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teilhaft dabei fahren und schenken den Zeitungsschürereien Da sich das „Petit Journal“ mit derart chauvioistischen kein Gehör mehr. Daraus resultiert eine progressive Er Ideen sehr gern befasst, hat der Moniteur in ihm einen höhung des Imports deutscher Ware, welche die kurzsichtigen Kampfgenossen gefunden, so dass man von Zeit zu Zeit in Chauvinisten mit Ueberraschung und Schrecken aus den demselben Artikel liest, welche der französischen Bijouterie statistischen Veröffentlichungen erkennen müssen.

gewidmet sind und wenig anderes enthalten, als eine Fehdo Nun geht in den Journalen das Schreien und Lamentieren gegen die Einfuhr von deutschen Gold- und Silberwaren. los. Es wird auf die Deutschen sowohl als auf die „vater Die Auflage des Blattes ist zwar ungeheuer; die betreffenden landslosen“ Abnehmer deutscher Waren geschimpft, und Artikel dürften aber infolge der Qualität seiner Leser im wohl auf keinem Gebiet dürfte die Bekämpfung der deutschen allgemeinen nicht in viele berufene Hände kommen. Konkurrenz heftiger und rücksichtsloser sein, als in der Uebrigens sind dieselben hier etwas mässiger gehalten und Gold- und Silberwarenbranche.

den uns konkurrenzfähig machenden Eigenschaften, als unsere Der Herausgeber der am weitesten verbreiteten Fach- Thätigkeit und unseren perfektionierten maschinellen Einrichzeitung, betitelt: „Moniteur de la Bijouterie et de l'Horlogerie“, tungen ist ein wenig mehr Raum gewidmet. Indes wird die hat sich zum Champion der Sache gemacht. Er geht mit untergeordnete Güte unserer Ware als selbstverständlich hereiner blinden Wut gegen alles vor, was auf die Einführung vorgehoben. Hierbei versucht man, den Konsumenten zu verdeutscher Gold- und Silberwaren in Frankreich Bezug hat anlassen, dass er sich bei etwaigem Einkauf nur französisches und benutzt jede Gelegenheit, selbst zweifelhaft begründete Fabrikat vorlegen und ausfolgen lässt. Zu diesem Zweck Behauptungen, um

unterrichtet man ihn die deutschen Waren

von dem Unterschied zu diskreditieren. Er

des Einfuhrpunzens sowie einige seiner

von dem inländischen. Mitarbeiter, welche

Was eingangs sich aus dem Leser

im allgemeinen bekreis rekrutieren, fin

züglich der zögernden, dass eine Menge

den Aufnahme deutvon deutscher Bijou

scher Verkäufer erterie unter Umgehung

wähnt ist, macht der Zollbehörde ein

sich in der Edelgeführt wird, dass

metallbranche in er„gefüllte“ Gegen

höhtem Mass fühlbar. stände geliefert wer

Es bedarf daher den, mindere Legier

doppelter Ausdauer ung über die Grenze

und einer mehr als kommt u. s. w. Dies

peinlichen Sorgfalt alles, um die Abneh

für die zu liefernmer, welchen ausser

den Waren, wenn dem beständig vor

von einem Erfolge geschwatzt wird, dass

die Rede sein soll. die Fabrikation nichts

Mit der Austaugt, misstrauisch

dauer im Angebot zu machen. Er redet

und in der Erfüllung fortwährend von der Die Königl. Zeichenakademie in Hanau. Nach Plänen: J. Raschdorff's. der Wünsche der deutschen Konkur

