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Verschiedenes. Brillenfabrikant Karl Merklin in Pforzheim hat seinen Schwager, Herrn Kaufmann Wilhelm Gabriel Albrecht, als Sozius aufgenommen. – Die Vergoldungs- und VersilberungsAnstalt Fr. Grether in Mühlburg bei Karlsruhe hat in Karlsruhe, Kaiser-Passage 24, eine Annahmestelle errichtet. – Das Bijouteriehilfsgeschäft P. & J. Heinz in Pforzheim hat seinen Betrieb vergrößert und in Dell-Weißenstein eine Filiale eröffnet. – Ein Fund von 1700 Silbermünzen aus der Zeit von 1630–1755 wurde in Bautzen in drei silbernen Bechern bei Erneuerung eines Baues gemacht. – Seit Wochen schon ist in Pforzheim ein Gerücht verbreitet, wonach das Eisenwerk Gebrüder Benckiser, das auch Maschinen für die Bijouterie-Industrie liefert, eingehen würde. Wir sind in der Lage, mitteilen zu können, daß dieses Gerücht nicht der Wahrheit entspricht. Die Firma ist bis in die Herbstmonate hinein mit Aufträgen beschäftigt. – Die Verlassenschaft nach dem vor kurzem verstorbenen Juwelier Heinrich Herzka in Wien Vll., Siebensterngasse 46, hat die Zahlungen eingestellt und strebt ein Moratorium an. Die Warenschulden betragen rund 400000 Kr, die Wechselverpflichtungen für Gelddarlehen und die Giroverbindlichkeiten zusammen ebenfalls rund 400 000 Kr., daher Gesamtpassiven 800000 Kr.

Von Kunstgewerbeschulen.

Das Sommersemester der Königl. Kunstgewerbeschule in Stuttgart und der damit verbundenen Versuchswerkstätte beginnt am 16. März 1905 – Prof. Gustav Halmhuber in Stuttgart hat einen Ruf als Direktor der Kunstgewerbeschule in Köln a. Rh. erhalten und angenommen.

Aus Innungen und Vereinen.

Geselligkeitsverein „Dinglinger“ in Dresden. Am 21. März begeht unser Verein sein 1. Stiftungsfest in „Meinholds Festsälen“, Moritzstraße, bestehend in Konzert, Vorträgen und Ball mit Kotillon, Indem wir uns gestatten, noch einmal auf diesem Wege die Herren Chefs, sowie die Kollegen mit ihren Damen, dazu herzlichst einzuladen, versichern wir, daß wir alles tun werden, um unseren Gästen einige recht fröhliche Stunden zu bereiten. Wir würden erfreut sein, wenn unserer Einladuug recht zahlreich Folge geleistet werden möchte. Der Vorstand.

Bericht der Versammlung der Vereinigung der Juweliere, Gold- und Silberschmiede des Reg.-Bez. Magdeburg (E. V.) vom 5. März 1906. Die Versammlung wird um 5 Uhr von dem stellvertretenden Vorsitzenden M. Pfannschmidt eröffnet. Nach Verlesung der Protokolle der zwei letzten Versammlungen berichtet der Schriftführer über die am 7. Februar d. J. stattgefundene Berufungsverhandlung vor dem Kgl. Landgericht gegen Karl Schiltsky, Geschäftsführer von Sarita of New York. Er hob dabei hervor, daß die Verurteilung zu 500 Mk. Geldstrafe wohl einen moralischen Erfolg bedeute, wenn auch die Verhandlung selbst nicht alle Erwartungen erfüllt hat. Diese Verhandlung gab Stoff zu einer ausgiebigen Besprechung des Gesetzes über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren. Da die Versammlung sich über die verschiedenen Punkte nicht einigen konnte, eine genaue Feststellung aber für notwendig hielt, so nahm sie eine Entschließung an, mit welcher sie den Vorstand des Verbandes Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede in Berlin ersucht, diese Angelegenheit auf dem diesjährigen Verbandstag zur Besprechung zu bringen. In die Kommission zur Verteilung von Lehrlingsprämien wurden die Kollegen Keil, Heinecke und Reizenstein gewählt. Die Anregung, die Sommer-Versammlung in Halberstadt oder Stendal stattfinden zu lassen, fand allseitigen Beifall und soll die Hauptversammlung den Ort bestimmen. Einige Fälle eigentümlichen Geschäftsgebarens von der Vereinigung fernstehenden Goldwarenhändlern wurden besprochen und dem Vorstand zur weiteren Verfolgung überlassen. Nach weiterer Aussprache wurde die Versammlung gegen 7 Uhr geschlossen.

