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I. Verbandstag der Grossisten des Edelmetallgewerbes 1906.

In den Mauern Pforzheims soll in den Tagen des 14., 15. und 16. Juli die Jahresversammlung des Verbandes deutscher Grossisten stattfinden, und wir werden uns freuen, bei dieser Gelegenheit recht viele unserer Herren Kollegen und Geschäftsfreunde bei uns zu sehen. Die Beziehungen, welche Pforzheim mit allen deutschen Grossisten hat, sind so vielseitige und so enge, daß alle Besucher unserer Stadt einer herzlichen Aufnahme gewiß sein können.

Am Begrüßungsabend, Sonnabend, den 14. Juli, werden wir unsere Gäste durch eine gesellige Unterhaltung erfreuen, wozu der Männergesangverein in Pforzheim in freundlichster Weise seine Mitwirkung zugesagt hat.

Sonntag, den 15. Juli, vereinigen wir alle Teilnehmer am Verbandstag, nach Schluß der Verhandlungen, zu einem Festmahle im Saalbau, an welches sich ein Konzert im Stadtgarten anschließt, ausgeführt von einer renommierten Kapelle.

Montag, den 16. Juli, wollen wir unsere Gäste nach Wildbad führen, dem herrlich gelegenen, weltberühmten Schwarzwaldbad, in dessen Enzanlagen ein Konzert der Kurkapelle stattfindet, und wo Gelegenheit geboten ist, sich in den ozonhaltigen Kiefernadelwaldungen zu ergehen.

So hoffen wir unseren lieben Gästen den Aufenthalt in Pforzheim recht angenehm zu machen und möchten allen Interessenten zurufen:

„Auf nach Pforzheim!“

Der Verbands-Ausschuß.

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Für den 1. Verbandstag der Grossisten des Edelmetallgewerbes, der vom 14.–16. Juli in Pforzheim stattfinden wird, ist folgendes Programm aufgestellt worden: Sonnabend, den 14. Juli, vormittags 11 Uhr: Vorstands- und Ausschuß-Sitzung, nachmittags 4 Uhr: Vertrauliche Vorbesprechung, abends 8 Uhr: Offizielle Begrüßung und Bankett. Sonntag, den 15. Juli, vormittags 10 Uhr: Verbands-Sitzung unter Ausschluß der Öffentlichkeit. 1. Geschäftsbericht der Zentralvertretung. Referent: Herr Baumert. 2. Kassenbericht. 3. Neuwahl. 4. Satzungsänderungen. Referent: Herr Oskar Unverfehrt-Bromberg. 5. Festsetzung von Fristen für Auswahlsendungen. Referent: Herr Pickelein-Elberfeld. 6. Vertraulicher Antrag in Sachen

Schleuderer. Referent: der Vorige. 7. Stellungnahme gegen Fabrikanten, welche Detailleure besuchen. Referent: unbestimmt. 8. Manifestanten- und Protestliste. Referent: Herr DrechslerGörlitz. 9. Konkurs, Akkord und Rechtsschutz. Referent: der Vorige. 10. Beschluß über Zeit und Ort des nächsten Verbandstages. Nachmittags 3 Uhr: Diner im kleinen Saale des Saalbaues. Nachmittags 5 Uhr: Stadtgartenkonzert. Montag, den 16. Juli, vormittags 9 Uhr: Öffentliche Sitzung für alle Interessenten. 11. Regelung der Vorlage neuer Muster. Referent: Herr Baumert-Leipzig. 12. Reform der Preise für Kleinsilberwaren. Referent: unbestimmt. 13. Anbahnung einer Vereinbarung über die Verwertung von Ramschware. Referent: unbestimmt. 14. Antrag: Alljährlich eine gemeinschaftliche Konferenz der Vertreter aller größeren Verbände des Edelmetallgewerbes zu veranstalten. Referent: Die Zentralverwaltung. 15. Musterschutz. Referent: Arbeitgeberverband. 16. Ein Zusammenschluß mit den übrigen Verbänden des Edelmetallgewerbes in Versicherungsangelegenheiten. Referent: Herr Leppert-Pforzheim, für den dortigen kaufmännischen Verein. 17. Bekanntgabe und Besprechung verschiedener Anträge. Referent: Die Zentralverwaltung. Mittags 12% Uhr: Diner im Hotel Post. Nachmittags 2 Uhr 32 Minuten: Abfahrt nach Wildbad, dort gemeinsames Abendessen. Abends 8 Uhr 8 Minuten: Rückfahrt. Dienstag, den 17. Juli, sind Fabrikbesichtigungen und eventuell ein Ausflug in Aussicht genommen.

