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Doch kehren wir zur Gegenwart zurück! In den Haussaländern westlich vom Tschadsee fand der Reisende Staudinger zwei Arten alter Perlen, die sehr hoch geschätzt wurden. Eine nicht große Kette kleiner, walzenartig geformter Glasperlen von bläulich schimmernder Farbe kostet 100 Mark und darüber, ein hohes Zeichen der Wertschätzung, besonders wenn man bedenkt, daß man für eine solche Summe in Lagos an europäischen Sachen, also auch an neuen Glasperlen, alles mögliche erhält. Nach Aussage der Eingeborenen findet man diese Perlen im Grunde alter Häuser – die Neger begraben ihre Toten nicht selten in der Hütte, die alsdann verlassen wird – oder im Flußgeröll. Am Ostufer des Njassasees steht bei den Wambotto neben alten flachen blauen Ringperlen, anscheinend echten Aggri, eine andere Art schwer zu erlangender Perlen in hoher Geltung. Sie ähneln in der Farbe teils den sogen. Scheinkieseln, teils gewöhnlichem weißen Quarz und haben in ihren größten Stücken 4–5 cm Durchmesser. Die bläulich schimmernde Farbe, die sie jedenfalls hohem Alter verdanken, läßt darauf schließen, daß auch sie vor Jahrhunderten eingeführt sind. Vom Njassasee führt uns ein Sprung zu den Basuto in Transvaal, die zur Zeit ihrer Blüte jedenfalls zu den größten Gourmands im Perlengeschmack gehörten. Gewisse seltene Perlarten bildeten das Prärogativ der regierenden Häuptlinge und ihrer Frauen. Besonders eine gelbe oder eine schwarze standen in größtem Ansehen und dienten oft als Sühnegeld und Tribut, mittelst dessen die Unterhäuptlinge Gunst oder Schutz des Oberhauptes erkauften. Kaufen konnte man diese Perlen nie und nirgends, Leuten niederen Ranges brachte ihr Besitz sogar Gefahr an Gut und Leben. Es kommen siebzehn verschiedene Arten vor, die fast alle klein und aus durchscheinendem Glase sind. Ohne Zweifel sind sie durch Abschneiden aus längeren Glasröhren hergestellt. Ihre Wertschätzung spricht sich schon in ihren Namen aus, deren Bedeutung die Neger zum Teil selbst nicht kennen, ein Beweis, daß die Stücke trotz ihre Einfachheit von auswärts eingeführt sind. Einige führen den im Njassagebiet gebräuchlichen, von den Basuto gar nicht verstandenen Namen Talama, d. h. Gold, sie sind gelb oder grüngelb, durchscheinend und von Zylinderform. Eine andere dieser einfachen Perlen, eine hellschwefelgelbe opake Art, heißt Tacha, d. h. Schönheit (Abb. 3, Tamala, und 1, Tacha). Letztere ist die wertvollste von allen. Der Name einer andern Art bedeutet: die Perle, mit der man Frieden erkauft. Nach ihren Farben bekannt sind die Erbse (grün) und die Perlhuhnperle (schwarz mit schmalen weißen Längsstreifen). Da auf der Halbinsel Guirat in Vorindien noch jetzt ähnliche Perlen fabriziert werden, so könnten sie vielleicht aus Indien stammen: doch könnte man auch an mittelalterliches Fabrikat aus Venedig oder antikes aus Phönizien denken. Neben diesen meistens einfachen „echten“ Aggri geht nun unter demselben Namen eine Menge von bunten Schmelz-, Email-, Porzellan- und sogar Tonperlen um, welche sicher zum Teil nicht geringeren Alters als jene sind, aber doch besser von ihnen auch dem Namen nach unterschieden würden. Auch sie finden wir schon in Gräbern vergangener Jahrtausende, teils in einfacher, teils in prunkvollerer Ausführung. Glas- und Emailperlen, wie die beiden abgebildeten (7 und 8), finden sich in Urnengräbern aus der Völkerwanderungszeit; die kleinere ist weiß mit hellgrüner Einlage, die größere dunkelblau mit grünem und weißem Schmelz. Die Technik dieser Perlen ist zum Teil eine sehr kunstvolle und läßt auf jahrtausendelange Dauer des Gewerbes schließen. Interessante Mitteilungen über den Wert und Gebrauch dieser Kunstperlen bei mehreren Dajakstämmen im Innern Borneos macht ein holländischer Forscher. Von Häuptlingen und Reichen werden im allgemeinen häufiger alte Perlen ver

