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Aus Innungen und Vereinen.

Ohne Aufmunterung keine Kunst. Auf den beliebten einsamen Inseln in einem stillen Ozean wären ein Mozart, ein Raphael Landbauern geblieben. Schumann.

Akademische Verbindung „Cellini“, Hanau. Es ist eine hübsche Gepflogenheit, die sich auf der Hanauer Akademie unter deren Schülern eingebürgert hat, daß sich die zumeist von auswärts kommenden jungen Kunstgewerbler unter der Fahne obiger Vereinigung zusammenfinden, um darin einen gegenseitigen geistigen Rückhalt zu haben, der sie zu ernstem Streben ermuntern soll. In diesem Sinne ist die Verbindung „Cellini“ im Jahre 1892 gegründet und bisher auch diesen Prinzipien treu geblieben. Eine Menge früherer Mitglieder, die alle in Hanau die edle Kunst studierten, sind nun in der Welt zerstreut, der eine hier, der andere dort. Aber sie bleiben dem Vereine, dem sie angehörten, treu und halten noch immer Fühlung mit ihm, so daß sich seine Mitgliederzahl von Jahr zu Jahr erhöht. Diese Verbindung hielt nun am Sonnabend, den 4. November, im Restaurant „Karlsberg“ ihre Semesterantrittskneipe ab, zu welcher außer den Alten Herren auch zahlreiche Ehrengäste, unter anderem einige der Herren Lehrer von der Akademie erschienen waren. In einer kurzen Ansprache wies Herr Akademielehrer Reisner auf die guten Beziehungen zwischen Lehrer und Schüler hin und ermahnte die Jüngeren, sich der Verbindung anzuschließen, damit der Baum des Kunstgewerbes weiter wachse, blühe und gedeihe! – Von Frankfurt waren mit ihrem Vorsitzenden etwa zehn Mitglieder des „Schnörkel“-Vereins jetziger und ehemaliger Studierender der Kunstgewerbeschule Frankfurt anwesend; außerdem eine Deputation des Technischen Vereins „Chattia“. Das geräumige Lokal faßte die Menge der Teilnehmer kaum. Die Kneipe nahm einen sehr angenehmen Verlauf. Reden und Toaste wechselten ab mit vertrauten Burschenliedern. Der neugewählte Vorsitzende (Herr Heinz A. Dintelmann-Hanau) verlas einige eingetroffene Begrüßungstelegramme, welche allseitigen Beifall fanden, da dieselben von alten Freunden Grüße brachten. Ferner dokumentierte der Vorsitzende die ernsten Bestrebungen der Verbindung, indem er den Wunsch aussprach, daß das neue Semester in bezug auf künstlerische Regsamkeit sich früheren Jahrgängen würdig anschließt, wie sie auch in burschenschaftlich froher Weise die alte Devise: „Treue dem Freunde, Liebe zur Kunst!“ hochhalten solle! – Es sei noch an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß der Verein am Montag, den 3. Dezember, sein 13jähr. Stiftungsfest begeht.

Der Bayerische Kunstgewerbe-Verein in München eröffnete am 6. November die Wintersaison. Nach einigen einleitenden Worten des I. Vorsitzenden, Prof. Pfeifer, wurde für den verstorbenen Hofjuwelier Merk eine einfache Bronzetafel zur Erinnerung an das verdienstvolle Wirken des Verstorbenen um den Verein enthüllt. Der Verein beschloß an den Feierlichkeiten zur Grundsteinlegung des Deutschen Museums teilzunehmen. Kunstmaler Otto Lohr entwarf die Embleme der kunstgewerblichen Gruppen, die von Lehrlingen in ihrer Arbeitskleidung getragen wurden.

