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2. Im Interesse des Faches halten wir es deshalb für absolut

falsch, die Feuervergoldung gesetzlich verbieten zu wollen, denn die Kunst und das Handwerk muß frei sein und frei

bleiben. 3. Ein Verbot der Feuervergoldung würde auf andere Industrie

zweige einen viel größeren Einfluß ausüben, als auf die Goldschmiedekunst. Bei uns handelt es sich nicht um die Vergoldungsfrage, sondern um die Frage der Quecksilbervergiftung. Die Quecksilbervergiftungs-Frage kommt aber unter der in 1 angeführten Voraussetzung für unser

Fach nicht in Betracht. 4. Im Interesse der Arbeiter muß dagegen unbedingt gefordert

werden, daß die Feuervergoldung nur in einer solchen Weise und unter solchen Vorsichtsmaßregeln angewendet wird, daß nicht nur chronische, sondern auch akute Quecksilber - Ver

giftungen nicht vorkommen können. 5. Ob die Feuervergoldung der elektrolytischen Vergoldung oder

umgekehrt vorzuziehen sei, ist eine Frage, die nur die einzelne Person etwas angeht. Hier sprechen Erfahrungen und Ansichten mit, und es wäre ein nutzloses Beginnen, dem anderen die eigene Meinung beibringen zu wollen. Schließlich wird

diejenige Vergoldungsmethode bevorzugt werden, die bei billigster Ausführung die besten Resultate liefert.

Mit der Vertretung dieses Standpunktes hoffen wir dem Goldschmiede-Gewerbe zu nützen.

Wir wollen es frei sehen und nicht geknechtet und eingeengt durch Gesetzesparagraphen. Wir wünschen den weitgehendsten Schutz der in dem Goldschmiede - Gewerbe beschäftigten Arbeiter; wir wünschen aber auch für den Arbeitgeber Freiheit – und Freiheit soweit wie möglich, daß er den Konkurrenzkampf auch kämpfen kann. Einen großen Mangel an Einsicht würde es verraten, wollte man Gesetzesparagraphen schaffen, die dem einen nützen, dem anderen aber schaden. Wir müssen es deshalb auch entschieden von uns abweisen, daß wir in dieser Frage nur deshalb anderer Ansicht seien, um einen „Streit vom Zaune zu brechen“, wie das „Journal“ zu schreiben beliebt. Er klingt doch zu schön, der Satz im „Journal“:

„Im übrigen hat sich die Interessenvertretung des Juwelierund Goldschmiede-Gewerbes durch uns schon zu einer Zeit bewährt, als Sie, Herr Diebener, noch mit keiner Silbe an etwas ähnliches dachten ....“ Als Antwort darauf wollen wir dem Journal nur eine kurze Anekdote erzählen. Als ein im Felde ergrauter General dem großem Korsen eine Belehrung geben wollte, antwortete Napoleon: „General – der Verstand sitzt im Kopf und nicht in den grauen Haaren.“

Die Redaktion der Deutschen Goldschmiede-Zeitung.

Die Weltarbeit und ihre Ausstellung in St. Louis.

Der 1. Mai hat diesmal Weltbedeutung. Nicht etwa, weil er der Weltfeiertag der roten Internationale ist, sondern weil er der Eröffnungstag für die Ausstellung drüben über dem Wasser war, die wieder einmal die Kulturerrungenschaften des Erdkreises vor Augen führen, und ein Monument der Weltarbeit sein soll. Da wir darauf verzichten, wie der „Deutsche Uhrmacherbund“, das „Journal der Goldschmiedekunst“, die großen „Warenhäuser“ usw. eine gemein

