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tung, daß die Moderne wie eine große Woge an einer Düne mehr verlieren, sobald er einsieht, wie sehr die moderne Richbrandet, wieder zurückprallt, sich wieder erhebt, um schließlich tung ihre Berechtigung hat, so bald er sieht, wie in allen immer mehr Raum zu gewinnen, bis sie mit der Zeit eine deutschen Landen und den anderen Ländern des Auslandes, große, große Strecke überschwemmt hat und so ihren berech Österreich-Ungarn, GroBritannien und Belgien an deren betigten Platz in der Kunstgeschichte einnimmt. In diesem Sta deutendem Werke unermüdlich gearbeitet wird. Findet der dium befinden wir uns heute! Gerade in der Baukunst und Privatmann beim Juwelier nichts, so geht er zu einem Professor. Innendekoration, in der inneren Einrichtung moderner Villen und Die Professoren der Modernen werden einen immer größeren Häuser hat die moderne Richtung schon bedeutende Triuniphe Kreis von Schülern heranwerben und die fortschreitende Vergefeiert, und wenn heute ein modern fühlender reicher Mann breitung der Modernen wird sich nicht aufhalten lassen. Der sich einen edlen, feindurchdachten modernen Bau hinstellt, so Zwischenhändler, also die Herren Juweliere, sollen mit voller wird er gewisse Räume seines Hauses auch mit modernen Ge Kraft an diesem Werke mithelfen, Hand in Hand mit den Probrauchsgegenständen füllen, er wird dann Gegenstände kaufen, fessoren, sie dürfen sich nicht dagegen stauen und es wird wo er sie findet, meistens findet er nicht gerade sehr viel und ihnen mit das Verdienst zukommen, an einem großen Werke das wenige entweder nur in Ausstellungen oder in Kunstsalons, ihrer Zeit mitgearbeitet zu haben! Denn es gibt keine größere in Silberwaren zuletzt beim Juwelier, weil dieser auf dem Errungenschaften, in der Zeit in der wir leben, auf dem GeStandpunkt steht, der moderne Stil sei „abgetan“! Er hat ein biete der Kunst, des Kunstgewerbes, als wenn man in späteren gewisses Gefühl der Angst, wenn er auf einem Lager einen Zeiten in Museen und in der Geschichte beobachten kann, modernen Gegenstand sieht, hat eine gewisse Aversion, die daß das 20. Jahrhundert gleichfalls angestrengt in ästhetischer wohl berechtigt ist bei allem minderwertigen, schlechten soge Richtung gewesen ist und einen neuen schönen, vollen Stil nannten Jugendstil. Aber diese Angst wird sich mehr und geschaffen hat!

Platingewinnung in der Ural-Region.

Profes

rofessor Demaret-Freson hat kürzlich einige interessante Tat sind auf dem Kamm der Bergkette oder an den beiden Ab

sachen über die Platinproduktion veröffentlicht. Innerhalb hängen gelegen. Auf der europäischen Seite liegen sie längs der letzten Jahre hat die Verwendung dieses Metalles beson der Flüsse Vilva und Kava, sowie längs des Otka und anderer ders in den elektrischen Industrien rapide zugenommen, wäh Flüsse. Viele der reichen platinhaltigen Stellen liegen in den rend die Produktion kaum oder gar nicht fortschreitet. Man Besitzungen des Fürsten Demidoff, und in einem Falle wurde schätzt die jährliche Gesamtproduktion der Welt auf nicht hier ein Klumpen gefunden, der 22 Pfund wog. Die platin