Feingehaltsgesetz.

Die Vereinigung der Juweliere, Gold- und Silberschmiede des Reg.Bez. Magdeburg (E. V.) hat den Vorstand des Verbandes Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede in Berlin ersucht, auf den nächsten Verbandstag in Eisenach „eine Besprechung des Gesetzes über den Feingehalt der Gold- und Silber waren herbeiführen zu wollen“. Zur Begründung ist angeführt worden: 1. Bei den verschiedentlichen Similischwindel-Prozessen (Sarita-Magdeburg und Bera-Leipzig sind Ringe beschlagnahmt worden, welche den Stempel 585 trugen, aber nur eine dünne, etwa 2 gr. schwere Schiene 585er Gold und Chatons

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mit Silberplatten von etwa 3 gr. Silber hatten. Die Sachverständigen stellten sich auf den Standpunkt, daß Chatons und Seitenplatten ein metallisch verbundener Bestandteil des Ringes seien, während die Verteidigung diese nur als leicht erkennbare Verzierung ansah. In ersterem Falle würde der 585 gestempelte Ring nur einen Feingehalt von etwa 460 ergeben, im anderen Falle wäre er nicht zu beanstanden. Welche Anschauung ist richtig? 2. Bei gleicher Gelegenheit hat sich herausgestellt, daß diese Geschäfte DoubléRinge mit dem Stempel 14kar. und goldene Ringe mit dem Stempel 9kar. führen und solche Gegenstände „mit ausländischem Stempel“ anpreisen. Dürfen in Deutschland derartig gestempelte Schmucksachen feil geboten werden ?

Preisausschreiben.

Von den rechtzeitig eingelaufenen 62 Entwürfen für die vier Ehrenpreise der Stadtgemeinde München zum 15. Deutschen Bundesschießen hat das Preisgericht zur Ausführung gewählt: Motto: „Ziel“. Autor: Otto Lohr; Ausführung: Steinecken & Lohr. – Motto: „Wildern“. Autor und Ausführung: Dieselben. – Motto: „Paarweise“. Autor: Friedr. Pöhlmann; Ausführung: Ed. Wollenweber. – Motto: „Ehrengabe“. Autor und Ausführung: Joseph Kopp jun. – Mit Geldpreisen wurden ausgezeichnet die Entwürfe: Motto: „Eiche“. Autor: Ernst Riegel. – Motto: „Pokal“. Autor: Rud. Gedon. – Motto: „Festima lente“. Autor: Ed. Wollenweber; Autor: Ed. Wollenweber; Entwurf: Kunstmaler Mander. – Die Entwürfe sind in der Ausstellungshalle des Bayerischen Kunstgewerbevereins zur öffentlichen Besichtigung ausgestellt.

Ergebnis der Preisbewerbung der Kgl. Kunstgewerbeschule Stuttgart im Jahre 1905 06. Am Fachkurs für das Modellieren erhielt Paul Fischer von Botnang und am Fachkurs für das Ziselieren Emil Rexer von Stuttgart je eine öffentliche Belobung; Emanuel Hahn von Toronto (Kanada) einen Preis.

Schützt Eure Läden vor Einbruchsdiebstahl!

In einem Juwelier- und Uhrengeschäft der Kaiserstraße Karlsruhe wurde ein Einbruch verübt; Uhren und Bijouterien sind im Werte von 1300 Mk. gestohlen.

Rechtsrat, Rechtsschutz für den Goldschmied. Wichtige gerichtliche Entscheidungen.