Außer den in die Tagesordnung aufgenommenen Anträgen gingen noch eine ganze Anzahl andere ein, die jedoch nicht mehr alle zur Beratung kommen können, nämlich:

Den Geschmack des kaufmännischen Personals durch Zeichenunterricht und Unterweisungen in der Formenlehre zu bilden. – Stellungnahme zur Sonntagsruhe. – Stempelung der Doubléware. – Stellungnahme zum Musterschutz. – Stellungnahme zum metrischen Karat. – Stellungnahme gegen Fabrikanten, die an Warenhäuser liefern. – Die Fabrikmarke als Verräterin der Bezugsquellen. – Beschränkung der Skontogewährung auf eine bestimmte Frist. – Schaffung einer „schwarzen Liste“. – Einteilung des Verbandes in gesonderte Interessengruppen nach Gegend, Genre, Kundschaft usw. – Vereinbarung mit der Fachpresse, in keinem Falle Preise mit offenen Zahlen mehr aufzunehmen. – Regelung der Funktionen der Verbands-Probierstelle.

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Über die neueste Entwicklung der Bijouterie-Industrie in Pforzheim.

Unter Benutzung des Berichtes der Handelskammer für den Amtsbezirk Pforzheim 1905.

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dieser Umstand wohl nicht unwesentlich zur Erhöhung der Einund Ausfuhr beigetragen haben. Auch der Gold- und Silberwarenindustrie, unserer Hauptindustrie, kam die Besserung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage erfreulicher Weise zu statten, so daß der Umsatz sowohl auf deutschem wie auf dem überseeischen Markt eine nicht unerhebliche Vergrößerung erfahren durfte. Bedauerlich hierbei war nur das Zusammentreffen vieler größerer Aufträge auf die Monate Oktober 1905 bis Januar d. Js, in welcher Zeit es den meisten Fabrikanten schwer wurde, allen Anforderungen gerecht zu werden. Nur mit Anspannung aller Kräfte und unter Inanspruchnahme von Überstunden war es möglich, die eingehenden Bestellungen ausführen zu können. Es wäre sehr wünschenswert, wenn die Bijouterie-Industrie den ihr anhaftenden Charakter eines Saisongeschäftes mehr verlieren und die Aufträge von der Kundschaft gleichmäßig eingehen würden, dann würde es erheblich leichter sein, allen Ansprüchen in bezug auf pünktliche und gute Lieferung gerecht zu werden. Leider war das finanzielle Ergebnis kein sehr günstiges. Die durch den ständigen Wechsel der Mode bedingte Steigerung der Geschäftsunkosten, die erhebliche Preissteigerung der Rohmaterialien und Edelsteine wie auch die Erhöhung der Arbeits

arbeitet wie die einheimische und deshalb eine nicht unempfindliche Konkurrenz bedeutet. Auch nach der Türkei und Griechenland bewegte sich der Absatz in ruhigen Bahnen, woran wohl die innerpolitischen Zustände in diesen Ländern mit am meisten Schuld sein mögen. Nach Österreich-Ungarn war das Geschäft ein ziemlich lebhaftes und wäre noch besser gewesen, wenn sich der österreichungarische Staat ruhiger innerpolitischer Verhältnisse hätte erfreuen können. Belgien, Holland, Schweiz und Rumänien haben sich nach und nach zu guten Abnehmern herausgebildet, der Umsatz hat erheblich zugenommen, dagegen hat das Geschäft nach Bulgarien und auch nach Frankreich einen kleinen Rückgang zu verzeichnen. Was den überseeischen Markt anbelangt, so darf wohl behauptet werden, daß derselbe ein sehr lohnendes Absatzgebiet für die gesamte Bijouterie-Industrie bedeutet. Nach fast allen Staaten ist eine Vermehrung des Absatzes zu verzeichnen gewesen mit Ausnahme von den Vereinigten Staaten von NordAmerika, wohin ein Arbeiten der deutschen Industrie wegen der enorm hohen Zollsätze fast unmöglich geworden ist. Leider haben sich die Hoffnungen, die man auf den Abschluß des Handelsvertrages bezw. Ermäßigung der amerikanischen Prohibitivzölle bei dieser Gelegenheit setzte, nicht erfüllt und so wird

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der Absatz unserer Bijouterie-Erzeugnisse nach diesem Lande bis auf weiteres wohl auch belanglos bleiben.