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mehr als 7 Tonnen. Infolgedessen hat ein beträchtliches führenden Schichten besitzen oft eine Mächtigkeit von 4,50 MeSteigen des Platinpreises stattgefunden. Das Metall wird ge- tern, doch da sie oft bis zu einer Tiefe von 18 Metern unter wöhnlich in Alluvialschichten von Sand und Kies in der Nähe der Oberfläche gesunken sind, so müssen sie durch eine Reihe der Wasserläufe, in Tälern oder an Hügelabhängen gefunden. von Schächten und Gängen (Galerien) erreicht werden. Auf Es kommt gewöhnlich in Form abgeplatteter Körner mit rauher der asiatischen Seite befindet sich der gold- und platinführende oder glatter Oberfläche vor. Das Platin wird auch in großen Sand des Miaß-Flusses und anderer Ströme der Region. Die Klumpen gefunden, doch sind dieselben seltener. Rußland reichsten Lager liefern 60 bis 90 Gran Platin pro Tonne, liefert etwa 96 Prozent alles produzierten Platins. Es wird doch variiert der Bestandteil an Platin bis hinab zu 40 Gran. hauptsächlich in der Ural-Region gefunden; der produktivste Ort Das Metall wird in den meisten dieser Regionen gleichzeitig liegt in dem Gouvernement Perm. Die platinhaltigen Stellen mit Gold gefunden, und beide Metalle werden mittels einer

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Aus dem Ural: Zur Goldgewinnung.

Die Goldwäscherei.

Aus dem Ural: Aufbruch zur Platinsuche.

Versammlung beim Gewinner.

sich ein schlammiger Niederschlag auf den Siebboden setzt und durch die Löcher abfließt. Derselbe wird auf eine geeignete Platte oder in einen flachen Trog von 90 Zentimeter Breite und 3 Meter Länge geleitet, in welchem die Platinkörner zurückbleiben. In anderen Fällen, wenn das Material

Dasselbe wird bei dem Golde amalgamiert, während das Platin unbeeinflußt bleibt. Der platinhaltige Rückstand wird nun nach den Raffinerien gesandt.

Der in der Ural-Region gewonnene Rückstand enthält im Durchschnitt 87,25 Prozent Platin, 0,20 Prozent Rhodium, 0,05 Prozent Iridium, 0,01 Prozent Osmium, 1,04 Prozent Palladium, außerdem 1,50 Prozent Osmium-Iridium-Legierung und endlich 8,40 Prozent Eisen und 0,55 Prozent Kupfer.

· Um das Platin aus der Mischung zu extrahieren, wird gewöhnlich das nasse Verfahren angewandt. Die Mischung wird mit Königswasser behandelt und die so erhaltene Lösung wird durch Ammoniumchlorid in Form eines Doppelchlorids präzipitiert. Das letztere wird kalziniert und das sich ergebende

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Aus dem Ural: Zur Goldgewinnung.
Das Fischen des Sandes aus dem Flußbett.

Sand oder Kies bildet, wird ein einfaches zylindrisches Sieb statt des Behälters benutzt.

Wenn die platinhaltigen Stellen im Flußbett oder in unter Wasser stehendem Boden gefunden werden, so wenden die Bauern ein primitives Baggerverfahren an. Auf einem Floß

Jekaterinburg im Ural: In der Werkstätte eines Steinschneiders. stehend, führen sie ein hölzernes Schöpfgefäß durch eine Öffnung im Mittelpunkt des Fahrzeuges. Das Schöpfgefäß be- Produkt kann 99,9 Prozent Platin enthalten. Bisweilen wird findet sich am Ende einer 12 Fuß langen Stange und wird mittels das elektrische Verfahren angewandt, um das Platin von dem einer auf eine Winde gewundenen Kette hochgezogen. Der Iridium und Rhodium zu trennen. Ein ziemlich schwacher Sand und Kies wird auf ein Sieb geschüttet, welches über Strom kommt dabei zur Anwendung; der Elektrolyt ist eine einen auf das Floß selbst montierten Schwingtrog gestellt ist, Säurelösung von Platinchlorid.

