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säure, und erhitzt dieses langsam bis zum Siedepunkt, so bilden sich weiße Nebel von Fluorwasserstoffgas; dieses Gas wird in ein mit Wasser versehenes, ebenfalls aus Blei oder Platin hergestelltes zweites Gefäß geleitet; das Wasser nimmt das Gas in sich auf und verbindet sich damit zu der Fluorwasserstoffsäure, auch Flußsäure und Flußspatsäure genannt. Wie aus dieser kurzen Angabe ersichtlich, ist die Selbstherstellung der Säure keineswegs so einfach, daß sie jeder Laie ohne weiteres ausführen könnte; es gehören besondere Apparate dazu und auch Kenntnisse in der Chemie; es ist jedenfalls mehr zu empfehlen, die fertige Säure zu beziehen, und es kann deshalb hier von einer genaueren Beschreibung der Herstellungsmethode abgesehen werden.

Eines aber sei hier von vornherein bemerkt, daß nämlich die Säure, sowie alle ihre Verbindungen mit anderen Substanzen und namentlich auch die Dämpfe der Säure auf den menschlichen Organismus eminent schädlich einwirken. Eingeatmet ruft sie schwere Erkrankungen der Lunge und des Halses hervor, kann unter Umständen selbst den Tod herbeiführen. Auf der Haut erzeugt die Säure schwer heilende und sehr schmerzhafte Brandwunden; es ist also bei allen Hantierungen mit der Säure und ihren Präparaten große Vorsicht geboten. Wenn trotzdem äußerliche Verletzungen entstehen, so wasche man die Wunde sofort mit viel frischem Wasser ab und wende dann als Mittel, um die trotz des Waschens noch etwa zurückbleibenden Spuren von Säure zu neutralisieren, eine Lösung von doppelkohlensaurem Natron in Wasser an. Bei Blasenbildung wird empfohlen, essigsaures Ammonium unter die Blase einzuspritzen; es dürfte aber geraten sein, dies nicht selbst zu tun, sondern es einem Arzt zu überlassen. Daß bei inneren Verletzungen infolge Einatmens der Säuredämpfe sofort ein Arzt zu Rate zu ziehen ist, bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung. Die Hände kann man übrigens gegen die Wirkung der Säure dadurch schützen, daß man Handschuhe oder doch wenigstens Fingerlinge aus Guttapercha (Kautschuk) benützt.

Die Fluorwasserstoffsäure greift aber nicht nur den menschlichen Körper in zerstörender Weise an, sie ist auch imstande, fast alle Metalle zu zerstören; nur Gold und Platin werden von der Säure gar nicht angegriffen, Blei wird zwar angegriffen davon, es bildet sich aber hierbei sofort eine Schicht von unlöslichem Fluorblei, die das Metall vor der weiteren Einwirkung der Säure schützt. Auch Kautschuk, sowie einzelne andere Substanzen organischer Herkunft, wie Asphalt, Paraffin, Wachs usw. werden von der Säure nicht angegriffen und bieten dadurch Hilfsmittel in der Anwendung der Säure. Die Zubereitung der Säure kann aus diesem Grunde nur in Blei- oder Platingefäßen erfolgen, ebenso kann sie nur in solchen Gefäßen oder Guttaperchaflaschen aufbewahrt und versandtgwerden.

Glasflaschen kann man für die Aufbewahrung der Säure präparieren, indem man das Innere der Flaschen mehrmals mit

armem Asphaltlack ausgießt; so inge die Asphaltschicht unversehrt bleibt, ist dabei nichts zu befürchten, sobald aber die Asphaltdecke eine Lücke erhält, durch die die Säure an das Glas gelangen kann, ist es um die Flasche geschehen, denn die Säure zerstört an der freien Stelle das Glas und zwar um so leichter, als die meisten Flaschen aus stark bleihaltigem Glase angefertigt werden, welches, wie schon gesagt, von Säuren stärker angegriffen wird als die anderen Glassorten. Man muß also, wenn man solche mit Asphaltlack ausgegossene Flaschen verwenden will, stets darauf sehen, daß der schützende Überzug unversehrt ist, und wenn man etwa Zweifel hat, lieber gleich noch einmal von 'neuem ausgießen, als so lange damit warten, bis es zu spät ist.

