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Ein interessantes Gutachten über Diamanten-Imitationen.

IM

Sachen der Lucien - Diamanten hat im Auftrage des tit. Bezirksgerichtes Zürich (I. Sektion) der Goldschmied Albert Steiger in St. Gallen über diese „Diamanten“ ein Gutachten abgegeben, das wir im Nachfolgenden wiedergeben, da es für alle solche Fälle von Bedeutung ist. Dasselbe lautet:

Gutachten. Frage 1. Wie beurteilen Sie die Qualität, Beschaffenheit usw. der sogen. Lucien - Diamanten des Anklägers ?

Antwort. Zu allen Zeiten wurde versucht, seltene und wertvolle Edelsteine möglichst täuschend auf künstlichem Wege nachzumachen. Würde es möglich sein, Produkte herzustellen, die allen Eigenschaften des natürlichen Steines entsprechen, so wären diese künstlichen Edelsteine den natürlichen vollkommen gleichwertig. Der Wissenschaft ist es gelungen, auf künstlichem Wege einige Arten von Edelsteinen, so auch echte Diamanten zu erstellen, letztere jedoch nur in kleinen Exemplaren, die mehr ein wissenschaftliches Interesse besitzen, besonders, da ihr Preis sich bedeutend höher stellt als derjenige der echten natürlichen. Von Zeit zu Zeit ist jedoch in Fachblättern und, aus diesen geschöpft, in der Tagespresse über mehr oder weniger gelungene Versuche auf dem Gebiete der Erstellung künstlicher Edelsteine zu lesen. Vor einiger Zeit (ca. 2 Jahre) wurde sogar in sichere Aussicht gestellt, daß es in Bälde gelingen werde, künstliche Diamanten zu erstellen, in der Größe, daß sie sich als Schmucksteine eignen. Diese künstlichen Diamanten wären nun freilich die gelungenste Imitation der natürlichen, da sie denselben gleich kämen in allen ihren Eigenschaften.

Mir will es nun als höchst wahrscheinlich erscheinen, daß der erfinderische Geist wenig wählerischer und gewissenhafter Spekulanten sich daran machte, diese in breiten Schichten der Bevölkerung verbreitete Kenntnis von der Erstellung künstlicher echter Diamanten zu ihrem Vorteile auszubeuten. Und siehe da, sie boten unter den hochtönenden Bezeichnungen: Bera-, Taits-, Montana-, Sarita-, Kora-, Korona-, Lucios-, Rands-, Lucien-, Jennings-Diamanten dem leichtgläubigen und leicht irrezuführenden Publikum „die beste Diamant-Imitation der Welt“.

Bei dem Laien mußte sich die Meinung bilden, es handle sich bei diesen Diamant-Imitationen um künstliche Diamanten, die dem natürlichen gleich kommen, (während es sich in Wahrheit nur um falsche Diamanten handelt) und die vor dem Wort „Diamant“ stehenden fremdländischen Bezeichnungen: Bera-, Kora-, Rands-, Lucios-, Lucien - Diamanten seien als die Namen der Erfinder des Verfahrens der Herstellung dieser künstlichen Diamanten aufzufassen, um so mehr, da diese schönen Steine und deren Erfindung aus Amerika stammen sollen, aus dem Lande, wo das Unmögliche möglich gemacht wird. Durch entsprechende Aufschriften wie: American Diamonds, Lucien of New York und wie sie sonst noch lauten mögen, wurde das noch plausibler gemacht. Durch eine geeignete pompöse Reklame wurde die Vorstellung erweckt, als ob es sich um etwas ganz Neues, etwas noch nie Dagewesenes, um einen großen Fortschritt der Wissenschaft und der Technik handle. Und doch hat schon im Altertum der Schriftsteller und Naturforscher Plinius bereits ausführlich von dem mit Hilfe von Glasflüssen geübten Betrug im Edelsteinhandel gesprochen und eindringlich davor gewarnt.

Auch hier handelt es sich nur um Glasflüsse. Alle diese Diamanten sind Bleiglas, oder sog. Flintglas, dessen Komposition schon längst bekannt ist. Durch das ganze achtzehnte Jahrhundert hindurch waren Schmucksachen mit imitierten Brillanten (Diamanten mit Brillantschliff) sehr à la mode,

Sie wurden hauptsächlich in Paris gefertigt und nannte man diese Diamanten - Imitation „Straß“. (Es soll sich dieser Name von dem Erfinder, namens Straßer, ableiten.) Diese echten Straß waren von einer solch ausgezeichneten Qualität und kamen in ihrem allgemeinen Effekt dem der wirklichen Brillanten so nahe, daß die heutigen Bera-, Taits-, Rands-, Lucien- usw. Diamanten, hinter ihnen zurückbleiben. Mehr oder weniger gelungene „Straß“ und ähnliche Bleiglasprodukte, Simili (Glasflüsse mit metallischer Unterlage), und geschliffene Bergkristalle wurden und werden bis auf den heutigen Tag zu Schmucksachen verwendet. In den Quincaillerie- und Modegeschäften, in den Bazars und in vielen Goldschmiedsladen hat man schon lange vorher Imitationen von Diamanten kaufen können, wie sie heute von den American Diamonds und Lucien of New York-Häusern dem Publikum als etwas ganz Neues offeriert werden.

