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Amtliches Organ des Verbandes Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede
des Vereins der Juweliere, Bold- und Silberschmiede von Rheinland und Westfalen, des Vereins der
Juweliere, Gold- und Silberschmiede Württembergs, der freien Vereinigung des Bolds und Silberwaren-
Gewerbes für Berlin und den Reg.-Bezirk Potsdam, des Vereins der Juweliere, Gold- und Silberschmiede
des Großherzogtums Baden, der Goldschmiede-Werkgenossenschaft Berlin, der Kölner Juwelier - Vereinigung,
der Freien Vereinigung der Juweliere, Gold- und Silberschmiede des Reg.-Bezirks Stettin, der Goldschmiede-
Innung Schwerin, der freien Vereinigung der Gold- und Silberschmiede zu Börlits, des Kreditoren-Vereins
für die Bold-, Silberwaren- und Uhren-Industrie Pforzheim, der Kunstgewerbe-Vereine Hanau und Pforzheim,

JoJoJovovou des Bewerbemuseums Gmünd, der Zentralstelle Schmuck und Mode oc i os Begründet und berausgegeben von Wilbelm Diebener, Leipzig 21, Schützenstr. 15

. Für den kunstgewerblichen Teil: R. Rücklin, Pforzheim – für den volkswirtschaftlichen Teil: • Syndikus herm. Pilz, Leipzig

No. 19 – VII. Jahrgang

Erscheint jeden Freitag

| Leipzig, 6. Mai 1904

Aus der Werkstatt – für die Werkstatt!

Aus unseren Redaktions-Konferenzen.

Wir stehen im Zeichen der Maienblüte! Da der 1. Mai diesmal auf einen Sonntag fiel, konnte er von den mailustigen Arbeitnehmern gefeiert werden, ohne daß sie diesmal besorgen mußten, wegen Verlassens der Arbeit auf Grund des § 123 der Gewerbeordnung entlassen zu werden. Im geschäftlichen Leben regt sich noch nicht überall Maienlust, und es muß noch viel getan werden, um die allgemeine Lage zu heben. Glücklicherweise ist freilich nicht immer alles wahr, was berichtet wird, und so hat sich auch die Nachricht, daß sich in Pforzheim eine große Kettenfabrik genötigt gesehen habe, 80 Arbeiter zu entlassen, als eine „Ente“ entpuppt. Daß unter den geschäftlichen Unsitten

die Rabatt-Spargesellschaften nicht alle werden, davon gibt es in Leipzig ein neues Beispiel, wo sich eine solche Gesellschaft in Firma Heffter & Co. etabliert hat. Es haben sich eine Anzahl Geschäftsleute verpflichtet, jedem ihrer Käufer die von der Gesellschaft zur Ausgabe gelangenden Rabattmarken auf Verlangen zu gewähren, und zwar für jede 10 Pfennig eine 10 Pfennig-, für jede Mark eine 1 Mark- und für jede 5 Markeine 5 Mark-Marke. Diese Marken klebt der Sparer in ein knallrotes Sparbuch. Wenn dann das Buch, 25 Seiten mit à 5 Mark = 125 Mark, gefüllt ist, erhält der Sparer von der Gesellschaft 5 Mark ausgezahlt. Ganze fünf Reichsmark. Das unserer Redaktion eingesandte Sparbuch enthält für Gold- und Silberwaren tatsächlich 22, für Uhren 23 Geschäfte. Aber bis auf einen einzigen Uhrmacher, der keine Gold- und Silberwaren führt, finden wir unter den Uhrendieselben Namen wie unter den Goldwarengeschäften. Es ist bedauerlich, daß das Publikum nicht einsehen will, daß bei solchen Geschäften immer in erster Linie doch die Gesellschaft verdienen will, und daß deshalb der Käufer die Aufgabe hat, auch deren Tasche mit zu füllen. Zu den

Reklamen der Firma A. J. Brenner in Pforzheim haben auch die Mitteilungen des Vereins gegen Unwesen im Handel und Gewerbe in Hamburg nunmehr Stellung genommen. Die Firma und andere mit ihr inserieren, daß jedermann bei einem Ankauf von neun wertvollen Schmuckgegenständen, à 1,85 Mark, oder für den Weiterverkauf desselben „eine 809/1000 silberne Remontoiruhr mit

800 Silberne Remontoiruhr mit Goldverzierung“ völlig gratis erhält. Die Hamburger Gewerbekammer hat jetzt die „neun Schmuckstücke“ untersuchen lassen und dabei festgestellt, daß von „großartiger Ausführung“ keine Rede sein kann. Der Einkaufspreis für alle neun Stück beträgt zwei Mark, der Verkaufspreis des besten Stückes beläuft sich auf 90 Pfg., der geringeren Sachen auf 40 bis 60 Pfg., so daß es unmöglich ist, irgend ein Stück zum Preise von 1.85 Mark zu verkaufen. An dem Verkauf verdient also Brenner und seine Mitschlauen zirka 15 Mark, davon geht der Betrag für die Remontoiruhr ab, die nach der Qualität der Schmuckstücke zu urteilen von solcher Güte sein wird, daß eben für den „Unternehmer“ noch ein hübscher Verdienst bleibt. Die auf die Kartons gedruckten Bemerkungen „,14 carat

Gold plated“ haben sich als Unwahrheiten erwiesen. Wir haben Gelegenheit genommen, durch Preßnotizen das kaufende Publikum gegen die Brennerschen Annoncen zu alarmieren. Hoffentlich gelingt es, diesem unlauteren Wettbewerb mit Nachdruck zu begegnen. In der Affäre eines Goldarbeiters in N. gegen einen Goldwarenhändler in D. wurde unsere Redaktion um Schutz angerufen. Es handelte sich dabei um

