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Geiste und den Fortschritten der Zeit die nötige Rechnung

A Kirchenschmuck (Goldschmiedearbeiten.) zu tragen, so ist eine derartige wirkliche Rückständigkeit nicht der Kirche sondern der Einzelgruppe, den betreffenden 1. Der Altar selbst muß nach den Vorschriften der Kirche Personen zuzuschreiben.

von Stein, und zwar von natürlichem Steine sein. Er besteht Mit der Bezeichnung „Kirchliche Vorschriften“ heißt es aus einem steinernen Tische (mensa) und dem Untersatze überhaupt sehr vorsichtig sein, denn noch lange nicht das, (stipes). Diese beiden Teile kommen für die Goldschmiedewas da ein strebsamer Kaplan, ein kunstliebender Domkapi- kunst somit weniger in Betracht, doch kommt es manchtular oder der Vorsteher eines kirchlichen Kunstinstitutes mal vor, daß Reliquienbehälter (sepulchrum) aus kostbaren verlangt, ist kirchliche Vorschrift; sondern als kirchliche Metallen in dieselben eingelassen werden. Das Metallgefäß Vorschriften sind nur solche zu bezeichnen, die aus dem darf, um das Oxydieren zu verhindern, in ein Krystallgefäß Geiste der Kirche selbst hervorgegangen sind, und die im eingeschlossen werden. Auch wird der Untersatz manchmal Laufe der Zeiten mehr oder weniger universelle Bedeutung mit figürlichen Darstellungen geschmückt. Das Hauptfeld für erlangt haben.

die Betätigung der Goldschmiedekunst aber bildet der AltarDiese Vorschriften finden sich zum großen Teile in den aufsatz, und zwar besonders derjenige des romanischen Ritualbüchern, den Erlassen der Kongregation der Riten, den Altares. Konstitutionen der verschiedenen Provinzial- und Diözesan Der Hauptteil des Altaraufsatzes ist das Tabernakel, und synoden und in den Beschlüssen der Konzilien.

die kirchlichen Vorschriften bestimmen Man könnte nun einwerfen, daß die

a) Den Ort desselben. „Dasselbe muß Vorschriften der Provinzialsynoden usw. doch

stets inmitten auf dem Altare angebracht nur eine beschränkte Giltigkeit haben könnten.

sein, und zwar in Pfarr- und Regularkirchen Das ist ja richtig, aber wenn man Gelegen

auf dem Hochaltar, in Kathedralen aber in heit hat, umfangreicheres Material in dieser

einer eigenen Kapelle oder auf einem NebenBeziehung zu vergleichen, so wird man sich

altar. wundern über die Ubereinstimmung, die

b) Material und Form. Es sei in der hierbei zutage tritt und, die von Kleinigkeiten

Regel von Holz oder aber von kostbarem und rein örtlichen Bestimmungen abgesehen,

Marmor oder Metall. Die Form richtet einen glänzenden Beweis für den nach Ein

sich nach dem Charakter der Kirche; sie heitlichkeit strebenden Geist der Kirche ist.

kann rund, aber auch 4–6–8 eckig konZudem sind viele der angeregten Be

struiert sein. stimmungen nachträglich vom päpstlichen

c) Größe. Das Tabernakel sei von Stuhle approbiert worden.

solchem Umfange, daß in demselben nicht Dies letztere gilt z. B. von den Mailänder

blos das Ciborium, sondern auch die Monakten, das sind die Beschlüsse der Konzilien

stranz Platz findet, jedoch darf dadurch des hl. Karl Borromäus, die für viele Spezial

der Altartisch nicht beengt werden. Es muß verfügungen nachfolgender Zeiten grund

soweit zurückstehen, daß der Priester auch legend geworden sind.

bei nach außen geöffneter Tür in seinen Aus den angeführten Quellen sind denn

Hantierungen nicht gestört wird. Es stehe auch die nachfolgenden Vorschriften in bezug

aber nicht soweit zurück, daß der Prieauf die kirchliche Goldschmiedekunst aus

ster eines Schemels bedarf, um das Allergewählt worden, wobei prinzipiell alle

heiligste herausnehmen zu können, noch so örtlichen Bestimmungen als unwesentlich

hoch, daß der Priester auf den Altar steigen übergangen wurden.