Die Fluorwasserstoffsäure bildet, wie eingangs erwähnt, den Ausgangspunkt für alle zum Glasätzen dienenden Präparate, wie sie auch bei allen das allein wirksame Prinzip ist. Ihre Wirk

samkeit beruht darauf, daß sie die Kieselsäure des Glases angreift und damit unlösliche Kieselfluorverbindungen eingeht; dieses und die Einlagerung dieser unlöslichen Verbindung in die aufgeätzten Flächen hat die Aufhebung der Transparenz des

ses zur Folge: das Glas wird att.

Beim Ätzen von Glas kann man nur in verschiedener Weise verfahren. Man kann das Glas den sich beim Übergießen von Flußspat mit Schwefelsäure bildenden Dämpfen aussetzen, man kann sodann die reine, nur mit Wasser entsprechend verdünnte Säure auf das Glas wirken lassen, und man kann endlich die Säure mit einem, an sich auf das Glas nicht wirkenden, daher gewissermaßen als Füll- oder Streckmaterial der Säure dienenden Mittel vermischen und in dieser Form anwenden. Letzteres Verfahren ist am meisten zu empfehlen und auch allgemein üblich, einmal weil die Säure allein zu teuer ist, dann weil durch die beigemischten Substanzen die enorme Schärfe und Schädlichkeit der Säure gemildert wird und weil endlich auch das Arbeiten damit einfacher und doch sicherer ist als mit reiner Säure.

Da dieses Vermischen der Flußspatsäure mit dem Zusatzmittel nichts anderes als eben nur eine einfache Mischung ist, so kann man es ganz gut selbst vornehmen; man bezieht also die Säure fertig von einer chemischen Fabrik und zwar am besten möglichst konzentriert, bewahrt sie in reinem Zustande und unter gutem Verschluß auf und bereitet sich das zum Ätzen dienende Präparat von Fall zu Fall frisch. Hat man Guttaperchaflaschen zum Aufbewahren, so ist es gut, sie an einen kühlen Ort, am besten in einen Keller zu stellen, da in warmen Räumen die Flaschen weich und biegsam werden, es ist dann schlecht damit zu hantieren.

Als Zusatzmittel zu der Säure kommen verschiedene Substanzen in Betracht; um einen ziemlich vollständigen Überblick zu geben, seien hier die gebräuchlichsten Mischungen angeführt; voraus bemerkt sei noch, daß zum Mischen kleinere Mengen, zum Schreiben z. B., ein ausgehöhltes Stück Paraffin benützt wird, für größere Mengen nimmt man bleierne oder hölzerne Gefäße, Eimer usw., die man auf der Innenseite (zweckmäßig mit geschmolzenem Paraffin oder Ceresin ausgießt.

Vornehmlich sind es mehrere Kohlensäure - Verbindungen kohlensaure Salze, die als Zusatz zur Flußsäure geeignet sind und zugleich mit dieser eigene Verbindungen eingehen, das kohlensaure Kalium, das kohlensaure Natrium und das kohlensaure Ammonium. Setzt man der Flußsäure kohlensaures Kali, im gewöhnlichen Leben als Pottasche bekannt, zu und zwar so viel, daß die Säure davon gesättigt ist, so bildet sich hierdurch Kaliumfluorid, auch Fluorkalium genannt. Ob die Säure gesättigt ist, erkennt man daran, daß kein Aufbrausen mehr stattfindet und ferner daran, daß Lackmuspapier davon nicht mehr in der bekannten Weise verfärbt wird. Wenn man diese Kaliumfluoridlösung eindampft, so bilden sich würfelartige Kristalle, die in trockenem Zustande aufbewahrt werden können und in Wasser leicht löslich sind.

