Page images
PDF
EPUB
[graphic]

es doch selbstver-
ständlich unmög-
lich, billige Massen-
ware anders als auf
maschinellem Wege
herzustellen. Für die
maschinelle Verviel-
fältigung ist das
wichtigste Werk-
zeug die Stahl-
stanze, für deren
Herstellung wieder
eine eigene große
Abteilung in einem

imponierenden
Raume reserviert
ist. So viel ich
zu beobachten ver-
mochte, wird alles
direkt ins Gesenk
gearbeitet. Die ame-
rikanischen Stahl-
graveure leisten im
allgemeinen Vorzüg-
liches, und die Pres-
sungen sind hervor-
ragend scharf und
präzis.
Wenn es sich um

ABB. 5. KANDELABER, „ATHENISCHER STIL“. schwierige Darstel- ENTWORFEN UND AUSGEFÜHRT VON GORHAM & CO. lungen künstleri

WELTAUSSTELLUNG ST. LOUIS. ABB. 4. SPORTPREIS, HAMMER scher Art handelt, ARBEIT. ENTWORFEN UND AUS werden die Gesenke der Firma zu schildern, wird es praktisch sein, zunächst GEFÜHRT VON GORHAM & CO. auf der Reduktions- beim Rohmaterial zu beginnen. WELTAUSSTELLUNG ST. LOUIS.

maschine herge Das Silber wird in Barren angekauft als sogenanntes stellt, von welchen Sterling Silver, also mit einem Feingehalt von 925,000 fein.

mehrere aufgestellt Das Schmelzen erfolgt in mächtigen Tiegeln von durchschnitsind. Um das Arbeiten dieser Maschine möglichst zu be- lich 40 cm Höhe. Der Silberverbrauch von Gorham Mfg. Co. schleunigen, ist an derselben eine besondere Vorrichtung für im letzten Geschäftsjahre betrug in der Providencer Fabrik: den Fall angebracht, daß das zu bearbeitende Modell nicht 2 767 390 Unzen (à 2 Lot), in der Neuyorker Fabrik; 74 784 sich der Kreisform nähert sondern länglich ist. Bekanntlich Unzen. Wahrhaft gewaltige Maschinen sind zum Walzen der laufen an der Reduktionsmaschine Führ- und Schneidstift in Barren aufgestellt, und diese Abteilung (The Preparatory DeKreisen; sie eignet sich deshalb auch am besten zum Be- partment) macht wohl den tiefsten Eindruck auf den Besucher. arbeiten von kreis- und scheibenförmigen Stücken, z. B. von Die größte Silberwalze ist 36 Zoll breit; sie macht 30 UmMedaillen. Ist das Muster schmal und länglich, so laufen die drehungen in der Minute und walzt Silberbleche in der Breite Stifte immer eine Zeitlang leer, und am meisten, solange die von 28 Zoll, also von mehr als 3/4 m Breite. (S. Abb. 6.) äußeren Enden bearbeitet werden. Man hat nun eine Vor- Wie mein Führer mir erzählte, kommt es ab und zu vor, daß richtung konstruiert, welche bewirkt, daß die Maschine immer auch Goldarbeiten in einer Größe hergestellt werden, daß man nur solange in einer Richtung läuft, als der Führstift über das Blech auf dieser Walze herstellen muß. In dem Moment, die wiederzugebende Form gleitet; so

in dem ich den Walzraum besuchte, bebald er über dieselbe weggegangen ist,

fanden sich in demselben 16 Tonnen und also der Schneidestift leer läuft, geht

Silber. Neben den verschiedenen Walzen die Maschine zurück und geht so immer

stehen andere Maschinen, welche das hin und her, jeweils nur ein Kreissegment.

