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Husland pro Jahr M. 10.-

EUTE-
Nr. 6 – IX. Jahrgang LEIFZIE o. Februar 1906

DEIAIHER INIHMEI

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Aedaktion und Ueclag BEERÜNDET UN

Fmtliches Organ Öes Uerbandes Bei Uiederholungen Rabatt – Beilagen nach Kleine Fusg. pro Quartal (T). 1.– deutscher uuueliere, Gold- und Übereinkunft Fusland pro Jahr M. 5.– Silberschmiede souie zahlreicher Stellen-fngebote 25 Pf. – 6esuche anderer Uereine und Innungen 15 Pf. pro Zeile

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Das moderne Gravierverfahren.

Schon vor Tausenden von Jahren liebten es unsere Vorfahren, ihre Gebrauchsgegenstände mit Verzierungen einfachster Art zu schmücken, indem dieselben teils aufgetragen, teils eingekratzt wurden. Mit der Zeit stiegen nun die Ansprüche des Geschmacks mit der weiteren Entwicklung der Völker; es wurden außer Malereien, Schnitzereien usw. Metalltreibarbeiten in bewunderungswürdiger Feinheit hergestellt. Jedoch all diese Einzelarbeiten waren infolge ihrer hohen Herstellungskosten nur wenigen Menschen zugänglich und dann meistens nur als Prunkstücke.

Das Bestreben der Kunsthandwerker ging nun dahin, durch mechanische Herstellungsweise ihre mühselige Handarbeit zu vereinfachen oder zu ersetzen, und von einem Muster möglichst viele Wiederholungen mit wenig Arbeit herzustellen. Hieraus entwickelt sich nun die eigentliche Fabrikation der Gebrauchs- und Kunstgegenstände unserer Zeit, und daher auch der enorme Gebrauch von Stempeln, Stanzen usw., die dazu benutzt werden, unter Anwendung von Druck verschiedenartige Metalle in diese vertieften Stanzen zu pressen.

Diesem Gravierberufe widmete sich nun eine Reihe mehr oder weniger berufene Leute, die unter Zuhilfenahme von recht primitiven Mitteln, kaum daß die nötigsten Rohbearbeitungsmaschinen vorhanden waren, mühselig oft große Tiefen aus dem harten Material herausarbeiten mußten. So ging eine Stanze, je nach der künstlerischen Durchführung, durch verschiedene Hände, um unter Benutzung verschiedener Meßinstrumente bei tieferen Sujets Punkt für Punkt abzutasten, bis die vertiefte Form völlig hineingearbeitet ist.

Seit Jahren sind nun die Fachleute bemüht, für diese teure, zeitraubende und bei künstlerischen Sujets auch ungenaue Arbeitsweise Ersatz zu schaffen, indem sie Reduziermaschinen kontruierten, die nach größeren Modellen Verkleinerungen ausführten. Diese Art Maschinen findet speziell für die Kleinplastik, Medaillen, Plaketten, Bijouteriegegenstände usw. Verwendung. Verschiedenartige Versuche und Verbesserungen wurden vorgenommen, jedoch