Freie Vereinigung der Gold- und Silberschmiede zu Görlitz. Vor Eintritt in die Tagesordnung der Sitzung am 7. Novbr. d. Js. gedenkt der Vorsitzende, Kollege Finster, in ehrenden Worten des am vorhergegangenen Tage stattgefundenen 50jährigen Geschäftsjubiläums der Firma R. Höer, Herzoglicher Hofjuwelier. Den Inhabern der Firma, Herren Gustav und Oskar Höer, sind hierzu die herzlichsten Glückwünsche als Zeichen freundschaftlicher Kollegialität seitens des Vorstandes am 6. Novbr. in würdiger Weise übermittelt worden. Die gemeinsame WeihnachtsAnnonce wird, wie in früheren Jahren, in den hiesigen Tagesblättern erscheinen. Der Ortsverein der Goldarbeitergehilfen (H. D.) bittet durch seinen Vorstand, nachdem bereits in den beiden größten hiesigen Betrieben guter Erfolg zu verzeichnen war, um I. eine einheitliche Arbeitszeit, II. Sonnabend Abends um 6 Uhr Schluß in allen Geschäften, III. Mittagspause von 12 Stunde durchweg, IV. Aufschlag von mindestens 25% für Überstunden,

V. Lohnerhöhung von 5% eventl. Festsetzung eines bestimmten Lohnsatzes.

Längere Auseinandersetzungen bekunden, daß die Bitten in wohlwollende Erwägung zu ziehen sind, daß es aber jedem einzelnen überlassen bleiben muß, sich mit seinem Personal des Näheren darüber zu verständigen. Die Prüfung der Reparaturen liste, die bald nach Begründung unserer Vereinigung aufgestellt, gab Gelegenheit zu mancherlei Abänderungen. Einheitliche Verkaufspreise goldener Trauringe zu erzielen war von jeher lebhafter Wunsch des Vorstandes, ohne auch diesmal zu einem endgültigen Resultat zu gelangen. Die Exempel der Ladengoldschmiede stimmen eben nicht überein mit dem hier mitsprechendem Faktor. Wegen sehr vorgerückter Stunde, die infolge des anregenden Meinungsaustausches allzu schnell erreicht, mußten verschiedene, ebenfalls wichtige interne Angelegenheiten späterer Zeit vorbehalten bleiben. Nächste Sitzung am 9. Januar 1907.

Mitteilungen aus dem Geschäftsverkehr. (Außer Verantwortlichkeit der Redaktion.)

Das Schlangenarmband. Wenn unsere Leser den Frage- und Antwortkasten unserer „Deutschen Goldschmiede-Zeitung“ eifrig studieren, so werden sie finden, daß besonders in letzter Zeit eine große Nachfrage nach Schlangenarmbändern stattfand. Das ist gewiß ein Zeichen dafür, daß unserer Bijouteriefabrikation ein neuer Artikel blüht: Das Schlangenarmband! Wem sollte es auch nicht gefallen, dieses Band, das sich um den Arm eines anmutigen Mädchens in sanften Windungen schmiegt? Es wäre daher sehr - zu wünschen, daß dieses neue SchmuckStück recht in Auf- nahme käme. – Nun haben sich auch bereits Verschiedene Firmen bemüht, diesem neuen Schmuckstück mehr ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden und davon neue Muster gebracht. Die Firma Kirchgässner & Kraft, Alpakkawarenfabrik in Pforzheim, erzeugt das Armband in Alpakka (garantiert weiße Unterlage) zu billigsten Preisen (einreihig, zweireihig, dreireihig und vierreihig, siehe Inserat Seite 5), so daß es wohl ein leicht verkäuflicher Artikel werden wird, während die Firma Ott & Cie., Bijouteriefabrik in Hanau a. M. (siehe Inserat Seite 35), die Armbänder in besserem Genre in Gold und Silber auf den Markt bringt. Wir verweisen unsere Leser bei Bedarf auf diese beiden Firmen. Der Artikel wird gewiß für die Weihnachtszeit ein äußerst gangbarer werden.

Preisausschreiben.

Der Verein für religiöse Kunst in der evangelischen Kirche E. V. in Berlin wünscht geeignete Entwürfe für Altargeräte Kelch, Abendmalskanne, Patene zu erlangen. Die Entwürfe sind in natürlicher Größe zu halten. Es wird mehr Wert auf eine schlicht materialgemäße und sachliche Form als auf Ornamentschmuck gelegt. Ein bestimmter Stilcharakter wird nicht vorgeschrieben; dagegen ist anzugeben, in welchem Material die Ausführung gedacht ist und zu welchem Preise etwa die Ausführung erfolgen soll. Die Zeichnungen sind bis zum 15. Januar 1907 mit Motto an den Schatzmeister des Vereins, Herrn Verlagsbuchhändler W. E Ernst, Berlin W., Wilhelmstr. 90, mit der Bezeichnung „Preisausschreiben“ einzusenden. I. Preis 125 Mk., II. Preis 100 Mk., III. Preis 75 Mk. Weitere Ankäufe für den Preis von 30 Mk. sowie Ausstellung und Veröffentlichung der Arbeiten behält sich der Verein vor. Die preisgekrönten Zeichnungen werden Eigentum des Vereins. Das Ausführungsrecht verbleibt dem Künstler. Preisrichter sind die Herren Generalsuperintendent D. Koehler, Geheimer Baurat R. Schultze, Maler M. Kutschmann, Otto Proll, Goldschmied, Schulz, Konsistorialrat.

