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und Überziehen mit Fondant mitmachen, wie sie sich verändern, und was für Einflüßen sie unterworfen sind usw. Auch muß er stets in Erwägung ziehen, wie die Farbe fließt, also wie sie schmilzt. Wenn nun der Emailmaler zu arbeiten beginnt, so mischt er seine benötigenden Farbtöne mittelst einer Spachtel auf einer Palette, die von Achat oder Glas sein kann, mit Lavendelöl an, und zeichnet fürs erste mit entsprechender Farbe das Bild auf den vom Emailleur hergestellten weißen Emailgrund mittelst eines kleinen feinen Pinsels auf. Hernach werden die verschiedenen Grundfarben angelegt, schattiert und ausgearbeitet. Es ist zur Fertigstellung eines Gemäldes während der Arbeit mehreres Einbrennen nötig, damit die gemalte Farbe wieder, ohne wegzugehen, nachgemalt und schattiert werden kann. So fährt man fort, bis das Gemälde die Zufriedenheit des Malers erreicht hat. Nach Beendigung der Arbeit wird jedes Gemälde mit Fondant überzogen, welcher dann der Malerei Schutz gegen äußere Einflüsse verleiht und dem Ganzen einen schönen Glanz gibt, und wird dann durch Feilen usw. fertig behandelt, wie ein anderes Emailstück. Natürlich gibt es auch hier sehr viele Arten in der Manier der Malerei, denn jeder Künstler hat einen anderen Geschmack und eine andere Farbenzusammenstellung und Mischung, wie Sie das auch bei Zusammengruppierungen von verschiedenen Ölgemälden der verschiedenen Maler wahrnehmen werden. Wenn es dem Emailmaler auch nicht immer möglich ist, alle gewünschten Farbtöne hervorzubringen, was auf die weit weniger reichliche Palette des Emailmalers zurückzuführen ist, so hat doch ein Emailgemälde vor allen Malereien, sei es nun in Öl, Pastell, Aquarell usw., den hohen Wert voraus, durchaus in seiner Farbenwirkung, Farbenzusammenstellung vollständig beständig zu sein. Ist einmal ein Emailgemälde eingebrannt und mit Fondant überzogen, so ist ein solches für Tausende von Jahren gesichert, immer mit derselben Leuchtkraft, mit demselben Glanze zu wirken und den Beschauer immer mit den gleichen unveränderlichen Empfindungen zu beseelen, wie vom ersten Angenblicke an, an welchem es hergestellt wurde.

Meine Herren, ich habe Ihnen nun ein Bild gegeben von der ungefähren Arbeitsausführung der verschiedenen Emailarten, es gibt allerdings gar viele Klippen, die bei der Arbeit selbst im Wege stehen, und wo nur gründliche Erfahrung und Technik dazu verhelfen können, diese Klippen glücklich zu umgehen. So ist es nötig, die verschiedenen Metalle mit verschiedenen Emaillen zu behandeln, die Eigenschaften der verschiedenen Metalle genau zu studieren, ihren Einfluß zu beobachten, den sie auf

