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Amtliches Organ des Verbandes Deutscher Juweliere, Bold- und Silberschmiede
des Vereins der Juweliere, Bold- und Silberschmiede von Rheinland und Westfalen, des Vereins' der
Juweliere, Bold- und Silberschmiede Württembergs, der Freien Vereinigung des Bold- und Silberwaren-
Gewerbes für Berlin und den Reg.-Bezirk Potsdam, des Vereins der Juweliere, Bold- und Silberschmiede
des Großherzogtums Baden, der Goldschmiede - Werkgenossenschaft Berlin, der Kölner Juwelier - Vereinigung,
der Freien Vereinigung der Juweliere, Gold- und Silberschmiede des Reg.-Bezirks Stettin, der Goldschmiede-
Innung Schwerin, der freien Vereinigung der Gold- und Silberschmiede zu Görlitz, des Kreditoren-Vereins
für die Gold-, Silberwaren- und Uhren-Industrie Pforzheim, der Kunstgewerbe-Vereine Hanau und Pforzheim,

dotatoo des Bewerbemuseums Gmünd, der Zentralstelle Schmuck und Mode usisisiis Begründet und berausgegeben von Wilbelm Diebener, Leipzig 21, Schützenstr. 15

iro. Für den kunstgewerblichen Teil: R. Rücklin, Pforzheim - Für den volkswirtschaftlichen Teil:

C. Syndikus herm. Pilz, Leipzig No. 27 – VII. Jahrgang Erscheint jeden Freitag | Leipzig, 1. Juli 1904

... an. Die Reichs- uns ein Blatt auf den Redaktionstisch fine searance

Unser Fragebogen zur Schaffung einer Arbeitgeber - Statistik

über die Arbeitsverhältnisse im Goldschmiedegewerbe! Die Statistik ist eine große Lehrmeisterin ... Zahlen be- Klärung der Verhältnisse auf jenen Arbeitsgebieten beiweisen ... Freilich muß man auch Zahlen zu lesen verstehen. getragen. Unsere Idee wurde von verschiedenen Seiten Wie mancher wendet sich schnell ab von Tabellen, in denen sympathisch begrüßt und uns Unterstützung zugesagt. Wir sich Ziffer an Ziffer reiht, ohne zu ahnen, welche Weisheit befanden uns jedoch noch im Stadium der Vorarbeiten, als aus diesem Zahlenheer zu ihm sprechen kann. Die Reichs- uns ein Blatt auf den Redaktionstisch flog, das uns bewog, und Landesbehörden wissen, was sie der Statistik verdanken, die Angelegenheit schneller zum Ende zu bringen. die heute in allen Kulturstaaten mehr oder weniger gepflegt Der Deutsche Metallarbeiter-Verband hat nämlich wird. Es ist kein Gesetz auf sozialem Gebiete seit Jahrzehnten an die Deutschen Gold- und Silberarbeiter und ihre entstanden, ohne daß nicht vorher sorgfältige statistische Er- verwandten Berufsgenossen, Kollegen und Kolleginnen, hebungen die Grundlage geschaffen hätten, auf welcher es ein Zirkular erlassen, in welchem dieselben gebeten werden, aufgebaut werden konnte. Eigene statistische Ämter des zwei beigefügte Fragebogen auszufüllen und an einen gewissen Reiches, der Bundesstaaten und der großen Städte, veranstalten Otto Hartstein zurückzusenden. Eine Unterschrift ist nicht statistische Erhebungen, um Klarheit über die wirtschaftliche gewünscht, „um die Existenz dessen, der den Fragebogen und gesundheitliche Lage der Bevölkerung zu schaffen. In ausgefüllt hat, nicht zu gefährden“. den sozialen Kämpfen der Gegenwart spielen die statistischen Die Fragebogen beschäftigen sich ebenfalls mit der von Ergebnisse hüben und drüben eine wirksame Waffe. Die uns geplanten Untersuchung über die Lohn- und ArbeitsErhebungen des Kaiserlichen Statistischen Amtes geben uns verhältnisse der Gold- und Silberschmiede Deutschlands. ein interessantes Gesamtsild von dem wirtschaftlichen Zu- Vor uns liegt ein „Werkstattsfragebogen“ und ein stande Deutschlands wie des Auslandes. Aber diese groß- Persönlicher Fragebogen“. zügigen Aufstellungen können nicht in die Einzelheiten jedes Der erstere fragt nach: 1. dem Namen des Geschäfts; Berufslebens eindringen. Da muß ihnen die Statistik zu 2. der Branche desselben; 3. der Betriebsabteilung, wo Hilfe kommen, welche von den beteiligten Kreisen mehrere Abteilungen vorhanden sind; 4. Zahl der Arbeiter; selbst im Wege von Privatenquêten geschaffen wird. 5. Anzahl der Berufe und Arbeiter jedes einzelnen Berufes, Bei diesen Erhebungen kann in die Details gegangen werden. welche in der Werkstatt (Betriebsabteilung) vertreten sind; Bei ihnen können Fragen gestellt werden, die für den ein- 6. der Größe des Arbeitsraumes; 7. der Lüftung desselben; zelnen Beruf speziell von Interesse sind. Solche Enquêten 8. der Lohnzahlungsperiode; 9. der etwaigen Stellung von haben wiederholt stattgefunden und sind von seiten der Re- Kautionen; 10. den Lichtverhältnissen; 11. der Beobachtung gierung, erst letzthin wieder diejenige über die Lage der der gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Arbeiterinnen Privatbeamten in Deutschland, gern zur weiteren Bearbeitung und jugendlichen Arbeiter; 12. den vorhandenen Schutzentgegengenommen worden.

