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In einem 1698 erschienenen für die ältere Geschichte des Handwerks- und Kunstgewerbes wichtigen Werke von Christoph Weigel: „Abbildung der gemeinnützlichen Hauptstände“, finden sich auch Kupferstiche, welche uns die Arbeit und Tätigkeit des Goldschmiedes vor Augen führen. Die Kupferstiche tragen symbolische Unterschriften, so lautet die Unterschrift unter der Abbildung des Silberarbeiters:

Der Silber arbeit er.

Durch die Trübsals Glut läutert Gott den Mut.
Getrost mein Herz, dir wird nicht schaden,
Obgleich die Kreuzglut spritzt und kracht;
Der weise Himmelskünstler macht
Aus dir nur ein Gefäß der Gnaden.
Wohlan, mein Geist, schmelz mich ganz um
Zu meinem Heil und deinem Ruhm.

In der beigegebenen historischen Erläuterung verbreitet sich unser Autor zunächst über den Bereich des Geschäftskreises der Goldschmiede, unter denen man sowohl Goldarbeiter als Silberarbeiter verstehe. Der Goldarbeiter ist lediglich mit dem Golde, mit Edelsteinen und Perlen beschäftigt: mit dem Gold nämlich gießt er Ringe, allerlei Arten von Spangen und Geschmeid, Bruststücke und Anhängstücke, Ohrengehänge, Halsbänder und Armbänder, Brasseletnadeln und Zitternadeln, allerhand Arten von Panzerketten, Blockketten, Hohlketten und Flachketten sowie auch andere Stücke, die auch der Silberarbeiter von Silber macht; ferner faßt er Edelsteine in Ringe und das erwähnte Geschmeid und seine Künstlerhand besetzt damit selbst die Insignien und Kleinodien der Majestät, Krone Szepter und Reichsapfel, ferner besetzt er damit andere hohe Ritterzeichen, Pourtrait, Degen und manche Gnadengeschenke. Die Perlen endlich binden sie auf diesen Schmuck auf und verzieren sie damit je nach dem Stande und dem Wunsch kostbar oder weniger kostbar; ganz zu geschweigen von dem Amulieren, womit sie vielfach ihre Arbeiten auszieren und Konterfei usw. dem Leben nach sehr anmutig abzubilden und zu kolorieren pflegen.

Die ungemein vielseitige Tätigkeit des Silberarbeiters be steht in glatter Arbeit, also dem Tafelzeug, Schüssel, Teller, Becher, Löffel, Kannen usw., ferner in getriebener Arbeit, indem Sie die Stücke also ausschlagen und auftreiben, daß sie zierliche Fruchtgehänge und Sestinen, anmutige Landschaften, schöne Zierarten und Laubwerke, ja selbst ganze Konterfein und Bildnisse Vorstellen und zwar sogar manches, wie Aste und Zweige an den Bäumen, Arme oder Finger an den Bildern, Füße an den Pferden usw. frei und ledig ohne alle Beihilfe und Auflötung vorstellen; ferner besteht die Silberarbeit in kleiner Arbeit, wie Knöpfen, Gürteln, Schnallen, Haarnadeln, Bücherbeschlägen und tausenderlei kleineren Sachen; weiter dann in großer Arbeit, worin besonders die Augsburger kunstreichen Goldschmiede sehr geschickt sind, wie z. B. allerlei großen Vasen und Tischgeschirren, welchen Namen e auch tragen mögen, in Charidonen, Kronleuchtern und Wandleuchtern, Spiegelrahmen, Kaminschirmen, Fensterhunden, Aufsätzen und an hoher Potentaten Höfen vielfältigen Sachen; hierher gehören auch ganz silberne Altäre, silberne Baldachinen, Wiegen und Bettstätten für Prinzen und Prinzessinnen, wie denn unlängst in Augsburg eine solche Bettstatt verfertigt wurde, *9 1600 Mark gewogen. Schließlich besteht die Tätigkeit des Silber

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(Nachdruck verboten.)

