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Daß die Leipziger Engrosmesse immer noch einen geschäftlichen Anziehungspunkt bildet, hat auch diesmal wieder der Umstand bewiesen, daß manche neue Firma, die bisher unseren Platz gemieden, zugezogen und mit Befriedigung wieder heimgekehrt ist. Es ist sonst nicht unsere Gepflogenheit, einen Meßbericht an dieser Stelle zu geben, der sich im Einzelnen mit den Firmen und ihren Mustern beschäftigt; eine Ausnahme machen wir nur, wenn es sich darum handelt, eine Firma, die zum ersten Male unter den Meßbesuchern weilt, den Willkommensgruß zu bieten. Das ist bei der Firma F. W. Quist aus EBlingen der Fall, die Neumarkt 291. ihr Musterlager aufgeschlagen hatte. In fünf großen Zimmern waren die zumeist schwer versilberten Erzeugnisse der Firma auf langen Tafeln ausgestellt. Schreibzeuge, Geschenkartikel, Kellen, Becher, Bowlen, Zigarettendosen, Serviettenringe, Tafelschippen und Bürsten, Körbe, große Aufsätze, Kaffee- und Teeservice, Salatschüsseln, Teegläser, Menagen, Sparbüchsen, Eierständer, Trinkhörner, ferner versilberte Waschgarnituren zum Export für Südamerika bestimmt, ziervergoldete Zucker- und Bisquitdosen mit farbigen Glaseinsätzen, welch letztere viel nach dem Orient gehen, Eisgestelle, geflochtene Körbe in allen Preislagen, Tortenschaufeln und -Platten, Fischbestecke usw. Die Reichhaltigkeit der Waren, die verschiedenen Stilarten und Geschmacksrichtungen, in denen sie ausgeführt sind, hat uns von der Leistungsfähigkeit der Fabrik Quist überzeugt, die mit einem Personal von mehreren hundert Mann arbeitet. Ohne Zweifel liegt es bei den ferneren Leipziger Messen im Interesse eines jeden Juweliers, sich die ausgestellten Waren mindestens einmal anzusehen. Die Vielseitigkeit des hier gebotenen dürfte manchem Goldschmied völlig neue Objekte bieten, die seinem Geschäft unter Umständen einen erhöhten Umsatz sichern.

Von Ausstellungen. Die in Nr. 33 unserer Zeitung erwähnte Ausstellung des Museums der dekorativen Kunst im Louvre-Flügel zu Paris hat so zahlreiche Besucher aufzuweisen gehabt, daß man den Gedanken aufgefaßt hat, mit jeder neuen Jahreszeit eine Spezialausstellung zu veranstalten, die den Anforderungen der aktuellen Saison entspricht. Der Schmuck soll dabei besonders berücksichtigt werden. Was wir beim letzten Bericht versäumt haben, holen wir heute nach, nämlich, daß auch kostbare, juwelenbesetzte Riesenbörsen, wie sie jetzt so modern sind, ausgestellt sind.

Preiserhöhungen in der Edelmetall - Industrie. Eine größere Anzahl Fabrikanten in Pforzheim versendet an ihre Abnehmer Zirkulare, aus denen hervorgeht, daß sie sich genötigt sehen, ab 1. September d. J. einen Fakturen aufschlag von 5% eintreten zu lassen, infolge Steigerung der Rohmaterialienpreise und ganz besonders durch die in letzter stattgefundene Arbeiterbewegung. Ausgenommen, d. h. befreit vom Aufschlag, sind „Union", ,,Gold - Magnet“, „Silber - Double“, Gold-Scharnierketten sowie stempelfähige Goldwaren.

Ausstellungen. Für die 78. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte wird das K. Münzkabinett Stuttgart mit Unterstützung der Stuttgarter Numismatischen Vereinigung in der K. Altertümersammlung eine Ausstellung von Medaillen, die aus Anlaß früherer Naturforscher- und Ärzteversammlungen geprägt wurden, und sonstiger interessanter Münzen, veranstalten.

Jubiläums - Medaille. Aus Anlaß des 80 jährigen Geburtstages des Großherzogs von Baden und des Festes der goldenen Hochzeit, sowie des 100 jährigen Bestehens des Großherzogtums, soll eine besondere Jubiläums-Medaille geprägt werden.