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Für Export und Import.

Deutschland: Zollwesen. Mitteilungen über unrichtige Waren bezeichnungen. Messing – Metallwaren Tarifnr. 884/5. Bei einem Steueramt werden häufig Postsendungen einer Firma in Wien mit der Inhaltsangabe „Messing“ zur Abfertigung gestellt. Die Sendungen enthalten aber Zigarettentäschchen aus versilbertem Messing – Tarifnr. 885, Zollsatz 120 Mk. für 1 Doppelzentner – und Uhrketten aus vergoldetem Messing in Verbindung mit baumwollenem Gewebe – Tarifnr. 884, Zollsatz 175 Mk. für 1 Doppelzentner. Die mangelhafte Inhaltsangabe wird offenbar gewählt, um die Zollbeamten irre zu führen.

Deutsches Reich: Zolltarifentscheidungen. Schmucknadeln. Zu Tarifnr. 762. Die als „Hutnadeln“ bezeichneten Warenproben stellen sich als ungefähr 20 cm lange eiserne Hutnadeln dar. Am oberen Ende der Proben 1–4 sind auf ringförmigen Metallansätzen kugel- oder birnenförmige, im Durchmesser ungefähr 2 cm große, durchsichtige Glassteine mit facettenartig gepreßter Oberfläche angebracht. Die Glassteine erscheinen bei Probe 1 wasserhell, bei den Proben 2–4 sind sie edelsteinähnlich (amethystlila, tiefblau und lichtgrün) gefärbt. Bei Probe 5 befindet sich am oberen Ende ebenfalls auf einem Messingansatz eine undurchsichtige, metallisch glänzende Glaskugel, auf der in einer Vertiefung ein weißer durchsichtiger nach Art der Similidiamanten geschliffener Glasfluß von 6 mm Durchmesser befestigt ist. Die Nadeln erhalten durch die Glassteine (Proben 1 bis 4) und durch den unechten Edelstein (Probe 5) den Charakter als Schmucknadeln. Sie sind daher wie feine Waren aus den zur Herstellung verwendeten Stoffen zu tarifieren. Da der Kopf den Nadeln den Charakter als Schmucknadeln verleiht, sind sie als feine Waren aus Glassteinen oder Glasflüssen in Verbindung mit unedlen Metallen zu 60 Mk. für 1 D.-Z. zu verzollen. (Herstellungsland: Österreich-Ungarn)

