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„Was kann ich aus diesem alten Trauring machen lassen?“

Diese Frage tritt gar oft an den Goldschmied heran, wenn ihm von seiten seiner Kundschaft eine Aufgabe gestellt wird, aus einem getragenen Trauring einen anderen Ring oder irgend ein anderes einfaches Schmuckstück herzustellen. Gewöhnlich ist ein alter Trauring ein teures Andenken, eine Reliquie, und soll infolgedessen nicht umgeschmolzen werden; vielmehr will man den Charakter des Trauringes und vor allen Dingen die als Dokument dienende Inschrift bewahren. Nun sind auch an uns von vielen Seiten Anfragen eingegangen, die sich auf obige Frage zuspitzen und möchten wir deshalb versuchen, unseren Lesern in Wort und Zeichnung Ratschläge zu geben. Wir wollen damit allerdings keine neuen Muster schaffen, sondern nur die Grundidee illustrieren: „Was kann ich aus einem alten Trauring alles machen?“ Ein sehr einfaches Motiv wäre ein Kettenschieber. Siehe Bild 2). Der Ring wird oval gedrückt, damit derselbe als solcher nicht zu hoch ist und nicht vornüber fällt, dann werden zwei sich gegenüberliegende Büchsen, dünnwandige Scharniere, in die kurze Biegung hineingelötet, welche mit Kork ausgefüttert, die

bogen. Der Schwanz kann herausgehämmert und abgebogen werden, der Kopf aber muß angelötet und mit Chaton, der denselben krönt, versehen werden; das Ganze aber hübsch ziseliert oder graviert sein kann. Auch bei Bild 1 ist aus der Zeichnung sehr leicht die Ausführung des Ringes zu ersehen; derselbe wird schräg aufgeschnitten, die Enden herausgehämmert und um die Fassungen gerollt. Die in die Zargen zu fassenden Steine sollten sich dem Stile des Ringes anpassen und daher als Cabochons geschliffen sein. Ähnlich läßt sich auch Ring 6 anfertigen, indem derselbe aufgeschnitten, die Enden mit der Säge gespalten und abgebogen werden. Das mittelste Blatt wird spitz zugefeilt und die seitlichen Rellköpfe, mit Perlchen darauf, angelötet. Einen Ring in ein Medaillon (5) umzuwandeln wäre eine andere Lösung der Frage. Derselbe wird auf der unteren Seite verbödet und mit dem Deckel versehen, welcher im Scharnier auf- und zuklappt und sich durch die Schließzarge einklemmt. In der Schließzarge ist genügend Platz für einen Glasrad und Bild. In der anderen bestellt, will eben etwas besonders Gutes mit 18 Karat-Gold haben, während er nur 17% Karat-Gold erhielt. Es liegt wenigstens eine Differenz von fast einem halben Karat vor (*so). Das überschreitet die Grenze der erlaubten Differenz, und es hat gar keine Bedeutung, ob der Fehler daher rührt, daß die Wage des betreffenden Goldschmiedes nicht stimmt. Er mag sich dann eine genauer gehende Wage anschaffen. Was die gesetzlich nachgelassene Differenz überschreitet, ist eine „erhebliche“ Beeinträchtigung. Der Gesetzgeber hat eben im Verkehr mit Goldwaren selbst festgestellt, was er als unerheblich betrachtet wissen will und was nicht. Und selbst, wenn man diese Vorschrift nicht anwenden wollte, so würde doch der Abs. 2 des § 459 in Frage kommen: „Der Verkäufer haftet auch dafür, daß die Sache zur Zeit des Überganges der Gefahr die zugesicherten Eigenschaften hat.“ Solche zugesicherte Eigenschaften aber müssen unbedingt vertreten werden, auch wenn sie unerheblich sind. Hier aber ist doch zugesichert worden, daß die Ringe "ooo Feingehalt hätten, während dies in Wahrheit nicht der Fall war. Nach alledem steht fest, daß der Kunde dem Goldschmied, und dieser wieder seinem Hintermann, dem Inhaber des Arbeitsgeschäftes, gegenüber den Anspruch auf Rückgängigmachung des Kaufes oder Herabsetzung des Kaufpreises geltend machen konnte (Wandelung oder Minderung. § 462 des B. G. B.). War nun dieser Anspruch verjährt? Betrachten wir zunächst das Verhältnis zwischen dem Goldschmied und dem Kunden. Die Ringe sind schon im Dezember 1902 verkauft. Die Dame bemerkt von Zeit zu Zeit ein Schwarzwerden des Ringfingers. Sie tut nichts, obwohl sie doch bemerkt, daß der Ring daran schuld ist. Endlich nach 22 Jahren bequemt sie sich dazu, den Ring untersuchen zu lassen und den zutage getretenen Fehler zu rügen Das

Kette aufnehmen sollen. Oben auf kann ein Stein mit Millegriff, Öffnung muß der Glasrand ebenfalls ganz niedrig sein, damit Bogen oder mit Fassette gefaßt sein, ebenso kann auch noch ein man noch die Inschrift des Ringes sehen kann. zweiter Stein unten daran schwingen. Dieses Motiv paßt aber Endlich sei noch ein ganz einfaches Motiv zu einer Brosche auch für einen Ring, natürlich unter Weglassung des zweiten gegeben, wozu zwei Ringe verwendet werden. Der eine wird Steines und kann auch umgekehrt die als Schlangenring gedachte aufgebogen, während der andere daraufgesteckt ist. Es liegt nun Zeichnung 4 als Schieber für eine Kette verwandt werden. noch an dem Goldschmied, sich die Ornamente dazu nach seinem Zu dieser ist der Trauring ebenfalls sehr leicht umgearbeitet; oder seiner Kunden Geschmack auszuarbeiten, wozu ihm ja sein der Ring wird schräg aufgeschnitten und aneinander vorbei ge- Kunsthandwerk reichlich Mittel und Wege bietet. A.

