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Zusammenschluß der Gold- und Silberarbeiter Deutschlands. Nachdem sich vor kurzem in Pforzheim ein Lokalverband der Gold- und Silberarbeiter mit gegen 300 Mitglieder gebildet hat, kommen Nachrichten von Schw. Gmünd und München von ähnlichen Gründungen. In Pforzheim wurde die Neugründung von seiten des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes stark bekämpft.

Kaufmännische gediegene Bildung ist heute auch eine Waffe für den Gewerbetreibenden im Kampfe des Lebens. Namentlich in ausgedehnten Geschäften muß kaufmännischer Geist die Regierung mit übernehmen. Darum rechtfertigt sich auch ein Hinweis auf die emporblühenden Handelshochschulen. Soeben ist uns der Jahresbericht der Handelshochschule zu Leipzig zugegangen. Aus den allgemeinen Nachrichten ersehen wir, daß eine Vorlesung über Versicherungswissenschaften eingerichtet wurde und eine solche über Kunstgewerbe in Aussicht genommen ist. Im Berichtsjahr haben 62 Studierende das kaufmännische Diplomexamen und 21 Kandidaten das Handelslehrerexamen bestanden. Im übrigen bietet der Bericht alles Material, was über den Besuch, Lehrplan usw. der Schule orientiert. Er kann von der Kanzlei, Leipzig, Schulstraße 1, bezogen werden.

heim. – Die Edelsteinhandlung Jul. Heilbronn, Pforzheim hat Durlacher Straße 25 neue Geschäftsräume bezogen. Die seit 1880 bestehende Uhren-, Gold- und Silberwarenhandlung von G. Wäffler-Richli, Schaffhausen (Schweiz) hat ihre Geschäftslokalitäten in ein käuflich erworbenes Haus an der Vordergasse verlegt.

Prokuren. Die Firma Charles Noakes, Goldwaren-Engros, Hamburg erteilte Herrn Heinrich Adolf Gieschen Prokura. Die an C. A. V. Richter erteilte Prokura ist erloschen.

Todesfälle. In Berlin verschied infolge Herzschlag der Silberwaren-Fabrikant Herr Albert Petersfeld im 63. Lebensjahre. In Altona-Ottensen starb Herr J. G. P. Haller, Direktor der Vereinigten Metallwarenfabriken A.-G. vorm. Haller & Co. In Stettin verschied nach kurzem Krankenlager der Goldschmied Otto Runge. In Mexiko starb Herr Henry Schäfer jr., Inhaber der Bijouterie - Exportfirma Enrigue G. Schäfer daselbst, welche hauptsächlich Mexiko und die zentralamerikanischen Staaten zum Absatzgebiet hat.

Verschiedenes. Um auch den Bijouterie - Interessenten Rechnung zu tragen, hat das internationale Transportgeschäft Innocente Mangeli in Mannheim neben seinem täglichen Schnellverkehr nach England mittels täglichem Personenboot einen täglichen Expreß-Paket-Dienst mit Verladung via Cleve über Hook van Holland errichtet. Die Kettenfabrik Paul Funcke, Rue du Quatre Septembre 5 in Paris, hat ihre Pforzheimer Vertretung dem Herrn M. Coper übertragen. – Das Bijouteriehilfsgeschäft Adolf Bastian in Pforzheim (Chemikalien usw.) erwarb für seine Zwecke von Herrn Bijouteriefabrikant Karl Armand dessen Anwesen, Zähringer Allee, für 75 000 Mk. In Bretten (Baden) hat die Etuisfabrik Emil Keller, Pforzheim, in der Melanchthonstr. 59 eine Filiale errichtet. - Die Bijouteriewarenfabrik Küchler & Herion in Pforzheim hat jetzt in Ilmenau eine Filiale eröffnet. - Der Senat der Stadt Hamburg hat beschlossen eine goldene Medaille zu schaffen, die jeder, der sich im Dienste des Staates verdient macht, erhält. Sie soll das Bildnis des Senators Oswald tragen, der 25 Jahre der Stadt seine Dienste widmete.

Personalien und Geschäftsnachrichten.

Auszeichnung. Se. Hoheit der Prinz Eduard von Anhalt hat Herrn Hof - Juwelier Lothar Krausnick, Teilhaber der Firma Krausnick & Co. in Wiesbaden, am Kaiser FriedrichPlatz, zu seinem Hof- Juwelier ernannt.

Vermählung. Herr Artur Steinberg, Ringfabrikant in Prag feierte am 8. Juli ds. Js. im Hotel Elsner in Deutsch - Brod seine Vermählung mit Fräulein Rosa Kantor.

Firmen - Eintragungen. Die Firma Franz Wüsten, als Inhaber Franz Wüsten, Goldschmied in Köln wurde eingetragen. Der Frau Franz Wüsten ist Prokura erteilt. Die Edelsteinhandlung und Kommissionsgeschäft Otto Lay in Pforzheim wurde eingetragen, ebenso die neugegründete Goldwarenfabrik Gebrüder Bäuerle (Inhaber Karl und Hermann Bäuerle) daselbst.

Firmen - Löschung. Die Bijouterie - Fabrik Lay & Sohn in Pforzheim ist erloschen.

Geschäfts - Eröffnungen. Herr Paul Moeller, Graveur und Goldschmied, eröffnete Anfang Juli in Bayreuth, Sophienstraße 22 eine Werkstatt für Gravierungen und Reparaturen. - In Oberstein a. d. Nahe wurde unter der Firma Ernst Stein & Cie. eine Metall- und Bijouteriewaren - Fabrik gegründet. Inhaber sind Ernst Stein, langjähriger Reisender der Firma Julius Jeidel, Frankfurt a. M., und Max Hirsch.