Bolivien: Zolltarif. Nach dem neuen durch Gesetz vom 31. Dezember 1905 festgesetzten Zolltarif zahlen alle aus dem Auslande kommenden Natur- oder Erwerbserzeugnisse bei der Einfuhr nach Bolivien einen Zoll von 30% vom Wert mit Ausnahme bestimmter aufgeführter Gegenstände, von denen wir als unsere Branche besonders interessierend hervorheben: 40% vom Wert zahlen: Stöcke mit Griffen aus Silber oder feinen Steinen, Saugröhren („bombillas“) aus Gold. – 35% vom Wert: Toiletten necessaires. – 25% vom Wert: Nicht besonders angegebene Gegenstände aus Stahl, Eisen, Bronze oder Kupferdraht, Silber, nicht besonders benannte Bronzewaren, Halsschmuck aus Glas, Bestecke aus unedlem Metall, große und kleine Löffel, Fingerhüte vernickelt, versilbert oder aus Doublé, plattierter unechter Schmuck, Bleistift- und Federhalter aus gewöhnlichem Metall, Posamentierwaren aus unedlem Metall oder Silber, Neusilber oder Nickel, nachgeahmte Edelsteine, unechtes Blattgold und Blattsilber in Heften, Taschenuhren. – 10% vom Wert zahlen: Nicht näher bezeichnete Gegenstände aus Gold, Schmelztiegel für Untersuchungen (Kapellen), nicht besonders bezeichnete Geschmeide, Bleistift- und Schreibfederhalter aus Gold und Silber, gewalztes Gold für Zahnärzte. – 3 % vom Wert zahlen: Perlen, Edelsteine. Beachtenswert ist Artikel 16 des Gesetzes, nach dem der Schätzung unterworfene oder nicht besonders im Tarif aufgeführte Waren nach dem für sie am Platz herrschenden Großhandelspreise abgeschätzt werden. Als Grundlage für die Berechnung dient die betreffende Konsulatsfaktura mit einem Aufschlag von 20% für Fracht und Unkosten vom Ursprungsorte ab, sofern die genannten Kosten nicht schon in der Faktura inbegriffen sind. Wird die Konsulatsfaktura nicht vorgelegt oder deuten Anzeichen darauf, daß die vorgelegte Faktura nicht den Tatsachen entspricht, so ist der Berechnung der Großhandelspreis der Ware am Platz mit 30% Ermäßigung zugrunde zu legen. Wenn der in der Konsulatsfaktura angegebene Wert offenbar geringer ist als der wirkliche Wert der Ware, so knnn der Fiskus die Ware auf seine Rechnung für den angegebenen Preis gegen sofortige Bezahlung des Betrages erwerben. Die Ware ist zu versteigern. Unter „unedlem Metall“ sind im Tarif alle Metalle außer Gold, Silber und Platina zu verstehen!

Wenn nach den Zahlen der Hamburger Statistik über den Export nach Chile gerechnet werden kann, so ist die Befürchtung, daß das stattgefundene Erdbeben eine längere Unterbrechung der Beziehungen zwischen Pforzheim und dem südamerikanischen im Gefolge haben könnte hinfällig. Der Export über Hamburg belief sich im Monat Oktober auf 6277566 Mk. gegen 3683936 Mk. im gleichen Monat des Vorjahres.

Von Kunstgewerbeschulen.

Dem Professor an der Kunstgewerbeschule in München, Karl Wahler, wurde vom Prinzregenten Luitpold von Bayern die k. Ludwigsmedaille, Abteilung für Wissenschaft und Kunst, verliehen. – Mit der Entschließung des Großh. Ministeriums des Innern wurde dem Zeichenlehramts-Kandidaten Aug. Wehrle am Großh. Gymnasium in Karlsruhe die etatmäßige Amtsstelle eines Gewerbelehrers an der Gewerbeschule (Goldschmiedeschule) in Pforzheim übertragen.

Vom Kunsthandwerk.