das Email ausüben usw. So hat z. B. das Silber die unangenehme Eigenschaft, das Email gelb zu färben, was oft sehr schwer oder gar nicht zu verhüten ist. Bezüglich der transparenten Farben kommt das Metall auch sehr in Betracht, so erhält man auf Feinsilber sehr schöne blaue und grüne transparente Töne, während schöne leuchtend rote Töne auf Silber sich nicht erzielen lassen. Zu letzterem Zwecke muß die entsprechende Stelle mit Feingoldfolie unterlegt werden. man aber eine Goldplatte zum Emaillieren, so sind natürlich die roten und gelben Töne gesichert, während blaue und grüne Töne, um sie brillant zu erzeugen, eine Feinsilberfolie-Unterlage benötigen. Der zu emaillierende Grund ist bei allen Fällen besser geeignet, ein Email gut zu halten, wenn derselbe vorher etwas rauh gemacht worden ist, durch Gravieren usf., und gerade eine schöne Gravierung oder Guillochierung kommt dann bei einem transparenten Email mit ihren Effekten ganz besonders zur Geltung. Ein böser Mißstand ist oft der, daß im Metall während der Arbeit Blasen aufsteigen und dadurch das Email wegdrängen oder aussprengen. Dieses kommt oft vorbei Fehlern, welche beim Schmelzen des Metalls gemacht werden, wenn sich also im Metall ganz kleine Poren befinden. In solchen Fällen ist es für den Emailleur oft vollständig unmöglich, eine gute Arbeit zu erzielen; und meistens sind bei solchen Metallflächen die vorhandenen Poren weder mit bloßem noch mit bewaffnetem Auge vorher sichtbar, und kommen eben erst durch den Prozeß des Emaillierens zum Vorschein. Ist ein Metall zu schwach, dann ist die Gefahr vorhanden, daß das Metall seine Fasson verliert, daß sich der Gegenstand verzieht. Zur Verhütung dieses wird der zu emaillierende Gegenstand mit einem Email, sogenannten Contre-Email, auf der Rückseite betragen, und gibt dadurch dem Ganzen einen Halt, die verschiedenen Temperaturwechsel besser auszuhalten. Zu ContreEmail nimmt man meistens Fondant. Ich habe die verschiedenen Malheur-Situationen mit Absicht erwähnt, weil ich denke, daß es für jeden, der in der Gold-, Silber- und Metallbranche in dieser oder jener Hinsicht tätig ist, von Interesse sein wird, das Für und Wider des Emails und der Emailmalerei zu erfahren, um bei eigenen vorkommenden Fällen einen Über- und Einblick in die Art und Weise dieser Technik zu haben.

Ich trete nun zum geschichtlichen Teil über, und Sie werden bei dieser Abteilung verschiedene Punkte, die Ihnen vielleicht noch nicht ganz verständlich sind, wieder in anderem Aufbau erläutert sehen.

(Fortsetzung folgt.)

Neueste Reklame in der Bijouteriebranche.

or einiger Zeit brachten wir eine Notiz über eine Die unleugbar großen Vorzüge des rollenden Regals sind
bewegliche Schaufenster-Einrichtung der folgende:
Firma Richard Lohmüller, Köln a. Rh., 1. Durch das fortwährende von oben nach unten Wandern
welche, abgesehen von der erstklassigen Reklame, der einzelnen Bahnen wird jeder auf dem Regal ausgestellte

die der Gegenstand bildet, auch sonst große Gegenstand dem Auge des Beschauers bequem vorgeführt. praktische Vorzüge in sich schließt. Heute sind wir in der 2. Keine festliegende Schaufenstereinrichtung läßt sich mit Lage, das Schaufenster genannter Firma im Bilde vorzuführen Schmucksachen bis zu einer Höhe von über 2"), m so dekound das rollende Regal näher zu erläutern.

rieren, daß sämtliche Gegenstände gut gesehen werden, was Das Geschäft befindet sich in einer der Hauptverkehrs- gewiß als ein sehr wichtiger Faktor bei einem Schaufenster straßen zu Köln, im Prachtbau Antoniterhof, Schilder bezeichnet werden darf. gasse 72/74, und hat das Ladenlokal eine Front von etwa 3. Von besonders großer Bedeutung ist es, daß, indem 6 m. Die Breite des eleganten Schaufensters beträgt über 4 m. sich die zwei Fronten des rollenden Regals (also die je

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In der Mitte des Schaufensters befindet sich das rollende 6 Bahnen) fortwährend auswecl:seln, ohne dabei die DekorationsRegal, welches eine Breite von ca. 2 m und eine Höhe von höhe von über 21/2 m zu berücksichtigen, auf diesem Regal 24/, m besitzt.

genau das Doppelte an Waren ausgestellt werden kann, wie Das Regal besteht aus 12 Bahnen, von welchen stets 6 sonst in einem Schaufenster gleicher Breite mit festliegender von der Frontseite des Schaufensters aus sichtbar sind. Diese Einrichtung Also in Wirklichkeit repräsentiert das rollende 12 Bahnen sind dekoriert mit Ständern und Tabletts, worauf Regal die Dekorationsfläche von zwei Schaufenstern. die Schmucksachen klassenweise geordnet sind. Auf einigen 4. Da die fortwährende Bewegung des Regals dem Auge der Bahnen befinden sich Kleinsilbersachen und Gegenstände des Publikums stets Abwechslung bietet, kann das Fenster auf in Etuis. Rechts und links ist das Regal von Spiegeln ein die Passanten nie einen monotonen Eindruck machen. gekleidet, die das Kettengetriebe verdecken. Ferner sind an Es ist erfreulich, daß auch bezüglich Reklame in der Goldder Vorderseite des Regals rechts und links je sechs effektvoll warenbranche mit anderen Branchen Schritt gehalten wird, und leuchtende elektrische Osmiumlampen angebracht. Die Bahnen sind wir überzeugt davon, daß das rollende Regal, welches indes Regals wandern von oben nach unten in einem ruhigen, zwischen in jeder Beziehung vervollkommnet worden ist, eine dem Auge wohltuenden Tempo.