Geschäfts-Veränderungen. Das unter der bisherigen Firma Heinr. Schütz & Cie. in Düsseldorf, Bazarstr. 2, betriebene Juwelen-, Gold- und Silberwaren - Geschäft wurde von Herrn Peter Ditges käuflich erworben. Das Geschäft wird unter der neuen Firma Peter Ditges fortbestehen. Die altrenommierte Firma Chr. Klein in Pforzheim, Bijouteriehilfsgeschäft, ging infolge Krankheit des bisherigen Inhabers auf Herrn Jakob Hacker über. – Das Bronzewaren-Geschäft Hans Reindel in Nürnberg hat den Herrn Bruno Oscar Dittrich als Gesellschafter in die Firma aufgenommen. Die Vertretung der Gesellschaft erfolgt gemeinsam. Wegen käuflicher Uebernahme eines anderen Geschäfts tritt Herr Heinrich Leibold aus der Bijouterie - Fabrikationsfirma Leibbrand & Leibold in Pforzheim aus. Herr Georg Leibbrand übernimmt nun solches mit allen Aktiven und Passiven. -- Herr Rich. Rohm hat sein Geschäft in Lubens i. B. aufgegeben und in Vohenstrauß das Geschäft des Herrn Pöllmann käuflich übernommen.

Geschäfts - Verlegungen. Die Bijouterie - Fabrik Emil Haberstroh in Pforzheim verlegte ihre Fabrik nach Durlacher Str. 39. Die Doubléketten-Fabrik Fritz & Emil Walther in Pforzheim verlegte ihren Geschäftsbetrieb nach dem Schloßkirchenweg daselbst. Herr Bijouteriefabrikant Karl Scheufele in Pforzheim hat seine Kontor- und Fabrikräume nach der Baumstr. 15 verlegt. – Die Geschäftslokalitäten der Firma Wilh. Schöllhammer in Pforzheim befinden sich seit 1. Juli Wörthstr. 7. - Die Bijouteriefabrik G. Mößner & Wellendorff in Pforzheim hat nunmehr ihre Geschäftslokalitäten nach dem eignen Hause, Louisenstr. 44, verlegt. Nach dem Altstädter Kirchenweg, Nellinger Bau, verlegte Herr Bijouterie-Fabrikant Karl Fr. Kindler sein Geschäft; und nach der Güterstraße 3 die Bijouterie - Fabrikations - Firma Beckh & Maischhofer, Pforz

Schützt Eure Läden vor Einbruchdiebstahl!

Ein „guter Fang“. In der Hohenstaufen-Straße in Berlin gehen zwei Männer, sie werfen spähende Blicke um sich, ob keiner ihnen folge. Vor dem Schaufenster eines Ladens machen sie Halt. Er gehört dem Juwelier Herrmann. Die beiden zögern nicht lange. Ein heftiger Druck von vier Fäusten und dumpf klirren die Scherben zu Boden. Wie die Katzen schnellen die Beiden in den engen Fensterraum; was sich bietet: Ringe, Ketten und Uhren, alles was Goldwert hat, wird zusammengerafft. Da das Geräusch nahender Schritte. Hinter ihnen wird es hell, mit vorgehaltenem Revolver steht Herrmann im Laden. Schneller noch als ihr Gehirn erfassen Muskeln und Nerven die Sachlage. Ein jäher Sprung hinab aufs Pflaster und dann in fliegender Hast in die Nacht gejagt. Der Ladeninhaber besieht sich den Schaden. Mindestens zweitausend Mark zum Teufel! Weiter kommt der Aermste in seinen Betrachtungen nicht. Vor ihm steht, wie aus der Erde gewachsen, eine drohende Gestalt. Die beiden mustern sich. Das Schweigen währt Sekunden, die dem Bestohlenen zu Ewigkeiten werden. Der andere zieht einen Revolver und spannt den Hahn. Was soll das bedeuten? Noch ein Einbrecher, der gekommen ist, das Werk der beiden Genossen zu vollenden? Endlich gibt er sich als Kriminalbeamter zu erkennen. „Folgen Sie mir zur Wache!“ herrscht er den Ladenbesitzer, in dem er den Dieb vermutet, an. Der weigert sich, nennt seinen Namen, aber der andere glaubt ihm nicht. Noch eine Aufforderung, schärfer, die mit ebenso energischem Protest erwidert wird. Kriminalbeamte zögern nicht lange, wenn sie glauben, einen „guten Fang“ gemacht zu haben. Fruchtet das Wort nicht mehr, so muß Gewalt helfen. Herrmann wird gepackt, er wehrt sich, beide kämpfen erbittertem Ringen. Glücklicherweise entfallen die Waffen den Händen der Streitenden. Sonst wer weiß, welchen Ausgang das „Mißverständnis“ genommen hätte! – Endlich klärt sich der verhängnisvolle Irrtum. Keuchend stehen die beiden einander gegenüber. Entschuldigungen von der einen – „0, bitte sehr, hat gar nichts zu bedeuten“, von der anderen Seite. Die Diebe aber, die richtigen Diebe, sind längst über alle Berge. ...

