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44a. 223104. Knopf mit radial geschlitzter, zum Einschrauben in das Knopfloch geeigneter Fußplatte. Rudolf Buschmann, Wetter a. Ruhr. 2. 4. 04. B. 24628.

44a. 223434. Diebessicherer Uhrhaken. Christian Schwalb, Friesdorf. 27. 2. 04. Sch. 18 128.

44 a. 223648. Wäscheknopf ohne Metalleinlage. Frau Bertha Kirchhoff, Barmen, Arnoldstraße 12. 14. 3. 04. K. 21 190.

44 a. 223795. Armstulpenknopf mit Klappfüßen an einem gekrümmten Steg und mit Sperrfedern für die Klappfüße. Fa. Robert Erlemann, Bergedorf. 5. 4. 04. E. 7041.

44 a. 223802. Haarnadel, deren zwei S-förmig gebogene Arme sich an zwei oder mehr Stellen kreuzen und an diesen Stellen federnd zusammengehalten werden. Emanuel Moor, Ouchy; Vertr.: Hermann Neuendorf, Pat.-Anw., Berlin 0. 17. 7. 4. 04. M. 17079.

Bekanntmachungen des Verbandes Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede.

Aus dem Protokoll der Vorstandssitzung des Verbandes

am 25. April 1904 in der Geschäftsstelle Oranienstraße 143.
Anwesend sind die Herren Fischer, Müller, Menzel.
Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung um 10 Uhr.

Folgende Anträge auf Anschluß an den Verband sind eingegangen: Von dem Juwelier Herrn B. Fischer, Neustadt, Bad. Schwarzwald.

Paul Ehrhardt, Mügeln, Bez. Dresden.
Clemens Schultheiß, Sebnits i. S.
Hermann Stribel, Nürtingen a. N.
H. Hinrichs Nachf., A. Bardewyk, Emden.

E. Laasner, Marienburg, Westpr. Die Herren Fischer, Stribel und H. Hinrichs Nachf. werden ihren entsprechenden Landesvereinigungen überwiesen.

Ausgetreten ist Herr Alfred Mees, St. Johann i. S. als Einzelmitglied.

Der Vorsitzende teilt noch mit, daß die Mitgliedskarten mit dem Namen der ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder nicht mehr Verwendung finden können. Er meint, daß diese Gelegenheit uns veranlassen sollte, für die Folge die Unterschrift eigenhändig von den Vorstandsmitgliedern zu leisten; dann würde der Vorstand in der Lage sein, jedem neuen Mitglied sofort nach Aufnahme die Mitgliedskarte zuzusenden. Es treffen fortwährend Beschwerden darüber ein, daß die Mitgliedskarten nicht geliefert würden. Diese Klagen sind berechtigt, doch trifft das Verschulden die Druckerei, die unglaublich saumselig verfährt.

Es wird beschlossen: Die Eintragung der Namen in die Mitgliedskarten handschriftlich zu machen. Der Beschluß der vorigen Sitzung in dieser Angelegenheit wird aufgehoben.

Der Vorsitzende teilt ferner mit, daß er am 13. April im Kaiserlichen Aufsichtsamt eine Konferenz in Angelegenheit Feuerschutzkasse hatte, in welcher mit dem betreffenden Dezernenten verabredet ist, daß dem Verband stattgegeben wird, die Satzung und die Allgemeinen Versicherungsbedingungen in je fünf Exemplaren zur Prüfung einzusenden, ohne daß vorher eine Gründung des Vereins stattgefunden hat.

Die Grundbedingungen der Satzung wurden mit dem betreffenden Herrn Dezernenten durchgesprochen und ist dieselbe bezüglich des Gründungsfonds noch dahin abgeändert, daß die Anteilscheine anstatt auf 500, 400, 300, 200 und 100 Mark alle auf 100 Mark lauten sollen.

Nach wie vor wird als wichtig erachtet, ein umfangreiches statistisches Material über die Feuersgefahr in unserem Gewerbe zu erbringen. Dieses könne später eingereicht werden. An der Vervollständigung wird gearbeitet.

Ferner liegt ein Antrag vor von dem Polizeiwachtmeister Peter Rehling aus Fürth, welcher den Uhrmacher Johann KorbacherFürth wegen Hausierens mit Gold- und Silberwaren zur Anzeige gebracht hat.

Außerdem eine Zuschrift der Polizeiverwaltung in Lauban, wonach der Polizeisergeant Jakob den Handelsmann Schramm wegen Hausierens mit Uhren und Goldsachen zur Anzeige brachte, Bestrafung jedoch nicht erfolgt ist.

Dann ging ein Antrag ein von dem Gendarm Albert Nolte, Isselburg, wonach der Hausierer Jakob Plattner aus Köln mit 96 Mk. bestraft wurde und die Hausierer Boze Madeinič und Boze Somy a aus Oesterreich mit je 5 Mark.

Dem ersten und dritten Antrag wird stattgegeben; der zweite Antrag aus Lauban wird abgelehnt, weil eine Bestrafung nicht vorliegt, also ein Beweis für das Hausieren nicht erbracht ist.

Der Vorsitzende legt das aus Danzig eingegangene Erkenntnis vor, wonach der Kläger, welcher gegen den Kollegen S. eine Klage wegen eines angeblich mangelhaft abgegebenen Gutachtens angestrengt hatte, endgültig kostenpflichtig abgewiesen worden ist.

Auf das Gutachten des Verbandes ist in dem Erkenntnis Bezug genommen worden.

In Angelegenheit Besteck-Konvention ist heut von Herrn Becker ein Schreiben eingegangen, wonach die Akten sich noch bei Herrn Kommerzienrat Wilkens befinden.

Es wird ferner beschlossen, die Schriftstücke in Angelegenheit „Detaillieren der verschiedenen Silberwarenfabrikanten“ Herrn Becker zur Kenntnisnahme einzusenden.

