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meistens Blutgefasser kongen Zellen geriant nad

Nadel (ich habe dreikantige Nadeln, welche am besten funktionieren), welche gut schneidet, also weder sticht noch reisst. Unter „stechen“ verstehe ich den Stich mit einer runden Nadel, wobei man immer mehr Druck anwenden muss, um sie durch das Ohrläppchen hindurchführen zu können und die Wunde als eine gewaltsam hervorgebrachte erscheint. Mit einer dreikantigen Nadel macht man aber einen Schnitt, der glatt ist und deshalb besser heilt. Weil die Wunde, welche mit einer dreikantigen Nadel hervorgebracht wird, meistens blutet, so heilt sie auch schneller, denn die geöffneten Blutgefässe können sich entleeren, während beim Nichtbluten das Blut in den Zellen gerinnt und weit leichter Entzündungen hervorruft, da es in der Wunde in Zersetzung übergeht und durch Eiterung erst ausgestossen wird. Der Beweis liegt darin, dass eine Schnittwunde, welche gewöhnlich doch immer blutet, weit leichter heilt als eine Wunde, welche durch Quetschung hervorgebracht wird. Jedoch das sind Ansichten, über die nur Ärzte entscheiden können.

Eine Hauptsache ist ferner, dass die Nadel stärker sein muss, als das Röhrchen, in dem die Nadel steckt, damit das Röhrchen ganz willig durch die Wunde geht; auch halte man sich verschiedene Nadeln, je nach der Dicke oder Grösse des Ohrläppchens. Bei dicken Ohrläppchen nehme man stärkere Nadeln, welche grössere Löcher schneiden; denn bei starken Ohrläppchen geht der Boutonbügel immer schwerer durch als bei dünnen. Man muss es also verhüten, die Wunde zu reissen. Man hüte sich aber, in den über dem Ohrläppchen befindlichen Knorpel zu stechen, was sehr böse Entzündungen event. Blutvergiftnng herbeiführen kann.

Vor dem Stechen reibe ich das Ohrläppchen mit ganz schwacher Karbollösung ein, tauche jedesmal vorher die Nadel in Karbolöl und betrage nach dem Stechen die Wunde oben und unten noch mit Öl. Trotz aller dieser Vorsicht ist es mir schon wiederholt vorgekommen, dass Ohrringe auf Anordnung des Arztes wieder herausgezogen werden mussten. Es giebt viele, deren Fleisch durch geringe Verletzungen zu langwierigen Verschwärungen geneigt ist; hauptsächlich ist dies bei Kindern der Fall, die an Ausschlag leiden. Ich habe einen Fall gehabt, in dem ein Kind ein volles Jahr schlimme Ohrläppchen hatte, konnte aber die Mutter nicht wieder bewegen, die Boutons wieder herauszunehmen.

Die Verschwärungen der Ohrläppchen können verschiedene Ursachen haben: 1. dass die körperliche Beschaffung der betreffenden Person aussergewöhnlich dazu geneigt ist; 2. dass irgend welche reizhervorrufende Partikelchen, welche Eiterungen verursachen, auf die Wunden gelangen (durch die Seife beim Waschen des Kindes etc.) oder dadurch, dass die Mütter ihre Kinder mit diesem oder jenem Öl etc. salben. 3. aber muss man vor allem darauf achten, dass der Bügel des Boutons weit genug ist, damit das Ohrläppchen nicht gedrückt darin sitzt, sondern reichlich Spielraum hat; denn durch letzteres werden sehr oft Entzündungen verursacht, nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen. Das Ohrläppchen schwärt so lange, bis das Bouton soweit hinuntergesunken ist, dass das Ohrläppchen reichlich Spielraum hat. Bei anhaltenden Schwärungen und Gesundheitsstörungen ist

es natürlich das einfachste, die Ohrringe herauszunehmen. Ich habe aber u. a. eine so eitele Kundin, die sich zweimal das Ohrläppchen von einem Arzt hat zusammenheilen lassen, und das dritte Ohrloch, das ich ihr stach, ist ebenfalls wieder ausgeschworen.

Als ein gutes Mittel nach dem Stechen empfehle ich immer kalte Aufschläge, d. h. – nur wenn sich Hitze in den Ohrmuscheln bemerkbar machen sollte, also die Ohren heiss werden. Man halte an jedes Ohr ein nasses kaltes, aber recht stark ausgewrungnes leinenes Tuch und kühle es wieder ab, sobald es warm wird; man wiederhole es so oft, bis die übermässige Hitze aus den Ohrmuscheln gewichen ist, wodurch dann voraussichtlich alle Gefahr gehoben ist.

Um nun auf die Gefahren und Widerwärtigkeiten beim Ohrlochstechen zu kommen, will ich nur zwei Fälle erwähnen: Als eines Tags eine Kundin mit ihrem Töchterchen zu mir kam, um ihm Ohrlöcher stechen zu lassen, fragte ich, ob sie auch im stande sei, ihr Töchterchen gehörig festzuhalten, und sie erwiderte mir im kecken Ton: „Das ist die fünfte, der ich jetzt bei Ihnen Ohrlöcher stechen lasse; ich habe es also schon viermal durchgemacht“. Diesmal war es aber anders, denn es war ihr eigen Fleisch und Blut! Als ich die Nadel durch das Ohrläppchen gestochen hatte, verlor die herzhafte Mutter den Mut und wurde ohnmächtig; das Kind glitt von ihrem Schoss und ich stehe da, in der einen Hand die durchgestochene Nadel und in der anderen den Ohrring haltend. Zum Glück kam einer meiner Angehörigen, der mir zur Hilfe eilte.

