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Preiserhöhungen in 0berstein. Die Uhrkettenfabriken in Oberstein sehen sich nunmehr auch veranlaßt, infolge der andauernden Preissteigerung der Rohmaterialien einen Zuschlag von 5% eintreten zu lassen. Dieser Aufschlag tritt für sämtliche vom 9. Oktober d. J. ab einlaufende Aufträge in Kraft. Die 5% werden dem Endbetrag der Faktura aufgerechnet.

Prelserhöhungen der Hilfsgeschäfte in Pforzheim. Die Fabrikanten von Chatons, Galerien, Kugeln usw. haben sich zusammengeschlossen und neue, erhöhte Preise festgelegt. Ziel wird nur vier Wochen gewährt, alle späteren Zahlungen werden mit aufgelaufenen Zinsen, 1 % über dem Reichsbanksatz entgegengenommen.

Prelserhöhung in der Metallwarenbranche. Die Metallwarenfabrik Werdau teilt ihrer Kundschaft mit, daß sie den Nettopreis-Aufschlag von 5% auf 10% erhöhen muß.

Ausstellungen. In Olmütz findet im Sommer nächsten Jahres die dritte Gewerbeausstellung statt.

Medaillen und Münzen. Die anläßlich der goldenen Hochzeit des badischen Fürstenpaares hergestellten Jubiläumsmünzen, Fünfund Zweimarkstücke sind als hervorragende Erzeugnisse der Medailleurkunst begrüßt worden. Auf der Rückseite sind sie von den anderen Zwei- und Fünfmarkstücken nicht verschieden, auf der Vorderseite aber zeigen sie in vortrefflicher Komposition das wohlgelungene Doppelbildnis des Großherzogs und der Großherzogin. Der Entwurf dazu stammt von Professor Rudolf Mayer, dem Schöpfer zahlreicher Medaillen und Plaketten.

Wir berichteten bereits über das Jubiläum des Herrn Stadtrat Clemens Veltmann in Pforzheim. In einer Sitzung des Rates sprach Herr Bürgermeister Habermehl herzliche Worte der Anerkennung an den Jubilar, dem er zu seiner silbernen Hochzeit mit der Stadt den Glückwunsch des Kollegiums und der Stadtgemeinde aussprach, und überreichte ihm sodann ein paar prächtige silberne Leuchter als sichtbare Erinnerung an diesen Tag. Herr Veltmann, der von dieser Ehrung sichtlich gerührt war, wies in seiner Antwort auf die große Wandlung hin, die Pforzheim in diesen 25 Jahren und nicht zum wenigsten unter der Führung des Herrn Oberbürgermeister Habermehl erfahren, und erinnerte daran, daß er unter drei Oberbürgermeistern, den Herren Groß, Kraatz und Habermehl, und in drei Rathäusern, dem alten abgebrannten Rathaus, dem provisorischen im Reuchlinschulhaus und seit 11 Jahren im gegenwärtigen Rathaus, in den Dienst der Stadt gestanden hat. Die oben erwähnten Leuchter sind aus der SilberwarenFabrik von Lutz & Weiß in Pforzheim hervorgegangen.

Personalien und Geschäftsnachrichten.

Auszeichnungen. Dem Herrn Professor Stier vom Württ. Kunstverein wurde vom König von Württemberg die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft am Bande des Ordens der Württembergischen Krone verliehen. – Dem Oberbürgermeister der Goldstadt Pforzheim, Herrn Ferdinand Habermehl, wurde vom Großherzog von Baden die Friedrich - LuisenMedaille verliehen. – Dem Goldschmied Herrn Friedrich Stein in Hanau, der seit 50 Jahren in der Firma A. Grubener daselbst beschäftigt ist, wurde das „Allgemeine Ehrenzeichen“ verliehen. – Wir gratulieren!

Jubiläen. Herr E. Kleucker, Direktor der Geislinger Metallwarenfabrik, Zweigniederlassung Göppingen, konnte am 15. Oktober auf eine 25jährige Tätigkeit zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurde ihm von den Sängern der Fabrik ein Ständchen dargebracht. Im Laufe des Vormittags begab sich eine Abordnung der Geislinger Fabrikleitung in die Wohnung des Jubilars, um ihm die Glückwünsche des Direktoriums und des Aufsichtsrats zu übermitteln. – Auf ein fünfzigjähriges Bestehen konnte am 21. Oktober die Firma Gustav Jähne, Kgl. Sächs. Hofjuwelier, Gold- und Silberschmied in Dresden zurückblicken. Das Geschäft, das gegenwärtig mit zu den ersten und vornehmsten Dresdens gehört, hat sich aus kleinen Anfängen durch ernstes Streben und Reellität zu seiner Größe und Bedeutung entwickelt. Genießt doch die Firma seit langer Zeit den besonderen Vorzug, sowohl die Königin-Witwe Carola als

auch die königlichen Prinzen und Prinzessinnen mit zu ihren Kunden zählen zu dürfen. 1890 trat der jetzige Inhaber mit in das Geschäft ein, nachdem er bereits 10 Jahre lang in seines Vaters Geschäft tätig gewesen war. – Unsere Glückwünsche!