Infolge verschiedentlicher Zeitungsnachrichten, wonach von Löhne, und nicht in letzter Linie auf die durch den der russischen Regierung ein Ausfuhrverbot für Platinerz er russisch - japanischen Krieg und neuerdings durch die Unlassen werden soll, können wir mitteilen, daß irgend welche ruhen herbeigeführte Schwierigkeit, die nötigen Arbeitskräfte zuverlässige Nachrichten bisher hierüber nicht bekannt ge zu beschaffen. worden sind. Frühere Versuche in derselben Richtung schei Da gegenwärtig aller Augen wieder nach Rußland gerichtet terten an der Unmöglichkeit der Durchführung, und so wird es sind, und die Preissteigerung des Platinerzes unseren Leserwohl auch dieses Mal wieder gehen. Die Preissteigerung, kreis direkt berührt, so verbinden wir mit vorstehenden Notizen welche namentlich in den letzten Jahren erhebliche Dimen den Abdruck einer Reihe von Abbildungen über die Platinsionen angenommen hat, ist in erster Linie auf den stets gewinnung in Rußland (Land und Leute. Das Verfahren der steigenden Konsum, dem die Produktion nicht folgen kann, Platingewinnung.), die uns von Herrn Dr. G. K. L. Hubert zurückzuführen, des weiteren auf die durch die Erbauung de Dalberg aus seiner russischen Bildersammlung freundlichst der sibirischen Eisenbahn außerordentlich gut bezahlten zur Verfügung gestellt sind.

Die Technik und Geschichte des Email und der Emailmalerei.

Vortrag, gehalten im Kunstgewerbeverein „Vorwärts" am 11. Juli 1906

von Hermann Schmidt, Emailmaler, Schw. Gmünd.

(Schluß).

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fir sind nun an demjenigen Zweige der Schmelz

kunst an gelangt, welcher von dem seither betrachteten vollständig abweicht, und dem Metall keinerlei Wirkung mehr gewährt. Das Metall wird

vollständig mit Email bedeckt und erhält dadurch die Rolle, welche das Holz und Leinwand bei der Ölmalerei versieht, allerdings dadurch unterschieden, daß die Emailmalerei mit ganz anderen, sehr schwierigen Verhältnissen zu rechnen hat und ihr manche Beschränkung auferlegt ist. Das Material des Emailmalers ist erstens bei Limogesmalerei die weiße Farbe, bei der Malerei auf weißem Grunde die bunten Schmelzfarben, wie ich ja schon mitgeteilt habe. Sie alle werden wohl schon die Limogeser, sowie Genfer und Pariser Malereien im Gewerbemuseum betrachtet haben, und es ist Ihnen vielleicht auch schon der Gedanke gekommen, wie es möglich war, daß man zuerst in Limoges auf eine ganz andere Dekorationsweise, die wieder eine ganz andere Technik verlangt, gekommen ist. Wenn man aber bedenkt, daß in jener Zeit, in welcher der Umschwung stattfand, in Italien gerade der Reliefschmelz in Blüte stand, der mit seinen durchsichtigen Farben einen so bewegten und anregenden Effekt hervorbrachte, und dazu mit dem Geschmack jener Zeit so vollkommen im Einklang war, so liegt die Vermutung nahe, daß auch die Limogeser Emailleure, deren Technik voll und ganz zum Handwerk verflacht war, nach einem Ersatzmittel fahndeten, um den Zeitgeschmack auch mit andern, als den ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zu befriedigen. Und fürwahr, in der Hand begabter Arbeiter wurden nun aus der anfangs plumpen, nur als Surrogat dienenden Technik etwas Lebendiges und schließlich selbständige und vollständige Kunstwerke. Die Limogeser Arbeiten waren in ihrer Entstehung nicht in der Weise gefertigt, wie in späterer Zeit. Wir beobachten an den Erstlingsarbeiten Ende des 15. Jahrhunderts, daß z. B. in eine Kupferplatte mit einer Nadel die gewünschte Zeichnung eingekratzt wurde, und dann das Ganze mit einem farblosen transparenten Schmelzgrunde beschmolzen worden ist. Hernach konnte der ausübende Künstler, nachdem er die Zeichnung mit dunkler Malfarbe mit dicken Strichen nachgemalt hatte, sämtliche Emailtöne auftragen. Die gemalten Striche ersetzten in diesem Falle sozusagen die beim Gruben- und Zellenemail vorhandenen Metallgrenzen. Er machte also mit Email, nicht mit Malfarben die Gewänder, Himmel, Hintergrund usw. Da wo die Fleischfarbe hinkommen sollte, setzte er ein schwarzes oder tiefviolettes bisweilen auch dunkelbraunes Email auf und brannte wieder das Ganze ein. Die Modulation des Fleisches malte er nun mit weißer Emailfarbe auf, es ist dies also ein Arbeiten vom

