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BEGRÜNDET UND
HERAUSGEGEBEN
WILH.DIEBENER

Redaktion und Verlag

Erscheint Sonnabend
Leipzig 28

Annahmeschluß
Dresdener Str. 2

für kleine Anzeigen Mittwoch Abend
VON

Anzeige-Gebühren: Redaktion: Kunstgewerblicher Teil:

Die 4 gespaltene nonpareille-Zeile 25 Pf.
Professor Rudolf Rücklin, Pforzheim.

Ganze Seite M. 100.-
Wirtschaftlicher Teil:
Amtliches Organ des Verbandes

Bei Wiederholungen Rabatt - Beilagen nach
Syndikus Hermann Pilz, Leipzig
deutscher Juweliere, Gold- und

Ubereinkunft
Fashtechnischer Teil:

Silberschmiede sowie zahlreicher Stellen-Angebote 25 Pf. - Gesuche
Goldschmied Paul Axthelm, Leipzig.
anderer Vereine und Innungen

15 Pf. pro Zeile Bezugspreis pro Quartal M. 2.- (Ausland pro Jahr m. 10.-), Kleine Ausg. pro Quartal M. 1.- (Ausland pro Jahr m. 5.-).

Alfred Beit.

Vor einigen Tagen meldete der Telegraphendraht aus Her bedeutete, war ersterer für die wirtschaftliche. Die Organisation fordshire die Nachricht, daß Alfred Beit, der Diamanten- und der Diamantengruben in ihrer heutigen Gestalt, eine Organisation, Goldkönig, einer der reichsten Männer der Erde, gestorben ist. die so zweckbewußt und so rücksichtslos ist, daß sie durch Er hatte nach Gold und Diamanten gegraben und war darüber die jetzt inaugurierte Einfuhr der Kulis, den Sklavenhandel in zum Milliardär geworden, als er aber die Früchte einer langen moderner Form wieder einführt, die Diamandenindustrie in ihrer mühseligen und aufreibenden Tätigkeit verzehren sollte, war er jetzigen Form, die moderne Ausbeutung der Goldminen in Transkrank und siech geworden, und in seinem Palaste in London vaal, das alles ist das Werk Beits, der gemeinschaftlich mit neidete der reiche Mann den Armen um den Genuß, einen Cecile Rhodes den ersten Trust, Debeers-Company genannt, geBissen Brot mit Hunger verzehren zu können, denn er, der gründet hatte. Mit dieser Gründung hatte er den Grund gelegt Goldkönig, konnte es nicht und darbte förmlich. Und im noch zu seinem auf mindestens eine Milliarde Mark geschätzten Verjungen Alter von kaum 53 Jahren mußte er alles zurücklassen, mögen, aber auch zugleich geholfen, die britische Alleinherrschaft was er Jahrzehnte hindurch zusammengerafft hatte, sein Gold in Südafrika zu errichten. Denn der Diamantengräber ging mit und seine Aktien, seine Diamanten und seine Macht. Monate dem englischen Söldner Hand in Hand, und wer einmal die Gelang sah er dieser Trennung entgegen, er wußte, daß er dem schichte des Kampfes zwischen Holländer und Engländer um den baldigen Tode verfallen sei, und daß seinem glühenden Wunsche, Besitz des Landes schreiben wird, wird auch in einem Kapitel von auch zu genießen, was er in so überaus reichlichem Maße ge dem Einfluß erzählen müssen, den die damals aufstrebende Golderntet hatte, die Erfüllung versagt sei.

und Diamanten - Industrie auf den Gang der Ereignisse nahm, ein Was Beit zum Mittelpunkte des Interesses für viele Tausende Kapitel, in dem viel von Blut und Totschlag die Rede sein wird. machte, waren nicht allein die gewaltigen Reichtümer, die er Alfred Beit, ein geborener Hamburger, trat in den siebziger gesammelt hatte, obgleich auch diese eine große Stütze der Jahren des vorigen Jahrhunderts in die Dienste des Wiener DiaMacht waren, die er ausübte, es war die Persönlichkeit des mantengeschäftes Julius Porges & Co., das zuerst in Paris eine Mannes, der, vom armseligen kleinen clerc, auch „junger Mann“ Filiale errichtet hatte und dann vollständig dahin übersiedelte. genannt, bis zu jener Höhe gelangte, auf der er an seinem Diese Firma nahm damals eine hervorragende Stellung im Lebensende tatsächlich stand. Er war ein Repräsentant jener Diamantengeschäfte ein und war auch bei der Debeers- und Rasse von Kraftmenschen, die mit unbeugsamer Zähigkeit, mit Robinson-Company stark beteiligt. Beit erkannte bald, das sich nicht versiegender Kraft, mit einer vor nichts zurückschreckender der Diamantenhandel weit großartiger gestalten lasse und es Rücksichtslosigkeit ihrem Ziele entgegengehen, die es verstehen, gelang ihm mit großer Mühe, seinen Pariser Chef zu bestimmen, ihrer Umgebung, jenem Stück Welt, das ihre Tätigkeit erfüllt, ihm und noch einem anderen „Abenteuerer“, seinem späteren ihren Stempel aufzudrücken. Er war Freund, Kampf- und Ge Compagnon Wernher, einige tausend Pfund zu leihen gegen sinnungsgenosse von Cecile Rhodes, und was dieser für die Zusicherung der Teilhaberschaft bei allen zu erzielenden Gepolitische Ausgestaltung von Südafrika in den letzten Jahrzehnten winnen. Wię Beit mit diesem Gelde nach Südafrika kam, wie