wendet, die in früheren Zeiten aus unbekannten Gegenden zu der Insel gelangt sind, von Unbemittelten neue, die aus Singapore eingeführt, keineswegs aber dort angefertigt werden; denn die Fabrikationsstätten dieser Kunstperlen, die wir hier in Europa kaum zu sehen bekommen, sind große Exportfabriken in Venedig (Muraw), Gablonz in Böhmen und Birmingham; einige Arten stammen vielleicht auch aus China. Neue Perlen dieser Fabriken als alte zu verkaufen, ist unmöglich, da letztere infolge des langen Gebrauchs an der Oberfläche verschlissen, vom Fette der Haut durchzogen oder, wenn sie in der Erde gelegen haben, an der Oberfläche verwittert sind. Der Sachverständige unterscheidet beide Arten sofort. Der Preis einer Perle richtet sich nicht nur nach ihrem Alter, sondern auch nach ihrer Art. In den Jahren 1896–1900 galt eine verbreitete Art alter Perlen 100 Gulden das Stück. Der Sultan von Kutei besitzt eine, die 40 000 Gulden Wert hat; sie ist doppelt-kegelförmig, 2 cm groß und besteht aus gelbem, von Bündeln verschiedenfarbiger Glasurstreifen durchzogenen Porzellan. Manche Stämme schätzen den Besitz alter Perlen höher als den von Geld. Nur wo die Eingeborenen oft mit malaiischen Händlern in Berührung kommen, veräußern sie ihren Perlenbesitz, was einen lebhaften Handel zwischen Binnenland und Küste verursacht. Unsere Abbildung zeigt uns zwei der neueren Sorten, eine lange hellblaue mit dunkelblauem Streifen und eine kürzere von brauner Grundfarbe mit dunkelblauem, hellblau umrahmten Ornament (9 und 2b). Auch auf Borneo stammen die alten Perlen zum großen Teile aus Gräbern und werden in diesen Fällen von den Stämmen, in deren Bereich die Gräber liegen, aus Abscheu nicht gebraucht, sondern im Handel weiter vertrieben. Sie dienen ebenso wie im Kongogebiet stellenweise auch als Geld, meistens innerhalb des Stammes. Man verwendet diese Perlen zu Halsketten, Armbändern und Leibgürteln, wobei man die schönsten Stücke, sowohl schön gezeichnete neue als auch alte sehr wertvolle, nebeneinander in die Mitte bringt, rechts und links davon die minder schönen oder wertvollen. Die Perle begleitet den Sajak von der Wiege bis zum Grabe. Bei jeder bedeutenden Zeremonie des Lebens, bei der Geburt, der ersten und zweiten Namengebung, der Eheschließung, werden Perlenketten geschenkt, und so wächst der Besitz, um schließlich zum Teil mit ins Grab zu wandern; denn dem Toten werden für das Leben im Himmel einige der kostbarsten Schmucksachen mitgegeben. Überdies werden in alle Körperöffnungen der Leiche Perlen gesteckt und auch auf die Körperteile solche gebunden, zur Besänftigung der bösen Geister, die sich sonst der Leiche bemächtigen könnten. Merkwürdigerweise haben Nachforschungen nach dem Ursprung dieser alten Perlen, die hier und in Afrika, auf den Südsee-Inseln und in Amerika noch jetzt eine so große Rolle spielen und ehedem auch bei uns so hoch geschätzt wurden, eine bestimmte Quelle bisher nicht ergeben. Die Glas- und Emailindustrie, vor Jahrtausenden in Ägypten in so hoher Blüte, ist an den Ufern des Nils wahrscheinlich auch erfunden worden. Die hoch entwickelte Glas- und Porzellanindustrie der Phönizier, welche lange mit ägyptischen Erzeugnissen Handel trieben, gründete sich völlig auf die erstere. In Ägypten finden sich in Gräbern der jüngeren Steinzeit, 2800–2500 v. Chr. oder noch früher, schon Perlen; aber es sind geschliffene und durchbohrte Natursteine verschiedenster Art, Quarz, Achat, Karneol, Marmor, Muscheln u. a. Perlenketten bescheidener Art aus Stein enthalten ja auch bei uns schon die Gräber der jüngeren Steinzeit, z. B. des berühmten Grabfeldes zu Rössen, Kr. Merseburg. Erst um 2200 v. Chr. traten in Ägypten Perlen aus glasiertem Ton (Fayence) auf, und während der 18. Dynastie waren Glasperlen noch eine Seltenheit. Aber seit Ramses II. treten sie in großen Mengen auf. Wie Phönizien von Altägypten, so lernte Venedig vom Orient, und schon im 13. Jahrhundert nach Chr. nahm in der Lagunenstadt die Glasindustrie einen solchen Umfang an, daß 1292 auf Verfügung des Großen Rates die Glasöfen, die für den Export arbeiteten, nach Murano