Um ein anschauliches Bild von der Zunahme des Absatzes in der Bijouteriebranche zu geben, folgt hier nach dem Bericht für 1905 der Handelskammer für den Amtsbezirk Pforzheim eine Zusammenstellung der Ausfuhrwerte, wie solche von Sachverständigen geschätzt wurden.

A) Waren aus edlen Metallen: 1905.
(Die Zahlen des Jahres 1904 werden zum Zwecke des Vergleichs beigefügt.)

Übertrag:

Brit.–Südafrika (Kapkolonie usw.).
Brit.-Westafrika . . . . . . .
Deutsch-Ostafrika
Deutsch-Südwestafrika - -
Deutsch-Westafrika (Kamerun, Togo)
Franz.-Westafrika - - - -
Liberia

Marokko . - - - - - -
Portug.-Ostafrika (Moçambique)

1004 1905 -
Nach: für Mk.: für Mk.: Tunis . . . . . .

Freihäfen Hamburg, Cuxhaven . 15 000 15300 Brit. – Ostindien
Helgoland, Zollausschluß . 8700 9600 Aden usw.
Bad. Zollausschlüsse 300 600 Ceylon . . . . . . . . .
Belgien - 2248 000 4001200 Brit.-Malakka (Singapore usw.)
Bulgarien . . . . . . . 65 000 127 000 China . . . . . . . . . .
Gibraltar, Malta, Cypern . 222 600 279000 Hongkong

Schernenturm

Schelmenturm. Altes Stadtbild aus Pforzheim.

Dänemark - - - - - - - - 1552980 1 631 000
Frankreich (ohne Algier und Tunis). 5612800 4980800
Griechenland 163800 189800
Großbritannien 7959000 6886200
Italien . - - - - 5838500 6695 000
Niederlande . . . . .. 3510 000 3725800
Norwegen - 909 600 1 080 000
Österreich-Ungarn 10404990 10830410
Portugal 1 190 000 1 463 000
Rumänien - - - - 585 000 768 000
Rußland (ohne Finnland) . 8258250 7348 250
Finnland . - - - - 374 000 618 000
Schweden 1 284 000 1 373.000
Schweiz 3368400 3966400
Serbien 24 600 25500
Spanien - - - - - - - - - 4 410 000 4 166 000
Türkei in Europa (auch Montenegro) 1 026 000 1 1 15 000
Türkei in Asien 27 000 64 200
Ägypten 1 765 000 2087 000
Algier . * - - - - - - 12 000 48 000
Brit.-Ostafrika (Sansibar usw.). 1 000 4500

Übertrag: 60836520 63498560

Kiautschau

Franz.-Indien

Japan -
Niederl.-Indien

Persien

Siam

Philippinen

Argentinien .

Bolivien

Brasilien . -
Brit. -Nordamerika
Brit.-Westindien

Chile

Columbien

Costarica .
Dän. Amerika . * -
Dominikanische Republik .
Ecuador .

Guatemala - - - - -
Honduras, Nicaragua, Salvador
Mexiko

Übertrag:

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1904

für Mk.: 78 000 3000 9 000 1 447 500 31 500 50 000 730 000 2 235 000 97 500 Z990 000 693 (00 904 000 308000 1980 000 270 000 347 500 1950 000 288 000

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120 000 21 000 1 510 000 36 000 50 000 1 015 000 3130 000 103 500 4470 000 807 000 1 128000 305 000 2035 000 272.500 413 000 2430 000 357 000

Übertrag: 1541200018203000

Finfland .

*) Hierunter für ca. 5000 000 Mk. Platingeräte für chemische Zwecke usw.

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Brit-Ostindien ". . . .

Ceylon . . . .

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Brit-Malakka (Singapore usw).

China

Hongkong

Kiautschau

Franz.-Indien
Japan . . . .
Niederl.-Indien

Persien

Siam

Philippinen .
Argentinien .

Bolivien

Brasilien . -
Brit.-Nordamerika
Brit.-Westindien

Chile

Columbien

Costarica - - - Dominikanische Republik . Ecuador

Guatemala

Honduras, Nicaragua, Salvador

Mexiko -
Niederl.-Amerika .
Paraguay .