bleiben alle diese Maschinen infolge ihrer nicht gut rentablen Arbeitsweise, indem erst größere Modelle hergestellt werden müssen, nur für jenen kleinen Teil der Feinmetallkunst reserviert. Nunmehr sind von der Firma G. Haelbig & Sohn, KommanditGesellschaft, Berlin durch langjährige Erfahrungen auf dem Gebiete ganz neuartige Kopiermaschinen in allen Kulturstaaten zum Patent angemeldet worden, die durch besondere Konstruktion eines geschlossenen Fühlrahmens es ermöglichen, ohne Vibration und bis zu 40 mm Tiefe mit einem Male fräsend, die genaue gleiche Größe von einem Modell in den Stahlblock zu übertragen, eine Arbeitsweise, die unerreicht ist. Auf diesem Prinzip sind verschiedene Systeme von Maschinen konstruiert worden. Rund arbeitende Maschinen für Korpussachen, Brodkörbe, Schippen, Tabletts usw. Flach arbeitende Maschinen für Bestecke, Borden, Leisten, jeglicher Art länglicher Gegenstände. Gesenkmaschinen für die Herstellung von Stanzen der Kunstschmiede, Bunteisen, Messingwaren-Warmpresserei-Artikel, Walzenmaschinen für automatische Tief-Fräsung von Tapeten, Lincrusta, Goldleisten, Walzen in Stahl und Bronze. Nicht nur die Klein-Metallindustrie ist jetzt in den Stand gesetzt, auf rationellen Maschinen ihre Werkzeuge herzustellen, sondern durch diese Erfindung ist den Silber-, Neusilber-, Metallwaren-, Blechemballagen-, Celluloid-, Kartonnagen-, Kunstschmiede-, Warmpresserei-Industrien der Weg geboten, auf rationellste Weise ihre Stanzen automatisch zu schneiden. Wir können an der Hand einiger Zahlen ein Bild geben, wie rentabel sich diese Arbeitsweise stellt: Eine Kanne, die ringsum mit Verzierung versehen ist, wird bis auf die Hälfte (Halbkorpus) in den Stahlblock graviert. Dieselbe hat mit Ausladung eine Länge von 190 mm, Breite von 130 mm, Tiefe 50 mm und wurde bei Tag- und Nachtarbeit in vier Tagen automatisch fertiggestellt, wobei hervorzuheben ist, daß die Verzierungen bis an den steilsten Rand herausgefräßt wurden. Unter ähnlichen günstigen Bedingungen arbeiten auch die andern Systeme. Die Maschinen werden in 12 Typen gebaut und ersetzen, je nach Größe, 2–8 Arbeiter. In dem Betriebe der Firma G. Haelbig & Sohn, Kommandit-Gesellschaft, Berlin, Prinzenstraße 23, werden eine ganze Reihe Maschinen in wechselnder Schicht bei Tag- und Nachtarbeit von nur einem Arbeiter bedient. Die Größen der Maschinen sind für die schwersten und doch feinen Sujets, sowie für die Kleinmetallkunst zugeschnitten. Auch für Verkleinerungen und Vergrößerungen sind von der

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selben Firma Maschinen konstruiert, bei denen, abweichend von

den bestehenden Systemen, die Einstellung derartig einfach eingerichtet ist, daß, ohne daß ein Verschieben der Spindelkästen nötig wäre, der Drehpunkt durch Schachtelung von Röhren verändert wird. Es wird auf diese Weise bei kleinen Volumen und damit billigem Preis der Maschinen eine höchstmögliche Ausnutzung

der Verhältnisse erzielt. Das feine Gefühl sämtlicher Systeme ermöglicht es sogar nach 2 mm starken Niederschlägen zu arbeiten, und ist die Firma, als Ersatz für die bisher üblichen Eisenformen, Tastmodellen für Reduziermaschinen, nach neuestem Verfahren auf Nickelschnellplastik eingerichtet, so daß auch somit die denkbar feinste Wiedergabe des Negativmodells verbürgt ist. Die Firma liefert derartige Galvanos nach jedem eingesandten Modell binnen kurzer Zeit, auch ohne daß die Arbeiten auf ihren Maschinen gefräst werden. (Wichtig für Betriebe mit Reduziermaschinen)

Mit Hilfe dieser Maschinen drängt sich die Arbeitsweise für Herstellung aller verzierter Fassonmuster in andere Bahnen ein, die Preise und Zeiten für Herstellung der Werkzeuge nehmen bedeutend ab, und dadurch wird dem allgemeinen Publikum mehr und mehr Gelegenheit geboten, mit künstlerischen Gegenständen ihren Haushalt zu schmücken.

Inwieweit dürfen dem Goldschmiedemeister Vorräte an Rohmaterialien gepfändet werden?