Kunden sind notgerenz als von einer

drungen fortgesetzte illoyalen und nimmt als deckenden Schild seinen Patriotismus Unkosten verknüpft, welche auf erhebliche Zeit den Verdienst zur Hilfe, wobei er sich erlauben zu können glaubt, der Gott aufzehren oder gar überschreiten. Es ist deshalb weniger besei Dank recht loyalen deutschen Konkurrenz einen illoyalen mittelten Häusern nicht anzuraten, sich mit dem französischen Kampf zu bereiten. Es fällt ihm auch gar nicht schwer, dies Markt zu befassen, sofern nicht von dort freiwillig Aufträge mehr oder minder unverblümt zu sagen, wenigstens kann erteilt werden. man nach der ganzen Handlungsweise folgenden Ausspruch Wer aber einen Teil seiner Erzeugnisse dem französischen in einem seiner jüngsten Artikel kaum anders auffassen, als Handel widmet, bemühe sich, dieselben sauber und dauerhaft das Zugeständnis, dass er es mit der Wahl der Mittel nicht herzustellen, damit der der deutschen Goldware böswillig genau nimmt. Der in Frage kommende Satz lautet: „Le angehängte schlechte Ruf keine Berechtigung bekommt, vielpatriotisme a des raisons que la raison ne connait pass mehr mit überzeugender Gewalt einem besseren Platz macht. (Die Vaterlandsliebe hat Gründe, welche der Vernunft fremd Gegen die verleumderischen Behauptungen, dass wir uns sind). Wir wollen dies im gewissen Sinne zugeben, aber nicht, illoyaler Verfahren bedienen, um die Waren trotz Zoll- und dass er gestattet, einen unlauteren Kampf zu führen. Der Transportspesen zu sehr annehmbaren Preisen zu liefern, Patriotismus ist sicherlich eine jeden Bürger zierende Eigen- können wir nichts anderes thun, als auf dem bisher befolgten schaft, indes muss man denselben zu handhaben verstehen regelrechten Wege weiter zu wandeln. Es soll hiermit nicht und vor allen Dingen nicht bis ins Lächerliche treiben. als absolut ausgeschlossen hingestellt werden, dass Irrtümer Jedenfalls erweist sich unser Gegner gleichzeitig als Feind und Missbräuche vorgekommen sind, denn dieselben sind weder oder Ignorant aller loyalen kaufmännischen Grundsätze, und auf deutscher noch auf französischer Seite ganz zu vermeiden. es darf wohl in Frage gestellt werden, ob er mit seiner Setzen wir diesem reaktionären Patriotismus eine durch Art und Weise der französischen Gold- und Silberwaren - In- Eifer, Intelligenz und Ehrlichkeit bethätigte fortschrittliche dustrie einen Dienst erweist.

Vaterlandsliebe entgegen!

Hector.

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Hanau.

(Schluss.)

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kann in Bezug auf sein

Sanau, das jetzt ca. 28000 Einwohner zäblt, zu kommen. Das Leben und Treiben der Stadt dreht sich

kann in Bezug auf sein wirtschaftliches und um Produktion und Erwerb, der praktisch geschäftskluge geistiges Leben nicht mit einer Stadt von ähn- Sinn herrscht vor. Für die jungen Leute aus dem besseren licher Grösse im Norden oder Osten Deutschlands Bürgerstande ist das Ziel, das ihnen vorschwebt, ein tüchtiger verglichen werden. Es hat durch seinen regen Kaufmann und Fabrikant zu werden. Die gelehrten Berufe, Industriebetrieb und kaufmännischen Verkehr zu die für den Norddeutschen ein gewisses Ideal der Lebens

viel Fühlung mit der grossen Welt, um ein gestaltung bilden, ziehen nicht recht. Das illustriert auch eigentliches kleinstädtisches Wesen nicht aufkommen zu lassen. der Umstand, dass in Hanau die Oberrealschule mit ihrer Auch ist der Bevölke

mehr praktischen Errung im Laufe der Zeit

ziehung an Frequenz cine gute Dosis romani

das humanistische Gymschen Blutes beigemischt

nasium weit übertrifft. worden, das auf die

Ausser der Arbeit Entwickelung des leb

ist der Hanauer gern haften Temperamentes

vergnügt und freut sich und der geistigen Reg

des Lebens mehr nach samkeit der Bewohner

süddeutscher Art; ein von sichtlichem Ein

guter Mutterwitz, der fluss gewesen ist. Schon

den Nagel auf den die erste enge Berühr

Kopf zu treffen weiss ung mit der romanischen

und der in der mundRasse in den Jahrhun

artlichen Form seiner derten der römischen

Wirkung sicher ist, ist Okkupation, die für

ihm eigen. Die Pflege ganz Westdeutschland

des geselligen Lebens vielleicht zu gering be

kommt in den zahlwertet wird, käme hier

reichen Vereinen, Touauch mit in Betracht.