Blech in lange und schmale Streifen und beschreibend. Dadurch wird der von der

dann in Planchen zerschneiden, aus denen Maschine zu beschreibende Weg bedeu

Besteck- und Geschirrteile gefertigt wertend verkürzt und ebenso die Zeit, welche

den. Große Lasten solchen roh zusie zum Schneiden eines Modelles braucht.

gerichteten Arbeitsmateriales sind überall Zu diesem Zweck sind an der Rückseite

zu sehen. In dem gleichen Raume stehen der Maschine, an der Welle, welche den

in langer Reihe die automatischen FallFührstift bewegt, zwei verstellbare Hebel

werke, 24 an der Zahl, mit Hämmern angebracht, welche durch Anstoßen an

von den verschiedensten Gewichtsabstueine Hemmung der Umdrehung der Welle

fungen; der schwerste von allen hat ein an einem bestimmten Punkte Einhalt tun

Gewicht von 2500 (amerikan.) Pfunden. und die rückläufige Bewegung der Ma

Die Fallwerke in diesem Raum sind mit schine veranlassen. Auf solche zeit

einem sieben Fuß starken Granitfundament sparende Vorrichtungen an Maschinen

unterlegt, das 5000 Dollars kostete. Zeitwird in Amerika ein besonderer Wert gelegt.

weise herrscht hier von dem unaufhörUm den gewaltig ausgedehnten, vor

ABB. 6. SILBERWALZE

lichen Arbeiten so vieler Fallwerke ein bezüglich organisierten maschinellen Betrieb

BEI GORHAM & CO.

täubender Lärm. Besonders interessant ist

[graphic]
[graphic]

es, die Löffelfabrikation hier zu sehen, die an einer Reihe leichterer Maschinen betrieben wird. Diese sind so aufgestellt, daß die Aushauer, Löffelwalzen und Fallwerke der Reihe nach nebeneinander stehen und dann das Arbeitsstück von Hand zu Hand, von Maschine zu Maschine wandert, bis es fertig ist: erst die Rohform in dickem Blech in kleinerem Maßstabe ausgehauen, dann auf der Löffelwalze zugleich gestreckt und gebogen, dann aufgetieft und in verschiedenen Phasen fertig gepreßt. Eine Maschine und ein Arbeiter arbeiten dem nächsten so in die Hände, daß keine Minute Zeit verloren geht. In Massen, in mächtigen Stapeln sind hier die roh gepreßten Hälften von Tee- und Kaffeegeschirren, die dazu gehörigen Deckel, Teller und Platten aufgehäuft. Nebenan werden auf Maschinen die Stangenblöcke für Löffel-, Tellerund Plattenstangen abgesägt, dort werden die fertigen Gesenke am Grund poliert, mit Rädchen aus Bimsstein. Der gewaltige Raum ist ganz erfüllt von dem Schwirren, Surren und Dröhnen der verschiedenen Arbeitsapparate.

Zwei besondere Säle oder Hallen sind für die Gießerei eingerichtet; in dem einen wird ausschließlich Silber gegossen, und zwar Stücke und Arbeiten, die sich entweder aus technischen Gründen zum Pressen nicht eignen, oder die nur in wenigen Exemplaren hergestellt werden sollen. In dem zweiten Saal ist eine ganz selbständige Abteilung, die Bronzegießerei, untergebracht. Dies ist ein verhältnismäßig neues Departement, das seine Entstehung dem Bedürfnis der Firma verdankte, in dem eigenen Betriebe Bronze- und Messinggüsse für seine Erzeugung von Kirchengeräten, die sehr umfänglich ist, herstellen zu können. Seither hat die Gießerei sich zu einer Denkmalsgießerei von bedeutendem Umfange entwickelt. In dem Augenblick meines Besuches war man gerade mit den Vorbereitungen zu dem Gusse mächtiger Portale beschäftigt, wovon ein Flügel 2000 amerikanische Pfund wog. Auch werden viele Bauornamente in Kupfer gegossen, die in der Farbe der Patinierung sorgfältig nach dem Gebäude gestimmt werden, zu dessen Schmuck sie dienen sollen. Umständliche und kostspielige Versuche werden nicht gescheut, um die richtige Farbe herauszubekommen; als Vorbilder dafür dienen besonders Pariser Bronzen, welche von der Firma eigens zu Studienzwecken angekauft wurden. — Neben den genannten waren in dem Gießerhause auch eben die Arbeiten im Gange zum Gusse einer überlebensgroßen Denkmalsfigur. Das ist ein weiterer Zweig einer Tätigkeit der Gorham Mfg. Co., die nach unseren Begriffen wenig zum Betrieb einer Silberwarenfabrik zu passen scheint. Der Vorstand der Gießerei, ein geborener Franzose, zeigte uns die Vorrichtung, welche getroffen ist, um bei großen Güssen der Gefahr des Berstens der Tiegel zu entgehen: die Gießgrube ist unterirdisch angelegt, so daß auch im schlimmsten Falle einer eigentlichen Gefahr vorgebeugt ist.