Verjährung des Mängeleinwands bei gelieferter Gold- und Silberware.

Ein Abonnent aus G. schreibt uns: „Ich ließ bei einem Gold- ersatz verpflichte, da eine solche Differenz bei einer nicht ganz obeiter, der ein Abeitsgeschäft besitzt, im Dezember 1902 ein paar genau funktionierenden Wage leicht vorkommen könne. Was denken Ringe schnell anfertigen, da ich mit Arbeiten überhäuft war. Die Sie über den Rechtsstreit?“ Ringe sollten einen Feingehalt von "ooo aufweisen. So waren sie Der Prozeß ist geeignet, einmal auf die Bestimmungen über die "ei mir bestellt, und so hatte ich sie in Auftrag gegeben. Ich habe Gewähr der Fehler bei Gold- und Silberwaren hier näher einzugehen. och den Preis dafür bezahlen müssen. Die betreffende Dame, die Der Verkäufer haftet dem Besteller nach § 459 des Bürgerl. en Ring trug, bemerkte nun von Zeit zu Zeit am Finger an der Gesetzb. dafür, daß die Ware zur Zeit des Überganges der Gefahr Ängstelle einen schwarzen Streifen. Im Sommer 1905 trat dieser auf den Käufer, also bei der Übergabe, nicht mit Fehlern behaftet Fehler wieder besonders stark auf. Die Kundin ging nun zu einem ist, die den Wert oder die Tauglichkeit zu dem gewöhnlichen oder "kurrenten von mir, dieser schickte die Ringe in die Kgl. Münze, nach dem Kaufabschluß vorausgesetzten Gebrauch aufheben oder Ä diese stellte einen Feingehalt von nur "ooo fest. Um mein mindern. Eine unerhebliche Minderung des Wertes oder der Geschäft nicht zu schädigen, gab ich sofort zwei andere Ringe hin, Tauglichkeit kommt nicht in Betracht. "dforderte nunmehr Schadensersatz von dem Lieferanten. Dessen Wie steht es nun in Bezug auf den oben geschilderten Fall mit Anwalt aber schützte die Einrede der Verjährung vor. Wie ist es dieser Vorschrift? Nach unserem Dafürhalten ist es zwar kein Fehler, damit? Ich bin der Meinung, daß die Verjährungsfrist doch erst welcher die Tauglichkeit des Ringes beeinträchtigt, wohl aber seinen " dem Tage an laufen kann, wo mir der Fehler bekannt wird, Wert, und wir stehen auch nicht an, zu behaupten, daß ein Manko Ä nicht vom Tage der Uebergabe ab. Der Sachverständige hat von " ooo im Verkehr mit Ringen schon eine erhebliche Beeinträchaußerdem erklärt, daß die Differenz von "ooo nicht zum Schaden- tigung des Wertes ausmacht. Wer einen Ring zu "„o Feingehalt

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Wo dem kleinen und mittleren

Neujahr ist vorüber und mit dieser Zeit eine Hauptverkaufszeit des Ladengoldschmiedes entschwunden und das diesjährige, spät fallende Osterfest gibt dem Geschäftsmanne eine Spanne Zeit, in der er seine Geschäftslage und seine Tätigkeit im abgelaufenen Jahre Revue passieren läßt, in welcher er seine Lage revidieren und seinen Einkauf und Verkauf kontrollieren kann. Es ist geradezu eine Zeit, in der er sich selbst Rechenschaft abzulegen hat, ob seine Bezugsquellen die richtigen gewesen sind, ob er den Geschmack seiner Kundschaft in seiner diesjährigen Auswahl richtig getroffen hatte, und ob er überhaupt auch alles das nicht vergessen hatte, zu tun um seinen Absatz möglichst zu vergrößern und sein Einkommen möglichst rentabel zu machen.

Der große, kapitalkräftigere Goldschmied wird sich wohl leichter über seine Lage orientieren können und sich eventuell auch einmal über einen kleinen Mißerfolg trösten können; er hat seinen Buchhalter, der als tüchtiger Kaufmann ihm jeweils seine Angelegenheiten zu regeln hat und ihm mit allen Kniffen im Einund Verkauf zur Seite zu stehen hat. Genießt er dann noch die Annehmlichkeit, eine geschickte Geschäftslage in einer Hauptstraße zu heben, so laufen ihm ja sozusagen die Honorationen von selbst zu, um ihre Einkäufe bei ihm zu besorgen.

Ganz anders ist es jedoch bei den mittleren und kleinen Goldschmieden, denen Fortuna am Wiegenbette nicht mit gleichgroßen Schätzen aufgewartet hat, ja die oft von der Pike aus zuerst als Goldschmied gearbeitet haben und oft sich erst die Kapitalien zu einer selbständigen Existenz zusammen scharen mußten. Diese sind natürlich nicht in der Lage an einem beliebigen Platze der Hauptstraße sich ihr Geschäft einzurichten, sondern, da sie als rechtschaffene Geschäftsleute sich in erster Linie nach dem Vermögen richten werden, müssen sie schon mit einem etwas weniger günstigen Platze vorlieb nehmen, ja sogar selbst in diesem Falle noch teure Ladenmieten zahlen, wenn sie ein eigenes Heim nicht besitzen. Ihre Kapitalkraft läßt es manchmal auch nicht zu, gleich die feinsten und elegantesten Schmucksachen anzuwerben, sie richten deshalb ihren Einkauf in der Hauptsache auf 14 karat. oder 8.karat. Waren und führen dabei noch die Doublé waren, schon aus dem Grunde, weil auch ihre Kundschaft von derjenigen ihrer kapitalkräftigeren Kollegen wesentlich verschieden ist und sie sich als mittlere und Klein

