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Amtliches Organ des Verbandes Deutscher Juweliere, Bold- und Silberschmiede
des Vereins der Juweliere, Gold- und Silberschmiede von Bheinland und Westfalen, des Vereins der
Juweliere, Gold- und Silberschmiede Württembergs, der freien Vereinigung des Gold- und Silberwaren-
Bewerbes für Berlin und den Reg.-Bezirk Potsdam, des Vereins der Juweliere, Bold- und Silberschmiede
des Großherzogtums Baden, der Goldschmiede-Werkgenossenschaft Berlin, der Kölner Juwelier-Vereinigung,
der Freien Vereinigung der Juweliere, Gold- und Silberschmiede des Reg.-Bezirks Stettin, der Goldschmiede-
Innung Schwerin, der Freien Vereinigung der Gold- und Silberschmiede zu Görlitz, des Kreditoren-Vereins
für die Bold-, Silberwaren- und Uhren-Industrie Pforzheim, der Kunstgewerbe-Vereine Hanau und Pforzheim,

Jovovovou des Bewerbemuseums Gmünd, der Zentralstelle Schmuck und Mode ist inis Begründet und berausgegeben von Wilhelm Diebener, Leipzig 21, Schützenstr. 15

. Für den kunstgewerblichen Teil: R. Rücklin, Pforzheim - Für den volkswirtschaftlichen Teil:

• Syndikus Herm. Pilz, Leipzig No. 25 – VII. Jahrgang | Erscheint jeden Freitag | Leipzig, 17. Juni 1904

An unsere Leser!

Mit der vorliegenden Nummer gehen wir dem Ende des II. Quartals des laufenden Jahrgangs unserer Deutschen Goldschmiede-Zeitungentgegen. Wir haben auch in diesem Quartale Gelegenheit gehabt, uns oft über das Vertrauen, welches unsere Leser uns bewiesen, zu freuen, und wenn wir dies durch Erteilung von Rat und Hilfe nach besten Kräften zu lohnen suchten, so glauben wir unsererseits alle Garantien für das erspriessliche weitere Zusammenarbeiten unserer Zeitung mit den durch sie vertretenen deutschen Goldschmieden auch für die Zukunft bieten zu können.

Unsern bisherigen Abonnenten senden wir die Deutsche Goldschmiede-Zeitungweiter. Die Abonnementsbeträge, die bis zum 1. Juli nicht in unsern Händen sind, werden wir, wie bisher, durch Postkarte erheben.

Einer Neubestellung bedarf es nur für die direkt beim Postamt bestellten und an dasselbe bezahlten Abonnements.
In der Hoffnung, dass sich zu den alten Freunden noch recht zahlreiche neue Abonnenten finden, zeichnen

Hochachtungsvoll

Redaktion und Verlag
Deutschen Goldschmiede - Zeitung.

der

Geschäftliche Rundschau.

Mit dem Wonnemonat Mai ist es dieses Mal nicht weit her, so weit es das Schmuckwarengeschäft betrifft. Draußen freilich in der Natur steht alles in herrlichem frischen Grün, die Bäume schlagen aus, die Sonne sticht und der Kohl schießt. Wie schön wäre es, wenn man jetzt die Bude zumachen und hinauswandern könnte in die weite, weite Welt und die edle Bijouterie inzwischen im Kassenschrank liegen lassen. Bei der augenblicklichen Geschäftslage würden wir alle, ob Grossisten, Fabrikanten oder Detailleure (das deutsche Kleinhändler“ dürfte viele verletzen) nicht viel verlieren, wenn wir in unseren Betrieben einmal 4 Wochen Ferien machen und die laufenden Geschäfts-Unkosten zu einem würdigeren Zwecke verwenden könnten. Doch da es nicht kann sein, müssen wir's lassen sein und recht und schlecht weiterwurschteln, bis wieder einmal bessere Zeiten kommen. Seit langen Jahren dürfte das Laden geschäft nicht so still gewesen sein, wie in diesem Jahre und infolgedessen haben natürlich auch die von ihm abhängigen Geschäfte sehr gelitten, und die Aussichten auf Besserung sind auf der ganzen Linie noch recht schwache. Man zerbricht sich vergebens den Kopf, woher die Geschäftsstille kommen könne, und vom japanischrussischen Krieg bis zur mangelhaften Börsengesetz-Novelle gibt es vielerlei Gründe, die man dafür verantwortlich machen könnte, und

es ist wohl nicht eine bestimmte Ursache, sondern viele zusammen, die das bedauernswerte Ergebnis haben.