müsse. Die Werke der kirchlichen Goldschmiede

d) Schmuck. Das Tabernakel soll nach kunst werden gewöhnlich in zwei Haupt

dem Vermögen der Kirche möglichst kostbar gruppen geteilt, nämlich in Schmuckstücke

ENTWURF

und mit besonderer Auszeichnung hergestellt und eigentliche Gefäße und Geräte. ES ZU EINEM SILBERBECHER. sein. Nach den Bestimmungen des hl. sollen sich demgemäß auch die vorliegenden

A. KAHLBRANDT, ALTONA.

Karl Borromäus soll es mit goldnen oder Ausführungen an diese Einteilung halten,

silbernen Platten oder mit vergoldetem Erz doch übernehme ich keine Garantie dafür,

ausgekleidet werden, die nach den Gesetzen daß nicht der eine einen Gegenstand zu den Schmuckstücken der Kunst zu verzieren seien. Besonders soll auch die Tür zählt, der hier unter den Geräten aufgeführt wird, doch ist des Tabernakels verziert werden, etwa mit einem Kruzifixe, dieses für die Hauptsache, für die kirchlichen Vorschriften, dem Bilde des auferstandenen Heilandes oder ähnlichen Darja auch von keiner Bedeutung.

stellungen. Niemals aber darf dasselbe Vorrichtungen zum Als Schmuckstücke seien genannt:

Anbringen von Kerzen oder Blumenschmuck erhalten. 1. Der Altaraufsatz und seine Teile.

Endlich muß das Tabernakel so stark gearbeitet sein, 2. Kreuze und Kruzifixe.

daß es möglichst gegen gottesräuberische Hände geschützt 3. Leuchter und Lampen.

ist. Es muß so fest schließen, daß auch ein Eindringen von 4. Reliquiare.

Staub unmöglich ist. Über dem verschlossenen Tabernakel 5. Grabdenkmäler, Votivtafeln und Verzierungen. befinde sich ein zweites in Gestalt eines Baldachins zur AusAls Hauptgefäße und Geräte seien angeführt:

setzung des Allerheiligsten. (Bei letzteren Bestimmungen 1. Der Kelch (Patene).

wird auf die Größe der Monstranzen Rücksicht genommen 2. Das Ciborium.

werden müssen, da man wohl kaum zwei Tabernakel für 3. Die Monstranz.

Monstranzen von Meterhöhe übereinandersetzen kann. 4. Gefäße zu den hl. Olen.

Sonst sei in bezug auf den Aufsatz noch auf folgende 5. Meßkännchen und Meßglöckchen.

Punkte hingewiesen: 6. Weihgefäße (Weihwassergefäße und Wedel).

1. Der Hauptschmuck des Altars ist das Kreuz. Dieses 7. Weihrauchgefäße.

muß immer eine hervorragende Stelle einnehmen. 8. Meßbücher (Einbände).

2. Der Stil ist dem Stile der Kirche anzupassen. So 9. Kanontafeln.

paßt z. B. der reiche Bilder- und Flügelaltar nicht in eine 10. Verschiedenes.

einfache Basilika,

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3. Alles verwandte Material sei echt.

nach muß sich die kirchliche Kunst bei Surrogate bleiben ausgeschlossen. Gute

Entwurf und Schmuck richten. Und Hand Vergoldungen gelten als echt, da sie

aufs Herz! Man kann einer gesunden nicht den Zweck haben, etwas Falsches

Stilentwickelung auch in Kirchensachen vorzutäuschen, sondern rein schmückend

noch so sympatisch gegenüberstehen, wirken.