schicken. Paris war noch nicht vergessen, auch die Lage unserer Industrie nicht derartig, daß man schon wieder neue Opfer für eine Austellung bringen wollte. Aber die Anschauungen ändern sich. Wenn man auch heute noch nicht sagen kann, daß in Deutschland eine große Begeisterung für die Teilnahme an der Weltaustellung in St. Louis herrschte, so hat man sich doch gesagt, daß es eine große Schädigung unserer Industrie- und Handelsinteressen sein würde, wenn Deutschland fehlte, und man hat alle Bedenken unterdrückt. Das Austellungsunternehmen ist gewaltig und übertrifft alle früheren. Alle Nationen der Erde, abgesehen von einigen unbedeutenden, werden sich ein Rendezvous in St. Louis geben. Das Austellungsgebäude wird allein zwei englische Meilen lang sein. Es werden 12 große Ausstellungsgebäude, 40 Staatsgebäude, fast ebensoviele fremder Regierungen und eine Anzahl kleiner Gebäude in verschiedenen Teilen des Geländes die Besucher zum Eintritt laden. Während die Pariser Ausstellung 1900 nur den Raum von 336 Acres einnahm, umfaßt die von St. Louis 1240 Acres. Wenn man durch den Haupteingang das Gelände betritt, sieht man einen Mittelhof vor sich, den die mächtigen Austellungspaläste umgrenzen. Auf dem Abhange des gegenüberliegenden Hügels wird die Aussicht durch eine stattliche Säulenhalle geschlossen, mit der imposanten Festhalle in der Mitte und flankiert von schönen Kaskaden. Diese „ Säulenhalle der Staaten symbolisiert die 14 Staaten und Territorien, die aus dem Louisianakauf gebildet wurden. Die Festhalle erhebt sich bis zu 200 Fuß. Direkt davor liegen, fächerförmig nach den Kaskaden zulaufend, die acht Hauptausstellungsgebäude. Die Kaskaden sind 1600 Fuß breit, und hinter ihnen, auf etwas höherem Niveau, erhebt sich der Palast der freien Künste. (Vergl. Bild 1.) Links von dieser Gruppe steht das Regierungsgebäude der Vereinigten Staaten, und jenseits davon erheben sich die 40 Staatengebäude. Das deutsche Haus (vergl. Bild 2) ist eine freie Nachbildung des Charlottenburger Schlosses. Dort wird sich der Reichskommissar Deutschlands, Geh. Oberregierungsrat Lewald, aufhalten. Für den sogenannten „deutschen Tag“ ist der 6. Oktober geplant, der eine großartige Kundgebung für das Deutschtum in Amerika werden soll. Man rechnet schon jetzt auf die Delegierten von 22 242 Vereinen des Landes. Auch Frankreich und England haben historische Bauten gewählt. Es mag richtig sein, was der Reichskommissar geäußert hat, daß der historische Sinn, der sich in den Bauten der alten Welt ausprägt, auf den Amerikaner einen stärkeren Eindruck machen wird, als irgend ein anderer Bau. Aber es werden fast alle Nationen, auch die Naturvölker, vertreten

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Ausstellung für Luftschiffahrt hervortreten. Auch werden die Modelle von Schwebebahnen, der Siemens & Halskeschen Hochbahn in Berlin, sowie eine Darstellung der Schnellbahnversuche in die Augen fallen, die bekanntlich in Amerika großes Aufsehen erregten. 8. Landwirtschaft. 9. Gartenbau. In dem Landwirtschaftsgebäude, einem riesenhaften Bau von 1/2 km Länge, wird Deutschland durch Vermittelung der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft alle diejenigen landwirtschaftlichen Erzeugnisse, die für den Export in Frage kommen, Wollen, Sämereien, Hopfen usw., darstellen. Aber auch dem landwirtschaftlichen Unterrichtswesen, der Nahrungsmittelbranche, der Tierzucht usw. wird die höchste Aufmerksamkeit geschenkt werden. 10. Bergbau und Hüttenwesen. 11. Fischerei und Jagd. 12. Anthropologie. 13. Sozialökonomie. 14. Körperliche Ausbildung,

und 15. Sehenswürdigkeiten. Jede Weltausstellung will AUSSTELLUNGSGEBÄUDE FÜR TRANSPORTWESEN, ILLUMINIERT, AUF DER ihre Attraktion haben. Viele derselben, die Riesenblumenuhr, WELTAUSSTELLUNG IN ST. LOUIS 1904,

die Riesenkarte der Vereinigten Staaten in lauter Pflanzen,

die historischen Gebäude usw. sind schon zur Genüge besein. Die Filipinos stellen eine Szenerie der Philippinen dar, die kannt gemacht worden. Unter den 1001 „Sensationen“ ist das Japaner erbauten Gebäude im leichten japanischen Stil, auch die größte Schnitzmesser der Welt“ zu erwähnen, für dessen Herstellung Bewohner Ceylons verpflanzten Motive ihrer Heimat nach der eine besondere Maschine konstruiert werden mußte. Die Klinge ist „Stadt der Zukunft“ usw.