Von dem Journal der Goldschmiedekunst“ ist ein der Redaktion zur Veröffentlichung eingegangenes „Eingesandt“ zur Begutachtung zugeschickt worden. Der Vorsitzende erklärt dazu, daß er der Redaktion geschrieben habe, daß die Veröffentlichung zurzeit nur schaden könne. Wenn auf zwei Verbandstagen eine Angelegenheit einstimmig beschlossen wurde, so kann doch der Einzelne die Beschlüsse nicht in Frage stellen.

Der Teil, welcher das Detaillieren der Fabrikanten und Grossisten betrifft, soll veröffentlicht werden.

Bezüglich des Detaillierens der Lehrer an den Kunstgewerbeschulen sind dem Verband die neuen Dienstanweisungen des Kultusministeriums für Direktoren und des Lehrpersonals zugeschickt. Daraus geht hervor, daß die Direktoren für Privatarbeiten die Genehmigung des Regierungspräsidenten, die Lehrer hingegen die Genehmigung des Direktors der betreffenden Schule nachzusuchen haben.

Es kommt aber noch hinzu, daß die Bestimmungen klar sagen: „Ohne weiteres gestattet sind Nebenarbeiten geringeren Umfanges, vorausgesetzt, daß sie das Interesse der Anstalt nicht beeinträchtigen“.

Der Vorsitzende schlägt vor, gegen diese Bestimmungen bei dem Herrn Minister für Handel und Gewerbe Beschwerde zu erheben, und zwar deswegen, weil sie gegen unsere seiner Zeit geführte Beschwerde verstoßen.

Von der Bremer Silberwarenfabrik Hüneke & Co. ist die Mitteilung eingegangen, daß sie beabsichtige, für Besteckmuster ein Preisausschreiben zu arrangieren. Die Idee ist, die Bedingungen für dieses Preisausschreiben in der „Deutschen Goldschmiede-Zeitung“ sowie im Journal der Goldschmiedekunst“ und vielleicht noch einem oder zwei anderen passenden Blättern zu annoncieren. Als Preisrichter sollen vom Verband eine Anzahl, etwa fünf bis zehn deutsche luweliere vorgeschlagen werden.

Der Vorstand lehnt die Beteiligung an dieser Sache ab, weil sie lediglich ein Interesse der Firma betrifft.

Aus Danzig ist die Mitteilung eingegangen, daß bei drei Juwelieren die Brillantwage nebst Gewichten beschlagnahmt ist. Die Herren sind um eingehenden Bericht gebeten.

Bezüglich der Uhrmacher, die sich als Goldarbeiter bezeichnen, ist sämtlichen Anträgen stattgegeben und in jedem Fall zunächst Einigung in gütlicher Weise versucht worden. Dadurch sind elf Anträge erledigt.

Gegen 30 Uhrmacher schweben noch die Verhandlungen. Der Vorsitzende schlägt vor, in den Fällen, in welchen eine Einigung nicht zu erzielen ist, den betreffenden Antragstellern anheimzugeben, eine einstweilige Verfügung gegen die betreffenden Uhrmacher, die sich Goldarbeiter nennen, bei dem zuständigen Amtsgericht zu beantragen.

Von der Vereinigung der Juweliere, Gold- und Silberschmiede im Stadt- und Landkreis Frankfurt a. M. und Obertaunuskreis ist eine Anzahl von Inseraten der Firma Schürmann resp. Paul Tübben eingegangen; ebenfalls von Herrn Tübben dieselben Inserate und eine Beschwerdeschrift.

Der Vorstand nimmt Kenntnis davon und beschließt in Erwägung, daß es sich bei dem Streit um eine Angelegenheit rein lokaler Art handelt, grundsätzlich jede Einmischung abzulehnen, weil dadurch der Friede im Verband gestört werden kann. Der Vorstand des Verbandes ist nicht etwa als eine höhere, den Vereinsvorständen übergeordnete Instanz aufzufassen, sondern als eine notwendige Zentralstelle und als ein Bindeglied zwischen den Vereinen, um die Arbeiten von allgemeinem Interesse der Vereine und Einzelmitglieder auszuführen.

In diesem Sinne soll den Beteiligten geschrieben werden.

Das Mobiliar des Verbandes in Höhe von 2100 Mark wurde bei der Gothaer Feuerversicherungsbank versichert, womit sich der Vor

ollen

Aus Karlsruhe ist anonym die „Badische Landeszeitung“ eingesandt, in welcher in einem Artikel zur Frage des Goldwarenstempels Propaganda gemacht wird gegen das 338,000 teilig gestempelte Gold, und zwar derart, daß nur 585 er als giltig anerkannt werden soll.

Der Vorstand nimmt Kenntnis davon und lehnt eine Unterstützung dieser Bestrebungen gemäß einem Beschlusse einer früheren Ausschußsitzung ab.

Der Vorsitzende teilt mit, daß die Abmeldung des Herrn Dr. Schröder und Herrn O. M. Werner bei Gericht zurzeit nicht erfolgen kann, weil Herr Dirks sich auf Reisen befindet. Er hat deshalb um Stundung beim Gericht nachgesucht.

Bei dieser Veranlassung seien ihm übrigens Bedenken gekommen, ob es zulässig ist, daß in diesem Jahr ein Verbandstag nicht abgehalten wird. Wenn auch ein Generalversammlungsbeschluß vorliegt, so kommen aber doch in erster Linie die Bestimmungen der Satzungen in Frage, und habe er deshalb mit dem Rechtsanwalt Rücksprache genommen, welcher genaue Auskunft darüber geben wird. Er halte es außerdem für notwendig, daß bei dem Amtsgericht selbst noch wegen des Verbandstages direkt angefragt wird und sollte es sich auf Grund der Satzungen für notwendig herausstellen, daß ein Verbandstag im August abgehalten werden muß, so schlage er einen sogenannten trockenen Verbandstag vor, also ohne jede besondere Feierlichkeit, die mit Geldkosten verknüpft ist.

Der Vorsitzende teilt mit, daß die Neuerung, die Protokollabschriften den Vereinen unverkürzt zugehen zu lassen, großen Beifall gefunden hat, wie aus verschiedenen Schriftstücken von den Vorständen der Vereine hervorgeht.