große Zukunft haben wird. Wie wir auf Anfrage hin erfahren, Der ganze Gegenstand wird durch einen kleinen / PS wird dieses rollende Regal in allen Dimensionen, also selbst Motor getrieben, und ist der Stromverbrauch ein ganz minimaler. für die ältesten Schaufenster passend, konstruiert; doch soll Rechts und links neben dem Regal sind in dem Schaufenster der Gegenstand, welcher geschützt ist, in Städten unter auf Kristallglasplatten alle denkbaren Gegenstände geschmackvoll 100000 Einwohnern möglichst nur an eine Firma der Branche dekoriert. Zur Bequemlichkeit beim Schaukastenreinigen ist abgegeben werden. Nähere Auskunft erteilt Emil Lohdas Regal unten auf Rollen laufend bequem ausfahrbar.

müller, technisches Bureau, Köln a. Rh.

Brief aus La Chaux-de-Fonds.

-rk- Soeben erscheint der Bericht des eidgenössischen Bureaus für Gold- und Silberwaren über die Tätigkeit der Uhrmacherei während des ersten Halbjahres 1906. Es ist für unsere Fabrikanten eine der günstigsten Perioden, die sie je gehabt haben. So haben z. B. die eidgenössischen Stempelungsbureaus 198 109 goldene und 884 245 silberne Uhrgehäuse kontrolliert, also 34 637 goldene und 160 982 silberne Gehäuse mehr als während des gleichen Zeitraumes 1905! Dieser Mehrbetrag zeichnet sich für La Chaux-de-Fonds mit 26000, für Le Locle mit 3000, Biel 2000 und Genf 1000 Stücken.

Es wäre zu hoffen, daß das zweite Halbjahr mit einem solchen Aufschwung der Uhrenindustrie schließe! Doch können wir es kaum behaupten, denn es ist zu erwarten September wird uns eine Abnahme bringen, sobald die Versendungen nach Japan, wo, wie man weiß, am 1. Oktober die Einführung des Prohibitiv - Zolltarifes eintritt, ein Ende nehmen werden. Andererseits, die mit Frankreich so ermüdenden Unterhandlungen für den Abschluß eines Handelsvertrages haben viele

Fabrikanten veranlaßt, ein großes Quantum Uhren auf Lager zu bringen. In Rußland stellen sich die Verhältnisse noch zu schlecht, um sichere Geschäfte zu erlauben; dort ist noch auf nichts zu rechnen.

Eine andere Frage, deren Lösung für die Goldund Silberwarenindustrie Deutschlands sehr wichtig ist, ist die Kontrollierung der goldenen und silbernen Schmucksachen in der Schweiz. Bekanntlich ist diese Kontrollierung gegenwärtig fakultativ. Nun haben die Schweizer Goldschmiede, die letztens in Zürich versammelt waren, dem Bundesrat ein Gesuch eingereicht, er möge diese Kontrollierung für alle in der Schweiz verkauften und fabrizierten 18 karät. Goldund Silberschmucksachen einführen. Seitdem wurden noch zwischen Bundesrat Comtesse und den Vertretern der Schweizerischen Goldschmiede weitere Unterhandlungen fortgeführt, so daß zu glauben ist, daß die obligatorische Kontrolle bald eintreten wird.

Pochwadts neues Aluminium-Lötverfahren.