Erweiterte Auslegung des Begriffs „Gewerbebetrieb im Umherziehen: Nach § 1 des Gesetzes vom 3. Juli 1876, betreffend die Besteuerung des Gewerbebetriebes im Umherziehen, unterliegt bekanntlich jeder, der außerhalb seines Wohnortes ohne Begründung einer gewerblichen Niederlassung und ohne vorgängige Bestellung Waren irgendwelcher Art feilbieten will, der Steuer vom Gewerbebetrieb im Umherziehen, und § 18 desselben Gesetzes bedroht mit erheblicher Geldstrafe denjenigen, welcher, ohne einen Gewerbeschein gelöst zu haben, ein der fraglichen Steuer unterworfenes Gewerbe betreibt. Ein Goldwarenhändler war nun wegen Uebertretung dieser Gesetzesbestimmungen unter Anklage gestellt worden, weil er, ohne einen Gewerbeschein gelöst zu haben, in einer Stadt, in der er weder seinen Wohnsitz, noch eine gewerbliche Niederlassung hatte, ein von ihm aus einer dortigen Konkursmasse erworbenes Gold- und Silberwarenlager in einem eigens dazu gemieteten Geschäftslokale zum Verkauf gebracht hatte. Der Händler behauptete, die genannten Paragraphen könnten doch unmöglich auf ihn Anwendung finden, denn er habe ja keinen Hausierhandel betrieben, er sei nicht von Haus zu Haus gezogen, um seine Waren feilzuhalten, sondern er habe sie lediglich in einem bestimmten Geschäftslokale zum Verkauf gestellt. Diesen Ausführungen hatte sich das Landgericht angeschlossen und daraufhin den Angeklagten freigesprochen. Ganz anderer Ansicht war jedoch das Reichsgericht, welches sich infolge der seitens der Staatsanwaltschaft gegen die Freisprechung einge legten Revision nochmals mit der Angelegenheit zu beschäftigen hätte. Der höchste Gerichtshof war nämlich der Meinung, daß zu den begrifflichen Merkmalen des Gewerbebetriebes im Umherziehen keineswegs ein Umherziehen von Haus zu Haus oder von Ort zu Ort gehöre, es sei vollständig ausreichend, wenn das Gewerbe an irgend einem Orte, der nicht Wohnsitz oder ständige Geschäftssitz des Gewerbetreiben den sei, betriebe" werde. Das aber trifft im vorliegenden Falle zu. Der Angeklagte hatte außerhalb seines Wohnortes ohne Begründung einer gewerolichen Niederlassung und ohne vorgängige Bestellung Waren feilgehalten; sein Gewerbebetrieb fiel demgemäß unter § 1 des go nannten Gesetzes. Das freisprechende Urteil war daher aufzuhebe" und die Sache selbst in die Vorinstanz zurückzuverweisen.

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Prämiierung von Lehrlings - Arbeiten

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Eigene Anfertigung eines Chatons- oder CarmoisierungsRinges nach freier Wahl, Montieren einer Brosche, eines Colliers, Anhängers, Armbandes, Medaillons, Ohrschrauben resp. Ohrringe; Einfassungen von Semi-Emaille-Bildern oder Münzen, einzelne Montierungsstücke, kirchliche und profane Sachen, Geräte, Studien in Metall nach der Natur (Pflanzen etc.) Die Arbeiten brauchen nicht nach eigenen Entwürfen ausgeführt zu sein, vielmehr können fremde Zeichnungen benutzt werden, diese sind jedoch der eingesandten Arbeit beizufügen. Die Ausführung kann in Kupfer oder Messing, Gold und Silber, am besten aber in Silber erfolgen. Es werden nicht nur Arbeiten aus dem letzten Lehrjahr angenommen, sondern jedes Lehrjahr wird berücksichtigt. Es ist jedoch zu bemerken, in welchem Lehrjahr der Lehrling steht. Erwünscht ist es, daß als Konkurrenzarbeit von jedem Lehrling möglichst nur ein Stück, dieses aber so gut als möglich gefertigt wird, da es den Preisrichtern nicht auf die Zahl der eingesandten Arbeiten, sondern hauptsächlich auf deren gute Ausführung ankommt. Es ist auch nicht notwendig, daß diese Arbeit verkaufsmäßig hergestellt wird, vielmehr ist es richtiger und auch erwünschter, das Stück unpoliert oder auch ungefaßt, aber sauber verfeilt und geschabt einzuliefern, weil in diesem letztem Zustande die Goldschmiedearbeit am besten zu beurteilen ist. Es wird auch viel Gewicht darauf gelegt, daß die Stücke gut gelötet sind. Bei Arbeiten für Weißjuwelen sind die „à jours“ für die Steine gut zu fräsen und auf der Rückseite recht schön in Bogen auszufeilen. Bei Broschen ist der Nadelstiel einzustiften. Bei Medaillons sind die dazu gehörenden Glasränder mit Gläsern einzuliefern. Ferner wollen die Lehrherren darauf achten, daß ihre Lehrlinge eine Arbeit wählen, welche auch dem Lehrjahre angemessen

ist, bezw. dem Können des Lehrlings entspricht, damit nicht der eine zu schwierige, der andere zu leichte Arbeiten in Angriff nimmt.

