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zur Verteidigung derjenigen zu sagen wagen, die man mit dem Namen „Schulpartei“ zu bezeichnen beliebt. Wir haben es immer verschmäht, uns gegen diesen Vorwurf zu rechtfertigen, und tun es auch jetzt. Wem unsere ganze Haltung die Absurdität desselben nicht klar macht, bei dem werden Worte wohl auch vergeblich sein. Wir können nur hoffen, daß unser redliches Bestreben, Brücken zu schlagen zwischen Fach und Fachschule, anstatt sie abzubrechen, sich mit der Zeit doch als fruchtbringend erweisen wird. Und hoffen wollen wir auch, daß uns das neue Jahr eine Zeit ruhigen Schaffens und rüstigen Vorwärtsschreitens bringen möge. Beginnt doch auch in Kunst und Kunst

gewerbe die neue Bewegung sich zu klären und in festere Bahnen einzulenken. Das wird auch der Goldschmiede

kunst zu gute kommen, der eine größere Einheitlichkeit

des Geschmackes, ein ruhiges Vorwärtsschreiten der Mode SO Sehr zu wünschen wäre. Einstweilen freilich sind die Hoffnungen gerade hierfür noch recht schwach. So steuern wir denn getrost hinaus ins neue Jahr. Was es uns an Sturm und Sonnenschein bringen wird, wissen wir nicht. Aber wir können versprechen, daß wir am Ende desselben den gleichen, festen Kurs auf unser einziges Ziel haben werden wie heute: Das Wachsen, Blühen und Gedeihen unserer Kunst!

Am Sausenden Webstuhl der Zeit.

Die Glocken läuteten wieder ein arbeitsvolles, mühereiches Jahr zu Grabe. Die Zeit ist wieder einen Schritt auf dem Pfade zur Ewigkeit weitergegangen und demjenigen, der die Entwicklungsgeschichte der Menschheit mit Aufmerksamkeit verfolgt hat, wird sich eines mit zwingender Überzeugung aufgedrängt haben, daß diese Entwicklung vorwärtsgeht, trotz aller rückschrittlichen Erscheinungen, die sich ihr hemmend in den Weg legen, trotz aller Unruhen und Wirrsale, an denen gerade das Wirtschaftsjahr 1905 so reich war. Die großen Interessenkämpfe im Ruhrkohlengebiet, bei der bayerischen Metallindustrie, bei den Elektrizitätsarbeitern, oder in der sächsisch-thüringischen Textilindustrie, die nicht allein auf die Verbesserung der Löhne gerichtet waren, sondern auch eine Machtprobe gegen das Unternehmertum bilden sollten, und auch in der Gold- und Silberwarenfabrikation analoge Bewegungen zu verzeichnen hatten, die Neuregelung unserer Handelsbeziehungen zum Auslande, die uns unsere Position auf dem Weltmarkt noch sicherer stellen und uns ein wirtschaftliches Prestige geben soll, der sich immer umfassender gestaltende Zug der Konzentration in Handel, Verkehr und Industrie, sie haben auch in dem von uns geschiedenen Jahre eine bedeutsame Rolle gespielt, aber sie haben dem Jahre nicht seine dauernde Bedeutung in der Historie verliehen. Dies taten vielmehr die grundstürzenden Umwälzungen auf dem Gebiete der Weltpolitik. Während sich Deutschland auf friedlichem Wege Ausdehnungsmöglichkeiten für seinen Handel suchte, traten die beiden jüngsten Weltmächte in Waffen auf die Bühne der Weltpolitik. Die vereinigten Staaten zertrümmerten Spaniens alte durch Tradition geheiligte Seemacht, und Japan warf das große Nachbarreich der Zöpfe und Porzellantürme zu Boden, und in zähem, furchtbarem Kampfe nahm es auch dem gewaltigen Zarenreiche Macht, Ruhm und Ansehen. Der Friede zu Portsmouth brachte Rußland nicht den Frieden. Durch das ganze Reich rast und flutet die Revolution und schlägt in Trümmer, was sich ihr entgegensetzt. Handel und Wandel liegen darnieder und auch die Interessen des Deutschtums scheinen gefährdet, wenn wir nicht Vorkehrungen treffen zur Sicherheit unserer Landsleute, namentlich in den baltischen Provinzen. In Österreich-Ungarn tobte der Nationalitätenkampf weiter, der diesen Staat dem Zerfall entgegenführen muß, Norwegen riß sich von Schweden los und setzte einem dänischen Prinzen die Krone der Wikinger aufs Haupt, und auch in den übrigen Staaten mehrten sich die Zeichen einer Umwälzungspolitik. Warum wir hier den Vorhang noch einmal von der Weltbühne hinweggezogen haben und das Drama des vergangenen Jahres vor unseren Lesern abspielen ließen? Wer über den engen Horizont seiner Tagesarbeit hinauszublicken gewohnt ist, der wird wissen, daß diese großen Weltereignisse auch ihren Einfluß auf das wirtschaftliche Leben bis in seine kleinsten Phasen ausüben. So wird auch der Export in der Gold- und Silberwarenbranche durch die politischen Unruhen merklich beeinflußt, wenn wir auch nach den statistischen Abschlüssen sagen können, daß das Manko nicht so bedeutsam und besorgniserregend ist, als wir gefürchtet hatten. Wohl blieb die Ausfuhr nach dem Osten hinter