arbeiters auch in Draht- und sog. File grain-Arbeit (Filigran), woraus sehr artige und mannigfache Sachen zusammengeschlungen, gebogen und gelötet werden, welche ohne jeden Zusatz ganz rein, zart und fein ist. Hierauf verbreitet sich unser alter Autor über das Goldschmiedegewerbe als solches: Die andere Arbeit der Silberarbeiter muß jedesmal, um allen Betrug zu vermeiden, die ordentliche Probe halten, durch das ganze Deutsche Reich 131ötig sein; und obgleich alle diese Goldarbeiter und Silberarbeiter eine freie Kunst haben, sind sie in den meisten Reichsstädten und anderen Orten an gewisse Gesetze doch gleichwohl gebunden, daß sie mit besonderen Bedingungen Gesellen fördern und Junge lernen, auch gewisse Meisterstücke machen, welche gewöhnlich in einem wohlgefaßten Ring nach alter Mode, einem getriebenen Becher und gegrabenen Sigill bestehen; diese Stücke müssen Goldarbeiter und Silberarbeiter ohne Unterschied verfertigen. In Nürnberg haben sie die Freiheit, daß einer aus ihnen von dem hochedlen Rate erwählt, mit zu Rate zu gehen vermag; auch sonst werden sie in vornehmen Reichsstädten mit in den Rat aufgenommen. Sodann führt dieser Autor „zum Ruhm dieser so wertgeschätzten und vortrefflichen Kunst“ die Requisiten an, die zu einem guten Goldschmied erfordert werden und schließlich auch sein Werkzeug und Arbeitsgeräte. „Er muß nämlich wohl zeichnen können, um sowohl in der Goldarbeit mancherlei Arten des Geschmuckes zu inventieren oder erfinden, als auch besonders zur Silberarbeit und getriebenen Arbeit; er muß ferner mit dem Poussieren und Formen in Spat, Gips und Sand wohl umzugehen wissen, die Goldproben und Silberproben gründlich und nicht nur obenhin verstehen, wenn er nicht öfters „angeführt“ und zu seinem Schaden Lehrgeld zahlen will; er muß des Schmelzens und Lötens, des Ausglühens, Guldens und Weiß sie dens erfahren sein, anbei einen guten Verstand von Edelsteinen und Perlen haben und was dieses Kunstgewerbe sonst noch erfordert. Ihr Werkzeug besteht in einer guten Esse, allerlei Ambossen, Zangen, Scheren, Ponzen, Feilen, Schraubstöcken, Drilleisen, Zungen, Zieheisen, Formflaschen, Schrauben, Drahtbürsten und Kratzbürsten, Schmelzöfen und Windöfen, Tiegeln, Tasten, Boraxbüchschen, Folien, Gips, Spat, Formsand, weißen Fischbein, guten StreichSteinen und Streichnadeln usw. Ohne uns weiter über die Mitteilungen Weigels über berühmte Goldschmiede oder berühmte Leute, die von Goldschmieden entsprossen sind, sowie über seinen Exkurs über antike Goldschmiedekunst und den damaligen Stand dieses „etliche Jahrtausende“ alten Kunstgewerbes zu verbreiten, sei nur noch angefügt, daß er zum Schluß noch den Nutzen der Goldschmiede begeistert preist. Ihre Arbeit wird sowohl für Gefäße der Reliquien als zu Reichskleinodien gebraucht, sie dient zum Beweis eines rühmlichen Standes und merklichen Prärogativ, wie besonders an den Geschmeidund Ringen zu sehen, wie denn z. B. die goldenen Ringe anfänglich außer hohen Potentaten und Herren nur allein deren Abgesandten, später den Ratsherren und endlich auch den Rittern zu tragen erlaubt gewesen. „Aus den güldenen Geschirren – so schließt die historische Abhandlung – soll sonderlich gesund sein, zu trinken, wie einige glauben, weil das Gold – vielleicht, wenn man dasselbe viel in den Kisten und Truhen hat – das Herz stärkt; meistenteils aber wird die gesamte Arbeit der Goldschmiede zur Zierde und Pracht angewandt und gebraucht.“

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Eine neue Sicherung der Goldschmiedeläden gegen Einbruch. Mit fünf nebenstehenden Abbildungen.

Bei der großen Zahl von Einbrüchen, welche in Goldschmiedeläden seit einiger Zeit verübt worden sind, und bei den Schwierigkeiten, welche die Versicherungsgesellschaften den Juwelieren und Goldschmieden bei Abschluß einer Versicherung bereiten, werden unsere Leser mit Interesse Kenntnis von einer neuen elektrischen Sicherungseinrichtung nehmen. Die bisherigen Sicherungen sind vielfach von den Einbrechern, welche über derartige Einrichtungen aufs genaueste unterrichtet sind, einfach umgangen worden, so daß diese gar nicht in Tätigkeit treten konnten. Die Firma Walter Blut, elektrische Signal- und Kraftanlagen, Berlin SW. 12, hat eine Sicherungsvorrichtung, „Elektresor“, zum Patent angemeldet, welche allen Anforderungen entsprechen soll. Die „Elektresor-Sicherungseinrichtungen“ zerfallen in zwei Gruppen: I. Elektresor-Systeme, umfassend: a) Kontaktapparate für Erschütterung; b) dieselben für Erschütterung und Erhitzung. c) dieselben für Erschütterung, Erhitzung und Belichtung; d) Signalapparate I; e) Signalapparate II. Die Elektresor-Systeme sind durchweg nach Art der Wheatstone-Schaltung ausgeführt. II. Elekt resor - Netze. Die Elektresor-Netze sind an Wänden, Fußböden, Decken usw. auszulegende, nach einem beSonderen Verfahren herzustellende Schutznetze. Als Vorteile der „Elektresor-Sicherungseinrichtung“ werden bezeichnet: 1. Die „Elektresor-Systeme“ kontrollieren sich selbst. Jeder Fehler, jede Veränderung oder Beschädigung der Sicherungsanlage, auch jedes Versagen der Betriebsbatterie wird selbsttätig durch Alarmsignal gemeldet. . Selbst dem Installateur der Anlage sind Eingriffe in die Wirkungsweise derselben nach erfolgter Abnahme ohne Herbeiführung eines Alarmsignales völlig unmöglich. 3. Gebäudeerschütterungen, z. B. durch in der Nähe fahrende Wagen, bewirken kein Alarmsignal, dagegen ruft jede den durch das System geschützten Behälter direkt treffende Erschütterung unbedingt ein solches hervor. 4. Jedes System kann mit Temperatur-Kontakt ausgerüstet werden, welcher das Alarmsignal auch auslöst, sobald die Temperatur der Umgebung eine bestimmte Grenze überSchreitet.