Peru - - - -
Cuba. Portorico . . . ,

Übertrag:

Übertrag:

15412.000
724 000
1 560000
40000
1450 000
276 000
150000
756 000
18000
330 000
80 000
10 000
75 000
35 000
60 000
10 000
30 000
5000
732 000
21 000
93 000
235 000
100000
40 000
5000
10 000
519 000
60 000
35 000
40 000
1998000
24 000
1 596000
120 000
36 000
595 000
305 000
30000
5000
45 000
75 000
45 000
714 000
15 000

18203000 940000 1860 000 40 000 1 340 000 269500 168 000 777 000 375 000 84 000 50 000 55 000 21 000 58500 10 000 30 000 10 000 882000 48000 94 500 370 000 90 000 40 000 10 000 35 000 496000 30 000 40000 75 000 3906000 48000 1 752000 84 000 24 000 660 000 114 000 40 000 10 000 35 000 155 000 45 000 686000 10 000 10 000 280000 448000 34808500

Kupferhammer und Würmtal bei Pforzheim.

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Übertrag: 29184000 34808500

Uruguay 344 000 1 022 000 Venezuela - - 160 000 176000 Verein. St. v. Amerika . 824 000 857500 Brit.- Austalien . 108000 164 000 Deutsch-Australien . 40 000 4 000 ZuSammen: 30 660 000 37 032000

Die Ausfuhr dieser Waren ist also gegen das Vorjahr um 6372000 Mk. gestiegen.

Fabrikanten behufs Vereinbarung einheitlicher entsprechender Preise zum Ziele führen möchten. 3. Die Doublékettenfabrikation arbeitete befriedigender und war mit Aufträgen gut versehen, auch die Preise hielten sich dank der bereits bestehenden Vereinbarung einheitlicher Preise unter den Fabrikanten besser. 4. Die Ringfabrikanten hatten ebenfalls genügend zu tun, sie arbeiteten indessen sehr schwer, da eine der Steigerung der Arbeitslöhne und Rohmaterialien entsprechende Erhöhung der Verkaufspreise nicht zu erzielen war.

Denkmäler der Markgrafen von Baden im Chor der Schloßkirche.

Über die Entwicklung der einzelnen Zweige der Bijouteriebranche ist folgendes zu sagen:

1. Silberne Ketten. Bei ziemlich reger Nachfrage und dem gegen früher gesteigerten Absatz war von einem entsprechenden Verdienst nicht die Rede, da die Verkaufspreise in keinem Verhältnis zu den, durch die erhöhten Arbeitslöhne und den bedeutend höheren Silberpreis gesteigerten Produktionskosten standen.

2. Das Geschäft in goldenen Ketten war im Anfang des Jahres 1905 ruhig, dagegen war die Nachfrage in den letzten Monaten des Jahres 1905 und zu Anfang 1906 bedeutend, so daß die eingehenden Aufträge nur mit Anspannung aller Kräfte erledigt werden konnten. Das Frühjahrsgeschäft war dann wie gewöhnlich wieder etwas ruhiger. Auch für diesen Zweig sind die Preisverhältnisse nicht normal und wäre es nur zu wünschen, daß die Bemühungen, einen Zusammenschluß der betreffenden

Dieselben bedauerlichen Umstände traten auch in 5. der Fabrikation feiner Gebrauchsgegenstände aus Gold und Silber, wie Federhalter, Crayons, Stock- und Schirmgriffe usw. zu Tage. Der Umsatz dürfte hier kaum größer gewesen sein als im Jahre 1904, da die Konkurrenz sehr groß ist und oft zu Preisen gearbeitet wurde, die kaum die Unkosten decken konnten. In Bijouterie kouranten Genres hat sich der Umsatz vergrößert, dagegen hat die Nachfrage nach Emailbijouterie namentlich auf deutschem Markte bedeutend nachgelassen. Der Bedarf in Boutons, Knöpfen, Medaillons und Phantasieartikeln war größer wie in den Vorjahren und hatten die Geschäfte hierin gut zu tun. Aus allem Vorhergesagten ist zu ersehen, daß sich die Schmuckwarenindustrie Pforzheims, wenn auch mit manchmal schwierigen Verhältnissen kämpfend, immer weiter entwickelt; möge ihr eine noch bessere Zukunft beschieden sein!

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