80 Fuß lang und so scharf wie das schärfste Rasiermesser. Sie Die Ausstellung zerfällt in folgende 15 Abteilungen: 1. Unter- ist ausschließlich das Produkt der Yankeearbeit. Das Messer soll richtswesen. Hier wird Deutschland eine eindrucksvolle Darstellung zeigen, daß die amerikanische Messerschmiedekunst, die früher anderen der deutschen Unterrichtseinrichtungen geben. Statistische und Ländern, auch unseren Solinger Fabrikaten nachstand, jetzt keine graphische Darstellungen, Pläne, Ansichten, Modelle, instruktiv geordnete Vorlagen bilden die Hauptsache, Naturwissenschaft und Medizin werden in dem 4000 qm, besonders umfangreich, vorgeführt werden. Alle großen chemischen Werke Deutschlands haben namhafte Beiträge für die Ausstellung gespendet, die in der Form von Laboratorien gehalten ist. 2. Bildende Künste. 3. Freie Künste. Unter den bildenden Künsten hat Deutschland unzweifelhaft den bevorzugtesten Platz von 2500 qm Grundfläche, 7000 laufenden Metern Wandfläche. Im Gebäude der freien Künste steht Deutschland ein Raum von 6000 qm zur Verfügung. Hier wird die buchgewerbliche Ausstellung sicherlich wieder Bewunderung erregen. 4. Industrieerzeugnisse. (Vergl. Bild 7.) 5. Maschinenwesen. (Vergl. Bild 4.) Besonderes Interesse beansprucht hier auf der deutschen Ausstellung die Huberpresse, die von Krupp erbaut ist, ferner die Kessel von Schütte, die der MASCHINEN-AUSSTELLUNGSGEBÄUDE AUF DER WELTAUSSTELLUNG IN ST. LOUIS 1904. Vulkan erbaut hat, sowie zahlreiche Spezialmaschinen. Die bedeutendsten deutschen Maschinenfabriken treten zum Kon- Konkurrenz mehr fürchtet. Böse Zungen behaupten dagegen, es kurrenzkampf an. 6. Elektrizität. (Vergl. Bild 5.) 7. Verkehrs- solle symbolisch „das große Messer“ bedeuten, was die Yankees

und Transportwesen. Hier jenseits der großen Pfütze“ führen. Ferner wird ein Brot von wird Deutschland in dem 600 Pfund zu sehen sein. Es wird in einem eigens an Ort und Riesenbau von 365 m Länge Stelle erbauten Backofen gebacken werden und 250 kg Mehl ver(vergl. Bild 3) mit einer wissen- brauchen. Eine der interessantesten Vorführungen der Ausstellung

schaftlich wird der tägliche Schneesturm“ bilden, der unabhängig vom Wetter und tech- eintreten wird. Dieses unnatürliche Phänomen wird in der Abteilung nisch be- für flüssige Luft hervorgerufen werden. Auch werden Schneebälle deutungs- von „100 Grad unter Null“ unter die Zuschauer geworfen werden, vollen was allerdings mehr merkwürdig als angenehm sein dürfte. Man

sieht auch, an „Kinkerlitzchen“ wird in St. Louis die Tafel der Genüsse nicht karg besetzt sein.

Deutschland hat den Hauptnachdruck auf das deutsche Kunsthandwerk“ gelegt, für dessen Hauptzweige besondere, den ausgestellten Gegenständen angepaßte Säle errichtet werden. Über die Beteiligung der deutschen Goldschmiedekunst an der Ausstellung werden wir in unserem zweiten Artikel berichten.