Firmen-Eintragungen. Im Handelsregister zu München wurde die Gravieranstalt Susanna Bock, Sendlingerstraße 44, eingetragen. – In das Handelsregister, betreffend die Firma Emil Lüdke, vormals Carl Hahn & Sohn (Kunstgewerbliche Gegenstände), G. m. b. H. in Wenigenjena, ist eingetragen worden: Dr. jur. Ernst Mönich in Wenigenjena ist als Geschäftsführer ausgeschieden. – Im Handelsregister ist die Firma Bruno Oßwald in Beuthen (O.-S.) und als ihr Inhaber der Juwelier Bruno Oßwald daselbst, Poststr. 1, eingetragen worden.

Firmen-Löschung. Die Bijouteriefirma Gustav Sickinger in Pforzheim wurde von Amts wegen gelöscht.

Geschäfts-Eröffnungen. Herr Emil Jabulowsky hat in Pforzheim eine Silber- und Stahlwarenfabrik eröffnet. – Herr Karl Kammerer in Pforzheim hat ein Bijouterie-Engrosund Exportgeschäft gegründet.

Geschäfts-Veränderungen. Die Goldwarenfabrik Mößner & Wellendorf in Pforzheim ging infolge Todesfall des Herrn Wellendorf auf Herrn Georg Mößner allein über. – Aus der Firma Moritz Armány & Neffe, Edelsteinschleiferei in Wien VII., Kirchengasse 11, ist Herr Gerson Armány ausgetreten. Nunmehriger Alleininhaber ist Moritz Armány.

Geschäfts-Ubernahmen. Zu der bereits in Nr. 41. (Seite 392a) gemeldeten Geschäftsübernahme der Firma J. P. Plücken in Neuß durch Herrn Franz Vell ist noch nachzutragen, daß dieselbe unter der bisherigen Firma weiterbestehen wird. – Das Gold-, Silber- und Juwelen-Geschäft von K. Scharrer in Nürnberg ist auf dem Juwelier Mathias Schaller daselbst übergegangen und wird unter unveränderter Firma weitergeführt.

Geschäfts-Vergrößerung. Die Silberwarenfabrik von Hermann Bauer in Schwäb. Gmünd hat die, durch einen Anbau an die Fabrik gewonnenen großen neuen Räume bezogen. Es ist dies der 4. Anbau an die im Jahre 1863 gegründete Fabrik, ein Beweis, auf welch gesunder Basis dieselbe vorwärts schreitet.

Geschäfts-Verlegungen. In Duisburg a. Rh. verlegte Herr Aloys Haal seine Goldwarengroßhandlung ab 10. Oktober nach Sonnenwall 74 und hat derselbe bei dieser Gelegenheit sein Lager bedeutend vergrößert. – Herr Wilhelm Berner, Juwelier und Goldschmied in Lübeck, verlegte sein Geschäft nach Breitestr. 7. – Herr Wilhelm Pfannkuch, Goldschmied und Juwelier in Kiel, verlegte sein Geschäft von Faulstr. 3 nach Holstenstr. 46. – Die Fabrik feiner Lederwaren für die Etuisbranche und Bijouterie-Exporteure Hermann Stöhr, Offenbach a. M., hat ihre Pforzheimer Verkaufsstelle bzw. ihr Export-Musterlager nach Leopoldstr. 12 daselbst verlegt. – Herr Gottlieb Gulden, Fassergeschäft in Pforzheim, wohnt jetzt Kiehnlestr. 10 daselbst. – Die Edelsteinhandlung S. Berger, Paris–Pforzheim, hat ihr Pforzheimer Geschäft nach der Zerrennerstr. 5 verlegt. – Das Bijouteriehilfsgeschäft (Samte Engros) Gustav Zenkert in Pforzheim hat Leopoldstr. 12 daselbst neue Lokalitäten bezogen. – Herr Joh. Aug. Ulrich in Pforzheim hat sein Vergoldungsgeschäft nach der Goethestraße verlegt. – Herr William Posner, Bijouterie-Engros, Pforzheim, verlegte sein Geschäft nach der Durlacherstr. 67 daselbst. – Herr Carl Jock in Karlsruhe hat sein UhrenGold- und Silberwarengeschäft nach der Kaiserstr. 141 daselbst verlegt. – Herr Emil Rothschild in Pforzheim, hat seine Ringfabrik nach dem eigenen Neubau, Durlacherstr. 67 verlegt. – Die mechanische Werkstätte des Herrn Friedrich Bauer in Porzheim, befinden sich nunmehr Westl. Karl-Friedrichstr. 157. – Die Silberwarenfabrik W. Frey & Cie. in Pforzheim, bezog bis zur Fertigstellung ihres Neubaues provisorische Räume, Durlacherstr. 1. – Herr Bijouterie-Exporteur Georg Bujard in Pforzheim, verlegte seine Geschäftslokalitäten nach der westlichen Karl-Friedrichstr. 93. – Gebr. Brodersen, GoldwarenEngros Hamburg, haben ihre Bureaus vergrößert und nach Mühlenstr. 52 (Stadtteil Mühlenburg) verlegt. – Wir teilten in vor. Nummer S.402a irrtümlicherweise mit, daß die Firma Ernst Veeck ihr Edel- u. Halbedelsteingeschäft nach Hettenrodt bei Idar verlegt habe. Hierzu wäre nun zu berichten, daß die genannte Firma von Hettenrodt nach Idar übergesiedelt ist