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gedeckt, und nun Regreß an seinem Lieferanten genommen. Kann sich auch der Letztere auf eine eingetretene Verjährung berufen Der Goldschmied hat Unrecht, wenn er glaubt, daß die 6 Monate erst von dem Tage an zu rechnen seien, als ihm der vorhandene Fehler zur Kenntnis kam. Der Tag der Übergabe ist maßgebend, und an sich wäre der Anspruch wegen Mängeln auch dem Inhaber des Arbeitsgeschäftes gegenüber längst verjährt. Aber wir meinen, daß hier doch eine arglistige Täuschung behauptet werden kann. Der Inhaber des Arbeitsgeschäftes weiß, was er für Gold verwendet, und er hat sicherlich Kenntnis gehabt, daß der Feingehalt nicht "ooo betrug. Gewöhnlich wird das wenigstens der Fall sein, denn jeder Goldschmied überzeugt sich vom Zustand des Goldes, das er verwendet. Träfe das zu, so würde der Goldschmied noch Regreß ergreifen und sich an den Lieferanten schadlos halten können. Käme Arglist nicht in Frage, so wäre auch zwischen dem Inhaber des Arbeitsgeschäftes und dem Goldschmied Verjährung eingetreten, und Letzterer hätte nunmehr den Schadenallein zu tragen

Goldschmied der Schuh drückt?

goldschmiede mehr nach dem Bedarfe der bürgerlichen und arbe

tenden Klasse richten müssen. Sie sind schon in diesem Falle

gegen ihre Kollegen etwas benachteiligt und müssen deshalb durch

Fleiß und Aufmerksamkeit ihrer Kundschaft gegenüber suchen durch vermehrten Absatz diese Lücke möglichst wieder auszufüllen. Aber in geschäftlicher Hinsicht haben sie noch viele Proben zu bestehen, um so mehr als sie Konkurrenzen haben, die ihnen den Absatz ganz gewiß nicht erleichtern, sondern im Gegenteil ihre Absatzgebiete noch streitig zu machen suchen. Vor allen Dingen haben sie schon einen schweren Kampf mit den Warenhäusern und Galanteriegeschäften zu bestehen, die meist auch billigere Schmuckwaren führen und solche dem Publikum in verlockendster Weise zum Kaufe anbieten. Der Goldschmiedsstand und die Reelität seines Geschäftes verbietet ihm in irgend einer marktschreierischen Weise seine Reklame zu gestalten und nur eine geschmackvolle Laden- und Schaufenstereinrichtung, eventuell auch eine stilvolle Warenofferte an seine Kundschaft sind seine einzigen Wege sich Absatz zu verschaffen. Auch die Trödelbuden, Althändler und Leihhäuser sind für ihn eine schwere Konkurrenz, da dort alljährlich große Mengen von Schmuck usw. zur Versteigerung ausgeschrieben werden, die ebenso zahlreiche Abnehmer finden. Kommt dann zum Schlusse noch ein Ramsch warenlager, ein Wanderlager oder ein Jahrmarkt in die Quere, so ist seine Geschäftstätigkeit wiederum auf eine Spanne Zeit lahmgelegt, da die Neugierde des Publikums immer noch solch „Fahren dem Volke“ seine Sympathie zuwendet und selbst ein gründlicher Reinfall dieses Bestreben nicht ändern kann. Dazwischen hinein sieht er noch jahraus, jahrein die verdeckten Hausierer, Haus für Haus, Kasernen und Hochschulen seines Domiziles abklopfen, um in versteckter Weise Uhren, Ketten und dgl. zu verkaufen, um ihm ebenfalls als Konkurrenz in den Rücken zu fallen, und wird auch hier und da einmal ein solcher Bijouterieverkäufer erwischt, so wird doch leider im großen ganzen nicht viel geändert. Befindet sich alsdann unter den Goldschmieden der Stadt eventuell noch ein Kollege, der auf schwachen Füßen steht, S0 wird er von dem Strom der Zeiten mitgerissen und ein Konkursausverkauf lockt wiederum das Publikum nach solchen billigen Einkaufsgelegenheiten, ja solche Fallimente werden oft ausgenützt die Waren en bloc erstanden und ein Kommission sladen mit einem angestellten Verkäufer ist als neue Geschäftsschädigung hinzugetreten. Ein großer und dauernder Schaden für den seßhaften Goldschmied sind jedoch die Versandhäuser, die das ganze Jahr hindurch das Publikum mit ihren Katalogen bombardieren und unter Gratisgeschenken, vorteilhaften Gelegenheiten usw. dieses zum Kaufe zu bewegen suchen. Oft besitzen solche Versandhäuser nur ein einziges Zimmer als Geschäftslokal und sie holen ihre Waren gerade wie sie bestellt werden, von einem Fabrikanten, um sie als dann ohne jegliches Risiko dem Besteller gegen Nachnahme zu senden, ihre Kataloge sind ihr einziges Ausgabekonto, wozu oft noch die liefernden Fabrikanten Klischees und dgl. stellen müssen. Der Goldschmied hingegen kann sein Unkostenkonto auf Nieman den abwälzen, sondern ist verurteilt, alle derartige Ausgaben aus eigener Tasche zu bestreiten und weiß nicht, ob nach Ablauf eines Geschäftsjahres sich seine angestrengte Tätigkeit in irgend einer Weise rentiert hat, ob seine Aufwendungen usw. gewürdigt wurden, und ob es ihm vergönnt ist, mit neuem Eifer an dem Ausbau seines Geschäftes zu arbeiten. Aber nicht nur allein beim Verkauf hat der mittlere und kleine Geschäftsmann das bedauernswerte Los des Minderbegünstigen unter seinen Kollegen, sondern auch schon beim Einkauf stellen sich ihm gleich große Schwierigkeiten entgegen, warum? –- seine Kapitalkraft ist die einzige Existenzbedingung. Bestellt er irgendwie Waren, so ist er selbstverständlich bei Inanspruchnahme von Kredit gezwungen, seine Vermögensverhältnisse auseinanderzulegen – und er muß Kredit beanspruchen. Dabei ergibt sich schon, daß sein kapitalkräftiger Kollege billiger einkauft als er, vorausgesetzt, wenn er überhaupt genügend Lieferanten findet, die ihm in seinen bescheidenen Ansprüchen unterstützen und mit Kredit an die Hand gehen. Der Lieferant (Fabrikant oder Grossist) wird an solche Einräumungen gleich Bedingungen knüpfen, (wie Alleinbezug aller Waren von einer Firma usw.), die der Goldschmied schwerlich erfüllen kann, wenn er seiner Kundschaft in allem etwas bieten will. Tut er’s, so sind ihm die Hände gebunden, tut er's nicht, so ist ihm der Kredit entzogen. Dabei sind in allen solchen Fällen seine Einkaufs