Ein Beispiel der hier erreichten Gußleistungen zeigt Abb. 1: eine überlebensgroße Kolumbusstatue in Silber, die s. Zt. auf der Weltausstellung in Chicago figurierte.

Wieder öffnet sich auf unserem Rundgange eine weite Halle vor uns, in der sich unseren Blicken zunächst hauptsächlich Messingarbeiten zeigen, zum Teil von sehr großem Umfang. Wir sind in der Abteilung für kirchliche Kunst, in der vorwiegend das genannte Material verarbeitet wird. Gegossene Leuchterfüße sehen wir auf der Drehbank, um abgedreht zu werden. Altarkreuze, Altarleuchter, Becher, Schalen, Wandarme und anderes mehr ist in allen Stadien der Vollendung zu sehen. Bemerkenswert ist die wuchtige, kraftvolle Gravierung, die mit besonderer Vorliebe als Zierat angewendet wird, und überhaupt die strenge, ruhige Formensprache, in welcher alle diese Stücke gehalten sind. Die bei uns so beliebten gotischen Formen sieht man weniger; das meiste ist in einem etwa den einschlägigen Arbeiten der romanischen Kunst entsprechenden Stile gehalten. (Vgl. Abb. 7.) – Das Interessanteste in dieser Abteilung ist die Herstellung kirchlicher Figuren. Diese werden vollrund geschnitten, auf dem

Skulptograph, einer Maschine, welche auf dem Prinzip des Storchfußes basiert. Es wird eben nach einem im Besitz der Firma befindlichen, etwa halblebensgroßen Originale ein Madonnenfigürchen in Elfenbein geschnitten. Der Führstift ist an einer langen Schiene verstellbar befestigt. Der Arbeiter führt ihn mit der Hand über die Originalfigur von unten nach oben wiederholte Male, bis der Schnitt des Schneidemeißels vollkommen tadellos ist. Da die Bewegung zwangläufig ist, kann mit vollkommener Sicherheit gearbeitet werden. Dann wird Führ- und Schneidestift proportional etwas verstellt, und die Arbeit geht weiter. Vollrunde Figuren bis zu sechs Fuß Höhe werden so in Holz, Elfenbein und andere gewünschte Materialien geschnitten, und zwar so genau, daß immer nur ganz geringe Nachhilfen von der Hand notwendig sind. Durch Umtausch der beiden Stifte kann man auch Vergrößerungen ausführen, die freilich weniger vollendet ausfallen.

Kehren wir wieder zur Silberwarenfabrikation zurück. Durch einen Raum, in dem zahlreiche Dreh- und Ovaldrehbänke zum Drücken des Silberbleches in Tätigkeit sind, gelangen wir zu den Räumen und Apparaten für Vergoldung und Silberplattierung. Zu letzterem muß bemerkt werden, daß die Gorhamwerke auch Neusilber (sog. German Silver) fabrizieren, zu dem als Basis, wie bekannt, sog. Nickelsilber, eine sehr harte Komposition, benutzt wird. Die Dynamos zur Erzeugung des elektrischen Stromes sind in einem besonderen Raume im Erdgeschoß untergebracht und stehen unter der Leitung eines erfahrenen Ingenieurs. Von hier aus geht der elektrische Strom zu den Räumen, wo das Neusilber hergestellt, wo die Silberware vergoldet wird, und wo eine besondere Spezialität der Gorhamwerke, Fayencearbeiten und Gläser mit Silber, montiert wird. Diese Gegenstände sind ja viel zu zerbrechlich, als daß ein vollkommenes Überziehen derselben mit einem durchbrochenen Silbermuster fabrikmäßig sich darauf anwenden ließe. Man überzieht deshalb diese Gefäße — meist Arbeiten der bekannten Rockwood pottery – zunächst ganz mit Silberstaub und hängt sie dann in das galvanische Bad, wo sie unter automatischer Hin- und Herbewegung vollkommen mit einem Silberniederschlag überzogen werden. Dann wird das Muster aufgezeichnet und die Konturen durchgeätzt. Die Durchbruchstellen lassen sich dann sehr leicht, schon mit dem bloßen Finger, herausnehmen. Das stehenbleibende Beschläg wird überall mit dem Polierstahl angedrückt, an den Rändern verschnitten und nach Bedarf graviert, oxydiert und poliert. Auch ein zweites Verfahren wird angewendet, bei welchem nur das in Silber darzustellende Muster mit einer Lösung aufgemalt wird, welche ein festes Haften des Silberniederschlages auf den betreffenden Flächen bewirkt. Diese Art, keramische oder Glasgefäße mit Silber zu beschlagen, wird auch in Deutschland, namentlich von Berliner Firmen, gepflegt. Nur ist es dort meistens das Glas, welches als Unterlage dient, bei Gorham meistens die Rockwood pottery.