Man hatte befürchtet, daß St. Louis keine geeignete Ausstellungsstadt sein werde. Die Nachrichten, welche jetzt von dort herüberkommen, bestätigen das Gegenteil. Zahlreiche Hôtels und ein Riesenhôtel im Ausstellungsterrain, werden für die Unterkunft der Besucher ausreichend sorgen, und die Verkehrseinrichtungen sind die praktischsten, die man sich denken kann. Die Reise von New York dauert etwa 24—30 Stunden und geht durch immer interessante, zum Teil auch eigenartig reizvolle Territorien. Kenner amerikanischer

Verhältnisse versichern, daß man mit 2000 Mk. fünf bis ELEKTRIZITÄTSGEBÄUDE AUF DER WELTAUSSTELLUNG IN ST. LOUIS 1904.

sechs Wochen gut auskommt. Die Überfahrt kostet auf den

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Schnelldampfern, wie „Kaiser Wilhelm II.“, „Kaiser Wilhelm der Große“ usw. erste Kajüte 440 Mk., zweite Kajüte 240 Mk. Auf den zweitklassigen Dampfern, wie ,Barbarossa“, „Friedrich der Große“ usw. mit zehntägiger Fahrzeit, in erster Kajüte 260 Mk., in zweiter Kajüte 210 Mk., Verpflegung mit einbegriffen. Rückfahrtkarten sind entsprechend billiger. Die Eisenbahnfahrt nach St. Louis von New York, dem ersten Ziel, aus kostet an 30 Dollars oder 120 Mk., Wohnungen aber sind für 4 Mark pro Nacht schwer zu haben. Die geeignetste Zeit zum Besuche der Ausstellung dürfte der Herbst sein, da von Mai bis Ende August in St. Louis eine für uns unerträgliche Hitze herrscht, die in den Sommermonaten 1900 auch in Paris

den Genuß der Ausstellung vielen verleidete. – Der Kunstgewerbeverein in Pforzheim hat in einer Eingabe an die Regierung, an die Stadtgemeinde und die dortige Handelskammer den Nutzen einer Studienreise von Technikern aus Edelmetallund mechanischen Werkstätten nach St. Louis für die Pforzheimer Industrie dargetan und um entsprechende Zuschüsse zu den Kosten einer solchen Reise nachgesucht. Es wäre zu bedauern, wenn diesem Wunsche nicht Rechnung getragen würde. Die Berichte dieser Techniker aus Chicago und Paris sollen, nach einem Referat W. Stöfflers, der Pforzheimer Industrie sehr förderlich gewesen sein.

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NEW-YORK VON DER SEESEITE.
Charakteristisches Bild einer amerikanischen Großstadt. Der erste Eindruck, den der Reisende nach der Seefahrt empfängt.

Aus dem Jahresbericht 1903 der Kgl. Zeichenakademie zu Hanau.

Der Unterricht begann Dienstag, den 21. April, und dauerte Voraussetzung. Es wurde daher eine Abänderung der Aufbis einschließlich Sonnabend, den 26. September, im Sommerhalb- nahmebedingungen in der Weise beantragt, daß zur Aufnahme jahr; im Wintersemester erstreckte er sich von Dienstag, den künftig das vollendete 15. Lebensjahr und der Nachweis genügender 13. Oktober 1903, bis Sonnabend, den 26. März 1904. Die Frequenz fachlicher und allgemeiner Vorbildung erforderlich sein sollten, entbetrug im Sommerhalbjahr 318 Schüler und 28 Schülerinnen, im weder durch die Vorlegung eines Zeugnisses über den mindestens Winterhalbjahr 289 Schüler und 33 Schülerinnen.

11/2 jährigen erfolgreichen Besuch einer Fortbildungsschule oder durch Während der Osterferien fand in den Räumen der Anstalt eine die Ablegung einer Aufnahmeprüfung umfangreiche Drucksachen-Ausstellung, d. h. eine Ausstellung Außer an der erwähnten Drucksachen-Ausstellung beteiligte sich von Erzeugnissen der vervielfältigenden Künste, statt auf Anregung die Zeichenakademie an folgenden Ausstellungen: des Ortsvereins des deutschen Buchdruckerverbandes und unter der 1) An der vom Leipziger Kunstgewerbemuseum veranstalteten Leitung des Direktors der Zeichenakademie in Gemeinschaft mit

Ausstellung „Die Pflanze in ihrer dekorativen Verwertung“. dem damaligen Vorsitzenden des Ortsvereins, Herrn Möbius +. Die

2) An der vom Kunstgewerbeverein in Stuttgart veranstalteten Ausstellung wurde mit dem Besuche Sr. Exzellenz des Herrn Ober

Ausstellung von Feinmetallarbeiten. präsidenten Grafen von Zedlitz-Trützschler sowie der Herren Geh.

