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Phantasie Gestalt geben kann, seine Arbeiten nie zu wieder- der Goldtönungen, des Emails, das in solcher Zartheit nirgends holen braucht und für sie auch Käufer findet, die willig eine anders erreicht worden ist, der Elfenbeinschnitzereien, des hohe Summe für ein einzigartiges

Farbenspiels der verwendeten EdelKunstwerk ausgeben, hier ein

steine, die wundervolle BehandPublikum, welches wohl auch eige

lung eines so spröden Materials, nes oder eingebildetes Kunstver

wie des Hornes und Schildpatts. ständnis besitzt, auch gern einen

Selbst die beste farbige Wiedereigenartigen, individuellen Schmuck

gabe der Laliqueschen Schmuckanschaffen möchte, aber doch, wenn

stücke gäbe nur ein schwaches der Preis in die Hunderte und

Bild von ihrer Bedeutung und noch Tausende geht, zurückschreckt, und

weniger von der vollendeten Techwenn es einmal wirklich so viel

nik, mit der sie ausgeführt sind. Geld ausgibt, den Wert desselben

Wie wunderbar ist das eigenartige auch in der entsprechenden Anzahl

Halsband mit den nebeneinander von Brillanten ausgedrückt zu sehen

gestellten Libellen, deren Flügel wünscht. Ein Lalique in Deutsch

aus feingeschnittenen länglichen land wäre ganz undenkbar, er müßte

Opalscheiben bestehen und deren als echter deutscher Künstler ver

Fühlhörner, ineinander übergehend, hungern, wenn er dem Publikum

ein ruhiges Ornament als Grundnicht die angedeuteten Konzessionen

lage des Ganzen bilden. Ein prachtmachte. Ausnahmen sind allerdings

voller Brustschmuck aus ineinander vorhanden, aber es sind nur Aus

verschlungenen,gelblich und schwarz nahmen, und die Zahl derjenigen

emaillierten Schlangen in der ganzen ist bei uns äußerst dünn gesäet,

Schönheit der natürlichen Farbendie nur aus Freude an der Schön

gebung mit reichem Behang von heit eines Kunstwerkes in Gold

Barockperlen in den verschiedenoder Silber einen hohen Betrag

sten Größen. Ein aus Horn geauszugeben bereit sind, der es

schnittenes Diadem mit getönten dem schaffenden Goldschmiede er

Alpenveilchen und Brillanten. Ein möglicht, alle kleinlichen Rück

Kollier mit stilisierten Chamäleons sichten beiseite zu lassen und sich

in Email, die sich um große Brilganz dem Genusse der Hervor

lanten herumwinden. Ein Kamm bringung dieses Kunstwerkes hin

in Form eines Bischofsstabes, mit zugeben. Kurz nach der Pariser

Amethysten reich besetzt; ein ArmAusstellung kam ein junger, be

band mit Distelmotiven. Anhänger gabter Goldschmied vom Strande

in großer Zahl und in jeder Form der Seine an den grünen Strand

und Größe, mit zart bläulich oder der Spree zurück in der frohen

rosig getönten Elfenbeinfiguren, Hoffnung, hier ein reiches Feld für

Broschen mit elfenbeingeschnitzten, seine Schöpfungen im Laliqueschen

rund herausgearbeiteten, sich zärtGeiste zu finden, aber ach! wie

lich umschlingenden reizenden Halbbald mußte er in bitterer Ent

figuren zweier Liebenden, von goltäuschung seine ideale Tätigkeit

denen Schlänglein umrahmt. Ein wieder einstellen, weil sie ihm nicht

herrlicher Fächer mit Gliedern aus den geringsten materiellen Erfolg

zart bläulich gefärbtem Elfenbein, brachte. Oft habe ich mit ihm zu

deren jedes mit einem schlanken, sammengesessen, seine Arbeiten

aufrechtstehenden, nackten weibmit ihm besprochen und ihn in

lichen Idealfigürchen von noch lichseiner Mutlosigkeit zu trösten ge

terer Färbung geziert ist. Andere sucht, und nicht so leicht werde

Anhänger und Broschen mit reichen ich die bitteren Worte vergessen,

Elfenbeinschnitzereien, mit Umrahmit denen er die Pariser Verhält

mungen von Pflanzen-, Blumen-, nisse unseren Berliner entgegen

Weinlaub- u. dergl. Ornamenten, bestellte. Vielleicht ändert sich auch

lebt durch farbige Edelsteine und das einmal, aber ich habe keine

Brillanten, alles sehr fein und ziergroße Hoffnung darauf. Paris mit

lich und sehr zerbrechlich, so daß seiner Eleganz, seinem alle Kreise

eine Beschauerin wehmütig fragte, durchdringenden Kunstgefühl und

wer soll das in Wirklichkeit tragen? Geschmack bleibt eben Paris und

Ja, zum Tragen, zum Gebrauch Berlin bleibt Berlin, wo die Kunst

sind die wenigsten dieser Kleinodien nach Brot gehen muß. ANHÄNGER VON RENÉ LALIQUE, PARIS.