risten-, Turn-, GesangGanz besonders aber

vereinen etc., bei Winterhat in Hanau die eins

vergnügungen und Austige starke wallonisch

flügen lebhaft zum Ausniederländische Besie

druck. Alte Herren delung mit ihren im

behaupten, dass die 17. und 18. Jahrhundert

Hanauer Frauen ehedem von Frankreich her fol

den Ruf besonderer genden Nachzigen ein

Schönheit besassen; die gewirkt. Noch bis in

Jungen möchten das die Mitte dieses Jahr

gern auch für die hunderts wurde in Hanau

Gegenwart gelten lassen. viel französisch gespro

Den industriellen chen und noch heute

und kommerziellen Chaheissen die Hanauer im

rakter erhielt Hanau Volksmunde der Um

durch die Kolonen der gegend die „Mainfran

Neustadt. Freilich sind zosen“. Ebenso mag Denkmal des Grafen Philipp Ludwig II. in Hanau,

in der Wirtschaftsgeanch die von Generation entworfen von Prof. M. Wiese (Direktor der Königl. Zeichenakademie). schichte der Stadt bis auf Generation fortge

zur Gegenwart manchererbte Berufsthätigkeit in

lei Umwandlungen zu Gebieten, die ungewöhnliche manuelle Fertigkeit in Verbindung verzeichnen. Industrie- und Erwerbszweige leben nach mit gewissen intellektuellen Fähigkeiten fordern, mancherlei einander auf am Baume des Lebens und sterben wieder zu einer allgemeineren Hebung der geistigen Beanlagung ab. Die im 17. und 18. Jahrhundert so blühende Textilbeigetragen haben. Jedenfalls ist diese letztere eine That industrie (Passementerie, Tuchfabrikation, Seidenweberei, sache, die konstatiert werden muss, die vielleicht auch bewirkt, Wirkerei, Färberei) ist fast ganz vom Schauplatz abgetreten. dass die sozialpolitischen Gegensätze der Gegenwart, die auch Nur die Gold- und Silberwarenfabrikation und die Tabakindustrie, in Hanau da sind, wie in jeder grösseren Industriestadt, sich die schon im 17. Jahrhundert in Neu-Hanan zu den ersten hier nicht so schroff und scharf geltend machen, wie ander- Erwerbszweigen zählten, sind lebens- und entwicklungsfähig wärts. Es gilt hier mehr die Parole des Lebens und Leben geblieben. Beide haben gerade im 19. Jahrhundert neuen lassens. Der Hanauer ist arbeitslustig und bestrebt, vorwärts Aufschwung genommen, sie sind gegenwärtig die beiden

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Pole des Geschäfts- und Erwerbslebens. Daneben haben sich verschiedene Hilfsgewerbe, z. B. die Etuisfabrikation, die Herstellung von Cigarrenkisten, von Cigarrenwickelformen, von lithographischen Austattungen der Cigarrenpackungen, zu selbständiger Bedeutung ausgebildet. Auch andere kaufmännische und industrielle Betriebe spielen in dem Geschäftsverkehr eine ansehnliche Rolle: der Grosshandel in Wein, Kaffee, Reis, Gewürz, Holz, die Branindustrie, die Spirituosenfabrikation, der Eisen- und Bronzeguss, der Maschinenbau, die Papierfabrikation, die Herstellung von Bürsten und Filzwaren. Die Königliche Pulverfabrik, die grösste in Dentschland, beschäftigt allein ein halbes Tausend Menschen, Radfahrer wird es interessieren, dass die Gummireifen ler Dunlop-PneumaticTyre-Cie. in Hanau hergestellt werden.