Einsendung der Arbeit

und Bescheinigung des Lehrherrn.

Der Arbeit wird ein verschlossenes Kuwert beigelegt, das mit einem Kennwort zu versehen ist. Die Arbeit, sowie die Einlage des Kuwerts hat das Kennwort ebenfalls zu tragen und die Bescheinigung des Meisters mit folgendem Wortlaut:

Der unterzeichnete Lehrmeister bescheinigt hiermit, daß der Lehrling geb. - in die eingesandte Konkurrenzarbeit mit dem Motto:

im Jahre seiner Lehre

ohne fremde Beihilfe hergestellt hat.
Ort: - Datum:

Unterschrift des Lehrmeisters:
Unterschrift des Lehrlings:

Prämien und Diplome. Wir setzen für die besten Arbeiten Prämien aus und zwar als 1. Preis 3o M., als 2. Preis 2o M., als 3. Preis o M. Alle anderen Arbeiten erhalten Zensuren und jene, die mindestens das Prädikat „Gut“ verdienen, auch Diplome. Die Preise werden nicht in bar ausgezahlt, sondern der betreffende Lehrling erhält einen Bon, den er an Zahlungsstatt für zu kaufende Werkzeuge, Bücher etc. an den Lieferanten der Werkzeuge etc. einsenden kann.

Schluß für die Annahme der Arbeiten 30. April 19o6.

Die richtige und sachgemäße Ausbildung der Lehrlinge und die bessere Ausbildung der Gehilfen zu fördern, ist ja das vorzüglichste Mittel, um unser Fach zu heben und wir wollen unser Möglichstes hierzu beitragen. Wir ersuchen deshalb alle Meister, welche Lehrlinge beschäftigen, dieselben zur Beteiligung an unserer Prü

fung anzuhalten und sehen recht zahlreichen Einsendun

gen entgegen.

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für den kunstgewerbl. Teil: Professor Rud. Rücklin, Leiter der Goldschmiedeschule Pforzheim

für den fachtechn. Teil: Goldschmied Paul Axthelm

für den Verlag: Wilhelm Diebener.

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TU

Nachdruck aus dem Inhalt vorliegender Zeitung ist nur mit Erlaubnis der Redaktion und unter genauer Quellenangabe gestattet.

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Meine Herren Fabrikanten und Grossisten! Sie glauben sicherlich, daß Ihr Reiselager versichert ist, wenn Sie bei irgend einer Transport-Versicherungsgesellschaft eine Police genommen haben, laut welcher das Lager für so und so viel Tausend Mark gegen alle Gefahren der Reise, Verlust durch Diebstahl oder Abhandenkommen auf der Eisenbahn oder im Hotel geschützt ist und daß die Gesellschaft, die alljährlich pünktlich Ihre Prämien in Empfang nimmt, nun auch im Schadensfalle Ihnen pünktlich den Wert der verloren gegangenen oder gestohlenen Waren ersetzen wird. Wenn Sie das glauben, so täuschen Sie sich, und es ist der Zweck dieser Zeilen, Ihnen einen jüngst vorgekommenen Fall zu erzählen, der Sie eines anderen belehren und der Sie hoffentlich davor bewahren wird, im Vertrauen auf Ihre Police sich in Sicherheit zu wiegen. Ein Uhrengrossist hatte unter den auch im Gold- und Silberwarenfach üblichen Verhältnissen und Bedingungen sein Reiselager für den Eisenbahntransport und gegen Verluste auf dem Wege V0m und zum Hotel und zur Kundschaft versichert. Es trat während des Eisenbahntransportes ein Verlust durch Diebstahl ein, der sich auf rund 2000 Mark belief und der von der Versicherungsgesellschaft pünktlich entschädigt wurde. Als nun die Gesellschaft, wie üblich, ihrerseits Ersatzansprüche an die Eisenbahnverwaltung stellte, verneinte diese ihre Ersatzpflicht ganz entschieden unter Hinweis auf die Eisenbahnverkehrsordnung vom 1. April 1904, die auch im Reichskursbuch Seite 90–96 abgedruckt ist, wonach Gold- und Silberwaren sowie Edelsteine zur Beförderung als Passagiergut nur zugelassen werden, wenn der Inhalt der GepäckStücke und der Wert, welcher den Höchstbetrag für die zu zahlende