Was Neues an der Sache ist, das ist die ins Große gehende pompöse Reklame, mit welcher ein längst gekannter und bestehender Artikel als etwas Neues und Außerordentliches angepriesen wird und dann vor allem aus die Art und Weise der Schaustellung mit elektrischer Beleuchtung bei Tag, wie bei Nacht mit weißen und farbigen Lichtern, die zum Teil fest, zum Teil drehbar angebracht sind. Diese üppige, raffinierte Beleuchtungsart in besonders konstruierten Schaufenster- und Ladeneinrichtungen verleihen diesen Glassteinen einen Licht- und Glanzeffekt, Feuer und Leben, die diesen Eigenschaften des echten Diamanten nahe kommen. Am einfachen Tageslichte wird der Käufer aber bald gewahr, daß der größte Teil dieses Feuers und Lebens kein eigenes, sondern nur ein erborgtes war, ein von außen gekommenes, aber nicht am oder vielmehr im Steine haftendes, und daß von der „besten Diamant-Imitation der Welt“ keine Rede sein kann.

Frage 2. Wodurch unterscheiden sich die Lucien-Diamanten (Simili) von den echten Diamanten?

Antwort. Ein Hauptunterschied zwischen echten Diamanten und Lucien-Diamanten (die ich in der Folge immer nur mit L.-D. bezeichnen werde, der Kürze halber) besteht in der Härte, und die dadurch bedingte Haltbarkeit in der absoluten Unempfindlichkeit gegen alle äußern Einflüsse. Der echte Diamant besitzt die größte gekannte Härte durch die Zahl 10 der Mohsschen Härteskala ausgedrückt. Die Härte der L.-D. ist 5, gleich der des Glases, d. h. weniger als bei allen der meist gebräuchlichsten Schmucksteine. Härte 5 will nun aber nicht heißen, daß der L.-D. die Hälfte der Härte des echten Diamanten besitzt, die Härteskala nach Mohs ist keine theoretisch gleichmäßige. Sie hat große Unterschiede in den Abstufungen. Der Unterschied zwischen der 9. Stufe Korund und der 10. Diamant, ist vielleicht für sich allein so groß, als der Unterschied zwischen der 5. und der 9. Stufe. Es gibt eben kein anderes Mineral, das man in die gewaltige Lücke zwischen den beiden letzten Stufen einreihen könnte. Infolge der geringen Härte wird der L.-D. beim Tragen sehr bald, namentlich an den Kanten der Facetten, abgeschliffen, trüb und blind (siehe Ring K., Act. 78). Mit einer Nadel oder spitzem Stahlstift läßt er sich leicht ritzen (siehe Ring Act. 34) und springt sehr leicht aus unter Zurücklassung einer muscheligen Bruchstelle. (Siehe Ring V., Act. 86.)

In einen Ring gefaßt ist ein echter Brillant bei immerwährendem Gebrauch von unbegrenzter Haltbarkeit und sich immer gleich bleibendem Feuer und Glanz. Die L.-D., die ohne künstliche Beleuchtung in dieser letztern Eigenschaft dem echten Diamant weit nachstehen, verlieren in kurzer Zeit, infolge der Abnutzung durch das Tragen, alles Leben. Sie werden unan

sehnlich und verlieren jede Berechtigung auf den Namen eines Schmucksteines. Eigentümlicherweise befaßt sich die Reklame dieser Diamonds-Geschäfte nur mit den Diamanten - Imitationen, nicht aber mit denen anderer Schmucksteine, wie Türkisen, Opale, Perlen und diverse Farbsteine, welche falschen Steine doch alle auch in Gesellschaft der L.-D. vorkommen. (Siehe Act. 43.)

Frage 3. Haben die L.-D. gleiches Feuer, Leben und Glanz wie die echten Diamanten?

Antwort. Diese Frage ist mit einem entschiedenen Nein zu beantworten. Sie stehen in allen diesen Eigenschaften hinter den echten Diamanten erheblich zurück. Die Begründung und nähere Auseinandersetzung ist im letzten Abschnitt der Beantwortung auf Frage 1, und im 2. Abschnitt derjenigen auf Frage 2 gegeben.

Frage 4. Ob es richtig sei, daß es unter dem Namen „Lucien“ überhaupt keine Diamanten gebe?

Antwort. Es gibt unter dem Namen „Lucien“ keine echten Diamanten, ebensowenig wie unter der Bezeichnung LucienDiamanten. Wohl sind dem Fachmanne, wie auch einem Teil des Publikums Ausdrücke bekannt, in denen ähnlich, wie bei L.-D., dem Worte Diamant ein anderes Wort als nähere Bezeichnuug vorgesetzt ist, so: Kap-, Rio-, Golconda - Diamand. Diese Zusätze besagen alle den Ort der Herkunft, nebenbei auch die Qualität, insofern je nach Fundort die Qualitäten verschiedene sind. Rio (brasilianische) und Golconda (indische) sind den Kap (afrikanischen) Steinen im allgemeinen in Qualität überlegen, von welch letzteren nur die Jagersfonteins den beiden ersten ebenbürtig sind.

Frage 5. Ob es richtig sei, daß die Lucien - Diamanten mit oder ohne Belag ihr Feuer verlieren, sobald sie gewaschen werden, mit andern Worten, ob sie waschecht seien oder nicht?

Antwort. Der Unterzeichnete ist der Ansicht, daß diese Frage im allgemeinen eine sehr sekundäre Bedeutung hat, wenn es sich um Steine handelt, die, infolge zu geringer Härte, sich blind tragen. Immerhin kann sie gegebenenfalls doch von Belang sein.

Als Versuchsobjekte standen mir die unter Act. 43 deponierten 7 Stück Schmucksachen zur Verfügung. Davon habe ich Ring Nr. 2 und 3, sowie Nadel Nr. 4 mit heißer Sodalauge gewaschen und Ring Nr. 5 in verdünnter Schwefelsäure gekocht. Ringe Nr. 1 und 6, sowie Brosche Nr. 7 habe ich völlig intakt gelassen, damit sie als Vergleichsobjekte dienen können.