bestimmt, die meisten sollen eben Doch zurück zu Lalique. Ich

nur Kunstwerke sein, die man in Der Profilkopf in mattweißem Halbedelstein, die Schlangen soll eine Beschreibung seiner Ausaus Gold geschnitten, mit grünen Steinen und Email, das

weihevollen Stunden aus dem stellung liefern, aber wie soll ich Haar violett emailliert, die Schleife in mattem Golde und die Schmuckkästchen nimmt und sich das machen? Die wenigen Ab- aus Gold geschnittenen Rosen rosa emailliert. Originalgröße. an ihrer Schönheit erfreut So auch bildungen, die uns von seinen Ar

der Kopfschmuck aus in Horn gebeiten zur Verfügung stehen und die diesem Aufsatze bei- schnitzten Eukalyptusblättern mit emaillierten Früchten, in gegeben sind, vermögen wohl eine Idee von der künstlerischen welche Brillanten eingelassen sind, oder die zarten Haarkämme Eigenart dieses Pariser Goldschmiedes zu geben, wo aber mit Elfenbeinfiguren, deren verlängerte Flügel die Zinken des bleibt die unvergleichliche Farbengebung, all der subtile Reiz Kammes bilden. Ferner ein Kollier aus goldgrünlichen Fichtenzweiglein mit blaugrünen jungen Sprossen

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Schmuck verwenden, und damit würden diese an der Spitze, mit herabhängenden, braun

Motive ihren ihnen jetzt eigentümlichen Reiz emaillierten Tannenzäpfchen; ein zusammen

vollständig verlieren. Man kann eben eine gerolltes Kohlblatt als Gürtelschnalle von

Victoria regia nicht in einen gewöhnlichen naturwahrster Goldtönung mit allen Adern

Hausgarten verpflanzen. und Äderchen des Urbildes und gelblichen

Es sind in vielen Zeitungen und KunstBrillanten als Tautropfen. Am ehesten ge

zeitschriften bereits Besprechungen der Labrauchsfähig wären noch die in reicher Aus

lique-Ausstellung erschienen. Sie alle sind wahl vorhandenen Gürtelschnallen mit Mo

in begeistertem, manche sogar in übertiven wie ein sich spreizender Pfau in der

schwänglichem Tone gehalten. Ich selbst ganzen fein emaillierten Farbenpracht seines

habe verschiedene Mußestunden vor dem Gefieders, zwei aufrechtstehende Hirschkäfer

Lalique-Schranke gestanden und mich an den in verschiedenfarbigem Golde, durch Email

geistvollen, eigenartigen und in jedem Sinne belebt, und viele andere von gleicher Schön

schönen Produktionen erfreut, aber wenn ich heit und Farbenpracht. Von größeren Silber

aufrichtig sein soll, mein deutsches Herz arbeiten waren ein breites oxydiertes Arm

haben sie kalt gelassen, zu meinem deutband, reich ziseliert mit Opalverzierung, ein

schen Gemüt haben sie nicht gesprochen, gotisierender Kelch mit farbigen Steinen be

keine Saite meines deutschen Empfindens setzt und ein Buchdeckel mit zarten Reliefs

haben sie mitklingen lassen. Als ich aus dem ausgestellt, die die Meisterschaft Laliques

Hohenzollern-Kunstgewerbehause in das nahe auch auf diesem Gebiete bewiesen.

gelegene Kunstgewerbemuseum hinüberging, Eine Kritik an den Werken Laliques zu

um Vergleiche mit den hier aufgesammelten üben, ist schwer, wenn nicht unmöglich.