Dunkeln ins Helle. Um mit anderen Worten gesagt: Wir sehen die tiefste Schatten durch de inen dunklen, schwarzen Emailton, die Halbschatten sind leicht mit Malweiß lasiert und schimmern daher leichtgräulich, die Lichter dagegen sind mit entsprechender Menge weiß gemalt, daß kein Grund mehr durchschimmert. Man kann die Technik vergleichen mit dem Malen auf schwarzen Karton. Zum Schluß wurde noch in den höchsten Lichtern und Effektstellen Gold und Silber aufgemalt, das einen hübschen Reiz ausübt. Einer der ersten Emailmaler dieser Art ist Monvaeri etwa 1470 oder 1480. Dann ist eine Autorität jener Zeit zu nennen Nardon Peniçaud. Ein besonders gutes Gemälde von ihm ist Christus am Kreuze mit Maria und Johannes mit der Jahreszahl 1503. Ein weiterer Maler zur gleichen Zeit ist Jean Peniçaud, der es in der Technik schon so weit unternahm, daß er unter die Gewänder vor dem Auftragen des Emails Gold- oder Silberfolien legte und diese dann mit transparenter entsprechender Schmelzfarbe überzog. Dadurch erzielte er sehr schöne brillante Töne.

Allein bei dieser Manier der Limogeser Emailmaler blieb es nicht, es vollzog sich in den Jahren 1520-1525 ein Wechsel des Geschmacks, der auch künstlerisch hochstehende Arbeiten entstehen ließ, es folgt der Übergang zur Grissaillemanier.

Bei dieser Technik wurde die Platte gleich zu Anfang mit dunkelblauem oder schwarzem Email überzogen und eingeschmolzen. Daraufhin legte man über den ganzen Grund eine dünne Lage fein zerriebener weißer Schmelzfarbe. War diese angetrocknet, so pauste der Maler die gewünschte Zeichnung auf, und kratzte oder radierte mit einer spitzen Nadel alle weiße Farbe außerhalb der Kontur weg und erhielt dadurch eine hellgraue Silhouette, die sich vom dunklen Grunde abhob. Nach dem Einbrennen dieser Arbeit führte der Maler sein Bild mit Weiß weiter aus, genau so, wie er vorhin die Fleischpartien mit Weiß gemalt hat. Es ist dies eine sehr schwierige mühsame Arbeit, die ein nicht geringes Maß technischer Sicherheit verlangt. Aus diesem Grunde wurde dieses Verfahren auch nicht zu oft angewandt. Um nun die Manier zu vereinfachen, griff diejenige Arbeitsweise Platz, bei welcher in die erste weiße Farbschicht, welche auf dem dunklen Grunde aufgetragen und außerhalb der Kontur abradiert war, mittels einer Nadel die Schatten durch Striche eingekratzt wurden, so daß das Ganze den Charakter eines Holzschnittes, einer Federzeichnung zeigte. Auf diese Weise konnte der Emailmaler besser und erfolgreicher arbeiten. Goldlichter wurden natürlich auch aufgesetzt und in der Folge der Zeit auch die Gemälde mit leichten Schmelzfarben

überzogen, allerdings diese Leuchtkraft wie bei den Metallfolienunterlagen ist hier nicht zu erzielen gewesen.