Lichtträger, wie sie in den modernen Be2. Kreuze und Kruzifixe. Wie

leuchtungsgeschäften ausgestellt sind, wo eben schon bemerkt, ist das Kreuz der

man oft glauben könnte, die ausübenden Hauptschmuck des Altars, doch findet es

Künstler hätten ihre Studien an den auch sonst als Schmuck usw. vielfach

Scheusalen der Meerestiefen gemacht, Verwendung.

solche Lichtträger können nie für die Die Kirche bestimmt:

Kirche in Betracht kommen. a) Das Altarkreuz muß das Bild des

Die Vorschriften sind hier recht Gekreuzigten tragen.

zahlreich, und aus den wichtigsten seien b) Ein kleines Kreuz mit dem Bilde

folgende hervorgehoben: des Gekreuzigten etwa über dem Taber

a) Die Altarleuchter müssen auf dem nakel oder an der Türe desselben be

Altare selbst stehen, nicht etwa neben festigt, genügt nicht, es muß ein größeres

demselben oder etwa in Armleuchtern an Kreuz so aufgestellt werden, daß Priester

den benachbarten Wänden. und Volk es sehen können, daß es also

b) Jeder Altar, auf welchem zelebriert über den zelebrierenden Priester hinausragt.

wird, muß sechs einzelne Leuchter haben, c) Das Kreuz soll wenn möglich über

auf jeder Seite drei. Diese Einzelleuchter die Leuchter emporragen, doch soll es

können nicht etwa durch Armleuchter stets mit der Größe des Altars passend

mit je drei Kerzen ersetzt werden. In und gefällig übereinstimmen.

bezug auf die Größe seien sie nicht d) Wenn sich im Aufbau des Altars

gleich, sondern aufsteigend, so daß die ein gemaltes, geschnitztes oder ge

größten neben dem Tabernakel zu stehen schmiedetes Kreuz als Hauptbild befindet,

kommen. braucht kein besonderes zweites Kreuz

c) Die Altarleuchter für hohe Feste angebracht zu werden.

sollen, wenn nicht von Gold, so doch e) Wenn kein besonderes Pro

von Silber sein; für den täglichen Gezessionskreuz vorhanden ist, soll das BAYRISCHER BAUERNSCHMUCK: brauch genügen solche aus Kupfer, Messing Altarkreuz so eingerichtet sein, daß man

HAARPFEIL.

oder Zinn. Neusilber, Talmi usw. soll es abnehmen und mit einer Tragstange

nicht verwandt werden, dann eher noch verbinden kann.

hölzerne. f) Das Altarkreuz sei aus Silber oder sonst einem edlen d) Der Fuß der Leuchter sei rund oder dreieckig, der Metalle. Ist dieses nicht möglich, so sei es aus vergoldetem Schaft soll sich nach oben verjüngen, die Spitze mit einer Kupfer und nur im Notfalle aus vergoldetem und bemaltem Holze. Schale für das abfließende Wachs versehen sein. Im Entwurf

Über Entwurf und Ausführung der Kreuze sind kaum und in der Ausführung sollen sie möglichst mit dem AltarRegeln gegeben, hier entscheiden Stil, Geschmack und – kreuz übereinstimmen. Geldmittel.

e) Der Leuchter für die Osterkerze soll sich durch seine 3. Leuchter und Lampen. Leuchter und Lampen spielen Größe und Ausführung von den andern unterscheiden. als Lichtträger in der Kirche eine große Rolle, wobei in un f) Lampen. Von Lampen hat sich in den meisten Kirchen sern Landen die Leuchter überwiegen, während im Morgenlande nur die Lampe vor dem Hochaltar, das „ewige Licht“, erhalten, und schon in Italien

welche durchdie Lampen eine

gehends die Geäußerst vielseitige

stalt einer Ampel Anwendung finden.

hat und je nach Dasselbe ist auch

dem Vermögen aus in Rußland der Fall.

edlen Metallen oder Die Lichter haben

aus vergoldetem aber weniger den

Kupfer gearbeitet Zweck, zuleuchten,

ist. Für Goldals zur Erhöhung

schmiede aber, die der Feierlichkeit

nach den oben erbeizutragen. Dann

wähnten Ländern aber haben die

liefern, seien folLichter eine hohe

gende Regeln ansymbolische Be

geführt: deutung, sie ver

Die Lampen sinnbildlichen den

werden entweder jenigen, der das

einzeln gebraucht Licht der Welt ist,

oder zu Lampaseine Gnaden usw.