Zum Tode des Königl. Hofjuweliers Heinrich Mau in Dresden. Wieder ist in der sächsischen Residenz ein Mann seiner Wirksamkeit entrissen worden, der zu den Zierden unseres Standes gehörte. Am 22. August ist nach kurzem Kranksein der Königl. Hofjuwelier Heinrich Mau daselbst verstorben. Eine offene, schlichte Natur, ein ehrenfester Charakter und ein pflichtgetreuer Geschäftsmann, hat Heinrich Mau zu Ehren unserer Goldschmiedekunst ein arbeitsreiches aber auch von Ehren gekröntes Leben hinter sich gehabt. Er war Königl. Sächsischer, Großherzoglich Mecklenburgischer und Herzoglich Altenburgischer Hoflieferant. Heinrich Mau stammt aus einer jener französischen Emigrantenfamilien, die sich in Hanau niederließen. Von dort kam sein Vater nach Dresden. Heinrich Mau wurde am 28. Februar 1843 geboren und ist 1864 Meister geworden. Schon frühzeitig war er der Führer des Geschäftes seines Vaters, dem er durch seinen künstlerischen Sinn, durch die vornehme und solide Handhabung des Betriebes einen geachteten Namen weit über die Grenzen seines engeren Vaterlandes hinaus gegeben hat. In der Dresdener Innung hat er eine Zeitlang das Amt des Kassierers verwaltet. Durch seine großen Unternehmungen (Bau des Viktoriahauses und des Zentraltheaters) wurde er leider dem Innungsleben in letzter Zeit etwas entzogen. Trotz des großen Umfanges seines Geschäftes war doch der Gelderwerb nie sein alleiniger Zweck, sondern immer hatte er bei seinen Bestrebungen den Zweck im Auge, Schönes und Vollkommenes zu schaffen. Falschen Schein und Blendwerk suchte man auch in seinen Bauten, die seines Geistes Stempel tragen, vergeblich. Sie waren auch seinem Geschäft fremd. Das tadellose Material seiner Edelsteine war bekannt. So war auch sein Begräbnis, an dem sich selbstverständlich die Goldschmiede-Innung beteiligte, ein ehrenvolles. Heinrich Mau wird auch in Zukunft uns unvergessen sein!

Personalien und Geschäftsnachrichten.

Auszeichnungen. Herr Bijouteriefabrikant Aug. BoBert und Herr Kabinettmeister Friedr. Haberkern in Pforzheim wurden zu Ehrenmitgliedern des dortigen Gesangvereins Nordstadt ernannt.

Fabrik - Eröffnung. Die Metallbijouterie- und MetallknöpfeFabrik Weigend & Püschner, ein österreicher Haus, hat in Tyssa (Böhmen) eine Zweigfabrik mit einem Arbeiterstand von 24 Personen errichtet. Die Firma gedenkt nach Fertigstellung der maschinellen Einrichtungen gegen 200 Arbeiter zu beschäftigen.

Geschäfts - Eröffnung. Frau Louise Müller hat in Pforzheim, Rennfeldstraße 9 ein Vergoldungs- und Versilberungsgeschäft eröffnet.

Geschäfts-Uebernahme. Mit dem 1. September übernahm Herr Juwelier August Jocks aus Bottrop das Gold- und Silberwarengeschäft von Franz Vell in Coesfeld i. W.

Geschäfts-Veränderungen. Herr Wilhelm Jung, in Firma Jung & Grimm, Bijouterie - Fabrik in Pforzheim, hat das Haus Lindenstraße 50 erworben und siedelt mit dem Geschäft dieser Tage dahin über. Herr Karl Zeh in Pforzheim hat sein Ziselier- und Graviergeschäft nach Jahnstraße 26 verlegt.

Prokuren- Erteilungen. Die Steinhandlung Eugen Kett in Pforzheim, welche auch ein Bijouterieexportgeschäft betreibt, hat Herrn Max Kett als Prokuristen bestellt. Dem Kaufmann Gottlob Britsch in Pforzheim wurde seitens seines Berliner Hauses, Richter & Glück, Prokura erteilt.

Todesfälle. In Leipzig starb Herr Günther Herbst, der Gründer der Goldwarengroßhandung Günther Herbst Nachfolger. In Pforzheim starb an den Folgen eines Unglücksfalles Herr Bijouteriemechaniker Gauthier. In Karlsruhe (Baden) starb Herr Friedrich Schneider, Vergolder.

Verschiedenes. Die Gewerbebank Geislingen wählte zu ihrem 1. Vorsitzenden Herrn Gießermeister Wagner, der bisher das Amt eines 3. Vorsitzenden inne hatte. – Der Verband Berliner Spezialgeschäfte hat, um den Bewohnern der Vororte den Einkauf zu erleichtern, ein großartiges Unternehmen ins Leben gerufen, nämlich eine gemeinsame Expedition nach den Vororten. Unter den Teilnehmern an dieser Expedition befinden sich die mit unseren Branchen verwandten Geschäfte Christofle & Cie., Alfenidewaren usw. und H. Gladenbeck & Sohn, A.-G., Bronzewaren usw. - Das Speditionshaus Brasch & Rothenstein, Zentral-Bureau Berlin, hat einen Spezial - Verkehr nach den Ostsibirischen Häfen Wladiwostok und Nikolaijewsk mit Durchfrachten nach Blagowjetschenk, Chabarowsk, Charbin usw. eingerichtet, und hat in seiner Zentrale Berlin neben der Spezial - Abteilung für den amerikanischen Verkehr eine speziell fachmännisch geleitete Uebersee-Abteilung geschaffen, die über sämtliche Fragen des Versandes, der Expeditionsweise, Frachtkosten, Zollformalitäten usw. Auskunft erteilt. Die Bijouteriewaren-Engrosfirma Gebrüder Maurer in Kreuznach hat die bisher von den Herren Holzhauer & Schuler innegehabte Vertretung dem Herrn Emil Binder, Goethestr. 35 übertragen. – Herr Gewerbelehrer Wilhelm Gaum an der Gewerbeschule Pforzheim wurde landesherrlich angestellt. Herr Prägeanstaltsbesitzer Roll in Pforzheim läßt gegenwärtig in der Baumstraße daselbst einen Neubau erstellen.

Schützt Eure Läden vor Einbruchdiebstahl!