3) An der Weltausstellung in St. Louis. Oberregierungsrat Dönhoff und Ministerialdirektor Neuhaus zu Berlin Die für die letztgenannte Ausstellung in der Anstalt hergestellten beehrt und von 8000 Personen besichtigt.

Gegenstände wurden mit den Erzeugnissen der Hanauer EdelmetallAnläßlich der Drucksachen-Ausstellung richteten die Ortsvereine industrie zu einer Gesamtgruppe vereinigt. Der Direktor der Zeichendes deutschen Buchdruckerverbandes und des Verbandes der deutschen akademie hatte die Leitung der Vorbereitungen übernommen und zu Lithographen, Steindrucker u. v. B. an die Direktion der Zeichen diesem Zwecke ein aus sechs Mitgliedern des Kunstgewerbevereins akademie das Ersuchen, Fachklassen für den Unterricht in und sechs Lehrern der Zeichenakademie bestehendes Komitee geBuchdruck und Lithographie und Werkstätten für deren prak- bildet. Sämtliche Arbeiten wurden vor der Absendung in der Aula tische Erlernung einzurichten. Die Direktion fühlte sich umsomehr ausgestellt. Während der Pfingstferien 1904 wird ebenda eine verpflichtet, diesem Antrage näher zu treten, als die Schülerzahl Ausstellung der Schülerarbeiten aus den letzten zwei

aus beiden Gewerbezweigen fort- Jahren stattfinden.
während in Zunahme begriffen ist.

Der Unterrichtsplan erfuhr, abgesehen von der in Aussicht geDa jedoch sämtliche Lehrräume nommenen Einrichtung einer Fachklasse für Lithographie und Buchder Anstalt, namentlich die der druck, insofern eine Erweiterung, als die Einführung von Exunteren Klassen, überfüllt sind, so perimentalvorträgen über Metallochemie und Mineralogie war deren Entlastung die nächste beantragt wurde. Diese sollen dazu dienen, dem Schüler neben

der praktischen Erlernung der Metallegierungen und der Verwendung von Edelsteinen und Halbedelsteinen auch die notwendigen theoretischen Kenntnisse auf dem Gebiet der Materialienkunde zu vermitteln.

An Personalien ist folgendes mitzuteilen:

· An Stelle des zum Direktionsmitgliede ernannten Herrn Julius Steinheuer und des verstorbenen Herrn Hertel mußten zwei neue Mitglieder für die Sachverständigen-Kommission gewählt werden. Es wurden von dem Herrn Regierungspräsidenten die Herren Bijouteriefabrikant Jakob Krug und Buchdruckereibesitzer J. C. Kittsteiner ernannt.

Der Lehrer Paul Andorff trat am 1. Oktober

1903 aus Gesundheitsrücksichten in den Ruhestand. INDUSTRIEGEBÄUDE AUF DER WELTAUSSTELLUNG IN ST. LOUIS 1904.

In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm der

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Zur ersten grossen Cellinistenzusammenkunft in Hanau a. M.

Pfingsten 1904.

Die Königl. Zeichenakademie zu Hanau a. M., bereits im Jahre 1772 auf Anregung Hanauer Kunstindustriellen Kleinodienarbeiter, Goldstecher und Kunstdreher“, wie es im alten Stiftungsbriefe heißt, gegründet, hat ihren Ruf in den vielen verflossenen Jahren derartig verbreitet und gefestigt, daß alljährlich eine große Reihe junger Fachgenossen aus ganz Deutschland und auch aus fremden Ländern in Hanau zusammenkommt, um unter Leitung bewährter Lehrer, teils auch in dortigen Fabrikbetrieben ihre Kenntnisse und Kunstanschauungen zu erweitern. Gewöhnlich ist nun aber, wo junge Leute beisammen sind, eine fidele Laune vorherrschend, und ganz besonders war unserer jungen, an der Akademie studierenden Jugend eine gute Dosis Laune und Humor von jeher eigen. Es war daher kein Wunder, daß, saß man einmal wieder bei einem Fäßchen Bier gemütlich beisammen, immer wieder der Wunsch auftauchte, doch auch eine Stätte zu haben, wo man neben ernstem Studium auch im Freundeskreise seiner Laune Zügel schießen lassen konnte.

