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Erscheint am 1. und 15. jeden Monats.

Preis vierteljährlich Mk. 1.10, Ausland Mk. 2.-
Organ der Kunstgewerbe-Vereine Hanau und Pforzheim, des Gewerbe-Museums Gmünd i. W.

und der Freien Vereinigung des Gold- und Silberwaren-Gewerbes Berlin. 20

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Inhalt: An unsere Leser. – Hervorragende Silberschmiede-Arbeiten (mit Abbildungen). – Dem Andenken eines alten Goldschmiedes gewidmet. - Das Ohrloch

stechen und seine Gofahren, - Vermischtes. - Büchertisch. – Patente. - Konkurss. — Silberkurs. – Arbeitsmarkt. - Inserate.

An unsere Leser!

Wir machen unsere Leser hierdurch aufmerksam, dass der heutigen Nummer ein Blatt ,,Schmuck und Mode“ beigegeben ist. In Anbetracht der bevorstehenden Sommersaison dürfte der Inhalt derselben ganz besonders für die Belebung des Geschäftsverkehrs beitragen und hoffen wir daher, dass das Blatt jedem sehr willkommen sein wird. Wir bethätigen damit aufs neue das Interesse, das wir an der Förderung der Sache an den Tag legen und bitten, uns Ihr Vertrauen auch weiterhin zuteil werden zu lassen.

Wir empfehlen Ihnen eine Anzahl von Exemplaren für Ihre Kundschaft zu beziehen und dieselben in Couvert zu versenden, da es in der That eine bessere Reklame, den Kundenkreis zu vergrössern, nicht giebt.

Der Preis beträgt für je 100 Exemplare mit Ihrer Firma bedruckt in Couverts mit dem Goldschmiedewappen (also fertig zum Adressieren) Mk. 7.—, exklusive Porto 50 Pfg. Der Einfachheit halber erfolgt der Versandt per Nachnahme oder gegen Voreinsendung des Betrags.

Redaktion und Verlag der Handels-Zeitung und Kunstgewerbeblatt für die Gold- und Silberwaren-Industrie.

Wilhelm Diebener.

Hervorragende Silberschmiede-Arbeiten.

MU

en der heutigen Nummer machen wir unsere Leser Wildenfels in Sachsen besitzt. Interessant ist es, dass diese

mit einigen Meisterstücken der Silberschmiede- Gemeinde gar nicht wusste, welchen Schatz sie verwahrte, kunst bekannt, die wir bei ihrer, vor kurzer sondern dem „alten Kelch" gar keinen besonderen Wert beiZeit erfolgten Fertigstellung schon in lobender legte. Nunmehr darauf aufmerksam gemacht, wird sie ihn Weise erwähnt

wohl besser beachten. haben.

Ueber die Ausführung Wir nennen

der Leuchter sowohl wie der zuerst das Ciborium von

anderen Geräte gebührt der Franz Wüsten in Köln

genannten Firma das beste a. Rh. Wie die Abbildung

Lob und stellt ihrer Leistzeigt, ist dasselbe in goti

ungsfähigkeit ein beredtes schem Stil gehalten und bei

Zeugnis aus. der Ausführung besondere

Ein Erzeugnis der entSorgfalt auf die feine Ciselie

gegengesetzten, der profanen rung des Laubwerkes und die

Silberschmiedekunst, stellt die Gravierung des Fusses ver

dritte Abbildung einer Weinwandt worden. Die Rosetten

bowle nebst zwei Weindes Fussaufsatzes und das

kannen dar. Ihr VerferLaubwerk sind mit Ametysten

tiger ist der Gold- und Silverziert, der Schaft dagegen

berschmied C. A. Beumers ist durchbrochen und mit

in Düsseldorf, der EntEmail hinterlegt. Als Träger

wurf zu denselben stammt der ziemlich grossen Cuppa

von Prof. G. Oeder. Die dient ein aufgelegtes ciselier

Weinbowle ist ein Geschenk tes Laubwerk und die Cuppa

der Stadt Düsseldorf, welches selbst ist mit einem Schrift

dem Künstlerverein Malkasten band versehen. Der sechs

zu seinem 50 jährigen Jubiteilig gehaltene Deckel zeigt

läum gewidmet wurde. am Rand eine Zinnenkrönung,

Die Bowle ist 75 cm während die Flächen in

hoch und 50 cm weit und Schuppen graviert sind. Auch

fasst ca. 80 Flaschen Wein. der durchbrochene Aufsatz ist

Auf dem Deckel ist in ermit Emailhinterlage versehen.

habener Schrift der WahlDen Turmabschluss bildet eine

spruch des Künstler vereins stilisierte mit echten Steinen

Malkasten: „Ich komme doch versehene Kreuzblume, wäh

durch, durch komme ich doch“ rend das Kreuz, ebenfalls

angebracht und als Bekrönung mit Edelsteinen geschmückt,

ein kräftiger, heraldischer, den wirkungsvollen Schluss

25 cm hoher Löwe mit dem bildet.