Todesfälle. Am 18. Oktober Verschied in Schwäb. Gmünd nach langem, schweren Leiden Herr Privatier Julius Kuttler, früherer Teilhaber und Mitbegründer der Firma Gebr. Kuttler, im Alter von 68 Jahren. Der Verstorbene war von einer unermüdlichen Arbeitskraft bis ihn ein schweres Augenleiden, welches völlige Erblindung zur Folge hatte, zwang, sich ins Privatleben zurückzuziehen. Durch sein biederes, liebenswürdiges Wesen, wie durch seinen ausgesprochenen Wohltätigkeitssinn hat sich Herr Kuttler ein dauerndes Andenken gesichert. Möge ihm die Erde leicht werden! – Einen weiteren, schweren Verlust hat die Gmünder Edelmetallindustrie und das Kunstgewerbe durch den am 19. Oktober erfolgten Tod des Herrn L. C. Köhler, Inhaber der gleichnamigen Ringfabrik, zu verzeichnen, welcher im 48. Lebensjahre einer schmerzlichen Venen-Entzündung erlag. Als tüchtiger Techniker und umsichtiger Geschäftsmann hat der Verblichene es verstanden, sein Geschäft aus kleinen Anfängen heraus zu seiner jetzigen Blüte und Bedeutung emporzubringen und sich die Achtung und das Vertrauen seiner Mitbürger zu erwerben. Außer verschiedenen Ehrenämtern, welche Herr Köhler inne hatte, war er Mitglied des Gewerbeschulrates und Vorsitzender der Gewerbebank seit einer Reihe von Jahren. Sein allzufrühes Hinscheiden erregt allgemeines Bedauern. Ehre seinem Andenken! – In Villingen starb Herr Handelskammersekretär Dr. Knorz an einem Lungenleiden nach achtjähriger Wirksamkeit im Dienste der Schwarzwälder Handelskammer und damit der Uhren-Industrie. Wir kondolieren! Verschiedenes. Herr Dr. Kretsch an in Dresden, Direktor des Historischen Museums, wurde als Leiter des Kunst- und Gewerbemuseums nach Weimar berufen. – In Geislingen St. ist Prof. Ziegler, der schon 15 Jahre lang als Zeichenlehrer an der dortigen Gewerbeschule wirkte, vom Gemeinderat und Gewerbeschulrat zum Vorstand bestellt worden. – Die Silberwarenfabrik Franz Mosgau, Berlin, errichtet für die Exportkundschaft am Pforzheimer Platz ein großes Musterlager. – Die Firma Theodor Friesinger in Pforzheim, Erbprinzenstr. 12, hat die Vertretungen der Firmen Koch & Bergfeld, Silberwarenfabrik in Bremen, der Mittweidaer Metallwarenfabrik Rudolf Wächter & Lange in Mittweida (Sachsen), und der Lüdenscheider Metallwerke, A.-G., vorm. Jul. Fischer & Basse in Lüdenscheid (Westf.) für den Pforzheimer Platz übernommen. – Die vereinigten Thüringer Metallwarenfabriken, A.-G., in Mehlis wollen dieses Jahr wie im Vorjahre 12% Dividende verteilen. – Die A.-G. für Metallindustrie vorm. Gustav Richter in Pforzheim erzielte einen Reingewinn von 83465 Mk. gegen 48064 Mk. im Vorjahr, woraus nach 34046 Mk. (i. V. 20221 Mk.) Abschreibungen 10% Dividende gegen 8% im Vorjahre verteilt werden. – Herr Stephan Bing ist als Mitglied der Direktion in den Vorstand der Nürnberger Metall- und Lackierwarenfabrik vorm. Gebrüder Bing, A.-G., in Nürnberg eingetreten. – Herr Hugo Rentzsch, langjähriger Vertreter der Württembergischen Metallwarenfabrik (Zweigniederlassung Göppingen), ist in den Vorstand der Berliner Metallwarenfabrik H. A. Jürst & Co., A.-G. in Adlershof-Berlin eingetreten.

Aus Innungen und Vereinen.

Im Badischen Kunstgewerbeverein in Karlsruhe hielt am 4. Oktober Herr Geh. Regierungs- und Gewerberat Dr. Muthesius von Berlin einen höchst interessanten Vortrag über das Thema: „Die nationale Bedeutung der kunstgewerblichen Bewegung.“ U. a. führte der Redner aus, daß ein offener Protest gegen den französisch-romanischen Kulturkreis um die Mitte des 19. Jahrhunderts zuerst in England entstanden sei, habe sich aber nur langsam Bahn gebrochen und erst in den 90er Jahren auf Deutschland hinübergegriffen. Rasch sei aber da eine verborgene Energie ausgelöst worden, die sich in den besten deutschen Köpfen als Gegenwirkung gegen die Stil-Imitationen seit Jahren angesammelt hätte. Nach etwa 10jähriger Arbeit könnten wir heute auf eine große einheitliche Entwickelung zurückblicken. Als Verdienst der kunstgewerblichen Bewegung sei hervorzuheben, daß sie mit den Stil-Imitationen völlig aufgeräumt habe. Auf der Dresdner Ausstellung sähen wir, wie alles eine neue, selbständige Sprache rede. In sehr eingehender Weise besprach sodann der Redner die Vorteile und Mängel der neuen Bewegung, den Widerstand der Fabrikanten usw. Noch werde es lange dauern, bis der Stilformalismus völlig überwunden sei, aber gebrochen sei bereits seine Macht. Die kommenden Wege werden und müssen dieselben sein, die das neue Kunstgewerbe eingeschlagen hat. Das letzte Endziel könne nichts anderes sein, als die Architektur, denn im Grunde genommen gebe es kein Kunstgewerbe, sondern nur eine Architektur. Alle die Aufgaben, die jetzt das Kunstgewerbe löse, seien schon Teilaufgaben der Architektur; das Kunstgewerbe sei zur Raumgestaltung geworden, beschäftige sich also mit dem springenden Punkt der Architektur, der Ge

staltung des Raumes. Die neue künstlerische Gesinnung, die sich auf allen Kunstgebieten anmelde, könne auch nicht auf künstlerische Außerungen allein beschränkt bleiben; eine echte, in der Zeit wurzelnde Kunst müsse in innerer Wechselwirkung zum ganzen Zeitgeist stehen, müsse sich widerspiegeln in unseren Sitten und Gebräuchen. In allen unseren Lebensäußerungen müsse eine Läuterung nach der Seite der Echtheit des Empfindens und der Wahrhaftigkeit des Ausdrucks erfolgen.