So fand denn bereits im Jahre 1890 eine erste grundlegende Versammlung statt, aber erst zwei Jahre später wollte eine Vereinigung zustande kommen. Die eingereichten Statuten fanden einmütige Annahme von seiten der Direktion sowie des Landratamtes, und so war denn am 4. Dezember 1892 die akademische Verbindung „Cellini“ ins Leben getreten. Unter den neun Gründern möchten wir Herrn H. Ehlers, der später zum Ehrenmitglied ernannt wurde, und Herrn Jos. Limburg, der gegenwärtig in Rom als tüchtiger und geschätzter Bildhauer weilt, besonders erwähnen. Im späteren Verlauf der Jahre wurden ferner folgende Herren, die sich große Verdienste um den guten Fortbestand der Verbindung erworben hatten, zu Ehrenmitgliedern ernannt: Landrat von Oertzen (15. Juni 1895), zur Zeit Regierungspräsident in Lüneburg; Prof. M. Wiese (21. Februar 1896); Prof. E. S. Jassoy (19. August 1896), welcher leider am 28. Oktober 1901 gestorben ist. — Ehre seinem Andenken!

Aber nicht allein um Feste zu feiern oder die Geselligkeit zu pflegen, besteht die Verbindung, sondern es verpflichten sich sämt

liche Angehörigen derselben auch zur ernsten Arbeit, denn statutengemäß findet in jedem Monat eine Konkurrenz statt, zu welcher ein jeder eine Arbeit zu liefern hat; sollte einer dieser Vorschrift nicht nachkommen, verfällt er einer Strafe von zwei Mark; jedoch sei bemerkt, daß die Strafe nur wenig verhängt zu werden brauchte, da alle stets eifrig bemüht waren, die gestellten Aufgaben zu lösen. Die eingegangenen Arbeiten werden einem Preisgericht, bestehend aus dem Ehrenmitgliede Herrn Prof. Wiese sowie einigen alten Herren, vorgelegt, und nach Ansicht desselben einige kleine Gegenstände als Preise verteilt. Auch werden zur allgemeinen Bildung und Hebung der geistigen Interessen jeden dritten Sonnabend Vorträge sowohl von Mitgliedern als auch von Lehrern der Akademie gehalten. Eine Bibliothek, die hauptsächlich aus gestifteten Büchern besteht, haben die Mitglieder zur Verfügung und wird eifrigst benützt.

Wir möchten nun noch einiger im Laufe der Jahre begangener Feste gedenken. In erster Linie sei das zweite Bundesfest des Verbands Deutscher Kunstgewerbeschüler, welches am 21. bis 23. Februar 1896 innerhalb Hanaus Mauern gefeiert worden, erwähnt; der glanzvolle schöne Verlauf desselben dürfte noch jedem Teilnehmer in Erinnerung sein. Außerdem fanden, wie allgemein üblich, verschiedene Sommer- und Winterfeste statt, die alle infolge ihrer künstlerischen Darstellungen einen durchweg schönen Verlauf nahmen. Aus Anlaß des 400 jährigen Geburtstages Cellinis, des großen Meisters der Renaissance, wurde gemeinschaftlich mit dem Hanauer Kunstindustrie-Verein ein großer Kommers veranstaltet, zu dem beide Vereine beisteuerten, und zwar floß das Geld aus der Kasse des Kunstindustrie-Vereins, während die Mitglieder der Verbindung die künstlerische Arbeit lieferten. Im vergangenen Jahre zur Jubelfeier der Altstadt Hanau fand eine größere Festlichkeit statt, bei der wohl ganz Hanau interessiert war; auch hier erbrachte die Verbindung den Beweis, daß in ihrer Mitte kunstgeübte und verständige Mitglieder weilen.

Zu Pfinsten dieses Jahres geht nun die Verbindung ihrer ersten großen Versammlung aller Mitglieder und A. H. A. H. (alten Herren) entgegen. Im April 1897 faßten die derzeitigen aktiven Mitglieder

diesen Beschluß, und dieser wurde in Form einer Urkunde später was Leistungen anbetrifft, unsere Hanauer Kunstjünger den Fremden allen Mitgliedern zur Unterschrift vorgelegt. So haben sich bis nicht nachstehen werden, so werden doch die verschiedenen Schulen heute fast alle unterzeichnet, und deshalb dürfte die Feier zu Pfingsten wie z. B. von Prof. P. Behrens, Düsseldorf, Prof. A. Seder, in Hanaus Mauern manches frohes Wiedersehen herbeiführen. Der Straßburg, Prof. Dr. Kolb, Stuttgart, Bernhard Wenig, Hanau Wortlaut der Urkunde, die eine prächtige Aquarellmalerei zeigt und a. M. usw. ungewollt in edlen Wettbewerb treten, und die verim Verbindungslokale eingerahmt die Wand ziert, ist folgender: schiedensten Richtungen werden sich gegenüberstehen.