Anker, der das Stadtwappen Die zweite Abbildung ver

Düsseldorfs hält. Alle erhabeanschaulicht uns zwei schwere

nen Verzierungen sind in Altarleuchter, die mit

mattem Silber, der Grund Kelch, Hostiendose, Patena

des Gefässes matt vergoldet und Weinkamme zusammen

gehalten. Genau zur Bowle den Altarschmuck bildeten,

passend sind die zwei silberwelcher von der Firma

nen Weinkannen ausgeführt, Wratzke & Steiger in

die dem Malkasten vom ,,VerHalle a. S. für die Magda

ein deutscher Eisenhüttenlenen-Kapelle der Moritzburg

leute“ geschenkt wurden und geliefert worden ist. Die

eine entsprechende Widmung Ziervase. Entworfen von der Kgl. Zeichenakademie Hanau. tragen. im reinsten gotischen Stiel

Weitere besonders schöne ausgeführten Leuchter stammen von einem Kelche aus dem Arbeiten des Herrn C. A. Beumers veröffentlichen wir noch Ende des 16. Jahrhunderts, den die Gemeinde Hertersdorf bei in späteren Nummern.

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Dem Andenken eines alten Goldschmieds gewidmet.

Von Jeannette Bramer.

(Schluss.)

inck war jahrelang erster Arbeiter in der Collin- auch ihren Zweck, lediglich zum Beleben und Verschönern
schen Fabrik gewesen. Als Erfinder in seinem eleganter Toilette der Mode empfohlen sein könnten!
Fache, als Emailleur und Bijoutier war er dort Burkhardt Linck brachte in den 50er Jahren ein
sehr geschätzt. Die Frage, ihn als Compagnon höchst originelles Riechfläschchen der Königin Mode dar, das
in das Geschäft eintreten zu lassen, wurde er seiner Erfindungsgabe, seinem Geschmack und seiner liebe-
wogen, scheiterte aber mehr an der starren Art vollen Art der Ausführung alle Ehre machte!

des Mannes, der den Schwankungen der Mode, Da liegt es in all seiner zierlichen Schönheit auf dem sobald sie ins geschmacklose traten, nicht folgen wollte, und schwarzen Sammet seines Etuis und harrt der Beschreibung, der fabrikmässiger Ausfüh

das alte vielbewunderte rung allzu abhold war,

Riechfläschchen. .:. als an der Mittellosigkeit

Jenes weltbekannte Lincks.

Borstentier, das zwar geIn der Hoffnung, gänz

wohnt ist, dem Menschen lich seinen eigenen Ideen

vortreffliche Würste und folgen zu können, gab

Schinken zu liefern, jedoch Linck seine Stelle in

keinen Beitrag zu Frauendem Collinschen Geschäft

schmuck, wurde von dem auf und errichtete ein

genialen Goldschmied auskleines Atelier zu Hause,

erkoren, hinfüro manchen fest überzeugt, dass seinen

Eckzahn zwecks lieblichster fein durchdachten und

Metamorphose zu opfern! ausgeführten Arbeiten die

- In das Wurzelende des Kundschaft nicht fehlen

kleinen, wie Elfenbein powürde.

lierten Hauers fügte Linck Dieser Schritt durfte für

eine silberne Kapsel zur einen Familienvater, dem

Aufbewahrung des mit Parzu solchem Unternehmen

füm getränkten Schwämmdas Betriebskapital fehlte,

chens. Das gegitterte Silgewagt erscheinen!