vorrichtungen; 13. dem ständigen Gebrauch derselben; Wer die Lage einer Berufsklasse bessern will, 14. den gesundheitlichen Einrichtungen (Waschgelegenheit, muß sich bei seinen Ausführungen auf Zahlenmaterial Aborte, Reinigung der Arbeitsräume usw.); 15. dem Vorstützen können, sonst sind seine Ausführungen und Schluß- handensein eines Umkleideraumes für Arbeiterinnen; 16. einem folgerungen haltlos, ein schwankes Rohr im Winde.

etwa bestehenden Strafsystem; 17. der Art desselben; 18. der Wir hatten nun schon vor längerer Zeit den Plan gefaßt, Verwendung der Strafgelder; 19. dem Einfluß der Arbeiter eine Statistik über die Arbeitsverhältnisse im Deut- auf dieselben und 20. sonstigen etwa vorhandenen Mißständen. schen Goldschmiedegewerbe zu schaffen. Erhebungen Der persönliche Fragebogen soll über die Beschäfüber die Lage der Gehilfen sind im Goldschmiedegewerbe tigung, Alter, Geschlecht, Arbeitszeit, Überstunden und deren bislang nicht gemacht worden, obwohl sie, wie gesagt, da, Entlohnung, Aussetzen wegen schlechten Geschäftsganges, wo es sich um die Entscheidung wirtschaftlicher Fragen, um Art des Lohnes (Stücklohn, Stundenlohn) und Höhe desdie Lösung sozialer Aufgaben handelt, von größter Bedeutung selben, Jahresverdienst, Stellung von Werkzeug und Aufsind. In anderen Gewerben, z. B. der Textil- und Eisen- wendungen dafür, etwaige Nebeneinnahmen durch Heimarbeit branche, dem Gartenbau usw. sind derartige Untersuchungen und deren Höhe, über die Angehörigen, Kinder usw. und die bereits mit Erfolg angestellt worden und haben viel zur Versorgungspflicht diesen gegenüber, Verdienst der Ehefrau, Wohnungsmiete, sowie über die Zugehörigkeit zu einer gewerkschaftlichen Organisation orientieren. Bei der Willfähigkeit, die in Arbeiterkreisen herrscht, wenn es gilt, einer Ordre gewerkschaftlicher Generalstäbe nachzukommen, ist gar nicht zu bezweifeln, daß ein großer Teil dieser Fragebogen ausgefüllt werden wird.

