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überaus schwer fallen, mit denen fertig zu werden, die unser aller schwer zu überwindende Gegner sind.“ Diese Worte klingen viel tröstlicher und aufmunternder, als das, was wir in letzter Zeit wiederholt, gerade von ministerieller Stelle aus, über die Zukunft des Handwerkes hören mußten. Minister Delbrück weist mit Recht auf das Zusammenarbeiten von Industrie und Handwerk hin, während man sonst leider oftmals der Anschauung begegnet, als ob die Pflege und Förderung des deutschen Handwerks ein überwundener Standpunkt sei, als ob die Industrie die alleinige Beherrscherin des produktiven Wirtschaftslebens werden müsse und zum Teil schon geworden sei. Nicht feindlich sollen sich Industrie und Handwerk gegenüberstehen, sondern nach den Anschauungen des preußischen Handelsministers einander ergänzend zusammenarbeiten. Es ist dem Handwerke so viel überlassen, was industrielle Unternehmungen nicht zutage fördern können. Auch in unserer Branche ist das der Fall. Wo es sich nicht um schablonenhafte Massenartikel handelt, sondern um eine individuelle Arbeit, die einem ganz besonderen Zwecke angepaßt werden muß, da wird der Meister der Werkstatt selbstverständlich dem Fabrikbetrieb überlegen sein. Darin liegt das Schwergewicht des Handwerks, daß es von Fall zu Fall schafft, während die Großindustrie für die Bedürfnisse des Großhandels auf besondere Wünsche einzelner nicht Rücksicht nehmen kann, sondern die Allgemeinheit ins Auge fassen muß. Will das Handwerk aber prosperieren, so muß bei der Ausbildung des jungen Handwerkers auf eine möglichst umfassende Kenntnis und Fertigkeit im Fache, eine volle Beherrschung der Technik, ein selbständiges Disponieren und Kalkulieren gesehen werden, denn ohne diese Gaben wird auch der beste Handwerksmeister, der geschickteste Goldschmied nicht vorwärtskommen. Die sorgfältige Kalkulation, die wir in den großen industriellen Etablissements überall als eine Hauptaufgabe behandelt sehen, muß auch in der Werkstatt noch mehr gepflegt werden als es bisher der Fall war. Welche Ursachen werden heutzutage für den Niedergang des Handwerks angeführt? In erster Linie die Gewerbefreiheit mit ihren Auswüchsen und das Erlöschen des alten ZunftwesenS. Das freie, ungehemmte Spiel der wirtschaftlichen Kräfte, nur gebunden an die allgemeinen Gesetze der Moral, wie Fr. Richter in einem Vortrage über die Handwerkfrage im Chemnitzer Handwerkerverein sagte, die ungehinderte Bewegung des Kapitals und der Arbeitskräfte haben zweifellos dem Handwerk geschadet, denn für die Erfolge war plötzlich nicht mehr die persönliche Tüchtigkeit, sondern die Kapitalkraft ausschlaggebend. Aber die Gewerbefreiheit war es nicht allein, welche die Schuld an den veränderten Verhältnissen trug. Die Verschiebung der Bevölkerung trug auch das ihrige dazu bei. Das Anwachsen einzelner Ortschaften zu Großstädten brachte es mit sich, daß dort ein Massen bedarf eintrat, den der Handwerker nicht mehr befriedigen konnte. Der Konzentration und Verdichtung des Konsums konnte eben nur die Industrie gerecht werden. Das brauchte aber zu keiner völligen Verdrängung des Handwerks zu führen. Das Zurückgehen ganzer Handwerksbetriebe auf das Reparaturgewerbe mit Ladengeschäft ist eine beklagenswerte Erscheinung. Auch in unserem Kunstgewerbe sehen