Man hat nun verschiedene Meister zu verzeichnen, so noch weitere namens Peniçaud, die mit Pen. I. II. III. bezeichnet wurden. Es ist auffallend, daß die Limogeser Meister alle ihre Werke mit ihrer Signatur versahen, und dadurch eine gute Übersicht über die verschiedenen Künstler möglich ist. Der namhafteste Emailmaler ist wohl Leonhardt-Limousin von Limoges, welcher im Jahre 1505 geboren wurde, der speziell im Porträtmalen ein Meister war. In seiner Technik finden wir die erste Anwendung vom Malen mit bunten Emaillen auf den gemalten weißen Emailrelief und zwar durch gestrichelte und Punktmanier, er arbeitete in allen Gebieten so auf Becher, Leuchter, Salzfässer, Teller usw. Er benützte oft Motive von Raphael, sowie Stiche deutscher und italienischer Meister. Sein spätestes Bild fällt in das Jahr 1574. Auch unter dem Namen Limousin gab es noch weitere Maler, welche aber nicht das erreichten, wie der oben besprochene Künstler. Weitere Meister sind zu nennen unter dem Namen „Noutailler“, ferner eine Familie Reymond, welche den fleißigsten und zugleich produktivsten Künstler, Pierre Reymond“, der nicht nur Emailmaler, sondern auch in anderen Techniken tüchtig war, zu erweisen hat. Er lebte auch zur Zeit Leonhardt Limousins. Wir sehen, daß sich manch gute tüchtige Kraft in Limoges entwickelt hat, und daß mancher Künstler in der Emailmalerei sein Ideal befriedigte. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts ging sie aber schon zur Verfallzeit über. Denn es ging auch hier wie überall, sobald eine Technik, die einen guten Ruf erlangt, dazu Verleitung hervorgerufen hat, geschäftlich auszunützen und hierbei daraufgedrungen wird, die Preise möglichst niedrig zu reduzieren, um der großen Menge dienstbar zu machen, so ist auch das Schicksal einer Technik, einer Kunst besiegelt. Und so müssen wir auch im 17. Jahrhundert den Niedergang der Limogeser Emailmalerei, der materialgerechtesten Technik, leider registrieren.

Ich komme nun zur letzten Abteilung; der Emailmalerei auf weißem Grunde mit bunten Emailfarben. Diese Manier, die eigentlich besser genannt werden könnte mit Malerei auf Email nennt den französischen Goldschmied Jean Toutin als ihren Erfinder und zwar im Jahre 1632. Jean Toutin ist derjenige, welcher erstmals eine vollständige Farbenskala in Emailfarben, also nicht in Emaillen, geschaffen hatte. Den meisten Ruhm, als erste Kraft zu gelten gebührt aber unfehlbar dem Genfer Emailmaler: „Jean Petitot“. Er war als Sohn eines Schreiners und Bildschnitzers am 12. Jan. 1607 in Genf geboren, kam in seinen Wanderjahren nach London und erlangt dort großen Ruhm und Ehre und zwar unter Karl I. Er steigert seine Technik in malerischer Hinsicht unter v. Dyks persönlicher Leitung, kam nach Karls Hinrichtung nach Frankreich, daselbst durch das Edikt von Nantes verdrängt, wieder in seine Heimat und hat überall in jeder Situation wirklich großartige Werke, meistens Porträts, geschaffen. Petitot hatte mehrere Schüler und Nachfolger, und es entstanden im Laufe der Zeit

rasch nacheinander weitere Kräfte, die der zur Zeit in Mode gekommenen Technik sich widmeten, und teils in England, Schweden und hauptsächlich in Frankreich die Stätte ihrer Wirkung fanden. Die Werke der verschiedenen Künstler sind in großer Anzahl fast überall zu finden, hauptsächlich im Louvre usw. Die Aufträge waren den Künstlern meistens von Fürsten zugegangen, weil es in jener Zeit auch üblich war, Ehrungen an fremde Gesandte und so fort durch Uhren, Necessaires, Tabatieren mit gemalten Porträts zu schenken.