verlegt wurden. Dort werden noch jetzt die Perlen zumeist nach den Mustern der alten Ägypter und Phönizier verfertigt, oft so täuschend, daß sie von gut konservierten alten nicht zu unterscheiden sind. Für uns moderne Europäer ist aber diese ganze Schmuckindustrie merkwürdigerweise völlig von der Bildfläche verschwunden.

Herstellung von Lötwasser, Lötpulver und Lötpasta.

TE)as Löten kann definiert werden als die Verbindung zweier Metallteile durch Einfügen eines anderen in geschmolzenem Zustande befindlichen Metalles § zwischen die Stöße der beiden Metallstücke. S=S Dieses andere Metall ist in der Regel irgend eine Legierung, welche bei einer niedrigeren Temperatur als die miteinander zu verbindenden Metalle schmilzt, an diesen festhaftet und sie auf diese Weise vereinigt. Das zur Verbindung dienende Metall wird allgemein mit Lot bezeichnet. Damit das Lot festhaftet und eine feste Verbindung erzielt, ist es von großer Wichtigkeit, daß die Metalle an der Lötstelle eine rein metallische Oberfläche besitzen und auch während des Lötens rein bleiben. Bei Neuherstellungen verursacht dies keine Schwierigkeiten; wenn aber Reparaturen an alten Gegenständen vorgenommen werden sollen, ist es häufig recht schwierig. Die Gegenwart von Rost oder jede oxydierte Oberfläche bildet nämlich ein wesentliches Hindernis für eine wirksame Lötung; es ist bekanntlich Tatsache, daß man eine einwandfreie Lötung nur dann erhält, wenn das Lot sich mit dem zu verbindenden Metall an dessen Oberfläche aufs innigste vermengt und eine Legierung mit demselben bildet. Eine solche kann aber nur erfolgen, wenn das Lot mit einer reinen Metalloberfläche in Berührung kommt. Das Löten wird bekanntlich bei Erhitzung vorgenommen, welche ihrerseits wieder die Oxydation begünstigt. Die Praxis hat aber gelehrt, daß durch Benutzung von verschiedenen Substanzen, welche auf die zu lötenden Metallflächen gebracht werden, diese Oxydation verhindert werden kann. Diesem Zwecke dienen die vom Metallarbeiter verwendeten Lötwasser, Lötpulver und Lötpasten. – Der Arbeiter, welcher mit Zinn, Zink, Messing und Kupfer, Gold und Silber zu tun hat, gebraucht ein Lötwasser, dessen Hauptbestandteil Chlorzink bildet. Er kann sich dasselbe fertig kaufen oder selbst herstellen.

1. Das gewöhnliche Lötwasser erhält man, indem man Abfälle von Zinkplatten oder Zinkblech zu Salzsäure so lange hinzutut, bis kein Aufbrausen oder Aufschäumen mehr stattfindet. Dieses Lötwasser ist sehr wirksam, besitzt aber den großen Nachteil, daß es entschieden säurehaltig ist und deshalb bei Benutzung auf Zinn, Messing, Kupfer und Eisen, welche Metalle durch Säuren angegriffen werden, Rostbildung verursacht bzw. die Metalle zu zerstören strebt, während auch bei mattvergoldeten Sachen dieses Säure-Lötwasser sehr zerstörend einwirkt. Nichtsdestoweniger wird es häufig benutzt.

