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Verantwortlich für die Redaktion des volkswirtschaftl. Teiles: Syndikus Hermann Pilz, Leipzig; für den kunstgewerbl. Teil: Professor R. Rücklin, Pforzheim; für den fachtechnischen Teil: Goldschmied Paul Axthelm, Leipzig. Druck: Spamersche Buchdruckerei in Leipzig.

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Geschäfts-Eröffnungen. In Hanau, Salzstraße 27, eröffnete Herr Ä Töpfer, ein Uhren- und Goldwaren-Geschäft. – Die erren Schmidt und Constantin Stratulat, welche 23 Jahre bei der Firma Carapati & Radi von tätig waren, eröffneten in Bukarest, Calea Victoriei 53, ein neues Juwelen-, Silberwarenund Uhren-Geschäft.

Prokura-Erteilung. Die Firma F. Zweigle (Inh. Karl Battiany), Fabrik für modernen Silberschmuck in Schwäb. Gmünd erteilte dem Kaufmann Otto Ade, daselbst, Prokura. – Dem Sohne des Herrn E. Neumann, Herrn Alfred Neumann, i. Fa. E. Neumann & Co., Fabrik für Kartonagen, Etuis usw. in Dresden wurde Prokura erteilt. – Herrn Franz Klaus in Linz wurde für die Firma E. Reihl & Co. Nachfolger, Goldwarenfabrik, Prokura erteilt. – Herrn Salomon Guttenberg in Wien wurde für die Firma Nathan Figdor, Goldarbeitergewerbe, Handel mit Gold-, Silberwaren und Juwelen, Wien I., Gonzagagasse 3, Prokura erteilt.

Prokura - Löschung. Die Prokura des Herrn Isidor Abeles für die Firma Nathan Figdor, Goldarbeitergewerbe, Handel mit Gold-, Silberwaren und Juwelen in Wien I., Ganzagagasse 3, ist erloschen.

Todesfälle. In Hamburg verschied nach kurzem, schweren Leiden der Juwelier Herr Hermann Horstmann im Alter von 79 Jahren. – Gestorben ist in Pforzheim Herr Guilloch eur Karl Dörflinger im Alter von 73 Jahren, ein in allen Kreisen der Bevölkerung beliebter Bürger, der auch der Stadtverwaltung mehrfach seine Dienste zur Verfügung stellte.

Verschiedenes. Wegen Umzuges hält der Juwelier und Goldschmied, Herr Eugen Schlinkmann in Duisburg, Casinostr. 4, Ausverkauf seiner Waren ab. – Die Gesellschaftsfirma M. Scheidel, Silberwarenfabrik, Pforzheim, ist durch Austritt von Frau M. Scheidel Witwe aufgelöst. Das Geschäft ging auf den bisherigen Gesellschafter Adolf Scheidel über. Der Frau Emilie Scheidel wurde Prokura erteilt.

Aus Innungen und Vereinen.

Die Genossenschaft der Metallwarenerzeuger in Graz hielt vor kurzem im Hotel „Kaiserkrone“ ihre Jahresversammlung ab. Dem Rechenschaftsberichte zufolge wurden im verflossenen Jahre vier Ausschußsitzungen und eine Hauptversammlung abgehalten. Im Ä 1905 erfolgten zwei Gewerbeanmeldungen und eine Rückegung; es wurden 6 Lehrlinge aufgedungen und 4 Lehrlinge freigesprochen. Die Genossenschaft zählte am Schlusse des Jahres 22 Mitglieder, 60 Gehilfen und 18 Lehrlinge. Der Kassenbericht weist an Einnahmen 72 K. 50 H., an Ausgaben 90 K. 61 H. und einen Kassesaldo von 107 K. 37 H. aus. Der Inkorporations-Reservefonds beträgt 60 K., der Lehrlings-Reservefonds 45 K. 30 H. Der Bericht erhielt die Genehmigung. Ueber Antrag des Rechnungsprüfers Herrn Lux wurde dem Vorstande die Entlastung erteilt. Nach dem Antrage des Herrn Harb wurde beschlossen, die Jahresumlage in der bisherigen Höhe von 2 K. einzuheben. Der Versammlung ging das Aufdingen von drei und das Freisprechen von zwei Lehrlingen voraus. Die beiden freigesprochenen Lehrlinge hatten hübsch ausgeführte Prüfungsstücke beigebracht, und zwar einen aus getriebenem Kupfer gearbeiteten verzinkten Kübel und einem Armleuchter aus Messing, welche Arbeiten allgemeine Anerkennung fanden.

Rechtsrat, Rechtsschutz für den Goldschmied. Wichtige gerichtliche Entscheidungen.