Wenn ein Goldschmied – bei der heute herrschenden Konkurrenz und gedrückten Lage ist das leider öfter der Fall – in Zahlungsschwierigkeiten kommt, so bleiben die Pfändungen nicht aus. Da ist es eine außerordentlich wichtige Frage, was ihm nicht gepfändet werden darf, sondern ihm zur Fortführung seiner Tätigkeit belassen werden muß. In § 811 Nr. 5 der Zivilprozeßordnung ist bestimmt, daß dem Gewerbetreibenden die zur persönlichen Fortsetzung der Erwerbstätigkeit unentbehrlichen Gegenstände gelassen werden müssen. Es muß ihm sein Werkzeug frei bleiben. Es dürfen die Maschinen, die er braucht, um den Betrieb aufrecht zu erhalten, nicht gepfändet werden. Insoweit ist für den Handwerksmeister gesorgt. Wie steht es aber mit dem Vorrat an Rohmaterialien? Dürfen dem Goldschmied seine Vorräte an Gold, Silber, Chemikalien usw. gepfändet werden, die er zur Ausübung seiner Arbeit notwendig hat? Sind auch diese Rohstoffe unter den „Gegenständen“ gemeint, welche § 811 Nr. 5 gegen die Pfändung geschützt wissen will? Es hat darüber mehrfach Streit geherrscht. Auch das Reichsgericht hat früher den Standpunkt eingenommen, daß Rohstoffvorräte nicht geschützt seien. Diese Anschauung kann aber heute nicht mehr als die herrschende angesehen werden. In der Begründung zur neuen Zivilprozeßordnung und den Kommissionsberichten zu derselben wird ausgesprochen, daß die zur Verarbeitung bestimmten Rohstoffmaterialienvorräte der Pfändung insoweit nicht unterliegen, als sie für die persönliche Fortführung des betreffenden Gewerbebetriebes von seiten des Schuldners unentbehrlich sind (Begr. S. 166, Kommissionsbericht S. 191–193, Sydow-Busch, Zivilprozeßordnung S. 443). Dem hat man sich seither angeschlossen. Gelegentlich hatte schon sehr ausführlich das Oberlandesgericht Oldenburg dargetan daß Vorräte von Materialien in einer angemessenen Menge unpfändbar seien (Entsch. des Oberlandesgerichts Oldenburg von. 30. November 1898, Seufferts Archiv 59, 338). Neuerdings machte eine Entscheidung des Oberlandesgerichts zu Königsberg i. Pr. Aufsehen, welche in die Frage ein ganz neues Moment hinein

trägt. Das Amtsgericht Königsberg hatte ausgesprochen, daß bei einem Schneidermeister, der ein Herrengarderobegeschäft unterhielt, die Stoff- und Futtervorräte, Knöpfe, Borten usw. soweit nicht gepfändet werden dürften, als er sie zur Fortführung der persönlichen Tätigkeit in der Werkstatt bedürfe. Es müsse von den Vorräten so viel übrig gelassen werden, daß der Schuldner den Gewerbetrieb nicht sofort einzustellen brauche, sondern ihn zunächst fortsetzen könne. Anderer Ansicht war das Landgericht und Oberlandesgericht Königsberg, welche sich dahin aussprachen, daß ein Handwerker, welcher in seiner Werkstatt auf Lager arbeite, ein Verkaufsgeschäft unterhalte, einen kaufmännischen Betrieb unterhalte und nicht als handwerksmäßiger, sondern als kaufmännischer Gewerbetreibender anzusehen sei. Ein Goldschmied, der also selbst für seinen Bestand auf Vorrat arbeiten würde, der ein Ladengeschäft in Verbindung mit seiner Werkstatt besäße, oder gar eine bescheidene Fabrik hätte, müßte sich gefallen lassen, daß ihm alles Handwerkszeug und jeder Rohstoffvorrat vom Gerichtsvollzieher gepfändet würde? Unseres Erachtens ist diese Entscheidung irrig. Wenn auch der Goldschmied seinen Betrieb der Ordnung halber kaufmännisch geführt hat, wenn er auch ein Ladengeschäft mit Goldwaren unterhielt, also als Minderkaufmann mit gelten mag, in erster Linie bleibt er doch Handwerker und es muß auch in solchem Falle deshalb ihm die Rechtswohltat des § 81 1 Nr. 5 zugute kommen. Der Schutz dieser Vorschrift ist doch gegeben, um für die Zukunft Schutz zu verleihen. Wenn der Goldschmied in der Vergangenheit neben der Tätigkeit als Handwerker noch eine kaufmännische Tätigkeit entfaltet haben sollte, für die Zukunft kommt lediglich die persönliche Ausübung seines Handwerks in Frage, und dazu soll ihm die Gelegenheit nicht abgeschnitten werden. Wir raten daher, sich durch das obige Urteil nicht kopfscheu machen zu lassen, sondern, wenn der beklagenswerte Fall vorliegen sollte, daß eine Pfändung V0. genommen wird, darauf zu dringen, daß der notwendigste Bedarf an Rohstoffvorräten freigelassen wird.“

Wie man das Reklameunwesen der „Compagnien“ mit falschen Diamanten schützt!