D. R. P.*)

er

Obgleich Bunsen bereits 1852 Aluminium auf elektrischem Wege hergestellt hatte, blieb doch bis zur Mitte der 80er Jahre vergangenen Jahrhunderts die Fabrikation des Aluminiums eine so umständliche und kostspielige, daß die Verwendung dieses beliebten Metalls nur eine beschränkte sein konnte. Als dann etwa vom Jahre 1886 an infolge einer wesentlichen Verbesserung der elektrischen Darstellung die Herstellungskosten des Aluminiums sich erheblich niedriger stellten und 1891 die „Aluminiumindustrie A.-G. Neuhausen“ beispielsweise den Preis des Aluminiums von 15,2 Mk. auf 5 und 1900 sogar auf 2 Mk. herabsetzen konnte, erfuhr naturgemäß die ganze Aluminiumindustrie einen gewaltigen Aufschwung. Beim Schiffs- und Luftballonbau, in der chemischen und physikalischen Industrie, zu Gebrauchsund Luxusgegenständen, in Frankreich sogar beim Bau von Eisenbahnwagen, fast überall fand das Aluminium eine ausgedehnte Verwendung. Wenn trotzdem die Entwickelung der Aluminiumindustrie hinter den von manchen gehegten Erwartungen noch zurückblieb, so lag dies teils an der schwierigen Bearbeitung des Metalls, teils an dem bisherigen Fehlen eines Lötverfahrens, wenigstens eines solchen, das sich in der Technik hätte behaupten können. Es waren allerdings eine ganze Anzahl, ca. 20-30, Lötverfahren und Lote bekannt geworden, z. B. ein Lot bestehend aus Aluminium, Kupfer, Silber, Zink, Zinn, Cadnium, Woodmetall und Gold, das schon wegen seiner komplizierten Zusammensetzung für die Technik nicht viel Wert haben konnte, sogar Quecksilberverbindungen wurden zum Löten in Vorschlag gebracht.

Die betreffenden Lötverfahren waren jedoch meist zu umständlich, die Lote entsprechen auch gewöhnlich nicht den Anforderungen, und die Lötungen selbst waren nicht haltbar genug.

Aluminium überzieht sich schon beim Liegen an der Luft mit einer dünnen, kaum sichtbaren Oxydschicht, die beim Erhitzen, dem Grade und der Dauer der Erhitzung entsprechend, zunimmt und ein Haften des Lotes entweder sehr erschwert oder ganz unmöglich macht. Werden nun zum Löten stark

*) In Nr. 22, Seite 178 a brachten wir bereits eine Notiz, daß es gelungen sei, ein neues Aluminiumlot zu legieren. Durch freundliches Zuvorkommen des Erfinders, Herrn Adolf Pochwadt dem Jüngeren, Görlitz, sind wir heute in der Lage, ein Referat des Herrn Dr. Franz Freund, Chemiker in Werder a. H., wiederzugeben. Wir bemerken noch, daß die geschäftliche Verwertung des Aluminiumlotes Herr Rob. Salinger, Wilmersdorf bei Berlin, Nassauische Straße 16 a, übernommen hat.

Die Redaktion.

aluminium- bzgl. kupferhaltige, schwer schmelzbare Lote verwendet, so wird infolge der erforderlichen andauernden großen Hitze nicht nur die Aluminiumfläche, sondern auch das Lot an sich beträchtlich oxydiert, die zu lötenden Stellen werden dabei stark verschmiert und infolgedessen ein gutes Verbinden derselben unmöglich gemacht. Eine gleichzeitige Verwendung von sogenannten Flußmitteln, wie Borax, Salmiak, Kolophonium usw. oder von Lötwasser trägt noch weiter zum Verschmieren der Aluminiumteile bei, anstatt dieselben, wie beabsichtigt ist, vor Oxydation zu schützen oder das Anfließen des Lotes zu leichtern. Bei derartigen Lötungen wird eine wirklich metallische Bindung selten, in den meisten Fällen nur ein Zusammenpappen der Metallflächen erzielt.

Für die Aluminiumtechnik kann nur ein Verfahren und Lot ernstlich in Betracht kommen, das möglichst einfach und billig ist, und bei welchem außerdem ein hoher Grad von Festigkeit erreicht wird. Diese Vorzüge vereinigt das Pochwadtsche Verfahren in der überraschensten und einfachsten Weise.