Goldschmuck - Diebstahl. Die Karlsruher Staatsanwaltschaft fahndet nach einem Goldschmuck, der in den letzten Tagen, im Großh. Sammlungsgebäude, entwendet wurde. Es handelt sich um einen Schmuck, aus einem Grabhügel stammend, im Wert von etwa 1500-2000 Mk. Die Schmuckstücke bestehen aus einem Halsring aus hellfarbigem Goldblech im Gewicht von 160 g und einem Armring aus dünnem, verbogenem Goldblech im Gewicht von 14 g. (Siehe Bekanntmachung im Inseratenteil.)

Im Goldwarengeschäft von A. Böhland in Ruhla wurde in der Nacht vom 28. zum 29. August ein schwerer Einbruchsdiebstahl verübt. Die Täter schnitten in die Auslagescheibe mit einem Diamanten eine große Öffnung, durch die sie in den Laden eindrangen. In kurzer Zeit hatten sie ihn fast vollständig ausgeräumt. Nach Angabe des Geschäftsinhabers fehlen Waren im Werte von über 2000 Mk. Die nach den Dieben angestellten Nachforschungen sind bis jetzt ohne Erfolg geblieben.

Patente und Gebrauchsmuster. Patent - Erteilungen. 34 f. 175 226. Speisegabel mit voneinander beweglichen Zinken. Anna Martha Nickol, geb. Lehmann, Dresden, Walpurgisstr. 20. 17. 11. 05.

34 f. 175227. Servierbrett mit Festhalteeinrichtung für daraufstehende Likörkelche und andere mit ausgehöhlten Füßen versehene Trinkgefäße. Fa. H. A. Erbe, Schmalkalden. 13. 12. 05.

Gebrauchsmuster-Eintragungen. 44 a. 278373. Aus drei Teilen, zwei Aufhängern und einem mit Handgriff versehenem Träger bestehender Ordner für Schlüssel und sonstige Kleineisenwaren. Paul Wolf, Stuttgart, Kolbstr. 4B. 25. 4. 06. W. 20232.

44 a. 278382. Hosenknopfbefestigung, bestehend aus einer in den Hosenbund eingenähten, elastischen Stahlschiene mit Löchern für Druckknöpfe. Andreas Reichard, Pfersee. 30. 4. 06. R. 17325.

44b. 278485. Doppeletui für flache Zündhölzer. Georg Salomonsohn, Berlin, Ritterstr. 9–10. 2. 5. 06. S. 13821.

44 a. 278487. Gliederarmband mit innerhalb der Glieder angeordneten Lagerzapfen, um welche jeweils das benachbarte Glied gelagert ist. Fa. L. EBlinger, Pforzheim. 3.5. 06. E. 9041.

44b. 278488. Zigarrentasche mit Zigarrenabschneider. Otto Krüger, Allenstein. 3. 5. 06. K. 27883.

Patent-Bericht, mitgeteilt vom Patentanwalt Dr. Fritz Fuchs, diplomierter Chemiker

und Ingenieur Alfred Hamburger, Wien VII., Siebensterngasse 1. Auskünfte in Patentangelegenheiten werden Abonnenten dieses Blattes unentgeltlich erteilt. - Auszüge aus den Patentbeschreibungen werden von dem angeführten Patentanwaltsbureau mäßigst berechnet.

Oesterreich:
Ausgelegt am 1. April 1903, erteilt am 15. Juli 1903.

Kl. 44a. Winter & Adler, Firma in Wien. Doppelkarabiner, bestehend aus zwei scherenartig verbundenen Teilen, dadurch gekennzeichnet, daß jeder dieser Teile auf einer Seite des gemeinschaftlichen Drehbolzens je einen Karabinerhaken, auf der anderen Seite das Schließstück für den dem anderen Teile angehörigen Karbinerhaken bildet, und daß die beiden Karabinerhaken durch Federn in ihren Endstellungen gehalten werden. Pat. Nr. 12913.

scheint eine holländische zu sein. Die beiden Sternchen, die die Schrift flankieren, sind fünfzackige Sterne im Kreis. A. V.

Frage 697. Wer liefert Decklack (dickflüssig) zum Decken beim Vergolden?

D. & K. Frage 701. Bei welcher Versicherungsgesellschaft ist auch das Reiselager mitversichert, wenn dasselbe in einem Handgepäck-Bureau oder bei einem Bahnportier auf etliche Stunden aufbewahrt ist?

M. P. Frage 706. Giebt es eine Maschine oder Zange, mit welcher man mittelst Stanzen die Buchstaben und Nummern in die Eheringe (Name und Datum) drücken kann?

V. M. in T. Frage 707. Wer fabriziert Fuchsschwanzketten und silberne Bandketten billigst?

L. & Co. Frage 708. Welche Maschinenfabrik im Rheinland oder Westfalen fertigt Poliermaschinen für Fußbetrieb ? C. M. in 0.

Frage 709. Wer ist Abgeber für eine möglichst 18 karät., antike starke Erbskette, sogenannte Batzenkette, mit hübschen antiken Schloß ?

W. H. in M. Frage 710. Wer liefert die kleinen Stückchen Blei, die in den Krayons verwendet werden?

A. W. in P. Frage 711. Wer liefert silbernen Bauernschmuck? Ich brauche ein silbernes Bauernkollier aus Erbskette mit großer Schließe und daranhängender Masche mit Traube in Filigranarbeit!