2. Ein bedeutend besseres Lötwasser gewinnt man, wenn der eben beschriebene Prozeß etwas weiter fortgesetzt wird. Nachdem die Salzsäure so viel Zink aufgenommen hat, als sie bei gewöhnlicher Temperatur zu lösen geneigt ist, wird noch etwas von diesem Metall hinzugefügt und das Ganze gelinde erwärmt. Dadurch löst sich noch mehr Zink auf infolge Bildung von Chlorzink, und die Flüssigkeit wird in höherem Grade neutralisiert. Man muß nun dafür Sorge tragen, daß ein kleiner Überschuß von Zink hinzugetan wird und daß, nachdem die Einwirkung der Säure auf das Zink aufgehört hat, eine geringe Menge des letzteren ungelöst zurückbleibt.

3. Ein noch wirksameres Lötwasser bereitet man auf folgende Weise: Zink wird zu Salzsäure hinzugefügt, bis keine Einwirkung mehr stattfindet, was man daran erkennt, daß kein Aufschäumen mehr erfolgt. Sodann wird von Zeit zu Zeit in kleinen Mengen Ammoniakflüssigkeit hinzugetan, bis die Lösung einen schwach ammoniakalischen Geruch besitzt. Die Flüssigkeit ist jetzt vollkommen neutral und ist bei weitem wirksamer als die gewöhnliche Chlorzinklösung, indem sie die Metalle nicht mehr angreift und infolgedessen nur geringe Neigung zur Rostbildung oder Zerstörung der Metalle besitzt. 4. Ein anderes gut wirkendes Lötwasser wird durch Bereitung einer Chlorzinklösung, wie unter 2 beschrieben, hergestellt, welcher so viel Glyzerin zugesetzt wird, daß dieses den achten Teil der Chlorzinklösung ausmacht. 5. Es sind Versuche gemacht worden, Lötwasser ohne Verwendung von Chlorzink herzustellen; die dabei erzielten Resultate können jedoch nicht als besonders befriedigend bezeichnet werden. Eine derartige Flüssigkeit erhält man z. B. durch Auflösen von 0,45 kg Salmiak, 113 g Borax und 28,3 g Glyzerin in 1,5 Litern Wasser. 6. Das Müllersche Lötwasser wird gewonnen aus 0,56 Liter Phosphorsäure (1 Teil Phosphorsäure auf 8 Teile Wasser) und 0,85 Liter Methylalkohol (Holzspiritus). 7. Ein wirksames Lötwasser geben 0,45 kg Milchsäure, 0,45 kg Glyzerin und 3,6 kg Wasser. Lötpulver: 1. Harz (Kolophonium) in gepulvertem Zustande ist lange Zeit als Lötpulver besonders bei Blei, Eisen und Zinn verwendet worden, und leistet auch gute Dienste, indem es die Rostbildung der gelöteten Metalle verhindert. In der Goldwarenbranche benutzt man, besonders für matte Sachen, mit Vorliebe steifen Terpentin. 2. Ein zusammengesetztes Lötpulver erhält man durch Vermengen und Pulverisieren von 0,9 kg Harz, 56,7 g Salmiak und 16,7 g getrockneten Zinksulfats. Man verwendet hierbei auch anstatt des Zinksulfats die gleiche Menge (16,7 g) getrockneten Borax. Bei Benutzung der beiden letzten Substanzen ist es erforderlich, daß dieselben durch Erwärmen so lange getrocknet werden, bis sämtliches Wasser, welches sie enthalten, entfernt ist; andernfalls wird das günstige Resultat beim Löten wesentlich beeinträchtigt. Lötpasten: Bei den gröberen Arbeiten wird vom Bleiarbeiter Talg benutzt, welches sich mit Harz zu einem Lötfett mischen läßt. 1. Man schmelze 0,45 kg Harz und 0,45 kg Talg und rühre 56 g gepulverten Salmiak ein. 2. 2,26 kg Baumwollsamenöl und 1,81 kg Talg werden zusammengeschmolzen; 1 kg gepulvertes Harz wird hinzugefügt. Die Mischung erhitzt man dann, bis sämtliche Bestandteile geschmolzen sind. Hierauf gibt man 0,12 kg gepulverten Salmiak hinzu und läßt die Masse unter beständigem Umrühren erkalten. Sollte die Paste zu steif werden, so fügt man etwas mehr Baumwollsamenöl hinzu und wird dann eine gut wirkende Substanz erhalten. Bh.