Der zweite Fall ist weit verhängnisvoller gewesen. Ein Dienstmädchen wird von ihrer Herrschaft geschickt, von mir einem Kinde Ohrlöcher stechen zu lassen. Als ich das erste Ohrloch gestochen hatte, verfiel das Kind in einen Starrkrampf, selbstredend habe ich das zweite Ohrloch nicht gestochen. Der glückliche Zufall wollte es, dass dies ohne Folgen geblieben ist; es hätte aber auch leicht der Fall eintreten können, dass durch den Starrkrampf ein Herzschlag eintrat, dann hätte ich mich in diesem Fall wegen fahrlässiger Tötung auf der Anklagebank zu verantworten gehabt.

§ 122 lautet: „Wer durch Fahrlässigkeit den Tod eines Menschen verursacht, wird mit Gefängnis bis zu drei Jahren bestraft. Wenn der Thäter zu der Aufmerksamkeit, welche er aus den Augen setzte (in diesem Fall Hinzuziehung eines Arztes. Anm. d. Verf.), vermöge seines Amtes, Berufs oder Gewerbes, besonders verpflichtet war, so kann die Strafe auf fünf Jahre erhöht werden.“

Das Ohrlochstechen wird so allgemein als untrennbar von dem Gewerbe aufgefasst, dass man es absonderlich findet, wenn ein Goldschmied sich weigert, es zu thun. Wenn man aber schon dergleichen Dinge, wie ich sie hier anführe, erfahren hat, dann wird man ängstlich und sieht sich die diesbezüglichen Paragraphen des Strafgesetzes genauer an. Selbst ein Arzt ist nicht sicher davor, denn wenn ihm ein Fall mit unglücklichem Ausgang begegnet, so frägt das Gesetz, ob die betr. Operation zur Erhaltung des Lebens oder Wohlbefindens des Patienten in diesem Falle durchaus nötig war!

Hugo Lemcke.

die Seife beim Kinder mit diesem uf achten, das

centras

Vermischtes.

Ein Preisgekrönter. Rudolf Bosselt, der Sieger in dem vom Kultusministerium ausgeschriebenen Wettbewerb um eine Taufmedaille, ist ein Zögling der Frankfurter Kunstgewerbeschule. Bosselt erhielt in Berlin die erste technische Ausbildung als Ziseleur und kam im Jahre 1891 nach Frankfurt, wo er auf der Kunstgewerbeschule seine weitere künstlerische Ausbildung fand. Er besuchte die Anstalt mit kurzer Unterbrechung sechs Jahre, zuerst als Schüler von W. Widemann, später, nach dessen Uebersiedelung nach Berlin, als Schüler von Jos. Kowarzik. An sein hiesiges Studium schloss sich ein andertbalbjähriger Aufentbalt in Paris, der die weitere Ausbildung in der Académie Julien bezweckte. Bosselt, der gegenwärtig in Frankfurt a. M. hier als Modelleur, Ziseleur und Medailleur thätig ist, gehört zu den Künstlern, die auf den Ruf des Grossherzogs

Die Akt.-Ges. Kollmar & Jourdan, Uhrkettenfabrik in Pforzheim, die ein Aktienkapital von Mk. 600 000 besitzt, erzielte im ersten Geschäftsjahr 1898/99 nach Abzug von Mk. 20 736 Abschreibungen einen Reingewinn von Mk. 140 490. Aus Anlass des Jahresabschlusses verteilte die Firma unter ihre Arbeiter 5000 Mk. Manche Arbeiter erhielten Beträge bis zu 25 Mk.

Fabrik-Errichtung. Herr Fabrikant Fr. Speidel in Pforzheim errichtet in Nagold eine Uhrketten-Fabrik, in welcher circa 250 Personen beschäftigt werden. Die Gründung dieses Etablisse. ments, durch welches für diese Gegend ein weiterer Erwerbszweig geschaffen wird, wird mit Freuden begrüsst.

Todesfälle. In Pforzheim verstarb am 31. v. Mts. Herr Ringfabrikant Robert Scheidel, Inhaber der Firma gleichen

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von Hessen demnächst in Darmstadt zu einer Art freier Akademie zusammentreten werden.

Aus Gmünd. In der Fortbildungsschule ist die Grvavierlehrer-Stelle neu zu besetzen. (Näheres vergleiche Inserat.) Am 5. d. M. traf Minister von Pischek in Begleitung ein und wurde am Bahnhof von den Vertretern des Handels- und Gewerbevereins, von dem die Einladung ausgegangen war, Stadtrat Erbard etc. empfangen. Nach der Begrüssung besichtigten die Herren die Fabriken von Wilh. Binder, Gebr. Kuttler, Erhard & Söhne und Gust. Hauber. Der Minister äusserte sich sehr anerkennend über das dort Gesehene.

Aus Glashütte teilt man uns mit: Unlängst statteten die Mitglieder der Goldschmiede-Innung zu Dresden unserer Stadt einen Besuch ab und besichtigten die hiesige Deutsche Uhrmacherschule sowie das Etablissement der Firma A. Lange & Söhne und die Werkstätte der Firma Karl Kohl.

Namens, nach langem schweren Leiden im Alter von 36 Jahren.