wir mit Leidwesen die echte schöne Werkstattarbeit zurückgehen, obwohl sie neben unserer so mächtig aufgeblühten Industrie wohl bestehen könnte. In solcher Zeit ist ein Wort, wie es Minister Delbrück gesprochen hat, wohl beachtenswert. Wir wollen uns im Kleingewerbe, im Kreise des Mittelstandes, nicht mit dem schlechten Troste abfinden, daß „die Entwicklung der menschlichen Kultur sich regelmäßig auf Kosten einzelner vollzieht, über welche das Rad des Fortschritts hinwegrollt, sie leider zermalmend, aber zum Heile und Wohle der Gesamtheit“. Wir würden im Gegenteil diese Zermalmung für einen sehr schweren Schaden unserer nationalen Entwicklung halten, einen Schaden, den andere Völker bereits an ihrem Leibe gespürt haben. Von diesem Gesichtspunkte mag auch Minister Delbrück ausgegangen sein, als er jene goldenen Worte sprach. Unser Kunsthandwerk bewegt sich auf einem Arbeitsfeld, auf dem die menschliche Hand wohl durch Maschinen unterstützt, aber niemals ersetzt und ganz verdrängt werden kann. Das ist gerade in unserem Gewerbezweige das Tröstliche, daß hier immer Handwerk und Industrie sich die Hand reichen müssen, um die Gebilde zu schaffen, welche heute unserer vaterländischen Produktion zum Ruhme gereichen. Das Zusammenarbeiten von Industrie und Handwerk, das der preußische Handelsminister so nachdrücklich betont hatte, ist gerade für uns von erhöhter Bedeutung. Soll aber dieses Zusammenarbeiten zu einer Kräftigung des Handwerkes führen, so muß auch auf Seiten der Regierung dem deutschen Handwerke der nötige Schutz werden. Daß es in letzter Zeit in dieser Hinsicht besser geworden ist, müssen wir dankbar anerkennen, wenn auch noch immer viel zu wünschen übrig gelassen worden ist. Auch die großen Arbeitgeberverbände können viel zur Förderung von Gewerbe und Industrie beitragen. In erster Linie liegt es ihnen dabei ob, das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in einer Weise zu regeln, welche den fortwährenden Beunruhigungen der Erwerbstätigkeit ein Ziel setzt. Handwerk und Industrie müssen beide im Arbeitgebertum so organisiert sein, daß sie dem Arbeitnehmer gegenüber zu jedem Kampfe gerüstet dastehen, einem Kampfe, dem freilich der Friede vorzuziehen ist. Es gilt aber auch hier das Wort: „Si vis pacem, para bellum“, wenn du Frieden haben willst, sei zum Kriege vorbereitet! Die Arbeitgeber müssen in ihrer Organisation ebenso machtvoll werden, wie die Arbeitnehmer! Dann werden die großen Fragen der Tarifgemeinschaften, Tarifämter, Regulierung von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkte, Bemessung der Löhne, Bildung von Genossenschaften und Syndikaten, Regulierung der Produktion usw., viel glücklicher gelöst werden. Das sind Fragen, in denen aber auch nach Delbrücks Worten Industrie und Handwerk zusammenarbeiten können. Wir freuen uns dieses Ministerwortes, das an ein anderes Wort Prof. Büchers erinnert, der gesagt hat: „Es ist ein köstliches Ergebnis aller ernsteren Geschichtsbetrachtung, daß kein, einmal ins Leben der Menschen eingeführtes Kulturelement verloren geht, sondern daß jedes, auch wenn die Uhr seiner Vorherrschaft abgelaufen ist, mitzuwirken fortfährt an dem großen Ziele, an das wir alle glauben, dem Ziele, die Menschheit den vollkommeneren Daseinsformen entgegenzuführen.“ P.

Staatsminister Dr. von Otto und die Existenzberechtigung von Kleinhandel und Kleingewerbe.

Auch Minister entgleisen. Nicht nur andere Sterbliche ohne Portefeuille. Zu den neuesten Entgleisungen gehört die Rede des Braunschweigischen Staatsministers Dr. von Otto in