preise schon höher als die des Kollegen, der eventuell bar einkaufen kann oder doch wenigstens mit einer Bankreferenz oder dgl. aufwarten kann. Wird er oft sogar noch vor die Notwendigkeit gestellt, von einem kleineren Fabrikanten zu beziehen, der selbst gegen Großfabriken nicht konkurrenzfähig ist und seine Waren unter primitiveren Arbeitsmethoden fertigstellt, so kauft der Detailleur nicht nur teurer ein, sondern muß sogar der Fabrikationsweise seines Kleinlieferanten noch ziemlich Opfer bringen; er kommt also gegen seinen reicheren Kollegen in doppeltem Nachteil. Bedenkt man nun noch dazu, daß in einer Zeit besserer Geschäftskonjunktur der Geschäftmann sein Lager möglichst auszudehnen bestrebt sein muß, so wird ihm sein von Fortuna geradezu beschränktes Vermögen zum wahren Verhängnis. Er wird gewaltsam gezwungen, sich in bescheidenen Grenzen zu bewegen, will er nicht einerseits durch allzugroße Kredite seinen Verdienst schmälern und seine ganze Existenz gefährden, oder aber andererseits in Bedingungen einzuwilligen, die ihn zum Ladendiener seines Lieferanten herabwürdigen würden, er muß auf irgend eine Weise seine Haut zu Markte tragen, will er überhaupt in der Lage sein, seiner Kundschaft ebenso mit Neuem und Gediegenem zu dienen, was seinem Geldkollegen mit seinem Kapital zur Leichtigkeit gemacht wird. Seine eigene Arbeitskraft, tagelange Anstrengungen und Aufopferungen werden erst in letzter Beziehung in Betracht gezogen und selbst schlaflose Nächte können ihn nicht über die Mißlichkeit seiner Lage hinweghelfen, es ist eben einmal das Los des kleinen und mittleren Goldschmiedes unter den oben erwähnten UmStänden den Kampf ums Dasein aufzunehmen und denselben durchzuführen suchen. Fällt er in diesem Weltenkampfe, so ist er ein Opfer der heutigen Wirtschaftsordnung geworden und seine Kollegen werden aus dem Verfalle seiner Existenz neue Lehren zu ziehen suchen; kommt er jedoch in die Höhe und sein Geschäft entwickelt sich, so kann er mit frohem Blick in die ferne Zukunft sehen und glücklich sein, daß die Glücksgöttin so reichlich bedacht hat. Auf alle Fälle aber wird er immer danach zu trachten haben, stets darauf zu achten, wo ihn, wo seinen ganzen Stand der Schuh drückt. - Germain.

Die Schädigung des Uhren- und Goldwarenhandels

durch die englischen Leihhäuser. Nach dem Englischen bearbeitet von Ernst H. Nickel-Berlin.

Mehr als bei uns „blüht“ in England das Leihhauswesen und es machen sich in der Geschäftspraxis derselben erhebliche MißStände bemerkbar, welche sich auf die Konkurrenzfrage zum Uhren-, Gold- und Juwelier warenhandel beziehen, und gegen die von den betreffenden Handelsinteressentengruppen Englands, Speziell Londons, nunmehr energisch Front gemacht wird. Es ist aus der engeren Praxis heraus eine große Masse von tatsächchem Material gesammelt, an der Hand dessen beweiskräftig argetan werden kann, daß durch die „Pawn-Houses“ den reellen Firmen der obengenannten Branchen eine höchst gefährliche, Ystematisch betriebene Konkurrenz gemacht wird. Ausführlich begründete Eingaben an die in Frage kommenden Behörden sind " Vorbereitung, damit diesem skrupellosen Treiben der von affinierten Geschäftsleuten geleiteten „Pawn-Houses“ endlich ein e gesetzt wird. Aber es steht zu befürchten, daß die VerWaltungs- und Exekutivorgane in der Praxis nicht viel erreichen "SP. durchsetzen werden, da die An- und Verkäufe sich in den "gischen Leihhäusern unter den erdenklichsten Vorsichtsmaßregeln Älziehen und es wird schwer möglich und angängig sein, in jeden Geschäftsraum eines Londoner „Pawn-Houses“ einen Konstabler zu Äsieren, damit die Ungesetzlichkeiten zutage gefördert werden, *erdem sind der Helfershelfer dieser Leihhausinhaber zu viele und deren geschickte Kniffe zu zahlreich. Es ist authentisch festÄlt worden, daß seitens der Londoner Leihhäuser Gegenstände in Pfand genommen und bald darauf in den Handel gebracht werden, * besonders zu den zwecken gedachter Art hergestellt sind,