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Gewehrdekorationen.

bwohl die Graveurbranche in eine Anzahl Spezialfächer zerfällt, gibt es eine Menge Graveure, die, wie man sagt, alles machen. Neben Gold- und Ä Silberstich fertigen sie Petschafte, Prägestempel in &S Stahl, Bronze usw. als Wappen u. dgl. an. Ebenfalls Schablonen, Schlagstempel, Ziselierungen und manche andere Artikel. Selbst Holzschnitte werden von diesen vielseitigen Berufsgenossen ausgeführt. Man könnte unter Umständen nicht einmal behaupten, daß ein Spezialist entsprechend Besseres leistet. Ist mancher Graveur über die Ausführungsmanier einer Arbeit unterrichtet, so ist er auch imstande, dieselbe auszuführen, weil ihm die Handhabung des Stichels, des Meißels und des Ziseleurpunzens geläufig sind. Es ist aber selbstverständlich, daß ein Spezialist, ein Graveur, der stets ein und denselben Artikel anfertigt, Vorteile bei der Arbeit ausfindig macht, die von großer Wichtigkeit sein können. Diese Vorteile können die Einspannemanier des Werkstückes betreffen, die Schliffmanier des Stichels oder des Meißels, die Schabe- oder Riffelmethode, die Art, wie die Zeichnung aufgepaust wird, ob der Stichel oder Meißel zur Anwendung gebracht wird und vieles andere. Auch muß man wissen, wo die Anwendung einer Maschine in Frage kommt, welches Metall und welche Sorte von diesem verwendet wird. Die Arbeitsmethode eines Spezialfaches unserer Branche läßt sich sehr oft mit Vorteil für andere Artikel verwenden, weshalb hier näher darauf eingegangen werden soll. Die Gravier arbeiten für Gewehrdekorationen sind Spezialarbeiten, die manchem Kollegen zu Gesicht kommen, deren Arbeitsmethode aber schon deshalb wenig bekannt ist, weil die Arbeiten nur von wenigen ausgeführt werden. Wenn man bei den Gewehrdekorationen von Gravieren und Stechen spricht, so versteht man darunter Meißeln. Nur die winzigsten Arbeiten werden mit der Hand gestochen. Als Meißel werden Stichel verwendet, die in ein Holzheft geschlagen sind, das in der Länge die Hand ausfüllt. Selbst Fädenstichel finden auf diese Weise Verwendung. Der Hammer ist dem Ziselierhammer ähnlich. Die Schlagfläche an demselben ist etwas gewölbt und die Kante abgerundet. Je nach der

Fig. 4.

Feinheit der Striche arbeitet man mit dem Hammerstichel oder sticht mit der Hand und benutzt hierbei fast immer einen Messerstichel. Mancher könnte nun in dem Glauben sein, mit der Hand dasselbe leisten zu können, wie mit dem Hammerstichel. Bei näherer Besichtigung der Arbeit wird man sich aber überzeugen, daß man auf die Dauer solch kräftige Stiche mit der Hand nicht ausführen kann. Auch geht bei einiger Übung der Glattheit des Striches nichts ab. Das Aufzeichnen auf das Metall geschieht mit einer stumpfen Reisnadel, die das Eisen nicht ritzen soll. Tierfiguren u. dgl. werden meistens mittels einer Pause aufgetragen und werden oft Gruppen durch einzelne Pausen zusammengesetzt. Die Pausen bestehen aus Gelatineblättern, in welche die Zeichnung eingeritzt ist. Das Blatt wird mit Zinnober eingerieben und auf das dünn eingewachste Werkstück aufgepaust. Die Blattverzierungen werden stets freihändig zugezeichnet und kann der Graveur entgegen den meisten Arbeitsgepflogenheiten anderer

Spezialfächer seine Fähigkeiten im Entwerfen benutzen.