der Braunschweigischen Landesversammlung, die auch in den Kreisen der deutschen Goldschmiede einen energischen Protest herausfordert. Der deutsche Handwerks- und Gewerbevereinstag hatte bekanntlich den Landtag ersucht, den Staatsbeamten durch Gesetz zu verbieten, sich an der Verwaltung von Erwerbsgesellschaften, insbesondere Konsumvereinen und Konsumanstalten, zu beteiligen, und die Landtagskommission hatte anheimgegeben, diese Petition der Staatsregierung zur Prüfung und eventuellen weiteren Veranlassung zu unterbreiten. Der Abgeordnete Kleye führte als Referent aus, daß die kleineren und mittleren Geschäftsleute durch derartige Vereine und Anstalten schwer geschädigt würden. Die Staatsbeamten, welche in wirtschaftlich sicheren und auskömmlichen Verhältnissen sich befinden, hätten keine Veranlassung sich an solchen Vereinen zu beteiligen, welche eine ganze Bevölkerungsschicht in ihrer Existenz bedrohe. Der Abgeordnete Nieß wies darauf hin, daß ein braunschweigischer Finanzbeamter für einen Sonntag einen sogenannten „Einkaufstag“ angesetzt habe. Die braunschweigischen Beamten beteiligten sich also in führender Weise an solchen Manövern, welche den soliden Kleinhandel und das Kleingewerbe bedrängten. Jetzt geschah das Wunderbare, was Ibsens „Nora“ vergeblich erwartet. Es wurde ein großes Wort gelassen ausgesprochen. Der es aussprach, war der Braunschweigische Staatsminister Dr. von Otto. „Inwiefern haben denn diese Mittelglieder im Handels„verkehr, die kleinen Kaufleute und Gewerbtreibenden, noch „dieselbe Berechtigung wie früher? Die Verkehrsverhältnisse „sind total verändert. Es ist sehr wohl möglich, daß unsere „Zeitentwicklung dahin führen wird, diese Zwischenexistenzen „im Handel zu beseitigen. Mit der Zeit müssen sie eben „dazu übergehen, ihren Erwerb auf andere Weise zu „suchen.“ Was sagen die braunschweigischen Ladengoldschmiede dazu? Was hat der deutsche Goldschmied darauf überhaupt für eine Antwort? Daß eben auch Minister ihre schwache Stunde haben, wo ihnen die Gedanken mit Töff-Töff-Geschwindigkeit durchgehen. Die Entgleisungsrede Minister von Ottos darf aber nicht so ruhig hingenommen werden, denn sie trägt doch einen eminent mittelstandsfeindlichen Charakter. Eine Regierung, welche sich erst zu der volkswirtschaftlichen Anschauung aufgeschwungen hat, daß der Kleinhandel und das Kleingewerbe und damit ein wesentlicher Bestandteil unseres gesunden Mittelstandes an sich verloren sei, wird natürlich alles gehen lassen, wie es geht, und der ganze Apparat der Mittelstandspolitik wird in ihrem Kreise versagen, in die Rumpelkammer gestellt und dem Verrosten preisgegeben werden. Es ist tief beklagenswert, daß eine so ernste Frage, wie die der Beteiligung von Beamten an Konsumvereinen und verwandten Organisationen durch den braunschweigischen Minister mit der kurzen und bündigen Antwort abgetan wurde, er sei nicht in der Lage, gegen Beamte, welche sich an Konsumvereinen beteiligten, einzuschreiten, solange sie nicht ihre Dienstpflicht verletzten. Auch sei nichts dagegen einzuwenden, daß ein Beamter eine führende Stellung in derartigen Vereinen einnehme, solange er damit nicht eine Beschäftigung betreibe, die mit der Würde des Amtes unvereinbar sei. Ist es denn aber, so fragen wir, mit der Würde eines gut bezahlten, pensionsberechtigten Beamten vereinbar, daß er an Veranstaltungen sogar in leitender Stellung teilnimmt, die darauf abzielen, einem ganzen Stamm unserer Bevölkerung die kaufkräftigen Abnehmer zu entziehen und das Fortkommen zu erschweren. Wenn man allerdings als Nationalökonom ein Anhänger des Prinzipes „laisser faire, laisser aller“ ist, wie es Dr. von Otto zu sein scheint, dann kann man mit Gleichmut die Augen schließen und abwarten, was schließlich daraus wird. „Das kann man der Zukunft überlassen“, meinte der Herr Staatsminister. Nein und dreimal nein! Das kann man der Zukunft nicht überlassen! Eine Regierung hat die heilige Pflicht,

allen ihren Untertanen in ihrem Fortkommen nach Kräften beizustehen und unhaltbare Verhältnisse zu beseitigen. Noch sind wir nicht soweit, daß der deutsche Mittelstand, der im Kleinhandel und Kleingewerbe repräsentiert wird, in den letzten Zügen liegt, oder, wie es Dr. Otto so schön gesagt hat, „seinen Erwerb auf andere Weise suchen muß!“ Noch sind wir nicht soweit, daß etwa der Laden- oder Werkstatts-Goldschmied seine arbeitgeweihten Räume schließen, und sich um eine Stellung bei der Straßenbahn in Braunschweig, oder um andere schöne Positionen im Leben bemühen muß. Noch ist gerade der Mittelstand in Deutschland die festeste Stütze von Thron und Altar, und wenn erst die Tage angebrochen sind, wo vom Mittelstand ein Berufszweig nach dem anderen abbröckelt, bis schließlich der ganze Fels in Trümmer stürzt, dann werden sich die Herren Regierungsvertreter über das Fahrwasser wundern, in welches das Schiff unserer inneren Politik kommt. Dann werden sich die staatserhaltenden Parteien an Zahl geschwächt sehen, während die Umsturzpartei frohlocken wird. Daher arbeitet die Regierung verhängnisvoll, die dem Mittelstande, die dem Kleinhandel und Kleingewerbe gegenüber sich auf den Standpunkt des Gehenlassen und Geschehenlassen stellt, und ihre Aufgabe nicht vielmehr darin erblickt, dem deutschen Mittelstand Stützpunkte zu schaffen, welche zur Erhaltung seiner Existenz dienen. Die „Deutsche Goldschmiede-Zeitung“ hat schon früher darauf hingewiesen, daß mit der Aufopferung des Mittelstandes die glückliche Zeit für unser Vaterland dahin sein würde. Wir wissen, daß es Nationalökonomen gibt, die einen gegenteiligen Standpunkt einnehmen. Sie sind aber befangen in dem Glauben an die alleinige Mission des Großhandels und der Großindustrie. Das Einzige, was man der Regierung in Braunschweig abgerungen hat, war die Zusage, daß dafür gesorgt werden solle, daß bezahlte Stellen in Konsumvereinen von Beamten nicht mehr übernommen werden. Das ist herzlich wenig. Damit ist nichts getan. Minister von Otto meinte, es handle sich da um ein rein privatrechtliches Interesse der Beamten. Mit nichten! Es handelt sich um das Interesse eines großen Berufszweiges der deutschen Nation, um das Interesse weiter Kreise des Handels, um das Interesse des ganzen Mittelstandes, der in den Kleinhändlern und Kleingewerbtreibenden geschwächt wird. Wenn der Minister erklärt hat, daß die weniger gut gestellten Beamten einer solchen Vereinigung bedurften, so hat man darauf nur zu erwidern, daß der Staat seine Beamten so bezahlen soll, daß sie solcher Notanker nicht bedürfen, um sich auf Wasser zu erhalten und nicht vom Sturm fortgerissen zu werden.