Leider sei bei der letzten Protokollbekanntgabe ein großes Versehen vorgekommen, indem eine Bemerkung wegen ständiger Mitglieder mit zum Abdruck gelangt sei, deren Veröffentlichung keineswegs beabsichtigt wurde. Der Vorsitzende bedauert, daß bei der Korrektur die Streichung der Stelle seiner Aufmerksamkeit entging, und sichert für die Folge strengste Prüfung der Protokolle zu.

Was die Entgegnung der Firma Bündert & Lettré auf das Protokoll des Vorstandes anbelangt, wird aus den Akten festgestellt, daß Herr Fritz Staehr früher in Wien ein Teppich-Reinigungsinstitut hatte und zurzeit in Berlin ein gleiches Unternehmen leitet, weder in seinem Hause noch im Adreßbuch als Kommissionär sich bezeichnet. In einem Schreiben der Firma B. & L. vom 9. März d. J. gibt die Firma selbst zu: „Wir vermuten, daß wir selbst hinters Licht geführt worden sind.“ Jedenfalls hatte der Vorstand die Ueberzeugung, daß es erforderlich sei, die Firma höflich zu ersuchen, die Geschäftsbeziehungen zu dem genannten Herrn aufzugeben, weil derselbe eine Legitimation als Kommissionär beizubringen nicht in der Lage ist.

Herr Müller überreicht ein Gutachten über eine vom Bund der Industriellen zugestellte Denkschrift über Geschäftsverkehr mit dem Orient, woraus hervorgeht, daß die Ansprüche an Schönheit der Ausführung und Qualität der Steine bei den Orientalen sehr wenig entwickelt sind, mindestens nicht auf der Stufe neuer europäischer Anforderungen stehen. Für Steine wird der indische Schliff vollauf genügen, wenigstens waren die Stücke, die er in Pforzheim für Persien anfertigen sah, mit derartigen Steinen gefaßt.

Arbeitslohn in Europa mit seinen Bedürfnissen steht natürlich in keinem Verhältnis mit dem des Orients, es könnte nur maschinelle Herstellung ausgleichend wirken. Der Orientale verlangt aber großen Metallwert, was bei gepreßten Waren wieder nicht zu erzielen ist oder doch nur schwer.

Im übrigen ist das Rundschreiben des Ministeriums nur für die Fabrikanten von Interesse.

Schließlich kommt noch zur Kenntnis die Berichtigung, welche die „Woche“ auf den Artikel über Diamanten in Heft 10 auf Grund einer von Herrn Fischer geschriebenen Preisaufstellung brachte. In dieser Berichtigung wird wiederum auf eigene Faust ein willkürlicher Preis aufgestellt, dessen Richtigstellung nochmals veranlaßt werden muß. Schluß der Sitzung 2 Uhr.

gez. Fischer. gez. Oskar Müller.

Bekanntmachung. „Eine einstweilige Verfügung gegen einen Uhrmacher. der sich als Goldarbeiter bezeichnet, nebst Begründung.“

Beschluß vom 3. Dezember 1903. In Sachen gegen den Uhrmacher K. in H. wird dem Antragsgegner Kraft einstweiliger Verfügung bei Vermeidung einer Geldstrafe bis zu 1500 Mk. oder einer Haftstrafe bis zu 6 Monaten für jeden Fall der Zuwiderhandlung untersagt, sich bis zur endgültigen Entscheidung des zwischen den Parteien bestehenden streitigen Rechtsverhältnisses in öffentlichen Bekanntmachungen oder Mitteilungen, die für einen größeren Kreis von Personen bestimmt sind, die Bezeichnung als „Goldschmied," „Goldarbeiter,“ „Juwelier“ oder eine ähnliche Bezeichnung, die darauf schließen läßt, daß er das Goldschmiedehandwerk berufsmäßig erlernt habe, beizulegen. Die Kosten dieser einstweiligen Verfügung hat der Antragsteller zu tragen.

Gründe: Der Antragsteller, der gelernter Goldschmied und Juwelier ist, hat geltend gemacht, daß der Antragsgegner sich, - wie alljährlich um die Weinachtszeit, so auch gegenwärtig wieder – beim Annoncieren die Bezeichnung „Goldschmied“ beilege. Zur Führung dieses Titels sei der Antragsgegner nicht berechtigt, da er das Goldschmiedehandwerk berufsmäßig nicht erlernt habe, sondern nur gelernter Uhrmacher sei. Durch Bedienung dieser ihm nicht zukommenden Bezeichnung mache der Antragsgegner sich des unlauteren Wettbewerbes schuldig: er mache in öffentlichen Bekanntmachungen eine unrichtige Angabe über geschäftliche Verhältnisse, diese Angabe sei geeignet, den Anschein eines besonders günstigen Angebots hervorzurufen, denn das Publikum, das unter einem Goldschmiede einen im Goldschmiedehandwerk ausgebildeten Fachmann verstehe, werde dadurch zu der irrigen Ansicht verleitet, daß es in dem Antragsgegner mit einem Manne zu tun habe, der nicht nur soviel wie der Uhrmacher von Gold- und Silbersachen verstehe, sondern auch noch das besondere Verständnis und die Fertigkeit eines Goldschmiedes besitze. Dieser Irrtum erzeuge in dem Publikum weiterhin den falschen Glauben, es werde und könne beim Antragsgegner als Fachmann besser und preiswerter kaufen als bei einem lediglich mit dem Vertriebe von Goldarbeitersachen befaßten Uhrmacher, und es bewirke daher Einkäufe bei dem Antragsgegner, die bei Kenntnis der wahren Sachlage ihm selbst zugute kommen würden.

Aus alledem folge, daß er durch das unlautere Verhalten des Antragsgegners erheblich in seinem Geschäftsbetriebe geschädigt werde.

Auf Grund dieser Behauptungen hat der Antragsteller unter Erbieten zur Sicherheitsleistung beantragt, durch einstweilige Verfügung dem Antragsgegner aufzugeben, sich künftig nicht mehr des Titels „Goldschmied“ oder einer ähnlichen Bezeichnung zu bedienen.