Für die Hanauer Gewerbebetriebe reichen die ortsansässigen Arbeitskräfte nicht aus; auch die umliegenden Ortschaften bis ins Bayerische und Grossherzoglich Hessische hinein finden dabei lohnenden Erwerb. In grossen Scharen zu Fuss, vielfach per Zweirad, kommen und gehen die Arbeiter des Morgens und Abends, oder werden in besonderen Zügen der Kleinbahnen befördert.

Die Edelmetallindustrie nimmt natürlich die besten und tüchtigsten Kräfte in ihren Dienst. Die Einführung derselben ist den ersten Kolonen zu danken. Die Geschichte der Hananer Goldschmiedekunst nennt schon in den ersten Jahren der Besiedelung mehrere angesehene Goldschmiede; am 10. Februar 1610 reichten bereits 14 Diamantpolierer und 24 Gold- und Silberschmiede ihre Zunftartikel ein. Mit wechselndem Glücke ist das Gewerbe in den nächsten Jahrhunderten weitergeführt worden. Die Neuzeit mit ihrer Tendenz zur Arbeitsteilung hat hier auch verschiedene Unterarten der technischen Bearbeitung und Erzeugung geschaffen, die kaufmännische Vertriebsweise ist fast durchgehends üblich geworden. Dabei ist aber doch der Produktion der Charakter als Kunstgewerbe gewahrt geblieben. Zwei grosse Gruppen haben sich gebildet. Die Silberwarenfabrikation steht auf der einen, die Bijouterie mit ihren Nebenzweigen auf der anderen Seite.

In der Silberwarenindustrie, die in letzter Zeit unter recht guten Konjukturen arbeitet, spielte und spielt roch heute eine grosse Rolle die Antiquitäten-Imitation, die freie Nachbildung alter Werke der Silberschmiedekunst in Treibarbeit, besonders von Prunkgeräten in der flotten Technik der Spätrenaissance, die durch den Zwischenhandel immer noch guten Absatz finden. Man muss diese Stücke entstehen sehen, um die verblüffende Geschicklichkeit zu begreifen, mit welcher der alte Charakter in Zeichnung und Ausführung, in der Ziselierung und Patinierung wiedergegeben wird, so täuschend, dass nicht blos die reichgewordenen Dollarmenschen drüben und die bekannte Gattung derer, die nicht alle werden, sondern auch grundgescheite andere Leute sie vielfach für bar nehmen. Die Fabrikation moderner Silberware kommt daneben mehr und mehr in Aufnahme, vom kleinen Theegerät bis zu kostbaren Tafelaufsätzen und Sportpreisen. Eine Firma betreibt auch seit ein paar Jahren als Spezialität die Herstellung von Ziergeräten aus Glas, Porzellan u. dgl., die einen silbernen, durchbrochenen Decor auf galvanischem Wege erhalten, ein Verfahren, mit dem Tiffany auf der Chicagoer Weltausstellung uns zuerst bekannt gemacht hat.

Komplizierter und vielseitiger ist die Bijouteriefabrikation Sie erzeugt in Hanau nicht fabrikmässige Massenartikel und minderwertiges Mittelgut, sondern die künstlerische Einzelarbeit, das vornehme, materialechte, edelsteinstrahlende Schmuckstück in individueller Form ist ihr Gebiet. Dafür ist Hanau berühmt, das ist die Stärke der Hanauer Goldschmiedekunst und ihr