Auch die total veränderten VerkehrsverhältniSS e sprechen nicht für die Richtigkeit der wirtschaftlichen Anschauungen des Herrn Staatsministers von Otto. Diese Verkehrsverhältnisse kann sich der Kleinhändler und Kleingewerbetreibende als Sachkundiger viel eher zu Nutze machen als die einzelne Privatperson. Und das Publikum? Beim direkten Bezug kauft es die Katze im Sacke. Es muß nehmen, was es bekommt. Beim Kleinhändler und Kleingewerbetreibenden kann es wählen, prüfen. Hierin liegt aber der Vorteil des Konsumenten. Es ist ein Traumgebilde, daß wirklich für das Publikum ein wirtschaftlicher Nutzen bei den Einkaufsvereinigungen herausspringt. Der Kleinhändler bekommt die billigsten Preise, weil er größere Posten beziehen kann als die Einzelnen. So sind es recht dürftige Gründe, welche der Minister vorgebracht hat, um die Berechtigung der Konsumvereine und anderer ähnlicher Organisationen nachzuweisen. Wir hegen die Zuversicht, daß auch die Braunschweigische Regierung noch einen Witterungsumschlag erleben, und sich wieder für die For“ existenz von Kleinhandel und Kleingewerbe und damit für die Aufrechterhaltung des Mittelstandes in seiner Gesamtheit er" wärmen wird.

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Bei dem Kaiserlichen Aufsichtsamte für Privatversicherung wurde Beschwerde darüber geführt, daß die Angehörigen des Goldschmiede- und Uhrmachergewerbes teils gar nicht, teils nur unter außerordentlich schweren Bedingungen Versicherung ihrer Waren und Geschäftsräume gegen Einbruchsdiebstahl finden könnten. Dabei wurde darauf hingewiesen, daß es den Anschein habe, als ob sich die sämtlichen Einbruchsdiebstahl-Versicherungs-Gesellschaften zu einer Vereinbarung zusammengetan hätten, nach der sie Goldschmiede- und Uhrmacherbetriebe nicht mehr in Versicherung nehmen wollten. Schließlich wurde angeregt, durch Vermittlung des Amtes mit den beteiligten Versicherungs-Gesellschaften ähnliche Abmachungen zu treffen, wie sie in der Feuerversicherung bezüglich der sogenannten notleidenden Risiken bestehen.

Das Aufsichtsamt hat darauf unter dem 5. Dezember 1905 den nachstehenden Bescheid erteilt:

Wenn auch nicht geleugnet werden darf, daß die Goldschmiede und Uhrmacher zumal die kleineren Gewerbetreibenden in kleineren Plätzen – ihre Einbruchdiebstahl-Versicherungen nur schwer und nicht immer zu den von ihnen gewünschten Prämien und Bedingungeu unterbringen können, so ist doch das Kaiserliche Aufsichtsamt nach eingehenden Erwägungen zu dem Ergebnisse gelangt, zurzeit von einem Eingreifen von Aufsichtswegen Abstand zu nehmen.