Wir haben bekanntlich in der „Goldschmiede-Zeitung“ in verschiedenen Artikeln scharf gegen das Unwesen der Firmen angekämpft, die mit widerlicher Reklame Diamanten-Imitationen anpreisen und das Publikum, soweit es den breiten Schichten des mindergebildeten Volkes angehört, auf den Leim locken und ihm für gutes Geld schlechte, wertlose Plunderware aufhalsen. Zu den von uns festgenagelten Firmen gehört nun auch die Firma Sarita of New-York in Hannover, Große Packhofstr. 3940

(Inhaber: Kaufmann I. Blumenthal in Berlin). Zu den von der „Deutschen Goldschmiede-Zeitung“ gebrachten Artikeln gehört auch einer, in welchem wir darauf hinwiesen, daß der Diamantenschwindel nachließe und mit den Worten schloss" „Es ist bedauerlich, daß die Staatsanwaltschaft so selten Ä Schutze der Gewerbetreibenden einschreitet. Diesen Art” sowie einen Bericht über die Schöffengerichtssitzung Magdeb vom 30. November v. J. gegen Isaak Blumenthal, der auch " der

„Deutschen Goldschmiede-Zeitung“ wiedergegeben worden ist, hatte der Juwelier R. in Hannover, der sich durch das DiamantenGeschäft Blumenthals schwer geschädigt fühlte, in seinem Schau

fenster zur Kenntnisnahme für das Publikum gebracht. Wenn man bedenkt, wie durch den Diamanten – Humbug das kaufende Publikum betrogen wird, wie es für wertlose Glassteine 8, 10, 12 Mk. bezahlen muß, die es später in demselben Geschäft für 1 Mk. kaufen kann, so muß man sagen, daß die Warnung des Juweliers R. eine lobenswerte Tat war und daß ihm sicher mancher dankbar gewesen sein wird für die Aufklärung, die er durch die Auslage der beiden Artikel erhalten hat. Aber auch der Selbsterhaltungstrieb forderte gebieterisch ein Frontmachen gegen solchen Handel, der sich als ein Krebsschaden im modernen Handelsverkehr herausgestellt hat. Der betreffende Juwelier handelte in Wahrnehmung seiner berechtigten Interessen und der des großen Publikums, wenn er öffentlich zeigte, was es mit solchen Taits-, Bera-, Lucios-, Sarita- usw. Diamanten auf sich hat. lndessen erhob die Firma Sarita of NewYork dagegen Protest und beantragte in einer einstweiligen Verfügung dem R. aufzugeben, die Blätter zu entfernen und nicht mehr auszulegen, und diesem Antrag ist stattgegeben worden. Trotzdem das Geschäft der SaritaDiamanten in nächster Nähe des Geschäftes des Juweliers R. eröffnet War, trotzdem doch der Diamanten – Unfug aus den Urteilen, die in Leipzig, Berlin, Frankfurt, Nürnberg, München, Breslau, Magdeburg usw. ergangen sind, auch den Richtern Sattsam bekannt sein Sollte, trotzdem der Schwindel bereits soweit gegangen war, daß Blumenthal die Waren, für die er sich Anfangs 10 und 8 Mk. zahlen ließ, auf 2 Mk, neuerdings sogar auf 1 Mk. herabsetzte, fand das Kgl. Amtsgericht Hannover in seinem Urteil vom 23. Dezember 1905 (5. H. G. 4005) einen Weg, auf dem Blumenthal zu seinem Ziele gelangen konnte. Zwar hat man zugeben müssen, daß ein unlauterer WettbeWerb bezüglich der Firma Sarita of NewYork in der Auslage der Artikel nicht liege, da in dem Artikel der „Deutschen Goldschmiede-Zeitung“ und in dem Bericht über die Schöffengerichtssitzung unwahre Tatsachen nicht enthalten seien, aber es sei dem Anage doch nach § 826 des Bürgerlichen Gesetzbuches stattzugeben. Diese Vorschrift, heißt es im Urteile, hat für den Fall vorÄtzlicher Schadenzufügung den Zweck, den loyalen Schädigungen im Verkehrsleben Wirksam entgegenzutreten, ohne daß es auf

die Natur des verletzten Rechtsgutes ankommt.