Die Emailmalerei, die mit den Regierungsjahren Ludwig XV. etwas in den Hintergrund getreten war, erlebte 1735 eine neue Blüte. Es ist nicht selten der Fall, daß der Emailmaler zu jener Zeit zugleich auch Elfenbeinmaler war, überhaupt alle Techniken beherrschte, die mit der Miniaturmalerei in Verwandtschaft standen.

Genfer und Pariser Künstler verbreiteten die Malerei auf Email auch nach Deutschland, wo von den Fürstenhöfen zahlreiche Bestellungen gemacht wurden. So haben wir in Dresden die beiden Maler Mengs, Imael, in Frankfurt die beiden Peter Boy, in Düsseldorf Ardin, in Wien Schindler und andere zu verzeichnen.

Im 17. und 18. Jahrhundert finden wir viele Malerei auf weißem Grunde und zwar auf Kupfer, zur Verzierung von Tafelgerät, Servicen, Tellern usw. und zwar in den Formen des Rokoko- und Barokstils. Die Bilder stellen oft die Jahreszeiten, ländliche Scenen, Momente aus der Mythologie und Ähnliches dar. Eine ähnliche Art wurde ebenfalls auf Kupfer meist auch Tabaksdosen, Bonbonieren, Riechfläschchen und so fort in Formen Louis XV. ausgeführt.

So hat der Geschmack in verschiedenen Punkten noch viele und mannigfaltige Abwechslung geschaffen, aber immer wieder gewann die Malerei auf weißem Emailgrunde die Oberhand, besonders bei Anwendung des Goldschmiedeemails. Allerdings hat die ganze Arbeitsweise fabrikmäßigen Charakter angenommen, es heißt halt auch jetzt je billiger, je lieber. Wir haben ja Stätten und Künstler, bei welchen nur vollständig gute, feine und teure Arbeiten geliefert werden, wie in Köln bei Hermelin, andere in Wien, Paris und Genf. In der heutigen Zeit wird alles gemacht, wir sehen alle schon vorgekommenen Arten in Email und Emailmalerei je nach Wunsch und Verhältnissen anfertigen.

Und wenn ich den heutigen Standpunkt unserer modernen Kunstrichtung ins Auge fasse, so glaube ich, daß die moderne Dekorationsweise ganz gewiß in dem Email und der Emailmalerei das Mittel findet und finden wird, um den Zielen, Zwecken und Empfindungen durch schöne Farbensprache des Emails bewußteren, klareren und reicheren Ausdruck zu verleihen. Sei es

nun in Flächendekoration oder gemalten plastischen Wirkungen, überall wird das Email und die Malerei bei geeigneter Wahl und Anordnung, den Künstler mit der Freude erfüllen, das Produkt seiner Tätigkeit durch die Verzierung mit Email veredelt und gesteigert zu sehen.

Warum?

Warum

Tarum bin ich auf eine Fachzeitschrift abon

niert? Warum gebe ich jedes Jahr ganze acht Mark für 26 dicke und 26 dünne Nummern dieser Zeitschrift aus? Warum tue ich das, da ich doch absolut nichts von einer Fachzeitung habe? Noch nie habe ich auch nur einen Sechser eingenommen, weil ich diese Zeitung gelesen habe. Meistens sehe ich sie mir gar nicht einmal an, wenn sie der Briefträger bringt; sie liegt ein paar Tage auf meinem Tisch und wenn ich mal gar

nichts Besseres zu tun habe, so sehe ich mir die hübschen Bilder an und freue mich darüber oder auch nicht. Der einzige Nutzen, den eine Fachzeitschrift hat, ist der, daß man in der Ecke, wo sie gewöhnlich hingelegt wird, immer schönes Einwickelpapier findet und ob dadurch das Privatpublikum etwas

unseren speziellen Fachsachen erfährt, das ist mir sehr gleichgültig. Wenn dadurch mal Mißhelligkeiten entstehen, so kann ich immer noch die Redaktion der Zeitung dafür verant

von

wortlich machen, denn warum schreibt sie Sachen in ihrem edle Aufgabe ist, hält ihre Leser auf dem Laufenden, was im Blatte, die nicht jedermann lesen kann.