berechtigter Stolz. Wer mit dem einen oder andern Bijouteriefabrikanten gut Freund ist, bekommt auch da näheren Einblick in die Fabrikation und kann mitunter Geschmeide entstehen sehen, die den Hals von Fürstinnen schmücken, Diademe und Kronen, die königliche Häupter zieren und deren Wert nach ingezählten Tausenden geht. Dass nur künstlerisch geschulte Arbeitskräfte im Zusammenwirken Arbeiten solcher Art liefern können, ist begreiflich. Die grösseren Firmen, deren Inhaber meist zugleich selbst künstlerische oder praktische Fachbildung besitzen, haben ihre eigenen Zeichner, Mollelleure, Graveure und Fasser. Daneben sind auch Spezialfirmen für Gravieren, Ciselieren, Vergolden, Emaillieren thätig. Die Hanauer Fabrikanten arbeiten meist für feste Kundschaft, die sie bei den Juwelieren und Grossisten in den Grosstädten haben. Nur kurante Waren werden in Vorrat gearbeitet, grössere Stücke immer nur auf besondere Bestellung nach eigenen Entwürfen. Jeder Fabrikant ist auf Wahrung der künstlerischen Eigenart seiner Arbeiten bedacht; mcist hat er noch einige besondere Spezialitäten, die ihm ein anderer schwer nachmacht. Jeder geht hier, ohne sich viel um den andern zu kümmern, seine eigenen Wege. Daher kommt es auch, dass selbst in Fragen von gemeinsamem Interesse ein Zusammenschluss und ein gemeinsames Vorgehen kanm zu erzielen ist; der Vorstand des Kunstgewerbe-Vereins könnte davon ein Lied singen. Durch scharfe Umschau, duroh Reisen, die bis nach Paris und London ausgedehnt werden, muss der Fabrikant mit dem Wechsel der Moden und des Geschmackes in steter Fühlung bleiben. Bisher behauptete der reiche Brillantschmuck das Feld; eine neuere Richtung scheint die kunstvolle Bijouteriearbeit wieder mehr zu Ehren zu bringen, da wird sich Hanan mit seinem künstlerischen Vermögen auch an die Spitze stellen dürfen.

Zu bedauern ist, dass in letzter Zeit mehr und mehr die Aufträge auf das letzte Drittel des Jahres zusammengehäuft werden, dass die Produktion dadurch fast zur Saisonarbeit genötigt wird. Abgesehen von den dabei drohenden sozialen Misständen, stellen solche Verhältnisse, besonders in den letzten Wochen vor Weinachten, die stärksten Anforderungen an die Arbeitsleistung der Leiter wie der Arbeiter.

Die ausgiebige Verarbeitung von Edelsteinen am Platze war mit Veranlassung, dass auch die Diamantenschleiferci in Hanau Fuss gefasst hat (1874 cingeführt); sie scheint sich unch trotz mancher Misslichkeiten des Geschäftsganges und schwieriger Streikkonflikte dauernd zu halten. Auch einige Kettenfabriken, Uhrgehäusefabriken und ein paar grosse Estamperieanstalten sind hier zu erwähnen. Die Herstellung von feinen Eisenguss- und Bronzewaren steht anch noch in einem gewissen künstlerischen Zusammenhange mit der Edelmetallindustrie. Endlich hat sich die in Hanau betriebene Fabrikation von Gegenständen aus Platin (meist für chemische und technische Zwecke) gegenüber der in- und ausländischen Konkurrenz Weltrang erworben.

In den künstlerischen Qualitäten ihrer Erzeugnisse liegt, wie gesagt, der Hauptwert der Hanauer Edelmetallindustrie. Zu ihrer steten Pflege und Förderung, zur Heranbildung immer wieder neuer Kräfte besitzt Hanau ein Institut von besonderer Wichtigkeit, die Königliche Zeichenakademie, eine von weit und breit besuchte Fachschule für die Edelmetallindustrie. 1772 gegründet, war sie lange Zeit eine kleinfürstliche Kunstakademie, aus der auch mancher bedeutende Künstler, wie der am 9. Dezember 1898 verstorbene Altmeister der Hanauer Künstlerschaft, der Geschichtsmaler Prof. Georg Cornicelius, hervorgegangen ist. Unter der preussischen Verwaltung ist die Anstalt reorganisiert und zielbewusst mit Rücksicht auf die einheimische Kunstindustrie