Nimmt man anstatt der Pottasche kohlensaures Natrium (Soda) oder doppelkohlensaures Natron, so erhält man die Natriumverbindung des Fluors, Fluornatrium oder Natriumflorid genannt; nimmt man kohlensaures Ammonium, unter dem Namen Hirschhornsalz bekannt, so entsteht Fluorammonium. Beide Produkte können ebenso wie das Fluorkalium durch Abdampfen zum Kristallisieren gebracht und dann trocken aufbewahrt werden. Das Fluorammonium ist von besonderer Wichtigkeit, weil es Eigenschaften aufweist, die es für die sog. Trockenätzung besonders geeignet machen; hiervon wird später noch zu reden sein.

Setzt man einer gesättigten (konzentrierten) Lösung von einem dieser Fluorsalze ein gleiches Quantum reiner, ebenfalls konzentrierter Fluorwasserstoffsäure zu, so erhält man sehr wirksame Mischungen, das Fluorwasserstoff-Fluorkalium, Fluorwasserstoff-Fluornatrium, Fluorwasserstoff - Fluorammonium. Je

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nach der Art des gewünschten Effektes werden diese Verbindungen noch mit einem entsprechenden Quantum Wasser, manchmal auch noch mit einigen anderen Substanzen vermischt.

Zum gleichmäßigen Mattätzen von Glasflächen dienen folgende
Mischungen:

50 Gramm Fluorwasserstoffsäure,
50

Wasser, 100

Hirschhornsalz, 20

Essigsäure und 50

schwefelsaures Ammonium; oder 100 Gramm Wasser, 25

Fluorwasserstoff-Fluorkalium (kristallisiertes), 15

schwefelsaures Kali und 25

Salzsäure. Ein sehr weißes Matt erhält man (nach Buchners Lehrbuch der Chemie) durch Anwendung einer Mischung von

500 Gramm Wasser, 500

Fluorammonium, 50

schwefelsaures Ammonium, 100

konzentrierte Schwefelsäure und 5-100

Fluorwasserstoffsäure.
Die Wirkung der Mischung geht um so stärker vor sich, je

mehr Fluorwasserstoffsäure man zusetzt. Für helles Matt empfiehlt
Buchner:

250 Gramm Fluorkalium,
500

Wasser und

schwefelsaures Kalium, dieses zu mischen mit einer separat bereiteten Lösung von 60 g Salzsäure und 500 g Wasser, oder: 30 Gramm 50 proz. Fluorwasserstoffsäure,

essigsaures Natrium und 9

kalzinierte (getrocknete) Soda. Eine andere Mattätzflüssigkeit wird bereitet, wenn man in einem Gefäß in 200 g Wasser 100 g Fluorkalium oder Fluornatrium löst, in einem zweiten in ebenfalls 200 g Wasser 80 g schwefelsaures Kali. Sind in beiden Mischungen die Salze vollständig aufgelöst, so gibt man sie in ein Gefäß zusammen und setzt dann noch 60—70 Teile Salzsäure hinzu.

Hiermit sind Rezepte genug angegeben; einige andere, speziell für die Ätzung mittels Feder und Pinsel, werden bei der Besprechung des betreffenden Verfahrens angegeben werden. Bemerkt sei noch, daß unter „Wasser“ stets destilliertes oder reines Regenwasser zu verstehen ist und daß bei allen Mischungen das Auflösen der einzelnen Ingredienzien durch Umrühren mit einem Holzstab gefördert werden kann.

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Der Eigenbecher.

Der Weihnachtsbroschüre „Schmuck- und Mode - Almanach“ entnommen.