darien vereinigt, und gelten endlich

wobei die Zahl als Opfergaben.

immer eine unDaher faßt die

gerade sein muß. Kirche auch die

Ein solcher LamLichtgefäße symBAYRISCHER BAUERNSCHMUCK: GROSSE HALSSCHLIESSE.

penträger soll vor bolisch, und daMITGETEILT VON ANTIQUAR G. v. FLOTOW, MÜNCHEN.

dem Hochaltare

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hängen und wenigstens drei Lichter haben, während vor dem Gefäße und Geräte, die im folgenden Abschnitt behandelt Sakramentsaltar die Zahl nicht unter 5 gehen soll.

werden sollen. Es dürfen keine Lampen über der Mensa des Altares angebracht werden, auf daß jede Verunreinigung vermieden wird.

B. Gefäße und Geräte. Vor Sakramentsaltären sollen Lampen oder Lampadarien 1. Kelche und Patenen. Unter den hl. Gefäßen der stets in der Mitte hängen und zwar so hoch, daß sie die Kirche nimmt der Kelch die erste und vornehmste Stelle ein. Vorübergehenden nicht hindern.

In den ersten christlichen Zeiten wurden hölzerne oder gläserne Hinsichtlich der Form wird besonders die früher allge- Kelche gebraucht, aber schon im 3. Jahrhundert kommen silmeingebräuchliche Schiffchenform empfohlen, wobei die Lampe berne und goldne Kelche in Gebrauch, und in der Folge sich nach oben und unten erweitere, in der Mitte aber sich wurden Edelmetalle fast das ausschließliche Material. verengt und in einen Nodus zusammenlaufe. Die Lampadarien. Bei der großen Wichtigkeit und Wertschätzung des Kelches auf welchen mehrere Lampen ruhen, seien kreisrund gefertigt, hat die Kirche zu allen Zeiten in bezug auf seine Anfertigung turmähnlich in die Höhe geführt und aus Delphinen zusammen- und Durchbildung genaue Vorschriften erlassen. gesetzt, welche die einzelnen Lampen tragen.

a) Material. Der Kelch soll aus Gold oder Silber an4. Reliquiare. Reliquiare sind bekanntlich jene Behält- gefertigt werden oder wenigstens eine silberne, innen vernisse, worin die kath. Kirche die Reliquien der Heiligen auf- goldete Cuppa haben. Nur im Notfalle sind Kelche aus bewahrt. Kirchliche Vorschriften kommen hier weniger in Kupfer oder Zinn gestattet. Besteht der Kelch aus Kupfer, bezug auf die Behältnisse als auf den Inhalt zur Geltung. so muß er ganz vergoldet sein. Messing oder Neusilber darf Als einschlägig seien angeführt:

als Material nicht verwandt werden. a) Sind ganze hl. Leiber oder doch ein großer Teil der b) Die Form des Kelches ist durch die Überlieferung selben aufzubewahren, so sollen dafür eigene Schreine her festgesetzt, es ist eben die Kelchform. Jeder Kelch besteht gestellt werden.

aus drei Teilen, dem Fuß zum Aufsetzen, dem Knauf zum b) Diese Schreine sollen aus edlen Metallen, Marmor usw. Anfassen und dem Becher oder der Cuppa zum Trinken. ausgeführt und mit hl. Darstellungen oder Symbolen geschmückt Der Fuß soll rund, sechs- oder achteckig sein und im sein. Ganz besonders aber soll das Innere mit kostbaren Verhältnis zur Höhe so breit, daß der Kelch fest steht und Metallen ausgekleidet oder doch vergoldet sein, während die nicht umfallen kann. Auf der Oberfläche des Fußes kann Reliquien noch besonders in Seide gewickelt werden.

Bildwerk angebracht werden, doch so, daß es die Hand nicht c) Kleinere Teile sollen ebenfalls nur in passenden und hindert. Es seien aber nur heilige Bilder, vorzüglich aus geschlossenen Gefäßen zur Verehrung ausgestellt werden. dem Leiden Christi angebracht, nicht aber zweckloses FigurenAuch diese Gefäße seien aus Silber und Gold oder, wenn werk oder prangende Wappen. aus geringerem Metall, doch wenigstens gut vergoldet.