F. M. in N. Frage 712. Wer fabriziert oder liefert Exzenter-Pressen mit Druckausgleichung zum Prägen von Münzen bis zu 30 mm Durchmesser, aber mit schwachem Relief? Gibt es auch liegende oder horizontal arbeitende Pressen zum Prägen obiger Münzen?

P. R. Frage 713. Woher kann man leichte und billige Kopiermaschinen beziehen?

X. X. Frage 714. Existiert ein Buch über das Prägen und Pressen von Münzen und anderen Bijouteriewaren?

R. N. Frage 715. Welcher Kollege würde die Güte haben und mitteilen, wie der Flächeninhalt von Filigran ausgerechnet wird, oder, wie viel Gold wird mit 4 Volt Spg. in der Stunde auf ein dcm Filigran niedergeschlagen? Im Voraus besten Dank. V. W.

Frage 716. Kann mir einer der praktisch arbeitenden Herren Kollegen erklären, woran es liegt, wenn 14 kar. Gold, aus Reichsgold mit Feinsilber und Kupfer legiert, spröde ist und nach wiederholtem Schmelzen immer wieder poröse fällt? Wie ist dem abzuhelfen? Ich schmelze im Coaksfeuer. S. in T. Frage 717. Wer fabriziert silberne Schlangenbracelets ?

A. B. in c. Antworten: Zu Frage 696. Gewünschte Fassungen für Lorgnons wird Ihnen die optische Anstalt von Ernst Würtz in Pforzheim gerne besorgen.

Zu Frage 698. Die gewünschten Chatons wird Ihnen jedes Chatonsgeschäft anfertigen; wegen den Steinen wenden Sie sich an F. A. Schütt oder Georg Fréres in Pforzheim.

Zu Frage 670. Gute solide und schwer versilberte Metallwaren liefert: Hans Peter, Fabrik feiner Metallwaren, EBlingen a. N.

Zu Frage 702. Am Pforzheimer Platze verkauft die Firma Jakob Barth Seide an die Fabrikantenwelt für Etiquettes und zum Aufnähen. Sie dürfte auch solche, wie Sie wünschen, führen oder doch die Bezugsquelle angeben.

Zu Frage 703. Rein durchsichtige Zelluloidplatten liefern: Eugen Keller & Otto Edelmann, Pforzheim.

Zu Frage 704. Die gewünschten Münzen mit dem Schutzpatron der Automobilisten „Christovorus“ liefern: Schmidhäuser & Wieland, Pforzheim.

Zu Frage Ein Spezialgeschäft für Nadelstiele, Broschen - Scharniere, Hutnadeln usw. ist die Werkzeughandlung Barth in Pforzheim, Weiherstraße.

Zu Frage 706. Hier dürfte jede Werkzeughandlung in Betracht kommen. Hagenmeyer & Kirchner, Berlin Č. 19. Carl Bauer, München. Gebr. Ott, Hanau.

Frage- und Antwortkasten. Für brieflich gewünschte Fragebeantwortung bitten wir das Porto beizufügen.

Fragen: Frage 662. Wer ist der Fabrikant von Flaschentellern, die ein Monogramm (A. S.) als Warenzeichen tragen? C. G. in D.-H.

Frage 674. Wer fertigt feine Drahtgeflechte für SchlangenBracelets ?

F. B. Frage 676. Welches ist der haltbarste, durchsichtige Klebestoff um Silber mit Glas zu verbinden? H. B. in D.

Frage 695. Kann mir einer der Herren Kollegen den Fabrikanten namhaft machen, welcher flache Eheringe, 7', mm breit, mit Stempel # GULD PLATERAD * fabriziert? Die Firma

Nachdruck aus dem Inhalt vorliegender Zeitung ist nur mit Erlaubnis der Redaktion und unter genauer Quellenangabe gestattet.

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rerum findet Handel und Gewerbe verhältnismäßig

Fachtechnischer und wirtschaftlicher Teil
Redaktion: Kunstgewerblicher Teil: Professor Rudolf Rücklin, Leiter der
Goldrohmiede-Schule, Pforzheim o Fantechnischer Teil: Goldschmied Paul
Axthelm, Leipzig , Wirtschaftlicher Teil: Syndikus Herm. Pilz, Leipzig

Aus der Werkstatt für die Werkstatt!
Aus unseren Redaktions-Konferenzen.

führen nach Montecucculi drei Dinge, nämlich: Geld! Geld! Geld! P

doch noch wenig Gehör bei den gesetzgebenden Wo du nicht bist, Herr Organist, da schweigen alle Flöten! 1

Körperschaften? Warum muß der Stein immer erst Der Appell des genannten Flugblattes sollte daher nicht wirkungsitt

tropfenweise gehöhlt werden? Der Verein selbst los verhallen! Es gilt, sich noch fester zu organisieren und mit

ständiger Kaufleute in Magdeburg, dem auch dortige den Beiträgen da nicht zu geizen, wo es gilt, für des Standes Goldschmiede angehören, antwortet in einer Flugschrift darauf: Ehre und Wehre einzutreten. Auch in unserem Verbande muß „Der nicht genug zu verdammende Indifferentismus, die unver die Opferwilligkeit und Opferfreudigkeit noch größer werden. zeihliche Gleichgültigkeit gegenüber allen Dingen und Bestre Das hat auf dem letzten Verbandstage in Eisenach die Rechbungen, die nicht sofort einen Erfolg in klingender Münze ver nungslage über das verflossene Jahr doch deutlich bewiesen! bürgen, sind allein die Ursachen für diese Zustände!“ In der In der zuletzt erwähnten Frage der Bekämpfung der Dia