Es ist zu konstatieren, daß alle drei der Sodalauge ausgesetzten Gegenstände sich durch die Einwirkung der Lauge veränderten.

Am wenigsten geschah dies bei Nadel 4 (falscher Türkis mit 8 L.-D.), deren ursprünglicher Glanzeffekt dem des Ringes Nr. 6 (falscher Opal mit 10 L.-D.) völlig gleich kam. Die L.-D. der Nadel haben an Glanz und Feuer erheblich verloren.

In stärkerem Grade macht sich dies bei Ring Nr. 2 (2 größere und 6 kleinere [1 Stück fehlt] L.-D.) geltend, vergleiche damit den ähnlichen Ring Nr. 1. Die beiden größern L.-D. weisen eine wesentliche Trübung auf, die selbstverständlich eine ziemlich starke Einbuße von Feuer und Glanz bedingt.

Ring Nr. 3 (mit 1 L.-D., sog. Solitäre, in glatter russischer Fassung) hat nur wenig an Glanz verloren. Dabei zeigte sich aber die eigentümliche Erscheinung, daß durch mehrmaliges Eintauchen in die heiße Sodalauge, Abspülen und Trocknen des Ringes bei Vermeidung jeglicher, auch nur der leisesten Gewalt, der „Diamant“ entlang der Fassung an verschiedenen Stellen a usbrach, was offenbar auf die Einwirkung der Sodalauge und die Temperaturunterschiede der heißen Lauge und des Abspülwassers, ca. 10° C., zurückzuführen ist. Frauen, welche die Wäsche selbst besorgen, riskieren nicht nur Trübung der Diamanten durch die Wasserlauge, sondern auch leichtes Ausspringen des Glassteines.

Dieses verschiedene Verhalten der L.-D. beim Waschen mit heißer Sodalauge, erkläre ich mir durch nicht ganz gleichmäßige Zusammensetzung der verschiedenen Bestandteile der Glasflüsse.

Aus diesen Versuchen resultiert, daß die L.-D. nicht waschecht sind, auch wenn kein metallischer Belag vorhanden ist, wie bei dem Simili, der ohne weiteres dem Waschen nicht Stand hält. Bei Reparaturen von Schmucksachen mit echten Diamanten ist es nicht notwendig, daß, um Lötungen im Feuer vorzunehmen, die Steine aus den Fassungen herausgenommen werden, erträgt doch der echte Diamant ohne Schaden die Hitze, die nötig ist, das Goldlot zum Fluß zu bringen, ca. 1000 ° C. Nach dem Löten kocht der Goldschmied die gelöteten Schmuckstücke in verdünnter Schwefelsäure, damit die Oxydation des Metalls (Gold oder Silber) und die Rückstände des Lötmittels, wie Borax usw. sich darin auflösen. Dieses Abkochen geschieht ohne jede Schädigung des Diamants. Ich war begierig zu wissen, wie sich der L.-D. zu dieser Prozedur des Abkochens in verdünnter Schwefelsäure verhalte, natürlich ohne vorher eine Lötung an dem Tombakringe vorgenommen zu haben. (Siehe den Ring Nr. 5, 1 L.-D. in Krappenfassung.) Ich konnte keine Einwirkung der Säure auf den Stein im Sinne einer Trübung beobachten, aber beim Abspülen nach dem Herausnehmen mit Wasser von 100 Temperatur erfolgte ein leises Krachen und siehe da, der L.-D. war in seinem Innern total vielfach gerissen, ohne daß äußere Schädigungen vorhanden sind. Offenbar können die L.-D. die verhältnismäßig geringen Temperaturunterschiede nicht ertragen und springen, d. h. sie zeigen den Charakter des Glases, was sie auch in Wahrheit sind.

Frage 6. Ob die vom Ankläger angesetzten Preise für die L.-D. angemessen oder noch zu hoch seien, und ob es richtig sei, daß zwischen Preis und Ware gar kein Verhältnis bestehe?

Antwort. Zur Zeit, da Kläger gegen Goldschmied Peter klagbar wurde, war der Preis der L.-D.-Schmucksachen 6 Fr. per Stück. (Siehe Act. 21.) Kurz vorher kosteten sie noch 8 Fr. per Stück. (Siehe Act. 9, 10 und 21.) Seither ist der Preis bis auf 75 Cts. und jetzt sogar auf 50 Cts. per Stück hinuntergegangen, für dieselbe Ware! Ein „Konkurrent“ des Lucien of New York, der „Jennings“-Diamanten vertreibt, verkauft ähnliche Ware heute für 25 Cts., die nach eigener Angabe früher 10 Fr. kosteten. Damit dürfte der Preis dieser Ware auf dem richtigen Wert derselben angekommen sein!

Der Wert der L.-D. für sich allein, ohne Fassung, ist sehr klein, je nach Größe des Steines 1—25 Cts. Die Fassung besteht aus einer Metallkomposition, Messing oder Tombak. Die darauf verwendete Arbeit wie das Material entspricht dem Wert des Diamanten! Alles ist begreiflichsterweise Maschinenfabrikation. Die Vergoldung ist eine schwache. Scheint sie doch nur die Aufgabe zu haben, dem Schmuckstück ein schönes, goldähnliches Aussehen nur so lange zu geben, bis es in der Hand des Käufers ist. Beim Tragen zerrinnt dann all der Schein in sein Nichts. Die Goldähnlichkeit und die Diamantenschöne verschwindet wie nächtliche Beleuchtung vor dem Sonnenlichte, wie die Lüge vor der Wahrheit. (Siehe Ring Frau V., Act. 86.)