er auf Ochsenwagen mitten durch eine Wildnis, auf ungeebneten Wegen, den stetigen Angriffen der Wilden ausgesetzt, in immerwährender Lebensgefahr, gepeinigt von sengender Sonnenhitze, sehr oft auch von Hunger und Durst, nach Kimberley gereist war, er Cecile Rhodes antraf, in dem er sofort den Gleichstrebenden erkannte und an den er sich anschloß, hat Beit selbst dann oft erzählt. In Kimberley wurde er, was der Amerikaner einen „Prospektor“ nennt, d. i. kein Gründer wie Rockefeller oder Morgan, die vom grünen Tische aus über Millionen verfügen, er wurde Minensucher, Minnengräber, Minenarbeiter und schließlich Minengründer, der für die Verwaltung seiner Minen gleich die vollendetste Form fand, welche die heutige Volkswirtschaftslehre für die Verwaltung von Industrien kennt, die des Trustes. Der gewaltige Debeers-Diamantentrust, entstanden aus einer Vereinigung der Debeersgrube mit zirka 80 anderen Gruben, ein Trust, der allgewaltig herrscht in allen Ländern der Erde, wo Diamanten getragen werden, war seine erste große Tat.

Bald ging er zur Goldindustrie über, assozierte sich mit Wernher zur Firma Wernher, Beit & Co. in London und Johannisburg (Transvaal), die heute zu den größten Goldfirmen der Welt gehört Eine Unzahl Goldminen-Gesellschaften wurden von ihr finanziell kontrolliert, und standen in Abhängigkeit von ihr. Ihre größte Schöpfung war die Bildung der ,Randminenkompanie“, der ersten Gesellschaft, die sich nicht damit begnügte, Gold an der Oberfläche zu suchen und zu waschen, sondern in die Tiefe ging und bergmännisch nach Gold schürfte. In der früheren Goldgegend von Witwatersrand war nämlich im Jahre 1892 das Gold erschöpft, und es handelte sich darum festzustellen, ob die unteren Bodenschichten genügend Gold enthalten, damit sich der teuere Tiefbau verlohne. Die Firma Wernher, Beit & Co. war überzeugt davon, daß in den Tiefen viel Gold anzutreffen sein werde, und wurde hierin durch geologische Gutachten gestützt. Im Jahre 1893 gründete sie die oben genannte Randminenkompanie welche die ertraglos gewordenen, verlassenen Goldfelder billig abkaufte und mit Bohrversuchen begann. Anfangs waren die Ergebnisse wohl nur schwach, in späteren Jahren aber wurde Gold in reichen Lagern gefunden. Die Firma Wernher hatte sich große Gründerrechte vorbehalten und als später eine große Aktienemission stattfand, erhielt sie ihren Gründergewinn in Aktien ausbezahlt. Man schätzte auf über 60 Millionen Mark den Gründergewinn, den die Firma damals gemacht haben soll. In den letzten Jahren waren die Unternehmungen Beits nicht mehr von demselben Erfolge begleitet, wie die ersten, und während sich früher bei ihm, als einem richtigen Goldkönig, alles in Gold verwandelte was er berührte, hatte er später so manchen empfindlichen Verlust zu beklagen. Nichtsdestoweniger wird das Vermögen, das er zurückließ, wie bereits erwähnt, nach konservativer Schätzung auf ungefähr 50 Millionen Pfund Sterling, also immerhin auf weit über Tausend Millionen Mark geschätzt.