Aber diese Statistik der Arbeitnehmer wird mit größter Vorsicht aufzunehmen sein. Wer die Praxis der Gewerbegerichte von Jahr zu Jahr verfolgt hat, der wird wissen, wie leichtfertig von Seiten der Arbeitnehmer oft Beschuldigungen gegen Arbeitgeber erhoben werden, die später in Nichts zerfließen. Es liegt also auch die Gefahr außerordentlich nahe, daß jene Arbeitnehmer-Statistik tendenziös entstellt sein wird, so daß ihr der wissenschaftliche Wert abgeht. Wo Differenzen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bestehen, da wird der Letztere im Fragebogen seinem Arbeitgeber ein schlechtes „Zeugnis“ ausstellen und die Verwertung dieser Fragebogen wird dann zu schiefen Urteilen führen. Aber die Statistik wird auch unvollständig bleiben, denn die Gehilfen, welche nichts von der gewerkschaftlichen Organisation wissen wollen, und ihrer sind im Goldschmiedegewerbe sehr viele, werden sich an der Ausfüllung der Fragebogen kaum beteiligen.

Trotzdem wird diese verdächtige, lückenhafte Statistik zu Agitationszwecken verwendet werden. Das hat uns von neuem den Impuls gegeben, der Arbeitnehmer-Statistik eine Arbeitgeber

Statistik gegenüberzustellen! Dieser Nummer der „Deutschen Goldschmiede-Zeitung“ liegt ein Fragebogen bei, der uns das Material geben soll zu einer umfassenden objektiven Darstellung der Arbeitsverhältnisse im

deutschen Goldschmiedegewerbe! Durch die Beantwortung der Fragebogen soll das bereits vorhandene Material vervollständigt und berichtigt werden. Sobald die Arbeitnehmer auf Grund ihrer Statistik agitatorisch hervortreten, gilt es, ihren Darlegungen auf Grund

unserer Arbeitgeberstatistik, soweit Differenzen zu Tage treten, die Spitze zu bieten.

Deutsche Goldschmiede! Wir bitten nicht in unserem, sondern in Eurem Interesse um die recht baldige und vollständige Ausfüllung des beiliegenden Fragebogens! Kosten erwachsen daraus in keiner Weise! Wenn sie auch nicht geringfügig sind, so werden wir sie doch selbst im Interesse der deutschen Goldschmiedekunst tragen.

Die Fragen, die wir stellen, sind nicht so zahlreich, wie jene der Arbeitnehmer, aber die Arbeitgeber haben mit ihrer Statistik auch keine agitatorischen Zwecke zu verfolgen. Sie sollen nur gegebenen Falles auch mit ihren Erhebungen der Regierung vor die Augen treten können, wenn man dieser eine Statistik unterbreiten sollte, die Bedenken erregen muß. Wir fragen nach dem Namen und Alter des Gehilfen seiner genossenen Vorbildung, seiner Lehrzeit, Gehilfenprüfung, seiner Arbeits-Spezialität, seiner Arbeitsvergütung, Arbeitszeit, etwaigen Überstunden und deren Entlohnung, der Naturalverpflegung im Hause des Meisters, der Zahl der Gehilfen im Geschäft, ferner danach, ob der Arbeitnehmer verheiratet oder ledig ist, wieviel er Kinder zu versorgen hat und ob die Frau eigenen Verdienst hat. Das sind die Fragen, welche nach unserem Dafürhalten ausreichen, um einen Überblick über die soziale Lage unsrer Arbeitnehmer zu geben. Deutsche Goldschmiede, traget dazu bei, eine solche

Arbeitgeber - Statistik zu schaffen! Sie wird im gegebenen Falle ein wertvolles Material bilden. Die Arbeitgeber dürfen nicht hinter den Arbeitnehmern zurükstehen. Scheue Niemand die kleine Mühe für einen großen Zweck! Daß alle an uns gelangenden Mitteilungen selbstverständlich nur in diskretester Weise behandelt werden, versteht sich von selbst. Wir hoffen bald im Besitz der ausgefüllten Fragebogen zu sein, um dann die statistische Aufstellung vornehmen zu können. Wer uns seine Unterstützung versagt, versagt sie der

deutschen Goldschmiedekunst.

Ist die Schaffung einer deutschen Mode möglich?