Das Brünieren des Silbers wird von Männern und Frauen besorgt, die alle in einem Raume vereinigt sind. Für gewisse, leicht zu behandelnde, billige Ware ist eine Brüniermaschine da, die ich allerdings nicht im Betriebe sehen konnte. Es sind an dieser Maschine eine ziemliche Anzahl Brünierstühle eingespannt, die automatisch auf- und abbewegt werden. Sie wird namentlich zum Brünieren von Messerklingen und dergl. verwendet.

3 große Räume umfassen die Polierwerkstätten, wo abweichend von dem deutschen Gebrauch, meistens Männer beschäftigt sind. 2 der Räume polieren nur Silber, indem dritten erhält die Neusilberware ihre letzte Vollendung. Auf Politur, auf ihre tadellose Ausführung und Schönheit wird hier sehr viel gegeben. Wie dies in der modernen Großindustrie üblich ist, sucht, auch die Gorham-G. Reparaturen und Hilfsartikel in eigenem Betriebe auszuführen. Demgemäß finden wir eine große, maschinentechnische Abteilung, eine umfangreiche Schlosserei, eine große Schreinerei und Etuimacherei. Ein Erzeugnis der letzteren ist in Abb. 11 dargestellt.

Noch zwei kleinere Spezialabteilungen

rungslöffel, in großer Auswahl und in den sind zu erwähnen, die für Emailmalerei

verschiedensten Mustern vertreten sind. und für die Bijouterieherstellung. Sie sind

darf nicht unerwähnt bleiben. beide verhältnismäßig wenig umfangreich

Neu herausgebrachte Serien in Beund spielen keine wesentliche Rolle im

stecken und Tafelgeschirren werden gerne Betrieb; sie werden aber weiter geführt,

mit Namen versehen, die in einem allerda doch immer einzelne Aufträge der

dings meist nur losen Zusammenhange berühmten Firma zugehen, welche sie

mit dem künstlerischen Muster oder veraus Geschäftsinteressen nicht abweisen

wendeten Motiven stehen: So „The Verwill. Der Chef der Emailabteilung ist

sailles models“, „The Mythology models“, häufig auswärts, um in Auftrag gegebene

„The Paris spoons“ und andere mehr. Emailporträts an Ort und Stelle nach der

Um den Käufer dafür zu interessieren, Natur zu malen. Er zeigte mir sehr ge

gibt die Firma illustrierte Erläuterungen diegen ausgeführte Emailarbeiten, von

heraus, in welchen Ansichten, z. B. von denen mir besonders eine Art ihrer ganz

Versailles und Paris, vereinigt sind mit modernen Ausführung wegen auffiel: Es

Abbildungen der betreffenden Muster waren Sportdarstellungen in ganz ein

(vergl. Abb. 10.), und deren Text kunstfachen Flächen mit kräftig betöntem Um

geschichtliche Beschreibungen der Orte riß ausgeführt, die lebhaft an gewisse

und Motive enthält, an welche die Ornamoderne englische Künstlerlithographien

mentik der hierher gehörigen Silberware erinnerten.

erinnern soll. Bei der Eigenart des ameEndlich ist auch noch ein sogen.