Patente und Gebrauchsmuster. Gebrauchsmuster-Eintragungen. 44 a. 276 990. Verschluß für Kolliers und Armbänder mit an der Oberseite des Schloßkastens angelenktem, doppelarmigem Hebel, dessen einer Arm beim Anheben des anderen den Schnepper in die Oeffnungslage überführt. Ritter & Reymann, Hanau. 3. 4. 06. R. 17217.

44 a. 276 991. Damenhutnadel, bestelıend aus zwei im Winkel gebogenen Nadeln. Johanna Charmak, Breslau, Neue Graupenstraße 2. 4. 4. 06. C. 5271.

44 a. 277 003. Aufhänger für Kolliers, bestehend aus einem mit Haken versehenen Querstab, an welchem zu einem offenen Rechteck gebogene Haken zum Aufhängen vorgesehen sind. Curt Hausding, Pirna. 6. 4. 06. H. 20752.

31c. 277048. Schließvorrichtung für Gießformen für Bestecke und dergleichen, bei welcher eine feststehende und bewegliche Platte mit je drei verstellbaren Schraubenbolzen mit konkav gewölbten Druckkörpern ausgerüstet ist. Jakob Hepp, Mettmann. 2. 4. 06. H. 29 737.

Frage- und Antwortkasten. Für brieflich gewünschte Fragebeantwortung bitten wir das Porto beizufügen.

Fragen: Frage 634. Woraus besteht bei den unechten Perlen die eigentliche Perlensubstanz resp. woher kann ich dieselbe beziehen?

C. A. K. in E. Frage 635. Wer ist der Fabrikant von Herren-Ketten, die folgendes Etikett tragen: Weißes Etikett, worauf die Worte Garantie für la. Am. Gold-Doublé, gutes Tragen“ gedruckt sind. Die Worte la. Am. Gold-Doublé sind schräg über das Etikett laufend und rot, während die anderen Worte schwarz gedruckt sind.

W. R. Frage 637. Wer kann mir eine Firma mitteilen, die_Türschilder aus Zinkblech mit Nickelauflage in gepreßter Form (Größe 12X7 cm) liefert?

R. Schlr. in A. Frage 638. Wer liefert Leder-Uhrkapseln in verschiedenen Größen? Es handelt sich um mehrere Groß und ist Reflektant eine amerik. Großhandlung. Die Vermittelung übernimmt die ExportAusgabe der Deutschen Goldschm.- Ztg. H. P. & Co. in Ch.

Frage 639. Ich bitte um gefällige Mitteilung, wer kupferemaillierte Nippsachen anfertigt?

J. G. in J. Frage 642. Ist man gesetzlich verpflichtet, bei der zuständigen Innung noch ein Meisterexamen zu machen, um sich Lehrlinge halten zu dürfen und bei einer evt. Etablierung sich Meister zu nennen, wenn man schon über 11 Jahre Werkmeister in einer Silberwarenfabrik (über 40–50 Personen) war. Während meiner Werkmeisterschaft habe ich die ersten Jahre 5 Lehrlinge an- und ausgelernt. Ich habe selbst 4!/2 Jahre gelernt und bin von der Innung freigesprochen.

0. S. Frage 646. Welches ist die einfachste und leichteste Art und Weise, das Zapon von versilberten Waren zu entfernen?

L. in W. Frage 648. Welcher Fabrikant von silbernen Bestecken führt als Warenzeichen ein gotisches S, wie nebenstehend ?

Frage 653. Ein Bijouterie-Engros-Geschäft hat ein Detail - Geschäft eröffnet; beschäftigt einen Gehilfen und eine Polisseuse. Darf der Mann, welcher Kaufmann ist, auf sein Fenster schreiben: „Verkaufsstelle der Goldwarenfabrik usw.“ ?

Frage 654. Wer fabriziert Glasröhren in beliebigen Dimensionen, ebenso Zelluloid-Skalen?

E. P. in S. Frage 655. Wer liefert Pressungen von Handwerkeremblemen in beiläufiger Größe 2X1 cm in Silber und Gold, Reliefs zum durchbrechen?

F. A. in W. Frage 656. Wie verhindert man das Braun- und Schwarzwerden unechter Bijouterie- und Metallgegenstände in wirksamer Weise? Das Zaponieren hat sich nicht immer zweckdienlich erwiesen.

P. H. in B. Frage 657. Ich erlaube mir hiermit die höfliche Anfrage, ob mir einer der Herren Kollegen eine genaue Methode der Behandlung von Doublé - Gegenständen mit Borsäure nennen kann. Die Borsäure soll nämlich einen gleichmäßigen, während der ganzen Fabrikation haftenden Ueberzug bilden. Sie soll jedoch während dem Löten nicht steigen, da man sonst keine saubere Arbeit liefern kann, soll aber auch nicht abspringen. Für genaue Rezepte der zu verwendenden Substanzen, als auch sonst zu beachtende Vorteile würde ich sehr dankbar sein. Im voraus bestens dankend

R. T. in P. Frage 658. Eine Firma im Auslande will ein begrenztes Lager von Farbsteinen aufarbeiten lassen und sucht dieserhalb eine leistungsfähige Firma, welche ev. immer beschäftigt werden könnte. Die Herstellung wäre ähnlich der böhm. Granatarbeit.

Frage 659. Wer fertigt kleine Gegenstände in galvanischem Niederschlag aus Kupfer oder Silber?

P. M. in Sch. Frage 660. Kann mir einer der Herren Kollegen die genaue Zusammensetzung eines Schmelzpulvers angeben? Es gibt davon mehrere Sorten, für Feilung und Schliff usw. A. F. K. in P.