Beit war auch ein Finanzkünstler; die Minenaktie zu einem Pfund, die Europa überflutete, und die wegen ihrer Kleinheit fast überall, in allen, selbst wenig bemittelten Ständen Käufer fand, war gleichfalls seine Schöpfung, er wußte dadurch Minenaktien in Kreise zu bringen, in denen sonst eine Bergwerksaktie, und noch dazu eine aus Afrika, gewiß ein unbekanntes Ding geblieben wäre, und machte seine Goldminenpapiere populär. Seine Schöpfung war ferner die bis zur äußersten Schärfe ausgebildete Trennung zwischen der Arbeitsgesellschaft und der ihr zur Seite stehenden Finanzgesellschaft. Diese finanziellen Geschäfte der Minen waren lange nicht alle rein und zweifelsohne, es haftet mancher Skandal, mancher Tropfen Blut an dem hier gewonnenen Golde. Es läßt sich nicht leugnen, daß der Goldstrom, der sich von Südafrika über die Erde ergoß, vielfach befruchtend gewirkt hat, ihm allein ist es zu danken, wenn so manche Staaten ihre Valuta erhalten, manche sie regulieren können. Aber für dieses afrikanische Gold ist auch ein gut Teil Menschlichkeit hingeopfert worden.

Beit hatte vor zirka drei Jahren einen Schlaganfall erlitten und konnte sich von den Folgen nicht mehr erholen. Hierzu kam, daß er nicht die Kunst verstand, das Leben leicht zu nehmen, er litt schwer unter der Verantwortung, die ihm die Verwaltung seines Riesenvermögens auferlegte, und unter der Bürde der auf ihm lastenden Geschäfte. Tag und Nacht verfolgte er mit gespannter Aufmerksamkeit die Vorgänge auf dem Weltmarkte, er war nicht der souveräne Herrscher über Millionen, er war der Sklave seiner Millionen. So nahmen seine Kräfte immer mehr ab, eine Kur, die er in Wiesbaden versuchte, blieb erfolglos, da wünschte er, nach London zurückgebracht zu werden, wo er sterben wolle. Auf seinem Landsitze in Herfordshire erreichte ihn der Tod.

Persönlich soll er von großer Liebenswürdigkeit gewesen sein, nichts an ihm erinnerte an den plötzlich reich Gewordenen, nichts an einen Parvenü. Seine angenehmste Zeit war, wenn er mit Bekannten über die gewöhnlichsten Tagesereignisse sprechen konnte, ohne befürchten zu müssen, von einem oder dem anderen über die nächst zu erwartenden Kurse der Goldshares befragt zu werden. Alfred Beit, der vor dreißig Jahren ein einfacher Hamburger Handlungsgehilfe war, und in den letzten Jahren vor seinem Tode zwanglos in den Kreisen der höchsten englischen Aristokratie verkehrte, gehörte einer Gattung von Menschen an, von denen jedes Zeitalter nur wenige und da immer in verschiedener Form und Gestalt hervorbringt. Die spanischen Konquistadoren eroberten mit des Schwertes Schärfe eine neue Welt und brachten das Gold nach Europa; das ist für immer vorbei. Heute wandert ein armer deutscher Junge in einen damals noch sehr wenig bekannten Erdteil aus, und versteht dort Ströme Gold zu entfesseln und nach Europa zu leiten. In ihm aber lebte der alte Konquistadorengeist, das Rücksichtslose, Kühne, Draufgängerische, Unternehmende, der Geist ist derselbe, geblieben, nur die Form, in der er sich äußerte, hatte sich geändert.

Dr. A. M.

Die Kalkulation im Bijouteriegewerbe.

Von Otto Jürgensen, Gewerbelehrer.

Um die stetig zunehmende Konkurrenz erfolgreich aufnehmen zu können, ist jeder Geschäftsmann gezwungen, seinen Betrieb so rationell als möglich zu gestalten. Hierzu gehört in erster Linie, daß er mit möglichster Sicherheit den Selbstkostenpreis seiner Erzeugnisse bestimmt.

Die größte Schwierigkeit hierfür liegt in der Ermittelung der jährlichen Geschäftsunkosten. Dies ist einer der wichtigsten Punkte eines jeden Betriebes. Er wird aber um so beachtenswerter, als gerade in der Bijouteriefabrikation die Geschäftsunkosten im Verhältnis zum Umsatz außerordentlich hoch sind.

Durch die genaue Aufsuchung der jährlichen Unkosten ist man, was als außerordentlich wichtig in Betracht kommt, in der Lage, zu kontrollieren, ob dieselben nicht etwa zu hoch sind. Ist dies der Fall, so kann man bei Zeiten nach einem Mittel suchen, sie zu verringern.

Und es unterliegt jedenfalls keinem Zweifel, daß eine Herabminderung der Unkosten den Gewinn und vor allem die Konkurrenzfähigkeit steigert. Es ist infolgedessen das genaue Aufsuchen der jährlichen Unkosten, wenn auch ein etwas zeitraubendes, doch sicher ein sehr lohnendes Geschäft.