rikanischen Käufers darf man der Verclosed shop da, eine Geheimwerkstätte

sicherung meines Führers, daß hierdurch für solche Arbeiten, deren Anfertigung

schon bedeutende Abschlüsse vermittelt aus irgend welchen Gründen nicht be

wurden, jedenfalls glauben. Diese Verkannnt werden soll. Dieselbe beschäftigt

öffentlichungen sind aber keineswegs mit 25 besonders vertrauenswürdige Arbeiter.

gewöhnlichen Katalogen zu vergleichen; Den Schluß unseres Rundganges bil

ihre Ausstattung ist eine sehr gediegene, dete das Lager fertiger Ware, das so

ABB. 7. ALTARKREUZ.

teilweise luxuriöse zu nennen. Als Papier recht einen Begriff von

ist schweres Büttender großartigen Produk

papier verwendet, die tion der Gorham Mfg.Co.

Illustrationen sind vielgab. Da war es be

fach in Licht-oder Kupfersonders instruktiv, den

druckmanier ausgeführt. Unterschied zu beobach

Auch wo Autotypie geten zwischen der Ware

wählt ist, wird durch Verfür den breiteren Mas

wendung wechselnder, sengeschmack und der

aparter Illustrationsfarfür gewähltere Käufer

ben eine effektvolle Wirkreise: Die erstere all

kung erstrebt. Kurz, man gemein reich mit Orna

fühlt überall das deutmenten versehen, mit

liche Bestreben, dem stark modellierten Blu

Renommee der Firma men und andern Einzel

nicht nur durch den Inheiten verziert-, unter

halt sondern auch durch Umständen auch über

die Ausstellung dieser laden. Die letztere ist ABB.8. TEE-SERVICE, IN HANDARBEIT AUSGEFÜHRT WELTAUSSTELLUNG ST. LOUIS. Publikationen zu dienen. meist in dem sogen. Ko

Auch über ihre Beteililonialstile gehalten oder in

gung an der Weltausstellung der Art des englischen, glatten

in St. Louis hat die Gorham Silbers. Hier sind schwung

Mfg. Co. ein vornehm ausvolle Profile, fein bewegte

gestattetes kleines Werkchen Linien, schön angesetzte Hen

herausgegeben, dem die Abkel und Angüsse und vor

bildungen No. 2, 3, 4, 5, 8 entallem eine wundervolle Poli

nommen sind. Merkwürdige tur zu bewundern. Als Be

und interessante Stücke sind sonderheiten sind auch die

der Prunkschreibtisch und ganz von Hand getriebenen

der Stuhl (Abb. 2 und 3). Hammerarbeiten sowie einige

welche beide nicht unter dem gehämmerte Kupferkassetten

Namen der Firma sondern mit Silberbeschlägen zu er

unter dem Namen des Mr. wähnen. Ein vollständiger

Codman, des künstlerischen „Satz“ für ein Tafelbesteck

Leiters derselben, in der Abumfaßt 105 einzelne Stücke.

teilung für Kunstarbeiten ausNeue Muster werden von der

gestellt waren. Die Anregung Firma meist in dieser Anzahl

zur Anfertigung dieser Stücke angefertigt. Daß hier auch

ging von der Firma aus, eine in Amerika besonders

welche ihren künstlerischen beliebte Spezialität, die SouABB.-9. TEE-SERVICE IN INDISCHEM STIL.

Direktor beauftragte, ohne venir-Spoons, die ErinneSILBERARBEITEN DER GORHAM CO.

Rücksicht auf Kosten und Ver

[graphic]
[graphic]
[graphic]
[ocr errors]

käuflichkeit einen Entwurf zu fertigen, mit dessen Ausführung der raffiniertesten Technik Gelegenheit gegeben werden sollte, sich zu betätigen. Dementsprechend ist das Grundmaterial Thujaund Ebenholz; die Ornamentation, die sich in reicher Fülle über die Einzelteile der Möbel ausbreitet, besteht aus eingelegtem Silber, Elfenbein, Buchsbaumholz und Perlmutter. Höchste Handwerkskunst und verschwenderischer Luxus haben sich zur Schaffung dieser beiden Ausstellungsarbeiten vereinigt.