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5. Außer auf Erschütterung und Erhitzung kann das System sogar noch auf bloße Belichtung wirkend geliefert werden.

6. Die für den Betrieb der Elektresor-Sicherungsanlage erforderliche Stromstärke ist eine minimale und beträgt etwa vier Hundertstel Ampere. Die Stärke der Batterie selbst ist von den in Betracht kommenden Leitungslängen ganz unabhängig.

7. Zur Verbindung des Kontrollraumes mit dem zu sichernden Raume bzw. dem Kontaktapparat ist nur eine gewöhnliche Doppelleitung, ja, bei vorhandener guter Erdrückleitung sogar nur eine einzige Leitung erforderlich.

8. Ein Außertätigkeitsetzen des Kontaktapparates durch Umgießen desselben mit Klebstoff oder auf andere Weise ist unmöglich.

9. Durch ein „Elektresor-System“ können gleichzeitig mehrere Behälter oder Räume gesichert werden, wenn dasselbe mit einem „Elektresor-Netze“ verbunden wird oder mehrere Kontaktapparate verwendet werden.

10. Für die Installation des „Elektresor-Systems“ ist keinerlei

Veränderung der zu sichernden Behälter erforderlich. Der Kontaktapparat desselben wird vielmehr an seiner Leitungsschnur einfach mittels gewöhnlichen Steck-Kontaktes vor den zu schützenden Behälter gehängt, wo er sich infolge seiner besonderen Einrichtung selbsttätig in Arbeitslage einstellt. Durch Lösung des Steck-Kontaktes kann der Kontaktapparat, selbstverständlich nach vorheriger Ausschaltung des Alarmsignales, tagsüber entfernt und beliebig aufbewahrt werden.

Die „Elektresor-Netze“ bestehen aus in Glasröhren bifilar gespannten Drähten, die derart untereinander und mit dem Elektresor-System verbunden sind, daß beim Zertrümmern irgend eines Rohres durch eintretende Berührung der Drähte desselben untereinander oder durch deren Zerreißen unfehlbar ein Alarmsignal verursacht wird.

Die „Elektresor-Netze“ können an Wänden, Fußböden und Decken fest verlegt werden, während dieselben vor Schaufenstern, Türen usw., einfach aufgehängt, mit dem übrigen Netze durch Stöpsel oder Einschraub-Kontakte so zu verbinden sind, daß ihr Entfernen nur gewaltsam oder nach Lösung der Verbindungs-Kontakte möglich ist, wodurch selbstverständlich in beiden Fällen das Alarmsignal in Wirkung gesetzt wird.

Vortrag über Rubine-Rekonstitue.

Gehalten von Wilhelm Fischer, am 25. Januar 1906 in der Freien
Vereinigung des Gold- und Silber waren gewerbes zu Berlin.

Meine Herren! Einer unserer ersten Juweliere hier am Platz sagte kürzlich, daß man den neuauftretenden geschmolzenen Rubinen bezüglich seiner Erkennbarkeit ziemlich ratlos gegenüberstehe, und es wäre eigentlich richtig, daß ein Gesetz geschaffen würde, wonach alle diejenigen, welche Edelsteine nachahmen und dadurch den Wert der Edelsteine herunterbringen, totgeschosssn werden. Da mir das aber so ohne weiteres nicht anzugehen scheint, sind wir wohl um so mehr verpflichtet, diesem Rubin-Rekonstitue und allen noch anderen neu in die Erscheinung tretenden gemachten Edelsteinen unsere ganze Anfmerksamkeit zuzuwenden.