Wenn der Beklagte in seinem Inserat (Act. 2) den Wert der L.-D.-Ringe auf kaum 2 Fr. angibt statt 8 Fr., und neuerdings 6 Fr., so hat er, wenigstens einem großen Teil derselben, damit noch zu viel Ehre angetan; denn der Wert von Ringen wie Act. 86, 80, 79 ist mit 1 Fr. bis 1.50 Fr. noch sehr gut bezahlt, wie ich durch Nachfrage in Quincaillerie - Geschäften weiß. icht mehr wert sind Broschen, wie Act. 43, 78 und 80, und Ohrringe, wie Act. 78 und 34. Wenn der heutige Preis per Schmuckstück noch 50 Cts. ist, so ist es doch nicht unmöglich, im Gegenteil höchstwahrscheinlich, daß dieser Preis noch höher steht, als der Ankaufs- oder resp. Selbstkostenpreis; denn die Massenfabrikation solcher Waren basiert auf einer Billigkeit, die geradezu verblüffend wirkt.

Aus dem Vergleich des wirklichen Wertes zum gefor in Betracht, daß der Ankaufspreis dieses Ringes 40-50 Cts derten Preis von 8 Fr. resp 6 Fr. per Schmuckstück ergibt beträgt, so ist mit 14 Fr. für dieses Stück 35 resp. 28 mal dieser sich eine 5-8malige resp. 4-6malige Überforderung, Wert bezahlt worden. und dabei rechne ich als wirklichen Wert den Ladenpreis ad Act. 80 (Frau Z.): 1 Paar Manschettenknöpfe, eines anständigen Quincaillerie-Mode- oder Bazargeschäftes für Doublé, je 1 L.-D. 1 Brosche, falsche Perle, 12 kleine L.-D., ganz ähnliche Ware. (Der Einkaufspreis resp. Selbstkostenpreis Fassung Messing versilbert und vergoldet. 1 Ring mit 1 L.-D. ist gewöhnlich ein Drittel dieses Betrages.) In der Beantwortung (Stein fehlt), Fassung Tombak. 1 Paar Ohrringe mit je einem der folgenden Frage werden noch horrendere Überforderungen falschen Opal und 8 L.-D.-Sinilisteine (metallischer Belag an konstatiert.

der Unterseite) 1 Stück defekt, Fassung Messing, Ohrbogen Es besteht also zwischen Preis und Wert der Ware Silber, Preis dieser 4 Gegenstände zusammen 24 Fr., Wert 8 Fr. kein Verhältnis resp. ein recht schlechtes Verhältnis zu zusammen, also 3 malige Überforderung. Ungunsten der Käuferschaft, und es darf wohl von einer ver ad Act. 31 (Frau A. P.) hat in die ihr gehörigen goldenen werflichen Ausbeutung des Publikums die Rede sein. Nichts Ohrringfassungen je einen L.-D. fassen lassen und zahlte illustriert den Wert dieser Schwindelwaren besser, als die dafür 18 Fr. Mit 3 Fr. bis 2.50 Fr. wären die L.-D. samt der Selbstheruntersetzung des Preises von 8 Fr. und 10 Fr. Arbeit des Fassens sehr gut bezahlt gewesen, also 9 resp. auf 50 Cts. und 25 Cts. per Schmuckstück.

7 malige Überforderung. Frage 7. Wie beurteilen Sie die von den Zeugen unter ad. Act. 86 (Frau V.): 1 Ring mit 1 L.-D., Fassung Messing, Act. 78, 79, 80, 81 und 86 produzierten Kaufsobjekte nach Qualität Preis 4 Fr., Wert 1 Fr., also 4 malige Überforderung. und Wert usw.?

Dieser Ring ist eine gelungene Illustration des traurigen Antwort. ad. Act. 78 (H. K.): 1 Ring, 8 karät. Gold, Endes dieser ,,Diamant-Ware. 4,2 Gramm schwer, glatte russische Fassung, ein L.-D. Preis Das Mißverhältnis zwischen Wert und gefordertem Preis 36 Fr. Ladenpreis beim Goldschmied 11 Fr. bis 12 Fr., also der L.-D.-Waren, diese krassen Überforderungen, bilden 3 malige Überforderung. 1 Brosche mit 19 kleinen L.-D., eine schreiende Ungerechtigkeit gegenüber den Käufern und Fassung Messing. Preis 6 Fr., Wert 1 Fr. bis 1.50 Fr., also zeigen so recht die Macht der Reklame, die, skrupellos angewandt, 6 resp. 4malige Überforderung. - 1 Paar Ohrringe, immer von Erfolg begleitet ist, zum großen Schaden des Publije 1 L.-D., Fassung Messing, Ohrbogen Silberdraht. Preis 2 Fr., kums sowohl als der ansässigen soliden, ehrenhaften Berufsleute, Wert i Fr. bis 1.50 Fr. Es ist hier zu berücksichtigen, daß denen von diesen „Volksbeglückern“ noch zugemutet wird, daß Zeuge laut Protokoll und Rechnungsbeleg obige Ohrringe in sie sich nicht einmal ihrer Haut wehren und die ungeschminkte Tausch zu 2 Fr. erhielt, um die Differenz von 2 Fr. nicht in bar Wahrheit sagen dürfen. zurückerstatten zu müssen. (Unter „Wert“ verstehe jeweils Damit habe ich nach bestem Wissen und Gewissen die mir Ladenpreis, wie oben in Frage 6.)

vorgelegten Fragen beantwortet und hoffe, meiner Aufgabe gerecht ad Act. 79 (Frau Sch.): 1 Ring mit einem L.-D., Fassung eworden zu sein. (Krappen) Tombak vergoldet. Preis 14 Fr., Wert 1.25 Fr. bis St. Gallen, den 1. Mai 1906. 1.50 Fr., also 11 resp. 9 malige Überforderung. Zieht man

Der Experte: Albert Steiger.