Vor allem handelt es sich bei der fraglichen Versicherung um einen noch jungen Versicherungszweig, bei dem die Erfahrungen noch nicht als abgeschlossen zu betrachten sind. Wenn man bedenkt, daß die Einbruchdiebstahl-Versicherung erst zu Ende der 90er Jahre in Deutschland eingeführt worden ist, wird man der Einsicht sich nicht verschließen dürfen, daß dieser Versicherungszweig sich noch in der ersten Entwicklung befindet. Es kommt hinzu, daß tatsächlich die EinbruchDiebstahl-Versicherungen der kleineren Goldschmiede und Uhrmacher einen außerordentlich ungünstigen Schadenverlauf zeigen. Der Grund dürfte darin liegen, daß diese Risiken mit besonderer Vorliebe von der Verbrecherwelt aufgesucht werden, der sie oft eine verhältnismäßig leicht zu erlangende und im allgemeinen auch leicht zu verwertende Beute bieten. Ohne hinlängliche Mittel, ihre Läden mit ausreichenden Sicherungen zu versehen, müssen sich die Inhaber der kleineren Juwelierund Uhrmachergeschäfte vielfach mit dürftigen Schutzmaßregeln begnügen. Aber auch bei besseren Schutzvorrichtungen pflegt der Anreiz, sich der Waren durch Einbruch zu bemächtigen, für den Verbrecher so groß zu sein, daß er entgegenstehende Hindernisse mit Verwegenheit beseitigt. Handelt es sich doch bei den Waren durchgängig um ohne Mühe verwertbare Gegenstände, meist Fabrikware, welche leicht unter der Hand veräußert oder verpfändet werden kann. Schließlich darf auch nicht unerwähnt bleiben, daß ein gedeihlicher Betrieb der Einbruchdiebstahl-Versicherung dadurch erschwert wird, daß nach den mannigfachen Erfahrungen der Versicherungsgesellschaften die Fälle nicht zu den Seltenheiten gehören, in denen Einbruchdiebstähle im Hinblick auf die winkende Versicherungssumme fingiert werden. Wenn solchen Verhältnissen gegenüber die Versicherungsgesellschaften Prämien und Bedingungen zur Anwendung bringen, die dem einzelnen Versicherten oft zu weitgehend erscheinen, so läßt sich dazu allgemein nicht Stellung nehmen. Es wird immer der Beurteilung von Fall zu Fall überlassen bleiben müssen, ob im Einzelfalle Prämie und Bedingungen das Maß des Notwendigen und Zulässigen überschreiten. Wie das vorgelegte Material ergibt, sind es in der Hauptsache kleinere Gewerbtreibende, die Klage über die Höhe der Prämien führen. Es erscheint aber nach dem oben Ausgeführten nicht ausgeschlossen, daß diese die Gefahr ihrer Risiken unterschätzen. Von der gleichen Seite wird über die Härte der von den Gesellschaften vorgeschriebenen Vorsichtsbedingungen geklagt. Soweit hier bekannt, betreffen diese in der Regel das dauernde Vorhandensein von Sicherungen, sei es der Geschäftsräume, sei es der versicherten Waren. Da die Klauseln je nach den örtlichen Verhältnissen in der mannigfachsten Weise wechseln, ist es unmöglich, auf die im Einzelfalle zur Anwendung gelangenden Klauseln einzugehen. Von allgemeinen Sicherheitsklauseln sind dem Aufsichtsamte namentlich folgende bekannt worden: „Die Gültigkeit der Versicherung ist dadurch bedingt, daß die Versicherungsräumlichkeiten außer der Geschäftszeit ordnungs