Diese Anschauung veranlaßte mich, und weil es ja in erster Linie meine Aufgabe sein muß, Fragen, die unser Gewerbe angehen, lösen zu helfen, mit Herrn Professor Scheibe in der Bergakademie über diese Steine zu verhandeln. Der Herr sagte sofort, daß diese Angelegenheit äußerst wichtig sei; denn wenn die Vervollkommnung noch weiter schreitet, daß es dann allerdings besondere Merkmale und bestimmte Anzeichen nicht mehr geben würde. Bis jetzt seien diese nachgemachten Rubine noch zu erkennen, jedoch gehört dazu, daß man sich ein Mikroskop anschaffe und Vergleiche anstelle mit den echten Rubinen; auch sei erforderlich, und manchmal auch ausreichend, eine gute Lupe,

Diese erste Unterredung veranlaßte mich, ein Mikroskop anzukaufen, eine Partie Rubine-Rekonstitue zu beschaffen, und zwar 17 Stück, und die erforderlichen Untersuchungen vorzunehmen, W0für mir Herr Professor Scheibe Anweisungen gegeben hatte. Ich stellte fest und fand bestätigt, was der Herr Professor über diese Rubine zu mir gesagt hatte. Bei dem zweiten Besuch in der Beg akademie nahm ich echte und Rubine-Rekonstitue mit und wurde durch Herrn Professor Scheibe und von mir die Versuche wieder holt. Die Ergebnisse sind folgende:

Der echte Rubin kommt vollständig rein nur äußerst selten VW das heißt, wenn man ihn unter dem Mikroskop betrachtet. Fast bo allen findet man mehr oder weniger charakteristische EinschlüSSC, die einer Kristallisation ähnlich sehen. • "

Ein zweites Unterscheidungsmerkmal bei dem echten Rubin * die Zweifarbigkeit, die ganz besonders bei den dunklen Stei" mehr hervortritt, wie bei den hellen. Um dies zu beobachte ist eine Dichro-Lupe (Zweifarbigkeitslupe) erforderlich. Setzt man diese auf die Prismenfläche und betrachtet das hindurchgehende Ho durch das geteilte Objektiv, so erkennt man deutlich die Zweifarbigkeit des Rubins; und zwar ist die eine Seite beider Bilder das eine hellrot, das andere dunkelrot, meist etwas ins Violette

Dr. Max Bauer sagt in seiner Edelsteinkunde wörtlich darüber: „Dieser kräftige Dichroismus (Zweifarbigkeit) läßt den echten, schön gefärbten Rubin immer sicher von gewissen anderen roten Steinen unterscheiden, die regulär kristallisieren und daher keinen Dichroismus besitzen, so vom Spinell und von den verschiedenen Arten des Granats.“ Hier wäre also doch mit der Dichro-Lupe eine zuverlässige Bestimmung möglich.

Ganz anders verhält es sich mit Rubine-Rekonstitue, welcher nach den Ansichten des Herrn Professor Scheibe dieselbe Härte, dasselbe spezifische Gewicht des orientalischen Rubins aufweist;

Was wohl erklärlich, weil er aus demselben Stoff des echten Rubins, und zwar aus Tonerde, geschmolzen ist. Die beste Erkennbarkeit des RubineRekonstitue ist, daß er unter einer scharfen Lupe und dem Mikroskop stets kleine Blasen aufweist, sonst aber an Klarheit, Reinheit und der Farbe nichts zu wünschen übrig läßt. Da es aber sehr leicht möglich ist, daß in der Folge dieser Mißstand beseitigt werden kann, andererseits aber die Möglichkeit besteht, daß man Rubine – Rekonstitue ohne Blasen anfertigen wird mit den Einschlüssen, die bisher nur die charakteristische Erscheinung des orientalischen Rubins bildete, so würden wir dann allerdings auf dem Standpunkt angelangt sein, und diese Meinung hat Herr Professor Scheibe mir gegenüber ausgesprochen, den Rubine – Rekonstitue von einem orientalischen Rubin mit der Lupe und dem Mikroskop nicht unterscheiden zu können. Es bliebe dann nur die Unterscheidung mit der Dichro-Lupe übrig. Unter den 17 Steinen, die ich angekauft habe, befanden sich auch einige, welche bei der Beobachtung durch das Mikroskop Striche aufwiesen, ähnlich so, wie man sie am Himmel als WindStreifen beobachten kann. Ueber eine Frage ist man bis jetzt noch im unklaren, wie sich der Stein beim Fassen und beim Tragen bewähren wird. Da es ein geschmolzener Stein ist, so ist zu befürchten, daß er sich wahrscheinlich in hartem Gold nicht fassen läßt und noch viel weniger antreiben. Da der Stein aber dieselbe Härte aufweist, wie der echte, so ist zu vermuten, daß er bezüglich des Tragens die berechtigten Erwartungen erfüllt. Das wären die Anregungen, die ich Ihnen, meine Herren, heute geben wollte. Unser aller Äufgabe wird es sein müssen, sich mit einer so hochwichtigen Angelegenheit in unserem Gewerbe mehr

Fünf Abbildungen zu unserem Artikel „Eine neue Sicherung der Goldschmiedeläden gegen Einbruch“.