Werken deutscher Goldschmiedekunst anzuDieser Künstler steht so sehr außerhalb und

stellen, da war es mir zu Mute, wie vor über allem bisher Dagewesenen, er wandelt

Jahren, als ich aus den gesegneten Gefilden so ganz andere Wege, wie wir es gewöhnt

Italiens mit all ihrer Kunst- und Naturschönsind, er ist ein solcher Meister nicht nur ANHANGER VON RENE LALIQUE. heit heimkehrte in den grünen, deutschen der Goldschmiedetechnik, sondern

Wald, in unsere anheimelnden deutauch der Elfenbeinschnitzerei, der

schen Städte und in das trauliche Emaillierung und Ziselierung, daß

deutsche Heim. Hier war keine wir uns damit begnügen müssen,

kalte, glänzende Pracht, kein überihn und seine Werke zu bewun

sinnliches Spiel mit neuen Formen dern, da wir in unserm deutschen

und Gestaltungen, hier war nur Empfinden keinen Maßstab zur

inniges Versenken in die Kunst, in richtigen, vorurteilslosen Beurtei

die Eigenart des edlen Materials, lung seiner künstlerischen Kraft

aus dem unsere alten Goldund seines Charakters haben.

schmiedemeister ihre Werke schuGanz abgesehen von dem klein

fen, hier war kein augenblendender lichen, materiellen Standpunkte, BROSCHE VON RENÉ LALIQUE, PARIS.

Reiz des Ungewöhnlichen, hier war den wir in Berlin und wohl auch

Die Figur in Gold geschnitten,

alles natürlich, unbefangen und doch in ganz Deutschland dem mit Bril die Flügel mit grünem translucidem Schmelz. Originalgröße. auch gute, edle, und vor allem lanten versehenen Goldschmuck

deutsche Kunst. Ich meine, wir entgegen bringen, der uns, selbst

haben in den letzten Jahren auch wenn wir im innersten Herzen

in Deutschland in der GoldschmieKünstler und Kunstfreunde sind,

derei ganz bedeutende Fortschritte fragen läßt, sind Schmuckstücke,

gemacht, wir haben uns einen eigewie diejenigen Laliques, praktisch

nen Stil in gewissem Sinne geschafverwendbar, d. h. tragbar und sind

fen und uns, wie nie zuvor, vom sie beim Publikum verkäuflich, so

Einflusse des Auslandes zu befreien haben wir beim Anblick derselben

verstanden, so daß wir selbst den uns noch die Frage vorzulegen, ob

Franzosen etwas zu bieten vermödiese Art Schmuck

gen. Auf diesem uns Deutschen Ma

Wege fortzuschreiterial zum Studium

ten muß unsere erste und zurNachahmung

und höchste Aufbieten kann. Zum

gabe sein, und was Studium, ja! ohne

uns auch ein SO jede Einschränkung;

großer Künstler wie zur Nachahmung nur

Lalique zeigen mag, sehr bedingungs

er ist schließlich weise. Schmuck

doch nur ein glängleicher Art zu

zendes Meteor, wähschaffen, ist für uns

rend an unserem ganz aussichtslos,

Kunsthimmel die wir können nur aus

Sterne eines Holden einzelnen Ar

bein, eines Dingbeiten uns einzelne

linger und Jamnitzer Motive herauslesen

und vieler anderer in und sie gelegent

ewig gleichemLichte lich bei unserem ZEICHNUNG ZU EINEM KAMME VON RENÉ LALIQUE, PARIS.

strahlen werden. Ludwig Schröder.

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Eine falsche Kritik.

Zur Abwehr. Die „Leipziger Illustrierte Zeitung“ bringt in ihrer Nummer Folgt dann die Besprechung der abgebildeten Silbervom 17. September 1903 einige Abbildungen ausländischer waren, mit der wir keinen Anlaß haben uns zu befassen. Silberwaren und bespricht dieselben in folgender Weise:

Man kann nicht verlangen, daß eine Zeitschrift für jede Neues Silbergeschirr.