Und wie bei uns, so ist es überall. Großbritannien weiß ebenfalls nichts Besonderes zu berichten, und man findet sich mit dem Stand der Dinge ab, so gut wie man kann, und ist in Resignation davon überzeugt, daß es noch viele Monate dauern kann, bis es besser wird. Man freut sich sogar, daß man mit dem Kriege im fernen Osten direkt nichts zu tun hat, daß das Abkommen mit Frankreich zustande gekommen ist, und man auf diese Art mit seinen nächsten Nachbarn in Ruhe lebt. Dafür haben die zu Hause erhobenen Steuern im laufenden Jahre einen geringeren Betrag ergeben wie sonst, eben der schlechten Zeiten wegen, und man muß sich nach neuen Steuern umsehen, was eben auch wieder ungünstig auf das Geschäft einwirkt. Man ist sogar schon dazu gekommen, das Nationalgetränk, den Tee, zu besteuern, und das ist ein böses Zeichen. Die Engländer unseres Faches sind der Ansicht, daß man dafür lieber die ausländischen Gold- und Silberwaren, Uhren, Seidenstoffe und andere Luxusartikel hätte besteuern sollen, die jetzt so gut wie zollfrei eingehen, aber das wäre ein großer Nachteil für unseren bedeutenden Export in derartigen Waren nach England. In London selbst liegt das Bijouteriegeschäft „phänomenal“ still,

während es im Norden etwas besser zu sein scheint. Dagegen ist das Geschäft nach den Kolonien auch außerordentlich ruhig, in Afrika herrscht Geldmangel und in Australien wirtschaftliche Krisen und Streiks.

Große Genugtuung empfindet der englische Goldschmiede-Verband darüber, daß mit durch seine Bemühungen das NachnahmeSystem nicht eingeführt worden ist. Wir in Deutschland würden es sehr vermissen, wenn es nicht vorhanden wäre, aber die Engländer sind der Ansicht, daß durch die Einführung der Nachnahme nur den Versandgeschäften der Betrieb erleichtert und den kleinen lokalen Gewerbetreibenden dafür erschwert würde, eine Befürchtung, die sich bei uns in Deutschland nur in sehr geringem Maße verwirklicht hat. Dagegen hat ein anderes Gesetz, das über die Einführung eines besonderen Punzierungs-Stempels für ausländische Silberwaren, in der Kommission, der es überwiesen war, bereits Annahme gefunden, und dasselbe wird aller Voraussicht nach auch im Plenum der Fall sein. Man ist sich nur noch nicht über das Unterscheidungszeichen einig; ursprünglich sollte es ein F (foreign, ausländisch) sein, aber davon ist man abgekommen, weil ein F auch für das Fabrikzeichen eines Fabrikanten gelten könnte. Es ist in Aussicht genommen worden, das Gesetz am 1. November 1904 in Kraft treten zu lassen.

Am 21. April haben in London die Vorbesprechungen des Vorstandes des Englischen Goldschmiede-Verbandes stattgefunden, der seine diesjährige Versammlung am 11. und 12. Juli in Birmingham abhalten wird; eine der zur Verhandlung kommenden Hauptfragen wird das Detaillieren der Grossisten sein, gegen das man in England wie bei uns Grund zur Klage hat und gegen das man ganz energisch vorgehen will.

In Frankreich ist das Geschäft auch ruhig genug, obgleich man eine kleine Besserung wahrzunehmen glaubt, gegen die ersten Monate des Jahres. Dies ist namentlich in Paris der Fall, wo mit dem Frühling und dem schönen Wetter naturgemäß viele Fremde zusammenströmen, die Geld ausgeben und dabei auch die Bijouterie nicht vergessen. In unsere deutschen großen Städte und Kurorte ergießt sich der Fremdenstrom erst im Juli und August, und es steht zu hoffen, daß er in diesem Jahre ebenso ergiebig sein wird wie im vorigen. In Frankreich hat der Verbands-Gedanke letzter Zeit, zweifellos angeregt durch deutsche und englische Vorbilder, sehr große Fortschritte gemacht; das Land ist bisher in eine Unmenge, etwa 30, Provinz-Verbände, Syndicats zersplittert gewesen, diese haben aber nun eine Zentralstelle in Paris unter Leitung eines Herrn Pernin geschaffen, welche alle Fragen gemeinsamen Interesses bearbeitet oder durch die Unterverbände bearbeiten läßt und das erzielte Resultat dann wieder allen Mitgliedern bekannt gibt. Sollte