zu beschäftigen wie bisher und daß wir später unsere Erfahrungen darüber austauschen. Wer sich mit der Untersuchung dieser Steine beschäftigen will, dem empfehle ich, ein Mikroskop, wie solches in guten Handlungen mit optischen Erzeugnissen zu haben ist, anzuschaffen. Ich selbst habe das meinige von der Firma E. Leitz, Luisenstr. 45 für Mk. 38 beschafft. Wo man eine Dichro-Lupe beziehen kann, habe ich bisher nicht ermitteln können; bin aber bemüht, eine Bezugsquelle ausfindig zu machen. Sehr notwendig ist zu diesen Beobachtungen auch das Studium

des im Jahre 1896 erschienen Werkes „Edelsteinkunde“ von Dr. Max Bauer. Für die Fachbibliothek der Juwelier-Innung ist dieses Werk angekauft; der Preis beträgt ca. 30 Mk. Auch eine andere Angelegenheit habe ich bei dieser Gelegenheit mit dem Herrn Professor Scheibe besprochen, nämlich daß unsere Lehrlinge wenig oder gar keine theoretische Anleitung in der Steinkunde bisher erhielten. Es wurde mir bedeutet, daß es wohl möglich wäre, in der Berg-Akademie einen Kursus für die im letzten Jahre Auslernenden einzurichten. Wenn man der Frage das nötige Interesse entgegenbringt, so würde ein dahingehender Antrag bei der Direktion der Berg-Akademie wohl Aussicht auf Erfolg haben. Ich bemerke noch, meine Herren, daß über Edelsteinkunde in der Berg-Akademie in jedem Jahr ein Zyklus von Vorträgen gehalten wird. Auch bei den Juwelieren sieht es bezüglich der Steinkunde, nehmen Sie mir nicht übel, wenn ich es hier ausspreche, manchmal recht betrübend aus. So ist mir kürzlich ein Ring mit einem Tafelstein, also einem Diamanten, zur Begutachtung vorgelegt, den ein Juwelier hier am Platz für einen Kristall abgeschätzt hat und zwar nach „sorgfältiger Prüfung“, wie ich darüber später in einem Brief gelesen habe. Daß bezüglich der Taxation über den Wert eines Steines die größten Verschiedenheiten bestehen, die aber nicht immer auf Unkenntnis des Wertes beruhen, sondern auf Oberflächlichkeit und aus anderen Gründen, sei nur nebenbei gesagt. Jedenfalls wird es wünschenswert sein, über die Bestimmung der Edelsteine Einrichtungen zu schaffen, welche für unser Gewerbe dringend notwendig sind. Da möchte ich mir nun den Vorschlag gestatten, daß eine Schmucksteinsammlung angelegt wird, in welche nur solche Stücke eingelegt werden, die von einer Sachverständigen-Kommission zuverlässig bestimmt worden sind. Die Steinbeiträge könnten freiwillige sein, Stiftungen, und kann ich dazu bemerken, daß Herr Schaper, dem ich diese Idee vor seiner Abreise mitgeteilt habe, sich sofort bereit erklärte, einige Stücke zu stiften. Ebenso wie sich Herr Hagenmeyer mir gegenüber schon bereit erklärt hat, durch Halbedelsteine die Sammlung anlegen zu helfen. Ich selbst gestatte mir, für diese Zwecke das erste Stück, einen Hyazinth, auf den Tisch des Hauses niederzulegen. Diese Steinsammlung könnte noch den besonderen Wert haben. in unserer Fachschule für Juweliere, Gold- und Silberschmiede als Lehrmittel zu dienen, aber auch denen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, die sich über einen bestimmten Edelstein unterrichten wollen. Wenn man bedenkt, daß außerordentliche Meinungsverschiedenheiten über manche Steine bestehen, so wird man die Notwendigkeit einer solchen Sammlung anerkennen. Ich will nur hier ein Beispiel anführen. Ein Juwelier kaufte kürzlich eine Partie Turmaline, die von mir und auch von anderer Seite als solche abgeschätzt wurden, die aber wiederum ein dritter Juwelier für sibirische Smaragde erklärt hat. Als weiterer Beweis für die Notwendigkeit einer solchen Schmucksteinsammlung ist anzuführen eine Partie Ceylon-Saphire, welche auf den Tisch des Hauses ausgelegt ist, in aller Vielfarbigkeit; derlei Beweise könnte man noch unzählige anführen.

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Ich würde daher an den Vorstand die Bitte richten, die Wahl einer Sachverständigen-Kommission für Schmucksteine ins Auge zu fassen und erlaube mir den Antrag zu stellen, für Berlin eine Steinsammlung zu errichten, die sicher, wenn sie geschaffen, ein Schritt weiter zur Hebung unseres Standes wäre. Zur Schaffung solcher Einrichtung sind, meine ich, die beiden Vereine in Berlin, die Freie Vereinigung und die Innung nicht nur berufen, sondern verpflichtet. Die Aufstellung einer solchen Steinsammlung könnte in der Geschäftsstelle des Verbandes erfolgen, so daß dieselbe auch den Verbandsmitgliedern zur Verfügung stehen könnte. Um nun zum Schluß noch einmal auf den Rubin-Rekonstitue zurückzukommen, glaube ich, daß von vornherein anzunehmen ist, daß eine ganze Reihe erster Firmen sich mit diesen Steinen nicht befassen wird. Wohl aber ist die Aufnahme derselben bei den mittleren und kleineren Geschäften sicher anzunehmen, deren nicht so kaufkräftige Kundschaft die enorm hohen Preise für echte Rubine zahlen will. Wünschenswert bleibt aber, daß man diese Steine nicht so sehr im Preis herunterbringt, daß sie den Reiz für das Publikum verlieren; dazu müßte ein jeder beitragen. Es soll mich freuen, wenn diese Anregungen, die ich über den Rubin-Rekonstitue und zur Förderung der Schmucksteinkunde gegeben habe, für die Herren von Interesse gewesen sind.

