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Susanna mit der

Alten einen perlenbesetzten Reif um

das Haar des Hinterkopfes gemalt. Noch

wichtiger ist für uns sein Bildnis der

Saskia in derselben Galerie. Auch hier

ist um den turbanartigen Aufsatz eine

Kette geschlungen, die aber zugleich

unter dem Turban zu den Stirnseiten

niederfällt und hinter dem Ohr in einer

Art Troddel endigt. Man sieht hier recht

deutlich, welcher vielfachen Wand

lung je nach dem Geschmack und dem

Bau des einzelnen Menschen der

Schmuck fähig ist. Die Troddel wirkt

bei dem letzterwähnten Bilde wie

ein Ohrgehänge. Dieses war im

17. Jahrhundert in Mode. Doch darf

es nur in besonderen Fällen angewen

det werden: es läßt nämlich das Gesicht

mehr oval erscheinen, weil es die

Längslinien des Gesichts verlängert;

bei ohnedies ovalen Gesichtsformen ist

es daher nicht am Platze, kann aber

ein allzu rundes Gesicht verschönern. Schmuckdetails zu In der deutschen

nebenstehender Figur. Renaissancezeit neb

. wurden auch Hutund Barettgehänge

getragen. In der Eremitage zu Petersburg befindet sich ein Hutbehang, von dem Rücklin in seinem Schmuckbuch eine Abbildung gibt. Aigretten, d. h. Sträußchen oder Schleifchen mit Steinen und Perlen besetzt, wurden schon in älterer Zeit getragen. Gerade bei diesem Schmuck hat sich aber heute die Geschmacklosigkeit breit gemacht. Zu bedauern ist dagegen, daß die Haarringe mit Pendants, die an den Seiten des Kopfes oder an den Schläfen niederfielen, wie sie in Agypten in älterer Zeit und auch in der deutschen Renaissancezeit getragen wurden, ganz außer Mode gekommen sind. Sechs schöne Beispiele derartiger Arbeiten besitzt das Museum des Vatikans in Rom. Indem sie dem Gesicht eine wirkungsvolle Umrahmung gaben, wirkten sie ähnlich, wie die oben erwähnten, rund um das Gesicht fallenden Ketten. Etwas Ahnliches sind die Schläfenbehänge, wie sie bei den Ausgrabungen in Troja, Rhodus, Mykene gefunden wurden. Wir haben es hier allerdings mit einem echt orientalischen Schmuck zu tun. Man erinnere sich, daß auch der das ganze Gesicht verhüllende Schleier orientalischen Ursprungs ist. Kurz erwähnen wollen wir hier endlich auch die Lockenhalter, dünne, spiralförmige goldene Ringe, die bei Ausgrabungen irrtümlich nicht selten für Fingerringe gehalten werden.

Vom Gesicht gehen wir über zum Hals. Die Cashivos in Peru tragen einen sehr wirkungsvollen Halsbehang oder eigentlich Nackenbehang, der hinten an den Haaren befestigt ist und nach vorn über die Brust in herabhängenden Enden fällt. Da die Gesundheitslehre den Frauen nahe, legt, den Hals frei zu tragen, dürfte sich vielleicht die Einführung dieses Halsbehanges empfehlen, der vor der Halskette den Vorzug hat, daß er den Hals nicht einengt und zugleich den Brustansatz betont. Die herabhängenden Enden müssen mit

III. PREIS UNSERER SCHMUCKKONKURRENZ. Motto: „Winterabend“. Martha Dehrmann, Berlin.

Hoheit verleiht. Bei dem Bilde der heiligen Agnes von dem spanischen Maler Alonso Cano in derselben Galerie führt ebenfalls eine Perlenkette über den Scheitel; hier teilt sich aber die Kette über der Stirn, läuft in zwei Wegen nach links und rechts und endigt nach der Stirn zu in einer Art Anhänger, ein vortreffliches Beispiel einer individuellen Behandlung des Kopfschmucks. Auf dem erhöhten Haarputz des Hinterkopfes erhebt sich zudem noch ein Diadem. Im 17. Jahrhundert war auch der Hinterkopf häufig Gegenstand des Schmuckes. Meist führte ein perlen- oder steinbesetzter Reif um die zusammengenommenen Haare und daran schloß sich der aus dem Zopf geflochtene Knoten, der seinerseits oft ein Käppchen oder auch einen kronenartigen Aufsatz erhielt. Ein Beispiel bietet das Frauenbildnis von B. van der Helst in der Berliner Galerie, bei dem auf dem Chignon ein Käppchen liegt, während davor eine doppelte Perlenkette um die zusammengetegten Haare geschlungen ist. Rembrandt, dessen sämtliche Bilder für unsern Gegenstand außerordentliches . Interesse bieten, hat seiner