Um den Selbstkostenpreis für einen gewissen Gegenstand festzustellen, müssen folgende vier Positionen in Anrechnung gebracht werden:

1. Wert des verwendeten Materials.
2. Die dafür ausgegebenen Arbeitslöhne.
3. Allgemeine Geschäftsunkosten.

4. Wert der verwendeten Zutaten.

Aus der Summe dieser vier Posten ergibt sich der Selbstkostenpreis.

Den Wert des verwendeten Materials festzustellen, ist in vorliegendem Falle ziemlich einfach. Man wiegt den vom Goldschmied fertiggestellten Gegenstand ab und nimmt einen kleinen prozentualen Zuschlag für Verlust an der Feilung dazu. Für dieses Gewicht setzt man den Preis ein, den man selbst für das Metall bezahlt. Statt beim Gewicht die Feilung zu berücksichtigen, kann man auch den Preis für das Material etwas höher einsetzen, wodurch der Verlust an der Feilung ebenfalls berechnet ist.

Die Bestimmung der Löhne ist gleichfalls rasch erledigt. Man zählt die für den gefertigten Gegenstand direkt ausgegebenen Arbeitslöhne, als da sind: Goldschmied, Poliererin, Fasser, Graveur, Emailleur, Finierer usw. zusammen und stellt sie in Rechnung.

Viel schwieriger ist es nun aber, wie schon erwähnt, die Geschäftsunkosten für einen einzelnen Gegenstand zu bestimmen. Schon darüber herrscht nicht volle Klarheit, was man eigentlich unter Geschäftsunkosten zu verstehen hat.

Im allgemeinen sind dies alle die Ausgaben, die in einem Betrieb notwendig sind, um ihn zu führen und um keine Unterbrechung im Gang des Geschäftseintreten zu lassen, die man aber auf keinen Gegenstand direkt verrechnen kann. Gerade diese Ausgaben sind es, die der Geschäftsmann leicht geneigt ist, zu vernachlässigen.

Zunächst wollen wir untersuchen, aus was für Beträgen sich diese allgemeinen Geschäftsunkosten zusammensetzen, um dann jeden einzelnen Posten für sich zu besprechen. Hierher gehören:

1. Verzinsung des im Geschäft steckenden Kapitals.
2. Mietzins bzw. Verzinsung der Bausumme bei eigenem

Anwesen.
3. Der Dauerhaftigkeit entsprechende Abschreibung an

Einrichtung, Maschinen und Werkzeugen.
4. Instandhaltung und Reparaturen.
5. Abschreibung an Gesenken.
6. Versicherungen.
7. Steuern.
8. Gehälter und Löhne für Aufsicht und kaufmännischen

Betrieb.
9. Zeichnungen, Zeitschriften, Entwürfe u. dgl.
10. Heizungs- und Beleuchtungsmaterial, Kraftbetrieb.
11. Geschäftsbücher und Schreibmaterialien.
12. Verbrauchsstoffe.
13. Porto- und Frachtausgaben.
14. Telegraph- und Telephongebühren.
15. Reisekosten.
16. Sicherung für ev. eintretende Verluste.
17. Zinsverlust bei zu lang ausgedehntem Kredit.
18. Verluste beim Wechselverkehr.
19. Inserate und Reklame.
20. Unvorhergesehenes.
Über die einzelnen Punkte ist folgendes zu sagen:

1. Als Betriebskapital nimmt man das im Geschäft steckende eigene und fremde Vermögen, als Zinsfuß den ortsüblichen für sicher angelegte Kapitalien, bzw. denjenigen, den man selbst bezahlen muß.

1922. Hier ist kaum etwas hinzuzufügen, höchstens wäre zu erwähnen, daß die Privatwohnung hier nicht mit inbegriffen sein kann.

3. Alle zur Einrichtung gehörenden Gegenstände werden mit der Zeit unbrauchbar. Sie müssen durch neue ersetzt werden, ihren Wert in der in Betracht kommenden Zeit aber eingebracht haben. Als Zeitdauer der Verwendbarkeit nimmt man einen Erfahrungswert und schreibt jährlich einen entsprechenden Prozentsatz ab. Da man beispielsweise annehmen kann, daß das Inventar einschließlich Maschinen etwa 10 Jahre richtig benutzt werden kann, so schreibt man hieran jährlich 10% ab. Die Werkzeuge halten meistens nicht so lange. Nimmt man an, daß sie 5 Jahre verwendbar bleiben, so muß man an diesen 20% abschreiben.