Die zu verbindenden Aluminiumteile werden, nachdem sie in die gewünschte Form gebracht sind, an den Lötstellen rein geschabt, dann wird das ebenfalls patentierte Pochwadtsche Lot, welches aus einer ziemlich leichtfließenden Legierung besteht, ohne jedes verschmierende Flußmittel auf die Lötstellen gebracht und unter nicht zu starker Erhitzung, welche jedoch genügt, das Lot zum Schmelzen und Anfließen zu bringen, mittels scharfkantiger Werkzeuge aufgeschabt. Das Pochwadtsche Lot fließt, im Gegensatz zu anderen Lotmischungen oder Zinn, fast sofort, ohne jede Schwierigkeit und absolut fest bindend an das Aluminium metallisch an, sobald die, das Aluminium bedeckende Oxydschicht unter dem bereits haftenden, ebenfalls patentierten Pochwadtschen Lot fortgeschabt wird. Die Entfernung des Oxyds geschieht demnach auf mechanischem Wege, d. h. das Aluminium wird unter dem geschmolzenen Lot nochmals metallisch rein geschabt, so daß die Arbeitskante des scharfen Instruments mit dem flüssigen Lot in steter Berührung bleibt, wobei das Lot auf der frisch gesäuberten Aluminiumfläche sofort anfließt. Die so vorbereiteten Lötstücke werden aneinander gehalten und erhitzt, wenn nötig unter Hinzufügen von weiterem Lot.

Nach anderen bisher bekannten Lötmethoden wurde das Lot mittels eines Kupfer- oder Eisenstabes oder Stahlbürsten oder

gar mit einer Asbestschlinge auf der Aluminiumfläche verrieben. II. Die nach II. vorbereiteten, gewissermaßen verzinnten Durch diese Instrumente wurde sicher ebenfalls ein ähnlicher Aluminiumflächen nehmen beim Erhitzen ungemein leicht weiteres Vorgang wie bei dem Pochwadtschen Verfahren bezweckt, doch Lot oder Zinn, sogar gewöhnliches Weichbleilot auf und lassen nie erreicht; denn zwischen der Arbeitsleistung einer scharfen sich außerdem schon bei geringer Übung sehr fest miteinander Stahlkante und einer Asbestschlinge usw. liegt doch wohl ein oder anderen nach bekannter Weise verzinnten Metallflächen bedeutender Unterschied. Eine praktische Prüfung und ein verbinden. Vergleich mit einigen der besseren bisherigen Methoden, die IV. Das Pochwadtsche Aluminiumlot ist mittels einer Gebläseim Laboratorium des Kaiserl. Patentamtes stattfand, erwies klar lampe binnen wenigen Minuten auf Kohle oder im Tiegel zusammendie Vorzüge und die Überlegenheit des Pochwadtschen Löt-, geschmolzen und vereinigt in sich die Vorteile einer einfachen verfahrens gegenüber den anderen, was ja auch unterdessen. und billigen Herstellungsweise, schnellsten Anfließens sowie durch die Erteilung des Patentes bestätigt wurde.

äußerster Haltbarkeit. Die mir vorgelegten Lötproben ergaben eine absolut feste, V. Für die Ausführung des Verfahrens kann fast jede Art kaum sichtbare Verbindung von Aluminium, Aluminiumlegierungen, von Erhitzung, wie durch Spiritus- oder Gasbrenner, GebläseZink, Messing, ja selbst zu meinem Erstaunen mit Eisen. Selbst lampe, in Anspruch genommen werden. mit Aufwendung großer Gewalt ist es nicht mehr möglich ge VI. Das Pochwadtsche Verfahren kennzeichnet sich besonders wesen, die aneinander gelöteten Platten zu trennen.

durch die Benutzung eines scharfen Stahlinstruments, dessen Ich wiederhole daher kurz, das Pochwadtsche Verfahren Arbeitskante mit dem flüssigen Lot in steter Berührung zeigt im Gegensatz zu anderen weniger wertvollen Erfindungen bleibt, wodurch ermöglicht wird, daß das Lot stets mit rein folgende charakterische Merkmale:

geschabten Aluminiumstellen unter Ausschluß der Luft in Ver1. Flußmittel kommen nicht zur Verwendung; mithin ist auch bindung treten kann. eine durch solche leicht stattfindende Oxydation ausgeschlossen. Das Pochwadtsche Verfahren stellt im Vergleich zu anderen

II. Die Lötstellen werden auf schnellste Weise mit einer einen bedeutenden Fortschritt dar und dürfte berufen sein, in Schicht dauernd haftenden Lotes versehen, ein Vorgang, der der Technik der Aluminiumbearbeitung eine hervorragende Rolle leicht fabriks- oder handwerksmäßig betrieben werden kann. zu spielen.

Dr. F. Freund, Chemiker.