- In Schwäb. Gmünd verschied Ende v. Mts. Herr Kabinettmeister Jakob Blessing, im Hause Disam & Steiner, Silberwarenfabrik, dessen Todesfall in Gmünd allgemeine Teilnahme hervorrief.

Die Firma P. Wolff & Co. in Hamburg teilt uns mit, dass sie für Deutschland den Allein - Engros - Verkauf der bekannten „Löwenuhr“ erhalten hat. Die Fabrik der Marke „Löwenuhr" ist der Neuzeit entsprechend eingerichtet und dadurch im Stande, alle Ansprüche, die an an ibre Erzeugnisse in Bezug auf Qualität der Werke und geschmackvolle Ausstattung der Gehäuse gestellt werden, vollauf befriedigen zu können.

Gutachten. Die Handelskammer in Hanau wird von dem Amtsgericht in Hanau um Auskunft darüber ersucht, ob in der Gold- und Silberwaren- und Juwelen-Branche ein Handelsgebrauch besteht, nach dem einem in dieser Branche thätigen und An- und Verkäufe kommissionsweise vermittelnden Händler, der einem anderen Gewerbetreibenden der Branche auch ohne Auftrag Kunden zuweist und ihn empfiehlt, dafür von diesem anderen eine Provision in Höhe von 5% des Kaufpreises des zufolge der Empfehlung zwischen dem anderen und dem ihm zugewiesenen Kunden zustande gekommenen Geschäftes zu zahlen ist“. Die Frage wird verneint

Im Verein für deutsches Kunstgewerbe in Berlin hielt der Direktor des Kunstgewerbemuseums in Reichenberg, Dr. Paza urek, einen interessanten Vortrag über „Die Lieblingso flanzen in den dekorativen Künsten.“ Der Vortragende führte aus, dass bisher pur verhältnismässig wenig Pflanzen als Modelle Eingang in die Kunst gefunden bätten, und zwar sei gerade solchen der Vorzug gegeben, von denen man es kaum erwarten sollte; der Grund dafür sei vielleicht in der grösseren Beständigkeit und Häufigkeit der einen gegenüber den anderen zu suchen. Redner erwähnte die heraldischen Blumen, namentlich die Lilie und die Rose, die ,,Parteiblumen" - das Veilchen der Napoleoniden zum Beispiel, die Kornblume der Deutschen u. 8. w. – und kam dann auf die in der Kunst verwertete Flora von China und Japan. Jedes Blumenstück der Japaner enthalte eine feine Anspielung, wodurch es sich von den unseren unterscheide. Dekorative Lieblingspflanzen ganzer Epochen würden doch schliesslich wieder von anderen verdrängt, 80 der Lotos u. a. m. Im Mittelalter hätten obenan der Granat, apfel, der Weinstock, die Lilie, namentlich aber die Rose gestanden. Später traten der Pinienzapfen, dann die Ananas aufdie vielfach mit den Traubenbechern in Verbindung gebracht werde, ferner die Sonnenblumen und die Nelken. Die Barockzeit bringe neben denselben entsprechend schwulstig gestalteten Motiven die Tulpen und Hyazinthen, das Rokoko die ganze Flora Ostasiens, das Empire das Akanthusblatt, Lorbeer, Myrthe u. 8. W. Die Mitte unseres Jahrhunderts füge dann zahlreiche neue Dekorationspflanzen - Fuchsien, Winden, Pelargonien, Magnolien, Azaleen u. a. m. — hinzu; auch Kamellien, Orchideen und Veilchen seien erst im 19. Jabrhundert eingebürgert, eben80 das Stiefmütterchen. Unsere Zeit habe u. a. Mohn, Löwenzahn und Wasserlilien zu besonderen Lieblingspflanzen erkoren. Redner giebt schliesslich einen Ueberblick über die prachtvolle Entwickelung moderner dekorativer Kunst und spricht die Hoffnung aus, das8 dieselbe einen eigenen neuen Stil schaffen werde.

Frankfurter Münzauktion. Unter grosser Beteiligung hiesiger und auswärtiger Interessenten fand am 29. und 30. Mai bei der Firma Sally Rosenberg hierselbst die Versteigerung einer der hervorragendsten Frankfurter Münzsammlungen statt. Es wurden durchweg sehr hohe Preise erzielt; es brachte u. a. der Schiess. thaler 1582 M 355, eine Klippe von 1600 auf die Prägung der Turnosen M 225, ein sehr seltener 4 Thaler von 1621 M 275, ein Schauthaler des Frankfurter Stempelschneiders Lorenz Schilling Mb 655 und der 1. und 1/, Thaler von 1650 auf den Friedensvollzug Ma 205 und Me 370. Der äusserst seltene Neujahrsthaler von 1660 erzielte Me 1025, die Medaille 1711 auf den Brand in der Judengasse M 515 und ein Medaillon auf das Krönungslager bei Bergen M 740. Der höchste Preis wurde für ein prachtvolles Medaillon von 1764 auf die Zusammenkunft der Fürsten im Frankfurter Stadtwald mit A 1700 angelegt.

Deutsche Gold- und Silberscheideanstalt, Frankfurt a. M. In der letzten Generalversammlung wurde die vorgeschlagene Ge. winnverteilung, einschliesslich der Zuwendung von Me 15,000 an den Physikalischen Verein, genehmigt, die Entlastung erteilt und die aus dem Aufsichtsrat scheidenden Herren Stadtrat Metzler und Eduard Schmidt-Polex wiedergewählt. Ueber die weiteren Punkte der Tagesordnung, Erhöhung des Gesellschaftskapitals und Statutenänderungen, konnte nicht berathen werden, da die erforderliche Zweidrittelzahl der Aktien nicht vertreten war. Eine am 30. ds. Mts. abzuhaltende neue Generalversammlung wird darüber mit 3/a der Erschienenen beschliessen.