derjenigen früherer Jahre zurück, aber das war bei der Unsicherheit der dortigen Verhältnisse in allen Branchen des Erwerbslebens zu erwarten und es zeigten dagegen die Absätze in anderen Gebieten willkommene Fortschritte. Das Detailgeschäft hat im großen ganzen ebenfalls seinen bisherigen Charakter bewahrt. Es ist stiller gewesen als in manchen guten Jahren des großen wirtschaftlichen Aufschwunges, ja periodisch sogar sehr still, aber es gab zu besonderen Klagen keinen Anlaß, wenn man das Ganze ins Auge faßt. Freilich an Klagen fehlte es nicht. Gegen die alten Erbfeinde unseres geschäftlichen Lebens mußte energisch weiter gekämpft werden, und wir haben in unserem Kampfe – das lassen wir uns von Niemandem streitig machen – die Pflicht der Fach

presse getreulich erfüllt und gerade in den bedeutsamsten Fragen

die Initiative ergriffen, was natürlich unseren scheelblickenden Neidern und Widersachern ein Dorn im Auge ist. Viel Feind – viel Ehr'! Mit diesem Trostspruch sind auch wir ins neue Jahr geschritten! Im Vordergrund der Bestrebungen der deutschen Goldschmiede um die Hebung ihrer geschäftlichen Lage stand der Kampf gegen die schädigenden Einwirkungen der Leihhäuser und ihrer Vorrechte, der durch unseren Verlag und die führende Tätigkeit Dr. Rockes darin in erster Linie gefördert wurde, sowie der Kampf gegen den unlauteren Handel mit Glassteinen, die als Bera-, Rands-, Lucios-, Sarita usw.-Diamanten den Markt an den großen Plätzen unsicher machten. Auch auf diesem Gebiete haben wir erfolgreich gearbeitet und überall, wo Gefahr im Verzuge war, die Goldschmiede mobil gemacht. So werden wir es auch in Zukunft, unbeirrt um alle Anfeindungen, halten und unseren Weg zum Heile der deutschen Goldschmiede weitergehen. Wir wissen, daß wir unsere von Jahr zu Jahr wachsende Anzahl treuer Abonnenten und lieber Freunde unter den Goldschmieden dabei auf unserer Seite haben. In der Frage, ob sich Uhrmacher Goldschmiede nennen dürfen, sind auch in diesem Jahre hervorragende Kundgebungen erfolgt, die wir veröffentlicht haben, und der Umstand, daß in gemeinsamen Verhandlungen und Tagungen Goldschmiede und Uhrmacher Hand in Hand gingen, gibt die Gewähr, daß auch diese Frage noch in befriedigender Weise ihre Lösung finden wird. Auch im Kampf gegen die unheilvollen Einwirkungen der Ausverkäufe und Wanderlager auf den seßhaften Handel, in der Bekämpfung des Rabatt unfuges und der Konkurrenztätigkeit der Beamten- und Offiziersvereine ist im vergangenen Jahre unentwegt weiter gearbeitet worden. Die segensreiche Arbeit des „Verbandes“ auf diesem sozialpolitischen Gebiete wird gewiß allmählich eine Besserung der Zustände herbeiführen, wenn auch von einem schlagenden Erfolge heute noch nicht die Rede ist