Kreditbetrug durch verlockende Inserate, und die Staatsanwaltschaft ist auf Grund des ihr von uns unterbreiteten Materials in Erörterungen eingetreten. Weitere Mitteilungen würden deshalb an dieser Stelle noch verfrüht sein. Gegen die Belästigungen und Schädigungen, welche den Geschäftsleuten durch das zwecklose Untersagen des Aushängens und Ausstellens in den

Schaukästen und Schaufenstern erwachsen, hat auch der Zentralausschuß Berliner kaufmännischer, gewerblicher und industrieller Vereine in einer Eingabe an den Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg Stellung genommen. Es handelt sich um das sogenannte „Blenden der Schaufenster“. In der Eingabe war unter anderem ausgeführt, daß es sehr fraglich erscheine, ob das Verhängen der Schaufenster mit Vorhängen, welche unter den ständigen Witterungseinflüssen mehr oder weniger gelitten haben, geeignet sei, eine der Würde des Tages entsprechende Stimmung hervorzurufen oder zu erhalten. Diesen ästhetischen Grund für die Aufhebung der antiquierten Maßregeln haben auch wir in unseren verschiedenen Artikeln hervorgehoben, aber es will eben nicht gelingen, Wandlung zu schaffen. Man entschließt sich in Deutschland so schwer, einen alten Zopf abzuschneiden. Meist nützen die Vorhänge nicht einmal was, denn die Neugierigen verstehen „hinter den Koulissen zu gucken“. Sehr richtig hebt die Eingabe hervor, daß besonders die Gold- und Silberwarenhändler Wert darauf legen, daß an Sonn- und Feiertagen, wie in den Abendstunden die Läden durch das Schaufenster hindurch unter ständiger Kontrole der Passanten stehen. Der Ausdruck „Zu Original-Fabrikpreisen“ ist unlauterer Wettbewerb, wenn nicht zu Einkaufspreisen verkauft wird. Das ist vom Oberlandesgericht Dresden und auch vom Reichsgericht entschieden worden. Ein Chemnitzer Geschäft hatte „Glashütter Uhren zu Original-Fabrikpreisen“ in den Tagesblättern empfohlen und damit die Preise gemeint, welche die Uhrenfabriken Privaten gewährten, wenn diese sich direkt an die Fabrik wendeten. Das ist jedoch vom Oberlandesgericht nicht gutgeheißen worden, welches vielmehr annimmt, daß das Publikum in solchen Fällen irrtümlich glaube, zu den Preisen zu kaufen, zu denen der Goldschmied oder Uhrmacher von der Fabrik selbst gekauft, daß er selbst aus irgend welchem Grunde keinen Verdienst an der Ware habe. Dieser Ansicht schloß sich auch das Reichsgericht an. Wie die notwendige

Ausdehnung der Gold- und Silberwarenfabrikation in Hanau gefördert werden kann, diese Frage soll in einer Preisarbeit gelöst werden. Den Preis, 300 Mark, hat der Hanauer Kunstgewerbeverein gestiftet, die Ausführung des Preisausschreibens wurde der dortigen Handelskammer übertragen.

Um den Arbeitgebern eine größere Macht der geschlossenen Phalanx des Arbeitnehmertums gegenüber zu verleihen, ist man auf die Idee gekommen, einen Deutschen Arbeitgeberbund zu begründen, und der Generalsekretär des „Bayrischen Industriellen verbandes“, Dr. Alfred Kuhlo, hat in einer interessanten Schrift

„Auf dem Wege zum Deutschen Arbeitgeberbund“ auf die hohe Bedeutung einer solchen Zentralisierung des deutschen Arbeitgebertums hingewiesen. Dabei hat sich aber der alte deutsche Erbfehler wieder gezeigt. Als Armin kämpfte, stand Marbod schmollend abseits. So ist es auch mit dem „Zentralverband deutscher Industrieller“ und dem „Bund der Industriellen“, die sich aus Anlaß der Vorarbeiten zur Schaffung eines deutschen Arbeitgeberbundes wieder in die Locken gefahren sind. Einstweilen hat der Zentralverband eine ,,Hauptstelle Deutscher Arbeitgeberverbände“ gegründet, die natürlich nicht das Ideal eines allgemeinen deutschen Arbeitgeberbundes ersetzen kann.

Zur Frage der Feuervergoldung.