es nicht auch für Deutschland richtiger sein, den Landesverbänden gemäß dem nun einmal partikularistisch veranlagten deutschen Charakter einen größeren Spielraum für die Erledigung ihrer besonderen Angelegenheiten zu gewähren und in Berlin auch nur eine Zentralstelle zur Vereinigung aller Fäden zu haben? Hat uns nicht Bismarck in der Verfassung des Deutschen Reiches als Bundesstaates das allerbeste Vorbild gegeben? Schreiber dieses ist außerdem der festen Überzeugung, daß es nur noch eine Frage der Zeit ist, daß wir wie die übrige zivilisierte Welt, England, Frankreich, die Vereinigten Staaten usw., usw. die Uhrmacher nicht mehr als Feinde, sondern als Mitkämpfer auf demselben Felde an unserer Seite betrachten, und daß wir mit ihnen eine Verständigung anstreben bezw. mit ihren Vereinigungen und Verbänden in ein freundschaftfiches Kartellverhältnis treten.

Die große Weltausstellung in St. Louis ist am 30. April feierlich eröffnet worden, und da die Tagesblätter die Einzelheiten darüber ausführlich gebracht haben, so sind wir der Verpflichtung enthoben, an dieser Stelle noch einmal darauf zurückzukommen. Für Deutschlands Edelmetall- Industrie hat diese Ausstellung herzlich wenig zu bedeuten, denn neue Absatzgebiete kann sie ihr nicht eröffnen, und es war auch nur der Ehre wegen, daß einige deutsche, meist Hanauer Bijouteriefabriken sich entschlossen, ihre Erzeugnisse wieder einmal über den Atlantic zu schicken. Von den amerikanischen Goldschmieden hatten am Eröffnungstage auch erst wenige ihre Ausstellung fertig, die andern lassen sich noch bis Ende Mai Zeit. Am vollständigsten ist die Silberwarenfabrik der Gorham Manufacturing Co. bis jetzt vertreten, die zwei große Pavillons ausgestellt hat, alle andern sind noch soweit zurück, daß man von ihnen noch nicht reden kann.

Zum Schluß noch eine nette Geschichte aus dem Zeitalter des Automobilismus und dem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten, in dem es ein Chauffeur fertig bringt, mit einem Automobil eine auf der Straße mit offenen Deckel liegende goldene Remontoiruhr sanft zuzumachen, ohne die Uhr im geringsten zu beschädigen. So geschehen in Newyork vor einer großen Zuschauermenge, die dem Kunststück atemlos zusahen und vorher natürlich wetteten, ob die Uhr kaput ginge oder nicht. Jedenfalls gehört große Übung dazu, ein Automobil in der Fahrt so geschickt zu lenken, daß nur das eine Hinterrad ganz sanft den Deckel berühren und ihn zudrücken kann. Wir wünschen allen unsern Lesern, daß ihr Sommergeschäft so gut gehen möge, daß sie sich 1) ein Automobil zulegen können und 2) dabei so viel verdient haben, daß sie die Arbeit den Angestellten überlassen und sich selbst mit Künststücken, wie das obige, beschäftigen können.

Zur Frage des gesetzlichen Verbotes der Feuervergoldung.

Wir hatten eigentlich beabsichtigt, zu dem Thema der Feuervergoldung das Wort nicht mehr zu ergreifen. Schließlich veranlassen uns aber zwei hervorragende Fachgenossen dazu, deren Ansichten wir in vorliegender Nummer wiedergeben, die Frage noch einmal anzuschneiden. Wir erfüllen ihnen diesen Wunsch, bemerken jedoch, daß die Angelegenheit für uns jetzt erledigt ist. Ferner aber erscheint es wichtig, unsere Leser auf die Änderung der Forderung des Journals der Goldschmiedekunst aufmerksam zu machen. Während das andere Fachblatt bekanntlich zuerst ausführte, die Feuervergoldung soll grundsätzlich durch ein Reichsgesetz verboten werden, faßt es seine Forderung jetzt in folgende Form:

„Die Ausführung der Feuervergoldung soll nur denjenigen Gewerbetreibenden gestattet sein, die dem Gewerbeamte gegenüber den Beweis erbracht haben, daß die vorhandenen Einrichtungen eine Vergiftungsgefahr und eine schädliche Einwirkung auf die Gesundheit der mit dieser Arbeit in irgend eine Berührung Kommenden ausschließen. Jede Zuwiderhandlung gegen diese Bestimmung und jede unberechtigte Ausführung der Feuervergoldung soll unter Strafe gestellt werden.“

Das Journal behandelt in dem Artikel, der diese neue Fassung seiner Forderung enthält, die Frage des Verbots der Feuerver

goldung wiederum nicht logisch. Ist es doch nur zu klar, daß man die Frage ist die Feuervergoldung giftig?« vollständig trennen muß von der Frage „Erfüllt die Feuervergoldung ihre Zwecke? - Ist die Feuervergoldung eine gute Vergoldung oder nicht? Bei der ersten Frage muß der Staat im Interesse seiner Bürger ein Wörtchen mitzureden haben, ob aber die Feuervergoldung eine haltbare und gute Vergoldung ist, ist dem Staate ganz gleichgültig. Er müßte sich dann z. B. auch darum kümmern, daß ein Haus wirklich mit Firnis und nicht mit irgend einem Firnisersatzmittel gestrichen wird.

Wir selbst äußerten uns lediglich über die Frage der Giftigkeit der Feuervergoldung und ihrer Folgen, enthalten uns aber über die Frage der Brauchbarkeit der Feuervergoldung jeglichen Urteils, und zwar weil dies Sache der Praktiker ist, denn über Gut oder Schlecht kann nur derjenige reden, der Erfahrung besitzt.

Was nun weiter die neue Fassung der Forderung des Journals betrifft, daß nur demjenigen Gewerbetreibenden die Ausführung der Feuervergoldung gestattet sein soll, der den Beweis erbringt, daß seine Anlage tadellos arbeitet, so müssen wir bemerken, daß nach der Reichsgewerbeordnung vom 1. Juni 1891 der Gewerbeunternehmer allgemein verpflichtet ist, den Betrieb und seine Einrichtung so zu regeln, „daß Gefahren für Leben und Gesundheit soweit ausgeschlossen sind, als die Natur des Betriebes es gestattet.“ Das

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des Umstandes, daß ich für eine Diözese kirchliche Gefäße im Feuer, für andere auf elektrolytischem Wege vergolden muß, sammelte ich viele Erfahrungen, umsomehr als ich mir auch alle modernen Einrichtungen anschaffte und fort und fort verbesserte. Ich kam zur festen Überzeugung, daß, wie zurzeit in meiner Werkstatt gearbeitet wird, das elektrolytische Verfahren in jeder Beziehung, sei es in Dauerhaftigkeit, Solidität wie Gefahrlosigkeit für die Gehilfen, den Vorzug vor der Feuervergoldung verdient. Wenn ich nun aber alle Abhandlungen, welche in den beiden Fachzeitschriften gedruckt wurden, zusammenfasse, so trifft auf hundert Verteidiger der elektrolytischen Vergoldung kaum /4 Dtz. für die Feuervergoldung. Und was konnten die letzteren in den langatmigsten Artikeln bringen? - höchstens eine Reiberei über eine einzelne Schnupftabakdose, dagegen schrieb keiner über die seit über 60 Jahren im Gebrauch befindlichen Tafelgeräte, Bestecke und Löffel der Weltfirmen Christofle, der Berndorfer- und Württembergischen Metallwarenfabrik usw., welche alle nur auf elektrolytischem

aufgestandenen Stellen usw. Warum brachten es diese Firmen, wie auch alle unsere großen Silberwarenfabriken in Heilbronn, Hemelingen, Bremen usw., mit ihren silbernen und nur elektrolytisch vergoldeten Arbeiten fertig, daß ihre Niederschläge auf der ganzen Welt den denkbar besten Ruf genießen? Weil sie eben modern eingerichtet sind, immer verbesserten und den Willen haben, gut zu arbeiten.