Kunstakasegrindehte Fachliche 2

dere termicelius, the

rest Anstalt reorien

ausgestaltet worden. Ueber die Unterrichtseinteilung, die den Zielen praktischer Ausbildung angepasst ist, ist in der No. 21 des I. Jahrgangs dieser Zeitschrift S. 171 einiges gesagt worden. Erwähnt sei noch, dass in jüngster Zeit zu den schon bestehenden Fachwerkstätten für Ciselier- und Bijouterietechnik auch eine Klasse für Emailmalerei eingerichtet worden ist. Von Seiten der Regierung findet das Institut kräftige Förderung. Die künstlerischen Lehrkräfte haben sich als Bildhauer und Modelleure, Architekten, Maler, Zeichner und praktischer Kunstgewerbler aus dem Norden und Süden, dem Westen und Osten des Reiches zusammengefunden. Ein reiches Lehrmittelmaterial, eine gut ausgestattete kunstgewerbliche Bibliothek, ein Museum, welches sich auf dem metalltechnischen Gebiet mehr und mehr rerrollständigt, unterstützen den Unterrichtsbetrieb wesentlich. Zur Zeit steht der Bildhauer Prof. M. Wiese an der Spitze der Akademie. Die Anstalt wird gegenwärtig von ca. 250 Schülern besucht, die wesentlich der Edelmetallbranche angehören; nur die in

jüngster Zeit in Hanau kräftig aufblühende Kunstlithographie liefert noch ein nennenswertes Kontingent ans den anderen Berufszweigen. Auch von auswärts und selbst dem Auslande kommen viele junge Leute, häufig nach vollendeter praktischer Ausbildung, um noch eine tüchtige künstlerische Schulung durchzumachen. — Auch den kunstgewerblichen Bestrebungen der Frauenwelt ist durch eine besondere Schülerinnenabteilung, die im Kunststicken, Musterzeichnen und Malen unterwiesen werden, Rechnung getragen; sie ist meist von jungen Damen aus Hanau und Frankfurt a. M. besucht.

Die in Hanau so reichlich gebotene theoretische und praktische Ausbildung in Schule und Werkstatt produziert einen über den einheimischen Bedarf hinausgehenden Ueberschuss an künstlerischen Kräften. Viele gehen darum in die Welt hinaus, nach Süddeutschland, Berlin, nach Holland, England und selbst Amerika; sie finden da überall ein gutes Fortkommen. Hananer Kunst und Hananer Leute sind überall gern gesehen.

Dr. A. Winkler.

Farbenschmelz in Tiefschnitt.

U m Grassi-Museum zu Leipzig ist gegenwärtig

eine Tafel mit Emailarbeiten ausgestellt, welche

die Aufmerksamkeit anf cine in früheren Jahr Wat hunderten sehr beliebte, neuerdings nur wenig

geübte Art der Schmelzkunst,
den Farbenschmelz in

Tiefschnitt (Email ile bassetaille), lenken. Der Künstler, Herr Ciselenr Ludwig Klenk, hat dabei durch Nebeneinanderstellung halbfertiger und fertiger Arbeiten anf die Art der Anfertigung hingewiesen: in eine starke Silberplatte wird mit dem Grabstichel der gewählte Gegenstand (Porträts, allegorische und Heiligenfiguren) in einem sehr zarten, aber ansdrucksvollen Relief ausgearbeitet, so zwar, dass das ganze Relief unter der Oberfläche der Silberplatte liegt. Mit durchsichtigen Glasflüssen verschiedener Farbe wird nun dies Relief überzogen; da, wo infolge der Unebenheiten des Reliefs die Farbenschicht (lünn aufliegt, wird von dem durchschimmemden blanken Metall eine helle

Nuance der Farbe erzeugt, während diese in den Tiefen ziu einer dickeren Schicht zusammenfliesst, welche als Schatten wirkt. Diese Art der Schmelzmalerei, welche, wie uns anch die Klepk'schen Arbeiten zeigen, mit der metallischen Leuchtkraft der

Farben eine grosse Zartheit der Modellierung verbindet, wurde in Italien im 13. Jahrhundert erfunden. Nach Vasaris Zeugnis gab es vom 14. bis 16. Jahrhundert kann einen namhaften Metallkünstler in Italien, der den Farbenschmelz in Tiefschnitt nicht zur Anwendung gebracht hätte. Besonders berühmt waren die Ausführungen von Ogna bene im vierzenten, Maso Finiguerra im fünfzehnten und Antonio Pollajuolo im sechzehnten Jahrhundert. Es wäre mit Freuden ZIL begrüssen, wenn die gelungenen Versucho des Herrn Klenk dazu beitrügen, diese Art von farbigem Metallschmuck, «ler sich

ebenso zur Bijonterie wie zu Einlagen in Silberarbeiten etc. eignet, wieler mehr in Aufnahme 20 bringen.