Arbeiter-Jubilien. Hermann Nowack, Meister in der Alfenidewarenfabrik von Julius Guiremand, Prinzessinnenstrasse 21, in Berlin feierte dieser Tage sein 25 jähriges Arbeitsjubiläum.

Ertappt. Uhrmacher Joh. Meering in Dortmund, Heiligegartenstr. 50, ertappte einen wohlgekleideten Gauner, der sich Uhrketten vorlegen liess, dabei, wie er in einem günstigen Augenblicke eine Uhr verschwinden liess. – Die Berliner Polizei hat einen Spitzbuben im Gewahrsam, der sich angeblich für ein Jubiläumsgeschenk in verschiedenen Geschäften Uhren vorlegen liess und die Gelegenheit zu Diebstählen benutzte. Man fand bei ihm eine goldene Damenuhr No. 4232, deren Eigentümer gesucht wird.

Die Geschichte eines blauen Diamanten. In gewissen Kreisen der englischen Metropole spricht man gegenwärtig viel von einem blauen Diamanten, der sich im Besitz des Millionärs Henry Hope befindet. Dieser seltene Stein hat wie andere Gemmen von aussergewöhnlicher Grösse und Schönheit eine Geschichte, die nicht ohne interessante Details ist. Einer der ersten Juweliere in Bondstreet darf sich rühmen, die , Biographien" fast aller namhafter Diamanten auswendig hersagen zu können. Niemand weiss die romantische Geschichte des „Kohinoor“ fesselnder zu erzählen als Mr. Streeter und auch diejenige des unter dem Namen seines jetzigen Eigentümers bekannten blauen Diamanten wurde dieser Tage von dem betreffenden Kleinodienhändler dem Mitarbeiter einer englischen Tageszeitung anvertraut. Der „Hope-Blue" ist einer der schönsten existierenden Edelsteine. Seine herrliche stahlblaue Färbung hindert ihn nicht, ein ebenso buntes Feuer auszustrahlen, wie der klarste weisse Diamant. Ohne Zweifel ist diese prachtvolle Gemme mit jenem einst so viel von sich reden machenden Diamanten identisch, den Tavernier im Jahre 1662 aus Indien mitbrachte und 1668 an Ludwig XIV. verkaufte. Der kostbare Stein, der ein Gewicht von 67'. Karat hatte, gehörte zu den französischen Kronjuwelen, bis er 1792 von den Revolutionsanführern mit Beschlag belegt und im Garde-Meuble deponiert wurde. Wenige Wochen später stahl man ihn von dort und was dann aus dem Kleinod geworden ist, blieb ein Geheimnis. Im Jahre 1830 tauchte jedoch ein herrlicher blauer Brillant auf, über dessen früheres Schicksal kein Mensch etwas Bestimmtes zu sagen wusste. Der Stein wog 44'). Karat und wurde in den 70er Jahren an Mr. Henry Philipp Hope für 30 000 Lstrl. (600 000 M) verkauft. Da Kenner nun steif und fest behaupten, dass der „Hope-Brillant“ der grössere Teil des „Tavernier-Diamanten“ ist, fragt es sich, was aus dem anderen kleineren Stück geworden sein kann. Auch hierüber weiss Mr. Streeter Auskunft zu geben. Der aus dem Garde-Meuble entwendete Stein hatte eine sogenannte Tropfenform. Es war also für einen Experten eine Kleinigkeit, von der länglichen Gemme ein Stück von 10 bis 11 Karat abzutrennen. Ein 56 Karat schwerer Stein aber dürfte, wenn er zu einem perfekten Brillanten geschliffen ist, kaum noch mehr als 44"). Karat wiegen. Nach der Ansicht des Londoner Juweliers wurde der „Tavernier“ in drei Teile gespalten. Von diesen ist der grösste der „Hope", ein anderer befand sich im Besitze des Herzogs von Braunschweig und das dritte kleinste Stück erstand Mr. Streeter selbst in Paris für 7500 Francs, um es bald darauf an einen reichen Privatmann zu verkaufen. Jeder Sachverständige, der Gelegenheit hatte, diese drei blauer Brillanten zu prüfen, zweifelt keinen Augenblick daran, dass sie ursprünglich ein einziger Stein waren.