Der Worte über dieses Thema sind wirklich genug gewechselt. Wir haben das Für und Wider gehört, und wenn auch vom „Journal der Goldschmiedekunst“ erklärt wird, daß 170 Fachgenossen ihre Zustimmung gegeben hätten, um das gesetzliche Verbot der Feuervergoldung herbeizuführen, so sind diese 170 Stimmen für uns noch lange kein Beweis, daß die Feuervergoldung überflüssig ist. Die ganze Frage der Feuervergoldung läuft doch darauf hinaus, Quecksilbervergiftungen unter Arbeitern zu verhüten. Durch die vielfachen Auslassungen in der Fachpresse ist nun einmal festgestellt worden, daß die Feuervergoldung nur noch sehr wenig, in Zukunft aber immer noch weniger angewendet werden wird, je mehr man den elektrischen Strom zur Dienstleistung in den Goldschmiedewerkstätten und Goldwarenfabriken heranzieht. Die wenigen Fabriken, die zur Vergoldung einzelner Gegenstände die elektrolytische Vergoldung für geringer ansehen als die Feuervergoldung, verfügen aber über genügende Schutzmaßregeln, um zu verhindern, daß der Quecksilberdampf in den Arbeitsraum dringt. Wie uns von der Firma Kollmar & Jourdan mitgeteilt wird, ist man bereits in der Lage, von dem bei der Feuervergoldung verwendeten Quecksilber beinahe 95% wieder zu gewinnen. Mithin würden nur 5% Quecksilber verloren sein. Diese 5% gehen aber, wenn die Anlage, in der die Feuervergoldung ausgeführt wird, richtig und zweckentsprechend gebaut ist, ebenfalls in den Abzug und können niemals in den Arbeitsraum gelangen. Eine Vergiftung der Atmosphäre kann also niemals eintreten. Wenn aber trotzdem noch die Vorsicht gebraucht wird, Feuervergoldung nur in besonderen Räumen stattfinden zu lassen, so ist unserer Ansicht nach jegliche Gefahr für die Arbeiter ausgeschlossen. In derselben Weise äußert sich ein Freund unseres Blattes, dessen Einsendung wir ebenfalls bringen. Vom rein technischen Standpunkte läßt sich also eine den weitgehendsten Ansprüchen genügende Einrichtung schaffen. Weshalb soll man aber die Feuervergoldung verbieten? Man soll doch das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Unserer Ansicht nach dienen wir dem Fache vielmehr, wenn wir darauf dringen, daß die Feuervergoldung nur in zweckentsprechenden Öfen ausgeführt werden darf. Derjenige Goldschmied, welcher jährlich ein- oder zweimal die Feuervergoldung auszuführen hätte, würde sich gewiß eine derartige Anlage nicht anschaffen. Würde sie sich doch niemals rentieren. Der Goldschmied würde also in einem solchen Falle entweder seinen Kunden die elektrolytische Vergoldung empfehlen oder er würde den Auftrag zwar annehmen, die Vergoldung aber da ausführen lassen, wo ein vorschriftsmäßiger Ofen vorhanden ist. Wenn also von reichswegen bestimmt würde, daß die Feuervergoldung nur unter ganz bestimmten Sicherheitsmaßregeln ausgeführt werden darf, so dürfte jeder Fachgenosse damit zufrieden sein. Würde die Feuervergoldung aber einestags im Reichstag zur Sprache kommen, so würde man bei der Feuervergoldungsfrage gewiß nicht stehen bleiben, sondern weitergehen und überhaupt die Verwendung von Quecksilber verbieten müssen, resp. man müßte alle diejenigen Institute, die mit Quecksilber arbeiten, zwingen, die Luft der Arbeitsräume quecksilberfrei zu lassen. Vom technischen Standpunkt aus läßt sich dies aber niemals ganz durchführen. Welche Maßregeln sollte man z. B. ergreifen in Barometer- oder Thermometerfabriken, wie sollte man die Arbeiter schützen in den wenigen Fabriken, wo Spiegel noch mit Zinnamalgam hergestellt werden?

Die Spiegelfabrikation kann man überhaupt in Parallele stellen mit der Feuervergoldung. Noch vor einem Menschenalter war die

Benutzung von Zinnamalgam in der Spiegelfabrikation allgemein und heute wird sie mit Quecksilber ebenso selten betrieben, wie Feuervergoldung angewendet wird.

Wie soll man weiter die Arbeiter schützen, die bei der Fabrikation von Zündhütchen mit Knallquecksilber beschäftigt sind? Allen genannten Industrien dürfte man aber einen schlechten Gefallen erweisen, wollte man die Quecksilberfrage in parlamentarische Debatten hineinziehen.

Sehr richtig bemerkt Herr P. B., daß der Goldschmied Gesetzesparagraphen in genügender Menge auswendig wissen müsse, wenn er sein Geschäft legal erledigen wolle. Wir können es deshalb niemals unterschreiben, in einer solchen Frage, die für die Goldschmiedekunst täglich an Interesse abnimmt, Staatshülfe in Anspruch zu nehmen. Im Gegenteil, wir halten es unbedingt für die Pflicht eines jeden Arbeitgebers, seinem Personal diejenige Sicherheit zu bieten, die ihm nicht nur das Gesetz, sondern auch sein Gewissen vorschreibt. Wir rufen deshalb allen Fachgenossen zu, entweder die Feuervergoldung überhaupt nicht mehr anzuwenden, oder wenn sie angewendet werden muß, sie in einer solchen Weise zu benützen, daß niemand bei ihrer Ausführung Schaden nimmt. Ja, wir glauben sogar, daß diese unsere Meinung auch die 170 Herren billigen werden, welche gegen die Feuervergoldung gestimmt haben. Wir fordern diese 170 Mann hierdurch auf, uns mitzuteilen, ob sie nicht auch mit Fug und Recht und ohne ihr Gewissen irgend wie zu belasten, die von uns in der „Offenen Antwort“ aufgeführten fünf Punkte unterschreiben.

Den Goldschmieden und Goldwarenfabriken, welche die Feuervergoldung nicht benutzen, kann das Verbot der Feuervergoldung ganz gleichgültig sein. Wir sehen aber nicht ein, . daß durch ein Gesetz die anderen Unternehmungen in ihrem Erwerb gestört werden sollen, wenn man nachweisen kann, daß die Feuervergoldung für die Arbeiter gefahrlos ausgeführt wird. Und daß die Feuervergoldung ohne alle Gefahr ausgeführt werden kann, ist nun einmal eine bewiesene Tatsache.

Einen Fabrikationszweig von reichswegen zu unterdrücken, ist eine sehr heikle Sache. Erst kürzlich ist durch das Verbot der Fabrikation der Weißphosphorzündhölzer eine ähnliche Frage zur Erledigung gelangt. Man hat die Fabrikation von Weißphosphorzündhölzern einfach verboten, obwohl durch Fachleute festgestellt worden ist, daß die Fabrikationsmethode, die den geschädigten Fabriken oder Unternehmungen als Ersatz von reichswegen zugängig gemacht worden ist, den Anforderungen bei weitem nicht entspricht. Außerdem ist man inzwischen technisch so weit fortgeschritten. daß sich die Phosphornekrose durch entsprechende Vorrichtung tatsächlich eindämmen, auch ganz beseitigen läßt.