Über den Lokal-Verband der Gold- und Silberarbeiter

von Pforzheim und Umgebung.

Das Bedürfnis zu einer Vereinigung der Gold- und Silber Die Wahl des Kassierers wurde noch ausgesetzt, weil dazu arbeiter von Pforzheim und Umgebung, unter Hinzuziehung der ein kautionsfähiger Mann gesucht werden sollte. Arbeiter in den verwandten Berufen, war schon lange von vielen Es ist jetzt der Goldarbeiter August Reiß, hier, gewählt in der Bijouteriebranche in Pforzheim Beschäftigten anerkannt. worden. Es war auch schon vor ca. 10 Jahren ein Lokal-Verband ge Der neugegründete Verband bezweckt statutengemäß die gründet worden, der aber infolge der damals noch vorhandenen Förderung der materiellen und geistigen Interessen seiner MitInteresselosigkeit seiner Mitglieder wieder aufgelöst bzw. dem glieder, und will dies erreichen durch Metallarbeiter-Verbande Deutschlands mit der Errichtung einer 1. Erzielung möglichst günstiger Arbeitsbedingungen auf Zahlstelle in Pforzheim angegliedert wurde. Das Verlangen Grund des § 152 der Gewerbeordnung; nach einer Lokal-Organisation wurde aber immer stärker, und 2. Veranstaltung statistischer Erhebungen über Lohn- und nicht zum wenigsten aus dem Grunde, weil einer großen Anzahl Arbeitsverhältnisse; der Bijouteriearbeiter das aufhetzende Gebaren des Metall 3. Verkürzung der Arbeitszeit, Höherbezahlung der Überarbeiter-Verbandes, der es nie verstanden hat, die politischen stunden resp. möglichste Beseitigung derselben; von den wirtschaftlichen Bestrebungen zu trennen, nicht behagte. 4. Gewährung von Rechtsschutz in gewerblichen StreitigAls dann noch der in Pforzheim ansässige Kassierer des Metall keiten, nachdem der Vorstand die obwaltenden Umstände und arbeiter-Verbandes, Alfred Weiß aus Wien, im Anfang des Jahres Verhältnisse einer genauen Prüfung unterzogen hat; 1906 unter Unterschlagung von 2400 Mk aus Vereinsgeldern das 5. Anschaffung einer Bibliothek. Weite suchte, und ein schon in dem Berliner Goldarbeiter Diese Ziele sollen auf rein wirtschaftlicher Grundlage, ohne gehilfen-Verband bekannt gewordener Herrmann Faber zum jeden politischen oder religiösen Anstrich, im Wege der gegenNachfolger des Weiß ernannt wurde, da glaubten eine größere seitigen Verständigung erstrebt und erreicht werden. Als MonatsAnzahl Pforzheimer Goldarbeiter den Zeitpunkt für gekommen, beitrag wurden 0,80 Mk. festgesetzt, die halbmonatlich erhoben aus dem Metallarbeiter-Verband auszutreten und der Frage werden. Bei der Gründung zählte der Verband 225 Mitglieder, näher treten zu sollen: einen Verband der Gold- und Silber heute gehören ihm bereits ca. 350 Mitglieder an. arbeiter von Pforzheim und Umgebung, mit Beiseitelassung aller In Verfolgung seiner Ziele hat dann der Vorstand des Lokalpolitischen und religiösen Bestrebungen, auf rein wirtschaftlicher Verbandes die Frage einer Verkürzung der Arbeitszeit bzw. Basis zu gründen, der auf objektiv sachlichem Boden eine Besser Höherbezahlung der Überstundenarbeit erörtert und sich dieserstellung der Arbeiter und ihrer Lebenslage anstreben sollte. halb unterm 3. Juli cr. mit einem die diesbezüglichen Verhand

Am 26. März d. J. wurde dann der Verband tatsächlich ge. lungen einleitenden Gesuche an den Arbeitgeber-Verband in gründet und folgende Goldarbeiter in den Gesamt-Vorstand Pforzheim gewendet, welcher auch in seinem Antwortschreiben gewählt:

vom 9. d. M. seine Bereitwilligkeit zu einer Konferenz zu er1. Vorsitzender: Goldarbeiter Gottlob Maier,

kennen gab. 2. Stellvertreter: do. Gotthilf Müller,

Diese Konferenz hat inzwischen stattgefunden und haben 3. Schriftführer: do. Emil Brenner,

an derselben teilgenommen: 4. Stellvertreter: do. Theodor Seidel,

a) seitens des Arbeitgeber-Verbandes die Herren C. W. sämtliche wohnhaft in Pforzheim.