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mäßig verschlossen gehalten werden und die im Antrage näher bezeichneten Sicherheitsvorrichtungen stets zur Anwendung gelangen. Eine Änderung hierin ist nur mit schriftlicher Genehmigung der Gesellschaft zulässig.“ „Der Versicherte ist verpflichtet, das Unbewohnt- bzw. Unbenutzt- oder Leerwerden bisher vermietet gewesener, an das Geschäftslokal angrenzender Räume – oberhalb, unterhalb, seitlich und hinten – der Gesellschaft sofort schriftlich anzuzeigen.“ Bei Vorhandensein eines Geldschrankes wird vielfach zur Bedingung gemacht, daß die wertvolleren Gegenstände nachts in demselben verschlossen gehalten werden. Nach Lage der Verhältnisse ist das Amt der Ansicht, daß im allgemeinen an der Auferlegung dieser Bedingungen berechtigterweise nicht Anstoß genommen werden kann. Was schließlich die Annahme betrifft, daß sich die sämtlichen Einbruchdiebstahl-Versicherungs-Gesellschaften zu einer Vereinbarung zusammengetan haben, nach der sie Goldschmiedeund Uhrmacherbetriebe nicht mehr in Versicherung fehmen wollen, so haben die Ermittlungen diese Annahme nicht bestätigt. Von beteiligter Seite ist dem Amte berichtet worden, daß diese Annahme unzutreffend ist. Unseres Erachtens bleibt nichts anderes übrig, als zunächst auf dem Gebiete der Einbruchdiebstahl-Versicherung, die sich zurzeit noch mehr oder minder im Versuchsstadium befindet, die Weiterentwicklung der Dinge abzuwarten. So lange nicht größere und sicherere Erfahrungen vorliegen, kann es diesseits mit Aussicht auf Erfolg nicht versucht werden, eine Vereinbarung der beteiligten Versicherungsgesellschaften zu dem Zwecke herbeizuführen, um durch die Gemeinschaft dieser Gesellschaften besonders schweren, sonst nicht unterzubringenden (notleidenden) Risiken Versicherung zu gewähren. Inzwischen wird das Aufsichtsamt die Angelegenheit im Auge behalten. Aus Vorstehendem geht wieder deutlich hervor, wie schwer es für unsere Herren Kollegen hält, einen geeigneten Versicherungsschutz gegen Verlust durch Einbruchdiebstähle zu erlangen. Und gerade durch diese drohen unserem Berufe di meisten Gefahren. Aber die Versicherungsgesellschaften kennen die Größe des Risikos in unserem Geschäftszweig, und so hatte es fast den Anschein, als wären sie dahin übereingekommen, Goldschmiede- und Uhrmacher-Betriebe überhaupt nicht mehr annehmen zu wollen. Da ist es denn eine für uns Alle erfreuliche Tatsache, die wir gern konstatieren, daß die Stuttgarter Mit- und Rückversicherungs-Aktiengesellschaft zu liberalen und annehmbaren Bedingungen Uhrmacher, Juweliere usw. gegen Einbruch-Diebstahl versichert. (Siehe heutiges Inserat Seite 33).

Fünfte ordentliche Mitglieder-Versammlung des Vereins

der Juweliere, Gold- und Silberschmiede Württembergs am 10. Juni ds. Js. im Rathaus zu Stuttgart.

Der Vorsitzende des Württembergischen Vereins, Herr Hofjuwelier Emil Foehr-Stuttgart, eröffnete die zahlreich besuchte Versammlung um 11 Uhr vormittags mit folgenden Worten:

Meine sehr verehrten Herren! Liebwerte Kollegen! Sehr erfreut über Ihr zahlreiches Erscheinen heiße ich Sie alle herzlich willkommen. Insbesondere begrüße ich die hochverehrten Vertreter der mit uns befreundeten Vereine von Bayern und Baden, die Herren Hofgoldschmied Heiden-München, Hofjuwelier Schrempp und Hofjuwelier Netter-Karlsruhe von ganzem Herzen auch im Namen des Württembergischen Vereins und danke ihnen für ihr Erscheinen und für die Ehre, die sie hierdurch dem Verein erweisen.

Ich eröffne nunmehr die diesjährige fünfte ordentliche Mitgliederversammlung des „Vereins der Juweliere, Gold- und Silberschmiede Württembergs“ mit dem Wunsche, daß unsere heutigen Verhandlungen und Beratungen zum Segen und zur Förderung unseres edlen Gewerbes gereichen mögen.

Ich beginne mit einem kurzen

1. Bericht über die Vereinstätigkeit im verflossenen Jahre.

Was die inneren Angelegenheiten betrifft, so hat sich eine Aenderung in der Zahl der Mitglieder des Vereins nicht ergeben. Die Kassenverhältnisse sind, wie wir nachher hören werden, geordnete. Der Ausschuß hat in zahlreichen Sitzungen die Geschäfte des Vereins erledigt und sich u. a. mit folgenden Fragen von größerer Wichtigkeit befaßt:

In erster Linie wieder mit der Einführung der Besteckkonvention in Württemberg, wofür die notwendige Zahl von Beitrittserklärungen auch heute noch nicht vorliegt. Von 149 Firmen, welche mit Bestecken detaillieren, haben bis heute nur 77 ihre Zustimmung gegeben. Solange sich die noch außenstehenden Firmen nicht entschließen können, der Konvention beizutreten, kann die Einführung derselben in Württemberg nicht erfolgen. Was den Stand der Konvention im übrigen Deutschland betrifft, so wird der Vorsitzende des Verbands der Silberwarenfabrikanten Deutschlands, Herr Ernst Bruckmann – Heilbronn, nachher die Liebenswürdigkeit haben, uns nähere Mitteilungen darüber zu machen. Ich möchte aber nicht unterlassen, schon an dieser Stelle darauf hinzuweisen, daß sich im letzten Jahre in aller Stille ein Verband der Silber waren – fabrikanten Deutschlands und ein Verband der Grossisten des Edelmetallgewerbes gebildet haben und zwar unabhängig von dem Verband Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede, nur beseelt von dem Gedanken, eine einheitliche und würdige Vertretung ihrer Standesinteressen zu schaffen. Da die Sonderinteressen der Goldwarenfabrikanten in der Hauptsache schon durch den Kreditorenverein gewahrt und gefördert werden, so werden wir in die Notwendigkeit versetzt, darüber nachzudenken, ob die Interessen der Detailleure nicht ebenfalls durch einen Spezialverband, dem nur Detailleure angehören, mehr gewahrt werden können, als das jetzt der Fall ist. Die Punkte, in denen sich die gegenseitigen Interessen berühren, könnten schriftlich oder durch Delegierte gemeinsam behandelt werden. Ich habe schon bei der Mitgliederversammlung 1905 den Gedanken angeregt, aus Zweckmäßigkeitsgründen den Deutschen Verband in 4 verschiedene Interessengruppen zu zerlegen. Nachdem 3 dieser Gruppen ihre selbständigen Verbände, unabhängig vom Deutschen Verband, gebildet haben, bleibt für die vierte Gruppe, die Detailleure, wohl nichts anderes übrig, als der Frage der Bildung eines selbständigen Verbandes der Detailleure ebenfalls näher zu treten. Wir wollen uns hierüber nachher bei Punkt 8 unserer Tagesordnung „Verbandsangelegenheiten“ noch eingehender unterhalten.