Sicher blieb fest stehen, 1. daß bei der Feuervergoldung durch das verdampfende Quecksilber

jeder Gegenstand angegriffen und beschädigt wird, was bei der

elektrolytischen Vergoldung nicht der Fall ist, 2. daß die Feuervergoldung für gravierte, ziselierte und Filigran

Gegenstände doch von niemandem der elektrolytischen Vergoldung

vorgezogen wird, 3. daß die Feuervergoldung keine Feingoldschicht erzeugt, was bei

der elektrolytischen Vergoldung der Fall ist,

4. daß die Feuervergoldung sich nicht gleichmäßig verteilt, und bei

ziselierten Gegenständen die tiefen Stellen besser, die erhabenen leichter vergoldet sind, während bei der elektrolytischen Vergoldung

gleichmäßige Verteilung bewirkt wird, 5. daß bei Wiedervergoldung das alte Gold der Feuervergoldung

abgeschabt werden muß, und so der Gegenstand in seinem Gewichte leichter gemacht, feine Gravierungen usw. beschädigt werden, was

bei der elektrolytischen Vergoldung wieder nicht der Fall ist, 6. daß eben doch die Quecksilberdämpfe hundert Mal gefährlicher

sind als die des Cyankaliums. (Dieser Ansicht möchten wir nicht beipflichten. Die Redaktion.)

Ich glaube, den Sieg hat die elektrolytische Vergoldung errungen, und sollte auch kein Verbot der Feuervergoldung zustande kommen, so werden die Beteiligten doch ihre Vorsichtsmaßregeln verschärfen. Wenn die Firma Kollmar und Jourdan ihre Ketten noch im Feuer vergoldet und diese rationeller herstellt und die besten sanitären Einrichtungen für die Gesundheit der Arbeiter hat, so mag dieses für deren großen Fabrikbetrieb angehen; jene Firma sagt aber wörtlich: „In kleinen Werkstätten, wo nur ab und zu feuervergoldet wird, muß die Feuervergoldung schädlich werden.“ Und bis sich

kleine Werkstätten derartige kostspielige Einrichtungen anschaffen, erhalten sie doch billiger Elemente und jedenfalls auch eine kleine Dynamomaschine, was sie übrigens zum Färben der im Feuer vergoldeten Gegenstände so wie so haben müssen; denn die reine Feuervergoldung von einstens, Färbung mit Glühwachs, dürfte kaum mehr hergestellt werden, wenigstens sagte dieses keiner der Herren Kollegen. Unser rühriger Verband wird jedenfalls die ganze Angelegenheit mit Interesse verfolgt und sich sein eigenes Urteil gebildet haben; darüber wird uns ja die nächste Zeit aufklären. jedenfalls würde sich derselbe den Dank fast aller Goldschmiede schon allein dadurch erwerben, wenn von so maßgebender Seite Formulare mit Aufklärung über diese Frage gedruckt würden und für Interessenten käuflich zur Verteilung zu haben wären und auch an größere Tagesblätter zum Abdruck gegeben würden; denn das ist richtig, daß das kaufende Publikum heute noch eine möglichst leicht oder nur zum Schein ausgeführte Feuervergoldung für besser und wertvoller hält als die solideste elektrolytische Vergoldung und keine Ahnung von der Gefährlichkeit des Quecksilbers für die Arbeiter hat; denn sonst würde es vielfach auf die Feuervergoldung verzichten.

L. S.

11.

Vorstehenden Artikel habe ich mit Interesse gelesen und bemerke dazu, daß ich mit dem Schreiber nicht in allen Punkten einer Ansicht bin. Er läßt sich eigentlich nur darüber aus, was ich bereits in einem früheren Artikel geschrieben hatte, und ich bitte den Leser freundlichst, die Deutsche Goldschmiede-Zeitung Nr. 15 vom 8. April zur Hand zu nehmen. Ich halte es für ein nutzloses Beginnen, bei dem Mangel an statistischem Material von 100 Gegnern und '/, Dutzend Verteidiger der Feuervergoldung zu sprechen.