Der Verein der Juweliere, Gold- und Silberarbeiter Münchens

hielt am 26. Januar seine ordentliche Generalversammlung ab, die bei der sehr umfangreichen Tagesordnung einen sehr befriedigenden Verlauf nahm. Nachdem der Vorsitzende, Herr Christian Vitzth um die Versammlung eröffnet, gedachte er zuerst in herzlichen Worten derer, die uns im Laufe des vergangenen Jahres durch den Tod entrissen wurden. Es sind dies der tüchtige, von allen geliebte Altmeister Winterhalter, Fritsch, der ehrenfeste, treudeutsche Mann, der verehrte und unvergeßliche Vorstand Paul Merk, der fast bis zur letzten Stunde rastlos tätige Förderer unserer Sache, und die langjährigen, treuen Mitglieder Franz und Vogl. Ergriffen ehrt die Versammlung das Andenken der teuren Dahingeschiedenen durch Erheben von den Sitzen. Dem Bericht über das abgelaufene Vereinsjahr folgte der Kassabericht. Aus letzterem erscheint besonders erwähnenswert, daß der Verein zur Unterstützung bedürftiger Goldschmiede wieder die Summe von 160 Mk. verwenden konnte. Der Bericht über die gewerblichen Fortbildungsschulen, deren Uberwachung unserem Vorstande obliegt, und denen wieder 100 Mk. zugewendet wurden, ist recht zufriedenstellend. Der wichtigste Punkt der Tagesordnung, die Neuwahl des Ausschusses, ließ sich erfreulicherweise schneller, als vorauszusehen, erledigen. Für die verantwortliche Stelle des I. Vorstandes gelang es eine ebenso fähige, wie allseits beliebte Persönlichkeit zu gewinnen, die uns eine gedeihliche Weiterentwicklung unserer Interessen garantiert. Den II. Vorstand erklärte sich der seit dem Ableben von Freund Merk geschäftsführende I. Vorstand Vitzthum, der seit langen Jahren diesen arbeitsreichen Posten in bewährter Weise ausfüllt, nur noch auf ein Jahr zu übernehmen, ein hoffentlich nicht unumstößliches Vorhaben. Die Vorstandschaft bzw. Ausschuß des Münchener Vereins präsentiert sich nunmehr folgendermaßen: I. Vorstand: Theod. Heiden, Hofgoldschmied; II. Vorstand: Christ. Vitzthum, Juwelier; Schriftführer: J. B. Haag jun., Juwelier; Beisitzer: A. Rath, Hofjuwelier: Beisitzer; J. Winterhalter, Hofgoldschmied. Über den vielumstrittenen Punkt der Tagesordnung: Besteckkonvention, zu dem das Referat Herr Winterhalter übernommen

hatte, kam es zu lebhafter Debatte. Ist es doch auch ein Gegenstand, der in seiner einschneidenden Wirkung das größte Interesse hervorruft. Der neugewählte I. Vorstand H. Heiden zeigte bei dieser Besprechung in der zuversichtlichen, ruhig sachlichen Art, mit der er für die Konvention eintrat, daß wir den richtigen Mann gefunden haben, der dem eingerissenen, vernunftwidrigen Mißstand im Besteckhandel energisch zu steuern bestrebt sein wird und konnte in lebhaftester Zustimmung aller anwesenden Mitglieder folgende Resolution, die an den bayerischen Verein gerichtet ist, gefaßt werden: Der Verein der Juweliere, Gold- und Silberschmiede Münchens stellt den Antrag zur Generalversammlung des bayrischen Vereins mit den bisher gesammelten Unterschriften an den Verband der Fabrikanten zu gehen und den Abschluß des Vertrages zu verlangen. Wird dies von der Generalversammlung nicht genehmigt, so erklärt die heutige Generalversammlung des Münchener Vereins sich jetzt schon für gebunden, die Besteckkonvention für München allein durchzuführen, so daß die Unterschriften der heute anwesenden Mitglieder rechtsgültig werden und der Vorstand ermächtigt ist, alle weiteren Schritte zur Durchführung vorzunehmen Der Termin der Konventions - Einführung wird bekannt gegeben. Im Bericht an die Handwerker- und Gewerbekammer wurde besonders betont, daß dem unser Gewerbe so schwer schädigende Hausierhandel leider noch sehr wenig entgegengewirkt werde. * wurde hierbei auch vorgebracht, daß es Engros-Firmen gibt, die den Unterhandel in Cafes und Wirtschaften mit Warenlieferung" unterstützen, was allgemein gerechte Entrüstung hervorrief. Unsere Vereinigung wird sich nächstens eingehender mit dieser Sache beschäftigen und keine Mittel unversucht lass" solchem Gebahren entsprechend zu begegnen. In sehr später Stunde trennten wir uns, der nächstens s” findenden Generalversammlung des bayrischen Verbandes fro" Mutes entgegensehend; möge diese unserm Entschluß zu dem ihrigen machen, zum Segen und Gedeihen unserer Arbeit, ?" Schutze unseres edlen Gewerbes!