Der Schlittenfahrerprozess, welcher jüngst vor der Strafkammer in Konstanz verhandelt wurde, erregte überall grosses Aufsehen, namentlich darum, weil der in Betracht kommende Schwindler ein Ausländer ist, der von einem deutschen Gericht abgeurteilt wurde. Wir können infolge Raummangels nur das Wichtigste berichten: Als Angeklagter stand ein gefährlicher Industrieritter, der 45 Jabre alte Kaufmann Ern aus Leichlingen (Rheinprovinz) wegen Betrugs und Urkundenfälschung vorm Gericbt. Ern ist ein hervorragender Vertreter der sogenaunten englischen „Schlittenfahrer", einer Gaunerbezeichnung, die sich die Schröpfung der deutschen Geschäftswelt durch betrügerische Warenbestellungen, unreelle Referenzen und unsolide Wechsel zur Aufgabe machen. Der Angeklagte Ern hat seit mehr als einem Jahrzebnt von Manchester aus manipuliert und eine Reihe von Geschäften in Deutschland und der Schweiz um Tausende geschädigt. Er hatte es besonders auf die blühenden Schwarzwälder und Schweizer Uhrenfabriken und auf Pforzheimer Bijouteriegeschäfte abgesehen. Er operierte besonders unter dem Decknamen „H. Saville & Cie., Chas. Herne & Cie., Martin & Cie.“ etc. Ern zeichnete sich aus durch intelligente kaufmännische Gewandtheit und grosse Energie. Mit 20 Jahren gründete er 1873 in Solingen ein Stahlwarengeschäft, geriet nach einigen Monaten in Konkurs und ging nach England, ohne sich um den Ausgang des Verfahrens zu kümmern. Er zog dann nach Paris, wanderte darauf nach Amerika aus, kehrte 1881 wieder nach England zurück und trieb sich zwei Jahre in Liverpool und London herum. 1883 ging er nach Düren und zog 1884 mit seiner Frau abermals nach England, wo er von Manchester aus seine grossartigen Betrügereien begann. Als Ern 1897 gegen das Bankhaus Macuire & Cie. in Konstanz Wechselbetrügereien verübte, wurde das Verfahren gegen ihn eingeleitet. Der Gauner war aber aus England verschwunden und erst im September 1898 wurde er in Ohligs bei Köln verhaftet, wo er auf den Namen seiner Frau ein „Solinger Stahlwarenexportgeschäft" betrieb. Die Gaunereien der Schlittenfahrer“ gedeihen hauptsächlich wegen der englischen Verhältnisse. Es besteht in Grossbritannien keine An- und Abmeldepflicht. Man kann unter beliebigen Namen sich niederlassen und ein Geschäft gründen und seine Firma beliebig ändern. Es giebt keine gesetzlichen Firmenregister und keinen Staatsanwalt, der pflichtgemäss auf Anzeige eines Betruges einschreiten und von Amtswegen den Strafprozess führen müsste. Wer Bankerott macht, schliesst die „Bude“ und überlässt den Gläubigern, ihn aufzusuchen. Finden sie den Bankerotteur oder Betrüger, dann bedarf es eines grossen, in der Regel endgültig verlorenen Kostenaufwands, ihn vor Gericht zu stellen und durch einen teuren Advokaten einen Arrestbefehl zu erwirken. Damit hängt auch die geringe Unterstützung zusammen, welche die benachteiligte deutsche Geschäftswelt vom deutschen Konsulat zu erwarten bat. Da auch die Anwaltsgebühren in England bedeutend höher sind als in Deutschland, ist eine gerichtliche Anfechtung erfolglos. Der „Reichsanzeiger“ erlässt darum wiederholt Warnungen vor Geschäftsverbindungen, die jedoch vielfach nicht befolgt werden und so den betr. deutschen Geschäftsleuten zum eigenen Schaden gereichen. Die Verhandlung gegen den Schwindler Ern dauerte 3 Tage. Geladen waren 11 Zeugen und 4 Sachverständige. U. a. bekundet ein Uhrenfabrikant aus La Chaux-deFonds über Schädigungen, die er und noch eine grosse Anzahl anderer Schweizer Fabrikanten durch Ern erlitten habe. Für 60 000 M. Betrügereien kamen zur Kenntnis der Gerichte, jedenfalls aber ist dies kaum der zehnte Teil der Summe, um die Ern deutsche Geschäftsleute geschädigt hat. Das Urteil lautete auf fünf Jahre Zuchthaus.

Männern übernachtet hatte. Man fand dort in einem Divan versteckt Pretiosen, die gleichfalls aus jenem Diebstahle herrührten. Der angebliche Nagy erklärte nun, dass er eigentlich Aladar Sey heisse und im Vereine mit Julius Liebermann, Adolph Krieger und Armin Kohn den Einbruchsdiebstahl bei Jacob Kohn verübte. Die Verwertung des gestohlenen Gutes habe der Trödler Hermann Feuer in der Neubaugasse übernommen. Bei Feuer fand man nun wieder einen Teil des gestohleren Gutes und traf auch Liebermann und Krieger an, während es Armin Kohn gelungen war, zu fliehen unt sich nach Amerika zu begeben. Feuer wurde in Lemberg verhaftet, wo er einen Teil der entwendeten Pretiosen zu verkaufen suchte.

Das Opfer eines Betrügers wurde jüngst ein Juwelier in Hamburg. In dessen Laden erschien ein feingekleideter junger. Mann und entnabm dort nach langer Auswahl auf den Namen eines in Harvestehude wohnenden Kaufmannes eine goldene Damenuhr und ein Medaillon, mit dem Auftrage, dem Kaufmann noch selbigen Tages die Rechnung über die gekauften Gegenstände einzuschicken Als dies geschah, wurde die Rechnung von dem Kaufmann zu. rückgewiesen und es war somit der Juwelier das Opfer eines Betrügers geworden. •