berdeckelchen als erster Burkhardt Lincks Frau

VOBIS

Verschluss umgiebt ein entstammte einer franzö

bogiges, strohhalmbreites, sischen Emigrantenfamilie

reizend gemustertes Silberund war in Verhältnissen

band. Auf dem zweiten aufgewachsen, die sie an

Deckel - Verschluss erhebt gewisse Ansprüche behag

sich ein silberner Brückenlichen Lebens gewöhnt

bogen mit Einritzungen, hatten. Indessen, die sehr

Mauerwerk vorstellend; er schöne und fein erzogene

dient einem ganz entFrau scheute vor keiner

zückend modelliertem JagdArbeit zurück, um ihren

hündchen zum Piedestal. Haushalt in peinlichster

Die Mitte des SchmuckOrdnung zu halten und

stückes umgiebt ein ebenihren Kindern eine Erzieh

so verziertes Band wie am ung zu teil werden zu

Verschluss. Die Spitze lassen, wie sie ihr selbst

ruht in silberner schön einst geboten war. Ihr

gezeichneter Hülse. Aus feiner Geschmack und

dieser heraus blüht ein unSinn soll in jüngeren

glaublich reizender RosenJahren, als die Hausarbeit

zweig, der sich bis zum Ciborium von Franz Wüsten, Köln a. Rh. ihr noch weniger Zeit nahm,

Verschluss hinaufrankt. – von Einfluss auf manches

Von diesem letzteren bis schöne Stück aus des Mannes Werkstatt gewesen sein! zum mittleren Silberbande reicht ein geflochtenes Kettchen,

Riechfläschchen, wie sie in ,,Gretchens“ Tagen jede vor- an welchem wiederum ein winziges Rosenzweiglein, zur nehme und jede schlichte Frau bei sich zu führen pflegte, Öse gebogen, angehängt ist. Die beiden scharfen Seitenkanten gehörten über die Hälfte unseres Jahrhunderts zum Frauen- des kleinen Kunstwerkes fassen haarfeine Silberkördelchen ein, schmuck und zeichneten sich vielfach durch reiche Gold- die so minutiös an sich, doch vom Ganzen nicht fortgedacht und Edelsteinverzierung aus.

werden können! – Das Trinkhorn ritterlicher Zeit dürfte Sie wurden an goldenen Kettchen als Gürtelanhänger des zierlichen Riechfläschchens Original sein! – Weitere getragen; manche erschienen in einer Gestalt, dass sie heute solche Schmuckstücke, grösser, in Gold und Perlen ausgeführt,

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geführt hnerungszeil berichten sie algeme ne ciglierarbeiten, eta de criterine gelamedit dem Gebiete

fertigte der Meister danach an, zu reicher Toilette passen- Nähtischchen die Hälfte eines sogenannten Schiffchens von der als das silberverzierte Riechfläschchen!

Perlmutter, des Handwerkszeugs zu einer Art Spitzenknüpfen, Ein Medaillon zur Aufnahme des Bildnisses eines Ver- wie sie in den 60er Jahren wieder Mode wurden. Prüfend storbenen von Bedeutung zeigt sich der Erinnerung. Die betrachtete er die zierliche Platte und entführte sie dann in ziemlich grosse, glänzend schwarze Fläche des Medaillons sein Arbeitszimmer! Tante Raymond war einige Zeit datrug einen silbernen Lorbeerkranz, nicht geschlossen, sich nach aufs freudigste überrascht, von ihrem Neffen das annach den Seiten hin teilend, am unteren Ende durch silberne mutigste Geburtstagsgeschenk zu erhalten! Es bestand aus Schleife geschmückt. Jedes Blättchen des Kranzes war mit einem Schildpattkamm, dem eine Perlmutterplatte mit reichem so liebevoller Sorgfalt behandelt, als ob es ganz allein zur eingeritzten Muster und gezackter Goldumrandung zierte. Geltung kommen sollte. Weisse Perlen als Knospen des Ein Rubin und zwei Smaragden der zerbrochenen unschönen Lorbeergezweigs lagen dazwischen gestreut. Man sah der Brosche Madames entnommen, belebten in seiner GolddrahtArbeit die Freude an und die Sorgfalt, mit welcher Linck verschlingung den reizvollen Haarschmuck! - - „Und eine sie ausgeführt hatte.