Die Richtigkeit der Behauptungen des Antragstellers ist erwiesen worden durch Uberreichung zweier Exemplare des H. Anzeigers vom 13. Dezember 1902 und 3. Dezember 1903, worin der Antragsgegner sich u. a. die Bezeichnung „Goldschmied“ beigelegt hat, sowie durch das Zugeständnis des Antragsgegners, daß er berufsmäßig nur daß Uhrmacherhandwerk erlernt habe.

Nach alledem und da das unterzeichnete Amtsgericht der Hauptsache ist, war auf Grund von § 940 C. P. O. in Verbindung mit $ $ 1, 3, 4 des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes vom 27. Mai 1896 dem Antrage zu entsprechen. Die Kostenentscheidung stützt sich auf § 89 G. K. G.

Königl. Amtsgericht H.

gez. Dr. Sch.
Berlin, den 6. Mai 1904.
Verband Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede
Berlin S., Oranienstraße 143.

Fischer.

Nachdruck aus dem Inhalt vorliegender Zeitung ist nur mit Erlaubnis der Redaktion und unter genauer Quellenangabe gestattet

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Hierzu eine Beilage: Wöchentlicher Arbeitsnachweis No. 21.

Amtliches Organ des Verbandes Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede
des Vereins der Juweliere, Bold: und Silberschmiede von Rheinland und Westfalen, des Vereins' der
Juweliere, Bold- und Silberschmiede Württembergs, der freien Vereinigung des Gold- und Silberwaren-
Bewerbes für Berlin und den Reg.-Bezirk Potsdam, des Vereins der Juweliere, Gold- und Silberschmiede
des Großherzogtums Baden, der Goldschmiede - Werkgenossenschaft Berlin, der Kölner Juwelier - Vereinigung,
der Freien Vereinigung der Juweliere, Gold- und Silberschmiede des Reg.-Bezirks Stettin, der Goldschmiede-
Innung Schwerin, der freien Vereinigung der Gold- und Silberschmiede zu Görlitz, des Kreditoren-Vereins
für die Gold-, Silberwaren- und Uhren-Industrie Pforzheim, der Kunstgewerbe-Vereine Hanau und Pforzheim,

vodovodovou des Bewerbemuseums Gmünd, der Zentralstelle Schmuck und Mode Bo o ts Begründet und berausgegeben von Wilhelm Diebener, Leipzig 21, Schützenstr. 15

. Für den kunstgewerblichen Teil: R. Rücklin, Pforzheim - Für den volkswirtschaftlichen Teil:

C. Syndikus herm. Pilz, Leipzig No. 23 – VII. Jahrgang Erscheint jeden Freitag Leipzig, 3. Juni 1904

Aus der Werkstatt – für die Werkstatt!

Aus unseren Redaktions-Konferenzen.

Im Kampfe des wirtschaftlichen Lebens steht immer der

Schwindel-Ausverkauf im Mittelpunkte. Der Münchner Schutzverein für Handel und Gewerbe erließ eine Warnung vor unreellen Ausverkäufen, in welcher es heißt, daß sich in letzter Zeit die unreellen Ausverkäufe wieder in ganz auffallender Weise häufen und beinahe täglich Klagen einlaufen. Waren aus dem Schaufenster wurden in München dabei wiederholt verweigert, und weder die Polizeibehörde noch die Staatsanwaltschaft griff ein. Wir haben in gleicher Weise Goldschmieden „Warnungen" für ihre Lokalpresse aufgesetzt und sind auch in Zukunft gern bereit, diese Selbsthilfe den Schwindel-Ausverkäufen gegenüber durch unentgeltliche Ausarbeitung von Warnungen und Anzeigen zu unterstützen. Die Handelskammer in Mühlheim a. d. Ruhr hat sich kürzlich ebenfalls wieder eingehend mit der Bekämpfung des Ausverkaufsunfuges beschäftigt. Sie verlangt die Genehmigung des Ausverkaufes nach Anhörung einer Kommission von Sachverständigen aus dem Kaufmannstande, Beschränkung des Ausverkaufes auf eine vollständige Geschäftsaufgabe, Lokalwechsel, Saisonwechsel oder vollständige Aufgabe einer bestimmten Warengattung, ferner die Festsetzung der Dauer der Ausverkäufe (6 Monate), eine besondere Abgabe für dieselben, Verbot des Nachschubes von Waren und irreführender Reklamen und Überwachung des Ausverkaufs. Auch soll innerhalb von 12 Monaten nur zweimal ein Ausverkauf gestattet werden. Das dürfte alles recht wohl zu einer Gesundung der Verhältnisse beitragen, während die weitere Forderung, daß bei Ausverkauf wegen Geschäftsaufgabe der Inhaber und seine Angehörigen innerhalb zweier Jahre kein gleiches Geschäft am selben Platze eröffnen dürfen, wenn nicht die Geschäftsaufgabe aus zwingenden Gründen erfolgt ist, doch zu weit in die persönliche Rechtssphäre des einzelnen eingreift. Daß die Kammer nur dem Konkursverwalter das Recht einräumen will, einen „Konkursausverkauf“ zu annoncieren, billigen wir. Über Das Nachschieben von Waren bei Konkursausverkäufen hat sich die Handelskammer zu Dortmund in ihrem letzten Jahresbericht dahin geäußert, daß bei solchen Ausverkäufen Warenbestände „so billig abgegeben werden, daß der intelligenteste Geschäftsmann, auch wenn er sein Geschäft mit dem größten Fleiß, Umsicht und dem allerbescheidensten Nutzen betreibt, niemals in der Lage sein wird. mit solchen Ausverkäufen den Wettbewerb aufnehmen zu können“. Die Kammer hat sich zwar nicht für das gänzliche Verbot des Nachschubs von Waren ausgesprochen, da hierdurch die ohnehin geschädigten Gläubiger noch mehr benachteiligt würden, wohl aber für eine strenge Kontrolle darüber, daß die Nachschübe nicht dazu dienen, den Ausverkauf ins ungewisse zu verlängern. Die Einsetzung von Ausverkaufskontrolleuren, die ebenfalls mehrfach in Vorschlag gebracht wurde, ist von der Halberstädter Handelskammer bekämpft worden, da diese Einrichtung nur zu Belästigungen auch der soliden Ausverkäufer führen könne,