Der Fachverband für die wirtschaftlichen Interessen des Kunstgewerbes (Geschäftsstelle Berlin W. Jägerstr. 22) beschäftigte sich in seiner ersten Sitzung nach den Sommerferien mit den Ergebnissen des Delegiertentages des Verbandes Deutseher Kunstgewerbevereine in Dresden, auf welchem besonders die Frage der Konkurrenz, welche die Lehrwerkstätten und Leiter der staatlichen und staatlich unterstützten Kunstgewerbeschulen dem Kunstgewerbe durch Übernahme von Privataufträgen machen, und über welche von dem Fachverbande unter Angabe des tatsächlichen Materials bei der Regierung Beschwerde geführt ist, Gegenstand der Verhandlungen war. Mit großem Befremden und unter lebhaftem Protest wurde die Behauptung des preußischen Regierungsvertreters auf dem Delegiertentage aufgenommen, daß die von dem Fachverbande erhobenen Beschwerden „in nichts zerflossen“ seien. Es wurde beschlossen, den beteiligten Ministerien diesen Protest zur Kenntnis zu bringen und gleichzeitig weiteres tatsächliches Material aus der neuesten Zeit zur Begründung zu unterbreiten.

Geselligkeitsverein „Dinglinger“, Dresden. Der Verein hielt am Sonntag den 7. d. M. sein erstes diesjähriges Wintervergnügen, durch einen Familienabend im Hotel Herzogin-Garten ab. Trotzdem der befreundete Uhrmachergehilfen-Verein, Chronologie am selben Tage sein Stiftungsfest feierte, war der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Vergnügungsausschuß hatte es auch an nichts fehlen lassen, den Mitgliedern, deren Damen und Gästen einen recht genußreichen Abend zu bieten. Die Vorträge bei der Abendunterhaltung, welche sämtlich von Mitgliedern ausgeführt wurden, unter gütiger Mitwirkung einer jungen Dame, wechselten in gutgewählter Reihenfolge ab und endeten mit einem flott gespielten Theaterstück. Sämtliche Vorträge fanden den wohlverdienten Beifall der Anwesenden. Der darauf folgende Tanz hielt die große Mehrzahl bis zum Schluß noch in äußerst fideler Stimmung zusammen, und für viele folgte der Schlußtanz noch viel zu früh. Mit Freuden wurde wahrgenommen, daß viele Kollegen als Gäste anwesend waren, und der letzte Vereinsabend hat gezeigt, daß es ihnen im Kreise der fidelen Dinglinger gut gefallen hatte. Es hatten sich fünf Kollegen als neue Mitglieder angemeldet, die größte Anzahl an einem Abend seit dem Bestehen des Vereins, und so wurde zu aller Freude die 50. Aufnahme gefeiert. Daß der kollegiale Sinn immer so bleiben und dem Verein immer mehr Kollegen zuführen möge, daraufhin ein kräftig „Gut Borax“! G. P.

Neues aus Hanau.

Go11n er – Gedächtnis-Ausstellung. Der Kunstverein beabsichtigt, mit seiner Weihnachts-Ausstellung eine Gedächtnis-Ausstellung von Werken des im April dieses Jahres verstorbenen Emailmalers Hermann Gollner zu vereinigen. Diese Ausstellung soll die Tätigkeit Gollners nicht nur als Emailmaler zeigen, sondern auch aus seinem früheren künstlerischen Wirkungskreis, der Genre- und Landschaftsmalerei, Werke in Olund Aquarelltechnik enthalten. Aber gerade die Emailmalereien Gollners sind sämtlich in festen Händen, und so würde die Ausstellung ohne Emailarbeiten ein ganz ungenügendes Bild von der Tätigkeit des Künstlers geben, wenn es dem Vorstand nicht gelingt, einige größere und kleinere Stücke in Emailliertechnik leihweise zu erhalten. Der Vorstand des Kunstvereins richtet daher an unsere Mitbürger die Bitte, es möchten diejenigen, welche Emailbilder von Gollner besitzen und diese für etwa vier Wochen zur Verfügung stellen wollen, dem Vorsitzenden, Herrn Stadtbaurat Thyriot, baldgefälligst Mitteilung davon zukommen lassen. Erst bei genügender Zusage ist das Zustandekommen der Ausstellung gesichert.