Ranke liess sie drüber spriessen, dass alle Frauen höchlich Diese Erinnerungszeilen können leider nichts von den es gepriesen!“ singt einmal Annette v. Droste über einem grösseren Juwelierarbeiten berichten, die mit dem Namen des zierlich geflickten Schleier. Mit Umänderung des Wörtchens Arbeitgebers, nicht mit dem des eigentlichen Schöpfers, auf „sie" in „er" liessen sich die Worte auf manch beschädigtes, den grossen Markt der Gold-Industrie gelangten, aber cha- von Burkhardt Linck genial repariertes Schmuckstück rakteristischer für den bescheidenen Mann mit dem feinen anwenden! - Des alten Juweliers Lieblingsworte waren Sinn für Edel-Schönes sind seine Arbeiten auf dem Gebiete „fein“ und „harmonisch“. Alles Der be, Laute oder prablerisch des Frauenschmuckes. Trotz aller Leiden und Bedrückungen, Auffallende berührte ihn aufs peinlichste! Für seinen äussern die auch Hanau während Napoleons eiserner Herrschaft zu Menschen verwendete er fast pedantische Sorgfalt und vererdulden hatte, verloren sich bei den Einwohnern die Sym- langte von Frau und Kindern das gleiche. Jeder Tag musste pathien für Frankreich nicht, welche vor Zeiten von tüchtigen mit der Gleichmässigkeit einer guten Uhr sich abspielen; Franzosen in der Stadt, die ihnen eine zweite Heimat ge- jeder Zwischenfall erregte ihn fast krankhaft. Seine tägliche worden, erweckt waren. Als Napoleons Stern am politischen Erholung zur selben Stunde, bei jeder Witterung, war ein Horizont sich erhob, hat wohl manches deutsche Jünglings- weiter Spaziergang entweder im Lambog-Wald oder am Main herz begeistert des jungen Helden Adlerflug verfolgt; so er- entlang! Nahm er seine Tochter mit auf den Waldspazierging es auch Burkhardt Linck. Unbewusst staunte er in gang, dann musste sie ihm mit ihrer schönen Stimme dort dem Kaiser der Franzosen, aber mehr den Menschen an, ein Lied vorsingen, was er im Hause nicht erlaubt hätte. welcher sich durch eigene Kraft aus dem Dunkel be- Zu den ersten Schwimmern des Jahres in den Fluten des scheidenster Lebenslage zum höchsten irdischen Glanze auf- Maines gehörte Burkhardt Linck, und wenn kaum ein anderer geschwungen hatte, als den kühnen Feldherrn, vor dem im Herbst sich noch dem kühlen Element anvertrauen wollte Europa zitterte!

- der alte Goldschmied wagte es und blieb seiner GewohnIm Linckschen Hause wohnte eine alte Französin, die heit, auch bei geringstmöglicher Temperatur zu baden, bis Tante der Hausfrau ; durch Familien-Traditionen war Madame ins hohe Alter getreu! Raymond Aristokratin vom reinsten Wasser. Sie hatte in Die Zeit kam, dass der Erbfeind Altdeutschlands einmal ihrer Vaterstadt Paris den Sturz der königlichen Familie wieder mit dem Schwerte gegen des Vaterlandes Thore mit erlebt, hatte von den Greuelthaten des „souveränen Volkes“ schlug. Von Nord und Süd sprangen sie weit auf, die genug gesehen, um mit Schauder und Entsetzen jener Zeiten Thore, und die deutschen Stämme strömten einmütig hinaus zu gedenken! Als der erste Konsul, der ihr verhasst war, der leichtfertigen Aufforderung zum Waffentanze, wuchtig als Diener der Republik, den Thron der stolzen Könige Antwort zu geben. Burkhardt Linck sah kopfschüttelnd Frankreichs bestieg, kannte ihr Zorn keine Grenzen, und es das „Wagnis“ sich vollziehen. Vor seinen Augen standen kam zwischen der alten Dame und dem Manne ihrer Nichte die glänzenden Waffenthaten des Frankreichs seiner Jugend! oft zu heftigen Debatten über den Corsen, von dem Linck Den Sturz des ersten Napoleon hatte er als ein Strafgericht gern in Anerkennung und Bewunderung sprach. Dann schalt für die allzuhoch gebauten Pläne des Kriegshelden angesehen, sie den Neffen einen Republikaner und kam erst wieder ins aber jetzt? . . Die glänzende kriegsgewohnte Armee von der Gleichgewicht, wenn das Gespräch auf neutrales Gebiet, auf französischen „Gloires umwoben? .... die Vorzüge ihres schönen so sehr geliebten Vaterlandes Viktoriaschiessen, Glockenläuten, Volksjubel, nach dem überging.' Tante Raymond war eine grosse Verehrerin von unerhörten Siege von Sedan gaben dem alten Goldschmied feinem Schmuck und wurde von ihrem Neffen verschiedent Antwort auf seine bange Frage! lich durch Änderungen, auch völlige Umgestaltungen der Wenige Wochen danach ging der 78 jährige Greis zur Reste ihres einst gar wohlgefüllten Schmuckkästchens erfreut! ewigen Ruhe ein! —

Einstmals fand Burkhardt Linck auf der alten Französin

Duchen an,

den "chsten irdin dem

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