es handelt sich also hier nicht etwa um gebrauchte Gegenstände, sondern um Fertig waren und solche Ware minderer Qualität; es werden – namentlich von südenglischen – Fabriken, welche direkte Verbindungen mit den größten Leihhäusern Londons haben, große Posten von Uhren, Gold-, Juwelierartikeln und Silberwaren produziert, man gibt mittels einer eigenartigen Behandlung den Anstrich des Gebrauchten und Abgenutzten und alsdann beginnt ein äußerst schwunghafter Handel mit denselben. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die leistungsfähigeren Leihhäuser eine große feste Kaufkundschaft haben, die sich nicht nur aus Händlern, sondern auch aus privaten Kreisen rekrutiert und mancher stabile Juwelier und Goldwarenhändler würde froh sein, wenn er in London, oder anderen englischen Städten auch nur den zehnten Teil dieser Kundschaft sein eigen nennen könnte, natürlich müßte er auch alsdann dementsprechend mit den Preisen heruntergehen, denn diese Kundschaft ist an niedrige Preise reichlich gewöhnt. Man wird nun auch der Frage näher treten müssen, ob diese Kundschaft eine unbefangene ist oder ob sie in die Geschäftspraktiken der öffentlichen Leihhäuser eingeweiht sind; letzteres ist nicht immer anzunehmen, denn jeder Kunde, der die Absicht hat, in einem Leihhaus zu kaufen, ist davon überzeugt, daß ihm ein besonders günstiges Angebot gemacht wird, es liegt dem unbefangenen Publikum gegenüber also ohne Zweifel das Kriterium des Betruges vor. Es bleibt nun füglich abzuwarten, ob und inwieweit die den Behörden übergebenen Unterlagen Veranlassung zu gesetzlichem Einschreiten geben.

Phosphoreszierende Diamanten.

Der durch seine Edelsteinfunde in Kalifornien und durch die Entdeckung von Radiumlagern in anderen Teilen der Vereinigten Staaten in weiteren Kreisen bekannt gewordene Dr. Kunz hat gemeinsam mit dem Mineralogen Professor Baskerville der New-Yorker Akademie der Wissenschaften einen Vortrag über neue Beobachtungen an Diamanten gehalten. Dr. Kunz hatte nämlich festgestellt, daß ein Diamant durch ein natürliches Bruchstück von Pechblende, das aus Przibram in Böhmen stammte und 800 g wog, in ein eigentümliches phosphoreszierendes Leuchten versetzt wurde. Die Lichterscheinung trat nicht nur dann auf, wenn die Pechblende unmittelbar auf den Diamanten gelegt wurde, sondern auch, wenn zwischen beide ein Stück gewöhnlichen Fensterglases oder eine dicke Pappe eingeschaltet wurde. Das Glühen des Diamanten wurde auch beobachtet, wenn zwischen ihm und der Pechblende ein Zwischenraum von mehr als einem Zoll gelassen wurde. Die Tatsache ist recht merkwürdig. Allerdings besitzt auch die natürliche Pechblende wegen ihres Radiumgehalts eine gewisse Strahlungsfähigkeit, wie ja auch Becquerel die Körperstrahlen zuerst an der Pechblende bzw. deren wichtigstem Bestandsteil, dem Uran, nachgewiesen und Uraniumstrahlen benannt hatte. Es ist aber bisher noch niemals beobachtet worden, daß eine so geringe Strahlung, wie sie der Pechblende zukommt, die nach dem jetzt gebrauchten Maßstab auf 2–2, veranschlagt wird, einen anderen Körper merkich zu beeinflussen vermag. In der Tat brachte auch dasselbe Stück Pechblende, das Dr. Kunz für seine Versuche benutzte, einen Schirm von Baryumplatinzyanür nicht ins Leuchten. Der Diamant ist der einzige bisher bekannte Stoff, der also fast auf die Einheit der Strahlungsfähigkeit reagiert. Auch eine Probe von Pechblende aus Johanngeorgenstadt in Sachsen und aus Central City in Colorado erzeugte im Diamanten eine Phosphoreszenz. Bei weiteren Experimenten wurde nachgewiesen, daß eine Mischung aus Kunzit, der neu entdeckten Edelsteinart, und Wollastonit mit kohlensaurem Radiumbaryum von der Strahlungsfähigkeit 240 in pulverisierter Form leuchtet. Wenn nämlich eine solche Mischung in eine Bologneser Flasche gebracht und auf eine mäßig heiße Metallplatte gehalten wurde, so geriet das Pulver sofort in ein starkes Leuchten, das lange Zeit anhielt. Die Entdeckung war aber damit noch lange nicht abgeschlossen, vielmehr wurde ferner beobachtet, daß auch der Kunzit und der Wollastonit allein für sich durch Erhitzen in Phosphoreszenz gerieten, und zwar der Kunzit in einer Orangefarbe.

Die Edelmetallindustrie in Hanau im Jahre 1905. In der letzten Plenarsitzung der Handelskammer gab der Vorsitzende, Kommerzienrat Canthal, einen Ueberblick über das verflossene Wirtschaftsjahr. Es habe sich im Bezirk der Kammer ein erfreuliches Bild gewerblicher Regsamkeit und wirtschaftlichen Aufschwunges gezeigt. Die Edelmetallindustrie sei vollauf beschäftigt gewesen, sogar so stark, daß sie nicht in der Lage war, die ihr gewordenen Weihnachtsaufträge alle zu erledigen, was seit vielen Jahren nicht der Fall war. Auch die anderen am Orte vertretenen Industrien hatten ein günstiges Geschäftsjahr. Nicht allzu hoffnungsfreudig könne man in die Zukunft blicken. Die am 1. März in Kraft tretenden Handelsverträge würden wohl den Nutzen mancher Betriebe etwas einengen. Berechtigte Bedenken könne man wegen des Abschlusses von Handelsverträgen mit den Vereinigten Staaten hegen. Der Referent schloß seine Ausführungen mit dem Wunsche, daß der Geist der Versöhnung, der von einsichtsvollen Männern Englands und Deutschlands neuerdings betätigt werde, Früchte bringen möge.