Der Ausschuß des Vereins beschäftigte sich weiter eingehend mit den verschiedenen Diamant-lmitations-Prozessen in Frankfurt, Breslau, Leipzig und München, aus denen die Beklagten mit strengen Verurteilungen hervorgegangen sind.

Ein weiterer, unser Gewerbe schwer schädigender Mißstand ist die immer weiter um sich greifende Ausführung von Privataufträgen durch die Lehrwerkstätten an den staatlichen Kunstgewerbeschulen, wodurch den Detailleuren und Fabrikanten ein enormer Schaden entsteht. Um hierin Abhilfe zu schaffen, kann nicht scharf genug vorgegangen werden, und es ist mit Freuden zu begrüßen, daß sich der Fachverband zur Förderung der wirtschaftlichen Interessen des Kunstgewerbes in Deutschland eingehend mit dieser Angelegenheit beschäftigt hat und für Abhilfe Sorge tragen will. Natürlich muß dieser Verband durch die Detailleure und die Fabrikanten in seinen Bestrebungen kräftig unterstützt werden, wie dies auch von seiten der Vertreter anderer Branchen geschehen wird.

Ueber das Detaillieren einiger hierfür bekannten Fabrikanten sind auch im letzten Jahre wieder verschiedentliche Klagen eingelaufen. Die vom Verband ausgegebene „Weiße Liste“ hält der Ausschuß für vollkommen ungenügend, um diesem Übel zu steuern. Im Gegenteil, die „Weiße Liste“ zeigt, wieviele Fabrikanten gar keine Lust haben, den berechtigten Wünschen der Detailleure, resp. ihrer ständigen Abnehmer entgegenzukommen.

Auch in mehreren Fällen von Hausierhandel ist der Ausschuß erfolgreich vorgegangen. In einem Falle handelte es sich um einen Pariser Juwelier, der infolge des tatkräftigen Vorgehens des Vereins von der Polizei ausgewiesen wurde. Es ist wünschenswert, daß alle Fälle des unberechtigten Detaillierens und des Hausierhandels mit den entsprechenden Belegen stets umgehend dem Ausschuß mitgeteilt werden.

Uebergehend auf die Beziehungen des Vereins zum Deutschen Verbande haben wir in erster Linie den Tod zweier auch von uns hochgeschätzter Ausschußmitglieder des Verbandes zu beklagen: Herr Hofjuwelier Paul Merk, der Leiter des Münchener Verbandstages, und Herr Obermeister Hermann Eckhardt, der Leiter des Dresdener Verbandstages, sind von uns geschieden. Beide haben sich große Verdienste um den Verband und um unser Gewerbe erworben. Zum Zeichen ehrenden Angedenkens an diese beiden teuren Freunde und lieben Kollegen