IV. Was kann geschehen, um die Entstehung einer deutschen Mode zu fördern? Wir sind weit entfernt davon, mit den kurzen nachstehenden Aus Das erste, was wir anstreben müssen, ist eine weitgehende führungen irgendwelche maßgebende Vorschläge machen zu wollen. Aufklärung des Publikums, Aufklärung darüber, was wirklich Pariser Wir sind überzeugt, daß wir überhaupt in der vorliegenden Denk Originalmode ist, oder was englischen und deutschen Ursprungs ist, schrift nichts weiter gegeben haben, als die allererste Anregung aber nur unter französischer Flagge segelt. Es ist ja kein Wunder, zur Einleitung und zum Beginn einer großen umfassenden Arbeit, daß unser Publikum in dieser Beziehung immer noch nach dem welche nur geleistet werden kann, wenn sich alle Beteiligten ein Auslande schielt, nachdem uns das Ausland durch lange Jahrzehnte trächtlich zusammenfinden. Aber wir wollen doch wenigstens aus- hindurch tatsächlich Vorbild und Muster hat sein müssen. Allein sprechen, daß es notwendig ist, besondere und sachkundige Arbeit es ist Zeit, daß dergleichen ein Ende findet: der Kaufmann glaubt vorzunehmen, um einem Ziele, wie dem eben skizzierten, näher zu immer noch, seinen Kunden einen Gefallen zu tun, wenn er einen kommen.

Stoff oder Gegenstand als englisch oder französisch bezeichnet. Es ist fraglos, daß die Pariser Interessenten, nachdem der Nationale Bewegungen, insbesondere auf geistigem Gebiete, sind Glanz des zweiten Kaiserreichs und die Schönheit der Kaiserin zahlreich bei uns; es kann nicht gar so schwer halten, sie auch Eugenie verblichen ist, zielbewußt auf Erhaltung ihres gewaltigen auf wirtschaftlichem Gebiete hervorzürufen, und der Kaufmann ist Modemarktes hingearbeitet haben und hinarbeiten. Es wird eines der erste, welcher in eine solche Bewegung eintreten muß; ihm zur besonderen Studiums an Ort und Stelle bedürfen, um die Menge Seite trete der Industrielle, der Fabrikant. Es gibt nur wenige der Maßregeln und Veranstaltungen kennen und würdigen zu lernen, Zweige des Gewerbefleißes überhaupt, die von einer solchen Bewelche alle auf diesen Endzweck hinauslaufen. Es sind oben schon wegung nicht mittelbar oder unmittelbar Nutzen haben können. einige dieser Veranstaltungen angeführt, und es wäre leicht, sie um Möge man zunächst einmal wagen, deutsch zu sein und deutsch einige weitere zu vermehren. Wir sind im allgemeinen keine zu heißen. Freunde der Weltausstellungen, aber es ist zweifellos, daß, wie ihre Unser Geschmack ist nicht mehr minderwertiger als der unserer Vorgängerin, so auch die Weltausstellung des Jahres 1900 Paris westlichen Nachbarn. Es ist auch nicht wahr, daß alle neuen Gein dieser Beziehung außerordentlich günstig gewesen ist. Noch danken und Formen auf diesem Gebiete in Paris ihren Ursprung immer ist Paris auch der Sitz ungezählter internationalen Ver- haben. Gerade aus Deutschland empfängt neben dem sonstigen einigungen und Kongresse; wir haben auf diesem Gebiete noch Ideenreichtum die Welt zahlreiche Anregungen auf dem Gebiete vielerlei nachzuholen.

des guten Geschmacks. Man fasse sich ein Herz und trete selb

ständig auf. In Berlin besteht ein Riesenmarkt der Konfektion, ein Riesengeschäft in Wäsche, in Schmuckwaren, in Lampen, in Bronzen, kleinen Metallartikeln, in Papierausstattungen und in ungezählten anderen Dingen, die dem Gebiete der Mode unterworfen sind. Man versuche dahin zu wirken, daß alle diese Industriezweige die Nützlichkeit des hier entwickelten Grundgedankens erkennen und wenn nicht ihre Produktion, so doch die Darstellung derselben bei ihren Abnehmern in der angedeuteten Richtung ausgestalten. Erfolg wird nicht ausbleiben. Wie dieser Gedankengang freilich in die Wirklichkeit umgesetzt werden soll, dafür wird erst die weitere Arbeit praktische Vorschläge an das Licht bringen dürfen.