Wen

enn wir vor den hübschen Auslagen der Reiseutensilien-Ge zu welchen zwei Menschen genügen und zwölf fast zu viel

schäfte stehen und hier Gläser, Flaschen usw. in eleganten sind, wenn der Hausvater mit stillgeheimnisvollem Lächeln der Lederetuis betrachten, dann denken wir wohl zuweilen seufzend ältesten Tochter und Hüterin des Weinkellers einen besonderen der Bestimmungen für Hand- und Reisegepäck, die dem Men Schlüssel gab, der das Geheimkabinett der schönen Witwe schen nicht mehr gestatten, eine Habe mit sich zu führen, die Cliquot oder geistesverwandter Sektkobolde erschloß, dann seinem eigenen Durchschnittsgewicht auch nur annähernd ent stieg der silberne Becher mit seinen anderen Geschwistern zur spricht, und seufzen und verzichten auf die Annehmlichkeit, Tafel und jeder trank aus seinem Eigenbecher seine besonderen mit eigenem Trinkgerät zu reisen. Daß aber die Handhabung Gedanken und sein besonderes Gedenken. Wie ein feines, der Gläser und Tassen auf überfüllten Eisenbahnstationen ge kühles Blatt lag der Silberrand des Taufgeschenkes dann auf rade sehr antiseptisch und vertrauenerweckend wäre, wird nie meinen Lippen und die goldenen Sektperlen stiegen aus golmand behaupten. Wie wenige überlegen sich da, daß sie doch denem Grunde auf. Zuweilen trank auch ohl bei solchen einen „Patenbecher“ sicherlich haben, der, ohne den geringsten Gelegenheiten der Patenonkel aus dem Silberbecher auf des Schaden zu nehmen, ohne auch Koffer oder Tasche zu be Patchens Wohl, das noch in gänzlicher Unkenntnis solcher Gelasten, den Reisebegleiter spielen könnte. Ich reise, seitdem tränke schlummernd in den Kissen lag. Und jeder Festtag wob ich erfuhr, daß ein hübscher, vergoldeter Becher mir ganz neue, liebe Erinnerungen um solchen Silberbecher. Letzthin speziell seit meiner Taufe gehöre, nie mehr ohne diesen Becher. sah ich aber einen in den Händen einer Krankenschwester. Das sind mehr als zwanzig Jahre. Ich bin mit ihm durch „Er begleitet mich immer“, sagte sie, „wo ich auch zur Nachtmanche Choleragegend gefahren. Er ist mein Bierbecher in wache und Pflege bin. Er hat mich schon oft vor Fieber und Norddeutschland, dann spüle ich ihn aus zum sächsischen Ansteckungen bewahrt,“ und ich dachte lebhaft an die verschieKaffee, später dient er mir für tiroler Wein oder Chianti, den denen Male, wo ich mir den Kopf zerbrochen hatte, womit ich nicht lerne aus der Flasche zu trinken. Im Hotel ist er ich wohl solchem liebenswürdigen und aufopferungsvollen Gemein Wasserglas, denn ich traue diesen Wassergläsern nicht schöpf für seine Pflege und Hilfe eine Dankespflicht von Herzen die niemals ihre geschwisterliche Beziehung zum übrigen Wasch gern abgetragen hätte, ohne doch bei ihrer Anspruchslosigkeit gerät des Hotelzimmers verleugnen! Er ist mein Teebecher den rechten Rat dazu gewußt zu haben. Ja freilich, an solbei Nachtfahrten und bringt mir des Morgens den ersten, er chen Eigenbecher hatte ich wirklich noch nicht gedacht! Ich frischenden Trunk. Er hat sogar unterwegs schon als Vase hatte meinen Becher wohl durchs Gebirge im Rucksack gebesonders zärtlich gehegter Blumen gedient was läßt sich schleppt, um an den kühlen Quellen mit ihm zu rasten, hatte alles von ihm sagen! Nie ist er zerbrochen oder zerbeult in ihn oft im Übermut oben auf den Bergstock gestülpt, aber daß diesen zwanzig Jahren, immer erstand er wieder frisch geputzt er nicht nur im lachenden Sonnenschein, sondern auch im in neuem Glanze. Zuweilen aber, bei festlichen Gelegenheiten, Dämmerlicht der Krankenstube seinen Segen behalten könne insbesondere jenen stillen Festen der Familie oder der Freunde, daran hatte ich noch nicht gedacht!

