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Die außerordentliche Verbreitung der Pelzmoden hat eine Mischung von Schwarz mit Carmin, Hochrot, Orange, Gelb neue Gelegenheit zur Verwendung von Agraffen, Schlußketten oder Gelbgrün. Man muß sich also gewöhnen, jedes Braun u. dgl. mehr an den stolaförmigen Pelzkragen der Damen ge- auf die Grundfarbe zu reduzieren, die ihm innewohnt. Der schaffen. Außerordentlich fein gearbeitete Schließen mit Stolakragen aus Fohlen, der uns vorlag, verriet entschieden Emailverzierung auf Gold wurden im Laufe der Wintersaison einen Stich ins olivefarbene, war also ein sehr vertieftes mehrfach gesehen. Gold mit farbiger Emaille nimmt sich Gelbgrün. Da die auf dem Farbenspektrum nahe beieinandernamentlich auf feinem Zobelpelz außerordentlich gut aus; auch liegenden Töne, die sog. kleinen Intervallen, sich immer zu DisNerz verträgt den gleichen Schmuck, während z. B. Marder, harmonien „verschieben“, so würde man zu einer Fohlenstola wenn er einen Stich ins Graue aufweist, dem ungebrochenen mit leisestem grünlichen Anflug des Farbentones z. B. keine vollen Goldton nicht mehr so günstig ist, derart, daß hier Smaragden oder irgendwie ins Reingrüne spielenden Halbedeldie farbige Tönung der ganzen

steine verwenden. Matte Korallen Goldunterlage, wie sie bei Lalique

würden auf olivebraunem Grunde und L. von Cranach vorkommt, be

eine reine Kontrastwirkung ergeben. sonders in irisierenden smaragd

- Die „nordische Möwe“ gibt grünen und rotvioletten Tönen am

einen flaumigen, duftigen, perlPlatze erscheint. Chinchilla, so lange

grauen Ton mit leisestem Hauch es sich um echte Ware handelt,

von Rosa, wie ihn die Ränder wird auch im kommenden Winter

bläulicher Frühlingswolken im seine Vornehmheit behalten. Man

Morgenrot zeigen. Dieser Pelz, der sollte versuchen, für diesen außer

natürlich ein Vogelkleid ist, stellt ordentlich zarten, kostbaren Pelz

an die Zartheit der Haut unleichte Agraffenformen in oxydiertem

gewöhnlich hohe Anforderungen. Silber zu schaffen, die für Brünetten

Schließen, die man für derartigen mit Malachit, für Blondinen mit

Pelz arbeitet, sollten nicht breite Lapislazuli verbunden sein könnten;

Flächen aufweisen, vielmehr sich Türkise sind im allgemeinen für

dem Charakter von Kugelknöpfen Brünette kleidsam, stehen aber

nähern, da sie sonst in dem dichten, auch manchen Blondinen gut und

weichen, ziemlich langhaarigen harmonieren gut mit Chinchilla.

Flaum verschwinden. Wirkungsvoll Der Modenpelz des kommenden

dürfte sich hierzu Spinell mit Winters 1904 1905 wird „Fohlen“

Steigerung des rosa Tones etwa bis sein und „nordische Möve“ wird

zu einzelnen Zirkonen ausnehmen. ihm Konkurrenz machen. „Fohlen",

Man müßte in diesem Fall streben, das Fell junger Füllen, wie wir

ein gewölbtes, broschenähnliches es von den Schaukelpferden der

Mittelstück zu schaffen, das an Kinderstube her kennen, hat zumeist

einigen Kettengliedern hängt und einen braunen Ton. Braun geht

in einen letzten Ring einer gleichen fast auf alle Grundfarben zurück,

linksseitigen Kette einhakt. Am die im Farbenspektrum zwischen

Ende der beiden Ketten müßten dem sog. Braunrot und Gelb

sich durchlochte Plättchen zum An

PREIS VON 15 MARK. grün (olive) liegen. Mit andern

nähen an die Boa befinden. Worten: braun entsteht aus einer ERICH SCHILLING, SCHW. GMÜND.

L. Hagen.

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Die Fortschritte der deutschen Bijouterie in Frankreich.

In einer der letzten Sitzungen der Pariser Chambre Syndicale de la Bijouterie erklärte ein Mitglied, Herr Jacta, daß es hohe Zeit wäre, sich mit der deutschen Konkurrenz zu beschäftigen, denn sie bedrohe „die nationale Arbeit und fängt sogar schon an, sich in Paris breitzumachen, zum großen Nachteil der französischen Fabrikanten"; der Redner wies darauf hin, daß auf diese Gefahr schon vor zwanzig Jahren von einem Herrn Marret hingewiesen worden sei. Hierzu bemerkt der Herausgeber des Moniteur de la Bijouterie et de l'Horlogerie, daß er selbst sich seit Jahren mit dieser Frage beschäftigt und viele Artikel darüber geschrieben habe, oft habe er auch mit französischen Fabrikanten darüber gesprochen und diese hätten ihn ausgelacht. Jetzt lachten sie, scheint es, nicht mehr.