Würde die Feuervergoldung gesetzlich verboten werden, so würde man über kurz oder lang lesen und hören können, daß die elektrolytische Vergoldung nicht ausreiche, und man wünscht für den einen oder anderen Gegenstand die Feuervergoldung wieder anzuwenden. Die Folge davon wird weiter sein, daß die Anfertigung nach dem Ausland verlegt und der Verdienst der deutschen Industrie unbedingt entzogen wird. Vielleicht hat den Schaden aber auch das Publikum zu tragen, wenn die Goldschmiede so verfahren, wie es der Einsender der Artikel (P. B.) zu tun beabsichtigt unter der Voraussetzung des gesetzlichen Verbotes der Feuervergoldung.

Also aus allen diesen Gründen noch einmal: kein Verbot der Feuervergoldung, aber unbedingt die Forderung zweckentsprechender Anlagen zu ihrer gefahrlosen Ausführung.

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Das „Journal der Goldschmiedekunst“ scheint ebenso wie wir bis zur Stunde noch keinen Fall erfahren zu haben, daß ein Goldschmied durch Quecksilbervergiftung ums Leben gekommen sei. Durchblättert man die medizinische Literatur nach dieser Richtung hin, so findet man zwar bei maßgebenden Autoren, daß „Vergolder“ auch von Quecksilbervergiftung befallen würden. Die Vergolder aber werden stets an letzter Stelle erwähnt, und in der Literatur sind, so weit uns sie jetzt bekannt geworden sind, nur solche Fälle von Quecksilbervergiftung beschrieben, die man an Arbeitern aus Quecksilberminen, Spiegel-, Thermometer- und Barometerfabriken gemacht hat.

Wenn im „Journal“ Herr Richard Garten schreibt: „... es

laufen genug Leute herum, denen das Quecksilber in den Knochen sitzt“ so mag er diese Leute (wir nehmen an, daß es Goldarbeiter sind) veranlassen, daß sie gegen ihre Arbeitgeber klagbar werden, damit sie entschädigt werden, wenn den Arbeitgeber die Schuld trifft.

Wenn in dem anderen Fachblatt weiter darauf hingewiesen wird, daß die Feuervergoldung auch von Gürtlern angewendet wird, so möchten wir diesem eine Äußerung Eulenburgs entgegen halten, „seltenere Fälle chronischer Vergiftung werden beobachtet bei Bronzearbeitern,.... zahlreiches Krankenmaterial aus Spiegelfabriken.“

Die Goldschmiede sind also keinmal erwähnt.

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rückständigsten Fachmann nicht. Die neueren Arbeiten unserer Gürtler werden sicherlich nur noch in den allerseltensten Fällen im Feuer vergoldet, die wenigen Turmknöpfe usw. werden aber kaum genügen, ein Gesetz zustande zu bringen. Betriebe, wie z. B. Kollmar & Jourdan, die ihre Fabrikate alle im Feuer vergolden, haben aber schon aus praktischen Gründen Vorrichtungen zu treffen verstanden, die jede Gefahr ausschließen. Das Gesetz würde ein vollständiges Aufhören der Feuervergoldung auch nicht herbeiführen, denn ich z. B. würde, wenn es nötig wäre, ruhig im Feuer vergolden und zu dem Kostenpunkte nur noch die eventuell zu zahlende Strafe für die Übertretung des Verbots hinzurechnen. Ich würde die Strafe als eine an den Staat zu zahlende Abgabe ansehen. Und weiter – bekanntlich wird auch keiner gehangen, bevor er nicht gefangen.

Herr H. S. stellt sich durch seinen Artikel ein großes Armutszeugnis aus, entweder hat der Herr das Bedürfnis, noch mehr, wie schon jetzt, unter Polizeiaufsicht gestellt zu werden, denn die Polizei wird ja darüber zu wachen haben, ob wir noch im Feuer vergolden, oder aber, was noch deutlicher zwischen den Zeilen des Artikels zu lesen ist und in dem Artikel durchscheint, ist das Gefühl der Schwäche der Konkurrenz gegenüber, die alles aufbietet, ihre Ware dem Publikum mundgerecht zu machen. Der Herr erklärt ja selbst, das wahre Bild der Feuervergoldung ist, daß in den Katalogen der Kirchengeräte-Fabrikanten steht „Feuervergoldung“, um das Geschäft nutzbringend zu machen, der Preis, welcher dabei vermerkt ist, aber kaum genügt, das Stück gut elektrolytisch zu vergolden. Glaubt Her H. S. wirklich unter Anführung solcher Gründe den Gesetzgebungsapparat in Tätigkeit zu setzen? Der menschenfreundliche Herr verlangt ein Gesetz, damit die unwürdige Zwitterstellung aufhöre, wie er sich ausdrückt, die den deutschen Goldschmieden hier und dadurch Vorspiegelung falscher Tatsachen, nämlich der Feuervergoldung, aufgenötigt wird. Falls die Sache für Herrn H. S. so wichtig, resp. ihn so stark im Geschäfte schädigt, rate ich, diejenigen, welche die unwürdige Zwitterstellung herbeiführen, wegen unlauteren Wettbewerb, Betrug oder Vorspiegelung

diesen drei Worten abgetan wäre. Der Herr hat sich noch sehr wenig mit dem Gewerbegesetz befaßt, denn sonst würde er wissen, daß ein solches Gesetz mit allen seinen Erläuterungen, Ausführungen und Strafbestimmungen wieder mindestens einige Dutzend Seiten betragen würde.