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Zur Lohnbewegung in Schwäb. Gmünd und Pforzheim.

In Pforzheim begann die Bewegung Mitte Dezember. Am 18. Dezember fanden fünf öffentliche Versammlungen der Goldund Silberarbeiter statt, in welchen die Höherbezahlung der Überstunden und die Beschlußfassung über eine diesbezügliche Eingabe an den Arbeitgeberverband und die einzelnen Fabrikanten das Thema bildete. In der gefaßten Resolution wurde eine Besserbezahlung der Überstunden in der Höhe von 25% gefordert. In der Begründung wurde darauf hingewiesen, daß im Sommer so viel Arbeiter arbeitslos oder doch weniger Stunden beschäftigt werden als sonst. Würde durch Höherbezahlung der Überstunden mit diesen sparsamer umgegangen werden müssen, so würde auch eine regelmäßigere Beschäftigung in der sogenannten schlechten Zeit erzielt werden können. Diese Resolution wurde vom Deutschen Metallarbeiter-Verband, Geschäftsstelle Pforzheim, den Arbeitgebern unterbreitet, der über dieselbe in einer außerordentlichen Generalversammlung vom 28. Dezember verhandelte. Von der Preßpolemik, welche sich noch kurz vorher entspann, wollen wir hier schweigen. Mittels Schreiben vom 2. Januar 1906 wurde dem Metallarbeiter-Verband das Resultat dieser Generalversammlung bekannt gegeben, welches in einer nahezu einstimmigen Ablehnung der Mehrbezahlung der Überstunden bestand.

Die Arbeitgeber gingen davon aus, daß nicht sie für die bestehenden Mißstände verantwortlich gemacht werden könnten. Schon im Juni v. J. hätten sie sich, in Gemeinschaft mit der Handelskammer Pforzheim, an die Grossisten der Branche in einem Rundschreiben gewandt, in welchem auf diese Mißstände hingewiesen und die Grossisten ersucht wurden, ihre Aufträge frühzeitig und mit längeren Lieferfristen zu erteilen, um dadurch eine geordnetere Arbeitszeit zu ermöglichen. Leider sei dieses Vorgehen ohne wesentlichen Erfolg geblieben. Auch die Frage der Höherbezahlung der Überstunden sei schon erörtert worden. Man könne aber darin kein Mittel zur Behebung der geschilderten MißStände erblicken. Es sei eine nicht zu bestreitende Tatsache, daß ein großer Teil der beschäftigten Arbeiter mit Vorliebe in solchen Betrieben Beschäftigung suche, in denen möglichst viel „in der Weil (Überstunden) gearbeitet werde, während die, welche sich der Uberstundenarbeit entzögen, in der Minderheit seien. Die auf dem Lande wohnenden Arbeiter ersuchten sogar im Sommer um Urlaub, um in der Landwirtschaft tätig zu sein, und während der Saison suchten sie dann durch Überstunden dem Ausfall wieder beizukommen. Die Höherbezahlung der „Weilarbeit“ würde die

II.

geschilderte Gepflogenheit der Arbeiter nur vermehren und damit den Übelstand erhöhen.