Deutschland bezieht von uns nicht nur die Muster, sondern auch die Arbeiter. In Pforzheim und Hanau gibt es eine Menge französischer Goldschmiede, und an ihrem Vorbilde lernen die deutschen, von denen viele schon hervorragende Fortschritte gemacht haben. Man muß den Mut haben, anzuerkennen, daß die deutsche Fabrikation sich großartig verbessert hat. Gewisse Artikel sind den französischen bereits gleichwertig, andere übertreffen sie sogar.

Im kaufmännischen Geschäftsbetrieb sind uns die Deutschen unzweifelhaft überlegen. Sie besitzen alle Eigenschaften, die uns fehlen – besonders Unternehmungsgeist, Ausdauer und ein unbedingtes Entgegenkommen allen Wünschen der Kundschaft gegenüber.

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Der Moniteur fährt dann fort: Ich bin niemals so dumm gewesen zu behaupten, daß die Deutschen mit den Franzosen betreffs Geschmack und Erfindungsgabe in Wettbewerb treten können. In dieser Hinsicht sind sie und werden sie uns immer untergeordnet sein. Aber diese Minderwertigkeit wird ausgeglichen durch ihre Geschicklichkeit im Nachahmen unserer Muster. Man würde erstaunt sein über die große Zahl von Deutschen, die sich in Paris nur zu dem Zweck aufhalten, die dortigen Neuheiten zu kopieren.

Vor einigen Jahren schon sagte mir der Verwalter der kunstgewerblichen Forney-Bibliothek, daß diese fast nur von Deutschen besucht würde. Sie studierten und kopierten von früh bis spät die neuen Bücher und Albums. Sie schickten diese Kopien an die deutschen Fabrikanten, die sich davon das Beste aussuchten. Die Fortschritte der illustrierten KunstZeitschriften erleichterten diese Arbeit ungemein.

Frankreich wird von deutschen Vertretern und Katalogen überschwemmt. Um die französische Konkurrenz besser zu bekämpfen, verkaufen sie zu billigen Preisen, zu vorteilhafteren Bedingungen. Sie riskieren auf diese Art Geschäfte, die oft zu Verlusten führen. Sie ertragen letztere mit gutem Humor, weil sie sich dadurch mehr und mehr im Lande festsetzen. Sie werden übrigens durch ihre Bankgeschäfte zweckmäßig unterstützt. Wenn schon vor 20 Jahren Herr Marret auf die deutsche Gefahr hingewiesen hat, so haben seine Kollegen seitdem in glücklicher Unwissenheit gelebt über das, was in Deutschland vorging und – über den deutschen Charakter.

Die Deutschen haben in Hanau und Pforzheim große Fabriken errichtet. Sie machen niemals etwas halb. Sie hatten es sich in den Kopf gesetzt, ihre Schmuckindustrie in die Höhe zu bringen, und sie mußten dies mit der Zeit erreichen. Von Anfang an haben sie unsere Muster nachgemacht, zuerst

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sehr ungeschickt, weil ihre Arbeiter den unsrigen nicht gleichwertig waren, dann ließen sie sich französische Arbeiter kommen. Damals hatte das noch seine Schwierigkeiten; aber jetzt, wo die Erinnerungen an den Krieg von 1870 verblassen, finden sie so viele, wie sie haben wollen.

Ich sagte vorher, daß die Deutschen kühn sind; diese Eigenschaft haben sie durch die Siege von 1870 erworben. Vor diesem Kriege wußten Bismarck und andere, daß die deutsche militärische Organisation der französischen überlegen war, aber das Volk wußte es nicht. Für dieses war Frankreich noch das Land Napoleons, dessen Andenken, wenn auch schon weit entfernt, ihnen noch Furcht einflößte. Der

sich in einer ähnlichen Gemütsverfassung wie unsere Offiziere vor dem 1870er Kriege, die mit wenigen Ausnahmen den Krieg als einen leichten Spaziergang nach Berlin betrachteten und über die deutschen militärischen Ansprüche lachten. Ebenso glaubten unsere Fabrikanten, daß die Kunst eine spezifisch französische Blume sei, die nirgends anders wie in Frankreich ihre Blüten entfalten könnte. Daß die deutschen Fabrikanten ihnen in der Bijouterie gefährlich werden könnten, erschien ihnen ebenso unwahrscheinlich, als daß auf dem Kreuzberge in Berlin Burgunderwein wachsen würde.