Im Kunstgewerbe - Museum zu Frankfurt a. M. ist zurzeit in einer Sonderausstellung eine Ringsammlung aus Privatbesitz ausgestellt, welche außergewöhnlich wertvoll und reichhaltig ist; weist dieselbe doch zirka 1200 Stücke in 33 Kassetten verteilt auf und muß man diese Sammlung wohl als einzig dastehend bezeichnen. Von den Zeiten der alten Ägypter bis zum 19. Jahrhundert sind Ringe vertreten und ist es interessant, den Schmuckring in seiner Charakteristik durch diese Zeit zu verfolgen. Da findet man in Kassette Nr. 1 altägyptische Ringe aus Bronze, Ton und Glas, Siegelringe, symbolische Ringe und Mumienringe. In Kassette Nr. 2 prähistorische Ringe, ägyptische, etruskische und griechisch-italische Ringe in Gold. In Nr. 3–5 griechische Goldringe. Nr. 6 weist griechische und römische Ringe auf; in Bronze und Silber. Nr. 7 birgt römische Goldringe. In Kassette Nr. 8 sieht man römische und gallisch-römische Ringe in Gold. In Nr. 9 wieder römische Ringe; in dieser Kassette fallen dem Beschauer besonders ein Schauspielerring auf, welcher eine in Stein geschnittene Maske zeigt und drei Bogenspannringe aus Stein und Elfenbein. Nr. 10 zeigt wieder römische und gallisch-römische Bronze- und Silberringe, Nr. 11 römische Ringe, Kassette Nr. 12 merowingische, fränkische und gotische Goldringe und sind hier wieder die Maltheserringe besonders hervorzuheben. In Nr. 13 finden wir Zeremonienringe, Bischofsringe, welche durch lhre Eigenart und Größe auffallen; darunter der goldene Fischerring Papst Pius IX. Nr. 14 zeigt uns das Mittelalter, Bronze- und Silberringe. In Nr. 15 sieht man jüdische Trauringe des 15.–18. Jahrhunderts, welche wieder durch ihre Eigenart auffallen. Belötungen und Filigran spielen bei diesen Ringen eine große Rolle. In Kassette Nr. 16 ist das 16. Jahrhundert vertreten, und zwar in Eisen-, Niello- und Goldringen. Nr. 17 und 18 weisen Gold-Emailringe der Renaissancezeit auf. Nr. 19 Gold-Emailringe und ist unter diesen besonders ein einfacher, schlichter Ring in Form unserer jetzigen Trauringe, welcher innen und außen mit reizenden Figuren in Email auf weißem Grunde bemalt ist. In Nr. 20 sind Verlobungs- und symbolische Ringe derselben beiden Jahrhunderte, in Kasten Nr. 21 Girardinetti aus dem 17. Jahrhundert. In Nr. 22 ist das 16. und 17. Jahrhundert und in Nr. 23 und 24 das 17. und 18. Jahrhundert vertreten. Symbolische Eisen-, Bronze- und Silberringe aus der Zeit des 16.–18. Jahrhunderts sieht man in Kassette Nr. 25. Nr. 26 zeigt uns französische und italienische Arbeiten aus dem 18. Jahrhundert, während in Nr. 27 deutsche und französische Arbeiten ausgestellt sind. Kasten Nr. 28 Ringe aus derselben Zeit. Miniaturenringe findet man in Kassette Nr. 29 und sind da wirklich reizende Sachen zu sehen. Ringe mit antiken Gemmen und Intaglien, meist aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts, sind in Nr. 30 untergebracht. Kasten Nr. 31 Bauernringe. Darunter mehrere mit gefaßten Hirschgranen. Nr. 32 orientalische Ringe und zum Schluß in Kassette Nr. 33 Ringe aus der Zeit der Revolution, der Befreiungskriege und aus dem Kriegsjahre 1870–1871. Unter den ersteren auch ein Napoleonsring.

Der 11. November war für die Deutschen in Buenos Aires (Argentinien) ein Volksfesttag, da an diesem Tage der Ruder-Klub „Teutonia“ sein Ruderfest abhielt. Der diesjährige Festtag war noch bedeutend dadurch verschönert, daß der deutsche Kaiser einen prächtigen, silbervergoldeten Pokal in Höhe von 45 cm stiftete, der in der letzten Nummer der „La Plata Zeitung“ abgebildet ist und einen äußerst vornehmen Eindruck macht. Zur Besichtigung ausgestellt war der Pokal im Laden des Herrn Juwelier Wüst (eines geborenen Pforzheimers) in Buenos Aires, der mit noch vier Brüdern seinem Vaterland und seiner Goldschmiedekunst alle Ehre macht.

Patente und Gebrauchsmuster für die Werkstatt.