Nur durch langsames Unterminieren läßt sich in solchen heiklen Angelegenheiten etwas erreichen. Dasselbe gilt von der Bekämpfung des unlauteren Hausierhandels, des Detaillierens der Fabrikanten und Grossisten, das übrigens bei den maßgebenden Firmen nie bestanden hat oder doch bereits ausgeschaltet worden ist, von dem Verkauf von Gold- und Silber waren auf Messen und Märkten, von den unlauteren Reklamen und Konkurrenzmanövern und vielen anderen krankhaften Erscheinungen unseres geschäftlichen Lebens. Hier muß der Kampf fortgesetzt werden und wir werden nach wie vor mit auf der Warte stehen und Ausschau halten, wo dem Feinde eine Niederlage zu bereiten ist. Guten Mutes dürfen die Goldschmiede hineinschreiten in das neue Jahr. Möge ihnen in Laden und Werkstatt, in den Sälen der Fabriken, überall Segen beschieden sein! Mögen die düsteren Prozesse menschlicher Unehrlichkeit und Gewinnsucht, die im verflossenen Jahre

in den Städten unserer Industrie so unheilvolle, trübe Bilder entrollten, endlich ihr Ende finden, und lichtvolleren Bildern Platz machen. Was da kommen wird, wir wissen es nicht. „Die Zeit ist eine werdende und recht behält immer nur, wer in ihr zu werden bereit ist,“ hat ein namhafter Historiker der Gegenwart gesagt. Das ist die Lehre, die wir aus dem Jahre 1905 in das Jahr 1906 mit hinüber nehmen. Immer neu zu „werden“ bereit sein. Nicht stille stehen! Vorwärts und Aufwärts. P.

Moderner Edelmetallguß.

Von Ingenieur Dr. Ernst Beutel und Professor Karl Pugl.

Dieser Artikel entstammt dem „Zentralblatt für das gewerbliche Unterrichtswesen in Österreich“.

In dem Artikel: „Beiträge zur Gußtechnik des modernen Kunstgewerbes“ haben die Verfasser die Verwertung des Wachsausschmelzverfahrens für den Edelmetallguß hervorgehoben und sich ein näheres Eingehen auf diese wichtige Werkweise vorbehalten. Da das Gießen die natürlichste Art der Metallformung ist, wird der Edelmetallguß bereits in den ältesten Zeiten ausgeübt, im späteren Verlaufe der kulturellen Entwicklung aber durch das Hämmern verdrängt. Erst auf einer hohen Stufe der Vervollkommnung der Formerei und Legierungstechnik kann das Gießen mit dem Treiben in erfolgreichen Wettbewerb treten, da es sich bei der Kostbarkeit des Materials darum handelt, die Metallstärke möglichst gering zu halten, welche Aufgabe das Hämmern naturgemäß leichter löst als das Gießen. Da ferner das reine Gold nach dem Gusse stark schwindet, das reine Silber beim Schmelzen Sauerstoff aufnimmt und beim Erkalten wieder abgibt, hatte die Gußtechnik große Schwierigkeiten zu überwinden, bis sie endlich im modernisierten Wachsausschmelzverfahren eine befriedigende Lösung der Formfrage erfuhr, während gleichzeitig eine ausgebildete Legierungstechnik die Schwierigkeiten des Gusses b überwinden half. Bis in die neueste Zeit wurden Schmucke und Edelmetallgeräte in Formsand, Formspat, Tripel oder Blackfischbein (Ossa sepiae) geformt, welche Verfahren für unterschnittene Modelle komplizierte Stückformen notwendig machen. Der im vorigen Jahrhundert häufig ausgeübte Guß nach der Natur, bei welchem das Objekt in eine Schamottegipsmasse eingebettet und verascht wurde, bildet den Übergang zu dem heutigen Wachsausschmelzverfahren, das durch Veraschung des in „Masse“ eingelagerten Wachsm0delles den Gußhohlraum schafft. Eine ziemlich eingehende Beschreibung der älteren Verfahren a einschließlich des Naturabgusses bietet Kulmers Handbuch der Goldund Silberarbeiter (herausgegeben von Eichler,Weimar 1887, B. F. Voigt). Das Werk von F. Luthmer: „Gold und Silber“ (Leipzig 1888, Seemann & Cie) erwähnt bereits den Cire perdue Guß, ohne jedoch auf die Technik desselben einzugehen. Da sich die Verfasser dieses Artikels auf ihre bereits zitierte