Aus Sydney schreibt man: Ueber auffallend grosse Gold. funde, welche in Neu - Caledonien gemacht worden sind, werden folgende bähere Angaben veröffentlicht. Das Gerücht, dass irgendwo ganz ausserordentliche reiche Funde gemacht seien, lief schon seit Wochen in Noumea um; manche wollten sogar wissen, dass bereits Gesteinsproben eingetroffen und dem Chemiker des Gouvernements zur Untersuchung übergeben worden seien. Schliesslich wurde gar behauptet, dass die Erze 23 Kilogramm, also über 800 Unzen, Gold auf die Tonne ergeben hätten. Das klang unglaublich, entsprach aber trotzdem der Wahrheit. Denn wie der Regierungschemiker seitdem erklärt hat, müsse er zwar vorläufig noch über das thatsächliche Ergebnis Schweigen beobachten, nachdem aber die Sache schon so gut wie öffentliches Geheimnis geworden sei, könne er immerhin soviel bestätigen, dass die Erzproben einen Gehalt von über 20 Kilogramm per Tonne nachgewiesen hätten. Auch darüber, woher die Reichtümer stammen, hat man jetzt näheres erfahren können. Es ist schon einige Zeit her, dass ein Deportierter, der seine Strafe abgesessen hatte, seine Freunde und Bekannten mit einem Male durch Entfaltung grossen Luxus in Erstaunen setzte. Der Mann schien über Nacht zum Krösus geworden zu sein und gab das Geld mit vollen Händen aus. Mit einem Male war der Mann verschwunden, tauchte aber nach einigen Wochen wieder auf und das flotte Leben nahm von neuem seinen Anfang. Das wiederholte sich so eine ganze Weile, niemand aber, auch die hohe Obrigkeit nicht, konnte in Erfahrung bringen, wo der Mann das Geld hernahm. Eipes Tages aber kehrte er nicht wieder und nun wurde gründlich nachgeforscht, da stellte sich denn folgendes heraus: Im Norden von Neu-Caledonien liegt der Bezirk Quebia, eine Wildnis, und die Kanaken, die in diesem hausen, stehen in dem Rufe, von allen arglistigen und verräterischen Südseeinsulanern 80 ziemlich die schlimmsten zu sein. Kein Weisser hatte, soweit bekannt war, jemals seinen Fuss in diese Gegend zu setzen gewagt. Der frühere Ex-Deportierte, der als tollkühner Bursche geschildert wird, war nun, nachdem er irgendwo einmal gebört hatte, dass man Gold dort finden könne, in jene Gegend gedrungen, und die Goldklumpen, welche er dort fand, brachte er nach Noumea, wo ein Juwelier dieselben ihm für teueres Geld abkaufte. Schliesslich haben aber die Insulaner diesen Wagehals überfallen und erschlagen. Daher sein anfänglich unerklärliches Verschwinden. Nun aber die Kunde von seinen Funden in die Welt gedrungen ist, wird wohl für die Wilden von Quebia ebenfalls die letzte Stunde geschlagen haben. - Wie das Ministerium für Bergwerke und Landwirtschaft bekannt giebt, sind in geringer Entfernung von Sydney fast unerschöpfliche Ablagerungen von Ba urit aufgefunden worden. Das Ministerium hofft aus diesem Grunde, dass die Verpflanzung der Aluminium-Industrie nach Neu-Süd-Wales nur eine Frage der Zeit bilden werden. Das Mineral soll so überreichlich vorhanden sein, dass es z. B. in der Gegend von Inverell bisher für Beschotterung der Landstrassen verwendet wurde.

Fin Fabrikant sitzt eingam
Daheim auf seinem Kontor;
Jhm schläfert, denn schon lange
Kam ihm kein Auftrag vor!
Er Fräumt von einer Bestellung
Die fern im Orient
Ein Kunde fürihn aufschreibt
Der noch nicht in golvent!

Ein geplünderter Juwelierladen. In der Nacht vom 11. auf den 12. Sept. 1898 wurde in den Juwelierladen von Jacob Kohn in der Wallensteinstrasse in Wien vom Keller aus eingebrochen, wobei Goldwaren im Werte von 7493 fl. 80 kr. gestohlen wurden. Die Thäter hatten sich vor Einbruch der Dunkelheit in den Vorkeller des Hauses begeben und in der Nacht ein Loch ausgebrochen, durch welches sie in den Laden gelangten. Am 14. Sept. wurde ein Individuum verhaftet, das in der Nähe der Eisfabrik eine goldene Uhr über eine Planke warf. Der Flüchtige gab an, dags er Desider Nagy heisse. Der Juwelier Jacob Kohn agnoscierte diese Uhr als sein Eigentum. Während der Flucht war der angebliche Nagy in ein Haus gelaufen, in welchem er, wie die Erhebungen ergaben, in der letzten Zeit mit noch vier anderen