Tat, das Bewußtsein der Berufs- und Standeszusammengehörig mantenimitationen fand :

keit, die Erkenntnis vom Segen der Interessengemeinschaft muß
noch weit stärker werden, wenn es möglich sein soll, schneller

ein neuer Prozeß gegen den Diamantenals heute bei den wichtigen Fragen des Handels und Gewerbes

schwindel in Görlitz Berücksichtigung zu finden. Wie ganz anders gehen die Arbeit

statt, in welchem der Obermeister der Görlitzer Innung, Herr nehmer in dieser Hinsicht vor! In den 63 Gewerkschaften

Theodor Finster, als Sachverständiger vernommen wurde. finden wir 1344 803 Mitglieder organisiert, und der Zentral Angeklagt war der Geschäftsführer John Simon aus dem Lande verband der Metallarbeiter, der gern auch alle Arbeitnehmer der unbegrenzten Möglichkeiten wegen Betruges. Er sollte im unserer Branche unter seinen schützenden Fittig nehmen möchte,

Geschäft der Bera-Kompagnie einen goldenen Ring, eine Schlipszählt allein 233 323 Mitglieder. Die Einnahmen der Gewerk

nadel und eine Brosche als echt Gold verkauft haben, die natürschaftsverbände betrugen allein im Jahre 1905 über 27 Millionen

lich zu dem gewöhnlichen Plunder dieser Diamantengeschäfte Mark! Daran sollten sich die Arbeitgeber ein Beispiel nehmen. gehörten. Aber es konnte ihm nicht nachgewiesen werden, Namentlich die Detaillisten sollten noch opferfreudiger werden!

daß er der Verkäufer der Waren gewesen war und daß diese Die obenerwähnte Flugschrift gibt ein Resümee über die

als echt goldene Sachen verkauft worden waren, und so mußte Fragen, welche in nächster Zeit die

denn ein Freispruch erfolgen. Der Sachverständige Finster be

leuchtete das ganze gefährliche Treiben dieses Handels, und gesetzgebenden Körperschaften beschäftigen.

es interessierte dabei namentlich die Bekanntmachung der HamDarunter finden wir:

burger Polizeibehörde vom 14. September 1904 über das Era) Die Reform des Gesetzes zur Bekämpfung gebnis der dortigen amtlichen Untersuchung, die wir Herrn des unlauteren Wettbewerbes, bei der auch die Frage Finster zur Verfügung gestellt hatten. Interessant waren die des Ausverkaufswesens geregelt werden soll;

Worte des Verteidigers: „Es liegt mir fern, der Firma, die b) den Gesetzentwurf zur Erleichterung des offenbar von denjenigen Leuten lebt, die nicht alle Wechselprotestes;

werden, das Wort zu reden, ich muß aber doch konstatieren, c) den Gesetzentwurf betreffend § 63 des Handels. daß Simon nicht überführt ist, der Verkäufer gewesen zu sein, gesetzbuches, in dem es sich darum handelt, ob sich in und aus diesem Grunde muß ein Freispruch erfolgen“. In Krankheitsfällen das kaufmännische Personal auf den Gehalt dieser Verteidigung liegt allerdings zugleich eine Anklage. anrechnen lassen muß, was es aus der Kranken- oder Un Wenn wir in Nr. 33 der Goldschmiede-Zeitung uns darüber fallkasse erhält oder nicht;

aufgehalten hatten, daß auch die Wochenschrift „Für Wahrheit d) die Unfallversicherungspflicht der Detail und Recht“ die Inserate dieser Diamanten-,Könige“ veröffentbetriebe, wobei die Frage aufgerollt werden wird, ob sich licht, so taten wir es, weil wir der Meinung sind, daß die eine eigene Berufsgenossenschaft für Detaillisten empfiehlt; Presse solche Manipulationen nicht unterstützen sollte. Nun

e) die Bekämpfung des Handels mit Diamanten teilt uns die Redaktion des genannten Blattes mit, daß sie urimitationen, eine Frage, in der auch unsere Redaktion sprünglich die Aufnahme der Inserate verweigert habe. Als mit einer Eingabe an den deutschen Reichstag herange aber dann die Annoncen in der „Frankfurter Zeitung“, „ Generaltreten ist.