Frage 661. Wer fabriziert billige Nürnberger Scherenarmbänder ?

R. M. in G. Antworten: Zu Frage 643. Massive, gegossene Ringe für Diamantenfassung liefert: A. Steinberg, Ringfabrik, Prag, Gemsengasse 4.

Zu Frage 647. Hirschgrandeln lassen sich nur wenig bräunen; einen kleinen Erfolg hatten wir, wenn wir die Grandeln mit Fett, d. h. mit feinstem reinen Oel einrieben, und dann die zu bräunende Stelle erwärmten, wir benutzten eine brennende Zigarre dazu, die das sehr langweilige Bräunen etwas kürzer macht; der Brennstift eines Holzbrand-Apparates wird aber wohl den gleichen Dienst tun. Das Bräunen muß aber sehr mäßig vorgenommen werden, denn bei zu starker Hitze verkohlt der Zahn sofort. Es empfiehlt sich auch die Sauce, die sich in der Tabakspfeife ansammelt, auf den leicht erwärmten Zahn aufzutragen; ein unfehlbares Mittel gibt es aber nicht, und Kenner sehen sofort, ob ein Zahn künstlich nachgebräunt ist, oder ob er naturbraun ist, denn dem künstlich gebräunten Zahn fehlt die feine Zeichnung in der Bräunung selber.

Cetegus“. Zu Frage 649. Silberdoubleblech beziehen Sie vorteilhaft von Fr. Kammerer, Pforzheim; Gust. Rau, Pforzheim; Carl Vogel, Pforzheim.

Zu Frage 651. Ich empfehle Ihnen die Stahlgraveurgeschäfte von Paul Klaus, Pforzheim, Dillsteinerstr. 31; Wilhelm Zehner, Pforzheim.

Zu Frage 653. Dagegen läßt sich nichts einwenden, wenn ihm die Fabrik den Verkauf ihrer Erzeugnisse übertragen hat. Allerdings sollten Grossisten nicht detaillieren. Sie machen dadurch ihren Abnehmern ja selbst Konkurrenz. Wie heißt die betreffende Firma? Wo ist sie?

5.Frage 648.

Bekanntmachungen des Verbandes Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede.

Protokoll der Sitzung des Ausschusses am 1. Juli 1906

Vormittags 10', Uhr, Jägerstr. 22. Anwesend die Herren: Fischer, Becker, Range, Kiesel, Telge, Schmidt, Müller, Menzel, als Gast Herr Heiden-München.

Tages-Ordnung: 1. Beratung der Anträge aus den Vereinen für den Verbandstag. 2. Etatsberatung 3. Festsetzung der Tages-Ordnung für den Verbandstag.

4. Festsetzung des Festprogramms für den Verbandstag. 5. Sonstiges

Vor Eintritt in die Tages-Ordnung gedenkt Herr Fischer des heimgegangenen Ausschuß - Mitgliedes Herrn Eckhardt, dessen Verdienste und Vorzüge er in warmen Worten schildert. Die Anwesenden erheben sich zum ehrenden Gedenken des Verstorbenen von ihren Plätzen.

Herr Fischer erteilt Herrn Heiden zur Begründung des Antrages Bayern bezüglich der Anderung des Statuts in

bezug auf die Vorstandswahl das Wort. Herr Heiden behauptet, daß diese Änderung immer wieder auf die Tages - Ordnung kommen würde, obwohl er persönlich die Stetigkeit im Vorstande für vorteilhaft halte. Die Anregung von Württemberg ist nicht nach München maßgebend gewesen, sondern die jüngeren Elemente Münchens haben den Antrag eingebracht und werden ihn immer wieder vorbringen; wenn man Ruhe haben will, solle man das Zugeständnis machen.

Herr Fischer tritt diesen Anschauungen entgegen und betont, daß in großen ähnlichen Verbänden gleiche Satzungen beständen, durch welche gerade die Vereinsmeierei ferngehalten würde. Hierauf verliest Herr Fischer einen Bericht über diese Angelegenheit, indem er den Hergang schildert, wie die Satzungen entstanden und stellt die Drucklegung dieses Berichtes noch vor dem Verbandstage in Aussicht.

Herr Heiden beantragt Trennung beider Anträge.

Herr Becker möchte vermieden sehen, daß die Anträge den Verbandstag in Eisenach lange beschäftigen. Der Antrag Bayerns lautet: „Die Statuten des Deutschen Verbandes sind dahin abzuändern resp. zu ergänzen, daß die Vorstandschaft alle zwei Jahre durch Stimmzettel neu gewählt wird.“ Herr Becker bittet, den Antrag Württemberg zurückziehen zu lassen und fragt, ob Herr Kiesel dahin wirken wolle. Den Antrag Bayerns brauchen wir nicht, da wir viel weitergehendere Bestimmungen im § 11 unserer Satzungen haben.

Herr Kiesel schließt sich Herrn Becker an, er ist nicht in der Württemberger Versammlung gewesen und steht ganz auf dem Standpunkt des Herrn Becker und zieht den Antrag Württembergs zurück.

Herr Heiden würde dies mit dem Antrag Bayerns ebenfalls tun, befürchtet jedoch, daß dieselbe Sache immer wieder kommen würde. Nach einer Abschweifung von Punkt 1 der Tages-Ordnung kommt Herr Heiden auf den Antrag Bayerns zurück und erklärt, daß, wenn in den Satzungen ein Kommentar zu den S$ 10 und 11 im Sinne des Geschäftsberichtes für den bevorstehenden Verbandstag gegeben, auch der Antrag Bayerns zurückgezogen wird.