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Entschädigung bilden soll, im Gepäckschein vermerkt ist. Wird der Wert oder das Interesse an der Lieferung auf mehr als 500 Mark angegeben, so werden die Gegenstände zur Beförderung nicht angenommen. Die Annahme, daß die Vorschrift nur auf Eilgutverkehr zutrifft, ist eine irrige. Da die Eisenbahn jede Entschädigung ablehnte, so verlangte die Versicherungsgesellschaft von dem Uhrengrossisten den bereits ausgezahlten Betrag des Schadens mit 2000 Mark zurück, den dieser natürlich nicht herausgeben wollte; eine gütliche Einigung scheint in dieser Angelegenheit aber erzielt werden zu können, obgleich die Police, wie wohl auch die meisten anderen, die Bestimmung enthält: Die Gesellschaft haftet auch nicht in den Fällen, in welchen die Bahn- oder Postverwaltung nach ihren Reglements keine Verantwortung übernimmt. Hiernach hätte die Versicherungs-Gesellschaft alle Aussicht, einen etwaigen Prozeß zu gewinnen. Es besteht nun für alle Versicherten die Gefahr, daß in einem Schadenfalle die betreffende Gesellschaft sich auf den letzterwähnten Satz ihrer Bedingungen beruft, um sich von der Schadenersatzpflicht zu befreien. Es ist dies einer von den klein gedruckten Paragraphen der Police, die wohl nur in den allerseltensten Fällen von den Versicherungsnehmern gelesen werden. Wir empfehlen deshalb allen Versicherten dringend, sich ihre Police auf den oben geschilderten Fall und seine Folgen hin genau durchzulesen und ungesäumt, wenn erforderlich, bei ihrer Gesellschaft den Antrag zu stellen, daß das Reiselager auch dann als versichert gilt, wenn bei der Übergabe an die Eisenbahn zur Beförderung eine Angabe des Wertes nicht stattgefunden hat.

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Situationsbericht aus Pforzheim.

Wohl selten dürfte die Gold-, Silber- und E)oublé-Industrie in Pforzheim lebhafter beschäftigt gewesen sein wie in den letzten Wochen und Monaten. Während in früheren Jahren erst in den Monaten September und Oktober mit Überstunden, der sog. Weilarbeit, begonnen wurde, nahm das diesjährige Herbst- und Wintergeschäft schon im Sommer seinen Anfang, und die Fabrikanten hatten alle Hände voll zu tun. Nur mit den äußersten Anstrengungen gelang es ihnen, die ohnedies kurzen Lieferungstermine einzuhalten. Viele Erzeuger, namentlich in billigerer und Doubléware, waren genötigt, um Verlängerung der Termine nachzusuchen, ja einzelne Firmen waren außerstande, die spät einlaufenden Orders auszuführen. Sie konnten nur Vormerkung der Aufträge treffen. Dies gilt auch vornehmlich von der Hilfsindustrie, Etalagen usw. Der flotte Geschäftsgang ist sowohl vom deutschen wie vom Exportgeschäft zu sagen. Übel daran waren diejenigen deutschen Grossisten, die auf Weihnachten Auswahlen in den verschiedenen Artikeln brauchten. Schon 4–6 Wochen vor den Feiertagen war in den Spezialitäten und goldenen Ketten überhaupt kein Vorrat mehr auf Lager. Jetzt scheint das Geschäft, namentlich das Exportgeschäft, nachzulassen, was wohl auf die neuen Handelsverträge zurückzuführen ist. Teilweise wird befürchtet, daß wir einen ruhigen Sommer infolge der Handelsverträge bekommen werden. Zu den Absatzgebieten der Pforzheimer Industrie ist in neuerer Zeit, wenn auch vorläufig in ganz kleinem Maße, die Kolonie Südwestafrika getreten. Von den bisherigen großen Absatzgebieten macht Rußland große Sorge. Das Land war bisher ein vorzüglicher Kunde, namentlich der Süden und dann Sibirien. Man setzt zwar wieder Hoffnung auf ein Besserwerden, allein wann dieser Zeitpunkt eintritt, dürfte noch in weiter Ferne schweben. Die Regulierungen sind besser erfolgt, als man infolge der Wirren anfänglich annahm. Das Geschäft mit Ostasien hat den Erfolg noch nicht gezeitigt, den man infolge tätigen Eingreifens des Kreditorenvereins durch Entsendung von Musterkollektionen erwartete. In letzter Zeit haben kapitalkräftige Österreicher ihr