derartige Bildbesprechung einen Fachmann engagiert; man Während an prunkvollem Silbergerät für festliche Ge- sollte aber wohl verlangen können, daß der Berufsjournalist, legenheiten ziemlich viel Neues meist in alten Stilformen oder wer sonst immer die Sache besorgt, entweder sich geschaffen worden ist, jetzt, da sich eine ganze Anzahl besser orientiert, oder aber mit mehr Bescheidenheit aufvon Stadtverwaltungen darum bemüht hat, einen Silber- tritt. Das summarische Urteil, das hier über die deutsche schatz wie in alten guten Zeiten zu beschaffen, ist für Silberwarenindustrie gefällt wird, entbehrt jeder tatsächlichen das Silbergerät im wohlhabenden Bürgerstand recht wenig Begründung so sehr, daß das Elaborat nur dann einigermaßen geschehen. Die Auswahl neuer Formen, wie wir sie in entschuldbar erscheint, wenn man annimmt, daß der Verfasser den Auslagen der Silberläden sehen, ist nicht beträchtlich, die ganz gewöhnliche, billige Massenware in Alfenide mit und das große Publikum begnügt sich, wenn es Silber- den Silbererzeugnissen verwechselt, oder doch nicht imstande geschirr kauft, mit anspruchslosem Gerät, dem nur das ist, beides zu unterscheiden. Daß der Autor über die deutsche Material eln wenig Wert leiht.

Silberwarenindustrie nicht orientiert Teekannen, Teegeschirre in eng

ist, geht unwiderleglich daraus herlischen oder biedermeierlichen

vor, daß er als ihre Hauptzentren Formen, mit einem gestanzten

Pforzheim, Hanau und Gmünd anRand geschmückte Teller und

führt. Er sollte aber wissen, daß Schüsseln, dann vielleicht noch

in den beiden erstgenannten Städten eine Sauciere, eine Konfektschale,

die Schmuckwarenfabrikation so und damit ist die Herrlichkeit

sehr überwiegt, daß von einem gewöhnlich zu Ende.

Zentrum der Silberwarenindustrie Als Geschenke pflegen diese

nicht wohl die Rede sein kann; Dinge mit einer größeren Anzahl

viel eher wäre es am Platze gevon Bestecken ins Haus zu kom

wesen, etwa Heilbronn und Bremen men und dort als schimmerndes

an dieser Stelle zu nennen. Wenn Gerät im Glasschrank oder Büfett

der Herr Verfasser sich aber einzu thronen. Es wird zu wenig

mal in diesen Städten, und namentgebraucht. Es sollte viel mehr

lich auch in Gmünd, gründlich gekauft und auch im gewöhn

umsehen würde, so käme ihm viellichen Wirtschaftsbetrieb ange

leicht die Erkenntnis, daß nicht wendet werden. Denn auf die

die dort gefertigten Silberwaren, Dauer wird sich zeigen, daß es

sondern sein Urteil über dieselben wegen seiner geringeren Zerstör

„plump prätentiös“ und „einfältig“ barkeit alle Porzellangeschirre

ist. In dieser Weise in einem überlebt. Man braucht wahrlich

weitverbreiteten Familienblatte über kein Krösus zu sein, wenn man

eine ganze vaterländische Industrie ein paar gute Silber-Teller und

herzuziehen, das bringt wahrlich -Schüsseln in den täglichen Ge

RENE LALIQUE, PARIS: ANHÄNGER. nur ein Deutscher fertig. brauch nimmt, und es wäre zu (Aus der Sammlung der Kunstgewerbeschule Pforzheim.) Wir sind weit davon entfernt, wünschen, daß unsere begüterten Aus der Zeitschrift des Pforzheimer Kunstgewerbevereins. etwa eine offene, sachkundige Stände einen Teil des Geldes,

Kritik deshalb zurückzuweisen, weil das sie für ganz törichten Kleinkram in billigen und deshalb sie sich gegen deutsche Arbeiten wendet, oder weil sie teueren Nippsachen in schlechten, bunt bemalten oder gar in einem Familienblatte das Wort ergreift. Aber wir ver— horribile dictu – irisierenden Skulpturen aus „Masse", langen, daß nur ein wirklich Sachkundiger über Derartiges hinauswerfen, benutzen wollten, um einen kleinen, aber sich hören läßt, und wir erheben Protest gegen eine dergediegenen Silberschatz im Hause anzulegen.