„Um den idealen Bestrebungen der Verbindungsbrüder, Freund- Den Mittelpunkt des ganzen Festes soll unleugbar der Abend schaft auf immerdar zu schließen und eine feste Grundlage zu des ersten Pfingsttages mit seinem großen Kommers bringen. Mit geben, sind die Mitglieder des Wintersemesters 1896—97 gesonnen, freudiger Überraschung lesen wir, daß zu demselben Herr Geheimrat sich Pfingsten 1904 in Hanau, dem Orte ihrer Studienzeit, der Prof. Dr. Henry Thode aus Heidelberg sein Kommen in Aussicht Heimstätte der Verbindung, zu treffen.

gestellt hat. Stehen doch die Vortragsabende, die Henry Thode Um ein solches Zusammentreffen zu ermöglichen, hat sich jedes auf Einladung des Kunst- und Industrie-Vereins in früheren Jahren Mitglied durch Unterschrift verpflichtet, an festgesetztem Tage in in Hanau hielt, noch in aller Gedächtnis, und wir können die Hanau zu sein. An Nichterscheinen kann nur Krankheit oder Haft „A. V. C.“ nur beglückwünschen, daß es ihr gelungen ist, diesen als geltend angenommen werden; sollte jedoch einer oder der Verkünder des Wesens der deutschen Kunst für ihren Festvortrag andere durch sonstige Verhältnisse, als da sind: Mittellosigkeit oder zu gewinnen. allzugroße Entfernung von dem Orte der Zusammenkunft am Er- Aber auch von anderer Seite soll den Hanauern Überraschendes scheinen verhindert sein, so ist er verpflichtet, wenigstens Nachricht zuteil werden; so sollen dieselben u. a. auch ihren früheren Landvon sich zu geben, damit er eventuell unterstützt werden kann. rat, den jetzigen Regierungspräsidenten von Oertzen in ihren

Sollte sich die Verbindung bis zu gegebenem Termine auf- Mauern begrüßen dürfen. gelöst haben, so bitten wir die hier anwesenden früheren Mitglieder Herr von Oertzen, der, wie wir bereits erwähnten, Ehrendie Zusammenkunft nochmals in Erinnerung der A. H. A. H. ergehen mitglied der „A. V. C“ ist, erinnert sich noch gern der angenehmen zu lassen. Zu unserem speziellen Bevollmächtigten ernennen wir Stunden, die er im Kreise der jungen Cellinisten verlebt hat, und hiermit den A. H. A. H. Hermann Böhme, dahier wohnhaft. Um will auch diesmal auf ihrer ersten großen Zusammenkunft nicht fehlen. aber eine Korrespondenz während

Auch der Damenwelt ist das dieses Zeitraumes noch aufrecht

Recht eingeräumt, dem Kommers zu erhalten, verpflichten sich die

beizuwohnen, und die Emporen Endesunterzeichneten, ebenfalls

des großen Saales in der Turnhalle jährlich eine Neujahrsgratulation

sind für sie reserviert. mit ihrer genauen Adresse an die

Neben dem Kommers bringt auch Verbindung ergehen zu lassen.

der zweite Pfingsttag einen besonEin Ausschuß der A. H. A. H.

deren Freudentag in der Gestalt setzt sich aus den jeweiligen ersten

eines „Künstler-Maienfestes“. Der Vorsitzenden zusammen.

große Saal der Turnhalle, welcher Wir hoffen auch bestimmt, daß

auch diesmal wieder dem Zwecke die derzeitigen Mitglieder alsdann

dienen soll, dürfte im Schmuck ihre Kräfte einem gediegenen Feste

der grünen Maienbäume und Girwidmen werden, um ihren A. H. A.H.

landen, verbunden mit künstlerischer einen angenehmen Empfang zu be

Ausstattung, einen sehr effektvollen reiten.