Meier, Handelskammerpräsident und Vorsitzender, hier; Emil

Kollmar, Fabrikant, in Firma Kollmar & Jourdan, hier; Hans Söllner, Fabrikant, in Firma Hans Söllner, hier;

b) seitens des Lokal-Verbandes der Gold- und Silberarbeiter mit verw. Berufen für Pforzheim und Umgebung Herr Gottlob Maier, 1. Vorsitzender; Herr G. Strohecker, Beisitzer, und Herr Emil Brenner, Schriftführer.

Als Ergebnis der Verhandlungen konnte der Lokal-Verband seinen Mitgliedern in einer am 23. Juli cr. stattgehabten Mitgliederversammlung die erfreuliche Eröffnung machen, daß der Arbeitgeber-Verband in seiner Generalversammlung vom 19. Juli cr. einen Lohnzuschlag von 20% für Weilarbeit zugebilligt und daß diese Erhöhung mit dem 1. Oktober cr. Platz zu greifen habe, wie dies die in der Versammlung zur Verlesung gebrachte schriftliche Erklärung des Arbeitgeber-Verbandes vom 21. Juli cr. zum Ausdruck bringt.

Die Versammlung verlief in Anbetracht des Umstandes, daß einige Anhänger des Metallarbeiterverbandes anwesend waren, ziemlich bewegt und war es nur mit Mühe möglich, die Eifersucht und den Haß der letzteren zu zügeln, die immer wieder versuchten, Störung in die Versammlung zu bringen, bis man ihnen das Wort entzog und Entfernung aus dem Lokal verlangte. Anwesend waren mehr wie 400 Personen und führte der erste Vorsitzende Herr Maier in seiner Eröffnungsrede etwa folgendes aus: Von dem Grundgedanken ausgehend, die wirtschaftliche Lage der Verbandsmitglieder nach Möglichkeit zu bessern, habe man Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband angebahnt, und wenn man auch noch nicht alles erreicht habe, was wünschenswert und notwendig zu erachten sei, so sei doch wieder, dank des Entgegenkommens der Herren Unternehmer, ein Schritt vorwärts getan. Der Verband werde immer eintreten, wo es sich um Verbesserung der Lage der Arbeiter handle, er verfolge keine Sonderinteressen, sondern habe das Allgemeinwohl im Auge und werde, soviel in seinen Kräften liegt, an der Hebung der gesamten Industrie mitarbeiten. Er könne dies um so mehr tun, wenn er von einer großen Anzahl der Arbeiter aus der Branche hierin unterstützt werde und sei es deshalb vor allen Dingen nötig, daß die Arbeiter sich organisieren und hinter dem Verbandsvorstande ständen, indem sie Mitglieder des Lokalverbandes werden. Dann könne man mit neuen Anträgen kommen, wie z. B. Abschaffung der Weilarbeit überhaupt bzw. Verkürzung der Arbeitszeit, das sei auch Lohnerhöhung. Er weist dann die stetigen gehässigen Angriffe des Metallarbeiterverbandes zurück und betont, daß der Lokalverband nicht auf die gleiche Weise wie dieser sein Ziel zu erreichen suche, daß er aber bestrebt sein werde, Verständnis bei den Herren Fabrikanten für die berechtigten Wünsche und Forderungen der Arbeiterschaft zu finden und daß man auf diese Weise mehr zu erreichen hoffe, wie der Metallarbeiterverband mit seinen Drohungen und Gewaltmaßregeln, die bis jetzt noch kein Resultat gezeitigt hätten.

Lebhafter Beifall folgte diesen Ausführungen, die nur ab und zu durch Zurufe seitens der Mitglieder des Metallarbeiterverbandes unterbrochen wurden.