Das riesenhafte Industrieunternehmen, über dessen Tätigkeit im vorstehenden ein flüchtiger Überblick gegeben wurde, begnügt sich nicht mit rein geschäftlichen Erfolgen. Mehr als man sonst in Amerika zu sehen gewohnt ist, sorgt sie auch für das Wohl ihrer Angestellten und Arbeiter. Es ist für diese ein eigenes Kasino da, mit mächtigen Speisesälen Bibliothek, Erholungs- und Spielräumen aller Art. Außerdem existiert auch eine Sparbank und ein durchgebildetes Pensionssystem. Gute und bewährte Arbeiter, welche durch

Alter oder Krankheit dauernd erwerbsunfähig werden, sind
pensionsfähig. Und zwar erhält ein solcher

im Alter von 70 Jahren nach 25 jähriger Arbeit
» » » 65 „ „ 35 ,
☺ ☺ 60

, 40
monatlich je ein Prozent für jedes Dienstjahr von seinem
Höchstgehalt. Die gewährte Pension darf jedoch den Höchst-
betrag von 1000 Dollars im Jahre nicht überschreiten.

Die Gorham Mfg. Co. verkauft ihre Erzeugnisse teils in eigenen Verkaufsläden in Neuyork, teils sind dieselben in allen besseren Juwelierläden der Vereinigten Staaten zu finden. Geschützt durch den Hochschutzzoll gegen auswärtige Konkurrenz, getragen von der Gunst eines kaufkräftigen und stets wachsenden Abnehmerkreises, unablässig bestrebt, künstlerisch und technisch auf der Höhe zu bleiben, hat das Unternehmen einen Umfang und eine Organisation erhalten, welche eine ausführliche Schilderung in einem Fachblatte wohl rechtfertigen mag.

Die Entwicklung der Pforzheimer Bijouterie- Industrie in den letzten

drei Jahrzehnten.
Von Walter Richter, Sekretär der Handelskammer in Pforzheim.

(Fortsetzung.) Die unheilvollen Folgen der Krisis werden uns auch Blütezeit wieder eintrat. Aus nachstehender statistischen Tadurch die Zahlen der beim Pforzheimer Amtsgericht während belle geht hervor, daß die hohe Arbeiterzahl des Jahres 1873 der Jahre 1876—79 eröffneten Konkurse drastisch vor Augen erst mit dem Jahre 1887 wieder erreicht wurde: geführt; dieselben betrugen: 1876: 65, 1877: 117, 1878:

Zahl der Bijouteriefabriken In denselben 77, 1879: 61.

und Hilfsgeschäfte in

beschäftigte Von den Arbeitern, welche durch die Krisis beschäftigungs

Pforzheim:

Arbeiter: los geworden waren, wandte sich ein großer Teil, sei es

1873:
591

7841 vorübergehend, sei es dauernd, anderer Tätigkeit zu. Als ein

1880:
568

4478 großes Glück für den Bezirk erwies sich dabei der Umstand,

1881:
588

5296 daß viele Bijouteriearbeiter auf dem Lande leben und neben

1882:
604

5555 ihrem Arbeitsverdienst noch eine andere, wenn auch be

1884:
647

6101 scheidene Erwerbsquelle im Betriebe der Landwirtschaft be

1885:
661

7069 sitzen; ohne diese Beihilfe würde die Not viel empfindlicher

1886:
680

7358 zutage getreten sein, als es ohnehin schon der Fall war.

1887:
694

8265 Eine weitere Folge des Geschäftsrückganges war die Aus

Der 1. Januar 1888 ist für die Fabrikation von Bijouteriewanderung einer bedeutenden Anzahl von Arbeitern; die Zahl waren als ein Wendepunkt anzusehen. An diesem Tage trat der während der Jahre 1876 bis 1880 aus Pforzheim und das Gesetz betreffend den Feingehalt von Gold- und SilberUmgebung ausgewanderten Arbeiter der Bijouteriebranche waren vom 16. Juli 1884 in Kraft, wodurch zum ersten Male wurde von der Handelskammer auf rund 700 beziffert, unter für das Gebiet des ganzen Deutschen Reiches die Fabrikation ihnen befand sich eine große Anzahl, welche jenseits des solcher Waren auf eine rechtliche Grundlage gestellt wurde. Meeres die Arbeit und den Erwerb zu suchen beabsichtigte, Die in diesem Gesetz festgelegten Grundsätze sind folgende: welche sie in der Heimat nicht mehr fand. Nach und nach 1. Trennung in der Behandlung von goldenen und silbernen bekam aber diese Auswanderung einen andern, sozusagen