4. Alle Ausgaben für Reparaturen an Maschinen, sowie für Instandhaltung der Einrichtung und des Lokals, welche aus der Geschäftskasse bestritten werden müssen, gehören selbstverständlich zu den Geschäftsunkosten.

5. Die Gesenke bilden im allgemeinen in der Bijouterie branche einen sehr wichtigen Artikel, sie sind beispielsweise in Pforzheim in den meisten Fabriken die Seele des Geschäfts, da dort die Fabrikation sich der Hauptsache nach die Herstellung yon gepreßten Artikeln zur Aufgabe macht. Nun sind aber die Gesenke bekanntlich außerordentlich teuer und es kommen auch bei verhältnismäßig kleinem Betrieb rasch einige 1000 Mk. auf dieses Konto. Dies wäre an sich nicht schlimm, wenn man jedes einzelne Muster ordentlich ausnutzen könnte. In unserer Zeit ist das jedoch fast zur Unmöglichkeit geworden. Bei jedem Einkauf, den ein Kunde macht, sollen wieder andere Neuheiten vorgelegtwerden. Das einzelne Muster ist deshalb nicht sehr lange verwendbar. Hieraus kann leicht entnommen werden, daß die Abschreibung an Gesenken das Unkostenkonto ziemlich stark belastet. Weil die Muster so rasch veralten und die Gesenke unbrauchbar werden, sind wir gezwungen, eine sehr hohe Abschreibungsquote anzusetzen. Man wird als Durchschnittsdauer der Verwendbarkeit 2—3 jahre annehmen. Manche Muster behalten vielleicht ihre Zugkraft etwas länger, dafür sind dann wieder andere da, die schon nach ganz kurzer Zeit ausrangiert werden müssen. Man muß deshalb am Gesenkkonto unter Umständen bis zu 50% abschreiben. Wer glaubt, in Gesenken ein Vermögen zu besitzen, gibt sich wahrscheinlich einer Selbsttäuschung hin. Er führt im Inventar unter den Aktiven einen hohen Betrag für Gesenke an, der in keiner Weise der Wirklichkeit entspricht.

6. Den größten Posten in dieser Rubrik stellen jedenfalls die Arbeiterversicherungen, nämlich Kranken- (Fabrikant 1/3), Unfall- (Fabrikant ganz) und Alters- und Invaliditätsversicherung (Fabrikant 12). Außerdem gehören hierher: Feuerversicherung, Haftpflichtversicherung, Versicherung gegen Einbruch und Diebstahl u. a. m., die das Geschäft betreffen. Die Arbeiterversicherungen kann man übrigens bei Stundenlohn auch direkt umlegen. Hat ein Arbeiter beispielsweise 5 Mk. im Tag bei 10 stündiger Arbeitszeit und kosten die Versicherungen für ihn pro Tag 20 Pfg., so kann man als Stundenlohn statt 50 auch 52 Pig. ansetzen, läßt aber dann diese Arbeiterversicherungen bei den Unkosten weg. Bei Stücklohn ist dies nicht gut möglich, man hat also den zuerst besprochenen Fall.

7. Hierher gehören alle Steuerabteilungen von Staats-, Gemeinde- und Kirchensteuer mit Ausnahme der Einkommensteuer, die wie bei jedem Privatmann vom Verdienst bezahlt werden muß.

8. Alle Gehälter und Löhne, die bezahlt werden müssen, ohne daß man ausrechnen kann, wieviel davon auf jedes einzelne Fabrikat kommt, gehören zu den Geschäftsunkosten. Dieses sind: die Bezahlung des Kabinettmeisters; sofern derselbe nicht selbst am Brett arbeitet, ganz, andernfalls wird nur

die Zeit gerechnet, die er nicht am Brett zubringt; das Salair von Geschäftsbüchern erforderlich. Zum Verkehr mit Geschäftsfür den Buchhalter; der Lohn für den Kommissionär und was freunden braucht man außerdem: Briefpapier, Kuverts, Rechnoch hierher gehört. Ist der Prinzipal selbst im Geschäft tätig, nungen, Formulare, Impressen u. dgl. mehr. sei es als Kabinettmeister, Buchhalter oder Aufsichtführender, 12. Unter Verbrauchsstoffen versteht man diejenigen techso muß er seinen persönlichen Verdienst ebenfalls unter Un nischen Hilfsmittel, die sich sehr rasch abnutzen oder aufbrauchen, kosten verrechnen.