Arbeiten von der modernen Graviermaschine (Zu dem Artikel: „Das moderne Gravierverfahren“).

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Eine solche

Schädigung ist die Beeinträchtigung bloß tatsächlicher Erwerbsaussichten, z. B. des Kundschaftsverhältnisses. Der Beklagte suchte mit der Auslegung der Zeitungsausschnitte in schädigender Weise

durch Entziehung der Kundschaft auf den Betrieb des klägerischen Geschäftes einzuwirken, weil der Leser der ausgelegten Zeitungsartikel die in denselben angeführten Schwindeleien in Diamantengeschäften in anderen Städten auf den Geschäftsbetrieb des dem Schaufenster des Beklagten gegenüber gelegenen klägerischen GeSchäftes beziehen und deshalb den Besuch des letzteren Geschäftes vermeiden sollte. Mag Beklagter auch zur Abwehr der Schädigung des eigenen Geschäftes durch die Reklame der Klägerin zu einem solchen Verhalten veranlaßt

sein, so ist er hierbei doch über die erlaubten

Grenzen des Selbstschutzes hinausgegangen und hat damit gegen das Anstandsgefühl billig und gerecht denkender Kaufleute verstoßen. Die Vorschrift des § 826 des Bürgerlichen Gesetzbuches verpflichtet zwar denjenigen, der in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise einem anderen vorsätzlichen Schaden zufügt, nur zum Ersatz des Schadens. Das Reichsgericht geht aber in konstanter Praxis davon aus, daß, wenn das Gesetz eine Verpflichtung zum Schadensersatz auferlegt, es auch die Möglichkeit gewähren muß, den Anspruch auf Unterlassung der schädigenden Handlung zu verfolgen, wenn eine fortgesetzte Schadenszufügung zu erwarten ist. Letzteres trifft hier zu, da sich Beklagter geweigert hat, die Zeitungsblätter aus seinem Schaufenster zu entfernen. Durch dieses Urteil wird einmal einer Sache geholfen, die so unlauteren Charakters ist, daß sie die Hilfe nicht verdient, die ihr zuteil geworden ist. Wir halten es für ein unlauteres Geschäftsgebahren, wenn eine Firma unter dem Tamtam einer Jahrmarksreklame, zu der neuerdings auch eine Pariser Analyse kommt, die das Publikum natürlich nicht versteht, Waren für 12, 10, 8 Mk. dem Publikum aufhalst, die sie später selbst, wenn die Dummen alle werden, mit 1 Mk. verkauft. Das ist eine Handlungsweise, welche gegen das Anstandsgefühl billig und gerecht denken der Kaufleute verstößt! Nicht aber das Verfahren des Juweliers, der sich nicht anders zu helfen wußte, als das Publikum über die

Machenschaften mit den falschen Diamanten

aufzuklären. Wir haben dem Juwelier R. unsere Gründe, aus denen wir das Urteil für anfechtbar halten, mitgeteilt. Vielleicht ist durch Berufung ein besserer Ausgang zu schaffen. Dies läge im Interesse

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Billige deutsche Schmucksachen in England.

„Daily Mail“ schreibt: „Was das Geschäft der Bijouterie in England für das Jahr 1905 vom Standpunkte des Fabrikanten aus betrifft, so war dasselbe sehr unzufriedenstellend und zeigte keine Verbesserung gegen das vergangene Jahr, das doch eigentlich als das schlechteste seit einer Reihe von Jahren bezeichnet werden konnte. So schreibt uns ein gut unterrichteter Korrespondent aus Birmingham. Am meisten getroffen sind die Fabrikanten von gewöhnlicher Mittelware, welche doch den größten Teil des Geschäftes ausmacht, beschäftigen Tausende von Arbeitern. meisten Fabrikanten sind sich in dem Punkte, welcher vielleicht der wichtigste ist, einig, daß die uneingeschränkte Einfuhr von ausländischen Goldwaren, hauptsächlich von Deutschland aus, einen langanhaltenden Druck aufs Geschäft ausübt.