Sodann pflege man sorgfältig die Beziehungen, welche den Fremdenverkehr fördern und heranziehen könnten. Auch auf diesem Gebiete tut Berlin bisher wenig oder garnichts. Wie vieles könnte hier geschehen und veranstaltet werden, ohne daß man deshalb zu so ausgefallenen Dingen greifen müßte, wie es die Pariser Schneiderateliers tun, indem sie beispielsweise den Wettmarsch der Midinettes in Szene setzen.

Berlin besitzt bereits Anziehungspunkte, welche offenbar keine andere Hauptstadt der Welt aufzuweisen hat. Man erinnere sich nur an den Umstand, daß in unserer technischen Hochschule für die deutschen Studierenden besondere Sitzreihen reserviert werden mußten, und daß das Honorar für die Ausländer erhöht werden mußte, damit nur unsere Landeskinder nicht ganz verdrängt wurden. Die Fremdenkolonie unserer Hauptstadt weist eine stets wachsende Ziffer auf. Wer lernen will, kommt nach Berlin. Aber es kommen

auch eine Menge Leute nach Berlin, welche sich nicht nur wissenschaftlich weiterbilden wollen, sondern welche das interessante politische Zentrum, das Deutschland und Berlin darstellt, studieren und kennen lernen mögen, Staatsmänner, Großkaufleute, Industrielle, Schiffsrheder, Diplomaten, Konsuln aus der ganzen Welt; das sind zweifellos schon gute Ansätze, und wenn das Berliner Gewerbe es versteht, sie zweckentsprechend und weise auszubauen, so wird die Wirkung nicht zweifelhaft sein.

Halten wir fest: die großen wirtschaftlichen Vorbedingungen für Etablierung einer deutschen Mode sind gegeben; sie sind zu finden einmal in dem Vorhandensein eines riesigen inneren Marktes für Modeartikel, dann aber in dem Entwicklungsstande, welchen vaterländische Industrie und Handel erreicht haben, ein Stand, der sie über die meisten Konkurrenzländer, insbesondere über die bisherige Herrscherin im Reiche der Mode, Frankreich, erhöht und hinaushebt.

Hat nicht unser Kaiser zu wiederholten Malen sich dahin geäußert, unser Publikum möge für sein öffentliches Auftreten, z. B. in den Theatern, mehr äußeren Glanz, Eleganz der Toilette, guten Geschmack in der Repräsentation, Schick in der Auffassung, also in der Mode entwickeln ? Hat er nicht den Versuch unternommen, der Hauptstadt durch Schaffung eines Korsos auch für den Fremdenverkehr einen neuen Anreiz zu geben? Würde nicht sein glänzender Hof dem Streben der deutschen Mode einen prächtigen, fruchtbringenden Mittelpunkt geben? Man gehe fröhlich ans Werk: auch die freiwillige Mitarbeit der höchsten Gesellschaftskreise wird es nicht an sich fehlen lassen!

III. Ordentliche Mitgliederversammlung des Vereins der Juweliere, Gold- und Silberschmiede Württembergs, abgehalten am Sonntag, den 19. Juni 1904, auf der Silberburg zu Stuttgart.

(Im Auszug.)

Der Vorsitzende des Württembergischen Vereins Emil Foehr, Stuttgart, eröffnet die sehr zahlreich besuchte Versammlung um 3,11 Uhr mit folgenden Worten: Meine hochverehrten Herren Kollegen! Es freut mich sehr, daß Sie sich so zahlreich hier eingefunden haben. Ich danke Ihnen bestens für das Interesse, das Sie hierdurch am Verein bekunden und heiße Sie alle herzlich will kommen. Als Gäste begrüßen wir die Vorsitzenden der uns befreundeten Vereine von Bayern und Baden, die Herren Merk und Bertsch. Auch diese Herren heiße ich im Namen des Vereins willkommen und spreche meine ganz besondere Freude über ihr Erscheinen aus. (Bravo!)

Ich eröffne nunmehr die diesjährige, dritte ordentliche Mitglieder versammlung des Vereins der Juweliere, Gold- und Silberschmiede Württembergs.