Wiederholt haben Goldschmiede an uns die Frage gerichtet, innerhalb welcher Frist Gold- und Silbergeräte, die man zur Ansicht bestellt habe, zurückschicken könne. Die

Zurücksendung von Gold- und Silberwaren die nicht festbestellt sind, muß in angemessener Frist erfolgen, wenn sie der Kunde nicht behalten will. In einer Anfrage an uns handelte es sich darum, daß die Sachen elf Tage im Besitz des Käufers waren, als er sie dem Goldschmied zurücksandte, der sie nicht wieder nehmen wollte. Da es sich um einen Goldschmied aus Schlesien handelte, verwiesen wir ihn auf ein Gutachten der Handelskammer zu Graudenz vom 4. November 1902, in dem es unter anderem heißt: „Es ist im Handel mit Gold- und Silbergeräten allgemein üblich, daß man bestellte Waren, die man nicht zu behalten wünscht, sofort, d. h. spätestens binnen 3 Tagen, zurücksendet. Andernfalls betrachtet der Verkäufer die Waren als verkaufte. Eine Frist von neun Tagen erscheint uns als zu lang bemessen, als daß der Käufer die von ihm bestellte Waren noch an den Goldschmied zurückschicken könnte. Auf dieses Gutachten mögen sich die Goldschmiede nur immer mit beziehen,

Die Zuversicht der deutschen Geschäftskreise, daß der Protest gegen das

Verhängen der Schaufenster an Sonntagen endlich von Erfolg sein würde, ist wiederum bitter getäuscht worden. Die von unserer Redaktion über die verschiedenen bestehenden Gesetzesvorschriften gegebene Übersicht, welche in viele andere Blätter, die zum Teil allerdings so charaktervoll waren, die „Quelle" zu verschweigen, übergegangen ist, hat gezeigt, daß das Blenden der Schaufenster keineswegs überall eingeführt ist, also auch von einem „dringenden Bedürfnis“ nicht die Rede sein kann. Trotzdem hat sich auch der Oberpräsident von Brandenburg, v. Bethmann-Hollweg, zu der Erkenntnis nicht bewegen lassen, daß dieses „Blendwerk“ den Handel belästigt, er hat es vielmehr als ausschlaggebend bezeichnet, daß die Aufhebung der Maßnahme die Sonntagsruhe beeinträchtigen würde, da sich die Geschäftsinhaber oder ihre Angehörigen doch zur Bewachung im Laden aufhalten müßten. Man sieht, wie wenig oft die Hüter des Gesetzes über den praktischen Geschäftsverkehr orientiert sind. Es fällt den Geschäftsinhabern an den Plätzen, wo das Verhängen nicht eingeführt ist, gar nicht ein, den Laden zu bewachen, oder ihre Angestellten darin zu postieren. Die Bewachung besorgt das Publikum. Wenn die deutschen Goldschmiede, die von der Maßregel betroffen werden, und deren Schaufenster doch die kostbarsten Auslagen haben, für Aufhebung sind, so brauchte sich der Herr Oberpräsident wahrlich keine Kopfschmerzen wegen der Sicherheit der Schaufenster zu machen. Und wird diese etwa größer, wenn ein Stück graue Leinwand zum Blenden vor das Schaufenster gespannt wird? In verschiedenen Blättern finden sich jetzt Inserate, in denen

„Höchste Preise für Juwelen, Gold- und Silberwaren" angeboten werden. Wir haben diese Inserate zurückgewiesen, weil wir leider in Erfahrung bringen mußten, daß hinter diesen verlockenden Anerbietungen nicht immer eine reelle Sache steckt. Haben wir doch in einem Fall selbst die Staatsanwaltschaft wieder auf den Inserenten aufmerksam machen müssen. Der Betrug führt eben immer eine große Sprache. Auch Michael Wendl, der Schmied aus München, der Ringe, Uhren, Ketten usw. aus Weißmetall mit den Stempeln 800 und 588 versah und sie als „echt“ verkaufte, führte sie. Er büßt den Handel mit seinen „präparierten Gold- und Silberwaren“ jetzt hinter „schwedischen Gardinen“. Das Interessanteste ist, daß Die städtischen Leihanstalten Abnehmer der gefälschten

Goldsachen waren, und die „Goldschätzer" derselben nicht erkannten, mit was

derselben nicht erkannten, mit was für Schund sie es zu tun hatten.

• In der zweiten Kammer des Badischen Landtages hat

der Neubau der Pforzheimer Kunstgewerbeschule zur Beratung gestanden. Den hohen Wert der Kunstgewerbeschule

in künstlerischer wie wirtschaftlicher Hinsicht hob der Abgeordnete Wittum in einer glänzenden Rede hervor. Ihm schlossen sich die Abgeordneten Schneider, Greiff, Gießler, Eichhorn, Dr. Wilkens, Kopf usw. an, doch wurden auch verschiedene Bedenken laut, auf die wir hier nicht näher eingehen wollen. Der gestellte Antrag wurde deshalb zunächst zurückgezogen, in der Erwartung, daß die Großherzogliche Regierung den Wünschen des Landes bemüht sein wird, Rechnung zu tragen. Wir bedauern die eintretende Verzögerung, denn es handelt sich hier nicht um ein lokales Interesse, sondern um ein solches für ganz Deutschland und seine FeinmetallIndustrie. Der

Streik der Diamantschleifer im Amsterdam und Antwerpen dauert noch unentwegt fort. Aus Amsterdam wird gemeldet, daß in Haarlem eine Diamantschleiferei mit 36 Mühlen zu Verbandsbedingungen eröffnet wurde, in der etwa 120 Ausgesperrte eingestellt wurden. In Antwerpen beschlossen 1600 Diamantarbeiter, den Streik fortzusetzen. Nach dem ganzen Eindruck, den wir fortgesetzt von der Sachlage gewinnen, scheint auf Seiten der Arbeitgeber jetzt eine unberechtigte Starrköpfigkeit vorzuwalten.