Künstliche Erzeugung von Perlen. Anfangs der 60er Jahre machte in Turin der Kavalier Comba im kleinen Versuche, om auf künstliche Weise Perlen zu erzeugen, in Perlmuscheln, die er sich zu diesem Zweck, sorgfältig verpackt, von den Dahlak-Inseln hatte schicken lassen und in ein 160 qm grosses und 5%, m tiefes Seewasser-Aquarium setzte. An 24 Muscheln stellte er die Versuche an, nach der von ihm theoretisch konstruierten Methode, Perlen künstlich zu erzeugen. Nach etwa zwei Jahren öffnete er die Muscheln, deren Tiere sich während dieser Zeit anscheinend wohl befunden hatten, und fand bei den meisten allerdings nur perlmutterartige Wucherungen der Scbale, bei mehreren aber auch 2, 3 und 4 Perlen von schöner Form und schönem Glanze. Erst im Jahre 1881 wurden derartige Versuche aufs neue angestellt; drei Jahre später öffnete man die Muscheln in Gegenwart eines Juweliers, welcher alsdann die 39 Perlen, welche in 16 Muscheln enthalten gewesen, käuflich erwarb. Da die Versuche also derart günstig ausgefallen sind, hat – wie eine französische Zeitschrift berichtet - Comba die Absicht, die Kultur der Perlmuschel an den italienischen Küsten in grossem Masstabe zu betreiben. Persönlich stieg er im Taucheranzuge an den Küsten von Südkalabrien ins Meer, um dort im Aquarium gezüchtete Muscheln an geeigneten Stellen auszusetzen. Der von Comba gegründeten Gesellschaft sind bis jetzt sieben Striche zwischen Bova und Torre di Riacci überlassen worden, welche mit 10000 lebenden Muscheln besetzt werden sollen; 5000 sollen gesondert zu Versuchszwecken verwendet werden. Man rechnet darauf, dass jede ausgesetzte Muschel mindestens 600000 Eier ergäbe, dass also — selbst ausserordentlich grosse Verluste angenommen – etwa 37. Millionen Muscheln am Ende des 7. Jahres vorhanden wären, welche einen Wert von etwa 7'/, Millionen darstellten. Dazu käme die Wahrscheinlichkeit, natürlich gebildete Perlen in den Muscheln zu finden, und die Möglichkeit, die Methode Comba alsdann zu ihrer künstlichen Züchtung anzuwenden. Der veranschlagte Wert bezieht sich lediglich auf die Gewinnung von Perlmutter.

In Untersuchungshaft befindet sich, einem Berliner Blatte zu folge, der Uhrmacher Swenn. Er war Inhaber eines in Berlin 0. gut renommierten Geschäfts und galt für wohlhabend. Es soilte sich aber herausstellen, dass sein Wohlstand unlautersten Quellen ontstammte. Swenn betrieb erwerbsmässig Hehlerei. Die bei Juwelieren gestohlenen Kostbarkeiten fanden vielfach den Weg zu ihm. Als kürzlich wieder einmal derartige Diebstähle ans Licht gekommen waren, wurde Swenn als Hehler ermittelt. Er hatte die Sachen zu Spottpreisen gekauft.

Ueber die Festnahme eines Juwelendiebes wird aus Berlin berichtet: „Unter dem Vorgeben, ein passendes Geschenk für einen Jubilar aussuchen zu wollen, liess sich seit einiger Zeit ein etwa dreissigjähriger gut gekleideter Mann in Juwelengeschäften Uhren vorlegen. Nach dem Weggehen des Kunden, der natürlich nichts gekauft hatte, wurde dann, leider zu spät, das Fehlen wertvoller Uhren bemerkt. Nachdem der Kriminalpolizei mehrfach derartige Diebstähle zur Anzeige gebracht worden waren, gab diese allen in Frage kommenden Geschäften ein Signalement des Schwindlers. Darauf ist seine Festnahme bei einem in der Wallstrasse wohnenden Juwelier erfolgt. Der Zufall wollte, dass zu den Bewohnern des Hauses auch ein Kriminalbeamter zählt. Als nun der Gauner sein altes Manöver ausführen wollte, ging der Verkäufer scheinbar darauf ein, bis der heimlich benachrichtigte Hausgenosse auf der Bildfläche erschien. Der Schwindler entpuppte sich als ein gewisser Matarre, der wegen Betruges und Urkundenfälschung schon mehrfach vorbestraft ist. Bis jetzt hat er acht vollendete und fünf versuchte Uhrendiebstähle eingeräumt.

Verhaftungen. Abermals ist ein lang gesuchter Hochstapler an der Riviera gefunden und eingesperrt worden. Dank der Aufmerksamkeit und Thatkraft des deutschen Konsuls Baron von Redtwitz in Nizza wurde am 26. Mai der aus New York geflohene Schmuckhändler Emil Becker, welcher in Nizza fürstJich lebte, in Beaulieu ausfindig gemacht; er soll ausgeliefert werden. - Der Lithograph Hochrein und Mechaniker Goepil, beide in Fünfkirchen, sind wegen Fälschung von Zehnguldennoten, welche sie auf photographischem Wege täuschend nachmachten und in grosser Menge verbreiteten, verhaftet worden. Der wegen betrügerischen Bankerotts steckbrieflich verfolgte Goldwarenhändler Karl Holl aus Cannstatt wurde in Lüttich verhaftet.

Ein neuer Platinfund. Wie die Zeitschrift Electrical World" in New York meldet, ist laut eines Konsularberichtes am YukonFlusse nun auch noch ein reiches Platinlager aufgefunden, bestehend in einer schwarzen Sandschicht. Eine Analyse soll ergeben haben, dass bei einem Preise von 32 Mark für die Unze dieses kostbaren Metalls eine Tonne jenes Sandes für 3072 Mark Platin enthalte, daneben übrigens noch für 408 Mark Gold.

Glück im Unglück hatte jüngst eine Pariser Modistin. Dieselbe fuhr mit dem Omnibus nach dem anderen Ufer der Seine. Unterwegs stieg ein feingekleideter junger Mann mit einem prachtvollen Diamantring am Finger ein und kam neben sie zu sitzen. Die Modistin betrachtete lange das Funkeln des kostbaren Klei.

nods. Als sie am Odéon-Platze ausstieg, bemerkte sie zu ihrem Schrecken das Fehlen ihres Portemonnaies. Dafür fand sie aber zu ihrem nicht geringen Erstaunen den Diamantring in ihrer Tasche, den der elegant gekleidete Dieb beim Diebstahl des Portemonnaies darin verloren hatte. Letzteres enthielt 92 Franken. Der Ring dagegen ist 1500 Franken wert.