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entsprechend größern Gliedern, z. B. Filigrangoldkugeln beschwert sein. — Weiter kommen wir zum Brustschmuck. In der nordischen Vorzeit war es üblich, mitten auf der Brust einen großen, schildartigen Buckelknopf aus Edelmetall zu tragen. In Ostfriesland und Oldenburg hat er sich bis heute erhalten. Eine leise

Erinnerung daran gewähren die Knöpfe unserer

Theatermäntel. Auch an die Probsteiner Bauern

knöpfe, in die Mode eingeführt durch Elsbeth Leh

mann, sei erinnert. In Island hat auch dieser

Schmuck besondere Pflege erfahren und im Altertums

museum in Kopenhagen findet man viele schöne

Beispiele. Von tieferm Sinn ist er deshalb, weil

er die Zweiteilung der weiblichen Brust betont.

Allerdings verfolgt diese Aufgabe vielleicht noch

besser der Anhänger, der an der Halskette hängt De tail zu „Logisch“. und zwischen den Brüsten herabhängt. Im griechi

schen Altertum pflegte man ebenfalls einen Brustschmuck zu tragen, meist das Gorgonenhaupt darstellend, von Schlangen umgeben. Margarete Bruns, die für alle diese Fragen ein sehr feines Gefühl hat, sagt treffend: „Auf der ruhigen Fläche der obern Brust hatte die Kette ihren richtigen Platz und kann mit einem spitz zulaufenden Anhänger, der in ganz zarter Weise die Trennung der beiden Brüste andeutet, ein ganz reizvoller Schmuck des Weibes werden“. Dieselbe

Schriftstellerin macht auch darauf aufmerksam, daß die Kette den beweglichen Formen des

Körpers nahegebracht werden sollte; man solle sie weder fest um das Handgelenk, noch um die beweglichen Muskeln des Halses winden, denen sie außerdem nur hinderlich sein würde. Im 16. Jahrhundert wurden Ketten, Bänder oder Schnuren sogar direkt unter dem Kinn am Hals

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AUS UNSERER SCHMUCKKONKURRENZ. Motto: „Zweckmäßig“. Leopoldine Vogt. Wien.

Lobende Erwähnung.

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AUS UNSERER SCHMUCKKONKURRENZ. Motto: „Logisch“. Leopoldine Vogt, Wien. Lobende

+ Wien Lobende Erwähnung.

getragen, was einer „spanischen Schnü-
rung“ gleichkam, so z. B. auf dem
Bilde der Heiligen mit Kelch von Hans
Burkmair in der Berliner Galerie. Am
meisten charakteristischen Brust-
schmuck findet man bei den alten
Ägyptern. Die Pektorale hatten näm-
lich bei ihnen zugleich die Bedeutung
von Amuletten und wurden den Toten
ins Grab mitgegeben, damit Isis sie
schütze, meist in Form eines großen
Skarabäus (Stein in Käferform) in-
mitten einer Tafel; der Käfer wurde
deshalb gewählt, weil er, aus dem
Engerling hervorgehend, die Seelen-
wanderung versinnbildlicht.

Ein leider ebenfalls fast ganz in
Vergessenheit geratener Schmuck ist
die Schulterspange, dazu dienend,
die Gewandenden über der Schulter
mit einer Art Agraffe zusammenzuhalten.
Ein hübsches Beispiel einer solchen

Schulterspange sieht man auf einem
Rückansicht zu „Ludovica“.