z. B.: Borax, Säuren, Salze, Poliermittel, Seife u. dgl. Auch die 9. Um stets auf dem Laufenden zu bleiben und alle Neu Sägen gehören hierher, da dieselben wegen zu rascher Abnutzung heiten und Stiländerungen kennen zu lernen, ist jeder Fabrikant nicht zu den Werkzeugen gerechnet werden können. Auch Tinte, gezwungen, sich Zeitschriften der Bijouteriebranche, Schmuck Bleistifte, Gummi, Federn, Kartons, Aufnäliseide sind ganz gut musterblätter u. dgl. zu halten. Er muß sich von Zeit zu Zeit in dieser Rubrik unterzubringen. Entwürfe anschaffen und Zeichnungen anfertigen lassen. Diese 12. Der Bijouteriefabrikant hat in der Regel seine HauptAusgaben gehören zu den Geschäftsunkosten.

kundschaft nicht am Platze. Er muß daher die bestellten 10. Gas ist wohl in jeder Stadt, in der fabriziert wird, Waren, sowie Muster- und Auswahlsendungen per Post oder vorhanden. Es wird wohl auch in allen Fabrikationsgeschäften Bahn an dieselben gelangen lassen. Da es sich meist um zum Löten und als Beleuchtungsmittel verwendet, oft auch zum Sendungen von hohem Wert handelt, wird dieser bei der AufBetrieb eines Gasmotors. Ebenfalls wird, wo es angängig ist, gabe versichert. Infolge der weit verzweigten Geschäftsverzum Vergolden, zum Antrieb von Elektromotoren, vielleicht bindungen ist auch die Korrespondenz eine sehr rege. Deshalb auch zur Beleuchtung Elektrizität in Anwendung gebracht. Alle erhalten wir für Porto- und Frachtausgaben ganz erhebliche Ausgaben hierfür, sowie für andere Arten von Beleuchtungs- Beträge. material, Brennstoffen zum Betrieb von Kraftmaschinen, sowie 14. In jeder Stadt sind die Fabrikationsgeschäfte an das sämtliches Kohlenmaterial (Holz- und Steinkohlen) werden ge Fernsprechnetz angeschlossen zur Erleichterung des gegensei. macht unter Belastung des Unkostenkontos.

tigen Verkehrs. Die Ausgaben hierfür sowie für Ferngespräche 11. Zur Führung eines jeden Geschäftes sind eine Reihe und Telegramme sind hier zu rubrizieren.

(Schluß folgt.)

Offener Sprechsaal. Unter dieser Rubrik veröffentlichen wir Einsendungen von Abonnenten und Fachkollegen, die in sachlicher Weise auf Übelstände aufmerksam machen und zur Diskussion darüber auffordern. Wir bitten alle unsere Leser, von dieser Einrichtung recht häufig Gebrauch machen zu wollen, mit der Bemerkung, daß diese Einsendungen ohne unsere redaktionelle Verantwortung erscheinen.

Zur Frage einer allgemeinen Arbeitsordnung. Der verbesserte Entwurf einer Arbeitsordnung, wie er in „und es tritt für die Zeit bis Abends 10 Uhr ein LohnNr. 25 der „Goldschmiede-Zeitung“ enthalten ist, wird unter der zuschlag von 33';%, und für die Zeit nach 10 Uhr ein Gehilfenschaft nicht wenig Erstaunen erregt haben, denn soviel solcher von 50% ein; ebenso tritt für Sonn- und wir uns auch anstrengen möchten, etwas herauszufinden, das Feiertagsarbeit ein Lohnzuschlag von 50% ein." wirklich von Wohlwollen gegen die Arbeitnehmer zeugte, es ist Wenn man bedenkt, welche Anforderungen an die Gesunduns bis heute noch nicht gelungen. Wohl aber können wir uns heit des Einzelnen durch das viele Sitzen, weiter durch die des Eindrucks nicht erwehren, als wolle man mit der allgemeinen Anforderungen unseres Berufes an das Augenlicht, ganz beEinführung dieser Arbeitsordnung dem Gehilfenstand noch mehr sonders im Winter, in den obendrein noch die meisten Übervon seinen Rechten nehmen.

stunden fallen, gestellt werden, so sollten sich auch die Prinzipale Sind sich denn die Kollegen bewußt, was der § 4: „Der dagegen nicht sträuben. Daß diese Forderungen nur zu beLohn wird nach einem vorher vereinbarten Stunden rechtigt sind, beweist schon der Umstand, daß es bereits eine lohnsatze bezahlt“ für die Gehilfenschaft bedeutet? Das Unmenge von Prinzipalen gibt, welche diese Lohnzuschläge ist kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt, und die Gehilfen ihren Gehilfen gewähren. werden es schon spüren, was es heißt, vom Wochenlohn zum Wir können es ebenso wenig verstehen, daß in einem Sturdenlohn herabgesetzt zu werden.