Abhandlung beziehen können, hoffen Fig. 1. Aufgekittetes Wachsoriginal (a) und Agar- Negativ (b).

sie in knappester Form ein vollständiges Bild des modernen Verfahrens geben zu können. Herstellung des Wachsmodelles. Den Ausgangspunkt für die Herstellung einer Gußform bildet ein Wachsmodell, welches der Former von der Originalmodellierung oder von einem vorliegendem Geschmeide abnimmt. Der Gegenstand, z. B. eine Schließe (s. Fig. 1a), wird mit Hilfe der Modellierwerkzeuge in eine Plastilinunterlage eingebettet, indem man die Konturen und eventuelle Durchbrechungen sorgfältig ausarbeitet. Das Objekt ragt nach beendeter Arbeit soweit aus dem Plastilinbette hervor, als es für die Metallstärke des gewünschten Gusses erforderlich erscheint. Da das Einbetten in Plastilin der Farbe des abzuformenden Gegenstandes, wenn dieser aus Silber ist, nachteilig sein kann, weil dieses Metall hierbei geschwärzt wird, nimmt man in diesem Falle die Unterbettung zweckmäßiger in Gips, Ton oder Wachs vor. Das derart vorbereitete Objekt umgibt man mit einem Holzrahmen, dessen Fugen mit Gipsbrei oder Ton verwahrt werden, pinselt es schwach mit Olivenöl ein und übergießt es mit Agarlösung. Um das auf diese Weise gewonnene Formnegativ zu stützen, gießt man nach dem Gelantinieren der Lösung Gipsbrei in der Stärke von 1–2 cm auf. Durch das Abbinden des Gipses erhält man eine feste Platte, die sich der Rückseite des Negativs auf das genaueste anschließt und seine leichte Handhabung bei den weiteren Arbeiten ermöglicht, ohne daß sich die Form verziehen könnte. Nach dem Erstarren des Gipsbreies wendet man das Werkstück um, hebt das Formbrett ab und entfernt vorsichtig das eventuell im Negativ liegengebliebene Modell. Fig. 1b stellt das mit einem Holzrahmen umgebene Agarnegativ einer Gürtelschließe dar. Besteht die Originalmodellierung aus Gips, so muß sie, bevor man die Agarlösung aufgießt, mit einer Schellacklösung gedichtet und außerdem geölt werden; besteht sie aus Wachs, so ist sie ebenfalls zu ölen und beim Aufgießen die Temperatur der Lösung sorgfältig zu beachten, auf daß das Original beim Formen nicht leide. Von einem Agarnegativ kann der Former eine größere Anzahl Wachspositive abnehmen, indem er bei jedem einzelnen auf folgende Weise verfährt. Er bringt die oben genannte Wachsmischung bei möglichst niedriger Temperatur zum Schmelzen und gießt sie auf das Negativ in der Stärke auf, die der in Metall anzufertigende Gegenstand haben soll. Da das Wachs die Agaroberfläche mehr oder weniger vollständig überzieht, erscheint das eigentliche Modell mit „Randwachs“ umgeben, das auch alle Durchbrechungen ausfüllt. Nach dem Abheben vom Negativ wird es daher einer sorgfältigen Retuschierung unterworfen. Inwieweit das Randwachs der Durchbrechungen wegzunehmen ist, bleibt dem jeweiligen Ermessen des Formers überlassen. Stehengebliebene Wachspartien laufen beim Gusse in Metall aus und müssen durch nachträgliches Aussägen entfernt werden.

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a Gipspositiv, b Agar-Negativ im Holzkasten,
cMetallstärke schwarz.

ein mit Marken versehener Gipsabguß (a Fig. 2 und Fig. 3) genommen, der um die Metallstärke gehoben den Gußraum für das Wachs begrenzt.

Zwischen den Formenrahmen und den Gipsabguß legt man zwei Streifen Pappe von der Metallstärke, formt die noch offen liegenden Flächen bb (Fig. 3) mit Gips auf, wendet die Form um und ersetzt schließlich auch die Pappe durch Gips. Zum Eingießen des Wachses schneidet man den Eingußkanal c ein, während der Kanal d einerseits als Luftpfeife, anderseits als Reservoir für das sich beim Erstarren zusammenziehende Wachs dient. Aus Fig. 2 geht hervor, daß die auf der Bildfläche senkrecht stehenden Flächen der Gipsmatrize um die Mctallstärke zu verschieben sind.