Zwischen dem Fuße und der Cuppa sei das Verbindungsd) Die Form der Reliquiare ist sehr verschieden, sie rohr so hoch, daß der Kelch bequem gefaßt werden kann. wechselt von einfachen Kassettchen bis zum kunstvoll aus- Es wird durch den Nodus oder Knauf gegliedert, der reich gearbeiteten Kapellchen. Da gibt es Monstranzen, Häupter, geschmückt und mit Edelsteinen und Perlen verziert werden Armreliquiare, Reliquientafeln, so daß also hierin dem schaffen darf. Der Schmuck darf jedoch nie scharfkantig oder spitzig den Künstler die größte Freiheit gelassen wird.

sein, weil dadurch die Hand des Zelebrierenden verletzt 5. Grabdenkmäler, Votivtafeln und Verzierungen werden könnte. schlagen weniger in das Fach des Goldschmiedes, doch kommt Auch die Außenseite der Cuppa kann mit Ornamenten es noch immer vor, daß auch solche Arbeiten in edlen Me- usw. geschmückt werden, doch muß der Schmuck wenigstens tallen ausgeführt werden.

2–3 Finger breit vom Rande entfernt bleiben. Hier wird nur kirchlicher Stil und Anpassung an die Der Form nach sei die Cuppa unten schmäler und erUmgebung vorgeschrieben, und figurale Darstellungen sowie die weitere sich zum Rande hin. Der obere Rand sei möglichst Inschriften müssen

dünn, doch ohne ernst und würdig ge

verletzende Schärfe, halten sein. Werden

und in keiner Weise Grab- oder Gedenk

gebogen. Weder intafeln in den Boden

noch auswendig dürder Kirche einge

fen Kreise gezogen lassen, so dürfen sie

werden, sondern alles weder Kreuze noch

sei glatt und eben. andere hl. Symbole

In bezug auf die tragen. Sie bedürfen

Größe bestimmte Karl überhaupt der be

Borromäus, daß ein sonderen Genehmi

einfacher Meßkelch gung der kirchlichen

9 Zoll hoch sein und Behörden.

10°/2 Zoll im Umfange Damit dürften die

haben soll, bei kostwichtigsten Vorschrif

bareren Pontifikalten über kirchlichen

kelchen erhöhen sich Schmuck gegeben

diese Maße auf 11 sein, und nur in be

und 134/2 Zoll. sonders reichen Kir

c) Die Patene sei chen und Domen fin

ebenfalls aus edlen den sich noch andere

Metallen oder wenigArbeiten, die dem

stens gut vergoldet. nach hier zu weit

Sie soll eine runde führen würden. Noch

Form und einen scharwichtiger als die

fen Rand haben. Sie Schmuckstücke aber BAYRISCHER BAUERNSCHMUCK: FILIGRAN-HAARNADELN.

muß ferner glatt, das sind die eigentlichen MITGETEILT VON ANTIQUAR G. v. FLOTOW, MÜNCHEN.

heißt ohne erhabene

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oder

W

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oder vertiefte Verzierungen sein und nur in der Mitte eine e ) Die Monstranz darf nur zu dem anfangs angeführten leichte Vertiefung haben, welche an Umfang dem Rande des Zwecke benutzt werden, also nicht auch, um Reliquien darin Kelches gleichkommt.

zu bewahren. d) Das Löffelchen, welches gewöhnlich zum Kelch ge 4. Gefäße zu den hl. Ölen sind dreifacher Art. Es sind: braucht wird, ist nicht besonders vorgeschrieben.

a) Ölgefäße zur Priesterweihe. Diese sind naturgemäß 2. Das Ciborium ist jenes Gefäß, worin das Allerheiligste, nur in Domkirchen vorhanden. die konsekr. Hostien aufbewahrt werden.

b) Größere Gefäße zur Aufbewahrung des hl. Öles in a) Das Ciborium sei von Gold oder Silber und im letz- Pfarrkirchen. tern Falle von innen vergoldet.