M. L. K.-B.

Deutsche Armee-, Marine- und Kolonial - Ausstellung 1907. Vor zehn Jahren, auf der Berliner Gewerbeausstellung, war zum

hat, den Ausstellungsplan auch an dieser Stelle zu besprechen. ersten Male auch eine deutsche Kolonialausstellung größeren Auch für uns erschließt sich hier eine Möglichkeit zur BeStiles dem breiten Publikum vorgeführt worden. Seither sind teiligung, insofern, als die Fülle der verschiedenen Abzeichen in unseren Kolonien sowohl, als auch in unserer Heer- und in Metall, welche in der Armee, der Marine und den Kolonien Flottenorganisation so weitgreifende Veränderungen und Fort zur Verwendung kommen, für das Feinmetallgewerbe, namentlich schritte zutage getreten, daß eine abermalige, zusammen für die Graveure, ein nicht zu unterschätzendes Arbeitsgebiet fassende Schaustellung des ganzen Gebietes nicht unberechtigt darstellen. Auch die Fabrikanten für Bestecke, Tafelgeräte, Geerscheint. Zu zeigen, wie weit unsere Armee, Marine und die brauchsgegenstände jeder Art für Kasino- und Meße-EinrichKolonien gediehen sind, die Freude am Errungenen zu wecken, tungen usw. bietet sich ein großes Feld. Dazu kommen noch den Eifer für das noch zu Schaffende zu beleben, das sind die Medaillen, Fahnennägel, Ehrengeschenke, Ausstattungsstücke aller Motive gewesen, die den Plan zu einer Deutschen Armee-, Art, so daß sicher angenommen werden kann, auch die FeinmetallMarine- und Kolonial-Ausstellung 1907“ zur Tat reifen ließen. kunst werde bei der geplanten Ausstellung eine Rolle spielen.

Für die Ausstellung steht ein ungewöhnlich günstiges Ge Und es scheint uns ganz besonders wesentlich zu sein, daß biet bei Schöneberg bei Berlin zur Verfügung. Die ganze unsere Branche hier ihre Leistungsfähigkeit vorwiegend an Kalkulation ist so vorsichtig und genau aufgestellt, das Interesse, Gegenständen des praktischen Gebrauches, bzw. militärischer das sich in den Kreisen der beteiligten Geschäftswelt dafür Eigenart, zeigen wird. Es kann ihrem allgemeinen Ansehen gezeigt hat, ist ein so nachhaltiges, daß man mit Bestimmtheit nur förderlich sein, wenn einmal in die Erscheinung tritt, wie auf eine glückliche Durchführung des Unternehmens rechnen darf. vielfach ihre Erzeugnisse von der Armee-, Marine- und Kolonial

„Vom Schuhnagel bis zur Kanone soll die Ausstellung verwaltung verwendet und in Anspruch genommen werden. alles das umfassen, was in Krieg und Frieden zu Land und Die näheren Bedingungen und Angaben folgen an anderer zur See gebraucht wird, und von Nutzen ist. Und sie soll Stelle (siehe Inserat). Wir möchten hier nur nachdrücklich auf ferner vor Augen führen, in wie hohem Maße die schweren das Unternehmen hinweisen und alle Angehörigen unseres Opfer für die Kriegsrüstungen und die Kolonien befruchtend Faches, die in irgend einer Beziehung zu den angeführten Spezialauf Handel und Industrie einwirken und dem werktätigen Bürger gebieten stehen, zur Beteilung an der Ausstellung auffordern. in gleichem Maße in Gestalt von Arbeit und Verdienst wieder Kunst und Kunstgewerbe, die heutzutage in steigendem Maße zukommen.“ Dieser Satz des Arbeitsprogramms ist es, der die alle Lebensgebiete erobern, dürfen auch der Deutschen Armee-, Schriftleitung der „Deutschen Goldschmiede-Zeitung“ bewogen Marine- und Kolonial-Ausstellung nicht fern bleiben.