Wie erhält man ein gutes Zinnlot?

We

enn Sie, freundlicher Leser, ein gutes, brauchbares Zinnlot

für Ihre Werkstatt haben wollen, so müssen Sie zunächst unter die Sammler gehen, viel Schokolade essen und die Automaten plündern! Ich meine damit, daß Sie das um die Schokoladentafeln gewickelte Stanniol, dieses zu dünnstem Blech ausgewalzte Zinn sammeln sollen. Wenn Sie dann ein Quantum, so ungefähr 100 g Stanniol gesammelt haben, so rollen Sie es zu einer Kugel und schmelzen es in einer eiserner Schale auf nicht zu starkem Feuer zusammen. Wenn die Masse geschmolzen ist, so rühren Sie dieselbe mit einer alten Nadelfeile noch einige Male gut um, damit die sogenannte Zinnasche ausgeschieden wird. Diese Zinnasche bleibt dann beim Ausgießen in der Eisenschale zurück. Als Einguß benutzen Sie irgend eine alte eiserne Pfanne, die Sie schräg halten, so daß das Zinn in der Ecke des Bodens lang fließt. Den Einguß,

den man für das Gold- und Silberschmelzen benutzt, sollen Sie nicht für das Zinn verwenden, da das geringste Körnchen Zinn, welches darin zurückbleibt, das Gold oder Silber verderben würde. Leider wird dem Stanniol nicht die nötige Aufmerksamkeit seitens des Publikums gewidmet, zumal wenn ich bedenke, daß einige große Schokoladenfabriken jährlich annähernd für 150 000 Mk. Ausgaben für Zinn- und Stanniolverwertung in ihren Betriebskosten zu verzeichnen haben. Wenn Sie aber das Stanniol sammeln, und nicht achtlos in Wald und Flur beiseite werfen, so erhalten Sie erstens ein großes Kapital und zweitens haben Sie ein gutes Zinnlot. Ich möchte Sie daher, meine Herren Kollegen, auffordern, von meinem obigen Vorschlage recht ausgiebigen Gebrauch zu machen, denn in diesem Falle trifft das Wort den Nagel auf den Kopf: ,,Gut und Billig!

H. F.

Kleine Mitteilungen.

Stempelung von Gold- und Silberwaren in Kanada. Durch ein in der Canada Gazette vom 21. Juli d. J. veröffentlichtes Gesetz

The Gold and Silver Marking Act 1906 (Nr. 17/1906) –, das 12 Monate nach dem Tage der Unterzeichnung durch den Generalgouverneur in Kraft tritt, ist bestimmt, daß Waren ganz oder teil

weise aus Gold oder Silber oder aus Gold- oder Silberlegierungen oder mit Gold oder Silber oder Legierungen daraus plattiert usw. wenn sie in Kanada hergestellt, verkauft oder eingeführt werden, in einer in dem Gesetz näher bezeichneten Art gestempelt sein müssen.

(The Board of Trade Journal.)

Ein interessantes Wort des Großherzogs von Baden. Das Großherzogliche Paar und der Hofstaat besuchten am 17. ds. Mts. die Kunstgewerbe-Ausstellung in Karlsruhe, auf der die Pforzheimer Industrie würdig vertreten ist. In seiner Dankesrede sagte der Großherzog u. a.: „Und was ist erstanden ? Ein herrliches Werk, vorbildlich hoffentlich für die Zukunft! Daß sich daran das Gewerbe anschloß, daran war die Kunst schuld. Sie hat das Gewerbe auf die Höhe gebracht. Und ich betone nochmals, die Kunst war es, die zuerst entwickelt werden mußte, um das Gewerbe auf diese Höhe hinaufzuführen.“

4. Muster, die den gesetzlichen Bestimmungen über den Feingehalt genügen, werden, soweit möglich, auf den an die Waren angehängten Bleien gestempelt. Falls die Anhängung von Bleien unmöglich ist, wird das Muster in der allgemein vorgeschriebenen Weise gestempelt.

5. Bei der Wiederausfuhr von Mustern unter Abnahme der Bleie wird die von ihnen erhobene Stempelungsgebühr nach Maßgabe der allgemeinen Bestimmungen nicht zurückgegeben.

Auf Grund einer Verständigung zwischen dem Finanzminister und dem Verweser des Ministeriums für Handel und Industrie ist bei der Wiederausfuhr von Mustern unter Rückerstattung des Zolles die Abnahme der Bleie, die den Zweck hat, die abermalige Einfuhr der Waren als bereits verzollte unmöglich zu machen, von den Zollämtern sofort auszuführen, nachdem sie die Wiederausfuhr der Muster unter Rückerstattung des Zolles genehmigt haben.

Es steht ein Wirtshaus an der Enz. Ueberstunden und damit zusammenhängend das Blaumachen und die unwirtschaftliche Lebenshaltung, Alkoholgenuß usw., das sind nach dem Bericht der badischen Fabrik-Inspektoren große Uebel unserer Industrie. Erfreulicherweise lassen sich immer weitere Kreise von der Schädlichkeit des Alkohols überzeugen. Vielleicht trägt, so schreibt der Pforzheimer Anzeiger, eine zeitgemäße Umdichtung des bekannten Wirtshauses an der Lahn ein wenig zur Bekämpfung des so schädlichen Alkoholgenusses bei.

Ein Zukunftsbild.
Es steht ein Wirtshaus an der Enz
Dort treibt man pure Abstinenz.
Man kriegt nur Selterswasser!
Wie sind vergnügt die Goldschmied da
Und die Graveur und Fasser!