Ich habe mich nur an den Auseinandersetzungen beteiligt, um darzutun, daß Feuervergoldung durch elektrolytische, was Widerstandsfähigkeit gegen Oxydation betrifft, nicht zu ersetzen ist. Etwas über die Arbeiten von Christofle usw. zu schreiben, gehört hier nicht hin, denn es ist lang und breit besprochen, daß die elektrolytische Vergoldung ebenso stark wie Feuervergoldung herzustellen ist. Um die Stärke des Niederschlags handelt es sich nicht, sondern nur darum, ob die elektrolytische Vergoldung in allen Teilen Feuervergoldung ersetzen kann oder nicht, und ob die Gefahren so groß und die Anwendung der Feuervergoldung heute noch so stark verbreitet ist, daß die Schäden in solchem Umfange, wie man von anderer Seite glauben machen will, vorhanden sind, und hierdurch ein Verbot und damit manche Unannehmlichkeiten, die durch das Verbot entstehen, gerechtfertigt sind. Wenn man aber die sachlichen und fachgemäßen Auseinandersetzungen durch den Vergleich mit einer alten Schnupftabakdose ins lächerliche zu ziehen versucht, darf der Betreffende sich nicht wundern, wenn dementsprechend geantwortet wird.

Auf die Punkte 1, 2, 3, 4, 5, 6, die Herr L. als sicher festgestellt angibt, ist folgendes zu antworten.

1. Angegriffen und beschädigt werden Gegenstände durch die Feuervergoldung nur dann, wenn der Ausführende die Sache nicht versteht und mit der Arbeit nicht vertraut ist. Früher gab es Stümper so gut wie heute, wodurch wir auch hier und da alte Arbeiten finden, die schlecht vergoldet sind und gelitten haben. Ebenso finden wir aber auch heute elektrolytisch vergoldete Arbeiten, die durch zu langes Verweilen im Bad besonders bei Verwendung falscher Stromstärken beschädigt sind. Solche Störungen erkennt man in der Regel nicht sofort.

2. Für unsere heutigen Arbeiten genügt die elektrolytische Vergoldung in den meisten Fällen. Ausnahmen kommen aber vor,

z. B. beim Vergolden von Kirchturmkugeln, bei Ergänzungen alter Arbeiten von großem kunsthistorischen Werte, wo die Ergänzungen mit den alten gut im Feuer vergoldeten Stücken verbunden werden sollen. Dann wird es nötig sein, daß diese Teile, um das Ganze nicht zu stören, im Feuer vergoldet werden, bei Verwendung einer anderen Vergoldung zeigen sich Unterschiede schon nach einigen Jahren.

3. Daß Feuervergoldung keine Feingoldschicht erzeugen soll, ist mehr wie interessant. Wie kommt es dann, daß starke elektrolytische Vergoldung braun bis schwarz gefärbt werden kann, ein im Feuer vergoldetes Stück Kupfer aber nicht oxydiert, selbst wenn es Jahrhunderte lang in der Erde gelegen hat.

4. In diesem Punkte sind sich alle, die etwas von Vergoldung verstehen, einig.

5. Ist die Feuervergoldung gut und nur abgenutzt, kann diese ebenso gut wie elektrolytische Vergoldung neu vergoldet werden, ohne daß die Feuervergoldung abgeschabt zu werden braucht. Ist jene nicht gut, so muß sie ebenfalls entfernt werden bevor das Stück neu vergoldet wird.

6. Die Quecksilberdämpfe sind nur dann gefährlich, wenn der Arbeiter die nötigen Vorsichtsmaßregeln außer' acht läßt. Unter solchen Umständen ist aber das Arbeiten mit Cyankalium ebenso gefährlich. Was Dauerhaftigkeit, Widerstandsfähigkeit gegen Oxydation anbelangt, steht die Feuervergoldung oben an und hat sich im Laufe der Jahrhunderte bewährt. Unser heutiges Verfahren wird sich, was diese beiden Punkte angeht, wie ja deutlich an den schon gemachten Arbeiten zu sehen ist, nicht in dieser Weise bewähren.

Die elektrolytische Vergoldung trug den Sieg über die Feuervergoldung nur dadurch davon (wenn wir die allgemeine Verbreitung der elektrolytischen Vergoldung Sieg über die Feuervergoldung nennen wollen) weil diese bequemer, billiger und schneller auszuführen ist – sie bedeutet einen technischen Fortschritt.