Herr H. S. bemerkt ferner, es ist unrichtig, daß man in Cyankalibäder Messing usw. nicht direkt vergolden kann.' Meine Bäder bestehen aus Gold, Cyankalium und destilliertem Wasser, ich wäre dem Herrn sehr dankbar, wenn er mir Winke geben würde, wie ich in einem solchen Bade, ohne vorheriges Versilbern, einen zuverlässig haftenden Niederschlag auf Messing und einer Anzahl Bronzen herstellen kann. Daß es Bäder gibt, die neben manchen anderen Chemikalien auch etwas Cyankalium enthalten, worin sich Messing usw. direkt vergolden läßt, weiß ich sehr gut. Diese Bäder werden fast alle warm angewandt, was sich bei Bädern von etwa 250 Liter aber schlecht machen läßt. Was nun den Goldniederschlag bei der Feuervergoldung angeht, so wollen wir annehmen, daß der erste Auftrag sich etwas mit dem Unterlegemetall legiert. (Daß eine Legierung stattfindet, ist wissenschaftlich längst erwiesen. Die Red.). Ist aber erst das Metall gedeckt, kann der weitere Uberzug nur reines Gold sein, denn das Quecksilber verdampft, wenn richtig erhitzt, vollständig. Herr H. S. behauptet weiter, die braunroten Flecken bei der elektrolytischen Vergoldung sollten entstehen, weil die Vergoldung zu schwach sei. Um den Herrn vom Gegenteil zu überzeugen, gebe ich den Rat, ein Stück Metall elektrolytisch so stark wie möglich zu vergolden, und ich bin gern bereit, nur durch Dämpfe dieses sehr schnell braun bis tiefschwarz sozu oxydieren, daß nur durch starke Cyankalilösung die oxydierte Schicht zu entfernen ist.

Zum Schluß des Artikels führt der betreffende nochmals die bösen Kataloge an, und ich glaube nicht, fehl zu gehen, wenn ich annehme, daß er mehr die Konkurrenz als die Feuervergoldung und das giftige Quecksilber scheut.

Artikel No. Il besagt richtig, daß es möglich ist, auch ohne gesetzliches Verbot der Feuervergoldung auszukommen, wenn man nur will. Das z. Z. gültige vorliegende Gewerbegesetz bietet jedem hinreichend Handhaben, so bald wie er durch die Feuervergoldung nur belästigt wird, von geschädigt garnicht zu reden, den Ausführenden, ob dieser Großfabrikant, ein kleiner Goldschmied oder Gürtler ist, zu zwingen, alle Übelstände zu beseitigen.

§ 120 a Titel 7, Absatz Il des Gewerbegesetzes gibt z. B. hierzu schon eine genügende Handhabe. Auf die vielen anderen Paragraphen, die hierauf Bezug haben, braucht man sich gar nicht zu beziehen. Artikel III beginnt mit der Schnupftabakdose, als finsterer, feuchter Behälter. Am Schlusse des Artikels heißt es, „wir sind die Modernen.“ Ganz so modern, wie der Herr zu sein glaubt, ist er, wie es mir scheint, nicht, denn sonst würde er das, was ich schrieb, besser verstanden haben. Der betreffende scheint aber über eine alte Schnupftabakdose noch nicht hinausgekommen zu sein, wie sich im Verlauf seines Artikels deutlich zeigt.

Was Herr Dr. Hans Braun über Quecksilbervergiftungen schreibt, ist mehr wie schlimm, derartiges mag in den Quecksilberbergwerken Sibiriens vorkommen, sonst aber wohl nirgendwo.

Herr R. G. bemerkt: „Es gibt allerdings Leute, die sich durch nichts überzeugen lassen.“ Dies ist sehr richtig, denn Auslassungen wie die nachfolgenden, sind sicherlich nicht dazu angetan, einen Praktiker zu überzeugen. In jenem Artikel heißt es: „Vor mir liegen eine Anzahl kirchlicher Geräte. Zum Teil ist auch sogar schon an ihnen die „bei allen feuervergoldeten sich ewig erhaltende echte Feingoldfarbe verschwunden.“ Hier muß man fragen: „Hat der Schreiber des Artikels III eine Ahnung über den Gang und die Entwickelung der kirchlichen Kunst? Weiß er, daß es eine Zeit gab, wo auf diesem Gebiete nichts Ordentliches gemacht wurde? Weiß er, aus welcher Zeit die vor ihm liegenden Stücke sind ? Hat er ein Urteil darüber, ob die Stücke nicht in neuerer Zeit verdorben wurden? In den Kirchen finden sich kaum noch Geräte im Gebrauch, an denen die alte Vergoldung noch vorhanden ist. Fast alle sind schon elektrisch nachvergoldet worden. Solche Stücke schwebten mir bei meinen Ausführungen nicht vor, und andere wird wohl Herr R. G. kaum in Händen gehabt haben, um sich von der Richtigkeit meiner Ausführung in dem früheren Artikel zu überzeugen. Nun heißt es weiter, „daß die Arbeiten aber feuervergoldet waren, beweist das Aufgestiegene." Wahrlich - ein mehr wie schlagender Beweis ! Herr R. G. scheint noch nicht erfahren zu haben, daß dies bei galvanischer Vergoldung auch vorkommt.