Neues aus Hanau. Die Lohnbewegung der Gold- und Silberarbeiter, die zurzeit in Hanau besteht, hat noch keine Erledigung gefunden. Die hiesigen Fabrikanten haben ebenfalls einen Verband gegründet, welcher sich soeben mit den Forderungen des Verbandes der Metallarbeiter befaßt, und wäre es zu wünschen, wenn die Frage in einer, für Prinzipal und Arbeiter, zufriedenstellender Weise Erledigung fände, damit das bevorstehende Weihnachtsgeschäft nicht notleidet. Wird man den Arbeitern einen höheren Lohn bewilligen, so ist eine allgemeine Preiserhöhung nicht zu umgehen. Schon heute kündigen mehrere Kettenfabrikanten eine Preiserhöhung an, deren Höhe erst nach Abschluß der Bewegung normiert werden kann. Jedenfalls tun die Herren Juweliere gut, wenn sie ihren Weihnachtsbedarf rechtzeitig decken, damit ihnen durch nicht zu vermeidende Lieferungsverzüge keine Ungelegenheiten entstehen. Abgesehen von dem Umstand, daß die seit Jahren üblichen Überstunden, die Nacht- und Sonntagsarbeit ganz besonders eingeschränkt werden sollen, herrscht zurzeit noch ein großer Mißstand, nämlich - der Platinamangel. Das Platina ist im Preise ganz enorm und zahlt man gern jeden Preis, wenn man nur welches bekommen kann. Einige Platinaschmelzen geben nur noch geringere Quantitäten an langjährige Kundschaft ab und zwar nur gegen Gegenlieferung der Platinabfälle und Platinafeilung. Auswärtige Schmelzen haben sogar ihre Lieferungen vorläufig eingestellt. Wenn dieser Mißstand nicht gehoben wird, wofür keine Aussicht vorhanden ist, wird es in Zukunft unmöglich sein, eilige Lieferungstermine bei größeren Aufträgen einzuhalten. Die weit und breit in jeder Beziehung als leistungsfähig bekannte Juwelenfirma Hosse & Schlingloff, Hanau, hat in der Friedrichstraße daselbst ein Anwesen erworben, um einen der Neuzeit entsprechenden Fabrik- und Kontorneubau zu errichten. Wir wünschen derselben auch für die Zukunft viel Glück!

Verstelgerung badischer Münzen und Medaillen. Eine der bedeutendsten Sammlungen badischer Münzen und Medaillen gelangt am 8. Oktober durch die Firma Sally Rosenberg in Frankfurt a. M. zur Versteigerung. Beginnend mit den Prägungen des Herzogs Christoph (1475—1527), erstreckt sich die Kollektion bis auf die heutige Zeit, und sind neben den kurant gewesenen Münzsorten namentlich alle historischen Ereignisse, welche sich in badischen Landen zugetragen haben, durch Schautaler und Medaillen versinnbildlicht.

Stempelung der von Geschäftsreisenden eingeführten Gold- und Silberwaren in Rußland. Laut Zirkular des Zolldepartements vom 5. August 1906, Nr. 18430, hat der Verweser des Ministeriums für Handel und Industrie, auf die Gesuche von Geschäftsreisenden, die Muster von Gold- und Silberwaren ins Ausland zurückführen, tunlichst eine Beschädigung der Muster bei der Vernichtung der Stempel zu vermeiden, im Einvernehmen mit dem Finanzminister eingewilligt, daß bei den nach Rußland eingeführten Mustern von Gold- und Silberwaren die Stempelung durch Anbringung des Stempels auf einem an die Waren anzuhängenden Blei bewirkt wird und zwar unter Beobachtung folgenden Verfahrens:

1. Auf allen als Muster eingeführten Waren muß die Bezeichnung „Muster“ oder „Modell“ eingraviert oder eingeprägt sein.

2. Derartige Waren sind den Probierbehörden von den Zollanstalten mit einer Bescheinigung dieser letzteren darüber zuzusenden, daß sie tatsächlich Muster sind.

3. Muster von geringem Feingehalt werden nicht eingelassen, und auf Grund der allgemeinen Bestimmungen ins Ausland zurückgeschafft.

Die Wirtin hat die Hosen an
Ihr Mann, der ist ihr untertan.
's ist einer von den braven,
Denn er ist gänzlich abstinent
Nachts kann er prächtig schlafen!

Auch einen Kellner hat das Weib
Auch der trinkt nicht. O nein bei Leib!
Das tat er früher als Presser.
Jetzt kriegt er abends seinen Tee
Und schläft jetzt auch viel besser.

Die Wirtin hat auch einen Knecht
Der trank als Kommis auch nicht schlecht,
Jetzt liebt er Limonade,
ißt Bielefelder Knusperchen
Und Zigarr'n von Schok'lade.

Auch hat sie einen Pikkolo
Das war ein Schmözchen „comme il faut".
Sie schützt ihn vor Versumpfung,
Damit er ja kein Bierherz kriegt
Und keine Leberschrumpfung.

Im Haus ist auch 'ne Büffetdam'
So frisch, solid, ganz wundersam
Sie liebt ja wohl mitunter.
Na, ja! Sie war Kontor-Fräulein,
Da ist's ja auch kein Wunder.

Auch eine Dienstmagd hat die Frau
Bemuttert wird die sehr genau.
Doch nie gibt's ein Zerwürfnis,
Die Magd war früher Polissös,
D'rum hat sie kein Bedürfnis.

Ein Goldschmied hat dies Lied erdacht
Er hatte Weilarbeit gemacht
Und war schon etwas blöde.
Mißfällt sein Lied, dann tut es nichts,
Es ist ja nicht von Goethe!