Versicherung gegen Konkursverlust verlangt ein Mitarbeiter von Wallmanns Versicherungszeitschrift (14. April 1899) unter Hinweis auf die Thatsache, dass im Jahre 1897 wieder 80% aller in Konkursen angemeldeten und anerkannten, nicht bevorrechtigten Forderungen in Höhe von 169 Millionen Mark unberücksichtigt blieben, ohne indessen positive Vorschläge darüber zu machen, wie er sich die Durchführung der auch von ihm als äusserst schwierig erkannten Versicherung denkt.

Aus dem Gerichtssaal. Das Oberlandesgericht in Köln fällte eine für kaufmännische Kreise wichtige Entscheidung. Ein Düsseldorfer Hausbesitzer hatte die 1. und 2. Etage seines in der Grabenstrasse gelegenen Geschäftshauses an ein Waren-AbZahlungsgeschäft vermietet. Daraufhin strengte der Inhaber des im Parterrelokal befindlichen Galanterie-, Leder- und Spiel. warengeschäftes, das mit einem besseren Kundenkreis zu rechnen hat, gegen den Vermieter Klage auf Auflösung seines Mietvertrages an, weil das Abzahlungsgeschäft auch seine Waren führe, besonders aber deshalb, weil ein Geschäftshaus, in dem sich ein derartiges Abzahlungsgeschäft befindet, den feineren Charakter im geschäftlichen Sinne verliert, und es ihm deshalb unmöglich mache, sein Geschäft in diesem Hause weiter zu betreiben. Kläger hatte die Gutachten mehrerer Handelskanımern und namhafter Geschäftsleute über die thatsächliche Entwertung des Geschäftshauses beigebracht. Das Düsseldorfer Landgericht hatte im Sinne des Klägers entschieden und die Auflösung des Mietvertrages ausgesprochen. Das Oberlandesgericht als höchste Instanz schloss sich diesem Urteile an Der Kläger will das Geschäftslokal nonmehr räumen und eine Entschädigungsklage folgen lassen.

Aus London wird mitgeteilt: Juwelendiebstähle werden hierzulande allmählich nicht nur als besonderes Fachbetrieben, sondern geradezu als Kunstleistung behandelt. Ein besonders schlaues und freches Diebsstückchen ist wieder aus den letzten paar Tagen zu verzeichnen. Der Reisende einer Grosshandlung in Juwelen in Hatton Gardens, wo das Geschäft in Edelsteinen seinen Hauptsitz hat, besuchte die Vorstadt Brixton und machte bei seinen verschiedenen Kunden die Rande. Kurz vor 3 Uhr nachmittags machte er mit seinem Wagen, einem Brougham, den ein Kutscher in Livree fuhr, Halt bei einem Gasthofe, dicht neben dem Brixtoner Theater. Dort stand bereits seit etwa einer halben Stunde ein ganz ähnlicher Wagen, den auch ein Kutscher in ganz ähnlicher Livree gefahren, vor der Thür, während der Kutscher drinnen seine Stärkung nahm. Der Juwelenreisende und sein Kutscher traten ebenfalls ins Haus, nachdem der erstere seinen für das Geschäft eingerichteten Wagen abgeschlossen, um schnell eine kurze Mahlzeit einzanehmen. Einige Minuten später kam der Kutscher des andern Brougham aus dem Hause, bestieg eilig den Bock des Fuhrwerks der Juwelenfirma und fuhr in schärfster Gangart von dannen. Ein Schuhputzer und einige andere Leute, die in der Nähe des Gasthofs standen, hatten bei der Aehnlichkeit der Wagen und Livreen nichts Auffälliges bemerkt, und es dauerte noch eine Weile, bis der Reisende und Kutscher des entschwundenen Fuhrwerks auf die Strasse traten, entdeckten, dass man ihnen einen leeren Wagen zurückgelassen, und die Jagd nach ihrem Fuhrwerk begannen. Es wurde eine lange Jagd, aber schliesslich fand nan den Geschäftsbrougham in einer stillen, nur zum Teil ausgebauten Strasse ganz am Ende der fast fünf englische Meilen weiter gelegenen Vorstadt Wandsworth verlassen, aufgebrochen und leer. Eine Dame aus der Nachbarschaft hatte gesehen, wie der Kutscher die Wagenthür aufbrach. Unter den gestohlenen Gegenständen sind 600 mit Rubinen, Diamanten und sonstigen Edelsteinen besetzte Ringe, 200 Ringe (achtkarätig) mit geschnittenen Steinen, 270 Siegelringe, 300 Broschen, 80 Armbänder, 160 Uhrketten verschiedener Muster, 150 Paar Manschettenknöpfe u. 8. w. im Gesamtwerte von weit über 2000 L. Von dem Räuber ist noch keine bestimmte Spur entdeckt.

Schmuck der Naturvölker. Die Eingeborenen der HebridenInseln verstehen, wie die Zeitschr. ,Prometheus“ mitteilt, das Wachstum der Eckzähne ihrer Hausschweine derart zu beeinflussen, dass sie zu Ringen auswachsen. Man reisst nämlich beim Männchen die Eckzäbne des Oberkiefers aus. Damit hört jede Abnutzung der unteren Eckzähne auf; dieselben bilden allmählich geschlossene Ringe, manchmal auch doppelte Ringe, deren Innendurchmesser ausreichend ist, um als Armschmuck zu dienen.

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