Anzeiger“, „Kleine Presse“, „Neueste Nachrichten“, „IntelligenzDas sind alles schwerwiegende Fragen, an denen auch blatt“, „Volksstimme“, „Katholisches Volksblatt“, „Sonne“, „Hander Goldschmied in hervorragendem Maße beteiligt ist. Da dels- und Gerichtszeitung“ erschienen seien, habe auch sie die gilt es agitieren! Zum Agitieren aber gehören wie zum Krieg Aufnahme nicht mehr verweigert. Sie habe es aber nur aller

sechs Wochen einmal aufgenommen, und gerade ihre Zeitung sei es gewesen, welche die Frankfurter Goldschmiede wiederholt gegen unlautere Geschäfte geschützt habe. Das ist erfreulich zu hören. Wir müssen aber nach wie vor unser schon oft geäußertes Bedauern aufrecht erhalten, daß die Presse überhaupt, sogar die „Frankfurter Zeitung“, solche Geschäfte durch Aufnahme von Inseraten unterstützt. Gerade für die Presse ist der Grundsatz: „Pecunia non olęt“ ein sehr verhängnisvoller! Unglaublich, aber wahr ist es, daß diese Diamanten-Kompagnien selbst mit den Prozessen, in denen sie unterliegen,

Reklame machen. Die Sarita - Diamanten, die in einem Urteil vom 30. November vorigen Jahres als wertlose Glassteine gekennzeichnet worden sind, wurden trotzdem als die feinste Imitation der Welt weiter angepriesen und in den Inseraten sogar noch auf das Urteil hingewiesen. Geschleudert wird mit den Waren nach wie vor in der unverantwortlichsten Weise. Was soll man zu Inseraten sagen, in denen für 84 Pf. „eine fein vergoldete Herrendoppeluhrkette, 45 cm lang, mit hochfeinem Anhänger, Prachtstück“ angepriesen wird, oder desgleichen „eine etwa 120 cm lange, fein vergoldete Damen-Halsuhrkette mit feinem perlenbesetzten Schieber“? Solche „Prachtstücke“ in Uhren, Ketten, Ringen kündigen

Kirberg & Co. in Foche bei Solingen an, und sie finden einen ebenbürtigen Geschäftsgenossen in

Gebr. Wolfertz in Wald bei Solingen, welche eine „prachtvolle, feuervergoldete Doppel-Kavalier-Uhrkette“ für 98 Pf. anpreisen und als Geschenk noch eine Kavalier-Gelduhr gratis dazu geben. Das Bedauerliche ist, daß durch solche Schundware dem Goldschmied immerhin Kundschaft entzogen wird, denn die Dummen, die auf solche Annoncen hineinfallen, werden bekanntlich nicht alle. Die

Zigarrenfabrik Hoppe in Goslar gehört ebenfalls zu den geschäftlichen Gemütsmenschen, die gern etwas verschenken, und wer bei ihnen für 24 Mk. Nikotin-Nudeln kauft, der erhält eine „Herren-Remontoir-Anker-Uhr mit vergoldetem Metallzifferblatt“ völlig gratis, ja es wird sogar für guten Gang zwei Jahre Garantie geleistet. Wer aber für 35 Mk. Rauch-Rollen erwirbt, dem lacht das Glück einer eleganten „Damen-Remontoir-Anker-Gratis-Uhr!“ Das geht ja noch über J. Gioth in Hanau, der auch solche Uhren verschenkt, wenn ihm jemand 400 Gutscheine seiner gemahlenen Kernseife bringt. Wir leben eben in einer glückseligen Zeit! „Goldmacher“ weist zwar unser Jahrhundert immer noch nicht auf, wohl aber „Diamanten-Macher“, wie folgendes Inserat in der „Kölnischen Zeitung“ beweist:

Meine Erfindung, Diamanten zu machen, will ich ver

kaufen. Th. Heinrichs, Köln-Sülz, Palantiostraße 63. Aber die Pseudodiamanten sind es nicht allein, die uns Kopfschmerzen machen. Durch die Zeitungen ging kürzlich eine Notiz über den

Unfug mit Semi-Emailbildern. Die Verhandlung gegen den Kaufmann Bub aus Rohntin vor dem Schöffengericht in Mannheim warf ein interessantes Licht darauf, wie die Händler bzw. Verfertiger dieser Bilder auch noch durch Umgehung des Gesetzes sich Vorteile zu erwerben suchen. Bubs Reisender, ein gewisser M. Stein, wurde mit 36 Mk. Geldstrafe belegt, weil er, entgegen den badischen Vorschriften über das Wandergewerbe, in Mannheim Bestellungen aufgesucht hatte. Außerdem sollte er 180 Mk. hinterzogene Steuer blechen. Da er dies nicht tat, wurde Bub haftpflichtig gemacht und von ihm der Betrag gefordert. Er erhob Einspruch und meinte, er habe den Reisenden nur beauftragt, in Ludwigshafen, nicht in Mannheim, Bestellungen aufzusuchen, das badische Gesetz könne also nicht angewandt werden. Er kam freilich damit nicht durch, sondern wurde zur Zahlung der vom Finanzamt festgesetzten Strafe verurteilt. Auch diese Händler, welche sich in den Familien unaufgefordert einfinden, um Bestellungen aufzunehmen, entziehen dem Goldschmied die Aufträge, und sollte in jedem einzelnen Falle Anzeige erstattet werden. Wir werden dazu immer gern behilflich sein. Wir gehen frisch, fromm, fröhlich, frei unseren Weg vorwärts, unbekümmert um die vielen Anfeindungen, die uns ringsum bedrohen, denn wir wissen, daß wir gerechte Sache haben und daß es immer noch ein altes, wahres Sprichwort ist: „Viel Feind viel Ehr!“ Haben wir doch auch im Verlaufe dieses Jahres, so sehr man uns durch widerliche Konkurrenzmanöver zu schädigen sucht,