Gemälde eines unbekannten Meisters
aus Dürerscher Zeit im großherzog-

lichen Museum in Darmstadt. Erwähnt sei auch die Schulterspange als Symbol hohepriesterlicher Würde bei den Juden. Etwas Ähnliches ist die Mantelschließe, von der man ein reizendes Beispiel auf dem Bilde der heiligen Agnes in der alten Pinakothek in München sieht.

Fast alle andern Schmuckformen stellen Behangschmuck dar und müssen mithin in beweglichen Gliedern gearbeitet und lose getragen werden, wie z. B. die Gürtelketten aus der deutschen Renaissance im Germanischen Museum zu Nürnberg getragen wurden. Unser Schmuck ist meist zu starr, zu eng anschließend, für Puppen, aber nicht für lebende und lebensvolle Wesen geeignet. Die Griechen hatten dafür ein sehr feines Gefühl. Auch der Hauptvorzug der orientalischen, südrussischen und nordischen Filigranschmucke liegt in eben dieser Beweglichkeit.

Zum Aufnähschmuck gehören erstens einmal die Knöpfe, vorausgesetzt, daß sie aus Edelmetall in künstlerischer Weise hergestellt sind. Im Orient, sowohl im Altertum als in der Neuzeit, wurden solche Knöpfe meist aus Goldblech mit Randstegen und eingesetzten halbkugelförmigen Erhebungen oder auch filigranartig als Halbkugeln in durchbrochener Arbeit viel getragen. Miethke veröffentlicht in seiner Schrift über den Bauernschmuck interessante Beispiele von Schmuckknöpfen aus dem Altenland bei Hamburg. Er unterscheidet den flachen Knopf, den Buckelknopf und den Stulpenknopf. Auch in Friesland wurden solche Schmuckknöpfe viel getragen. Desgleichen in Schweden und Island. Ferner gehört zum Aufnähschmuck jede Art von Kleiderschmuck, der in Edelmetall gearbeitet ist. Heute ist derselbe kaum noch zu finden. In der Renaissancezeit war er beliebt. Möglich, daß die heutige Mode der Applikationen, zu denen dieser als Behang aufgenähte Schmuck

AUS UNSERER KOSTÜMKONKURRENZ. sehr gut sich eignen würde, namentlich an den Schultern, an der Motto: „Ludovica“. W. Örtel, München. Lobende Erwähnung. Brust, am untern Teil des Rockes, wieder zum Kleiderschmuck zurückführen wird.

Wir kommen endlich zum Fußschmuck. Fußschmuck klingt uns heute allerdings seltsam, fast lächerlich. Aber gottlob kommen wir heute wieder dazu, für die Bedeutung des Fußes als der Basis des menschlichen Baues, sowie auch für die sinnreiche Gliederung des Fußes Verständnis zu zeigen. In Amerika ist es sogar unter vornehmen Damen Mode geworden, den nackten Fuß zu zeigen, und zu wetten, wer den schönsten Fuß habe. Von hier ist kein weiter Weg bis zum Fußschmuck. Dazu gehören erstens einmal die Fußringe, die nicht nur schmücken, sondern auch dem Fußgelenk einen Halt geben sollten. In Samoa werden sie heute noch getragen. Zehenringe, die in zweiter Linie zum Fußschmuck gehören, trugen noch die Merveilleusen des französischen Konsulats.

Zum Schluß seien mit kurzen Andeutungen noch einige weitere bisher nicht erwähnte Schmuckformen angeführt. Der Rockaufraffer war als Rockopholer in den Elbmarschen ehedem bekannt und beliebt. Ebendort wurde der Schürzenaufstecker (Platenstecker) und die Miederkette oder Miederspange als zu den Schmuckformen gehörig behandelt. Weiter sei für eine künstlerische Behandlung der Schuhschnalle die Anregung gegeben. Besonders für den Ballschuh liegt die Ausführung in edlern Metallen und in künstlerischer Arbeit nahe. Dasselbe gilt von dem Fächergriff, dem gewöhnlich viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Und endlich sollte der Schlüsselhalter, den die Wirtschaftsfrau sich hinter die

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Motto: „Deutsche Frauentracht“. A. Leutfeld, Hanau. Lobende Erwähnung.

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