Geräten von den Schmucksachen; epidemischen Charakter; viele von denen, welche sich nach 2. Anwendung eines besonderen, vom Bundesrate beAmerika wandten, taten es nämlich nicht, weil es ihnen in

stimmten Stempels zur Bezeichnung eines MinimalPforzheim an Brot fehlte, sondern weil sie auf Grund glän

gehaltes für die goldenen (585 000) und silbernen zender Berichte von drüben hofften, sich dort eine leichtere

(800/000) Geräte und Verbot der Feingehaltsstempelung und angenehmere Existenz zu verschaffen; zu bedauern war

minderhaltiger Geräte; dabei, daß sich unter diesen Elementen manche tüchtige und 3. Zulässigkeit, aber nicht Verbindlichkeit der Angabe des geschätzte Arbeitskräfte befanden, deren Abgang namentlich

wirklichen Feingehaltes bei Schmucksachen von Gold mit Wiedereintritt günstiger Geschäftsverhältnisse äußerst

oder Silber für jeden Feingehalt; schwer empfunden werden mußte, zumal sie dazu beitrugen, 4. Ausführung der Stempelung durch den Fabrikanten bezw. daß binnen wenigen Jahren viele Bijouteriewerkstätten und

Verkäufer; -Fabriken in Nordamerika neu entstanden. Hierdurch wurde 5. Verantwortlichkeit des Verkäufers, sowie desjenigen, – wie nebenbei bemerkt sei – der schon vorher infolge

welcher die Stempelung ausführte, für die Richtigkeit des Schutzzolles (damals 25 Prozent vom Wert) nicht sehr be

der Angabe nach Maßgabe strenger Strafbestimmungen. deutende Absatz von Pforzheimer Bijouteriewaren nach Nord Der dem Reichstage von den verbündeten Regierungen amerika noch mehr reduziert.

vorgelegte Entwurf zu diesem Gesetze enthielt in § 2 ganz Wie schwer und nachhaltig im allgemeinen die Pforz- allgemein die Bestimmung, daß auf Silber waren der Feinheimer Bijouterie - Industrie unter der Krisis der 70er Jahre gehalt nur in 800 oder mehr Tausendteilen, auf Gold waren zu leiden hatte, gelangte darin zum Ausdruck, daß Jahre ver- nur in 585 oder mehr Tausendteilen angegeben werden dürfe. gingen, ehe die Schädigung ausgeglichen wai, bezw. die frühere Diese Bestimmung, namentlich soweit sie auf Goldwaren Be