Der Vorstand erklärt sich hierzu bereit und ist damit der Antrag Bayerns zurückgezogen.

Herr Fischer teilt mit, daß ein Antrag Magdeburgs vorliegt, auf die Tages-Ordnung eine Besprechung über das Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren zu setzen. Dies wird beschlossen.

Hannover beantragt: „Es ist seitens des Verbandes eine Probierstelle einzurichten, welche den Mitgliedern gegen Erstattung der Unkosten, die auf ca. 50 Pfg. beziffert werden, Proben von eingesandten Gold und Silber fertigt. Der Probierer darf nicht Käufer des Probegutes sein.“ Der Antrag wird auf die Tages-Ordnung gesetzt, obwohl ihm gesetzliche Bedenken entgegenstehen.

Antrag Mecklenburg: „Besprechung einer Unterstützungskasse bei Einbruch für Nichtversicherte.“ Referent: Herr Schmieth-Schwerin.

Herr Fischer geht auf Punkt 2 der Tages - Ordnung über.

Herr Schmidt bittet den Rechnungsprüfern den Abschluß zuschicken zu dürfen, weil er durch eine achtwöchentliche Übung am Arbeiten verhindert war.

Herr Fischer verliest den Etat unter Gegenüberstellung von 1905/6 mit 1906 7.

Die Druckkosten haben den Voranschlag um mehr als das Doppelte überschritten, während die anderen Posten in gleicher Höhe im Ganzen bestehen bleiben.

Die BeschluBfassung über den Etat wird zurückgestellt, weil über die Bestände noch kein endgültiges Bild gegeben werden kann.

Herr Fischer weist auf den in Pforzheim begründeten Gehilfenverband hin, der 80 Pfg. pro Monat Beitrag erhebt, eine ähnliche Opferwilligkeit der Mitglieder wäre auch für den Verband wünschenswert.

Bei Punkt 3 der Tages-Ordnung schlägt Herr Fischer vor, Punkt für Punkt durchzunehmen.

Bei dem Geschäftsbericht weist Herr Fischer darauf hin, daß er nur Erläuterungen zum Geschäftsbericht geben wird, weil der Bericht auf Wunsch des Hamburger Delegierten vorher in den Zeitungen erscheint.

Bei der Ergänzungswahl des Ausschusses soll dahin gewirkt werden, daß für Herrn Eckhardt der Nachfolger im Amt Herr Eckert gewählt wird, für Herrn Hampe soll Herr SchmiethSchwerin in Aussicht genommen werden, für Herrn Merk ist Herr Heiden naturgemäßer Ersatz. Die ausscheidenden Herren Range und Kiesel werden ihre Ämter wieder annehmen.

Als Rechnungsprüfer werden die früheren Herren Becker, Foehr und als Stellvertreter Steinheuer und Schlund vorgeschlagen.

Bei dem Punkt 2 wird betont, daß die Arbeitsordnung nur als Thema bezw. Grundlage für eine solche dienen soll.

Die Tages-Ordnung wird wie folgt, festgesetzt: 1. Geschäftsbericht und Erläuterungen desselben vom 1. Vor

sitzenden Fischer-Berlin. 2. Kassenbericht des Schatzmeisters Schmidt-Berlin. 3. Entlastung des Schatzmeisters. 4. Entlastung des Vorstandes und Ausschusses. 5. Neuwahl des Vorstandes. 6. Ergänzungswahl des Ausschusses. 7. Wahl von 2 Rechnungsprüfern und deren Stellvertretern. 8. Antrag Vereinigung Hannover: Einrichtung einer Probier

stelle für Gold, Silber und Güldisch: Referent Betz-Hannover. 9. Bericht über Versicherungswesen: Referent Fischer-Berlin. 10. Besprechung des einzuführenden metrischen Karates. Re

ferent Ludwig Schröder-Berlin. 11. Vorlegung einer Arbeitsordnung: Referent Winter-Berlin. 12. Antrag Vereinigung Magdeburg: Besprechung des Gesetzes

über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren. Referent

Pfannschmidt-Magdeburg. 13. Antrag Mecklenburg: Besprechung einer Unterstützungskasse

bei Einbruch für Nichtversicherte. Referent Schmieth

Schwerin. 14. Festsetzung des Ortes für den nächsten Verbandstag. 15. Sonstiges.

Von einem Stenographen für die Verhandlungen wird dieses Mal abgesehen.

Das Festprogramm, wie es von den Herren Kollegen in Eisenach ausgearbeitet ist, wird gutgeheißen.

Ein Antrag Diebener auf Ausstellung von Zeichnungen wird für ein Nebenzimmer genehmigt.

Auf Antrag des Verbandes der Grossisten wird Herr Fischer gebeten, den Verhandlungen des Grossistentages event. als Referent für Versicherungswesen der Tagung in Pforzheim als Delegierter des Verbandes beizuwohnen.

Herr Fischer nimmt einen Besuch in Plauen i. V. in Aussicht bei dieser Gelegenheit.

Der Entwurf für ein Gesetz zur Regelung des Ausverkaufwesens hat überall Anklang gefunden, nur einige kleine Änderungen sind beantragt. § 56 und 57 der Gewerbeordnung wird durch diesen Entwurf berührt. In den nächsten Tagen wird der Entwurf dem Bundesrat eingereicht.