Eindruck versprechen und ein schöSo möge denn über diesem Zu

nes, der Jahreszeit entsprechendes sammentreffen ein freundlicher Stern

Fest in Aussicht stellen. walten und möge es in jeder Be

Kleine Aufführungen und Verziehung der Verbindung und jedem

losungen von künstlerisch ausEinzelnen zu Heil und Segen geERINNERUNGSPLAKETTE DER AKADEMISCHEN

geführten Arbeiten werden den reichen.“

Tanz unterbrechen, und wenn es VERBINDUNG „CELLINI“ ZU HANAU A. M. Hanau, 10. April 1897.

das Wetter erlaubt, wird der Turn

platz, welcher in einen Birkenwald Der Vorstand.

mit kleinen Lauben verwandelt wird, den vom Tanze erhitzten Der Schriftführer. Der Vorsitzende. Der Kassierer. Paaren Kühlung gewähren. C. Block. Erich Stumpf-Danzig. Carl Wagner-Köln. Den Schluß der Festlichkeiten bildet am Dienstag ein Kater

bummel nach Hochstadt und am Abend eine gemütliche Kneipe in Diese erste Zusammenkunft aller Cellinisten fällt nun gleich den Verbindungsräumen mit scherzhaften Vorführungen. zeitig mit dem X. Verbandstage des „Verbandes jetziger und ehe Zur Erinnerung an dieses schöne Fest ist eine Plakette anmaliger Studierender an deutschen Kunstgewerbeschulen“, der auch gefertigt worden, und soll diese allen Festteilnehmern zum sichtin Hanau tagt, zusammen (Tagesordnung siehe S. 118a).. Hiermit baren Andenken an schön verlebte Stunden überreicht werden. Der verbunden ist eine Ausstellung der verschiedenen Kunstgewerbe Entwurf stammt aus einer der oben geschilderten Konkurrenzen, vereine Deutschlands.

und es war als erster Preis die Summe von 100 M. von dem Vater Heute liegt nun das Programm der kommenden Festlichkeiten vor, eines der Kommilitonen, Herrn Silberwarenfabrikanten C. J. Begeer und können wir es uns nicht versagen, hier darauf näher einzugehen. in Utrecht ausgesetzt worden. Die eine Seite zeigt den Kopf

Die Festlichkeiten beginnen mit einer Tagung der alten Cellinis, von dem die Verbindung ja ihren Namen herleitet, während Herren der Verbindung und einem zwanglosen, gemütlichen Bei- die andere Seite eine allegorische Darstellung des Festes zur sammensein am Samstag vor Pfingsten im Garten und den künstlerisch Schau trägt. Modelliert ist die Plakette von dem jungen Künstler humorvoll dekorierten Räumen der Verbindung im Hotel-Restaurant G. Köhler. Karlsberg.

Wir möchten nun der Hoffnung Raum geben, daß sich das Der Pfingstsonntag wird eingeleitet durch eine Auffahrt der Interesse, welches sich die Verbindung bisher erworben hat, noch verschiedenen Vertreter der Verbandsvereine vom „Verbande jetziger vermehren möge, und dürfte gerade das kommende Fest allen Anund ehemaliger Studierender an deutschen Kunstgewerbeschulen“, zu gehörigen unseres Faches zeigen, daß unsere jungen Nachfolger, dem die A. V. C.“ seit Bestehen desselben gehört, und an dessen die dermaleinst berufen sind, zum großen Teile für unser Fach Aufblühen und Entwicklung sie reichen Anteil hat.

einzutreten, es verstehen, sich nicht durch Kleinigkeiten abAnschließend daran findet die akademische Feier und Fahnen halten zu lassen, wenn es gilt, einen Gedanken zur Durchführung weihe in der Akademie statt, die der ganzen Veranstaltung wegen zu bringen, sondern vielmehr bestrebt sind, dem Kern der Sache, ihrer Eigenart einen besonderen Reiz verleihen dürfte.

der uneigennützigen Freundschaft den Sieg zu verleihen! Dann folgt die Eröffnung der Ausstellung der A. H. A. H. und Ein Vivat, crescat, floreat der Akademischen Verbindung des Verbandes, der wir mit Erwartung entgegensehen. Wenn auch, „Cellini“!

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