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Zolltarifentscheidungen in Deutschland. Feine Ketten aus Neusilber: Die als echte Maschinenketten bezeichneten Ketten sind aus Neusilber hergestellt und sollen zu Uhrketten weiter verarbeitet werden. Durch die sorgfältige Formung, die Reinheit und eigenartige Zusammenfügung ihrer Glieder, sowie durch den Verwendungszweck kennzeichnen sich die Ketten als Schmuckgegenstände, und sind diese als feine Ketten aus Neusilber zu verzollen. Herstellungsländer: England, Frankreich. Tarifwert 880, Zollsatz 60 Mk. für 1 Dtzd. – Zollbehandlung von eisernen Hutnadeln. Hutnadeln von der Beschaffenheit der Proben, die aus etwa 20 cm langen polierten eisernen Nadeln bestehen und mit einem unscheinbaren Knopf aus gepreßtem schwarzem Glase versehen sind, können im Sinne der Anmerkung zu „Schmuckgegenstände“ auf Seite 629 des Warenverzeichnisses nicht zu den Schmucknadeln gerechnet werden, sondern sind nach Ziffer 2a, 3 des Stückwertes „Nadeln“ auf Seite 485 a. a. O. auf Grund des Tarifwertes 841 zum Satz von 50 Mk. für 1 Dtzd. zu verzollen. – Unfertige Bestandteile von Uhrgehäusen zu Taschenuhren. Von den vorgelegten Bestandteilen von Uhrgehäusen zu Taschenuhren ist Probe 1 ein zur Aufnahme des Werkes, sowie zur Befestigung des Glasreifens und des Uhrdeckels (Bodens) bestimmter Reif (Rand) aus Silber; Probe 2 ein zur Aufnahme des Glases bestimmter, teilweise vergoldeter aus Silber, Probe 3 ein aus Messingblech ausgestanzter, nicht vernierter usw. Staubdeckel, Probe 4 ein zur Aufnahme des äußeren Deckels bestimmter Reif aus Silber, Probe 5 ein äußerer Deckel (Boden) aus Silber. Sämtliche Bestandteile bedürfen vor ihrer Zusammensetzung noch einer wesentlichen Bearbeitung (Anlöten von Scharnieren, Polieren usw.). Sie sind deshalb nach Beschaffenheit des Stoffes zu verzollen. Hiernach unterliegen Waren von Beschaffenheit der Proben 1, 2, 4 und 5 als Silberwaren der Verzollung nach TarifWert 776 mit 600 Mk. und Waren VOn BeSchaffenheit der Probe 3 als Messingblechwaren der Verzollung nach Tarifwert 878 mit 30 Mk. für 1 Dtzd. Herstellungsland: Schweiz. – Zollbehand1ung von Hemdknöpfen aus vergoldetem Messing mit Fuß aus Perlmutter. Die Knöpfe bestehen aus einer kleinen runden Perlmutterscheibe, in der eine Vorrichtung zum Anknöpfen des Kragens an das Oberhemd eingelassen ist. Da die Knöpfe nur diese Verwendung finden können, also lediglich

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praktischen Zwecken dienen, und beim Tragen nicht zur äußeren Erscheinung kommen, so können sie nach der Anmerkung zum Stichwort „Schmuckgegenstände“ auf Seite 629 des Warenverzeichnisses nicht als Schmuckknöpfe angesehen werden. Sie sind vielmehr, da der bewegliche, zungenförmige Teil der Anknöpfvorrichtung nach der vorgenommenen Untersuchung nicht aus verniertem, sondern aus vergoldetem, unedlem Metall (Messing) besteht, nach Ziff. 10 Abs. 2 der Vorbemerkung zum Warenverzeichnis ebenso zu verzollen, wie die ganz aus solchem Stoff hergestellten Waren, d. h. bis gemäß dem Stichworte „Metallwaren“, Ziffer 2a, 1 auf Seite 461 a. a. O., in Verbindung mit der Überschrift zum Stichworte „Knöpfe“ auf Seite 373 a. a. O., des Tarifwertes 884, 175 Mk. für 1 Dtzd., zuzurechnen. – Be– arbeitete Schmuckketten aus Eisen. Diese Schmuckketten nebst dazugehörigen Hefteln sind aus naturfarbigem oder braungefärbtem, poliertem, schmiedbarem Stahl hergestellt und dienen zum Schließen von Kleidern, Pelzkragen usw. und daneben zur Zier. Herstellungsland: Frankreich. Zollsatz: 24 Mk. für 1 Dtzd. – Auslegung des § 4 der Taraordnung. Die innersten, zu je 6 von einem größeren, nicht zum Reingewichte gehörigen, umschlossenen kleinen Kartons, in denen je ein einzelnes Stück der sog. Gablonzer Artikel eingeht, gehören im Sinne der vom Bundesrat erlassenen Taraordnung (§ 4) zum Reingewicht und sind daher mit zur Verzollung zu ziehen, weil diese innersten weder für den Versand noch für die Aufbewahrung im Kaufhause erforderlichen Kartons bei dem Einzelwerk auch in der Regel in die Hand des Käufers übergehen.

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Eine hervorragende Neuheit auf dem Gebiete des Emaillierens von Gold- und Silberwaren hat die bekannte EmailleurAnstalt von Konrad Fix in Schwäb. Gmünd eingeführt. Der Hauptvorteil dieses neuen Verfahrens beruht darin, daß das zeitraubende Vor gravieren der zu emaillierenden Sachen fortfällt. Herr Fix emailliert jetzt auf ganz glatte Flächen ohne jede Eingravierung. Diese echte Feuer-Emaille liegt dünn auf, und ist der Farbeneffekt mindestens derselbe wie bei dem alten Verfahren. Weitere hervorragende Vorteile liegen darin, daß diese neue Emaille nicht springt, ja sogar sich biegen läßt. Ferner verträgt sie dieselbe Behandlung wie Emaille älteren Verfahrens. Die emaillierten Gegenstände können leicht vergoldet werden usw. Eine ganz besonders hoch zu schätzende Eigenschaft der neuen Emaille liegt darin, daß es jetzt möglich ist, die nach neuem Verfahren emaillierten und unmodern gewordenen Gegenstände einfach in anderen Stilarten überzuemaillieren. Erfreulich ist es auch, daß die Herstellungskosten sich auf keinem Fall höher, sondern eher noch niedriger als seither stellen.