Fig. 3. Form zur Herstellung von Wachspositiven.

Bei der Vervielfältigung eines Modelles durch den Guß ist es von besonderer Wichtigkeit, daß die Metallstärke der einzelnen Gußstücke annähernd gleich sei. Dieses Ziel wird für flache Objekte (Plaketten, Reliefs etc.) durch folgendes Verfahren auf leichte Weise mit vollständiger Exaktheit erreicht: Vom Agarnegativ wird

Die in dieser Form erzeugten Wachspositive besitzen alle die gewünschte Stärke und haben den Vorteil, eine scharfgeschnittene, prägeartige exakte Rückseite zu ergeben.*) *) Erfinder dieses Verfahrens ist Professor Karl Pugl. Die Versuche wurden

an der galvanotechnischen Anstalt A. Zasches in Gablonz a. N. durchgeführt. (Fortsetzung folgt.)

Pariser Goldschmiedeläden.

Die Pariser Goldschmiedeläden, die wohl der größte Anziehungspunkt für die Besucher der Hauptstadt Frankreichs bilden, erhalten ihren größten Reiz in der Weihnachtszeit. Schon Monate vorher sind die großen Boulevards voll von Besuchern der In- und Ausländer, um ihre Einkäufe für diese Tage zu machen. Es lassen sichs deshalb die Besitzer der Goldschmiedeläden ganz besonders angelegen sein, durch viel Reklame und durch reiche Ausstellung in den Schaufenstern das Publikum anzuziehen. Aber leider führen diese Ausstellungen nur zu oft zur unruhigen Wirkung. Denn man sieht Schaufenster, wo es unmöglich ist, den Schmuck mit Ruhe zu betrachten. Durch die vielen weißen Täfelchen, auf denen der Schmuck angebracht ist, und dazwischen die vielen langen Ketten, Vasen, Schirme und Stockgriffe usw. ist der Glanz des Schmuckstückes vollständig verloren. Jedoch sieht man auch Schauläden, die als Muster der Ausstellung gelten können. Auf ganz mattgrünem Stoff, der etwas in Wellen gelegt ist, liegen auf

gelblichem Glase die Schmuckgegenstände, jedoch so, daß Schmuck allein, Ketten und Stockgriffe alles gleichmäßig auf beiden Seiten angeordnet ist. Gerade diese Einfachheit wirkt sehr vornehm und besonders der Glanz der Steine ist sehr lebhaft. Wendet man nun seine Aufmerksamkeit dem einzelnen Schmuckstücke zu, so findet man, daß die Goldschmiedekunst in letzter Zeit besonders in Ringen sehr viel neues geschaffen hat. Steine in Käferform von natürlicher Größe sind durch ein dünnes Golddrahtgestell, das in sehr strammen Linien gehalten ist, zu einem feinen Ring gefügt. Auch hat man nur durch Golddraht sehr imposante Motive geschaffen. Reich ziselierte Blümchen, aus deren Mitte ein kleines Elfenbeinköpfchen hervorragt, ist ein Motiv, das am meisten Anwendung findet. Diamantenringe von kolossaler Größe, von denen man nicht mehr glaubt, daß sie für einen Finger geschaffen, und solche, an denen nur zwei Steine angebracht sind, welche aber den Preis von 36000 Fr. repräsentieren. In Broschen findet man alle nur erdenklichen Formen, rund, drei- und viereckig, oval, als schmales Rechteck usw., zuweilen in sehr schönen straffen Linien gehalten. Jedoch findet man auch größere Stücke, die ein wunderbares Farbenleben besitzen, so daß man meinen könnte, daß sie aus Laliques Werkstatt stammten. Zierliche Schmetterlinge und Käfer zwischen kleinen Blümchen prangen in dem schönsten Email. Schlangen und Menschenleiber in Elfenbein bilden mit schön gefärbter Goldfassung wirkungsvolle Schmuckstücke. Diamantenanhänge, die die ganze Brust bedecken, findet man besonders in der Rue Royal, aber in diesen Stücken scheint

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der Empirestil die Vorhand zu haben. Mit Armbändern scheint die Goldschmiedekunst sich nicht viel abzugeben, denn nur selten sieht man Stücke, die wirklich Bewunderung verdienen. Dagegen Scheint die Fabrikation von Gürtelschließen und Hutnadeln eine recht lebhafte zu sein. Hier spielt die Farbe eine sehr große Rolle. Da man wohl nicht auf einen weißen Hut eine schwarze Nadel steckt und da ja auch das öftere Wechseln der Hüte heute zu dem guten Ton gehört, ist wohl die Hutnadel derjenige Gegenstand, dem man sich in letzter Zeit am meisten zuwendet.