Die Arbeitsstücke werden fast alle auf einen Kittklotz aufgekittet und in einen Schraubstock gespannt. Dieser ist derart gelagert und verankert, daß er eine halbe Drehung um die Längsachse zu machen imstande ist. Paralellschraubstöcke, die auch Verwendung finden, können eine ganze Drehung machen. Die Befestigung des Schraubstockes muß so sein, daß derselbe den Hammerschlägen beim Meißeln nachgibt und der Stichel den gewünschten Bogen schneidet.

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Die Gewehrdekorationen werden in vielerlei Arten ausgeführt. Gestochene Arbeiten verschiedener Ausführungen, ziselierte, eingelegte und geätzte Dekorationen. Die einfachste und billigste Art ist das sogenannte „gestochene Laub“ (Fig. 1). Die Art der Ausführung würde man mit Flachstich bezeichnen können. Wie aber schon beschrieben, wird die Arbeit mittels Hammer gestochen, auch die Schattierungen mit einem Fadenstichel in derselben Weise. Die Schattierung bei dieser Ausführung soll möglichst das Blatt bedecken, damit sich dieses gut von dem glatten Grund abhebt. Bei einer anderen Ausführung tritt das Mattieren des Grundes hinzu. Dies geschieht entweder durch Einschlagen einer Hohlperle oder durch flaches Ausnehmen des Grundes mit einem feineren Fadenstichel. Bei dieSer Methode wird das Laub selbstverständlich sparsamer schattiert, damit sich die glatten Blätter gut von dem matten Grunde abheben. Wie aus den beigefügten Abbildungen ersichtlich, ist meist ein mehr oder weniger reich ausgeführtes Akanthusblatt verwendet, oftmals aber auch Wein- und Eichenlaub. Fig. 2 zeigt eine Gravierung mit reichem Akanthusblatt, welches mit eingestochenen Rippen versehen ist. Diese Art wird mit „Prager Gravierung“ bezeichnet. Blattformen wie beigeStochenem Laub werden auch zu Gravierungen, mit Grund“ zur sogenannten „Wetzgravierung“ (Fig. 3) verwendet. Die Blätter werden hierbei wenig Schattiert und nach dem später beschriebenen „Einsetzen“, wobei die Eisenteile eine dunklere Färbung erhalten, mit Holz und Schmirgel wieder weiß geschliffen. Das Muster kommt hierbei in bester Weise zur Geltung. Die Figuren- und Jagdstücke werden in derselben Art hergestellt. Sie sind alle Wetzgravierung und füllen den zur Verfügung stehenden Raum aus oder werden auch mit den Laubmustern zusammengebracht. (Fig. 4 und 5) Eine weitere Sorte, auch Damaszierung genannt, ist die „englische Gravierung“ (Fig. 8). Auch diese wird mit Jagdstücken oder Figuren, Monogrammen, Wappen usw. in Verbindung gebracht. Die „ziselierten Arbeiten“ werden wie bei der Ausführung „mit Grund“ erst angestochen und der Grund alsdann ausgehoben. Hierauf modelliert man die Figuren mit Meißel und Punzen und mattiert den Grund. Nach der Fertigstellung