einen weiteren schönen geschäftlichen

Aufschwung in der „Goldschmiede-Zeitung" zu verzeichnen, der uns über manche Verkennung unserer Ziele und Absichten hinwegsetzt. Allseitige Anerkennung hat

unsere Pforzheimer Nummer, nicht nur im Kreise der Grossisten und Goldschmiede, wie zahlreiche Zuschriften uns bewiesen haben, sondern auch von seiten des Großherzogs von Baden, der uns für die übersandte Nummer durch das geheime Kabinet aus St. Moritz den Dank übermitteln ließ, von seiten des Großherzogl. Ministeriums des Inneren, das unsere Bestrebungen um die Förderung des Edelmetallgewerbes anerkennt, und seitens des Magistrates der Stadt Pforzheim, dem die Nummer ebenfalls große Freude bereitet hat, gefunden.

Amerikas Juwelenbedarf.

Das

er

as statistische Bureau des Handelsdepartements der Ver merksamkeit der Zollbehörden entgeht. Wie viele Schmuck

einigten Staaten hat in seinem am Anfange des Monats sachen mögen wohl von den amerikanischen Ladys von ihren August 1906 veröffentlichten Bericht über das letzte Fiskaljahr Europareisen mitgebracht werden, ohne daß irgend ein Zöllner (1. Juli 1905 bis 1. Juli 1906) sich auch mit der Diamanteneinfuhr etwas davon ahnt oder ohne sie finden zu können, selbst wenn nach der amerikanischen Union beschäftigt. Die angeführten

en ihm begründet erscheinenden Verdacht hat. Gilt es Zahlen beweisen, daß die Einfuhr in keinem Jahre so bedeutend doch längst als Regel für ganz fashionable Amerikaner, sich war, als in dem soeben verflossenen, und doch können sie ein die Kosten der Europareise ganz oder zum Teile durch das nur unvollständiges Bild von dem wirklichen Bedarf des Landes Einschmuggeln der gekauften Juwelen zu verdienen. an Edelsteinen geben. Denn es versteht sich fast von selbst, Das statistische Amt gibt nun an, daß im letzten Jahre daß der weitaus größte Teil des Diamantenimports zollfrei im Diamanten im Werte von 35 000 000 Doll. nach den Vereinigten Wege des Schmuggels in das Land gelangt, und der Auf Staaten importiert wurden, gegen 27 000 000 Doll, im Jahre 1905,

19 000 000 Doll. im Jahre 1904 und 26 000 000 Doll im Jahre 1903. Von den importierten Steinen waren solche im Werte von 10'), Millionen ungeschliffen, die erst in den Schleifereien in den Vereinigten Staaten geschliffen und geschnitten werden sollten, während der Wert der bereits geschnittenen aber nicht gefaßten Steine über 24 Millionen Doll. betrug.

Die Zunahme der Einfuhr betrifft besonders die ungeschliffenen Diamanten, während die Einfuhr der geschliffenen ziemlich schwankend ist. Im Jahre 1900 belief sich der Gesamtwert der eingeführten ungeschliffenen Steine auf wenig über 4 Millionen Doll., im Jahre 1902 auf etwas über 6 Millionen Doll., im Jahre 1903 stieg er auf 8 Millionen Doll., im Jahre 1904 auf 8''2 Millionen Doll., im Jahre 1905 auf 9'/Millionen Doll.

und im Jahre 1906 auf 10/2 Millionen Doll. Die Einfuhr ungeschliffener Steine hat sich überhaupt erst in den letzten Jahren entwickelt und betrug vor dem Jahre 1896 nicht einmal eine Million Doll.

Von den Diamanten im Werte von 35 Millionen Doll. abgesehen, wurden während des letzten Jahres andere geschliffene und ungeschliffene Edelsteine und natürliche Perlen, im Werte von mehr als 5 Millionen Doll. in die Vereinigten Staaten importiert, so daß das Land während des letzten Jahres Preziosen im Werte von über 40 Millionen Doll. bezog, gegen solche im Gesamtwerte von 33 Millionen im Jahre 1905 und 31 Millionen im Jahre 1903, wobei selbstverständlich immer nur die legitim zur Verzollung gebrachten in Betracht kommen.

Von der III. Deutschen Kunstgewerbe-Ausstellung in Dresden.

1. Kunsthandwerker und Künstler.
gie gegenwärtige Kunstgewerbe-Ansstellung in Dres-

den ist von Künstlern nach rein künstlerischen Ge-
sichtspunkten eingerichtet und organisiert worden,
nicht von geschäftlich tätigen Kunsthandwerkern

in derem Sinne. Das muß für unsere Berichterstattung zunächst und in erster Linie konstatiert werden, damit Klarheit gegeben ist über den Gesichtswinkel, von dem aus die nachfolgenden Ausführungen aufgenommen und wiedergegeben sind, und damit festgelegt ist, daß diese einschneidende Besonderheit der Dresdener Ausstellung klar erkannt und im Auge behalten worden ist. Freilich darf dabei nicht vergessen werden, daß das Prinzipielle an dieser Erscheinung keineswegs eine Erfindung etwa der Dresdener Ausstellungsleitung ist, sondern daß die Absicht, eine kunstgewerbliche Ausstellung nach ausschließlich künstlerischen Tendenzen zustande zu bringen, schon mehrfach vorlag, daß aber erst eine konsequente und entschiedene Ausführung dieses Gedankens zu konstatieren ist, eben in der Gestalt der Dresdener Ausstellung.