Versilberte Gegenstände nach der Reparatur auszubessern.
(Zu Frage 461).

Um schadhafte Stellen von versilberten Gegenständen auszubessern, bedient man sich mit Vorteil einer Anreibeversilberung. Man walze Silber möglichst dünn und zerschneide es in kleine Stückchen. Diese Stückchen sollen gebogen sein, damit sie in der Feuchtigkeit nicht aneinander haften. In einer Abdampfschale löst man das Silber mit Salpetersäure. Mäßiges Erhitzen der Schale befördert die Auflösung des Silbers. Die Heizung kann über Gas, Spiritus oder auf andere Weise geschehen. Nach der Auflösung des Silbers gebe man der Säure das doppelte Quantum an Wasser zu. In diese Silberlösung bringt man eine gut gereinigte Kupferplatte, auf diese schlägt sich das Feinsilber als Pulver nieder. Nach ungefähr einer Viertelstunde, nachdem sich genügend Silber aufgesetzt hat, nimmt man die Kupferplatte aus dem Bad und ersetzt sie durch eine andere. In einem Gefäß mit kaltem Wasser löst sich das Silber von der Kupferplatte und sinkt auf den Boden. Die Platten wechselt man so lange, bis sich kein Silber mehr niederschlägt. Der Silberniederschlag wird einigemal mit frischem Wasser ausgewaschen, damit die Säurespuren entfernt werden. Vom Silberpulver, welches getrocknet wurde, mischt man 1 Teil desselben mit 2 Teilen Weinsteinrahm gereinigtem Weinstein) und 2 Teilen Kochsalz. Zum Gebrauch gebe man der Mischung etwas Wasser zu, so daß sie einen dicken Brei bildet und verreibe die Masse gehörig. Mit einem sauberen Leinwandlappen reibt man

den Brei auf den vorher peinlich gereinigten Gegenstand und wasche ihn nach der Versilberung mit etwas Pottaschelösung ab. Der besseren Haltbarkeit wegen überzieht man den Gegenstand nach der Fertigstellung mit einem Lack. Statt des Silberpulvers kann man auch Chlorsilber verwenden. Dieses stellt man wie folgt her. Silberabfälle und dergl. werden in einer Abdampfschale, wie oben angegeben, mit Salpetersäure gelöst. Der mit Wasser verdünnten Lösung fügt man so lange Kochsalz zu, bis sich kein Chlorsilber mehr bildet. Das Chlorsilber senkt sich als weiße Flocken auf den Boden des Gefäßes. Auf einem Filter wäscht man das Chlorsilber mit reinem Wasser, bis es von der anhaftenden Säure befreit ist und trocknet es an einem dunklen Ort, am Licht wird dasselbe schwarz. Auf einem Stein oder auf einer Glasplatte mischt man das Silber mit dem oben angegebenen Weinsteinrahm und Salz und verwendet auch dieses mit etwas Wasser angemacht. Man vergleiche den Artikel auf Seite 139a Jahrgang 1905 unter „Für die Werkstatt“. Um Zinn zu verkupfern fertigt man sich eine Lösung von 1 Teil Kupfervitriol in 16 Teilen Wasser. Es bilden sich blaßblaue basische Salze, die durch Salmiakgeist, den man unter Umrühren langsam zufügt, wieder gelöst werden und eine klare, dunkelblaue Flüssigkeit bilden. Mit einem weichen, sauberen Pinsel bringt man die Flüssigkeit auf die gut gereinigte Stelle. Z.

Zum Jubiläum der Firma Hagenmeyer & Kirchner, Berlin.