Die Gablonzer Gürtlerindustrie im Wirtschaftsjahre 1905. Aus der Leipziger Zeitschrift „Die Gürtler-, Bijouterie- und Bronzewaren-Industrie“. Die Hoffnungen, welche man zu Anfang des Jahres 1905 für eine günstige Periode der Gablonzer Gürtlerindustrie glaubte hegen zu dürfen, haben sich während des abgelaufenen Geschäftsjahres leider nur teilweise erfüllt, so daß also der eigentliche Geschäftsbericht nicht viel Erfreuliches nachweist. Allerdings hat sich die Industrie im großen und ganzen aus dem latenten Zustande durch die Anstrengung einzelner strebsamer Gürtler herausgearbeitet, wodurch auch der Gesamtindustrie die Wege zur Aufbesserung der

Geschäftslage wesentlich geebnet wurden. Wenn man aber einen Rückblick auf die Entwicklung der Gablonzer Gürtlerindustrie wirft und sich den in verhältnismäßig kurzer Zeit erzielten großen Aufschwung, sowie die besonders in den letzten zwei Jahrzehnten stattgefundene Vermehrung der Werkstätten in dieser Industrie vor Augen führt, muß man zugestehen, daß immerhin ein bedeutender Bedarf an Gürtlerwaren sein muß, um die Betriebe halbwegs beschäftigt zu sehen. Diese sich aus den guten Geschäftsperioden der Gürtlerei herauskristallisierende Konkurrenz der Erzeugungskräfte wurde auch von der Gablonzer Gürtler-Genossenschaft durchaus nicht verkannt, im Gegenteil, man war bestrebt, die Ausbildung neuer Arbeitskräfte auf ein Mindestmaß zu beschränken und die Lehrlingszahl dem Betriebe anzupassen, aber die Wirkung dieser Vorsichtsmaßregeln tritt zu spät ein, denn schon in den letzten Jahren war ein Ueberfluß an Arbeitskräften vorhanden, der zum Industriebedarfe in keinem Verhältnisse stand. Somit mag also die Konkurrenz der Erzeuger untereinander eine nicht zu unterschätzende Rolle bei den schlechten Geschäftsperioden spielen und zur Verschlimmerung der Geschäftslage wesentlich beitragen. Ein zweiter, viel größerer Uebelstand ist der in der Gablonzer Gürtlerindustrie sich von Jahr zu Jahr stärker entwickelnde Schleichhandel mit Gürtlerwaren. Der Schleichhandel für die Gablonzer Glaskurzwarenindustrie ist für die Industrieentwicklung annähernd von derselben schädigenden Wirkung, wie das Leih- und Pfandhauswesen für die Feinmetallwarenindustrie. Ich hatte schon des öfteren Gelegenheit, in der Fachpresse verschiedentlich auf den unermeßlichen Schaden, den der Schleichhandel in allen Industriezweigen anrichtet, hinzuweisen und glaube, mir diesmal eine eingehendere Schilderung dieses im Handelsstande rechtlich geschützten Industriediebstahls ersparen zu können. Erwähnen will ich nur, daß die Gablonzer Gürtler, wenn sie jedesmal den sie besuchenden, den Schleichhandel betreibenden fremden Reisenden Tor und Tür wiesen, der Gürtlerindustrie und den damit verbundenen Interessenten einen unschätzbaren Dienst erweisen würden. Die gewöhnlich unter dem üblichen Verkaufswert abgegebenen Warenreste werden von den Schleichhändlern in der Welt wieder billig verkauft und der Käufer, der oftmals für die der Ware mitunter anhaftenden Fehler kein Verständnis hat, will dann auch seinen übrigen Bedarf in der billigen Preislage decken, und die Folge davon ist jener die Artikel oft abschlachtende Preisdruck, der sozusagen als Fluch der bösen Tat auf die Gablonzer Gürtler zurückfällt. Die Gablonzer Gürtlerwaren, die, wie alle Kurzwaren, im hohem Grade der Mode unterworfen sind, zeigten auch im Geschäftsjahre 1905 eine überaus reichhaltige Bemusterung. An den wirklich gangbaren Artikeln hatten jedoch nur einzelne Gürtler Anteil, und zwar, weil diese einesteils das gerade begehrte Genre trafen oder auch Neuheiten auf den Markt brachten, die infolge geschmackvollen Aussehens ebenfalls reichlichen Absatz fanden. In Krawattennadeln war der Absatz ein sehr geringer, jedenfalls weil die Nadelköpfe aus Glas reichlich ersetzt wurden. In Broschen und Hutschmuck herrschte mitunter ziemliche Nachfrage. Insbesondere bildeten die sogenannten „gebohrten Sachen“ einen gern gesuchten Artikel, da die Ware eine ganz besondere Feinheit aufweist, welche dadurch erreicht wird, daß die Kessel oder Fassungen nicht aufgelötet, sondern aus starkem Metalldraht gebohrt werden. Derartige gebohrte Sachen werden von einzelnen Firmen auch aus edlen Metallen hergestellt, und werden oft die zierlichsten Schmucksachen in täuschender Aehnlichkeit nachgeahmt. Jedenfalls steht dieser Artikel aber noch im Zeichen der Entwicklung und Vervollkommnung und verspricht, in kurzer Zeit eine günstige Geschäftsperiode herbeiführen zu helfen. Die Neuheiten in Hutschmuck konnten nicht den erwünschten Anklang finden. Libellen, Falter, Käfer usw., auch geschmackvolle Phantasiemuster fanden zwar, wenn auch in geringen Mengen, immerhin noch ihre Käufer, jedenfalls dürfte aber der Ab satz im Jahre 1906 noch weiter zurückgehen, da die überall auftauchenden Schmelzverzierungen die Gürtlerware für einige Zeit verdrängen werden. In Broschen, Ohrringen und Anhängern scheint hingegen der Bedarf zu steigen. Aber auch für die sogenannte Schwarzgürtlerei, welche seit langem brach darniederliegt, dürfte die Frühjahrssaison eine günstige Wendung mit sich bringen, da bekanntlich bei erhöhtem Bedarf an Schmerlzperlverzierungen auch der Bedarf an Gablonzer schwarzen Glasbijouteriewaren steigt Wünschenswert wäre es, wenn das kommende Jahr wenigstes einigermaßen bessere Zeiten für die Gürtlerindustrie zeitigen würde, damit dieselbe nicht durch längeren Stillstand in ihrer Forten" wicklung gehemmt wird, da sie ja ohnehin durch den bestehende" Wettbewerb von Frankreich usw. zu leiden hat.