Br. St.

Ein Erlaß des Königs von Spanien verbietet den Geistlichen den Verkauf von Kunstgegenständen, die sich in den Kirchen und den zugehörigen Gebäuden befinden, besonders solcher, die einen archäologischen Wert haben.

Personalien und Geschäftsnachrichten.

Auszeichnungen. Für ihre 30 jährige Dienste als Arbeiterin bei der Doublékettenfabrikations-Firma Karl Mondon in Pforzheim erhielt die Ehefrau des Goldarbeiters Friedrich Dietz von Huchenfeld das von der Großherzogin gestiftete Ehrenkreuz für langjährige treue Arbeit. Die feierliche Ueberreichung erfolgte auf dem Rathaus zu Huchenfeld in Gegenwart des Gemeinderats, des Frauenvereins und des Herrn Mondon, der die Jubilarin mit einem schönen Blumenstrauß und einer namhaften Gabe erfreute. - Nicht weniger wie 16 Arbeiter und Arbeiterinnen konnten dieser Tage auf eine 25- und 30 jährige Tätigkeit in der Doublékettenfabrik Karl Mondon in Pforzheim zurückblicken. Es sind dies: Marie Dietz, Christine Springer, Karoline Mürrle, Emil Heß, Mathäus König, Emil Lausche, Elias Lindemann, Albert Brecht, Friedrich Müller, Carl Weiß, Jakob Schlegel, Theodor Kuhnle, Dommik Kuhnle, Christ. Barth, Paul Ziegler und Christoph Heinkel. Sie wurden seitens ihres Chefs reich beschenkt. – Dem Professor F. Brochier, Direktor der Kunstgewerbeschule in Nürnberg, wurde vom Prinz-Regenten von Bayern die Ludwigsmedaille für Wissenschaft und Kunst verliehen. Herr MetallwarenFabrikant Lucke in Altenburg wurde zum Hoflieferanten des Herzogs ernannt.

Jubiläen. Am 1. Oktober feiert Herr Otto Keymling sein 25jähriges Jubiläum als Reisender bei der Firma Paul Winckelsesser Nachf. in Berlin.

Firmen-Eintragung. Eingetragen wurde die Ostdeutsche Metallwaren-Industrie, Gesellsch. mit beschränkter Haftung, in Breslau. An Stelle des ausgeschiedenen Ingenieurs Bruno Nöldner ist der Bücherrevisor Josef Siepold, Breslau, zum Geschäftsführer bestellt.

Firmen - Löschungen. Die Kunstgewerbliche Metallwarenfabrik „Orion“ Georg Friedr. Schmitt in Nürnberg ist erloschen.

Die Goldwarenfabrik Morlock & Feuchter ist erloschen.

Geschäfts- Eröffnungen. In Hanau a. M., Nürnbergerst. 25, eröffnete Herr B. Lang eine Kunstanstalt für Semi-Emaille. Herr Fr. Aug. Scherf hat in Nürnberg ein Exportgeschäft kunstgewerblicher Fabrikate eröffnet. Herr Hugo Schiffer in Lüdenscheid (Westf.), ein Spezialgeschäft für feine Metallwaren, Fayence- und Glaswaren. Herr Christian Orth, Spezialgeschäft in Metall-, Kunst- und Luxuswaren in Aachen, Bonn und Lüttich eröffnete in Coblenz ein gleiches Geschäft.

Geschäfts - Übernahmen. Der Geschäftsbetrieb des Gold-, Silber- und Juwelengeschäfts E. Koblassa in Potsdam ist auf den Juwelier Edmund Koblassa daselbst übergegangen, welcher das Geschäft unter unveränderter Firma fortführt. Die Bijouteriefabrik Theodor Friedrich Werner in Pforzheim, welche als Spezialität Broschen, Börsen und Taschen in Silber und Stahl erzeugt, ging auf Kaufmann Hugo Laborenz und Techniker Heinrich Gaul über. Die neue Firma lautet: Theodor Friedrich Werner Nachf., Laborenz & Gaul.

Geschäfts - Veränderungen. Das Bijouterie - Export-Geschäft Adolf Dietrich in Pforzheim ging infolge Austritts des Gesellschafters Adolf Dietrich auf den Sohn und bisherigen Teilhaber Eugen Dietrich über. Die Metallwarenfabrik von Ludwig Häge in Offenbach a. M. ist in den Alleinbesitz des bisherigen Teilhabers Martin Hartmann übergegangen. Herr Albert Oppenheimer ist aus der Firma Martin Mayer, Gold-, Silberwaren und Korallenhandel in Linz (Zweig - Niederlassung der in Mainz bestehenden Hauptniederlassung) ausgetreten. Die Bijouteriewaren-Fabrik Zineder & Co. in Wien, Neustiftgasse 94, ist nach Ausscheiden des Herrn Oskar Holzapfel in den Besitz von Herrn Johann Zineder übergegangen, der sie unter der unveränderten Firma weiterführt. Das HohenzollernKunstgewerbehaus, Leipzigerstr. 13 in Berlin ging in die Hände der Firma Friedmann & Weber über, welche in den Räumen des Kunstgewerbehauses einen Zentralpunkt für das gesamte Kunstgewerbe für alle Gebiete der Wohnungsausstattungskunst einschließlich von Antiquitäten schaffen will.