Herr Fischer empfiehlt für die weitere Agitation zur Ausbreitung des Verbandes, da die Ernennung von Vertrauensmännern vielfach Anstoß erregt hat, den Geschäftsbericht zur Agitation an die Herren zu senden, die noch nicht Mitglieder sind. Die nächste Ausschussitzung soll darüber Beschluß fassen.

Die Übersendung von Separatprotokollen an die Vorstands- und Ausschußmitglieder soll aus Ersparnisrücksichten in Zukunft nicht mehr stattfinden, es soll der Abdruck in den Fachzeitschriften genügen.

Bezüglich Besteckkonvention wird vom Vorsitzenden mitgeteilt, daß Kassel, Bezirk Halle und Rheinpfalz die Konvention abgeschlossen haben. Der Bayerische Verband scheitert an Nürnberg mit dem Abschluß der Konvention. Schluß der Sitzung 3 Uhr. gez. Fischer.

gez. Carl Becker. gez. Fritz Range. gez. Oskar Müller, Schriftführer.

Nachdruck aus dem Inhalt vorliegender Zeitung isi nur mit Erlaubnis der Redaktion und unter genauer Quellenangabe gestattet.

Fachtechnischer und wirtschaftlicher Teil

Redaktion: Kunstgewerblicher Teil: Professor Rudolf Rücklin, Leiter der
Goldrohmiede-Schule, Pforzheim y Fashtechnischer Teil: Goldrchmied Paul
Axthelm, Leipzig - Wirtschaftlicher Teil: Syndikus Herm. Pilz, Leipzig

Die Grossisten in Pforzheim.

1. Der Begrüßungsabend.

Verband müsse besonders dahin wirken, Ordnung in der

Zahlweise zu schaffen. Die eingeräumten Ziele ohne ine alte Sage erzählt von den Chibchas, die am

Ende seien auch für den Detaillisten verhängnisvoll. Redner Quatavita-See in Columbien lebten, daß sie eine crinnerte dann an die Zeit, wo er selbst vor 33 Jahren in so hohe Verehrung vom Golde hatten, daß sie sich

Pforzheim in Arbeit gestanden hätte und ließ seinen Toast in an hohen Festtagen mit Terpentinöl bestrichen und einem Hoch auf die Stadt Pforzheim ausklingen. Den Dank dann in Goldstaub badeten und so zu Ehren der

dafür stattete Herr Oberbürgermeister Habermehl ab, der in Götter erschienen. Haufen von Gold und Edelsteinen warfen

überaus humorvoller Rede, die oft von stürmischer Heiterkeit sie in die heiligen Seen. Die Verehrung des Goldes ist in unterbrochen wurde, darauf hinwies, daß er selbst eigentlich Pforzheim nicht geringer als bei den Chibchas am heiligen See;

auch „Grossist“ sei, da in Pforzheim neue Straßen, Schulen usw. wenn die Männer, die jetzt vom 14.-16. Juli in seinen Mauern engros gefordert würden und auch die Bevölkerung durch Zuzug eingezogen sind, sich auch nicht im Goldstaub baden und mit

im engros wachse, was natürlich für die Stadtverwaltung auch den Kostbarkeiten etwas Besseres anzufangen wissen, als sie

Verbindlichkeiten engros schaffe. In Pforzheim einigten sich in die Enz, Würm oder Nagold zu werfen! ... Gemeinsam

drei Flüsse, das sei eine günstige Vorbedeutung für die Einigung mit den Fabrikanten tagen hier die Grossisten. ... Der

der Grossisten, Fabrikanten und Detailleure, die alle in gleicher „Verband der Grossisten des Edelmetallgewerbes“

Weise berufen seien, für die Hebung und Ausbreitung des hält seinen ersten Verbandstag, unter Vorsitz des Herrn Edelmetallgewerbes einzutreten. Sein Hoch galt allen lieben Baumert-Leipzig, ab.

Gästen, die in Pforzheims Mauern Einkehr gehalten hätten. Fröhliche Stimmung beherrschte den Begrüßungsabend Herr Drechsler-Görlitz ging auf die Ausführungen der Herren im Museumssaal. Eine heitere Tafelrunde erblickte man und Wilhelm Fischer - Berlin und Oberbürgermeister Habermehl ein zwar in – goldiger Stimmung. Die Instrumentalvorträge der und betrachtete die Vereinigung der drei Flüsse in Pforzheim Stadtkapelle, unter Leitung des Herrn Musikdirektor E. Rusche als ein schönes Symbol der Einigung der drei Verbände, Kreweyh, weckten durch ihre fröhlichen Weisen die Lebensgeister ditorenverein, Grossisten-Verband und Verband der Juweliere, und manch kerniges Wort tönte in die Versammlung beim Gold- und Silberschmiede. Dieser Einheit galt sein Hoch. Gläserklange hinein.