Arbeitsvertrage nur von Verpflichtungen und VerantDoch fangen wir oben an! Im § 1 gehören hinter das Wort wortungen der Gehilfen die Rede ist. Dadurch wird jeden„mündliche“ unbedingt die Worte: „oder schriftliche“. falls ein gutes Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Es ist dies so selbstverständlich, daß es unnütz ist, noch nicht gefördert, was doch bei einem Gewerbe wie dem unseren Worte darüber zu verlieren.

nach Kräften gepflegt werden sollte. Dem § 2 ist nach unserer Meinung ein Absatz 3 hinzuzu Wir appellieren daher an alle diejenigen Herren Prinzipale, fügen, der zu lauten hat: „Die Arbeitszeugnisse (Originale) welche einen solchen Kurs nicht mitmachen wollen, auf dem sind nach Einsichtnahme des Arbeitgebers dem Eigen- Verbandstage in Eisenach energisch gegen die Einführung tümer zurückzugeben“; denn niemals darf der Arbeitnehmer dieser Arbeitsordnung Stellung zu nehmen. in dem heutigen schweren Kampfe ums Dasein behindert sein,

Gehilfen - Vereinigung München. sich jederzeit nach passender Stellung umzusehen, was ihm aber ohne seine Zeugnisse wenn nicht ganz unmöglich, so doch sehr erschwert ist.

Nachschrift der Redaktion: Wir haben dieser Zuschrift aus Über den § 3 sind auch wir zweierlei Meinung. Zum Gehilfenkreisen gern Raum gegeben, da sie zeigt, wie man auf mindesten werden sich die älteren Kollegen nie auf die erste Seiten der Arbeitnehmer über die Arbeitsordnung denkt. Die Fassung, d. h. eine Stellung ohne Kündigung einlassen.

gegenseitige Aussprache kann hier viel fördern. Ist es doch Am aller unvollständigsten ist aber nach unserer Meinung die höchste und schönste Aufgabe, zwischen Arbeitgeber und der § 10. Hier müssen sich unbedingt die Worte anschließen: Arbeitnehmer ein gedeihliches Verhältnis hervorzurufen.

Ex libris.

Wir gedenken unseren Lesern von Zeit zu Zeit den Abdruck in Entwurf und Ausführung künstlerischer und eigenartiger Ex libris zu bieten. Ein allgemeines Interesse dafür setzen wir voraus und geben uns der Hoffnung hin, einen oder den anderen unserer Leser zum Sammeln von Ex libris anzuregen. Eine sachgemäße Auswahl derselben wird ohne Zweifel eine Fülle gedanklicher und zeichnerischer Anregung geben, stellt doch ein Ex libris, wie es sein soll, ein Kunstblatt en miniature dar.

Als besserer Ersatz für die im Mittelalter bis Ende des 15. Jahrhunderts gebräuchliche handschriftliche Eintragung in Bücher, durch welche der Eigentümer derselben kenntlich gemacht werden sollte, traten von da ab in Holzschnitt, Kupfer- und Stahlstich oder mit Typen gedruckte Bücherzeichen, Ex libris (aus den Büchern).

Je nach Art ihrer Ausführung wiesen sie durch Wappen, Symbole oder Namen auf den Besitzer des Buches hin.

Da berühmte Künstler, wie Lukas Cranach, Chodowiecki, Ludwig Richter, die Herstellung der Druckplatten übernahmen, und auch hervorragende Künstler unserer Zeit sich mit Ex libris befassen, habe:1 viele davon Kunstwert und werden in neuerer Zeit viel gesammelt und auch literarisch behandelt.

Das in der vorliegenden Nummer wiedergegebene dürfte unsere Leser um so mehr interessieren, als es das Ex libris eines Graveures ist, der es selbst, allerdings vor Jahren, entworfen und gezeichnet hat.

In klarer und schöner Weise läßt die Zeichnung erkennen, daß es einem Graveur und Zeichner gehört. Der Name Felgenträger nennt uns einen Leipziger Graveurs, der es durch eigene Kraft, unterstützt durch seltene · Begabung, zu einem hervorragenden Vertreter seines Berufes gebracht hat.