Die österreichische Fabrikation von Edelmetallwaren.

Von J. M. Turvóra, Wien.

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Jaß in der Juwelen- und Goldwarenbranche schon

seit einigen Jahren ein empfindlicher Rückgang
oder doch Stillstand fast auf sämtlichen Märkten
der Kulturländer festzustellen ist, bedarf heute ge-

wiß keiner besonderen Begründung. Man kennt die Ursachen in allen Fachkreisen; die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung hat sich nicht gebessert, die schweren Kämpfe der Erzeuger von Edelmetallwaren um ihre Existenz dauern fort, die Verhältnisse haben sich verschärft. In Österreich, wo die Erzeugung von Goldbijouteriewaren noch vor zehn Jahren äußerst gewinnbringend gewesen ist, trat eine bedeutende Abnahme des Absatzes ein; die Edelsteinpreise, insbesondere für erstklassige Qualitäten, steigen, so daß die als reine Luxusgewerbe zu betrachtenden Juwelier- und Goldschmiedegewerbe bei der allgemein ungünstigen Wirtschaftslage nicht vorwärts kommen können. Was überdies die genannte Branche unter der mit wesentlich günstigeren Produktionsbedingungen arbeitenden ausländischen Konkurrenz zu leiden hat, läßt sich auch zum nicht geringen Teile auf die moderne Kunstbewegung und Geschmacksrichtung zurückführen, denen anfangs nur die strebsamen Elemente Zugeständnisse machen wollten und dadurch dem Auslande die Bahn zum Erfolge freigaben. Erst als die neue Richtung immer mehr Anhänger fand, mußten sich auch die Konservativsten dieser Bewegung anschließen, um das verloren gegangene Terrain wiederzugewinnen; man arbeitete mit Talent und Geschmack, allein die Anhänger der modernen Kunstanschauungen ließen sich zu Übertreibungen verleiten, und fanden bald in den Vertretern der alten Kunstgewerberichtung

energische Gegner, so daß schließlich die ganze Branche unter diesem Zwiespalt krankte und Opfer bringen mußte. Die Kunden folgten aufmerksam diesem Streite, doch ihre Anforderungen waren so verschiedene, daß die Lage der Goldschmiede immer schwieriger wurde. Schließlich sei auch noch des Umstandes Erwähnung getan, das viele unberufene und talentlose Elemente bei oft geschmacklosen Arbeiten das Recht der Originalität in Anspruch nahmen und die Grundlagen der modernen Kunstanschauungen erschütterten. Am empfindlichsten ist in Österreich der Rückgang in der Silberwarenindustrie; in vielen Betrieben ist die Arbeit auf ein Minimum beschränkt, in den Sommermonaten sogar teilweise eingestellt, an Waren werden nur die allerbilligsten verlangt, große Aufträge oder Stücke in feinerer oder reicherer Ausführung kommen, dem authentischen Kammerberichte nach, nur selten in Frage. Sogar in den Provinzen, namentlich in dem sonst aufnahmsfähigen Galizien und der Bukowina deckt man nur den augenblicklichen Bedarf; durch die fortwährende Steigerung des Silberkurses legen sich die Händler bei den Bestellungen große Zurückhaltung auf. Übrigens trat die deutsche Fabrikation, welche durch den Krieg und die darauffolgenden Wirren in Rußland einen bedeutenden Absatz verloren hatte, in Österreich als energische und kluge Konkurrentin auf und die leistungsfähigen Agenten, welche in allen, selbst den kleinsten Städten tätig waren, wußten, wenn auch zu gedrückten Preisen, in leichter Massenware den Markt zu erobern.