dieser Arbeit werden die Figuren in stahlstichartiger Strichmanier schattiert und zwar mit dem Handstichel. Die feinsten Jagdstücke werden wie Stahlstiche behandelt. Zur Erzeugung der feinen Tönung des Grundes benutzt man besondere Rouletten. Bei Laub, kleinen Tannen, Fichten usw. verwendet man Stahlpunzen. Diese Arbeiten behalten die Färbung, die sie durch das Einsetzen erhalten, ganz bei und werden danach mit einem durchsichtigen Lack überzogen, wie alle besseren Stücke. Eingelegte Arbeiten: Bei diesen Arbeiten werden die Figuren, Tiere, Ornamente, Blätter, Wappen, Monogramme und dergleichen mit Gold oder Silber, oder abwechselnd mit beiden Metallen ausgelegt. Zu diesem Zwecke bringt man zunächst die Konturen der Zeichnung auf den Gewehrteil und meißelt dieselben an. Im Gegensatz zu den ziselierten Arbeiten, bei welchen man außerhalb der Konturen bleibt, arbeitet man bei diesen eingelegten Stücken innerhalb der Konturen. Ist die Figur ausgemeißelt, so werden alle Konturen nach außen hin mit einem kleinen Meißel leicht unterhauen und ergänzt man diese Arbeit event. durch Nachstechen mit einem Messerstichel. Es entsteht hierbei ein feiner Grat, der das eingelegte Feinmetall festhalten. Soll. Von der peinlichen Ausführung dieser Arbeit hängt in erster Linie das gute Gelingen, das gute Aussehen und die Dauerhaftigkeit der Einlegearbeit ab. Die Kontur muß straff und sauber dastehen. Die auszunehmende Fläche wird nun mit dem Fadenstichel leicht ausgehoben. Die Tiefe richtet sich nach der Größe der Fläche. Hierauf wird der Grund mittels eines Meißels mit sich kreuzenden Linien versehen. In diesen Linien soll sich das eingelegte Metall festhalten. Es ist darauf zu achten, daß die Linien nicht zu stark aufgehauen werden und der Grat die Fläche überragt. Zwischen dem eingelegten Gold oder Silber würde bei dem Fertigstellen das untere Metall zum Vorschein kommen und die Zeichnung sehr stören. Zum Einlegen verwendet man Feinsilber und bei Gold mindestens Dukatengold. Das legierte Metall würde zu hart sein und sich nicht in der gehörigen Weise verarbeiten lassen. Das Feinmetall wird zu Draht gezogen und gut geglüht. In feinere Linien wird der Draht eingelegt und mit einem entsprechend zarten Mattpunzen eingeschlagen. Der weiche Draht wird hierbei in die unterhauenen Konturen getrieben und auf diese Art befestigt. Breitere Linien, Figuren und dergleichen werden durch nebeneinandergelegte Drahtstückchen, die eins nach dem andern leicht eingeschlagen werden, ausgefüllt. Ist die ganze Fläche ausgefüllt, so wird das Ganze mit dem Hammer nochmals festgeklopft. Danach wird das eingelegte Metall mit einer feinen Schlichtfeile abgezogen, so daß sich eine glatte Fläche bildet. Die etwa nötige Schattierung wird zum Schluß mit dem Messerstichel aufgestochen. Ziselierte Einlegearbeit: Figuren, Jagdstücke, Wappen usw. werden auch zu erhabenen Dekorationen ausgearbeitet. Die ausgenommenen Flächen werden dann mit ziemlich starkem Draht ausgefüllt, der dann nach dem Festklopfen die Fläche etwa überragt. Um die plastische Wirkung noch zu erhöhen, wird der Grund um den betreffenden Teile herum etwas ausgenommen. Die Gold- und Silberteile werden alsdann ebenso wie die Eisenziselierung behandelt. Das Einsetzen hat den Zweck, die weichen Eisenteile

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hart und widerstandsfähiger zu machen und ihnen eine marmorierte, blaugraue Farbe zu geben. Die fertigen Gewehrteile werden in einem Eisenkasten zwischen Lederkohle verpackt und hierin geglüht. Haben die Teile den nötigen Hitzegrad erreicht, so werden dieselben wie Stahl gehärtet, sie werden in Wasser rasch abgelöscht. Hierdurch erlangt das Eisen eine so große Härte, daß es nicht mehr zu bearbeiten ist. Gleichzeitig bildet sich aber auch eine schöne von hell bis dunkelblaugraue marmorierte Färbung. Manche Arbeiter wollen durch entsprechendes Legen der Lederkohle die Färbung etwas bestimmen können. Wie schon gesagt, werden nach dieser Prozedur einzelne Teile der Gravur ausgeschliffen, damit sich dieselben von dem dunklen Grund gut abheben. Alle besseren Arbeiten werden mit einem durchsichtigen Lack überzogen. Der moderne Stil hat sich bei den Gewehrdekorationen noch nicht einzudrängen vermocht.

Von der dritten gemeinschaftlichen Konferenz unserer Fachverbände.