Von Kunstgewerbeschulen.

Einem Wunsche der Norwegischen Regierung gemäß hat das Kgl. Preußische Ministerium für Handel und Gewerbe angeordnet, daß ein Teil der von den preußischen Fachschulen auf der dritten deutschen Kunstgewerbe – Ausstellung in Dresden, ausgestellten Arbeiten der oben genannten Regierung für eine Ausstellung in Christiania zur Verfügung gestellt werden. Die norwegischen Bevollmächtigten wählten nur ausgeführte Gegenstände und zwar von verschiedenen Schulen einige Stückenvon der Krefelder Handwerker- und Kunstgewerbe schule, von der wir in letzter großen Nummer (41) einige Abbildungen und auch einen ausführlichen Artikel brachten, sämtliche Einzelgegenstände.

Vom Kunsthandwerk.

Der vom „Berliner Verein für Luftschiffahrt“ für die Berliner Luftballon-Fernfahrt gestiftete Preis ist ein prächtiges Stück kunstgewerblicher Arbeit. Er besteht aus einem silbernen Ballon, dessen oberer Teil stark vergoldet ist. Der Ballon, ungefähr 50 cm hoch, wird von zwei Figuren auf der Erde festgehalten.

Das kunstgewerbliche Magazin Georg Leykauf in Nürnberg hat zurzeit ein hervorragendes Stück Nürnberger Kunstgewerbefleißes ausgestellt, das auf ca. 1200 Mk. zu stehen kommt und von einer hochstehenden Dame bestellt wurde. Es ist eine achtteilige hellblonde Schildpatt-Kammgarnitur, mit Silbermonogramm verziert, wozu nur erstklassiges blondes HavannaSchildpatt verwendet wurde.

Aus der Gold- und Silberschmiede-Werkstätte von Gg Sanktjohann sers Erben (Inhaber Max Strobl) ist wieder ein schönes Stück Münchener Goldschmiedekunst hervorgegangen. Es ist eine Monstranz, nahezu 1 m hoch, ganz in Silber vergoldet mit vielen echten Steinen. Die Arbeit ist im romanischen Stil gehalten und mit großer Feinheit durchgeführt. Erfreulich ist es, daß das Werk vollständig aus dem Schablonenhaften heraustritt, das Kirchengeräten, die man oft anderwärts zu sehen bekommt, anhaftet. Die eigenartige Form und die Details lassen erkennen, daß die Arbeit mit großem Verständnis und technischer Fertigkeit geschaffen. Der MonStranzfuß stellt die Erde mit dem Wendekreis dar. Der Baum des Lebens, dessen stilisiertes Wurzelwerk die Erdkugel umklammert, trägt den Oberbau. Die vier Evangelisten am Fuße versinnbildlichen das Evangelium, das nach allen Teilen der Welt hinausgetragen wurde. Die Türme und Dächer der Bekrönung stellen das himmlische Jerusalem dar. Unter einer goldenen Kuppel, die auf Lapissäulen ruht, thront Gott Vater, der segnend seine Hände erhebt. Im Mittelpunkt der Monstranz erblicken wir die Luna, welche die Hostie trägt. Auch diese Arbeit ist wieder ungemein sinnig erdacht. Ein Schiff, welches Christus bedeutet, ruht auf Wellen, die die Zeit symbolisieren. Die Taube auf dem Schiffe kündigt den Frieden.

Die Hostie bildet gleichsam das Segel, und der Mast ist ein Kreuz. Zu beiden Seiten stehen Cherubine, welche mit ihren Posaunen die Lehre Christi verkünden, die Drachen zu ihren Füßen deuten den unterjochten Unglauben. So ist alles bis ins kleinste Detail mit viel Liebe und künstlerischem Können durchgeführt. Die Monstranz ist für die St. Rupertuskirche in München bestimmt, für welche die Firma schon manch schönes Kirchengerät geschaffen.

Ein Kunstwerk von hohem Silberwert, ca. 15000 Mk., ein prächtiger Tafelaufsatz, ist seitens der Stadtgemeinde Essen dem Fräulein Berta Krupp bzw. Frau von Bohlen und Halbach zugedacht. Am Hochzeitstage selbst konnte nur die Photographie überreicht werden, weil die Arbeit noch nicht beendet. Lieferant ist Herr Juwelier Aug. Linden in Essen.

Für die Werkstatt.

Um auf runde, ovale Glas- oder Steingutteller Glasschalen Vasen usw. metallene Fassungen gut aufzukitten, schmilzt man sich folgende Mischung: 80 g weißes Wachs, 320 g pulverisiertes Kolophonium und 165 g englisches Rot. Ist alles geschmolzen, so setzt man 40 g Terpentin hinzu und rührt tüchtig um, bis derselbe erkaltet und zähflüssig ist. Soll beim Aufkitten die Arbeit flott vonstatten gehen, so muß der Kitt warm angewandt werden. Will man Britanniametall oder silberne Hülsen resp. Beschläge an Glasröhren oder -gefäße kitten, so wird unter den vorher erwähnten Kitt Alabastergips gemengt. J. B.