Die Festtage der Akademischen Verbindung „Cellini“

zu Hanau a. M. Pfingsten 1904.

Treue dem Freunde – Silberwarenfabrikant Begeer aus Utrecht u. a. m. Ein lieblicher
Liebe zur Kunst!

Damenflor vervollständigte das Bild in der wirkungsvollsten Weise. Unter dem Zeichen dieses Wahlspruches, den sich die A. V. Die Kapelle des Infanterie-Regiments Hessen-Homburg leitete „Cellini“ zu Hanau a. M. auf ihre Fahne gesetzt hat, standen die dortigen die Feier durch einen Choral ein, worauf Herr Hans Wilm-Berlin Pfingstfeiertage. Bereits einige Tage vor dem offiziellen Beginne vortrat und die neue Fahne, eine Stiftung der Alten Herren den Akder Feierlichkeiten trafen Jünger Cellinis getreu ihrem Versprechen tiven übergab. Die Fahne, aus einer Hanauer Kunstwerkstätte hervorin der alten Mainstadt ein, um liebgewordene Stätten wieder auf- gegangen, zeigt auf der einen Seite das „Cellini“-Verbindungswappen zusuchen, und um alte Bekanntschaften wieder zu erneuern. So kam mit den Farben Rot-Weiß-Blau, auf der anderen Seite den Kopf des es, daß bereits der Freitag Abend vor dem Feste eine Anzahl Celli- Meisters Cellini. Das Podium betrat nun Herr Akademiedirektor nisten in dem Verbandslokale „Carlsberg“ zusammenführte. Aber erst Prof. M. Wiese, die Fahnenrede haltend, die folgenden Wortlaut am Sonnabend trafen die letzten Gäste ein. Aus allen Gauen Deutsch- hatte: lands sowie aus dem Auslande, aus Petersburg, Prag, Utrecht, eilten

Es gibt keine hehrere Kunst auf Erden, die Freunde zusammen, und manche Umarmung fand beim Wiedersehen

Als daß Gold und Silber geschmiedet werden. statt. Da gleichzeitig in den Mauern Hanaus der 10. Verbandstag Im Sinne dieses alten Wahrspruches haben die Goldschmiede jetziger und ehemaliger Studierender an deutschen Kunstgewerbe- Hanaus seit Jahrhunderten gewirkt und geschafft. In diesem Sinne schulen, dem die Verbindung Cellini angehört, tagte, so kamen auch wurde 1772 diese Zeichenakademie von dem Prinzen Wilhelm, dem von sämtlichen Vereinigungen derselben Delegierte an, so von der erlauchten Mitgliede des hessischen Herrschergeschlechts, begründet „Werkstatt“ Stuttgart – Kunstgewerbeschülerverein „Schnörkel“, Ver- und in diesem Zeichen haben die Lehrer dieser Anstalt bis auf die ein jetziger und ehemaliger Studierender an der Kunstgewerbeschule jüngsten Tage gewirkt. Die edle Goldschmiedekunst galt von jeher zu Frankfurt a. M. – Kunstgewerbe-Zunft „Arche", Karlsruhe – Ver- als die vornehmste der Künste. Sie wurde von Malern und Bildeinigung der „Idealen“, Straßburg i. E. – „Ring“, Düsseldorf - Kunst hauern im Mittelalter nicht nur unterstützt durch Gefüge und Modelle, gewerbeschülerverein, Elberfeld — Ortsgruppe, Berlin.

sondern sie wurde von ihnen auch ausgeübt. Die Mitglieder der Am Sonnabend fand im Restaurant „Carlsberg“ nach Empfang Goldschmiedeinnung durften den Degen tragen, denn ihre Beschäftigung id Begrüßung der Delegierten eine kurze Sitzung zur Erledigung galt als adelig. Als die hiesige Lehranstalt in den achtziger Jahren von Vorfragen, der Kassenprüfung etc. statt, woran sich eine gemüt- von einer immer mehr wachsenden Zahl von Schülern besucht wurde, liche Kneipe in den künstlerisch ausgestatteten Verbindungslokalen und namentlich viele von diesen von auswärts kamen, entstand unter anschloß.

diesen der Wunsch, sich näher zu treten, einen Verein, eine VerDie Fahnenweihe.

bindung zu schaffen, die ihnen Gelegenheit biete, zu gegenseitiger

Freundschaft, aber auch ihre Arbeiten durch eigenen Ansporn zu Der Sonntag Vormittag war dem Feste der Fahnenweihe ge- fördern. So entstand im Jahre 1892 die Verbindung, die von der widmet. Trübe schien der Tag, aber es war, als ob Jupiter Pluvius Direktion als „akademische“ anerkannt wird. Sie feiert heute ein ein Einsehen gehabt hätte, denn gegen 10 Uhr brach die Sonne rückblickendes Fest. Als ein Zeichen innerer Befestigung wird nun durch und zeigte mit ihren Strahlen an, daß sie gewillt sei, den Ver- von den Alten Herren der Verbindung diese Fahne gestiftet werden. anstaltern des Festes hilfreich zur Seite zu stehen.

