauert nur, obige Frage nicht haben beantworten zu können, sie wäre jedenfalls etwas derber ausgefallen. Aber leider wird dieser Fall ein alltäglicher; in vielen Fabriken, insbesondere größeren Doubléfabriken, werden Dienstmädchen und sonst ungelernte Arbeiterinnen als Polisseusen mit sofortigem Lohn beschäftigt, und wenn eine solche Arbeitskraft nach längerer Zeit die Stelle verläßt, so tritt sie als Polisseuse aus. Wenn sich deshalb gelernte Arbeiter und Arbeiterinnen fragen: „Wozu nun die Lehrzeit?" dann darf man sich nicht wundern!

Es wäre noch vieles in dieser Richtung zu erwähnen, aber es möge bei vorstehendem bewenden. Es sind dies Symptome unserer Zeit, die keinen Stillstand mehr verträgt, sondern mit Windeseile vorwärts drängt, alles niederwerfend, was sich ihr in den Weg stellen sollte! Wir wollen hoffen, daß sich die Kauflust vor den Weihnachtstagen in gesteigertem Maße geltend machen wird, und die Aussichten auf weitere Aufträge, sowohl dem Verkäufer als auch den Anfertigern der Goldwaren-Schmuckgegenstände, Gelegenheit geben, mit Zuversicht der Wiederkehr des Weihnachtsfestes entgegenzusehen, um dieses mit ihren Angehörigen in froher Weise feiern zu können!

Das ist des Goldschmieds Weihnachtswunsch!

welche zu Hause große Partien Similiwaren fassen wollen, belieben ihre Adressen unter ... abzugeben.

finden Mädchen und junge Frauen jederzeit dauernde Stellung in einem Fabrik-Geschäft.

Jüngere Mädchen Lehrmädchen für leichte Fabrikarbeit, ohne bei hohem Anfangslohn und abLehrzeit, Anfangslohn 5 bis gekürzter Lehrzeit gesucht. 6 M., zum bald. Eintritt gesucht. Näheres ... folgen sich in bunter Reihenfolge, dazwischen kommen die Anzeigen einzelner Pfiffikusse, die durch Partiekauf billiger einkaufen wollen und so manche Fabrik zur regelmäßigen Partiewaren-Werkstätte großziehen.

Partiewaren

jeder Art
zu kaufen gesucht. Van
Gefl. Offerten beliebe man ...
im Kontor dieses Bl. abzugeben.

Zum Kampfe gegen die Bera-, Taits- usw. „Diamanten“.

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Silicium

31,1 Aluminium

1,0 Plumbum Oxydatum 53,0 Calium Carbonicum 12,0 Natrum Borucium 2,8 Acidum Arsenicosum 0,1

100,0

In meinem Aufsatz in dieser Zeitung vom 30. September d. J. beschrieb ich eingehend die Maßnahmen der Hamburger Polizeibehörde und der Hamburger Innung für das Juwelier-, Gold- und Silberarbeiter-Handwerk gegen die „Bera- und Taits- »Diamanten«händler“ und veröffentlichte zugleich das amtliche Gutachten des Hamburger Staatshüttenlaboratoriums über die wahre Natur der „Bera“- und „Taits“- Diamanten.

Das Hauptgewicht wurde hierin darauf gelegt, daß diese Glassteine „gewöhnliches Bleiglas“ sind, und dazu der Gehalt an Kieselsäure und Bleioxyd mit 45% resp. 41% bestimmt. Das genügte vollkommen, und dadurch wurde der Beweis erbracht, daß es eben nur „Bleiglas“ ist und nichts weiter. Mehr wollte die Polizeibehörde resp. die Hamburger Innung gar nicht.

Die Bera-Gesellschaft, auch die Bera Diamond Palace in Leipzig, hat nun in bombastischer Weise darauf Annoncen in den Tagesblättern verbreitet, dahingehend, daß der vom Staatshüttenlaboratorium Hamburgs absichtlich nicht untersuchte Rest, nämlich die Differenz zwischen 100% und 45% plus 41%, also von 14%, bezüglich seiner Bestandteile Kopfschmerzen veranlaßt hätte, da er nicht bestimmt wurde. Natürlich ist das nur ein Abweichen vom Thema und eine klägliche Zumutung, denn jeder Juwelier, noch vielmehr aber die Analytiker des Staatshüttenlaboratoriums wissen und wußten im voraus, daß dieser Rest von 14% aus Flußmitteln, nämlich Alkalien, also Kalium und Natriumsalzen, besteht.

Um die verloren gegangene Position zu behaupten, veröffentlicht diese Gesellschaft, wie sie wörtlich schreibt, eine genaue Analyse der Bera-Diamanten mit folgendem:

Wahrscheinlich glauben die Bera-Leute damit eine Offenbarung, eine erlösende Tat zu veröffentlichen, etwas Sensationelles und Seriöses. -- Nun, wir haben lange nicht so herzlich auf Kosten anderer gelacht, denn an dieser „Analyse“ ist nur eins richtig, und das ist die Addition. Das verstehen sie allerdings, alles andere aber ist Unsinn und mangels der einfachsten chemischen Kenntnisse falsch von der Bera-Compagnia verstanden, obendrein falsch von einem der vielen Schnellrezepte abgeschrieben.

Es muß nämlich nicht Calium Carbonicum, sondern Kalium carbonicum, nicht Natrum Borucium, sondern Natrium boricum heißen, zu deutsch Pottasche und Borax. Die Bera-Compagnia gibt von beiden zusammen 14,8% an, und das sind eben die von ihr mit so viel Aplomb gerügte, nicht veröffentlichte Differenz von 14%, also Alkalien oder Flußmittel. Wer anderen eine Grube gräbt usw.,“ kann man wahrhaftig diesmal ausrufen.

Leider haben nun die Herren vom Bera-Bleiglas bei der Publikation zwei Dinge verwechselt, und zwar Schmelzrezept und Analyse des Steins, nämlich des erkalteten Schmelzflusses.

Schmilzt man Quarzpulver, also reine Kieselsäure, das Silicium der Bera-Gesellschaft, mit Bleioxyd und mit Pottasche, also kohlen

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