Es ist eine alte geschichtliche Tatsache, daß lange Zeiträume des Gedeihens für die Familien und die Völker von

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Sieg von 1870 gab ihnen einen Hochmut sondergleichen; sie hatten durch ihn die ein Jahrhundert lang ersehnte und vorbereitete Revanche gewonnen. Ihre Anstrengungen waren von Erfolg gekrönt und dieser bestärkte sie in der ganz besonders deutschen Anschauung, daß man durch Arbeit und Ausdauer alles erreichen kann. Nachdem sie die französischen Soldaten besiegt hatten, warum sollten sie nicht auch die französischen Fabrikanten besiegen ? Und unter dem Eindruck. dieser Idee begann jene Reihe von Anstrengungen, mit denen sie uns in der Bijouterie Konkurrenz zu machen suchten, in einem so hervorragend französischen Geschäftszweige, auf dem sie uns in unserem eigenen Lande zu schlagen versuchen. Unsere Fabrikanten, berauscht durch eine lange Periode leichter Erfolge, durch die Mühelosigkeit des Geldverdienens und die Lobreden, die ihnen aus der ganzen Welt zu teil wurden, befanden

einer Zeit des Niederganges gefolgt werden. Den Wohlstand und das Gedeihen betrachtet man als eine Himmelsgabe und wiegt sich in Sicherheit, ohne daran zu denken, daß es auch einmal anders kommen kann. Aber unterdessen kämpfen andere, um auch an die Reihe zu kommen, und sie erreichen ihr Ziel – um ihrerseits ihre Erfolge wieder an andere abzugeben, wenn die Zeit gekommen ist. — — —

Wir haben diesen Ausführungen des Moniteur nichts hinzuzufügen als den Wunsch, daß unsere deutschen Schmuckfabrikanten nach wie vor so geschäftseifrig und fortschrittstüchtig sein möchten wie bisher, und daß die Zeit noch sehr fern sein möge, wo wir unsere hervorragende industrielle Stellung wieder an andere abgeben müssen, wo dem industriellen Sedan ein Jena folgen wird. Aber das ist bei der deutschen Zähigkeit wohl nicht so bald zu erwarten.

Zu unsern Abbildungen.

Unsere Abbildungen sind diesesmal, mit wenigen Ausnahmen, nicht nach Photographien fertiger Gegenstände, sondern nach Entwürfen gemacht. Entwürfe geben unter Umständen ein weniger fertiges und schmeichelndes Bild als ausgeführte Gegenstände; dafür sind sie unmittelbarer und eher geeignet, als künstlerisches Vorbild und als Anregung zu dienen. Bei unsern fachkundigen Lesern wird es dazu nur kurzer Erläuterungen bedürfen.

Die 3 Silberbecher von Ludwig GeissingerBerlin werden vermöge ihrer schlichten und strengen Durchbildung Interesse erregen. Gemeinsam ist ihnen die Verwendung von Farbsteinen zur Dekoration und die beschlägartigen Motive, die anstatt der Ornamentformen

ENTWURF auftreten.

Ein hübscher Gedanke ist es, daß A. Leut- VON W. FUESS, MUNCHEN. feld von Hanau sich das Messerbänkchen zu

Teil einer größeren Kollektion ihrer originellen und künstlerischen Erzeugnisse, die uns zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt wurde. Die übrigen werden in der nächsten Nummer erscheinen. Die Firma, deren Inhaber längere Zeit technischer Leiter in der bekannten Silberwarenfabrik Lutz & Weiß in Pforzheim war, ist erst vor verhältnismäßig kurzer Zeit von Mainz nach Pforzheim übergesiedelt. Die Eigenart der hier abgebildeten Stücke ist durchaus beachtenswert; das mittlere derselben ist im Empire-Stil gehalten.

Mit der Tafel mit Proben der Eckmannschrift samt dazugehörigem Schmuck hoffen wir unsern Schriftgraveuren und wer sonst noch in unserm Fache mit Schrift zu tun hat, Freude zu machen und Anregung zu bieten. Wir hoffen, auch fernerhin solche Proben moderner Künstlerschriften bringen zu können,

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künstlerischer Durchbildung gewählt hat. Die Formen seiner Entwürfe sind einfach, originell und lebendig.

Eine beträchtliche Anzahl von Entwürfen haben wir der F. W. MüllerKonkurrenz der Fachschule in Schw. Gmünd entnehmen können, dank dem überaus freundlichen Entgegenkommen dieser Anstalt. Leider konnte infolge von Raummangel nur eine ganz knappe Auswahl getroffen werden. Aber auch diese wird unsern Lesern zeigen können, wie vieles Anregende und Neuartige diese Konkurrenz gezeitigt hat.

Die vier Broschen der Firma Rauscher & Co. in Pforzheim sind ein

und versäumen nicht, darauf hinzuweisen, daß die Eckmann künstlerisches Eigentum der

Rudhard'schen Gießerei in Offenbach a. M. ist, welche uns das gegebene Material in liebenswürdigster Weise zur Verfügung stellte.

— Es folgen noch eine Anzahl hübscher Schmuckentwürfe von J. Winsel, Hanau, von W. Füeß, München, A. Ungerer und A. Mitmann, Pforzheim, und dem Maler Widmer in Berlin, der sich durch seine Entwürfe für künstlerische Frauenkleidung einen geachteten Namen erworben hat.

Aus der Flut neuer Papstmedaillen bringen wir eine von der bekannten

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