Geschäfts-Verlegungen. Herr Heinrich Spies, Juwelier in Frankfurt a. M. verlegte sein Geschäft von Hasengasse 5 nach Gr. Eschenheimerstr. 19 II. Die Juwelen-, Gold- und Silberwaren - Handlung von Henri Névir & Sohn in Berlin W. 19,

welche sich seit 58 Jahren im Hause Jägerstr. 33 befand, wurde am 1. September ds. Js. nach Potsdamer Straße 22 a verlegt. Die Herren Bijouteriefabrikanten Jourdan und Haußmann, in Firma Haußmann & Cie., in Pforzheim erwarben das Haus Bleichstr. 96 und verlegen ihr Geschäft nach diesem Hause.

Todesfälle. Herr Juwelier Georg Pullich in Nördlingen ist gestorben. In Þike County (Pensylvania) starb nach kurzem Leiden Herr Carl Fieg. Derselbe war früher Teilhaber der Bijouteriefabrik Hoheisen & Fieg und lange Jahre im Ausschuß des Kunstgewerbevereins tätig. In Ellwangen (Württemberg) starb im Alter von 704/2 Jahren nach langem Leiden der Goldschmied Herr Carl Schilling.

Verschiedenes. In Schwierigkeiten geraten ist die seit 1836 bestehende_und rühmlichst bekannte Firma E. Schürmann & Co. in Frankfurt a. M., deren letzter Inhaber Herr Paul Tübben war. Die Schwierigkeiten sind wohl dadurch entstanden, daß es Herrn Tübben an ausreichenden Mitteln zur Führung eines so gewaltigen Betriebes fehlte. Herr Paul Tübben ist bereits aus der Firma ausgeschieden und Herr Oppenhorst handelsgerichtlich eingetragen. Hoffentlich gelingt es, das altrenommierte Geschäft zu sanieren. Nach einer Meldung der Frankf. Ztg.“ sind jetzt infolge freundschaftlichen Uebereinkommens die Firmen E. Schürmann & Co. Nachf. und Paul Tübben, Gold-, Silber- und Juwelen-Geschäft auf den seitherigen stillen Teilhaber, Herrn Théodor Oppenhorst übergegangen. Dieser führt beide Geschäfte unter der Firma E. Schürmann & Co. Nachf. für eigene Rechnung weiter. Der seitherige Mitarbeiter der Firma Schürmann, Herr Adolf Merath, wird künftig als Geschäftsführer fungieren. - Ein Nürnberger Bürger hat einen silbernen Tafelaufsatz in der Landesausstellung angekauft und der Stadt zum Geschenk gemacht. Die. Arbeit stammt von dem Nürnberger Juwelier Dessart. Die Juwelierfirma J. H. Werner, Hofjuwelier in Berlin, hat in dem neuen Geschäftshaus und Hotel „Adlon“ am Pariser Platz einen Laden für 35000 Mk. gemietet und errichtet darin eine Filiale. Das Hauptgeschäft bleibt Friedrichstr. 173. Nachdem die SemiEmaille - Bijouterie in den weitesten Kreisen Eingang gefunden hat, wird der Herstellung von Semi-Bildern von Seiten der Photographen größere Aufmerksamkeit geschenkt. So hat nunmehr Herr Max Wiesener, Hofphotograph (A. Schmidt Nachf.) in Pforzheim die Fabrikation von künstlerisch ausgeführtem Semi - Emaille - Bilder, sowie echt eingebrannter Emaillebilder seiner Kunstanstalt angegliedert. Die Auskunftei W. Schimmelpfeng. die vielfach den Interessen unserer zahlreichen nach Rußland exportierenden Bijouteriefirmen dient, hat in St. Petersburg, Kirpitschny Pereulok i, eine Filiale eröffnet, der der Auskunftsdienst in den Gouvernements St._Petersburg, Pskow, Nowgorod, Wologda, Olonez, Archangel, Estland, Kurland und im Großfürstentum Finland unterstellt ist. Weitere Filialen sind in Aussicht genommen.

Die nach dem Orient arbeitenden Bijouteriefirmen seien bezüglich ihres Inkassos auf die neugegründete Deutsche Orientbank Aktien-Gesellschaft (Aktien-Kapital 16 000 000 Mk.) aufmerksam gemacht. Sie wurde von der Dresdner Bank, dem A. Schaafhausenschen Bankverein und der Nationalbank für Deutschland ins Leben gerufen und hat ihre Geschäftsstellen in Berlin, Hamburg, Konstantinopel, Alexandrien, Kairo und Brussa.

Von Kunstgewerbeschulen. In den „Schülerwerkstätten für Kleinplastik“ zu Berlin beginnt das Wintersemester am Montag den 1. Oktober. Daß ein kunstgewerblicher Unterricht nicht mehr in der bisher üblichen Weise durch Ausbildung zum Musterzeichner erfolgen kann, ist bereits eine allgemein anerkannte Tatsache. Den Frauen aber, die sich dem Kunstgewerbe widmen wollen, ist bis jetzt nicht die Möglichkeit geboten, sich in den Werkstätten des Handwerks die nötige Vorbildung zu verschaffen. Diese Lücke füllen die seit 6 Jahren in Berlin bestehenden „Schülerwerkstätten für Kleinplastik“ aus, indem dort theoretische und praktische Studien vereint werden. Außer dem Zeichnen und Entwerfen von Kunstgegenständen wird speziell das Modellieren in allen Materialien geübt, auch finden praktische Unterweisungen im Metalltreiben und Ziselieren, Holzschnitzen, Intarsie usw. statt. Das Programm wird gratis versandt durch die Schriftleitung, Berlin W. 30, Landshuter Straße 38. Ebendaselbst gibt der Leiter, Bildhauer Albert Reimann, in seiner Sprechstunde, werktäglich 12 bis 1 Uhr, Auskunft über die Aussichten und Erwerbsmöglichkeiten in den verschiedenen Zweigen des Kunstgewerbes.

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