Da die Silberwaren in Östereich durchaus schwerer gearbeitet werden, die Produktionsbedingungen teuerer und die Preise daher höher anzusetzen sind, kann an einen namhafteren

Export auch nicht gedacht werden, und dies um so weniger, als auch die Lohn- und Arbeitsverhältnisse sich zuungunsten der Fabrikanten veränderten. Von besonderem Interesse für die deutschen Betriebe dürfte eine Klarlegung der Produktionsverhältnisse hinsichtlich der einzelnen Artikel der „Großsilberwaren- und Besteckbranche“ sein, weil in dieser Richtung noch ein Konkurrenzschaffen Aussicht auf Erfolg bietet. Es herrscht in Österreich ein dauernder Bedarf an Tassen, Braten-, Mehlspeis-, Gemüse- und Fischschüsseln, Sandwichstassen, Kompotschüsseln, Blumen- und Brotkörben, Toiletten und Photographierahmen. Man verlangt in den angeführten Artikeln fortwährend Neuheiten, Zeichnungen und Modelle, welche bisher nur durch Handarbeit ausgeführt werden. Die besten Absatzgebiete hierfür waren immer Galizien, Oberösterreich, Salzburg und Tirol. Da nun bisher die dortigen Händler nur gestanzte oder gepreßte Kleinsilberwaren vom Auslande und speziell von Deutschland bezogen haben, und die oben angeführten Gegenstände in Deutschland nicht so schön und relativ billig erzeugt werden konnten, um sich mit den österreichischen Hammerarbeiten und Ziselierungen messen zu dürfen, so müßte es Sache der deutschen Silberwarenindustrie sein, diesen Artikeln Aufmerksamkeit zuzuwenden, damit sie auch da in billigeren Erzeugnissen festen Fuß fassen könnte. Es wäre dies keineswegs ein Konkurrenzmanöver, vielmehr nur eine Folge des Umstandes, daß man sich in Österreich mit der Herstellung leichterer Großsilberwaren wenig befaßt.

Auch die Tatsache, daß die kapitalskräftige ausländische Konkurrenz ihre Waren auf sehr langes Ziel liefert, während sich die österreichischen Erzeuger zu derartigen Geschäftsbedingungen nicht aufschwingen können, weil der „Verband der Edelmetall- und Uhrenbranche“ sich unter Hinweis auf die schwachen Kreditverhältnisse der Händler und Detaillisten, welche in jüngster Zeit mit Umgehung der Grossisten arbeiten, gegen die Gewährung langer Fristen aussprach, verhindert die Entfaltung eines regeren Verkehrs. Trotzdem sind infolge der soliden und geschmackvollen Ausführung der Waren noch immer Deutschland, Frankreich und Belgien ausschlaggebend für den Export aus Österreich, so daß sich die Erzeugung von Feinarbeiten ziemlich auf gleicher Höhe hält. Im übrigen steht die österreichische Silberwarenbranche einer anderen wichtigen Frage, welche in fachlicher Hinsicht von höchster Bedeutung für die Erhaltung des Weltrufes der heimischen Silberschmiedekunst ist. Seit die gepreßten und gestanzten Massenartikel den Markt überschwemmen, würde es jedem halbwegs flinken Arbeiter möglich, bei dieser einfachen Montierung im Akkord hohe Wochenlöhne zu erzielen. Es war ein Steigen der Löhne auch für jene Kräfte, welche nicht nach Stück arbeiten, naheliegend, um so mehr als die Zahl der gut qualifizierten Arbeiter immer kleiner wird. Da nun . trotz der bewilligten Lohnerhöhung noch immer die Akkordarbeit für gepreßte und gestanzte Artikel einen höheren Verdienst sichert, so will sich der jüngere Nachwuchs nicht mehr dazu verstehen, Fertigkeiten in der Handarbeit zu gewinnen, und die berühmten Wiener Hammerarbeiten in Flach- und Abschlagarbeiten werden selten übernommen, weil die Kräfte fehlen und auch die Fachschulen mangels eines gesetzlichen Zwanges für die Gehilfenschaft nicht die erhoffte Besserung bringen. Die