Die Versammlung der Gehäusemacher goldener Uhren in Chaux de Fonds beschloß wiederum eine Preiserhöhung um 10–20% je nach dem Erzeugnis.

Eine Ausstellung von 38 0riginalarbeiten des Pariser Schmuckkünstlers Ren é Lalique fand kürzlich in Berlin statt. Der Firma Keller & Reiner war es gelungen, diese 38 Stücke umfassende Kollektion, bestehend aus Diademen, Kolliers, Ketten, Armbänder, Schnallen und Ringe, zur Ausstellung zu erhalten. Es konnte nur dadurch ermöglicht werden, daß die Firma Keller & Reiner die Verpflichtung einging, für die Uebernahme sowohl, wie für die Rücklieferung der wertvollen Schmuckstücke einen eigenen Vertrauensmann zu entsenden.

Vom Ausstellungswesen. Die Anmeldungen zur JubiläumsKunstgewerbe – Ausstellung in Karlsruhe laufen sehr zahlreich ein. Um es zu ermöglichen, die Ausstellung auf breite Basis aufzubauen, wurde an Stelle des Kunstgewerbe-Museums das Markgräfliche Palais zur Verfügung gestellt. – An der nächsten Dresdener Kunstausstellung beteiligen sich auch eine ganze Anzahl Bijouteriefirmen von Schwäb. Gmünd. Es sind dies die Firmen Ehrhard & Söhne, Ott & Cie., Schoch & Frank, Louis Böhm, Gustav. Hauber, Forster & Graf, Wilhelm Binder, Gebr. Deyle, Gebr. Kühn und Albert Holbein, sämtlich aus Schwäb. Gmünd.

Personalien und Geschäftsnachrichten.

Firmen-Aenderungen. Die Firma R. & F. Birnstiel, Hofjuwelier in Koburg ist vom 1. Januar ds. Js. ab in Fritz Birnstiel umgeändert worden. – In die Firma M. Holzer-Pforzheim ist Herr Kaufmann Rich. Kohn als Teilhaber eingetreten. Unter der neuen Firma A. Holzer & Co. haben die Herren jetzt außer der Kettenabrikation auch die Herstellung von Bijouterie in Doublé und unecht eingeführt.

Firmen-Eintragungen. Am 31. Januar ds. Js wurde die Firma „lsis-Werke, Fabrik kunstgewerblicher Erzeugnisse, Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ mit dem Sitze in Nürnberg eingeragen. – Die Bijouteriefabrik Louis Friesinger in Pforzheim wurde eingetragen. Der Gesellschafter Theodor Friesinger ist am 8. Januar ds. Js. ausgetreten; die Gesellschaft ist aufgelöst; das Geschäft wird als Einzelfirma weitergeführt. – Die Bijouteriefabrik Peter Deines Söhne in Hanau. Der Kaufmann Friedrich Deines In Hanau ist als persönlich haftender Gesellschafter in das Geschäft eingetreten, und wird dasselbe von diesem und dem seitherigen Inhaber Friedrich Georg Deines in Hanau als offene Handelsgesellchaft seit dem 1. Januar ds. Js. unter unveränderter Firma fortgeührt. Die dem Kaufmann Friedrich Deines in Hanau erteilte Prokura ist erloschen. – Von der Edelstein- und Halbedelsteinschleiferei Änd -Handlung Phil. Schmidt in Idar ist folgendes eingetragen: Seit dem 1. Ä ds. Js sind die beiden Söhne des bisherigen alleinigen Inhabers der Firma, nämlich Kaufmann Ludwig Philipp Schmidt in Idar und Kaufmann Philipp Emil Schmidt daselbst, als gleichberechtigte Teilhaber in das Handelsgeschäft eingetreten. Jeder Gesellschafter ist befugt, die Gesellschaft allein zu vertreten und die Firma zu zeichnen. Offene Handelsgesellschaft seit dem Januar 1906. Die den beiden neu eingetretenen Teilhabern rüher erteilte Prokura ist damit erloschen. Die Firma ist geändert in „Ph. Schmidt“.

Geschäfts-Eröffnung. Herr Emil Seiser eröffnete in Pforzheim, Bahnhofstraße 21, ein Bijouterie-Exportgeschäft.

Geschäfts-Verlegungen. Die Firma Bernhard Stein in Frankurt a. M., Fabrik von Bijouterien und Juwelenarbeiten hat sich bedeutend vergrößert und ist demzufolge in die größeren Räume, Von Gr. Bockenheimerstraße 35 nach Gutsleutstraße 19 verlegt Ä0rden. – Herr Graveur Max Salm in Pforzheim verlegte sein Geschäft nach der Zerrennerstraße 37 III.

Todesfall. Unter zahlreicher und ehrenvoller Trauerbegleitung Wurde nach kaum 3tägiger Krankheit der in weitesten Kreisen beannte frühere Goldarbeiter, zuletzt Privatier, Ä Straub in ssau zu Grabe getragen. Der Verstorbene führte volle 43 Jahre Ät großem Fleiß und Geschick sein Geschäft. Mit Straub ist ein Repräsentant des alten Bürgertums dahingegangen.

Verschiedenes. Die Mechanische Similischleiferei A. Roy é & e, in Paris und Nantes gibt bekannt, daß ihre sämtlichen Smil-Erzeugnisse ausschließlich an die Firmen G. Buchter, Georg Freres und F. A. Schütt zum Wiederverkauf in Deutschländ gengen. – Die Maschinenfabrik Kar Bäßer & Cie in Pforzheim, die als Spezialität Bijouteriemaschinen erzeugt, hat infolge Äegerter Anforderungen eine abermalige Vergrößerung ihrer Ächäftsräume vornehmen müssen, um neuen Maschinen AufÄng gewähren zu können. Sie hat für ihre Bureaus, Kienle"abe 8, entsprechende Lokalitäten gemietet.