c) Kleinere Gefäße für den direkten Gebrauch. Diese b) Es soll so groß sein, daß es genügend Hostien für Gefäße sollen wenigstens von Silber und mit ihrem Zeichen die Kommunion der Gläubigen aufnehmen kann.

oder großen Buchstaben kenntlich gemacht sein. Im Notfalle c) Das Ciborium soll einen festen breiten Fuß haben, sind Zinngefäße zu nehmen. Alle sollen in einem hölzernen einen bequemen Schaft (mit Nodus) und einen helmförmigen Gefäße eingeschlossen werden. aufwärtsstrebenden, mit dem Kreuze abschließenden Deckel. 5. Meßkännchen und Meßglöckchen. Das Innere muß vollständig glatt sein.

a) Die Meßkännchen sollen von Kristall, Glas oder edlen d) Das Krankenciborium, welches der Priester zu Verseh- Metallen sein. Sind sie von Gold oder Silber, so sollen sie gängen benutzt, kann sowohl die eben beschriebene Form deutlich bezeichnet sein, damit sie beim Gebrauche nicht als auch die einer pyramidalen Kapsel haben. Es sei aus verwechselt werden. Edelmetall oder vergoldet, mit dem Kreuze oder dem Bilde b) Der Form nach sollen Gefäße aus Edelmetall von des Heilandes geschmückt. In dieses Gefäß soll eine kleinere unten auf in fast gleicher Weite gebildet werden, damit sie Silberkapsel mit der Hostie eingelegt werden können. Diese leicht gereinigt werden können. Innenkapsel muß im Innern vergoldet und mit einem fest

c) Kristallgefäße können unten ausgebaucht und mit schließenden Deckel versehen sein.

Ausgußröhrchen versehen werden. Sie seien zudem mit 3. Die Monstranz ist jenes Gefäß, worin das Allerheiligste goldnen und silbernen Spannen, Beschlägen und Deckeln der kath. Kirche den Gläubigen zur Anbetung ausgestellt verziert. wird. Auch wird vermittels derselben der sakramentale Segen d) Das Becken, worauf die Kännchen getragen werden, erteilt. Die wichtigsten Vorschriften sind folgende:

kann sowohl aus Edelmetallen als auch aus Zinn bestehen. a) Die Monstranz sei ganz von Gold oder Silber, oder e) Die Glöckchen sollen in Form und Klang von den wo die Armut der Kirche ein geringeres Metall bedingt, allgemein gebräuchlichen (im Profangebrauch) verschieden sein. wenigstens ganz vergoldet.

6. Weih- oder Weihwassergefäße. Von Weih- oder b) Der Fuß sei rund oder mehreckig und so breit, daß Weihwassergefäßen werden drei Arten unterschieden: er den Aufbau fest und sicher tragen kann. Der Schaft wird a) Große Gefäße zur Aufbewahrung des nötigen Vorrates auch hier durch einen Knauf gegliedert, der reich verziert für das Jahr. (Taufstein.) sein darf und soll, niemals aber für die fassende Hand ver- b) Gefäße für den täglichen Gebrauch. Diese finden letzend sein darf.

sich gewöhnlich am Eingange der Kirche. c) In der Mitte, wo die hl. Hostie sich befindet, sei ein c) Tragbare Weihwassergefäße für die kirchlichen FunkKristall oder ein Glas, rein und durchsichtig, ganz und wo tionen. möglich auch oben geschlossen, und so weit, daß es eine Die ersteren werden meist aus Stein hergestellt, haben Hostie wohl fasse, ohne sie zu berühren. Innerhalb des Glases aber vielfach kunstvolle Deckel und Ständer aus Edelmetall. in der Monstranz erhebe sich von unten die Lunula, ein halb- Über diese sind einschneidende Bestimmungen kaum vorhanden. kreisförmiges goldnes oder silbernes Plättchen, fest an der sie müssen kirchlich sein und sich dem Stile anpassen. Monstranz eingefügt, doch so, daß