Fache in seiner ganzen Ausdehnung geschieht, wie der Markt Und überhaupt! Wenn ich wirklich mal in der Zeitung liegt und was für Neuheiten erscheinen. Wenn das gedruckte etwas gelesen habe, so war es ganz sicher etwas, worüber Wort nicht ausreicht, so bringt sie möglichst gut ausgeführte ich anderer Meinung bin und es ist merkwürdig, wenn ich mit Abbildungen, die dem Leser Anregung bieten und ihn das meinen Kollegen in unsern Versammlungen darüber gesprochen Wesen irgend einer Sache sofort erfassen lassen. Sie bringt habe, so waren sie auch der Meinung, daß sie ebenso wie Entwürfe zu neuen Schmuckstücken, damit der Goldschmied ich ganz anders dächten wie die Redakteure der Fachzeitung. seine Kunst auch mal bei sich ausüben kann, wenn ein Kunde Also warum fragen die Redakteure, die Zeitungsmenschen, die etwas Besonderes und nicht Marktware haben will. Sie verwahrscheinlich nie ein Lötrohr in der Hand, geschweige denn mittelt den Verkehr zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Mund gehabt haben, nicht lieber erst bei denen an, die in unparteiischer Weise, sagt dem ersteren, wo er wieder eine es besser wissen als sie, was sie über diesen oder jenen Stellung und dem letzteren, wo er eine tüchtige Kraft finden Gegenstand zu berichten haben.

kann. Sie öffnet den Anzeigenteil den Fabrikanten und VerUnd dann die Inserate! Was man im Anzeigenteil der fertigern von allerhand Spezialitäten, damit sie in der Lage Fachzeitschrift sucht, findet man ganz gewiß nicht. Wie oft seien, sich und ihre Erzeugnisse dem Abnehmerkreise bekannt habe ich schon wegen eines tüchtigen Gehilfen für meine zu machen, wobei sie streng darauf hält, daß keine PreisunterWerkstatt inseriert, aber glauben Sie, daß ich einen bekommen bietungen stattfinden, überhaupt in den Anzeigen keine Preise hätte? Nein, im Gegenteil, wenn ich einen einigermaßen or genannt werden. Und weil die Redaktion aus Leuten besteht, dentlichen Menschen gehabt habe, dann kam wieder der sog. die das Fach ganz genau kennen, ohne direkt an demselben Arbeitsnachweis der Fachzeitschrift und der Gehilfe ersah, wo materiell interessiert zu sein, so ist es bei dem umfangreichen andere bessere Stellen frei waren und ging mir gerade in der von allen Seiten zuströmenden Material nicht schwer, die voreiligsten Zeit fort. Die Anzeigen und Reklamen der Fabrikanten herrschende Meinung der Fachgenossen herauszufinden und ihr sind erst recht überflüssig, denn wozu sollen alle meine Kon geeigneten Ausdruck zu geben. kurrenten ebenso gut wie ich wissen, wo man Ware vorteil Um nun die Meinung ihrer Leser zu ergründen, muß eine haft cinkauft? Dafür heimsen dann die Zeitungsverleger ein Zeitung ihre Leser ab und zu einmal selbst zu Worte kommen Sündergeld ein, wovon die Fachgenossen nichts haben.