artig oberflächliche Verallgemeinerung. Die deutsche SilberAber wie gesagt, die Auswahl an guten Formen ist, warenindustrie kann sich getrost neben jedem ihrer ausnamentlich wenn man nichts von historischen Stilformen ländischen Konkurrenten sehen lassen, und die Kunstfertigkeit wissen will, gar nicht groß. Unsere Pforzheimer, Hanauer, und technische Geschicklichkeit, die sich in dem Durchschnitt Gmündener Silberindustrien bringen viel zu viel unnütze ihrer Arbeiten ausprägt, stehen jedenfalls hoch über der blutigen „Galanterie ware“ auf den Markt und viel zu wenig ge- Abschlachtung, die sie in dem angeführten Artikel erfahren. diegene und preiswerte Silbersachen für den wirklichen Unsere deutsche Silberwarenfabrikation bringt neben vielem Gebrauch im wohlhabenden Hause. Man stelle sich nur Guten auch herzlich Schlechtes hervor, Arbeiten, die das eineinmal vor, was an fix und fertigen Silberhumpen und gangs angeführte verwerfende Urteil rückhaltslos verdienen. Bechern, wie sie bei Silbernen Hochzeiten und anderen Aber ist das im Auslande vielleicht anders? Wer im Jahre festlichen Gelegenheiten verschenkt oder als Preise ge- 1900 in der Pariser Weltausstellung die berühmte französische stiftet werden, in den Läden, selbst in großen Geschäften Silberabteilung durchwanderte, dem konnte das Gähnen anzu sehen ist. Billig, ja das sind die Dinge, aber so plump kommen ob der aufgestapelten Masse interesseloser Dutzendprätentiös oder so einfältig im Dekor, daß man ordent- ware. Und daß damals deutsche Silberarbeiten mit der höchsten lich Angst bekommt in dem Vorgefühl, es könnte einem Auszeichnung bedacht wurden, ist gewiß auch nicht nur ein solch ein Ding blank geputzt und fein graviert einmal ge- Akt von Höflichkeit gewesen. Wir wollen gewiß keine chauvischenkt werden. Der simpelste alte Kluftbecher der nistische Selbstüberhebung. Aber sicher kann man ausländische niedersächsischen Bauern, der schlichteste Barockkelch Erzeugnisse in das ihnen gebührende Licht setzen, ohne ihnen ist diesen landläufigen Geräten vorzuziehen. Und mit den durch unberechtigtes Anschwärzen der deutschen einen effektdekorierten Tellern verhält es sich ähnlich.

vollen Hintergrund zu verleihen.

R. R.

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AUS

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gutem Geschäftsgange recht empfindlich bemerkbar macht, teilweise mit den hohen Löhnen, die, wo Handarbeit ins Spiel kommt, den auswärtigen Wettbewerb bedeutend erschweren müßten, vornehmlich aber mit der Ergiebigkeit des Inlandmarktes, dessen weite Ausdehnung den Fabrikanten nicht zum Aufsuchen von neuen Feldern drängt. Dafür macht unseren Goldschmieden auch keine Einfuhr zu schaffen. Diese ist nur in Schmuckteilen bedeutend, in echten und falschen Steinen und Perlen, wofür der amerikanische Markt dem Auslande noch lange sicher bleibt. In halbfertiger Ware, zumeist aus Deutschland bezogen, wie Damenketten ohne Beschläge, wird ein bescheidenes Geschäft gemacht, das aber dem Untergange geweiht zu sein scheint, da die einheimische Ware in diesem Zweige, begünstigt von dem mächtigen Zollschutze, bereits angefangen hat, die ausländische zu verdrängen. Die

diesen, fast ein halbes Jahrhundert lang unveränderten Umständen, die den amerikanischen Goldschmied mitsamt seinem Markte beinahe gänzlich von der Außenwelt abschlossen, ein eigener, ausgesprochen amerikanischer Schmuckstil entwickelt hätte, doch wäre eine solche Annahme irrig: es gibt in der Kunst keinen rein amerikanischen Geschmack, keinen rein amerikanischen Stil. So unerklärlich ist das nicht bei der Zusammensetzung unsrer Bevölkerung aus den verschiedensten Rassen und Mischungen und bei der fortwährenden großen Einwanderung. Der Fabrikant ist hier wie anderwärts zuerst Geschäftsmann, der das liefert, was verlangt wird, ehe er sich befleißigt, den Geschmack seiner Abnehmer zu verbessern oder auf einen besonderen Stil zu lenken. Das ist allerdings nicht sehr ideal, dafür aber recht bequem und vor allem geschäftsmäßig. Wer ein schönes Muster auf den Markt bringt,