Das galvanische Verkupfern, Versilbern und Vergolden von Glas und Porzellan. Um einen Glas- oder Porzellangegenstand mit einem ornamentalen Kupfer, Silber oder auch Goldüberzug zu schmücken, verfährt man, wie die Technische Rundschau schreibt, folgendermaßen: Man bedeckt den Gegenstad mit einer leitenden Schicht, indem man eine Lösung von Goldchlorid oder Platinchlorid versetzt mit Schwefelbalsam oder Terpentinöl, in welchem Schwefel gelöst ist, und die Masse auf die Porzellangegenstände aufpinselt. Hierauf erhitzt man den Gegenstand schwach und kann sodann durch nochmaliges Überstreichen mit dem Pinsel die leitende Schicht stärker machen. Sodann brennt man den Gegenstand in einer Muffel, bis sich eine glänzende Metallschicht gebildet hat, die nun zur Verkupferung, Versilberung usw. auf galvanischem Wege ohne weiteres geeignet ist. Die Verkupferung erfolgt auf galvanischem Wege, indem man den Gegenstand als Elektrode in ein Kupferbad bringt, durch das man kurze Zeit hindurch einen Strom von etwa 3 Volt Spannung schickt. Die verschiedenen Ornamente müssen dabei mit dünnen Kupferdrähten verbunden werden, damit der elektrische Strom überall und gleichmäßig wirken kann und nichts isoliert ist. Hierauf spült man den Gegenstand gründlich ab, bringt ihn einen Augenblick in kochendes Wasser und trocknet ihn dann in Sägespänen ab. Da alle kupfernen und verkupferten Gegenstände leicht an der Luft oxydieren, überzieht man dieselben am besten bald nach dem Verkupfern mit einem farblosen Lack; man taucht sie zweckmäßig in Zapontauchlack. Als Kupferoder Silberbad ist ein alkalisches, d. h. cyankaliumhaltiges, zu wählen, welches sehr gleichmäßige homogene Niederschläge gibt. Es gibt eine ganze Anzahl von Rezepten für diese Bäder und ist noch zu bemerken, daß zur starken, schweren Verkupferung oder Versilberung der Metallgehalt der Bäder möglichst hoch zu nehmen ist. Wir nennen z. B. für das Bad folgendes bewährte Rezept: In 30 Liter heißem Wasser löse man 8 kg Cyankupferkalium, füge dann 200 g 99prozentiges Cyankalium hinzu und setze nach erfolgter Lösung 1000 g kalzinier Soda hinzu. Hierauf wird das Gemisch filtriert, die Lösung mit Wasser verdünnt bis zum Volumen von 100 Litern und sodann 200 g kristallisiertes Chlorammonium hinzugesetzt. Dieses Bad arbeitet am besten bei einer Temperatur von 20–25° C und einer Stromspannung von 2,5–3,5 Volt. – Für leichtere Werkupferung empfiehlt sich folgendes Kupferbad: Man löst 38 neutrales kristallisiertes essigsaures Kupfer in 25 Liter warme" Wasser und setzt unter stetem Umrühren allmählich 1,8% kalzinierte Soda zu und hierauf 3,75 kg doppelschwefligsau”

Natron. In die dabei entstehende grünliche Lösung bringt man durch ein Steinzeugsieb 3,75 kg 99prozentiges Cyankalium, bis das Bad klar aussieht und setzt dann 1,5 kg kristallisiertes Chlorammonium zu. Alsdann wird die Lösung mit Wasser bis auf 100 Liter Volumen verdünnt und das Bad bei einer Temperatur von 20–25° C und mit 2,7–3,5 Volt Stromspannung verwendet. Für die Bäder verwendet man für kleinere Mengen Steinzeugwannen, für größere Mengen Wannen aus Pitchpineholz. Als Stromquelle kann man Bunsenelemente oder ähnlich zusammengesetzte Elemente oder Dynamomaschinen verwenden. Bezüglich der Güte des Endresultats sind beide Methoden gleichwertig, jedoch wird sich auch selbst bei kleineren Anlagen der Betrieb mit Dynamomaschinen billiger gestalten. Auf diese Weise kann man auch Tauschierungen von verschiedenen Metallen herstellen, indem man z. B. in eine Metallfläche von Eisen, Kupfer oder Bronze die Zeichnung des Ornaments vertieft graviert und dann die hohe ursprüngliche Fläche mit Decklack beträgt und in das Kupfer-, Gold- oder Silberbad bringt. Man läßt dann den Strom so lange kreisen, bis die vertieften Gravierungen mit dem galvanisch niedergeschlagenen Metall ausgefüllt sind. Nachher entfernt man den Decklack mit Terpentinöl und hämmert das niedergeschlagene Metall zuerst dicht, alsdann feilt, schabt und mattiert man die Oberfläche glatt. Unsere Elektrizitätsfirmen haben heut ganz besondere Typen von Dynamomaschinen für galvanische Zwecke auf den Markt gebracht und liefern auch die dazu gehörigen Einrichtungen. Weitere Angaben über die Zubereitung der Bäder, der Chemikalien usw. finden Sie in dem „Handbuch der galvanischen Metallniederschläge“ von Dr. Langbein, sowie in dem Buch „Galvanostegie und Galvanoplastik“ von Paul Jenisch, woselbst auch die erforderlichen Einrichtungen zu erhalten sind. – Diese Bücher sind durch den Verlag der „Deutschen Goldschmiede-Zeitung“ zu beziehen.