bitte ich Sie, meine Herren, sich von Ihren Plätzen zu erheben. (Geschieht.) Der Verbandstag in München im letzten Jahre ist auch von unserem Verein zahlreich besucht worden. Ueber die geschäftlichen Verhandlungen wurde in der Fachpresse ausführlich berichtet. Was die geselligen Veranstaltungen betrifft, so herrschte nur eine Stimme des Lobes über das großartig durchdachte und prächtig durchgeführte Programm. esonderer Dank gebührt dem jetzigen Vorsitzenden des Bayerischen Vereins, Herrn Heiden, für seine Bemühungen um die wirklich künstlerische Ausgestaltung des Festes. Auch den übrigen bayerischen Kollegen sei nochmals herzlicher Dank gesagt für die unvergeßlichen Tage am Isarstrande und an den Ufern des Starnbergersees. Ich schließe meinen Bericht in der Hoffnung, daß unsere Arbeit keine ganz vergebliche gewesen ist und daß wir wieder einen Schritt weiter gekommen sind auf dem Wege zur Gesundnng unseres Gewerbes. (Lebhafter Beifall) Anschließend an meine Worte über das Detaillieren der Lehrer an den Kunstgewerbeschulen möchte ich noch eine Erklärung der Gold- und Silberschmiede-Innung zu Kassel bekannt geben, die mir von meinem Freund, Herrn Hofjuwelier Range, zugegangen ist. Sie betrifft die Entstehung der „Ziegenhainer Kanne“, des Hochzeitsgeschenks an den Kronprinzen von der Provinz Hessen. (Diese Erklärung wird verlesen.)

2. Kassenbericht.

Derselbe wird von dem Schatzmeister des Vereins, Adolf Klein-Stuttgart, erstattet. Der Stand der Kasse ist ein günstiger. Der Schatzmeister wird entlastet und es wird ihm für seine Mühewaltung der Dank des Vereins ausgesprochen.

3. Entlastung des Ausschusses. Dieselbe erfolgt einstimmig.

4. Wahlen.

Es wurden per Akklamation wiedergewählt: Zum Vorsitzenden Herr Hofjuwelier Emil Foehr-Stuttgart, zum stellv. Vorsitzenden Herr Wilhelm Kiesel–Ludwigsburg, ferner auf dem Wege schriftlicher Wahl zu Ausschußmitgliedern die Herren: Alfred Binder-Gmünd, Hugo Böhm-Gmünd, Heinrich Brändle-Backnang, Ernst Bruckmann-Heilbronn, Ewald CamererStuttgart, Adolf Klein-Stuttgart, Adolf König-Heilbronn, Ernst Menner-Stuttgart, Richard Nille-Stuttgart, Karl Staufert-Göppingen; zu Rechnungsprüfern die Herren Alfred Fues-Stuttgart und Karl Kommerell-Stuttgart, zu stellv. Rechnungsprüfern Martin Rauscher-Stuttgart und Karl Wall-Stuttgart.

5. Stand der Besteckkonvention in Deutschland.

Referent: Ernst Bruckmann – Heilbronn (Ausschußmitglied des Vereins und Verbandes, Vorsitzender des Verbandes der Silberwarenfabrikanten Deutschlands).

Meine Herren! Schon auf dem ersten Verbandstag in Stuttgart im Jahre 1901 habe ich die Mahnung ausgesprochen, die Bestecke nicht zu Schleuderpreisen zu verkaufen, wie dies an vielen Orten Deutschlands tatsächlich geschieht, und ich hätte wirklich geglaubt, daß jeder Juwelier an einem Löffel eher etwas verdienen möchte, als ihn mit einem Nutzen von bloß 6 oder 5 oder gar 2% abzusetzen. Es haben sich inzwischen da und dort die traurigsten Verhältnisse herausgebildet, und es hat mich seinerzeit sehr gefreut, daß, dem guten Beispiel der Rheinländer folgend, in vielen Bezirken Deutschlands Bewegungen zum Zwecke der Besteckkonvention bemerkbar wurden. Es haben sich auch tatsächlich in letzter Zeit zu Konventionen zusammengeschlossen: die Rheinpfalz mit 38, der Bezirk Halle (umfassend Anhalt, die Bezirke Merseburg und Erfurt und die Thüringischen Staaten) mit 110, der Regierungsbezirk Kassel und das Fürstentum Waldeck mit 17 Teilnehmern, zusammen 166 Firmen. Sehr bedauerlich aber ist, daß gerade in Süddeutschland dieser segensreichen Bewegung eine so starke Opposition entgegengesetzt wird, so daß die unermüdlichen Bemühungen der Vorstände der bayerischen, badischen und württembergischen Vereine noch nicht den gewünschten Erfolg gehabt haben.

In der vorletzten Ausschußsitzung des württ. Vereins habe ich dem Vorstand desselben versprochen, die noch ausstehenden Firmen in Württemberg und Baden zum Beitritt zur Konvention zu bewegen. Ein Teil dieser Firmen hat auch zustimmend geantwortet, ein anderer Teil erklärte, die auf den Abschluß einer Konvention gerichteten Bestrebungen dadurch unterstützen zu wollen, daß sie nicht unter Konventionspreisen verkaufen; sie wollen sich aber zum Beitritt zur Konvention nicht verpflichten. Die Mehrzahl derer, an die ich mich wandte, hat überhaupt nicht geantwortet. In Württemberg ist es hauptsächlich Ulm, das sich der Konvention widersetzt, und ein großer Teil von Stuttgart.

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