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Prämiierungen auf der 3. Deutschen Kunstgewerbe - Ausstellung Ausstellung industrieller und landwirtschaftlicher Erzeugnisse in zu Dresden. Mit der „Staatsmedaille“ wurde ausgezeichnet: Huesca (Spanien). In Huesca wird für Mitte November ds. Js. Georg Hitl, Inhaber der Prägeanstalt Carl Poellath, Schroben- eine Ausstellung industrieller und landwirtschaftlicher Erzeugnisse hausen (Oberbayern). Außerdem erhielten noch das Diplom für geplant. Näheres dürfte bei dem Präsidenten der Handelskammer die „goldene Medaille“: das Fürstlich Stolbergsche Hüttenamt (Presidente de la Camara de Comercio) in Huesca zu erfahren sein. in Isenburg, für kunstvolle Gefäße in Eisengub; Karl Rothmüller, Kunstgewerbliche Werkstatt, München, Müllerstraße 44. Das

Lohnerhöhungen. Der jüngst ins Leben getretene LokalDiplom für die „silberne Medaille“: J. H. Schmidt Söhne, Profan

verband von Gold- und Silberarbeitern in Pforzheim, und Kirchenbeleuchtungs-Gegenstände, Iserlohn.

der sich bereits viele Sympathien erworben hat, hat sich mit

dem Arbeitgeberverband daselbst zwecks LohnverbesserungsAusstellungen. Die in Nr. 28 bereits angekündigte Eröffnung fragen ins Benehmen gesetzt, und letzterer hat mit großer Mader Jubiläums - Ausstellung für Kunst- und Kunstgewerbe, jorität beschlossen, in den Betrieben der Verbandsmitglieder vom Karlsruhe 1906, welche am 21. Juli geschehen sollte, ist end- 1. Oktober ab eine Höherbezahlung der Weilarbeit um 20% gültig auf Sonnabend, den 28. Juli, verlegt worden.

eintreten zu lassen. Als Weilarbeit gilt, was über die übliche

Arbeitszeit von wöchentlich 60 Stunden hinausgeht.
Für die Jubiläums - Ausstellung in Karlsruhe haben die Herren
Professoren Riester und Kleemann, sowie Herr Montierlehrer

Reform der Einfuhrzölle in Holland. Die Regierung gedenkt Zahn von der Kunstgewerbeschule in Pforzheim verschiedene

eine Reform der Einfuhrzölle vorzubereiten, die das FreiSchmuckstücke entworfen, die Herr Zahn sämtlich ausgeführt handelsprinzip und das Wertzollsystem beibehält, jedoch einige und die im Kunstgewerbe - Museum ausgestellt sind. Herr Prof. zweckmäßige Änderungen in der Nomenklatur einführt. Auch Riester hat einen Anhänger, einen Kamm und einen Gürtel mit

die Auswahl zollfreier Artikel soll eine Revision erfahren. Schließe entworfen, die von ganz prächtiger Wirkung sind; Herr

Mehrere nicht in Holland produzierte Luxusartikel sollen, wie der Prof. Kleemann die Entwürfe zu drei Broschen, einem Kollier „Frankf. Ztg.“ geschrieben wird, neu mit Zöllen belegt oder der und einem Anhänger geliefert, von denen besonders letzterer

Tarif für sie erhöht werden, woraus ein Gewinn von einigen an die besten französischen Arbeiten erinnert; und Herr Zahn

hunderttausend Gulden für die Staatskasse erhofft wird. selbst hat vier Anhänger mit flach geschnittenen Steinen ent Australischer Bund. Zolltarifentscheidung für Edelsteine worfen, die vortrefflich montiert sind.

Opal, Türkis, Chrysolith, Topas (auch kugelförmig und wie

eine Perle durchlöchert) als Juwelierwaren usw. – sind frei. Luzerner Goldschmiedekunst. Der von der offiziellen Verkehrskommission und vom Hotelierverein Zürich gestiftete Herausforderungspreis für die Achterserie der Zürcher Regatten ist Personalien und Geschäftsnachrichten. gegenwärtig in Zürich bei Grieder & Cie. ausgestellt

. Der Aufsatz zeigt als Fuß vier in Relief gehaltene Seeschnecken.

Geschäfts-Verlegungen. Herr Joh. Dix, Hofjuwelier in Bonn, Aus der als Wasserfläche gedachten Schale springt eine Forelle, Markt 33 nach seinem neuerbauten Hause Remigiusstr. 1. - In

verlegte sein Juwelen-, Gold- und Silberwaren - Geschäft von eine Welle nach sich ziehend. Der Rand des Bassins mit zi- Göppingen verlegte Herr Juwelier Jacques Zimmer sein Goldselierten Barockmotiven trägt vier getriebene Fischotterköpfe. und Silberwaren-Geschäft von Pfarrstr. 37 nach Grabenstr. 16. Das Kunststück macht seinen Spendern, und seinem Schöpfer, - Herr Franz Germann, Stahlgraveur in Pforzheim, verHerrn Goldschmied Bossard in Luzern, alle Ehre:

legte sein Geschäft nach Gymnasiumstr. 60.

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