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mechanischen Einwirkung. Sogar wenn es mit reinem Kupfer gemischt wird, weist das Gold diese unliebsamen Eigenschaften auf, und eine solche Legierung wird zur Herstellung von Schmucksachen, zum Schlagen von Medaillen und Münzen und anderen industriellen Verwendungen unbrauchbar. In der Pariser Münze wurden die ersten genaueren Untersuchungen über diesen wichtigen Punkt angestellt, Im Jahre 1868 veranlaßte der Leiter dieser Anstalt langwierige und feine Experimente, um festzustellen, welche anderen Metalle außer Silber und Kupfer an der Herbeiführung dieser Verschlechterung des Goldes schuld sein könnten. Man sammelte brüchige Münzen und stellte ihre chemische Zusammensetzung genau fest. Es wurde ermittelt, daß Kupfer und Silber in der fraglichen Hinsicht weit weniger schädlich sind als Blei und Eisen. In brüchigen Goldmünzen wurden nur je /, Tausendstel Blei und Eisen gefunden, und diese winzigen Mengen genügten bereits, die Hämmerbarkeit des Metalls zu beeinträchtigen. Da sich in den Münzstätten immer von Zeit zu Zeit mißliebige Erfahrungen mit brüchigen Goldlegierungen wiederholten, wurden in den letzten Jahren von den Ä wieder neue Untersuchungen in dieser Frage vorgenommen. Die Ergebnisse haben bestätigt, daß hauptsächlich Blei und Eisen, daneben auch Tellur vermieden werden müssen, da sie schon in den geringsten Bestandteilen verderblich auf die Eigenschaften des Goldes einwirken.

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sich hier, wie schon telegraphisch mitgeteilt wurde „Adolf Schmidt aus Basel“ und spielte den Juwelenagenten, lebte wie ein Kavalier, zahlte alles und aufs beste und genoß daher unbedingtes Vertrauen. Sein Kniff war höchst genial. Er ging zu hiesigen Juwelieren, stellte sich als Juwelenagenten vor, sprach von seinen Verbindungen mit reichen englischen und amerikanischen Reisenden und verhieß lohnende Juwelengeschäfte mit diesen. Die Juweliere erkundigten sich im Hotel und bei den früher besuchten Juwelieren nach dem Personale des Agenten und erhielten die besten Auskünfte. Nun vertrauten sie ihm Pretiosen von bedeutendem Werte an. Nach einiger Zeit brachte der Agent regelmäßig den Erlös für die Juwelen, und zwar immer in einem Wechsel auf dieses oder jenes wohlbekannte englische Bankhaus, der Anfang 1906 fällig war. Den Agenten Bernhard Widder betrog Schmidt dadurch, daß er ihn zum „Kompagnon“ seiner Juwelengeschäfte erwählte. Widder sollte die Juwelen beschaffen und Schmidt sie verkaufen, der Gewinn

rieren können.

Die .

Der Wert von vielen tausend Pfund Sterling der in Deutschlands gefertigten Goldwaren, entfällt in den meisten Fällen auf Gegenstände, welche ebensogut, oder wenn nicht besser, in England gemacht sein könnten. Sie werden aber bei uns eingeführt zu Preisen, mit denen englische Fabrikanten nicht konkurDas Ergebnis davon ist, daß beide, Fabrikanten sowohl als auch Arbeiter, sehr darunter leiden.“

Wir geben den Artikel wieder, um die Stimmung zu zeigen, welche jenseits des Kanals herrscht. Im Übrigen erblicken wir in solchen Kundgebungen keine Gefahr für unsere Industrie, denn die billige deutsche Ware zeichnet sich zugleich durch ihre Güte aus, und diesen Vorzug hat sie vor aller ausländischen Produktion. Das Wort „oder wenn nicht besser“ erweist sich für einen Kenner der Verhältnisse ebenfalls als unhaltbar.