Am 23. September hat in Dresden im Goldenen Engel, wo einst Schiller Wohnung nahm, als er in Dresden ankam, um bei seinem Freunde Körner ein Heim zu suchen, eine Konferenz der Verbände des Edelmetallgewerbes stattgefunden, welche durch den Vorsitzenden des Goldschmiedeverbandes, Herrn Wilhelm Fischer, eröffnet wurde. In Sachen des

Versicherungswesens

teilte derselbe mit, daß auf das erlassene Rundschreiben folgende Gesellschaften geantwortet haben: Niederländischer Lloyd, Hamburg-Bremer Feuerversicherungsgesellschaft, Winterthurer Versicherungsgesellschaft, Versicherungsgesellschaften Hamburg und Oldenburg, Globus, Schweizer National-Versicherungsgesellschaft, Oberrheinische Versicherungsgesellschaft, Magdeburger Versicherungsgesellschaft, Vaterländische FeuerversicherungsAktien-Gesellschaft, Feuerassekuranz-Compagnie in Hamburg, Kölnische Unfall-Versicherungsgesellschaft, der Londoner Phönix in Hamburg, die deutsche Transport-Versicherung in Köln, die Niederrheinische Gütertransport - Versicherungsgesellschaft in Wesel und die Thuringia in Erfurt. Die Gesellschaften haben ohne Ausnahme eine ablehnende Haltung eingenommen. An der folgenden eingehenden Debatte nahmen auch die Vertreter der Mannheimer und Frankfurter Versicherungsgesellschaften teil. Es wurde lebhaft bedauert, daß sich zurzeit Vorteile in der erhofften Weise bei den Versicherungsgesellschaften hinsichtlich des Abschlusses einer Feuer-, Einbruchs-, Transport- und Valoren-Versicherung nicht erreichen lassen. Von einem der Versicherungsbeamten wurde hervorgehoben, daß große Juweliere mit ausreichenden Sicherheits-Einrichtungen überall unterkämen und es sich nur um die kleineren Geschäfte handle. Herr Fischer hob im Anschluß daran hervor, daß für die kleineren Geschäfte eine

Unterstützungskasse geschaffen werden solle, aus welcher ihnen bei Einbruchsdieb

stählen eine Hilfe gewährt werden kann. Die Gründung einer solchen Kasse wurde auch von Herrn Baumert namens der Grossisten befürwortet. Es wurden verschiedene Vorschläge über die Aufbringung der Mittel gemacht. Die Angelegenheit wird von den Verbänden weiter bearbeitet werden. Man beschäftigte sich sodann mit der

Preiserhöhung und Zielfrage.

Von seiten des Herrn Stöffler wurde auf die veränderte Sachlage im Handel unserer Branche hingewiesen, auf die Überproduktion, welche zu „ziellosen Zielen“ geführt habe, auf die sozialdemokratische Agitation, die in Pforzheim Fuß gefaßt und den Arbeitgeberverband bereits zu Konzessionen bewogen habe, usw. Eine Reform der Zielverhältnisse sei unter diesen Verhältnissen mehr denn je notwendig. Es müßten dabei alle der Branche Angehörigen mitwirken, besonders auch die Grossisten. Herr Baumert betonte die Notwendigkeit einer Aufbesserung der Preise, meinte aber, daß für die Regelung der Zielfrage jetzt nicht der geeignete Zeitpunkt sei. Sollte jetzt ein Zwang ausgeübt werden, so würde der gesamte Grossistenstand dagegen sein. Nach Herrn Stöfflers Ausführungen soll auf verlustfreie Kasse

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Kleine Mitteilungen.

Von der Lohnbewegung. Der Arbeitgeberverband in Schwäb. Gmünd beschloß, daß mit Einführung der neunstündigen Arbeitszeit diese von allen Arbeitsgruppen voll einzuhalten sei und daß nur Schleifern, Formern, Schmelzern und Goldpoliseusen gestattet sei, mittags mit der Arbeit fünf Minuten vor 12 Uhr aufzuhören, um notwendige Waschungen vorzunehmen. Bis jetzt war ein vorzeitiges Aufhören von 10–15 Min. auch abends gestattet.

Lohnbewegung in 0berstein. Den Fabrikanten von Oberstein wurde eine Forderung der Metallarbeiter übermittelt, nach der eine Lohnerhöhung von 15% gewünscht wird.

Lohnbewegung. Unter den Arbeitern der Bremer Silberwarenfabrik, Aktiengesellschaft, Sebaldsbrück b. Bremen sind Lohndifferenzen ausgebrochen.

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