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OS

Aus Pforzheim.

yie vorjährige Herbstsaison darf man wohl unumgänglich notwendiges Requisit bezeichnet hätten. Wenn

soweit das deutsche Geschäft in Betracht das der Fall ist, so wäre das nur ein erfreulicher Beweis kommt, trotz aller einzelnen Ausstellungen, dafür, dass ein Zusammenarbeiten der Modeblätter mit den die ja nie ausbleiben, als besser bezeichnen, Juwelieren den letzteren von grossem Nutzen ist, während als man erwartet hatte. Die Ketten- den ersteren jedenfalls keinerlei Schaden daraus, eher aber und die Ringfabriken waren durch weg durch die Mitwirkung vorzüglicher kunstgewerblicher Kräfte

sehr gut beschäftigt. Am besten gingen mit der Zeit ein wohl berechenbarer Vorteil erwachsen dürfte. wiederum die Dou

Sind in Ketten bléketten, über die

die von Doublé bealle Welt schimpft

gehrter, so liegt bei und die alle Welt

Ringen der Fall mit Vorliebe kauft.

umgekehrt. DoubleEs ist nur ein Rätsel,

ringe werden heute wohin die grosse

nur noch in wenigen Masse dieser Fabri

Fabriken angefertigt; kate verschleisst

desto grösser ist die wird. In vergange

Fabrikation und Nachnen Jahren war man

frage nach goldeso gern mit der Er

nen Ringen, welche klärung bei der Hand,

in allen Qualitäten dass die Mehrzahl

und Geschmacksrichder verkauften Dou

tungen Absatz finden, bléketten die Lager

leider freilich auch der Grossisten und

zu Preisen, die es Detailleure fülle und

selbst dem gewiegten dass deshalb im fol

Fachmann unerklärgenden Jahr der

lich erscheinen lasVerkauf stark nach

sen, wie der Fabrilassen müsse. Nichts

kant dabei bestehen davon ist eingetroffen.

kann. Anch dieses Jahr

Thatsächlich lehrt fanden Doubléketten

auch die Erfahrung, flotten Absatz. Da

dass ebeuso wie in neben aber auch

Doubléketten so in goldene Ketten,

goldenen Ringen nur die bei niedrigen

der Fabrikant zu Façonpreisen sehr

existieren vermag, gut abgingen. Be

welcher die vollsonders beliebt waren

kommenste maschidieses Jahr die

nelle Einrichtung und Fächerketten, von

genügendes Eigendenen manche Fabri

kapital zur Verfügung kanten nicht genug

hat. Nur durch fertig stellen konnten.

Ausnützung aller Ein hiesiger Ketten

Fabrikationsvor fabrikant hat gerade

teile ist heute noch in diesem Artikel

der Ringfabrikant im noch mehr uner

Stand sich zu beledigte Aufträge, die

haupten. Die Façonleider zum Teil hin

preise sind, wie fällig sind, liegen,

schon erwähnt, soals er im ganzen

weit zurückgegangen Jahr bis gegen No

als möglich, die Farbenschmelz in Tiefschnitt. vember hin überhaupt

Löhne besonders für crhalten hatte. Kun

Polisseusen (wie für dige Geschäftslente

alle weiblichen Arbehaupten, an diesem Anfkommen der Fächerketten seien beiter) höher als zuvor und die Materialpreise haben sich, nicht zum wenigsten die Modejournale schuld, welche was das Gold anlangt, natürlich nicht verändert, in Bezug bei der Beschreibung von Kostümen dieselben vielfach als auf Perlen und Steine dagegen so ziemlich auf der Höhe

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