Auch die zweite Art ist meist sie herausgenommen werden kann.

in Stein gearbeitet, doch werden Sie sei aber zweigeteilt und so ein

auch Becken und Kessel aus Kupfer geteilt, daß sie die hl. Hostie wohl

oder Edelmetall verwandt, und von und geziemend festhalte, auch soll

diesen gilt in bezug auf die Vorsie auseinandergenommen und ge

schriften das Vorhergehende. öffnet werden können, um so desto

Die tragbaren Weihgefäße aber leichter die zurückgebliebenen Partikel

schlagen ganz in das Feld des Goldsammeln zu können. Der Boden

schmiedes. Sie sind für Festtage der Monstranz, auf dem die Lunula

meist in Edelmetallen gearbeitet, so befestigt ist, sei von Silber oder

vielfach aus vergoldetem Silber. Gold so gefertigt, daß er nötigen

Wenn aus Kupfer, müssen sie infalls auch weggehoben werden kann,

wendig verzinnt sein. ringsum sich genau an den Kristall

7. Weihrauchgefäße resp.Weihoder an das Glas anlege und gegen

rauchfässer. dasselbe in Form eines Schildchens

a) Jede Kirche soll wenigstens mit dem Rande sich erhebe, allent

zwei Weihrauchfässer haben, eines halben glatt und eben, damit die

für den täglichen resp. sonntägTeilchen, die etwa von der Hostie

lichen Gebrauch und eines für wegfallen, daselbst leicht gesammelt

hohe Feste. Das letztere soll aus werden können. Nach oben zu und

Silber oder Gold oder doch gut von allen Seiten sei die Monstranz

versilbert sein. mit kleinen Bildern und verschiedenem

b) Die Rauchfässer sollen drei andern sinnreichen Zierwerk ge

Kettchen haben, die aus demselben schmückt; in der Höhe soll sie das

Metall gefertigt, 4—5 Spannen lang Kreuz oder das Bildnis des Herrn

sind und oben in eine Schale zuhaben.

sammenlaufen. Die Kettchen sollen d) Die Monstranz soll mindestens ANHÄNGER, ENTWORFEN UND AUS

so lang sein, daß der Priester, 2 Spannen hoch sein.

GEFÜHRT VON A. KAHLBRANDT, ALTONA. wenn er das Manubrium zur linken

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Brust hält, mit der rechten Hand das Rauchfaß noch bequem handhaben kann.

c) Der Deckel des Gefäßes soll turmähnlich sein, dabei durchbrochen und mit Ornamenten und Bildwerk verziert. Er hängt an einer vierten Kette, die durch jene Schale, welche die drei anderen Kettchen zusammenfaßt, hindurchgehe und in einen Ring ende.

d) Das eigentliche Gefäß soll einen Fuß und im Innern ein besonderes Eisengefäß zur Aufnahme der Kohlen haben.

e) Das Schiffchen zur Aufbewahrung der Weihrauchkörner samt dem zugehörigen Löffelchen sollen aus denselben Metallen wie das zugehörige Rauchfaß hergestellt werden, kunstreich gearbeitet und sinnig verziert sein.

8. Das Meßbuch (Missale) darf keine profanen Verzierungen erhalten, sondern nur mit dem hl. Kreuze und den Bildern der Heiligen geschmückt werden. Meßbücher, deren Vorderdecken überaus reiche Goldschmiedearbeiten zeigen, waren früher häufiger als jetzt; besonders prachtvolle finden sich in den Schätzen der Domkirchen.

9. Die Kanontafeln sollen geziemend eingerahmt sein. Für Festtage sollen sie etwas größer und mit Bildern in Messing und Gold geschmückt sein.

10. Verschiedenes. Je nach der Ausstattung einer Kirche kommen der Goldschmiedekunst noch weitere Arbeiten zu. Diese sind aber so verschiedenartig, daß eine Zusammenstellung von besonderen Regeln zu weit führen würde. Auch unterliegen sie viel mehr Zufälligkeiten und Ansichten als die bisher genannten, und die Kirche gibt auch hierin viel größere Freiheit. Da sind z. B. die neueren Beleuchtungsanlagen.