„Feuchtigkeit, und die in der Luft enthaltenen Säuren und Gase haben durch das aufliegende Gold hindurch das unterliegende Metall zerfressen und zersetzt," so schreibt er weiter. Also abermals ein Beweis, der aber mehr als lahm geht und sicherlich nicht dazu angetan ist, selbst den Unerfahrensten zu überzeugen. Muß das eine Luft gewesen sein, die sich durch die Goldauflage durchgefressen und das unterliegende Metall zersetzt hat! Solche Luft scheint mir noch gefährlicher als Quecksilberdampf zu sein. Bei solchen Ausführungen zeigt der Schreiber so recht, daß er noch sehr wenig alte Arbeiten gesehen hat, an welchen der Unterschied der beiden Vergoldungsverfahren zu studieren ist. Denn bekanntlich waren die Alten in der Regel so schlau, nicht weiter wie eben nötig zu vergolden, und die Feuchtigkeit und die in der Luft enthaltenen Säuren und Gase hatten gar nicht nötig, sich erst durch das Gold „durchzufressen.“ Würde die Sache so sein, wie Herr R. G. schreibt, so müßten die Stücke an den unvergoldeten Stellen, (z. B. das Innere der Kelchfüße) ja von der bösen Luft gänzlich zerstört worden sein. Denn an solchen Stellen brauchte nicht erst das Gold „durchgefressen“ zu werden. Die Zersetzung hätte hier bestimmt bedeutend schneller anfangen müssen. Das „Durchfressen" der Goldschicht dauert doch einige Zeit, und da wo kein Gold war, konnte die Zerstörung also sofort beginnen.

Die Sache liegt demnach sicherlich etwas anders. Früher gab es ebenso wie jetzt noch Leute, denen es an der nötigen Erfahrung fehlte und die auch wohl nachlässig und schlecht arbeiteten, ganz besonders zur Zeit des Niederganges der kirchlichen Kunst. Die rauhgewordenen Stellen in den Bechern der Kelche etc., wie man sie hier und da findet, also die Poren rühren von der schlechten Vergoldung her. Bei diesen Stücken ist die Farbe in der Regel blaß und dort, wo sich die porigen und wurmigen Stellen zeigen, fast ganz abgenutzt. Diese Erscheinung hat nur in dem schwachen Goldauftrag seine Ursache. Der Goldauftrag ist zu wenig abgedampft,

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enthält also noch, wenn auch nur in ganz geringen Mengen, salpetersaures Quecksilber. Und dieses ist es, welches auf die Dauer das Metall (Silber usw.) zersetzt. Läge der Grund vor, den Herr R. G. angibt, so würde die Zerstörung, wo nie Gold gesessen. viel größer sein. Dort sind aber selbst die schlechtesten Stücke nicht zerfressen und nicht porig.

Lieb wäre mir, wenn Herr R. G. mir sagte, wo ich Gelegenheit fände, mich von der Gefährlichkeit der Feuervergoldung zu überzeugen, wo ich die Folgen sehen könnte. Was hierüber geschrieben ist, hat hier keinen Wert, denn daß die Verhältnisse früher böse waren, glaube ich. Heute liegt die Sache aber anders. Mehrere Jahre bin ich als Gold- und Silberschmied draußen gewesen, arbeitete in großen und kleinen Betrieben im In- und Auslande. · In dieser langen Zeit habe ich aber auf keiner Werkstatt das Wort Feuervergoldung gehört und ebensowenig gesehen, daß etwas im Feuer vergoldet wurde. Ganz besondere Aufträge, die ich erhielt, verlangten und machten es nötig, daß ich im Feuer vergolden mußte. Zum Glück stand mir ein alter Praktiker zur Seite. Dieser Kollege hatte früher alles im Feuer vergoldet und verstand die Sache von Grund auf, wie nur sehr wenige heute. Das gefürchtete Quecksilber fehlt aber auch bei diesem Manne in den Knochen, wenigstens ist trotz seines hohen Alters nichts davon zu merken.

Im Artikel I heißt es ja auch: „Das ist das wahre Bild der »bereits sterbenden Feuervergoldung«“. Das Wort wird in die Kataloge nur hineingedruckt, weil man weiß, daß dies für das Geschäft nutzbringend ist.

Der Satz im Artikel III: „Man streitet darüber, ob galvanische Vergoldung Feuervergoldung ersetzen kann, vielfach ohne alle Vorstudien und Erfahrungen,“ verrät großes Selbstbewußtsein. Ein hierfür passenderes Wort will ich nicht anführen. Elektrolytische Vergoldung kann eine gut ausgeführte Feuervergoldung, was Widerstandsfähigkeit gegen die Einflüsse der Luft und ihre Bestandteile angeht, nicht ersetzen. Wohl in der Stärke des Niederschlages ist auf elektrolytischem Wege dasselbe zu erzielen. Die Leute, denen „das Quecksilber in den Knochen sitzen“ soll, wie Herr R. G. schreibt, werden wohl nur sehr selten „herumlaufen“. Diese sind eben selbs an ihrem Leiden schuld, denn bei Beachtung der richtigen Vorsichtsmaßregeln ist das Verfahren der Feuervergoldung nicht gefährlicher, wie das Umgehen mit Cyankalium.

Wer die Frage: „Ist es nötig, ein Gesetz fabrizieren zu lassen, welches die Feuervergoldung verbietet ?“ zuerst angeregt hat, ist wohl gleich. Nötig ist ein solches Gesetz nicht, denn erstens wird nur sehr wenig mehr im Feuer vergoldet, dann gibt es aber Vorrichtungen, die alle Ubelstände beseitigen, und diese einzurichten, kann jeder durch die schon vorliegenden Gesetze gezwungen werden, was Herr R. G. aber nicht zu wissen scheint.