Für 4500 Mk. goldene Uhren in 4 Wochen veruntreut hat ein Lehrling des Uhren-Engros-Geschäftes J. Goldschmidt in Frankfurt a. M. Der junge Uebeltäter war in schlechte Gesellschaft geraten.

Personalien und Geschäftsnachrichten.

Auszeichnung. Anläßlich des 85. Geburtstages des Prinzregenten wurde der der Gewerbsbezeichnung vorzusetzende Kgl. Hoftitel verliehen: Lilly Merk, Juweliergeschäft, München; Hans Guttenhöffer, Juwelier, Würzburg. Der Titel eines k. b. Hoflieferanten erhielten: Marie Winterhalter Wwe. und Karl Winterhalter, Juwelier, München; Karl Happ, Uhrmacher, Bad Kissingen.

Ehrung. Eine große Feier fand am 10. März in der Gemeinde Hohenwerth, Amt Pforzheim statt, wo der derzeitige Bürgermeister Gregor Morlock sein 25jähriges Jubiläum als Ortsvorsteher feiern durfte. Von allen Seiten in Form von Ehrengaben, Glückwunschtelegrammen und -Briefen wurde der verdienstvolle Mann überrascht. Herr Morlock ist gelernter Goldarbeiter und hat 23 Ä seine Kräfte in den Dienst der Gold- und Silberwaren – Industrie in Pforzheim gestellt. Wir schließen uns den Gratulanten mit einem „Gut Borax“ an.

Jubiläen. Am 1. März d. J. konnte die Firma Gustav Lachman n, Goldwaren-Fabrik, Gera R. j. L., Spezialität Ringe, auf ihr 10jähriges Bestehen zurückblicken. Das Geschäft, welches unter der Firma Reich & Schneider seit 1866 existiert, wurde am 1. März 1896 von Herrn Gustav Lachmann übernommen und unter obiger Firma weitergeführt, und hat sich durch seine Leitung zu einer leistungsfähigen Fabrik emporgeschwungen. Früh morgens wurde der Jubilar nebst werten Frau Gemahlin vom Kontor- und Arbeiterpersonal durch Geschenke überrascht, von seiten der dortigen Kundschaft waren Blumenspenden eingegangen. Die eigentliche Feier fand am 12. d. Mts., abends 8 Uhr im Etablissement „Centralhalle“ in Form eines Festmahles und Ball statt, an welchem ca. 60 Personen teilnahmen. Ein sinnreicher Prolog wurde zur Einleitung des Festes von der Tochter des Werkführers zum Vortrag gebracht. Eine Ansprache des Chefs, in welcher er die guten Beziehungen zu seinem Personal betonte, folgte und zahlreiche Toaste würzten das schmackhafte Mahl. Zur Tafel wurde das be

Augenmerk nach Ostasien und auch nach dem Orient zugewandt und Handelsgesellschaften gebildet, und es dürften deshalb auch

von Pforzheim aus die Augen offen gehalten werden.

Was die verschiedenen Artikel betrifft, so hat wohl die Kettenindustrie die größten und meisten Aufträge erhalten, und mehrere Etablissements sehen sich veranlaßt, den Bedürfnissen Rechnung zu tragen und ihre Betriebe zu erweitern bzw. Neuanlagen zu erstellen.

In Tafelgeräten, sowohl in echt wie in unecht, herrscht starke Nachfrage, doch kann der moderne Stil, den man glaubte, dabei anwenden zu können und zu müssen, nur langsam sich Bahn brechen.