In Berlin gab es bis in die achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein, eigentlich nur das eine Geschäft von W. Victor, in welchem die Goldarbeiter ihre Hilfsartikel, als da sind Chatons, Ohrringshaken, Kugeln, unechte und halbechte Steine, erhalten konnten. Das Geschäft ging nach dem Tode des Inhabers ein. Es waren noch zwei Firmen Leopold Donath, der 1864 sich etablierte, aber fast nur Werkzeuge für Graveure hielt, und die Firma Bruno Gumprecht am Platze. Fabriken, welche Hilfsartikel fertigten, fehlten und fehlen auch heute noch. Die Pforzheimer Fabrikanten zeigten auch keinerlei Interesse, Hilfsartikel nach Berlin zu liefern. Ist es mir doch passiert, daß ich 100 Paar Brissuren für Kinderboutons nicht erhalten konnte, sondern dieselben erst durch Vermittelung des Grossisten, der die Boutons bestellt hatte, bekam. Am 1. Januar 1881 übernahmen nun die Herren Hagenmeyer & Kirchner die oben erwähnte Firma „Bruno Gumprecht“ und führten sie, in der ersten Zeit, unter dem bisherigen Namen, in der alten Art fort. Sie sahen aber bald ein, daß es notwendig war, das Geschäft auf anderer Grundlage auszudehnen. Zu dieser Zeit waren die KorallenWaren sehr begehrt und verstand es Herr Hagenmeyer durch seine Kenntnis der Kofallen und Lieferung tadelloser, gutgeschrauber Ware sich nicht nur in Berlin, sondern auch in ganz Deutschland und im Auslande,

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speziell in Dänemark, welches er heute noch bereist, einen großen, treuen Kundenkreis zu erwerben. In Berlin hatten die Inhaber ihr Interesse namentlich auch auf die Lieferung von Hilfsartikeln gerichtet, und finden die Goldarbeiter bei ihnen jetzt alles, was sie an Werkzeugen, Maschinen, Steinen und sonstigen Hilfsartikeln brauchten. Als im Jahre 1892 auch noch das bereits erwähnte Geschäft von Leopold Donath übernommen wurde, vergrößerte sich der Kundenkreis namentlich durch die Graveure bedeutend. Seit September 1892, in welchem Monat Herr Fritz Kirchner aus der Firma ausschied, betreibt Herr Hagenmeyer dieselbe allein. Er blickt nun auf eine ununterbrochene 25jährige Tätigkeit zurück, die ihn mit Freude erfüllen kann, da es ihm gelungen ist, die Firma so zu Ansehen zu bringen, daß sie heute mit zu den ersten der Branche zählt. Er zeigt auch für das Allgemeinwohl ein reges Interesse. Der Freien Vereinigung seit Anfang an zugehörig, war er sechs Jahre Schriftführer derselben und ist jetzt seit vier Jahren Schatzmeister. Ich kann nur, mit vielen meiner Kollegen, von Herzen wünschen, daß er noch lange in ungetrübter Gesundheit den Seinigen erhalten bleibe und daß das Geschäft auf der bewährten Grundlage weiter wachse, bühe und gedeihe. W.

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50jähriges Jubiläum der Muschel-Cameenschneiderei in Hanau.

Von Carl Nikolaus, Juwelier in Hanau.

In den vierziger Jahren des 19. Jahrh. kam ein Juwelier J. Diehls von Hanau nach Paris, woselbst er das Cameenschneiden erlernte. Nach einigen Jahren ging er wieder nach Hanau zurück und gründete dort ein Juwelier- und Emailleurgeschäft. Anfangs der fünfziger Jahre, als die Firma festen Fuß gefaßt und einige tüchtige Arbeiter herangebildet hatte, begann Diehls das Cameenschneiden einzuführen, so daß dasselbe heute auf ein über fünfzigjähriges Bestehen in Hanau zurückblicken kann. Der neue Artikel führte sich rasch und gut ein, so daß bald weitere Firmen entstanden. Zuerst Karl Kurr, dann im Jahre 1870 Becker und Neidhans, welch' letztere heute noch ihre Tätigkeit ausübt. Leider hatte die Blüte des neuen Industriezweiges keinen langen Bestand: Schon 1885 ging der Absatz zurück, und viele Arbeiter, die im Cameenschneiden ausgebildet waren, mußten einen anderen Beruf ergreifen, wobei die meisten Diamantschleifer wurden. Seither sind die geschnittenen Cameen aus der Schmuckindustrie ja immer mehr verschwunden.