findet Käufer, ganz einerlei, ob es stilrein oder stillos gehalten ist. Mit Ausnahme der feinsten Ware wird alles auf den Massenverkauf berechnet, deshalb ist auch der Mechaniker (Toolmaker), der gewöhnlich zu den bestbezahlten Arbeitern im Geschäft gehört, der erste, den man über Ideen zu neuen Mustern zu Rate zieht. Es gibt aber auch wahre Wunder von Werkzeugmachern, deren praktisches Auge, deren Geschick und Findigkeit eine Arbeitersparnis erzielt, die dem Uneingeweihten fast unglaublich vorkommt. Unstreitig ist das Kunstgewerbe hier mehr Gewerbe als Kunst, der Blick zuerst auf das geschäftlich Praktische und dann auf das Künstlerische gerichtet. Das mag aber anders werden, vielleicht schneller als man allgemein glaubt, obwohl es hier, wie in andern Ländern, Deutschland nicht ausgenommen, einen Überfluß von jenen wohlmeinenden aber schädlichen Leuten gibt, die dem Fortschritte im Wege stehen, indem sie in ihrem kurzsichtigen falschen Patriotismus ihr eigenes Land und alles, was dazu gehört, für das Schönste, Beste und Höchste halten, keinem Zweifel an seiner Vollkommenheit Raum geben und überhaupt nichts anderes gelten lassen. Es gibt aber auch viel vornehme Leute, und die sind auf der ganzen Welt gleich. Der anmaßende Schreier kann sie nicht beirren, sie wirken auf ihre

Art und gewinnen schließlich. In aufgeklärten und darum
vorurteilsfreien Kreisen ist man sich der Schwächen wohl be-
wußt, und die Erkenntnis, daß die Kunst im amerikanischen
Leben bisher ungenügende Würdigung fand, läßt einen ent-
schiedenen Umschwung voraussehen. Dem Zeichnen und
Modellieren wird im Jugendunterricht zusehends mehr Auf-
merksamkeit geschenkt und größere Wichtigkeit beigemessen.
Kunstgewerbeschulen mit vorzüglichen Lehrkräften mehren sich,
finden Pflege und gewinnen an Bedeutung und Einfluß. Not-
gedrungen muß dies das Schmuckgeschäft wohltätig berühren,
denn sobald das geschulte Kunstverständnis nach entsprechendem
Schmucke verlangt, werden Geschäftsinteresse und Künstler-
ehrgeiz zusammenwirken, um den Goldschmied auf edle Bahn
zu leiten. Seit kurzem tauchen, bescheiden, doch immer be-
merkbarer, Muster in dem modernen Stil der neuen Kunst
auf, die gegenwärtig in Europa nach der Herrschaft strebt.
könnte dieser Stil hier Fuß fassen, so müßte dies der bisher
arg vernachlässigten Emaillekunst zu gute kommen, doch
wird es davon abhängen, wie er sich in Europa hält, denn
in Sachen der Kunst ist Amerika noch nicht reif, einen
großen Einfluß auszuüben oder ein gewichtiges Wort zu
sprechen.

Goldschmiedearbeiten aus dem Pariser Salon 1903.

Von Dr. Heinrich Pudor. Das Pariser Kunstgewerbe nimmt heute wie vor fünfzig Robert in der Schmiedekunst zu erinnern, um die Wahrheit Jahren innerhalb des europäischen Kunsthandwerkes eine des aufgestellten Urteils zu erweisen. Die Befruchtung des hervorragende Stelle ein. Es kann gewiß nicht geleugnet europäischen Kunsthandwerkes durch Japan, welche in den werden, daß gegenwärtig in England, in den nordischen meisten Ländern recht viel Unverstandenes oder schlechthin Ländern, in Deutschland und Österreich hervorragende kunst- Nachempfundenes in der Produktion zur Folge hatte, selten gewerbliche Leistungen zu verzeichnen sind. In einer Be- aber die Originalitäten selbst ungeschwächt ließ, wurde in ziehung aber steht das

Paris allein zu einer wirkPariser Kunstgewerbe

lich segensreichen. Wähheute wie vor fünfzig

rend das englische KunstJahren und vor hundert

gewerbe infolge eben fünfzig Jahren unüber

dieser Beeinflussung den troffen da: dies betrifft

Charakter eines Anglodie Eleganz der Linie und

Japanischen erhielt, blieb die Grazie des Aufbaues,

das Pariser Kunstgewerbe beides aber nicht kon

stets ein echtfranzösisches. struiert, sondern empfun

Auf dem Gebiete der den, als ob es zur Natur

Goldschmiedekunst hat der betreffenden Künstler

das Pariser Kunstgewerbe gehöre. Man braucht nur

besonders hervorragende an einen Künstler wie

Leistungen gezeitigt. Und

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