Bericht über die Vereinstätigkeit. Aus den inneren Angelegenheiten des Vereins, der am 17. März 1901 gegründet wurde, ist hervorzuheben, daß die Zahl der Mitglieder heute 90 beträgt, und zwar 55 Detailleure und 35 Fabrikanten und Grossisten. Aus dem Kassenbericht, den der Herr Schatzmeister nachher vorzutragen die Güte haben wird, ist zu entnehmen, daß die Kassenverhältnisse des Vereins geordnete sind. Ich spreche schon an dieser Stelle dem Herrn Schatzmeister herzlichen Dank für seine Mühewaltung aus. Vor Weihnachten wurden vom Verein Inserate im „Schwäbischen Merkur“ erlassen, welche das Publikum darauf hinwiesen, daß es Juwelen, Gold- und Silberwaren nur noch beim Detailleur bekommen könne. Ich glaube, daß diese Inserate gelegentlich wiederholt werden müssen, denn das Publikum muß aufgeklärt werden, dann hören die Verkäufe von einigen hiefür bekannten Fabrikanten und Grossisten direkt an Private schon von selbst auf. Dem Verkauf von Silberwaren in hiesigen nicht zur Branche gehörigen Geschäften konnte immer noch nicht ganz gesteuert werden; immerhin ist aber eine Besserung darin zu verzeichnen. Auf das Aufsuchen von Privathäusern, wie auch von Gast. und Kaffeehäusern, um an Privatpersonen Juwelierwaren usw. anzubieten resp. zu verkaufen, werden wir nach wie vor unser strengstes Augenmerk richten. Um jeden einzelnen Fall sofort verfolgen zu können, ist es aber dringend notwendig, daß das erforderliche Beweismaterial beigebracht wird; mit der Anzeige allein ist es nicht getan. Der mit uns befreundete Badische Verein hat auf seiner Mitgliederversammlung u. a. auch einen Beschluß gefaßt, der die

Stempelung von Gold waren betrifft und welcher besagt, es solle angestrebt werden, daß Goldwaren unter 585/1000 fein nicht mehr gestempelt werden dürfen. Ich glaube, daß wir diesen berechtigten Wunsch ganz wohl unterstützen können, wenn wir auch auf große Schwierigkeiten stoßen werden. Es ist kaum anzunehmen, daß es gelingen wird, das Stempelgesetz abzuändern. Was wir aber tun können, das ist, daß wir das Publikum aufzuklären suchen. Das Stempelgesetz ist schuld daran, daß die Gold warenindustrie in Deutschland so auf den Hund gebracht worden ist. Wirklich solide 14 karätige Ware ist ja nächstdem ein Kuriosum! Hoffen wir, daß es auch hierin bald wieder besser wird. Zu erwähnen ist ferner noch die Resolution des Kreditorenvereins. Ob und wie sich der Verband hierzu stellen wird, kann ich heute noch nicht sagen; jedenfalls glaube ich, daß wir in Württemberg eine Reform der Zahlungsweise gern unterstützen werden.

Meine Herren, ich schließe meinen Bericht über die Tätigkeit des Vereins mit dem Wunsche, daß der Verein wie im abgelaufenen Jahre so auch in Zukunft eine erfolgreiche und zufriedenstellende Tätigkeit zu verzeichen haben möge. (Beifall.) Die Versammlung erklärt sich mit dem Bericht einverstanden.

Jahresabrechnung. Diese wird von dem Schatzmeister des Vereins, Fabrikant Albert Reitz-Stuttgart, vorgetragen und von der Versammlung einstimmig genehmigt. Der Stand der Kasse ist ein günstiger. Es wird hierauf dem Schatzmeister Entlastung erteilt.

Entlastung des Ausschusses. Ebenso wird der Ausschuß für seine Tätigkeit im abgelaufenen Jahre einstimmig entlastet.

Wahlen. Es wurden per Akklamation Herr Emil Foehr als Vorsitzender, Herr A. Reitz als stellvertretender Vorsitzender, und durch schriftliche Wahl folgende Herren in den Ausschuß des Vereins gewählt: 1. Alfred Binder, Gmünd; 2. Hugo Böhm, Gmünd; 3. Heinr. Brändle, Backnang; 4. Ernst Bruckmann, Heilbronn; 5. Wilhelm Kiesel, Ludwigsburg; 6. Adolf Klein, Stuttgart; 7. Adolf König. Heilbronn; 8. Ernst Menner, Stuttgart; 9. Richard Nille, Stuttgart; 10. Karl Staufert, Göppingen.

Sämtliche Gewählte nehmen die Wahl an.

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