In Gold- und Silberschmuck sind Transparent-Emailleartikel bevorzugt, doch liebt man auch, namentlich in Südamerika, reiche Steinsachen. Amethyste in Verbindung mit Brillanten sind täglich zu sehen in den Verkaufsabteilungen der Fabriken und Exportgeschäfte, auch Granatenbroschen mit Rosen usw. kommen viel zur Verwendung. Ein erfreuliches Zeichen ist das Bestreben der Fabrikanten, ihre neuesten Erzeugnisse dem Publikum vor Augen zu führen. Was die „Deutsche Goldschmiede-Zeitung“ vor Jahren begonnen, eine Darbietung von Bildern in ihrem Unternehmen in Schmuck und Mode, das führen jetzt unsere Fabrikanten aus, die Darbietung in Originalstücken auf Ausstellungen. So haben auf der diesjährigen deutschen nationalen Ausstellung in Dresden über 40 Firmen von Pforzheim und der internationalen Ausstellung in Mailand eine weitere Anzahl Firmen Plätze belegt, und wir zweifeln nicht, daß die dort zur Schau gestellten Erzeugnisse die Aufmerksamkeit Tausender von Besuchern auf sich lenken werden. Daß unter diesen Tausenden von Besuchern sehr viele Ausländer sein werden, die den Sommer zu Reisen verwenden, dafür bürgen die Namen Dresden und Mailand. Möge dieses Bestreben der Fabrikanten, Grossisten usw. anhalten und sich weiter ausbauen, es wird nur zum Segen der so mächig emporstrebenden Pforzheimer Gold- und SilberwarenIndustrie sein. Sch.

kannte Goldschmiedslied, sowie ein vom Personal gewidmetes Lied gesungen. Durch Aufführungen, Gesangs- und humoristische Vorträge während des Balles wurde das Fest verschönert und hielt die Festteilnehmer bis zum Tagesgrauen in fröhlicher Stimmung zusammen. Möge Gott Herrn Lachmann und sein Haus schirmen, ihm Kraft verleihen, daß er auch das 25. GeschäftsJubiläum erreiche! C. B. Firmen - Eintragung. In Burgstädt wurde die Gold- und Silberwaren-Firma Alfred Herkner eingetragen. Verschiedenes. Der in Fabrikantenkreisen wohlbekannte Moritz Engel in Paris hat sich erschossen. Er war der Chef des Pariser Engrosgeschäftes gleichen Namens, das vor noch nicht anderthalb Jahren in Konkurs geraten ist und dann reorganisiert wurde.

Aus Innungen und Vereinen.

Freie Vereinigung der Gold- und Silberschmiede zu Görlitz. Die Versammlung am 7. März eröffnet der Vorsitzende Kollege Finster und tritt man sofort in die Tagesordnung ein. Beim ersten Punkt: „Der Osterannonce“ ist man der Meinung, daß dieselbe für dieses Ä ausfällt. Der nächste Punkt der Tagesordnung lautete das rämiieren von Lehrlingsarbeiten durch die Fachblätter. Dasselbe wird dankend anerkannt. Dem Wunsche, die Arbeiten unter Beifügung eines Kennwortes einzusenden, damit die Prämiierung dort vorgenommen wird, soll nachgekommen werden. Dem VorStand bleibt das Weitere überlassen. Vom Verbande kommen einzelne Schreiben zur Verlesung; der Inhalt bezieht sich in der Hauptsache auf die Wahl von Vertrauensmännern und das Heranziehen neuer Mitglieder. Des Weiteren wird die Besteckangelegenheit zur Sprache gebracht. Bedauerlicherweise scheint das Unternehmen erfolglos zu sein. Man spricht sich dahin aus: Es wäre erwünscht, weder Zeit noch Geld weiter darauf zu Verschwenden, da doch ein Zustandekommen aussichtslos ist. Zur Angelegenheit der „Feuerschutz kasse“ spricht man sich in gleicher Weise aus. Am 4. April wird die nächste Versammlung einberufen. Man erhofft zahlreiche Beteiligung, da die Vorstandswahlen stattfinden, sowie die Berichte des Kassierers und Schriftführers zur Verlesung gelangen.

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