„Wie doch sehr oft, sind auch hier die Modernen die Stärkeren, heißt es da zum Schlusse. Ob Herr R. G. wirklich so modern ist? Ein Moderner setzt sich über das Veraltete hinweg und überläßt es seinem Schicksal, dies tun aber die Herren H. S. und R. G. nicht. Beide sehen ein Gespenst, welches für den Modernen nicht existiert. Denn mich stören weder die Kataloge mit dem Wort „Feuervergoldung“, noch die Feuervergoldung selbst, aber ebensowenig würde mich auch ein gesetzliches Verbot stören. Ob die Feuervergoldung verboten wird oder nicht, ist mir vollständig gleichgültig, denn wenn nötig, wird doch im Feuer vergoldet. Mich stört nur das Bewußtsein, mit einem solchen Gesetz wieder etwas mehr unter Polizeiaufsicht gestellt zu werden. Dies ist meiner Ansicht nach eines freien Mannes unwürdig und hat mich auch veranlaßt, die Artikel zu schreiben. Was der eine oder andere für gut oder besser halten, ist für mich Nebensache. Ich probiere beides, und das, was für mich am passendsten ist, mache ich. Nur eines bedaure ich, daß es eine Menge Leute gibt, die sich nur wohl fühlen, wenn sie hören oder lesen: „Es ist verboten. Schon die Worte genügen für diese Kategorie. Wenn die Herren aber erst weiter lesen würden und sich klar werden, was alles verboten ist, würden sie nicht nach weiteren Verboten schreien. Dem Modernen wird aber auch dieser Spektakel gleich sein. Ich wünsche den Herren recht guten Ertolg und viel Glück. Darüber weiter zu streiten, welche Art der Vergoldung gut oder besser, ist zwecklos. Treten Sie nur recht warm für das Gesetz ein, damit die 170 (?) Herren, die durch ihre Unterschrift ihre Zusage kundgaben, auch recht bald den Erfolg sehen. Für mich ist die Sache erledigt.

P. B.

III. Was die Gefährlichkeit des Quecksilberdampfes betrifft, so nur ebenso, sondern viel mannigfacher, schöner und dauerhafter besteht eine solche in hohem Grade. In einer Fabrik, in welcher herzustellen, als wie mit dem Quecksilber-Verfahren. Die Quecktäglich ca. 45-50 Kilogramm Waren im Feuer vergoldet werden, silber-Vergoldung wird nur noch von denjenigen ausgeführt, welche wobei eine große Menge metallisches Quecksilber zum Verdampfen die neuesten galvanischen Arbeiten noch nicht kennen, und ihre gebracht wird, genügt ein geschlossener Kasten, welcher in ein alten Einrichtungen zur Feuervergoldung nicht verloren lassen Kamin einmündet, bei weitem nicht. Wird in den Kamin, in welchen sein wollen. Diese neuen Arten der Vergoldung werden z. T. als die giftigen Dämpfe geleitet werden sollen, nicht durch ein stark Fabriks-Geheimnis bewahrt. unterhaltenes Feuer ein lebhafter Luftzug geschaffen, so können die Was nun das Verbot der Feuervergoldung betrifft, so wäre Dämpfe nicht durch den Kamin abziehen, und nehmen eventi. ihren dieses in absehbarer Zeit nicht zu erreichen. Das Sicherste und Weg teilweise in das Lokal, in welchem der Apparat aufgestellt ist. Nächstliegende wäre aber, eine belehrende Instruktion der Fabrik

Ein entsprechend angebrachter Ventilator, am oberen engen inspektoren herbeizuführen, denn es ist bekannt, daß gerade die Teile des Kastens, ist für sicheren Abzug das allein Passende. Fabriken, die in Feuer vergolden, nicht genügend kontrolliert werden, Wenn bei der Arbeit des Feuervergoldens keine der hier benannten hinsichtlich der Schutzmaßregeln im Interesse der Arbeiter. Ebenso Vorsichtsmaßregeln getroffen wird, so ist die Gesundheit der be- wie bei der Feuervergoldung, wäre bei elektrolytischen Einrichtungen treffenden Arbeiter in hohem Grade gefährdet. Selbstverständlich zu beanspruchen, daß die Fabrikinspektoren auch diese Betriebe muß auch der Raum, in welchem diese Vorrichtung angebracht ist, unter ihre besondere Aufsicht nehmen. ein für sich abgeschlossener sein, und dürfen sich keine Arbeiter So viel mir bekannt, kommt es sehr häufig vor, daß das darin befinden. Um diesen gefährlichen Betrieb streng zu über Arbeiterpersonal in dem gleichen Raume sich befindet, in welchem wachen, wäre es nötig, daß die Fabrikinspektoren die nötigen mit blausäurehaltigen Bädern gearbeitet wird. Die dem Bädern entKenntnisse besitzen, um ihr Augenmerk insbesondere auf diesen strömenden Dämpfe sind ebenfalls eine große Gefahr für die Gegefährlichsten Betrieb zu richten.

sundheit der Arbeiter. Leider wird dies aber von Fabrikanten und Es werden sich ja sicherlich nur wenige noch mit dieser ver Arbeitern noch nicht genügend beachtet. Auch hier wäre ein alteten Methode befassen, da es ja gegenwärtig mit dem elektro- Ventilator vorzuschreiben. lytischen Verfahren möglich ist, alle Arten von Vergoldungen nicht

Offene Antwort auf den offenen Brief des

„Journals der Goldschmiedekunst“.

Über diese Antwort des Kandidaten Jobses
Geschah ein allgemeines Schütteln des Kopfes.
Der Herr Diebener sprach zuerst: Hem! Hem!

Und die anderen secundum ordinem.
In der Tat, Oskar Webel scheint nachgerade in den Stil der
„Jobsiade“ zu verfallen. Als wir seinen „offenen Brief“, seine
Antwort auf unsre Artikel in der Feuervergoldungsfrage, gelesen
hatten, sahen wir uns eine Weile an, sodann brachen wir in ein
homerisches Gelächter aus. Oskar, sagten wir, hat da den neuesten
„Meßwitz“ machen wollen, er ist ihm aber unrichtig gegangen!