zug hatte, rief in den Zentren der

gelang es durch sachkundige Belehrung Schmuckwarenfabrikation (Pforzheim,

der Mitglieder der betreffenden ReichsHanau und Schw. Gmünd) einen leb

tagskommission und anderer einflußhaften Widerspruch hervor. Man war

reicher Parlamentarier, die Ablehnung der Ansicht, daß wenn für Schmuck

der Bestimmung des Gesetzentwurfs, sachen aus Gold ein Minimalgehalt von

betreffend Minimalgehalt der Schmuck585/000 vorgeschrieben würde, ein In

sachen, herbeizuführen. Es sei noch teresse, minderhaltigere Waren, die sich

erwähnt, daß sich für Festsetzung eines den höheren Feingehalten sehr nähern

Minimalgehalts bei den Schmuckwaren können, noch herzustellen, nicht mehr

damals höchstens 1/7 sämtlicher deutvorhanden sei. Die gute Mittelware

scher Schmuckwarenverfertiger (und würde also einen schlechteren Charakter

zwar hauptsächlich solche, welche für notwendig annehmen müssen; denn

den Export arbeiteten) erklärt hatten; würde kein Unterschied von der aller

dies konnte ja auch gar nicht anders besten Ware an bis zur allergeringsten

sein, da speziell in sogenannten MittelSorte mehr gemacht, so kämen für das

waren (unter 585/000) zur Zeit der BePublikum die Abstufungen in den Mittel

ratung des Gesetzentwurfs im Reichstag waren nicht mehr in Betracht. Gerade

der Wert der Produktion dreimal so in diesen Waren aber bestehe der emi

viel betrug als der ganze Wert hochnente Vorzug, den die deutsche Industrie

karätiger Waren. Man mag über die jeder ausländischen Konkurrenz gegen

Festsetzung von 585/000 als Minimalüber besitze. Dieser Erfolg würde durch

gehalt für goldene Schmuckwaren denken, Feststellung einer Grenze für hohen

wie man will, die Tatsache wird als Feingehalt und die damit verbundene

unwiderlegbar bestehen bleiben. daß Verdrängung der Mittelware vollständig

in unserm Vaterlande die Zahl derer, gefährdet werden. Den vereinten Be

welche sich hochkarätige Waren leisten mühungen der Pforzheimer, Hanauer ABB. 10. EINE SEITE AUS DEM KATALOG

können, überaus gering ist. Ein Vorund Gmünder Bijouteriefabrikanten, be

teil würde den Fabrikanten von hochsonders aber der aufopfernden Tätig- „THE „THE PARIS SPOON“ von GORHAM & CO. ka

karätigen Waren aus der gesetzlichen keit des Pforzheimer Agitationskomitees

Einführung oben erwähnten Minimal(bestehend aus den Herren: Albert Wittum, C. W. Meier, gehaltes also kaum erwachsen. Emil Schlesinger, Fritz Dillmann, Th. Kraft und Ph. Kästner)

(Schluß folgt.)

[graphic]

Die Schmucksprache.

So lange es Menschen gegeben hat – auch die kommen- sein will, durch sie gerechtfertigt werden. Daher seine uniden Geschlechter werden davon trotz allen Fortschritts kaum versale Übereinstimmung. An die natürliche Richtung und eine Ausnahme machen –, haben sie das Bedürfnis gefühlt, Gliederung des Körpers muß sich der Schmuck anschließen, sich zu schmücken. Woher mag

den Normen des Körpers richtig dieses Bedürfnis stammen? Es liegt,

angepaßt sein, sie markieren, herwie Hermann Barth in dem soeben

vorheben, ihnen wenigstens nicht erschienenen, anregend geschriebe

widersprechen, Schönheitsmängel nen Bändchen „Das Material des

aber verdecken. Der Kopf und die Schmuckes“ ausführt, darin, daß

fleischigen Teile werden dabei mehr auch der Schmuck eine Sprache

festanliegenden Schmuck verlangen, allgemeiner verständlich als die

die Gelenke dagegen weichen und eigentliche Lautsprache ist. Und

lockeren, um die Beweglichkeit zwar ist der Schmuck eine Bilder

nicht zu hemmen. Behang- und sprache. Die Schmucksachen sollen

Ringschmuck sind deshalb die beiallesamt ausdrucksvolle Sinnbilder,

den ursprünglichsten Schmuckarten. Symbole für gewisse Gedanken sein.

Die geschmückten Körperteile solSie sollen ein Mitteilungssystem

len durch den Schmuck gewinnen. sein, wodurch die Umgebung auf

Durch das Halsband erscheinen die unsere Vorzüge aufmerksam gemacht

weichen Formen der Schulter und wird. Warum bezeichneten die klar

des Halses wohlgefälliger. Der schauenden Hellenen mit dem Wort

goldene Gürtel wiederum grenzt Kosmos, das Ordnung bedeutet,

die Bedeutung des beweglichen und das Anaxagoras in den Be

edlen Oberkörpers günstig gegen griff Weltordnung umprägte, den

den Unterkörper ab. Der enge Schmuck? Barth meint, weil er

Gürtelreif zeigt die Taille schwelgesetzmäßig ist und unveränder

lender und fester, der lockere wahrt lichen Normen unterworfen ist. Die

mehr den Charakter der SchlankNorm aber ist die menschliche Ge

heit und Beweglichkeit. Reife am stalt. Der Schmuck ist durch die

nackten Oberarm lenken den Blick menschliche Gestalt in seiner Struk

ABB. 11. BESTECKKASTEN,

auf die Schwellung des Muskeltur motiviert, muß, wenn er richtig ANGEFERTIGT BEI GORHAM & co. fleisches; ein runder, starker Arm

[graphic]
« PreviousContinue »