Außer Muscheln wurden in Hanau auch in großen Quantitäten Lava, Malachit, Korallen, Perlmutter und andere Materialien geschnitten, was sich eben mit dem Stichel bearbeiten ließ.

Das erste größere Absatzgebiet war Nordamerika; hier wurden die Cameen als Broschen und Armbänder getragen. Die Montierung in Gold und der Export wurden vielfach von der Firma Steinheuer & Co. übernommen. Auch Einlegearbeit in Gold und Steinen auf Cameen war beliebt. In dieser Art wurde bis etwa 1870 gearbeitet.

Dann kam ein großer Aufschwung des Exportes in Phantasieartikeln, die in Hanau und Pforzheim fabriziert wurden. Später wandte sich der Absatz nach Schweden und Dänemark; für diese Länder wurden fast ausschließlich Darstellungen nach den Werken des Bildhauers Thorwaldsen graviert, die dort massenhaft gekauft und getragen wurden. Aber auch hier erlosch endlich die Kauflust, und jetzt existieren und arbeiten nur noch ganz wenige Cameenschneider. Hoffen wir, daß auch für diese schöne Kunst wieder einmal bessere Zeiten kommen werden!

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Sie wohnten in San Giovanni bei Neapel, waren Nachbarn und konnten einander nicht ausstehen. In ihre Hantierungen ließen sich beide nicht hereinschen, und wenn einer den andern auf neugierigen Blicken nach den Nebengebäuden, in denen gearbeitet wurde, ertappte, so war's gewiß, daß am nächsten Tage eine neue Schutzmaßregel geschaffen wurde, die das Erkunden der Geheimnisse des Hauses völlig unmöglich machte.

Signor Barnaba Santi war gegen die Fünfzig alt; seine Frau Isabella war eine beleibte fromme Dame und Ninetta, die einzige Tochter, das hübscheste Mädchen in ganz San Giovanni. Der Nachbar, Andrea Minotoli, hatte noch nicht die Dreißig und suchte jede Gelegenheit, der schönen Ninetta zu begegnen.

Signor Barnaba war Steinschneider. Früher hatte er nur die schönen Bilder in die großen Muscheln geschnitten, die man drinnen in Neapel an die Fremden verkauft. Aber das Geschäft in dem Artikel hatte sehr nachgelassen, und so war er rechtzeitig auf Ersatz bedacht gewesen, und ein günstiger Zufall hatte ihn auf die Skarabäen aufmerksam gemacht. Er hatte in Agypten einen Importeur gefunden, der ihn mit den nötigen Modellen versorgte, und seit jener Zeit lieferte er in größeren Quantitäten die „echten“ antiken Skarabäen, die von den Fremden so gern gekauft

werden. Das war ein flottes, lohnendes und einfaches Geschäft, und er wachte mit Eifersucht darüber, daß man ihm darin nichts absehe. Und dem Andrea gegenüber mußte er sich dabei besonders in acht nehmen, denn dieser verfertigte auch allerlei; er war ein Künstler, der die schönsten „antiken“ Schalen, Lampen und ähnliche Sachen fabrizierte, und man konnte nie wissen, ob sich der nicht auch vielleicht auf die Skarabäen werfen und ihm das Geschäft verderben würde. Signor Barnaba hielt diesen Schwerenöter mit dem flotten schwarzen Schnurrbart, mit der schmeichelnden Romanzenstimme und mit den geschickten Händen sür jeder Schandtat fähig, und eine Schandtat wäre es gewesen, hätte er auch Skarabäen verfertigt! Dabei war die Ninetta S0 zutraulich zu Andrea. Signor Barnaba hatte die beiden zu seinem größten Ärger schon oft zusammenstehen und plaudern sehen, und wenn auch Ninetta nicht in die Geschäftsgeheimnisse ihres Vaters eingeweiht war, immerhin wußte sie doch so viel davon, daß Sie den Andrea auf die Fährte bringen konnte. Madonna Isabella sprach sich gegen ihren Gatten dahin aus, der Andrea wolle möglicherweise die Ninetta heiraten, deshalb suche er ihre Geselschaft; aber Signor Barnaba erklärte ihr darauf, daß Andrea die Gesellschaft aller lübschen Mädchen um den ganzen Golf heru"

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