Nichts ist doch gefährlicher, als in einer Aufwallung des Zornes über eine vermeintliche Kränkung sich ohne Besinnen hinzusetzen, die scharf geschliffene Redaktionsfeder in Gift und Galle zu tauchen und gegen eingebildete Beleidigungen loszuziehen. Das erinnert zu sehr an den Ritter von La Mancha! Wir könnten ja, nach einem bewährten Goetheschen Rezept auf den groben Klotz einen groben Keil setzen, aber wir sind durch Webel in eine so heitere Stimmung versetzt worden, daß uns jeder Tropfen Gift abhanden gekommen ist. Dieser „offene Brief“ sitzt, um mit Hamlet zu reden, lächelnd um unser Herz! Das Bewußtsein des guten Rechts und der reinen Absichten gibt uns bei der Erörterung der aktuellen streitigen Frage eine olympische Ruhe, während Webel wie die von Falstaff geworbenen Soldaten um sich herumhaut und dabei im blinden Eifer das eigne Wams trifft.

Unsere Besprechung der Feuervergoldungsfrage brachte nicht unsere persönlichen Ansichten zum Ausdruck, sondern die Meinung einer großen Anzahl von Fachgenossen, die wir durch unsern Mitarbeiter für Chemie, also einem Fachmann, sachgemäß bearbeiten ließen und in unserm Blatte zur Diskussion stellten. Wenn nun einige der in unsern Artikeln enthaltenen etwas scharfen Bemerkungen, wie solche in jedem lebhaften Meinungsaustausch auf jeder Seite unterlaufen, Webel in Harnisch gebracht haben, so können wir nur bedauern, daß er ein offenes Wort nicht vertragen kann und gleich überall einen Angriff auf seine geistige Hoheit erblickt. Kein vernünftiger Leser wird auf Grund unsrer Bemerkungen den Eindruck gewonnen haben, daß wir mit Absicht einen Streit mit dem Journal“ haben vom Zaune brechen wollen. Wir betrachten auch diesen Zwischenfall nicht etwa als ein Abbrechen der geschlagenen Brücke. Aber eine „offene Antwort auf einen „offenen Brief“ wird man uns nicht verargen. Wir glauben sogar, daß Webel, wenn er es auch nicht zugestehen wird, mit der Ungeduld eines verliebten Mädchens, das einen Liebesbrief hinaussandte, unsere Antwort in dieser Nummer erwartet.

„Unterstellungen“ und „Anmaßungen“ liegen vielleicht darin, daß das „Journal“ glaubt, die Interessenvertretung des Goldschmiedegewerbes schon zu einer Zeit gewährleistet zu haben, als wir noch gar nicht auf der Welt waren. Nun, wer die damaligen Jahrgänge des Journals ansieht, der weiß, was es mit dieser Interessenvertretung der damaligen Scheren-Redaktion auf sich hatte. Erst seit wir in Wettbewerb traten, raffte sich auch das Journal auf, und sein Äußeres wie sein Inneres bekam einen anderen Anstrich. Webel sollte uns also im Stillen die Hand drücken für den durch uns bewirkten „Aufschwung des Journals“. Vielleicht tut er's auch. Hat er sich doch schon manchen Rock anmessen lassen, in dem er uns vorher einhergehen sah. Kaum, daß wir noch einen Schlips tragen können, den er nicht auch alsbald sich unter das Kinn bände! Wenn wir von einem „angeblichen“ Eintreten für das Goldschmiedegewerbe in den Artikeln des „Journals“ gesprochen haben, so meinen wir damit natürlich nur die Feuervergoldungsfrage. Es ist uns nicht im Traume eingefallen, das allgemein behaupten zu wollen. Dazu sind wir viel zu irenische Naturen!

In die Rolle eines, wie so schön gesagt wird, „Apostels des Goldschmiedegewerbes“ täuschen sich der Herausgeber der D. G. Z. ebensowenig wie seine Mitarbeiter hinein, denn diese Rolle hat ja das Journal, wenn man seinen Worten trauen darf, seit 25 Jahren in Erbpacht, und es sei ferne von uns, sie ihm streitig machen zu wollen. Die D. G. Z. begnügt sich vielmehr damit, die Aufgaben, die ihr durch ihre erfreuliche Entwickelung zugefallen sind und die ihr allseitige Anerkennung durch die Art ihrer Bearbeitung eingetragen haben, weiter zu erfüllen. Daß die D. G. Z. mit berechtigtem Stolz auf den Beifall blickt, den ihre Arbeit für die Interessen des Juwelier-, Gold- und Silberschmiede-Faches bei den Angehörigen desselben gefunden hat, wird ihr niemand übel nehmen, und das Journal möge es ihr gönnen, wie sie auch diesem gegenüber ein neidios Gemüt bewahrt hat. Also, lieber Oskar, nachdem sich Ihr Eifer durch etwas Brausepulver und einige nachgespülte Flaschen Sauerbrunnen gelegt haben wird, denken Sie daran, daß auch Orest und Pylades, David und Jonathan zuweilen die Wahrheit gesagt haben, im übrigen aber – na, Sie wissen schon, was wir sagen wollen, Bruder Jonathan!

Unsere Stellung zu der Frage des gesetzlichen Verbotes der Feuervergoldung fassen wir nochmals in folgende Worte zusammen: 1. Es ist bewiesen, daß die Feuervergoldung unter der Vor

aussetzung, daß sie in einem technisch - tadellosen Abzuge vorgenommen wird, gänzlich gefahrlos für die Arbeiter ausgeführt werden kann.

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