August Reichensperger wehrte sich vor wenigen Jahrzehnten noch gegen die Gasbeleuchtung der Kirchen; heute sind dieselben elektrisch beleuchtet. Die Ansichten sind auch heute noch dafür und dagegen, und zahlreich

sind auch die Gründe, die für und gegen sprechen. Es läßt sich wohl nicht leugnen, daß die in manchen Kirchen aufgehängten Bogenlampen so unkirchlich wie möglich sind. Man empfindet sie wie einen Faustschlag ins Gesicht. Hier sollte sich der Goldschmied mit dem Techniker zusammentun und für eine würdige Gestaltung sorgen. Daß das Geräusch mancher Lampen geradezu nerventötend ist, daß es jede Andacht und Sammlung stört, ist ebenso wahr. Aber das Licht ist schön, und wenn man an die Öllampen früherer Zeit zurückdenkt, so wollte man doch nicht mehr tauschen. Aber es müßte anders angelegt werden. Aber wie? Im großen und ganzen kann man überhaupt diejenigen nicht tadeln, welche sich dem Neuen und besonders den in die Kirchen eindringenden Industrien entgegenstellen, denn sobald der Installateur, der Monteur usw. usw. in die Kirche kommt, wird an Geschmacklosigkeit das Möglichste und Unmög

lichste geleistet. Hier muß bald „Halt“ geboten werden. Andererseits aber ist ein zu starres Festhalten ebenso zu verwerfen. .

Wenn da christliche Künstler und Kunsthandwerker sich bemühen, die strengen Formen der alten Künste dem heutigen Empfinden anzupassen, so sollen diese nicht unterdrückt sondern geradezu unterstützt und ermuntert werden. Eine Kunst, welche die Fortschritte der Neuzeit nicht zu verwerten versteht, ist rückständig und eine rückständige Kunst paßt am wenigsten für den Dienst des Allerhöchsten.

Dann aber noch zwei Grundregeln:

1. In der Kirche sei alles so, wie es scheint. Besser ein einfacher Sandstein als ein gemalter Marmor. Daher auch in der Goldschmiedekunst kein Glasfluß und kein Surrogat.

2. Soweit als möglich, einfache Handarbeit. Was ein einfacher Kupferschmied mit der Hand arbeitet, hat Charakter. Gestanzte, gedrehte, gewalzte Fabrikarbeit kann an Eindrucksfähigkeit damit nicht konkurrieren.

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DER NEUE BISCHOFSTAB FÜR DEN

ARMEEBISCHOF VOLLMAR.

ENTWORFEN UND AUSGEFÜHRT
VON STIFTSGOLDSCHMIED
AUG. WITTE IN AACHEN.

Der neue Bischofsstab für den Armeebischof Vollmar.

Der Stab für den neuen Armeebischof wurde von dem bekannten Goldschmied des päpstlichen Stuhles, Herrn Stiftsgoldschmied Bernhard Witte in Aachen, entworfen und ausgeführt. Derselbe bot dem Künstler recht Gelegenheit, reiche Symbolik mit allen Finessen der heutigen Goldschmiedekunst zu vereinigen und so ein Werk zu schaffen, welches nicht nur durch den Reichtum und die Vollendung der Formen sondern auch durch Komposition und Auffassung hohes Interesse erregt.

Der Stab war für den Armeebischof bestimmt, für den obersten Seelsorger der katholischen Soldaten, und dieses

Amt, diese Beziehungen zum Soidatenstand sollten auch in dem neuen Stabe angedeutet und symbolisch zum Ausdrucke gebracht werden.

In diesem Sinne ist denn auch schon der figurale Schmuck der Krümme aufzufassen. Der Erzengel Michael steht als Streiter Christi dem höllischen Drachen gegenüber, dessen geflügelter Leib sich aus dem Ende der Krümme enwickelt. Die Gestalt des Erzengels ist kraftvoll modelliert, ein Panzer deckt seine Brust, und ein Schuppenpanzer schirmt Arme und Beine. Als Waffen führt er den Kreuzesschild und das flammende Schwert.

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