Der Männergesangverein sang unter Musikdirektor Fauths Herr Lerch, der Vorsitzende der Ortsgruppe Pforzheim trefflicher Leitung stimmungsvolle Männerchöre („Frühlingslied" und des Vergnügungs-Ausschusses, begrüßte die Anwesenden

von Kempter, „Prinz Eugen“ von Löwe, Hildegund" von mit herzlichen Ausführungen und stellte in deren Mittelpunkt Techritz, „Im Feld des Morgens früh“ von Burkhardt und als Parole für die Grossisten das Kaiserwort: „Vorwärts! „Wie die wilde Rus’“ von Meyer) mit feiner dynamischer Volldampf voraus!“ Er schloß mit einem Hoch auf Kaiser Schattierung und erntete dafür reichen, verdienten Beifall. Wilhelm II. Herr Baumert dankte für den Willkommensgruß. Nicht minder wurde derselbe den Herren Kammerer, August Das geeinte Deutschland sei das schöne Vorbild für alle die Schmitt und Fritz Gerwig zuteil, welche mit kraftvoller, zahlreichen Einheitsbestrebungen unter den Berufsgenossen sonorer Stimnie und gemütvollem Ausdruck Lieder von Löwe, gewesen, die nun auch unter den Grossisten eine Einigung Rieß, Schmitt, Plüjelmann usw. zum besten gaben. Allen herbeigeführt hätten. Fest schlössen sich die Ortsgruppen

musikalischen Mitwirkenden brachte Herr Baumert in schwunganeinander. Pforzheimer Intelligenz und Schaffenskraft habe

vollen Worten den Dank aus. Herr Kammerer erwiderte, die hiesige Ortsgruppe so schön aufblühen lassen, aber vor und schloß sich dann an seine Kundgebungen ein „Sängergruß“ allem auch der gnädige Schutz des Landesherrn, der der Pforz an. Die Szene „Aus einer Pforzheimer Bijouterie-Fabrik“ (ein heimer Industrie sein volles Interesse entgegenbringe. Redner lustiges Marionettenspiel), sowie die „Nr. 1 der Erfreulichen endete mit einem Hoch auf den Großherzog von Baden. Der Mitteilungen“, mit dem Gründungsprotokoll, nach der Melodie Vorsitzende des „Verbandes Deutscher Juweliere, Gold- und „Als die Römer frech geworden“, ließen auch den Humor zu Silberschmiede“, Herr Fischer-Berlin, wies darauf hin, daß

seinem Rechte kommen. Noch manch heiteres und ernstes dieser Verband eigentlich den Grossisten - Verband aus der Wort wurde vom Stapel gelassen und im ungezwungenen Taufe gehoben habe. Der Zusammenschluß der Goldschmiede Meinungsaustausch manche alte Freundschaft erneuert, manche habe dem der Grossisten als Vorbild gedient. Verschieden seien neue angeknüpft, so daß sich erst früh am Morgen die Reihen ja die Interessen der einzelnen Verbände, wenn sie auch einig in der Teilnehmer lichteten. der Förderung des Edelmetallgewerbes seien. Der Grossisten

2. Geschäftliche Sitzung am Sonntag Vormittag.

Die erste geschäftliche Sitzung fand unter Ausschluß der Öffentlichkeit am Sonntag Vormittag im Kaufmännischen Vereinshause statt. Herr Gattner dankte zunächst für die ihm und den übrigen Ehrengästen gewordene Einladung zur Sitzung und wünschte den Tagungen einen glücklichen Verlauf. Sodann erstattete der Vorsitzende, Herr Baumert-Leipzig, den Geschäftsbericht. Er warf einen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte des Grossistenverbandes, der am 12. und 13. August in Leipzig gegründet wurde und heute 96 Mitglieder zählt. Aus der Tätigkeit des Verbandes ist folgendes hervorzuheben: In Gemeinschaft mit dem Uhrengrossisten-Verband und dem Verband der Juweliere, Gold- und Silberschmiede Deutschlands wurde die Hausierfrage, der Handel auf Messen und Märkten, sowie namentlich die Frage der Regelung des Ausverkaufswesens behandelt. Der Entwurf, den Herr Wilhelm Fischer, teilweise unter Anlehnung an den österreichischen Entwurf, ausgearbeitet hat, ist an die gesetzgebenden Körperschaften abgegangen. Eingehend beschäftigte man sich ferner mit der Konkurrenz der Fabrikanten, welche direkt an die Detailleure verkaufen, und einer anzufertigenden Liste, welche deren Namen enthält. Ferner mit der Regelung der Preise für Kleinsilberwaren, auf Anregung des Herrn Wilhelm Müller-Berlin mit der Versicherung der Reiselager, sodann mit der Leihhausfrage, dem Übelstand der dreimaligen Mustervorlage, der unlauteren Annoncen und der Annoncen mit Preisangabe in der Fachpresse, welche in dieser Beziehung ein dankenswertes Entgegenkommen gezeigt habe. Auch die Ramschwaren-Angelegenheit wurde besprochen. Die Probierstelle ist leider noch nicht so benutzt worden, wie zu wünschen wäre. Die Mißstände bei Auswahlsendungen, Skontobewilligungen, Insolvenzen usw. sind ebenfalls zur Beratung gekommen. Von den „Vertraulichen Mitteilungen“ wurden sieben Nummern herausgegeben. Die Hamburger Mitglieder haben sich zu einer Ortsgruppe zusammengeschlossen. Herr Baumert wies darauf hin, daß verschiedene der angeschnittenen Fragen auch auf der Tagesordnung des Verbandes stünden. Er schloß mit einem Dank an alle, welche tatkräftig mitgcarbeitet haben, und insbesondere an die Ortsgruppe Pforzheim und deren Vorsitzenden, Herrn Lerch.

Den Kassenbericht erstattete Herr Theodor FuhrmannLeipzig. Geschäfts- und Kassenbericht wurden genehmigt. Zu Revisoren wurden die Herren Gliß und Vahl ernannt. Während der nun folgenden Neuwahlen übernahm Herr DrechslerGörlitz den Vorsitz, der die Tätigkeit des Herrn Baumert als Vorsitzenden in beredter Weise schilderte und seine Wiederwall empfahl. Die Versammlung sprach ihren Dank an Herrn Baumert durch Erheben von den Plätzen aus.