Deshalb gerade, weil die elektrolytische Vergoldung überall Eingang gefunden hat und das Häuflein derer, die die Feuervergoldung noch ausführen. sehrsehr klein wurde, ist die Feuervergoldung eine bereits sterbende Sache, und dieserhalb ein gesetzliches Verbot zu verlangen, zeugt davon, daß einzelne Fachgenossen Gespenster sehen, wo keine sind oder aber auch, wie so viele andere das krankhafte Bedürfnis haben, die Menschheit mit zweifelhaften Gesetzen zu beglücken.

Geistig unreife Menschen sind je un reifer, desto fanatischer Natürlich, wer geistig durchgearbeitet ist, kann kein Fanatiker sein, dazu gehört immer eine gewisse Beschränktheit. Bismarck.

Ermittelung des Kosten- und des Verkaufspreises der Waren.

Nach einem Aufsatz des Gewerbelehrers H. Mutz, Pforzheim, in der „Badischen Gewerbe-Zeitung“

für die „Deutsche Goldschmiede-Zeitung“ bearbeitet von Carl Faas, Pforzheim.

II. Teil. Mit der Aufstellung des Betriebskapitals haben wir die Grund- Buch. Die jährlich bei der Inventuraufnahme abzuschreibenden Belage für die Berechnung der jährlichen Geschäftsunkosten.

träge müssen jedoch bereit gestellt werden, damit man seinerzeit, Geschäftsunkosten sind:

wenn es notwendig werden wird, die Einrichtung zu erneuern, sich 1. die Verzinsung des Betriebskapitals. Warum diese zu den neue praktische Werkzeuge anschaffen kann. Es ist jedoch nicht Unkosten gehört, habe ich im ersten Teil auseinandergesetzt. gesagt, daß diese Beträge im Kasten bereit liegen oder auf die 2. die Abschreibung oder Amortisation.

Sparkasse getragen werden müssen; das Geld kann ruhig im GeDie ganze Geschäftseinrichtung, Maschinen, Ladeneinrichtung, schäft nutzbringend angelegt bleiben, nur darf es nicht als verWerkzeuge etc. etc. nützen sich ab und müssen deshalb innerhalb dientes Geld, sondern als ein uns einstweilen überlassener Betrag,

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einer gewissen Zeit abgeschrieben werden. Die Abnützung der einzelnen Teile erfolgt aber in sehr ungleichmäßigem Grade. Wollte man deshalb ganz genau rechnen, so müßte man von jedem einzelnen Stück, einen der mutmaßlichen Zeitdauer desselben entsprechenden Teilbetrag von dessen Wert hier einsetzen. Das wäre einesteils sehr zeitraubend und wäre andernteils nicht zuverlässig, weil die Dauer meist nur schätzungsweise ermittelt werden könnte und überdies sehr davon abhängig ist, wie das einzelne Stück vom Personal behandelt wird oder sonstigen Zufälligkeiten ausgesetzt ist. Die Geschäftseinrichtung soll möglichst schnell abgeschrieben werden und sollte in den Büchern nur zu dem Wert verzeichnet stehen, der bei einem etwaigen Verkauf dafür erlöst werden kann. Man rechnet im Allgemeinen für Abnützung einen durchschnittlichen Satz von 8-10% vom ursprünglichen Wert der gesamten Geschäftseinrichtung und ist alsdann durch dieses Verfahren in 10—12 Jahren die Einrichtung ganz abgeschrieben. Sie steht dann mit Null im

angesehen werden, der im gegebenen Fall zur Erneuerung der Geschäftseinrichtung verwendet werden soll.

3. Zu den Unkosten kommen auch die Reparaturkosten, die wir zur Instandhaltung unserer Einrichtung aufbringen.

4. Lokalmiete.

5. Versicherungen. Die Beträge, die jährlich als Krankenkassen-. Unfallversicherung, Invaliditäts- und Altersversicherung, Feuerversicherung, Haftpflicht und Transportversicherungen aus der Geschäftskasse bezahlt werden müssen, gehören zu den Unkosten.

6. Steuern uud Umlagen die das Geschäft betreffen, nicht jedoch solche, die der Geschäftsinhaber von seinem Einkommen zu bezahlen hat. Diese muß er wie jeder andere, der kein Geschäft hat, vom Verdienst bezahlen.

7. Aufsicht und Verwaltung.

Der kleinere Geschäftsinhaber muß in der Werkstatt selbst mitarbeiten und verdient dabei seinen Lohn wie der Arbeiter auch.

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