Silberwarenbranche hat also mit Arbeitermangel für feinere Handausführungen, Lohnsteigerung, Konkurrenz, Unterbietungen der Fassonpreise und ungleichmäßigen Silberberechnungen zu kämpfen. Es ist naheliegend, daß es der dringendste Wunsch aller Interessenten bleibt, die Regierung möge auch in Österreich nach dem deutschen Muster endlich eine Regelung der Silberpreisnotierung durchführen, damit Erzeuger und Händler vor fortgesetztem Schaden bewahrt werden. So können denn die geschäftlichen Verhältnisse in der Fabrikation von Silberschmuck und Galanteriewaren aus Silber auch als nicht befriedigend bezeichnet werden, denn „Stapelartikel“ bestehen in dieser Branche nicht mehr, und nur derjenige Fabrikant, welcher seiner Kundschaft fortwährend Neuheiten vorzulegen vermag, hat Beschäftigung und Aufträge. Man kann diese Art der aufreibenden Tätigkeit eine Hetzjagd nennen, welche jede ruhige Entwicklung der Industrie hemmt. Deutschland gewinnt in Österreich immer mehr Boden, es macht auch die erfolgreichsten Anstrengungen den Markt zu bearbeiten und die Vorliebe vieler Händler nach ausländischer Ware kommt der Konkurrenz sehr zu statten. Wäre unsere allerdings im Preise höhere Arbeit nicht durch ihre Solidität und Gediegenheit bekannt, so hätte auch bei der besseren Kundschaft des Auslandes die Aufnahmefähigkeit nachgelassen; man greift aber im Auslande und besonders in Nordamerika noch gerne nach „Wiener Arbeiten“, wodurch einem Niedergange der Branche vorläufig der gute Ruf als Schutz dient. Die Gold- und Metallschlägerei in Wien beklagt einen starken Rückgang ihres Absatzes infolge der sezessionistischen Geschmacksrichtung und der Konkurrenz. Die Erzeuger von Gold- und Silberdrähten (Posamentierer) leiden unter dem lückenhaften Punzierungsgesetze, welches es möglich machte, daß Legierungsanstalten außerhalb der durch das Gesetz normierten amtlichen Kontrolle und unter Vermeidung der hierfür beim Zurichten der Stücke entfallenden Fiskalgebühren in ihrem eigenen Betriebe echte Silberdrähte gezogen und als „Ringdraht“ in großen Quantitäten auf den Markt gebracht haben. Dieser Mißbrauch hatte Unterbietungen zur Folge, welche die gesamte Branche schädigten, doch wurde die Angelegenheit jetzt amtlich unterbunden. Die österreichische Industrie hat eben vielfache Schwächen, die schwer zu regeln sind; ungenügende Kapitalsgrundlage und unverhältnismäßig hoher Umfang der Betriebe bei begrenzten Absatzgebieten, dadurch eine Minderung des Bankkredites, erzwungenes Abstoßen von Lagerartikeln um jeden Preis, selbst mit Schaden, nur um Bargeld zu erhalten und als weitere Folge die Ausbeutung der Produzenten durch spekulative Händler, welche, mit der Geschäftslage vertraut, sich diese Schwächen zunutze machen. Der Lage der Erzeuger von leonischen Gold- und Silberdrähten und Waren daraus werden wir nächstens einen besonderen Artikel widmen, weil dies für die reichsdeutsche Industrie von größtem Interesse sein dürfte. Es mögen hier nur einige Zahlen zur Orientierung noch Raum finden. Der Einfuhrziffer von Goldarbeiten im Werte von rund 10 Millionen Kronen steht eine Ausfuhr von kaum 1'/, Millionen; der Einfuhr von Silberarbeiten pro 6 Millionen Kronen eine Ausfuhr von 3 Millionen Kronen; der Einfuhr von Juwelierwaren per 3'), Millionen Kronen eine Ausfuhr von 2 Millionen Kronen gegenüber; Diese Zahlen sprechen deutlich und klar!

vor

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