44a. 172627. J. H. Nobis & Thissen G. m. b. H. in Aachen. Sicherheitsnadel mit zwei gegen ein an der versetzten Eintrittsöffnungen. Patentiert im Deutschen Reiche vom 6. Septbr. 1904 ab. Sicherheitsnadeln mit zwei gegeneinander versetzten Eintrittsöffnungen, von denen die eine durch Abbiegen einer die andere Öffnung verdeckenden Zunge aus der Wand der Schutzkappe gebildet ist, sind bereits bekannt. Sie besitzen aber den Übelstand, daß die Abwicklung der Schutzkappe Formen aufweist, die verhältnismäßig viel Materialabfall verursachen und deshalb einen großen Materialaufwand bedingen. Des weiteren ist die Befestigung der Kappe an der Nadel und das Abbiegen der Zunge eine umständliche und teuere Arbeit, weil sie das jedesmalige Einführen eines Dornes in die Kappe erforderlich macht. Zudem ist das Öffnen und Schließen dieser F12 f Nadeln, sofern die Seitenflächen _ * ihrer Kappen eben sind, infolge =- der geringen Federung der Zungen, mehr oder weniger mit Schwierigkeiten verknüpft. Die den Gegenstand der vorliegenden Erfindung bildende, auf der Zeichnung dargestellte Sicherheitsnadel beseitigt die gekennzeichneten Mängel dadurch, daß die Schutzkappe mit zwei seitlich gegeneinander verschobenen Eintrittsöffnungen a und b versehen ist, die am oberen Teil der Kappe in den sich in der Mitte dieser diametral gegenüberliegenden Aussparungen f endigen, sowie ferner dadurch, daß die Zungen parallel zu den “ Seitenwandungen und federnd angeordnet sind. Die Abwicklung der Schutzkappe erhält hierbei eine einfache Form (Fig. 1), welche sich gegenüber den Kappen der bekannten Nadeln durch geringeren Materialabfall und demnach durch ge1 ngeren Materialverbrauch auszeichnet. Durch die in Fig. 6 dargestellte Befestigungsweise der Schutzkappe an der Nadel und durch das damit gleichzeitig erfolgende Abbiegen der Zunge c und die gleichzeitige Bildung der Einführungsöffnung a fällt das jedesmalige Einführen eines Dornes in die Schutzhülse weg, weil die Abbiegung der Zunge aus der Seitenwand mittels eines Stempels d erfolgt, welcher die Zunge unmittelbar gegen den Drahtschaft e und parallel zu den Seitenwandungen bis zur Mitte der Schutzkappe preßt, ohne daß die übrigen Teile der Kappe Verdrückt werden. Auch können die Seitenwandungen der Kappe, weil die umgebogene Nadel durch die abgebogene Zunge seitlich sowohl wie nach unten hin genügend festgehalten Word, möglichst dünn gehalten werden. Infolge der geringen Dicke der Zunge sowie des Umstandes, daß diese vollständig "eliegend und parallel zu den Seitenwandungen angeordnet ist Änd von den in der Mitte der Kappe durchgehenden runden Äussparungen f beeinflußt wird, ist die erforderliche Federung der Zunge und hiermit ein leichtes Ein- und Austreten der Nadel*Poze durch die Eintrittsöffnungen gewährleistet.

Rechtsrat, Rechtsschutz für Goldschmiede. Wichtige gerichtliche Entscheidungen.

Singen und Pfeifen in der Werkstatt trotz mehrmaligen Verbots wurde vom Gewerbegericht Berlin als Grund zur sofortigen Entlassung des Gewerbegehilfen angesehen. In den Entscheidungsgründen führte das Gericht aus, daß der Arbeitgeber, sofern er in dem Singen und Pfeifen während der Arbeitszeit und in dem Arbeitsraume eine Störung erblicke, berechtigt sei, dem Arbeiter dieses Verhalten zu untersagen. Die Befolgung dieses Verbotes gehöre deshalb zu den den Arbeitern nach dem Arbeitsvertrage obliegenden Verpflichtungen und eine beharrliche Weigerung, dem Verbote nachzukommen, wäre ein gesetzlicher Grund, das Arbeitsverhältnis sofort aufzulösen. Das Gericht brachte bei dieser Gelegenheit ferner die Auffassung zur Geltung, wie es für den Tatbestand der beharrlichen Weigerung die Dienstpflichten zu erfüllen, nicht unbedingt darauf ankomme, daß zwischen den einzelnen Aufforderungen zu einer Handlung oder Unterlassung ein größerer Zeitraum liege, daß aber andererseits nicht ohne weiteres die Nichtbeachtung eines wiederholten Befehls in jedem Falle eine „beharrliche“ Weigerung sei. Das Wesen der beharrlichen Weigerung sei vielmehr in einer gewissen Nachhaltigkeit des Willens zu finden, den aus dem Arbeitsvertrage sich ergebenden Verpflichtungen nicht nachzukommen. Welchen Grad die Nachhaltigkeit des Willens erreicht haben müsse, um zum sofortigen Entlassungsgrund zu werden, hänge von der Beurteilung des einzelnen Falles ab.

Büchertisch.