Wegen der Höherbezahlung der Überstunden wurde auf Anfrage noch erläuternd bemerkt, daß die Normalarbeitszeit bzw. Stundenzahl von dem Arbeitgeber festgesetzt würde, daß die darüber hinaus gehende Stundenzahl als Überstunden bezahlt würden. Selbstverständlich müssen Fehlstunden, die der Arbeiter selbst verschuldet hat, bis zur Erreichung der festgesetzten Normalarbeitszeit nachgeholt werden, ehe die Vergütung für Weil- oder Überstunden Platz greift. Durch den Arbeitgeber veranlaßte Fehlstunden werden jedoch bei Berechnung der

Überstunden mitgerechnet, so daß sie der Arbeiter nicht nachzuholen und auch ohne Erreichung der Normalarbeitszeit Anspruch auf die 20%ige Erhöhung für Weilarbeit hat.

Aus der Versammlung wurde dann noch das Ersuchen an die Verbandsverwaltung gerichtet, auf die Anfeindungen des Metallarbeiterverbandes in der sozialdemokratischen Presse nicht weiter einzugehen, da dies der Sache nicht viel nützen könne. Das Ansinnen wurde jedoch von

Herrn Strohecker energisch zurückgewiesen, der in längerer, gut durchdachter Rede auf die Machenschaften und mehr wie verwerflichen Kampfesmittel zu sprechen kommt, mit denen der Metallarbeiterverband die Lokalorganisation unmöglich zu machen sucht. Er verurteilt diesen Kampf um so mehr, als ja die Ziele beider Verbände die gleichen seien, beide arbeiten hin auf eine Besserstellung der Arbeiter, nur sei die Taktik zur Erreichung dieser Bestrebung verschieden.

Der Metallarbeiterverband möchte sein Ziel auf jedem Wege erreichen, er scheut gütliche Verhandlungen und will den Kampf, weil immer und immer wieder das politische Parteiinteresse in den Vordergrund gedrängt wird und die rein wirtschaftlichen Bestrebungen zur Nebensache werden. Es ist nicht zu verwundern, daß da die Forderungen bei dem Unternehmertum sofort auf Widerstand stoßen, und dann kommt der Kampf, der schon oft unglückliche Verhältnisse über viele Arbeiter gebracht hat.

Der Lokalverband trennt diese Forderungen, er will nur rein wirtschaftliche Erfolge erzielen, und kann mit Genugtuung konstatieren, daß er unter den Fabrikanten Männer gefunden hat, die ebenfalls so viel soziales Gefühl in sich haben, um berechtigte Forderungen nicht ohne weiteres zurückzuweisen.

Bei der Luxusindustrie in Pforzheim sei die Taktik des Metallarbeiterverbandes nicht die richtige, sie würde nichts erringen; denn der Bedarf würde künstlich gehoben und auf der Höhe gehalten, anders wie bei der Bedarfsindustrie. Angenommen, es würden große Forderungen an das Unternehmertum gestellt, es erfolgt Ablehnung und mit ihr allgemeine Arbeitseinstellung und Kampf; unwillkürlich würde der Bedarf sinken und die Arbeitslosigkeit mit ihren oft unseligen Folgen ist da. Deshalb wolle der Lokalverband keinen Kampf, er will im Wege gütlicher Verhandlung seinen Zielen näher kommen. Keine Kriecherei oder kein Bauchrutschen, wie es der Metallarbeiterverband bezeichne, sei dies, sondern der Lokalverband werde seine Forderungen ebenfalls mit Nachdruck zu vertreten wissen, in der Hoffnung, daß die Herren Unternehmer deren Berechtigung anerkennen werden. So glaube er mehr erreichen zu können wie der Metallarbeiterverband, der bisher, in einem Zeitraum von 10 Jahren, noch nichts erreicht habe. Es sei vollständig falsch, wenn man annehme, daß die Interessen der Fabrikanten und Arbeiter sich gegenüberständen, sie seien gemeinschaftlich und können durch Gehässigkeiten und Kampf nicht gebessert werden.

Der Vertreter des Metallarbeiterverbandes verlangt nun das Wort und nimmt den Dank für die Zubilligung der 20%igen Lohnerhöhung für Überstunden für seinen Verband in Anspruch, er wird jedoch durch den Vorsitzenden des Lokalverbandes eines Besseren belehrt und, nachdem er sich mit seinen Anhängern, die durch wüste Zwischenrufe die Versammlung stören, des Saales verwiesen.

Mit einer eindringlichen Mahnung an die Anwesenden, die Bestrebungen des Lokalverbandes durch eigenen Beitritt und Werbung neuer Mitglieder zu unterstützen, schloß die interessante Versammlung

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