Aus Innungen und Vereinen.

Freie Vereinigung der Gold- und Silberschmiede zu Görlitz. In die Sitzung am 7. Februar a. c. brachte Kollege Finster die Nachricht, daß am 18. Januar ds. Js. vom hiesigen Schöffengericht, wo F. als Zeuge vernommen wurde, der Händler Israel Mandel Strymber genannt Ramiel (Aufenthalt unbekannt) wegen Uebertretung zu 96 Mk. Strafe, eventuell 16 Tage Haft, verurteilt wurde. Genannter Kollege stellte im November 1903 Strafantrag gegen Strymber wegen Hausierens mit Goldwaren in einem hiesigen Restaurant. Ein Polizeibeamter hat diesem Hausierer tags darauf in einem anderen Restaurant, wo er ebenfalls seine Waren zum Kauf anbot und der Beamte Str. Papiere nicht ganz in Ordnung fand, verhaftet. Nach etwa 20 Stunden wurde Str. wieder entlassen und jetzt nach 2 Jahren 2 Monaten erfolgt schon die Verurteilung. Nichtsdestoweniger werden wir auch für die Folge ein wachsames Auge auf den Hausierhandel haben. Die von Herrn Dieben er s. Z. bezogenen Postkarten, auf denen um Abholung längst fertig gestellter Reparaturen ersucht wird, haben sich aufs beste bewährt und werden gern benutzt. Der in der „Deutschen Goldschmiede-Zeitung“ veröffentlichte Vortrag des Herrn Fischer über Rubine Rekonstitue gab Veranlassung zu interessanter Aussprache und Debatte. Echte sowohl, als Rekonstitue waren zum Vergleich seitens des Vorstandes mitgebracht. Bei angestelltem Versuch hat sich ergeben, daß Rekonstitue ebenso ein leichtes Glühen und das Färben ihrer goldenen Fassungen vertragen, als echte Rubine. Es ist sehr zu befürchten, daß das gegenwärtig beste Merkmal „die kleinen Blasen“ durch Verbesserung in der Fabrikation schließlich wegbleiben, dann heißts: Goldschmied sei auf deiner Hut. Mancherlei Beachtenswertes hielt die Kollegen in anregender Weise und gemütlicher Stimmung noch lange zusammen. Nächste Sitzung 7. März a. c.

Der Verein der Juweliere, Gold- und Silberschmiede des Regierungsbezirks Frankfurt a. 0. hielt am Sonntag, den 4. ds. Mts. in Frankfurt seine Generalversammlung ab. Es waren die Städte Frankfurt, Fürstenwalde, Kottbus, Züllichau und Küstrin vertreten. Der Vorsitzende eröffnete die Sitzung mit der Verlesung des Vereinsberichtes. Dieser ergab eine erfreuliche Weiterentwicklung des Vereins. Der bisherige Vorstand wurde wiedergewählt. Es erfolgten dann noch einige kleine fachwissenschaftliche Vorträge, woran sich eine recht interessante Aussprache knüpfte. Die im Mai stattfindende Quartalssitzung soll wieder mit einer Ausstellung selbst gefertigter Arbeiten verbunden werden.

Von Kunstgewerbeschulen.

Die Kunstschule in Genf erfreut sich, nach einem uns von der städtischen Verwaltung zugegangenen Bericht des vergangenen Jahres, eines regen Besuches. Dieselbe ist im Laufe des Jahres 1905 von 532 Schülern, davon 130 Ausländer, besucht worden. Die Schule wird von der Stadt Genf subventioniert, und werden bei Aufnahme der Schüler keine Unterschiede der Nationalität gemacht; daher erklärt sich der hohe Prozentsatz von Ausländern in derselben. Der Unterricht wird von Handwerkern und Lehrlingen sehr besucht, die letzteren werden durch Gesetz dazu gezwungen, darunter viele junge Goldschmiede, Graveure, Ziseleure, die daselbst im Zeichnen und Modellieren sich ausbilden und die so erlernte Ausbildung für ihr Handwerk verwerten. Der Erfolg davon bleibt nicht aus; die Genfer Goldschmiede sind tüchtige und solide Arbeiter. Leider nimmt dort die Zahl der Lehrlinge immer mehr und mehr ab, so daß für Nachwuchs nicht gesorgt ist.

Geschäftliche Mitteilungen.

In Form eines Briefes, adressiert: „An jeden Leser dieser Zeitung“, enthält unser Blatt heute ein Inserat der Firma Auras & Wilke, Berlin W. 8, Kronenstraße 31. Genannte Firma richtet darin an die Leser das höfliche Ersuchen, sich bei Bedarf in SchaufensterDekorations-Utensilien, Schaufenster- und Laden-Einrichtungen usw. den großen illustrierten Hauptkatalog kommen zu lassen, der kostenlos versandt wird; derselbe enthält viele Gegenstände, die er zur geschmackvollen Dekoration seiner Schaufenster haben muß. Ganz besonders empfehlenswert ist der Katalog für diejenigen Firmen, die irgend eine Veränderung ihres Geschäfts, sei es Umbau, Vergrößerung, Umzug, Eröffnung einer Filiale usw. vorhaben, und gibt viele darauf Bezug habende Anregungen. Die Firma hat sich bereit erklärt, Auskünfte, wie bestehende unmoderne Geschäftslokale ohne viele Kosten modernisiert werden können, unentgeltlich zu geben, und wird dies gewiß manchen Leser veranlassen, sich dieserhalb mit der Firma Auras & Wilke, Berlin W. 8, Kronenstraße 31, deren Ruf sehr bekannt ist, in Verbindung zu setzen.

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