Es wurden in den Vorstand gewählt: Herr Baumert als erster Vorsitzender, Herr Drechsler als zweiter Vorsitzender, Herr O. Kamper sen. - Leipzig als erster Schriftführer, Herr Robert Schmidt-Berlin als zweiter Schriftführer und Herr Theodor Fuhrmann als Schatzmeister.

In den Ausschuß wählte man die Herren C. W. Pickelein, Wilhelm Levin, Georg Lerch, W. Behrens, Oskar Unverferth, G. L. Müller-Hamburg und J. Sturm (Sturm & Hirzel).

Die Gewählten nahmen an.

Der nächste Gegenstand der Tagesordnung betraf die außerordentlich wichtige

Festsetzung von Fristen für Auswahlsendungen.

Als Referent weist Herr Pickelein auf den schweren Schaden hin, der für die Grossisten aus dem langen Zurückbelialten der Auswahlsendungen entsteht. Namentlich um die Weihnachtszeit komme trotz aller Reklaniationen nichts zurück, also gerade zu einer Zeit, wo man die Ware am besten absetzen könne, und nach den Feiertagen habe man dann oft die

ganze Sendung wieder auf dem Halse. Der Vorstand empfahl eine Resolution dahin, daß auf den Fakturen eine Bestimmung angebracht werde, wonach Auswahlsendungen, welche innerhalb von 14 Tagen nicht zurückgesandt werden, für fest zu behalten sind und nicht zurückgenommen werden. Bei Weihnachtsauswahlsendungen ist stets ein Drittel fest zu behalten, der Rest spätestens bis 8. Januar zurückzusenden. Über diese Frage entspinnt sich eine lebhafte Debatte. Herr Nicolai-Pforzheim warnt vor allzu schroffem Vorgehen. Er schlägt folgendes vor: Es wird den Grossisten empfohlen, Mahnbriefe zu erlassen, in denen ersucht wird, die Ware nach getroffener Auswahl innerhalb 14 Tagen zurückzusenden, da andernfalls angenommen wird, daß die Sendung fest behalten wird. Bei Weihnachtsauswahlsendungen soll um recht baldige Retournierung ersucht werden, da sonst der größte Lagerbestand nicht hinreiche, um allen Wünschen gerecht zu werden. Herr Gliß warnt vor schroffem Vorgehen. Nach zehn Tagen schicke er eine gedruckte Mahnkarte, in der er um Entscheidung und Rücksendung des Nichtpassenden ersuche. Nach einigen Tagen folge eine zweite usw., bis die Sache erledigt sei. Damit habe er gute Erfahrungen gemacht. Um die Weihnachtszeit sollten überhaupt nicht so viel Auswahlsendungen gemacht werden, und solle dann sofortige Entscheidung und Rückgabe verlangt werden. Im übrigen müßten die Kunden individuell behandelt werden. Herr Handelskammerpräsident Meier weist darauf hin, daß solche Vorschriften auf der Faktura unverbindlich seien, es müßten Vereinbarungen vorher getroffen werden. Herr Wilh. FischerBerlin meint, daß man sich darauf beziehen müsse, daß es im Handel zwischen Grossisten und Detailleuren orts- und handelsbräuchlich sei, daß bei Auswahlsendungen binnen 14 Tagen Entscheidung und Rücksendung zu erfolgen hat. Herr Handelskammerpräsident Meier entgegnet, daß ja eben leider dieser Handelsbrauch noch nicht bestehe und daß es darauf ankomme, erst einen solchen herauszubilden. Herr Levin-Braunschweig meint, daß eine Mahnung mit dem Hinweis, daß von bestimmtem Zeitpunkt ab die Ware als fest gekauft gelte und fakturiert werde, in den meisten Fällen genügen werde. Herr LevingerPforzheim ist auch der Meinung, daß das Aufkleben in die Augen fallender Zettel auf die Fakturen Nutzen schaffen werde. Herr Stöffler-Pforzheim meint, daß in dieser Frage die Grossisten und Detailleure gemeinschaftlich vorgehen müßten. Man müsse sich auch fest binden, die Termine einzuhalten, denn sonst würde der im Vorteil sein, der sich nicht an dieselben halte. Herr Pickelein regt an, daß der in dieser Beziehung gefaßte Beschluß auch Nichtmitgliedern bekannt gegeben werden soll. Es wird schließlich der Vorschlag des Herrn Nicolai angenommen. Punkt 6 der Tagesordnung betraf

Maßnahmen gegen Schleuderer und wurde vertraulich behandelt. An der Debatte nahmen die Herren Pickelein, Baumert, Drechsler, Levinger, Syndikus Hermann Pilz, Weil, W. Stöffler usw. teil. Auch Punkt 7 der Tagesordnung

Stellungnahme gegen Fabrikanten, welche Detailleure besuchen, wurde vertraulich behandelt. Es sprachen dazu die Herren Drechsler, Levinger, Weil, W. Stöffler usw. Punkt 8 der Tagesordnung betraf die

Manifesten- und Protestliste. Der Antrag des Vorstandes, der von Herrn Drechsler sehr eingehend begründet wurde, ging dahin: Die Mitglieder verpflichten sich, dem Vorstand die Namen derer bekannt zu geben, welche Waren versetzen, Wechsel protestieren oder den Manifestationseid geleistet haben. Herr Drechsler weist darauf hin, daß ge

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