Am 8. Januar fand darauf wieder eine öffentliche Versammlung der Gold- und Silberarbeiter statt, in welcher zu der Antwort der Arbeitgeber Stellung genommen werden sollte. Der Geschäftsführer des Metallarbeiter-Verbandes, Weiß, bekämpfte in in der Versammlung die Anschauungen der Arbeitgeber. Er argumentierte im Gegenteil folgendermaßen: Wenn die Arbeiter Überstunden verlangten, so sei dies ein Beweis, daß die Bezahlung eben eine zu geringe sei. Die Höherbezahlung der Überstunden mit 25"o bedeute nur eine ganz minimale Belastung der Industrie. Redner wandte sich auch gegen das „Blauemontagmachen“ der Arbeiter. In einer erneuten Resolution verurteilte man die Stellungnahme der Arbeitgeber und kennzeichnete die Begründung des ablehnenden Beschlusses als eine Verhöhnung der Arbeiterschaft. Warum eine solche darin liegen sollte, wird freilich so leicht niemand einsehen. Mit dieser Versammlung hat die Bewegung vorläufig einen Abschluß erreicht, von dem man wohl sagen kann, daß die ganze Sache im Sande verlaufen ist. Wenn man auf der einen Seite gewiß auch zugeben wird, daß die allenthalben wachsenden Lebensbedürfnisse, die gesteigerten Preise für Nahrungsund Genußmittel den Arbeitnehmern eine Erhöhung ihrer Entlohnung wünschenswert erscheinen lassen müssen, so darf doch nicht vergessen werden, daß jetzt nicht der wirtschaftliche Zeitpunkt gekommen ist, der eine Erhöhung der Belastung der Arbeitgeber, eine Steigerung ihrer Produktionskosten zuließe. Darin ist der Grund der Weigerung auf seiten der Fabrikanten zu suchen, und wenn dies den Arbeitnehmern vor Augen geführt wird, so darf man hoffen, daß ernstliche Differenzen im Interesse beider Teile vermieden werden. Freilich die Agitatoren des Metallarbeiter-Verbandes haben kein Interesse daran, eine solche Aufklärung zu geben, da es ihnen ja nur darauf ankommt, eine „Machtprobe“ eventuell vorzubereiten. Wir halten es daher für unsere Pflicht, auch von dieser Stelle aus zur Ruhe und zum Frieden zu raten.

Inzwischen haben ja auch die Arbeitgeber eine Lohnerhöhung eintreten lassen. Wir verweisen auf die Notiz „Der ortsübliche Tagelohn in Pforzheim“ in heutiger Nummer. In Gmünd hat bereits wieder eine öffentliche Versammlung am 13. Januar stattgefunden, die sich mit der Frage der Überstunden beschäftigte.

Offener Sprechsaal.

Unter dieser Rubrik veröffentlichen wir Einsendungen von Abonnenten und Fachkollegen, die in sachlicher Weise auf Übelstände

aufmerksam machen und zur Diskussion darüber auffordern.

Wir bitten alle unsere Leser, von dieser Einrichtung recht häufig Ge

brauch machen zu wollen, mit der Bemerkung, daß diese Einsendungen ohne unsere redaktionelle Verantwortung erscheinen.

Unter der Überschrift „Ein seltsames Urteil“ bringen Sie in Nr. 3 der „Deutschen Goldschmiede - Zeitung“ einen Bericht über eine Gerichtsverhandlung gegen einen hiesigen Goldschmied, der die von ihm gefertigten Trauringe mit einem höheren FeingehaltsStempel versehen hatte, als sie in Wirklichkeit gestempelt werden durften. Es findet sich in dem Bericht ohnehin ein Irrtum, den ich hiermit vor allen Dingen berichtigen möchte: Die Trauringe waren nämlich nicht 950, wie Sie schreiben, sondern nur 938, und der betreffende Goldschmied hatte sie mit 985 gestempelt, sich also eines Verstoßes gegen das Feingehaltsgesetz schuldig gemacht, wegen dessen ihn der Staatsanwalt mit Recht zur Verantwortung zog

Ich bin Mitglied der Berliner Goldschmiede - Innung und habe der Verhandlung von Anfang bis zu Ende beigewohnt, kann also aus eigener Anschauung sprechen und nicht umhin, mein allergrößtes Befremden darüber auszusprechen, wie diese Sache vom Gerichte und doch auch von dem Sachverständigen behandelt worden ist. Wenn ein Berliner Goldschmied, dessen Geschäft zu den bedeutendsten am Platze gehört, nach seinem eigenen Zugeständnis jahrelang seine Trauringe zu niedrig legiert und dadurch das Ver"auen des Publikums zu uns Goldschnieden auf das Empfindlichste

erschüttert, vor Gericht den wilden Mann spielt und sich damit entschuldigt, daß er den Feingehalt der von ihm verwendeten 20-Markstücke nicht gekannt habe und wenn der Gerichtshof zur

Entscheidung kommt, daß der Bildungsgrad des Angeklagten nicht

ausreiche, um Legierungsrechnungen zu machen, d. h. um auszurechnen, das die Hälfte von 1900 = 950 und nicht 985 ist, wenn dieser Goldschmied, der sein Geschäft auf eine besondere Höhe gebracht hat, also sicher gut zu rechnen versteht, daraufhin freigesprochen wird, so hört nicht nur Verschiedenes, sondern geradezu Alles auf

Seltsam war, wie gesagt, auch das Verhalten des Sachverständigen, der auf die Frage des Richters nach dem Feingehalt der 20-Markstücke erwiderte, daß ihm dies im Augenblick nicht gegenwärtig sei, weil in seinem eigenen Geschäft nur Feingold zu den Trauringen verwendet würde. Jeder Goldschmied weiß doch, daß in allen Betrieben, in Nord- und Süddeutschland, massenhaft 20Markstücke zur Legierung verwendet werden, daß vor etwa drei Jahren die Regierung eine Umfrage nach dem Umfange dieser Verwendung hielt, daß dabei kolossale Ziffern zum Vorschein kamen und daß daraufhin sich die Reichsbank entschloß, zum Gebrauch

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