Die Energie und Folgerichtigkeit, mit der dieses Mal vorgegangen wurde, hat aber auch die Schwächen enthüllt, welche diesem Prinzip nicht etwa der diesmaligen Ausführung desselben anhaften. Doch davon wird noch des Weiteren gesprochen werden. Die Hauptsache ist, daß wir uns unter diesen Umständen fragen: Was soll uns die Dresdener Ausstellung? Die „Deutsche Goldschmiede-Zeitung“ ist keine Kunstzeitschrift. Sie hat kunsthandwerkliche und kunstindustrielle, oder, wenn ich mich so ausdrücken darf, geschäftskünstlerische Tendenzen zu vertreten. Es wäre also möglich, daß wir es für notwendig hielten, gegen das Prinzip der Dresdener Ausstellung im Interesse des geschäftlich tätigen Kunsthandwerkers Protest zu erheben, wie es das „Journal der Goldschmiedekunst“ bereits getan hat, oder daß wir zum mindesten uns auf den Standpunkt stellten, daß uns die ganze Veranstaltung Hekuba sein könnte.

Die Dresdener Ausstellung zu ignorieren, geht nun schon gar nicht an; sie ist eine Kulturbegebenheit wichtigster Art, zu der sich jeder, der sich für die moderne kunstgewerbliche Entwicklung interessiert, in irgend einer Weise stellen sollte. Außerdem aber haben sich eine ganz beträchtliche Anzahl größerer und kleinerer Goldschmiedefirmen mit Objekten beteiligt, die für uns gar nicht zu übersehen sind und die außerdem teilweise sich vollkommen in den Rahmen des gegebenen Ausstellungsprogrammes einfügen. Dieser letztere Umstand mußte für uns in erster Linie maßgebend sein. Diese Goldschmiede, Juweliere und Fabrikanten, deren Anzahl ohne die gleichzeitig stattfindenden Ausstellungen in Nürnberg und Karlsruhe unzweifelhaft noch

viel größer geworden wäre, müssen ja wohl auch gewußt haben, was sie taten.

Wir glauben also, dem praktisch tätigen Kunsthandwerker unserer Branche mehr zu nützen, wenn wir ihm ein deutliches Bild davon geben, was diese hochinteressante Ausstellung für ihm bietet, und wenn wir die Einzelgesichtspunkte klar zu formulieren suchen, die sich für ihn aus ihrem Studium ergeben, als wenn wir allgemein ihre Tendenz verdammen.

Nicht eben erfreulich ist es, daß der Besucher über den Namen des entwerfenden oder leitenden Künstlers zwar nirgends im Zweifel gelassen ist, während andererseits die Namen der ausführenden Kunsthandwerker oder Geschäfte in einzelnen Fällen nur wit Umständen zu erfahren waren. s muß aber das Wort „einzelne“ betont und in Erwägung gezogen werden, daß bei der Organisation des ganzen Unternehmens immer ein Künstler für einen ganzen oder mehrere Räume verantwortlich war; es gab also sehr viel weniger Künstlernamen, als solche von Gewerbtreibenden zu nennen; das Anbringen von Schildern oder Zetteln an den einzelnen Gegenständen, das wohl am schnellsten zum Ziel geführt hätte, war aus ästhetischen Gründen unterlassen worden, um den wohnlichen Eindruck der einzelnen Räume nicht zu stören. Daß dem die Absicht zugrunde lag, die Kunstgewerbetreibenden an die Wand zu drücken und ihre Mitwirkung vor den Besuchern zu verschleiern, kann aus dem vorliegenden Tatbestand keinesfalls geschlossen werden.

Auch eines anderen Mangels, der dem gewählten Ausstellungsmodus anhaftet, muß Erwähnung getan werden, weil er besonders für das Auftreten der Goldschmiede- und Feinmetallkunst schädigend war. Es ist das Prinzip, die ausgestellten Gegenstände zur Ausstattung von Innenräumen zu verwenden. Die moderne Ausstellungskunst tut sich auf diese neue Art und Weise, Gegenstände dem Publikum vorzuführen, etwas zugute, und sie bedeutet in der Tat einen unschätzbaren Fortschritt gegenüber dem früheren Kasernierungssystem. Dieser Fortschritt kommt aber bis jetzt nur den Werken der Wohnungsausstattungen zugute; für die Werke der Kleinkunst ist dieser Ausstellungsmodus nicht nur unzweckmäßig und sonderbar, sondern in vielen Fällen direkt unwürdig. Es sollen hier nur einige Beispiele angeführt werden.

Der Maler Heinrich Vogeler hat die Entwürfe zu Innenräumen, aber auch für Schmuck, der ausgestellt war, geliefert. Damit dieser Schmuck in dem betreffenden Raum untergebracht werden konnte, wurde eine Tischplatte in einen blau ausgeschlagenen, verglasten Schaukasten verwandelt und in diesem der Schmuck zur Schau gestellt. Ich kann nicht finden, daß diese Einrichtung dem Raum zum Vorteil gereicht hätte. Noch viel weniger konnte

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