Der Hauptmann von Köpenick hat nunmehr auch die verdiente künstlerische Verherrlichung gefunden. Der bekannte Berliner Romanschriftsteller Hans Hyan und sein nicht minder bekannter Kollege von der Griffelkunst, der Malerhumorist Paul Haase haben sich zusammengetan und unter dem Titel „Der Hauptmann von Köpenick, eine schaurig-traurige Geschichte vom beschränkten Untertanenverstand“, ein reizend ausgestattetes, mit zahlreichen mehrfarbigen Bildern geschmücktes Versbuch über den berühmten Räuberhauptmann erscheinen lassen, dessen schmuckes Titelbild wohl in den nächsten Tagen sich allseitig in den Schaufenstern präsentieren dürfte. Wer etwas Packendes und Witziges über den vielbesprochenen Fall lesen und sich an einer ganzen Anzahl prachtvoller humoristischer Bilder und Karikaturen erfreuen will, dem sei die Anschaffung des Buches, das im Verlage von Hermann Seemann Nachfolger, Berlin NW87, zum Preise von 1 Mk. erschienen ist, wärmstens empfohlen.

Neue Exportverbindungen.

Wir machen ausdrücklich darauf aufmerksam, daß die nachstehend abgedruckten Fragen wirklich an uns gestellt sind. Dafür übernehmen wir volle Garantie. Porto zur Weiterbeförderung der Antwort bitten wir mit beizufügen.

Fragen:

Frankreich. Frage 4. Welcher Fabrikant von Zinnwaren führt das Merkzeichen „Minerva“ ?

Frage- und Antwortkasten.

Für brieflich gewünschte Fragebeantwortung bitten wir das Porto beizufügen. Die Herren Fabrikanten, Grossisten und Detailleure werden in ihrem und Aller Interesse höflichst aufgefordert, von der allezeit kostenfreien Benutzung dieser Abteilung den ausgiebigsten Gebrauch zu machen, Fragen allgemeiner und technischer Art uns einzusenden und an deren Beantwortung sich zu beteiligen. Die Aufnahme einer Antwort erfolgt in jedem Einzelfalle auf ausdrücklichen Wunsch. Auch dieser Teil unseres Blattes ist dazu geschaffen, zur

gegenseitigen Belehrung beizutragen. –

Fragen:

Frage 723. Wer ist der Fabrikant von Silberbestecken, die nebenstehendes Warenzeichen tragen?

Frage 743. Bitte mir gefl. mitteilen zu wollen, wie man Aluminium rot und matt vergolden kann ? X. X.

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Der Vorstand und Ausschuß Deutscher Juweliere usw. hat sich in seiner letzten Sitzung am 28. Oktober 1906 eingehend mit der Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit der Juweliere zur Lagerei-Berufsgenossenschaft beschäftigt. Man war allgemein der Meinung, daß der Beruf der Juweliere, Gold- und Silberschmiede mit einer besonderen Unfallsgefahr nicht verbunden ist. Trotzdem erfolgte die Heranziehung verschiedener Firmen, die Proteste dagegen waren ohne Erfolg. Da nun aber das Gewerbe-Unfallversicherungsgesetz in den allgemeinen Bestimmungen ausdrücklich sagt: „Für Betriebe, welche mit besonderer Unfallsgefahr für die darin beschäftigten Personen nicht verknüpft sind, kann durch Beschluß des Bundesrates die Versicherungspflicht ausgeschlossen werden“, so wurde der Beschluß gefaßt, einen Antrag bei dem Bundesrat dahin zu stellen, daß genehmigt wird, daß die in unserer Branche beschäftigten Personen von der Versicherungspflicht ausgeschlossen werden.

Um nun einen diesbezüglichen Antrag ordnungsmäßig begründen und beim Bundesrat für die Zustimmung eintreten zu können, richten wir an unsere verehrlichen Mitglieder das höfliche Ersuchen, alles das, was sie über die Zugehörigkeit zur Lagerei-Berufsgenossenschaft bis jetzt an Erfahrungen gesammelt haben, an die Geschäftsstelle des Verbandes mitzuteilen.

Ganz besonders aber liegt uns daran, zu wissen, welche Personen in den letzten Jahren trotz des Mangels einer besonderen Unfallsgefahr zu Schaden gekommen sind.

Ebenso liegt uns aber auch sehr daran, aus den Betrieben zu erfahren, daß in einem gewissen Zeitraum Unfälle nicht vorgekommen sind.