M. H.! Sie haben sich für die Verbindung den Namen Cellini geDie Fahnenweihe fand im Vestibül der Kgl. Zeichen - Akademie wählt, weil er seit Jahrhunderten das Symbol für alle künstlerischen statt. Der Präside der Aktiven, Herr F. R. Wilm-Hanau (Berlin), Herr Verbindungen der Goldschmiedekunst war. Ja, man glaubte, fast C. Begeer-Hanau (Utrecht) und Herr Schien-Hanau, erschienen jedes Stück alter Goldschmiedekunst, welches in den Museen aufin studentischer Kleidung, der das Rapier nicht fehlte, die übrigen bewahrt wurde, es sei von Cellini. Darüber haben neuere UnterCellinisten im Barett; ebenso erschienen die Studierenden der Bruder suchungen Klarheit geschafft. Aber immerhin ist noch genug von vereinigungen mit ihren Fahnen. Es entwickelte sich ein farben- seinem Leben und Wirken übriggeblieben, um ihn als einen selbst prächtiges Bild unserer vorwärtsstrebenden Jugend in ihren Ver für alle damaligen Zeiten und Anschauungen außerordentlichen bindungsabzeichen, darunter war aber auch das würdige Alter, die Menschen und Künstler hochzuhalten. Sie haben für die Verbindung Gönner der Verbindung, vertreten. Herr Professor Wiese, die die Farben gewählt, rot, weiß, blau. So weihe ich denn diese Fahne sämtlichen Lehrer, Herr Landrat von Beckerath, die Hanauer in Ihren Farben-Symbolen. Möge sie stets Ihnen das Symbol der Fabrikanten, Herr Geheimrat Professor Thode aus Heidelberg, Herr Liebe zur Kunst, die Sie pflegen und hochhalten wollen, sein. Möge

und

sie das Symbol der Reinheit in Worten und Taten sein, das Sie von allem Unreinen zurückhält. Möge sie das Symbol der Treue sein, die Sie geloben wollen ihrer Verbindung, dem deutschen Vaterlande (soweit Sie Ausländer, dem eigenen Vaterlande) und unserem Protektor aller deutschen Kunst. Allen diesen Gefühlen wollen Sie lebendigen Ausdruck geben, indem Sie rufen: Sr. Majestät unser allergnädigster Schirmherr und Herr, er lebe hoch! Die Anwesenden stimmten begeistert ein, und die Musik intonierte die Nationalhymne. Es folgte nun die Weihe der Fahne durch 10 junge Damen. Als Vertreterin derselben sprach Frl. Erna Zwernemann in ausdruckvoller Form das Fahnenlied:

Neu ist, was diese farb'ge Hülle deckt;
Alt das Gedenken, das dadurch geweckt. -
Ein Meister, den mit Recht man so genannt,
- Betrachtet nur die Werke seiner Hand. -
Ein Meister ist es, den Ihr alle kennt,
Und dessen Namen Ihr verehrend nennt.
Cellini! --- Sohn des Handwerks in der Kunst! -
In ihm vereint sich beider Eltern Gunst:
Edlen Metallen edle Formen geben,
Der Formen reichste Schönheit zu erstreben.
Dem galt sein nimmermüder Schaffensdrang,
Dem weiht' er seine Kunst sein Leben lang. -
Besponnen hat der Edelrost der Zeiten
Sein Lebenswerk, um in der Jahre Gleiten
Profanem Unverstand es fern zu halten.
An Euch nun ist's, von neuem zu entfalten
Des Kunsthandwerkes Banner und geloben
Unwandelbare Treu dem Meister droben.
Laßt falschen Ruhm nicht Euren Sinn betören;
Nur wahrer Kunst darf Euer Herz gehören,
Und laßt Euch am Geringen nie genügen.

In diesem Zeichen, Cellinis Jünger, werd' Ihr siegen! Frl. Zwernemann heftete eine von den Fahnenjungfrauen gestiftete prachtvolle Schleife an die Spitze der Fahne, worauf Herr Volk vom „Schnörkel“ einen Fahnennagel, die Verbandsvorstandschaft eine Verbandsschleife in den deutschen Farben stiftete. Herr F. R. Wilm-Hanau übernahm dann als Vorsitzender der Aktiven der Verbindung die Fahne, womit der Festakt sein Ende erreicht hatte, und die Versammelten eingeladen wurden, die in der Aula der Akademie untergebrachte Verbandsausstellung in Augenschein zu nehmen.

In den Anlagen vor der Königl. Zeichenakademie nahm die Regimentskapelle der 166 er Aufstellung, um ihre schönsten Weisen ertönen zu lassen. - Gegen 2 Uhr nachmittags fand sich eine große Anzahl der Festteilnehmer bei einem Festessen im Hotel „Adler“ zusammen, das gleichfalls den anregendsten Verlauf nahm. Während des Mahles ließ Herr H. Ehlers, Ehrenmitglied der Verbindung, in Firma Plaz & Kälber, Pforzheim, jedem der Anwesenden ein reizendes Bleistiftchen, welches in sinnvoller Weise zum Andenken

eise zum Andenken an diese Tage ausgestattet war, überreichen.

Am Nachmittage um 5 Uhr versammelten sich die Delegierten des Verbandes wiederum im Verbindungslokal, um in die Erledigung der Tagesordnung des Verbandstages einzutreten. Herr F. R. WilmHanau widmete vorerst den Erschienenen herzliche Begrüßungsworte und dankte zugleich für die der Verbindung bei der Fahnenweihe gewidmete Fahnenschleife. Der Verbandsvorsitzende, Herr Th. Walter-Frankfurt a. M., erwiderte prompt, begrüßte im Namen der Verbandsvorstandschaft zugleich Herrn Professer Wiese und die Vertreter der Presse. Eintretend in die Tagesordnung erstattete er darauf den Geschäftsbericht.

Den Kassenbericht lieferte Herr Bauer-Frankfurt a. M., worauf die Entlastung ausgesprochen wurde. Für Übernahme des Verbandstages im Jahre 1905 hatte sich „Werkstatt“ Stuttgart gemeldet, in der Hoffnung, mit dem Verbandsfest seine Gründungsfeier begehen zu können. Inzwischen Schritt die Zeit vor, und so mußte die Sitzung abgebrochen werden und wurde auf den folgenden Vormittag 9 Uhr vertagt.