lassen. Aber, o weh! dies so selbstverständliche Mittel, die Und dann macht die Fachzeitschrift auch noch eine Ex Windrichtung auszuforschen, bringt meistens mehr Schaden als portausgabe; weiß ihr Herausgeber denn nicht, daß es schon Nutzen, wie wir am eigenen Leibe erfahren haben. Wir haben andere Exportblätter gibt, denen er nunmehro unliebsame den Lesern sehr oft das freie Wort gegeben, sie durften Konkurrenz macht? Warum macht er das? Nur aus Bosheit sagen, wo sie besseres erhofften und wie sie den Wagen lenken gegen andere, ebenso wie sich vor einem Jahre aus reiner würden, wenn sie einmal die Zügel in der Hand hätten. Und Bosheit mir gegenüber ein anderer Uhren- und Goldwaren was kam dabei heraus? Unsere Gegner haben sofort die händler etablierte, sich alles neu einrichtete und auch mich Meinung des Einsenders als unsere eigene hingestellt und gegen dadurch zu erhöhten Ausgaben für mein Geschäft zwang. uns Stimmung zu machen versucht. Dadurch werden wir uns

Da sollte der Verband einschreiten und auf dem nächsten aber nicht beirren lassen und auch künftig in gleicher Weise Verbandstage werde ich den Antrag stellen, daß eine eigene verfahren. Und wir werden versuchen, es, wenn auch nicht Verbandszeitung herausgegeben wird, in der nur das steht, was allen, so doch nach menschlichen Kräften möglichst vielen allen, aber auch allen aus der Seele gesprochen ist; was sie recht zu machen, wie ja der stetig zunehmende Leserkreis die schreibt, muß unanfechtbar sein und allen muß sie es recht beste Anerkennung unserer Bestrebungen in dieser Hinsicht ist. machen, sonst , .. Und die Redaktion muß abwechselnd mal Der Wünsche, die an eine Zeitungsredaktion gestellt werden, in Nord- und mal in Süd-, mal in Ost- und mal in West sind so viele, daß es nicht leicht möglich ist, den Hauptwunsch deutschland sein, damit jeder einmal seinen Einfluß zum Wohle herauszufinden und zu befriedigen. Daß die Zeitung immer des Ganzen geltend machen kann.“

das Allerneueste bringen soll, selbst wenn sie 8- oder 14-tägig Wenn der geneigte Leser obige Zeilen überflogen hat, so erscheint, ist selbstverständlich, und daß dieser Wunsch soll wird er vielleicht etwas stutzig werden und auch sich selbst erfüllt werden, ist auch selbstverständlich. Daß sie die Aneinmal im Ernst die Frage vorlegen: Warum halte ich eine sicht jedes einzelnen ihrer Leser getreulich widerspiegeln soll, Fachzeitschrift und was hat eine solche Fachzeitschrift für einen wird ebenfalls verlangt, daß dies aber ganz unmöglich ist, will Zweck? Nun, darüber wäre wohl kaum ein Wort zu verlieren, nur wenigen einleuchten. wenn es nicht tatsächlich Fachgenossen gäbe, deren Anschauun Acht Jahrgänge hat die „Deutsche Goldmiede-Zeitung" gen zu einem oder dem andern Teil sich in den obigen Aus nun hinter sich und wer ihre Entwicklung unparteiisch verfolgt führungen widerspiegeln. Es fragen ja auch noch viele, was hat, wird zugeben, daß sie redlich bestrebt gewesen ist, den der Verband eigentlich für einen Zweck habe. Wenn sie in hohen Zielen, die sie sich gesteckt hat, näher zu kommen. Verlegenheit sind und ihn brauchen, dann wissen sie gleich, Daß sie auch Widersacher hat, ist ganz natürlich, denn noch wo der Verband wohnt und wozu er da ist. Das gleiche ist nie sind Vorwärtsstrebende ohne solche und ohne Neider es mit der Fachzeitschrift; wenn man sie nicht braucht, so geblieben. Auf dem betretenen Wege fortzuschreiten und kann man sie entbehren, aber wenn man sie braucht, dann ist den Lesern nach besten Kräften das Beste zu bieten, wird es eine der nützlichsten Einrichtungen, die es gibt. Eine Fach auch künftig die Hauptaufgabe der „Deutschen Goldschmiedezeitschrift, deren Herausgeber wissen, welches ihre hohe und Zeitung“ sein und bleiben.

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