Rechtsrat, Rechtsschutz für Goldschmiede. Wichtige gerichtliche Entscheidungen.

Pflicht des Lehrmeisters, es zu erwähnen, wenn bei ihm einzelne Zweige des Handwerks nicht betrieben werden. Ein Lehrling klagte auf Auflösung des Lehrverhältnisses, weil in dem schriftlichen Lehrvertrage gedungen war, „dem Lehrling sein Gewerbe als Dreher vollständig zu lehren“, der Lehrmeister aber sich weigerte, ihm das englische Drehen zu lehren, die Kenntnis dieses Zweiges aber ein notwendiges Erfordernis jedes Metalldrehers sei. Der Lehrmeister bat um Abweisung der Klage und trug vor, daß das englische Drehen in seinem Geschäft höchst selten vorkomme und er nur verpflichtet sei, das zu lehren, was er bei normalem Geschäftsbetrieb zeigen bzw. lehren könne. Bei Beginn der Lehre hatte weder der Lehrling noch der Lehrmeister etwas über das englische Drehen und dessen Vorkommen oder Nichtvorkommen im Geschäfte des Beklagten gesagt. Der Lehrvertrag wurde von dem Gewerbegericht als aufgelöst erklärt. Durch Beweisaufnahme stellte das Gericht fest, daß die Kenntnis des englischen Drehens für einen vollständig ausgebildeten Metalldreher notwendiges Erfordernis und andererseits, daß in dem Geschäfte des Beklagten dieser Zweig nicht oft genug vorkam, um einen Lehrling darin auszubilden. Das Gericht ging weiter davon aus, daß der Lehrling auf Grund des schriftlichen Lehrvertrages erwarten durfte, in allen den Fertigkeiten ausgebildet zu werden, die für einen Metalldreher zu können nötig sind, also auch im englischen Drehen, daß also der Lehrmeister, der diesen Unterricht verweigerte, objektiv den Vertrag nicht erfüllte. Da der Lehrling und sein Vater den Metalldreherberuf nicht kannten, durften sie nach Ansicht des Gerichts bei dem Versprechen des Lehrmeisters, den Lehrling sein Gewerbe als Dreher vollständig zu lehren, sich beruhigen und hatten keine weitere Erkundigungspflicht. Es wäre vielmehr Aufgabe des Lehrmeisters gewesen, dem Lehrling und seinem Vater bei Besprechung des Lehrverhältnisses zu sagen, daß der Begriff „vollständig“ nach den Verhältnissen seines Betriebes eine Einschränkung erleide, insofern, als der Lehrling das englische Drehen bei ihm nicht erlernen könne. Er hatte die Pflicht, den vertragschließenden Gegner vorher aufzuklären, da er die Verhältnisse kannte. Weil er dies unterlassen, war der Lehrvertrag aufgehoben.

Patente und Gebrauchsmuster für die Werkstatt.

44a. 175242. Wilhelm Volk und Karl Klein in Pforzheim. Federn des Glied für Zieharmbänder, Ringe, Gürtel usw. Patentiert im Deutschen Reiche vom 30. September 1905 ab. Den Gegenstand der Erfindung bildet ein federndes Glied für Zieharmbänder, Ringe, Gürtel u. dgl. Dasselbe zeichnet sich dadurch aus, daß es aus einem Stück gestanzt und so gestaltet ist, daß es die Herstellung einer ausziehbaren Kette ohne Vermittlung von Zwischengliedern und Lötung gestattet. Auf der Zeichnung ist eine Reihe solcher Glieder in Normalstellung durch Fig. 1 dargestellt. Fig. 2 zeigt dieselbe Gliederreihe auseinandergezogen, Fig. 3 ein einzelnes Glied in Vorderansicht und Fig. 4 in Seitenansicht. Das aus einem Stück gestanzte Glied für Zieharmbänder, Ringe, Gürtel u. dgl. hat ungefähr die Form eines M, dessen federnde Schenkel a und b in knopfähnlichen

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Haken c auslaufen. An ihrer Vereinigungsstelle bilden die Schenkel a und b Schleifen d, durch welche die freien Schenkelenden des nächsten Gliedes greifen und durch die Haken c am Durchgleiten verhindert werden. Sobald an der durch die Glieder gebildeten Kette ein Zug wirkt, nähern sich die federnden Enden. Beim Nachlassen des Zuges haben sie das Bestreben, in ihre Normallage zurückzukehren, dabei gleiten die Schleifen d an den Schenkeln a und b hinauf. Die Herstellung dieser Glieder aus einem Stück und in einem Arbeitsgang ohne Lötung oder dgl. ist eine äußerst billige. Die weitere Ausbildung bzw. Ausschmückung der Grundform erlaubt große Veränderungen und können daher die verschiedensten Gegenstände mittels derselben hergestellt werden. – Patent-Anspruch: Federndes Glied für Zieharmbänder, Ringe, Gürtel usw., dadurch gekennzeichnet, daß dasselbe aus einem Stück in der Weise gestanzt ist, daß dessen federnde Schenkel (a, b) an ihren freien Enden je mit einem knopfähnlichen Haken (c) versehen sind, während sie an ihrer Vereinigungsstelle Schleifen (d) bilden, durch welche die Schenkel des nächstfolgenden Gliedes hindurchtreten, wobei sie durch die als Widerlager dienenden Haken (c) gehalten werden, so daß besondere Zwischenglieder oder eine sonstige Befestigungsweise nicht erforderlich sind.

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