Der Festkommers. Gegen 8%, Uhr nahm dann in der künstlerisch eigenartig ausgeschmückten Turnhalle der große Kommers seinen Anfang. Die Emporen des Saales waren für die Damen reserviert und dicht besetzt, wodurch die ganze Veranstaltung noch einen besonderen Reiz erhielt. Nach einem Orchestervortrag ergriff der das Präsidium schneidig führende Herr F. R. Wilm-Hanau das Wort zu der Begrüßungsansprache, indem er besonders die erschienenen Gäste, Herrn Landrat von Beckerath, den Vertreter der Kunstwissenschaft Herrn Geheimrat Prof. Dr. H. Thode, den Direktor und die Lehrer der Kgl. Zeichenakademie, den Vorsitzenden des Hanauer Kunst

gewerbevereins, die Vertreter der verschiedenen Verbandsvereine und endlich die versammelten A. H. A. H. mit herzlichen Worten willkommen hieß. Seine Rede endigte in einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den deutschen Kaiser. Herr Landrat von Beckerath brachte nun namens der Direktion der Kgl. Zeichenakademie ein Hoch auf die Verbindung „Cellini“ aus. Nachdem nun noch Herr Prof. Wiese als Ehrenmitglied der Verbindung, als welcher er auch den Verbandssitzungen in überaus eifriger Tätigkeit beigewohnt hatte, dem Verbande seine Ausführungen gewidmet hatte, ergriff Herr Prof. Dr. H. Thode das Wort, um in ca. einstündiger Rede das Wesen der deutschen Kunst allen Anwesenden nahe zu bringen.

Unter dem Schutze des Namens Richard Wagners, des deutschen Mannes, so begann er, dessen Geburtstag auf den 22. Mai falle, würden seine Ausführungen aufzubauen seien. In ihren besten Zeiten wurzelte die deutsche Kunst tief im Boden und eigensten Wesen ihres Landes, und selbst wenn sie fremde Einflüsse aufnahm, wurden diese aufgesogen und dem Deutschen in der Kunst untergeordnet. Die moderne Richtung in Deutschland ist davon abgewichen; wiederum von Frankreich, wie schon so oft, kam die Lehre eines neuen Stils. Wir haben ihn übernommen, aber nicht umgebildet gemäß dem Wesen unserer Kunst, sondern wir haben dieses verleugnet, blind und unter Aufgabe unserer eigenen Art sind wir dem Fremdling gefolgt. Daher so oft das Unverstandene, das Unnatürliche in der deutschen Moderne. Die neue Richtung und ihre Aufnahme in Deutschland habe aber außerdem sehr unerfreuliche Nebenerscheinungen gehabt, indem sie, namentlich von ihren eigenen Jüngern weit in ihrem Werte überschätzt wurde und den einzelnen so wenig allgemeine Kunstgesetze auferlegte, daß jeder etwas ganz besonderes zu schaffen glaubte, wenn es nur zu dem Hergebrachten in möglichst schroffem Widerspruch stand. Dieses „Individuellseinwollen“ um jeden Preis ist ein ernster Schaden für jede gedeihliche künstlerische Entwicklung. Gänzlich entgegen dem Wesen unserer deutschen Kunst zur Zeit ihrer höchsten Blüte ist ferner die Behandlung der deutschen Frau in der neuen Richtung. Es ist edle germanische Stammesart, die Frau zu ehren; unsere heutige Kunst zieht sie in den Staub, so daß wir uns schämen müssen, die modernen illustrierten Zeitschriften unseren Frauen in die Hände zu geben. Und doch blickt schon ein Stern durch diesen bewölkten Himmel der neuen deutschen Kunst, wir dürfen hoffen, daß das Fremde abgestreift wird, und wir wieder zu uns selbst zurückkehren. Besonders wohltuend hat Professor Thode jenen Weg beschritten gesehen in den ausgestellten Schülerarbeiten der Zeichenakademie; sie erfüllen das Grundprinzip deutscher Kunst: das Sichversenken in die Natur, in die deutsche Natur, die für uns stets die Quelle der Kunst sein muß, die in ungetrübter Reinheit uns stets wieder labt und uns fernhält von allem, was unserem deutschen Wesen und unserer deutschen Kunst fremdartig ist. — Nichtendenwollender Beifall folgte den trefflichen Ausführungen. Der Präside Herr F. R. Wilm überreichte dem geschätzten Redner unter tiefgefühlten Dankesworten eine zur Erinnerung an das Cellinifest angefertigte Plakette, und zwar die einzige in Silber geschlagene, welche auf der einen Seite den Kopf Cellinis zeigt, während die andere Seite eine allegorische Darstellung des Festes zur Schau trägt.

Sodann wurden zwei Männer, die sich um das Kunsthandwerk große Verdienste erworben haben, unter Überreichung von Diplomen zu Ehrenmitgliedern ernannt. Es sind dies die Herren Prof. A. Offterdinger, Hanau und Prof. Luthmer, Frankfurt a. M.

Professor Offterdinger dankte für die Ehrung gleichfalls in längeren Ausführungen. Dann ergriff der Vorsitzende des Hanauer Kunstgewerbevereins Herr J. Steinheuer das Wort: Im Namen des Hanauer Kunstgewerbevereins rufe ich Ihnen, meine Herren, die Sie aus Nord und Süd zur Tagung Ihres Verbandes in unserer alten Goldschmiedestadt zusammen gekommen sind, ein herzliches Willkommen zu. Ich hoffe und bin sicher, daß Ihnen, meine Herren, die Sie Ihre Ausbildung für den Beruf auf unserer Zeichenakademie und in unseren Werkstätten vervollständigt haben, die Erinnerung an die hier verlebte Zeit eine angenehme und dankbare sein wird. Sie werden auch den Eindruck haben, daß man in unseren Werkstätten bestrebt ist, nach den Traditionen der ersten Goldschmiede unserer Stadt die Kunst hochzuhalten. Und daß uns dies gelungen, verdanken wir neben dem Studium in der Zeichenakademie der strengen und sorgfältigen Ausbildung des jungen Nachwuchses in der Werkstatt, wodurch stets ein Stamm Mitarbeiter herangebildet wurde, auf den wir stolz sind, und an den wir die höchsten An

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