sollte geteilt werden. Im guten Glauben kaufte Widder auch von eigenem Gelde für 40 000 Kronen Pretiosen, für weitere 60000 nahm er auf Kredit. Auch für diese Juwelen zahlte Schmidt den Kaufpreis und einen Teil des Gewinnes in Wechseln auf gute englische Bankhäuser aus. Aber beim Jahreswechsel machten alle diese Vertrauensseligen die schmerzliche Entdeckung, daß die Wechsel wertlos seien. Nach den erfolgten Anzeigen betragen die betreffenden Summen eine Viertelmillion Kronen. Seinen Kredit im Hotel begründete der Hochstapler durch folgende Legende. Er erzählte, er stamme aus einer reichen, in Paris ansässigen Familie, habe soeben eine Erbschaft angetreten und beziehe überdies eine monatliche Rente von 600 Kronen. In der Tat trafen allmonatlich hohe Geldsendungen im Hotel für ihn ein. Mit diesen Geldsendungen scheint der Schwindler zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen zu haben, Sie machten offenbar einen beständigen Kreislauf zwischen Wien und London, wo Schmidt einen Komplizen haben mußte. Er kam nämlich vor Monaten in ein Wiener Privatbankhaus und ersuchte dieses, nahmhafte Geldsendungen für ihn nach England zu schicken, Er gab dann allmonatlich mehrere Male stets mehrere tausend Kronen an einen Herrn Thywyssen in London auf. Als ihm nun das Bankhaus genügend in Sicherheit eingewiegt schien, brachte er eines Tages

einen scheinbar guten Londoner Wechsel auf 20 000 Kronen, der

obendrein nach eingehender Prüfung eskomptiert wurde. Natürlich wurde auch dieser Wechsel zurückgewiesen. Die erschwindelten Juwelen versetzte der Gauner und verkaufte dann wieder die Versatzscheine an einen Wiener Börsenbesucher um 20 Prozent der Belehnungssumme. Die Geschädigten erlangten so wenigstens die Versatzscheine wieder und konnten durch deren Einlösung einen Teil des Schadens wieder einbringen. Zu den Opfern des Gauners soll auch ein Aristokrat gehören, dem er für Vorarbeiten zur Finanzierung seines Kohlenbergwerks 100000 Kr. abgenommen haben soll

Bei 19 von den 24 in Deutschland das Glasversicherungsgeschäft betreibenden Gesellschaften gelangten in den Monaten Juli–September 1905 18 159 Schäden mit einer Gesamtentschädigungsforderung von 965919 Mk., in den Monaten Oktober – Dezember 20639 Schäden mit einer Gesamtentschädigungsforderung von 1009420 Mk. zur Anmeldung; im II. Semester 1905 insgesamt also 38798 Schäden mit einer Gesamtentschädigungsforderung von 1975339 Mk. Das macht im Durchschnitt auf den Tag 212 Schäden mit rund 10794 Mk. Gesamtentschädigungsforderung, ein Beweis, daß das deutsche Glasversicherungsgeschäft bereits eine beachtenswerte volkswirtschaftliche Bedeutung erlangt hat.

Schmucksachen von 0esel. Der Hofjuwelier D. H. Werner in Berlin W. 8, Friedrichstraße 173, schreibt: „Von einer baltischen Großgrundbesitzersgattin, mit altem deutschen Namen, deren Felder verwüstet, deren Schloß und andere Gebäude von den Aufrührern verbrannt wurden, sind mir zur Veräußerung Schmucksachen gesandt, die alle die Bautechnik der Insel Oesel zeigen. Der Materialwert ist belanglos, teils Silber, teils unecht. Die Sachen haben für Sammler oder Ethnographen Wert, noch mehr für jemand, der de unglaublich vom Unglück verfolgten Stammverwandten helfen will Ich stelle diese Arbeiten bei mir demjenigen zur Verfügung, de am meisten dafür bietet, um selbstverständlich den vollen Betrag der Dame zu übermitteln.“

Ein Bijoutierwitz. Dame: „Ich bitte Sie, mein Herr, fassen Sie mich beim Tanzen nicht zu fest, ich kann das nicht vertragen.“ Herr: „Bitte sehr, mein Fräulein! Aber ich bin Fasser und me Prinzip ist es, daß ein Edelstein nie fest genug gefaßt werden kann,

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