Berlin, den 19. November 1906.

Verband Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede,

Berlin S., Oranienstraße 143. Fischer.

Nachdruck aus dem Inhalt vorliegender Zeitung ist nur mit Erlaubnis der Redaktion und unter genauer Quellenangabe gestattet.

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Probe-, Ansichts- und Auswahlsendungen an Goldschmiede
und ihre rechtliche Bedeutung.

m Handelsverkehr mit Gold- und Silberwaren sind Ansichtssendungen, Auswahlsendungen und Probesendungen nichts Außergewöhnliches. Der Goldschmied läßt sich vom Grossisten Auswahlsendungen kommen, um daraus seine Wahl nach seinem Ermessen treffen zu können. Er bindet sich bei der Bestellung nicht, und es kann ein Rechtsanspruch selbst dann gegen ihn nicht erhoben werden, wenn er die ganze Kollektion zurücksendet, ohne nur ein Stück auszuwählen. Dasselbe ist bei Ansichtssendungen der Fall, die sich rechtlich in nichts von den Auswahlsendungen unterscheiden. Der Goldschmied will sehen, ehe er bestellt. Die Annahme der begehrten Ansichtssendung verpflichtet ihn zu nichts weiter, als sich zu entscheiden, ob er etwas und was er etwa von der Sendung nach Besichtigung auswählen und behalten will. Streitigkeiten sind dagegen öfters entstanden, wenn es sich um „Probesendungen“ handelt. Hier taucht zunächst die Frage auf, ob in dem Wunsch einer Probesendung schon die Offerte zu einem Kaufabschluß und in welchem Umfang liegt. Es ist bei solchen Sendungen nach dem bürgerlichen Recht ein Unterschied zu machen zwischen einem Kauf auf Probe oder auf Besicht und einem solchen nach Probe oder MusterErsucht der Goldschmied den Grossisten ihm Ringe und Ketten auf Probe zu senden, so kommt § 495 des Bürgerlichen Gesetzbuches für das Rechtsverhältnis in Frage, welcher lautet: „Bei einem Kaufe auf Probe oder auf Besicht steht die Billigung des gekauften Gegenstandes im Belieben des Käufers. Der Kauf ist im Zweifel unter der aufschiebenden Bedingung der Billigung geschlossen.

Der Verkäufer ist verpflichtet, dem Käufer die Untersuchung des Gegenstandes zu gestatten.“ Bei einem solchen Kauf steht die Billigung des gekauften Gegenstandes also völlig im Belieben des Bestellers. Der Kauf gilt zwar als abgeschlossen, aber nur unter der Bedingung, daß die Ware dem Käufer gefallen wird. Es kann kein Zwang ausgeübt werden auf seine Entschließung und in dieser Beziehung gleicht die Sendung auf Probe oder auf Besicht der Ansichtsund Auswahlsendung. Der Goldschmied kann einfach erklären, daß er von der Abnahme der Ware absehe und er braucht nicht einmal einen Grund anzugeben, warum das geschieht. Er hat völlig freie Hand, sich zu entscheiden, wie er will. Das wird seitens der Grossisten, wie wir erst jetzt wieder aus einem Rechtsstreit ersehen haben, nicht immer berücksichtigt. Wie hat aber der Goldschmied mit der angenommenen Probesendung zu verfahren? In manchen Branchen, wie z. B. im Samenhandel, ist es handelsüblich, die Probe, wenn es sich um ein geringfügiges Quantum handelt, nicht erst zurückzugeben. Dies kann natürlich im Handelsverkehr mit Edelmetallwaren nicht Handelsbrauch werden. Der Goldschmied, der sich entschieden hat, die auf Probe bestellte Ware nicht zu behalten, hat die Pflicht, zunächst für ordnungsgemäße Aufbewahrung derselben Sorge zu tragen. Er darf die Goldwaren nicht etwa achtlos beiseite legen, sondern muß sie „pfleglich verwahren“, d. h. so, daß dieselben gegen Untergang oder Veschlechterung geschützt sind. Würde infolge nachlässiger Verwahrung die Ware leiden oder zugrunde gehen, so würde der Verkäufer vielmehr vom Käufer Schadenersatzfordern

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