Invalidenversicherungspflicht von Lehrlingen, welche nur Weihnachtsgratifikationen beziehen. Die Handelsfirma A. B. & Sohn in L. gewährte ihren Lehrlingen regelmäßig eine Weihnachtsgratifikation von 50 Mk. im ersten, 100 Mk. im zweiten, 150 Mk. im dritten und 200 Mk. im vierten Lehrjahre, daneben aber keinen Lohn. Das Reichsversicherungsamt hat die Invalidenversicherungspflicht dieser Lehrlinge vom dritten Lehrjahre an bejaht. Weihnachtsgratifikationen seien dann als Lohnzahlungen aufzufassen, wenn die Lehrlinge mit einer gewissen Sicherheit auf dieselbe rechnen könnten und wenn letztere für die Empfänger von wesentlicher Bedeutung seien. Für die Beurteilung dieser letzteren Frage habe das Reichsversicherungsamt schon früher als Grundsatz aufgestellt, daß die Bezüge dann von wesentlicher Bedeutung seien, wenn sie den hundertfachen Betrag des ortsüblichen Tagelohnes der Arbeiter des Beschäftigungsortes erreichten. Dabei sei aber nicht, wie vielfach irrtümlich angenommen werde, der ortsübliche Tagelohn erwachsener Arbeiter, sondern derjenige jugendlicher Arbeiter zugrunde zu legen, da nach § 8 des Krankenversicherungsgesetzes für Lehrlinge stets der für junge Leute zwischen 14 und 16 Jahren festgestellte Tagelohn gelte. Da letzterer für L. 150 Mk. betrage, so werde im Streitfalle der 100fache Betrag schon durch die im dritten Lehrjahre gezahlte Weihnachtsgratifikation erreicht und die Lehrlinge unterlagen vom Beginn des 3. Lehrjahres ab der Versicherungspflicht.

Von Kunstgewerbeschulen.

Dem Jahresbericht der Großh. Kunstgewerbeschule in Pforzheim entnehmen wir folgendes: Zweck der Kunstgewerbeschule ist: Förderung und Hebung des Kunsthandwerks durch vielseitige theoretische und praktische Ausbildung junger Leute zu tüchtigen Arbeitern, Werkführern, Zeichnern, Modelleuren, Graveuren und Ziseleuren, wie sie die hiesige Metallindustrie verlangt. – In diesem Jahr sind in jedem Kurs Preisaufgaben gestellt worden zur Erlangung von Prämien uud Belobungen. Die Lösung der Aufgaben wurden öffentlich ausgestellt. Mit Erlaß des Großh. Gewerbeschulrats vom 25. April 1905 wurde Professor Rücklin, Lehrer an unserer Anstalt, mit Wirkung vom 1. Mai 1905 ab, mit der Leitung der neuerrichteten Goldschmiedeschule betraut. – Die Schülerzahl beträgt in diesem Jahre 352 gegen 319 im Vorjahre. In diesem Jahre haben ebenfalls wieder frühere Schüler, nachdem sie die Anstalt während drei Ä besucht hatten, zu ihrer weiteren Ausbildung an einzelnen Unterrichtsfächern teilgenommen. Anläßlich des Preisausschreibens durch den Kunstgewerbeverein für Modelle für moderne Ketten und Kettenbijouterie im April 1905, sowie des Preisausschreibens um den C. A. Schmitz-Jubelpreis im August 1905 und des Preisausschreibens im Oktober 1905, letzteres veranlaßt durch eine jährliche Stiftung des Herrn Oskar Müller in Berlin, zum Andenken seines verstorbenen Herrn Vaters Friedr. Wilh. Müller, haben sich Kunstgewerbeschüler lebhaft beteiligt und sind jetzige wie frühere Schüler prämiiert worden. – Die Sammlungen sind auch in diesem Jahre erweitert worden durch Ankäufe von Vorlagewerken, Originalhandzeichnungen und Aquarellen, von Gipsabgüssen (anatom. Präparate), kunstgewerblichen Modellen in Metall und Edelmetall und besonders durch Ankäufe von Naturgebilden verschiedener Art und von ausgestopften und präparierten Tieren. – Einrichtung der Schule. Der Lehrkurs der Kunstgewerbeschule ist dreijährig. Das Schuljahr soll jeweils 14 Tage nach Ostern beginnen. Ferien finden statt: Im Herbst vom 1. August bis 1. Oktober, an Weihnachten 8 Tage, an Ostern 14 Tage, an Pfingsten 8 Tage; an den staatlich anerkannten Feiertagen und Sonntags bleibt die Schule geschlossen. Der Unterricht erstreckt sich: vormittags auf die Stunden von 6–10 Uhr im Sommer, vormittags auf die Stunden von 8–12 Uhr im Winter, nachmittags auf die Stunden von 2–6 Uhr, abends auf die Stunden von 6–8 resp. 7–9 Uhr. Das jährliche Schulgeld für den 1. Kurs 24 Mk., 2. Kurs 27 Mk., 3. Kurs 30 Mk. Das jährliche Schulgeld für den Emailmalunterricht beträgt 24 Mk. Wird neben dem Emailmalunterricht noch über 12 Stunden an anderen Unterrichtsfächern teilgenommen, so beträgt das jährliche Schulgeld 30 Mk. (Reichsausländer haben das Doppelte zu zahlen.) – Zeugnisse über die Dauer des Schulbesuchs, sowie über Fleiß, Fortschritt und Betragen werden auf Verlangen durch die Direktion ausgestellt.

Dem Jahresbericht der Königl. Zeichen-Akademie zu Hanau entnehmen wir folgendes: Die Königl. Zeichenakademie zu Hanau, gegründet im Jahre 1772 auf Anregung hiesiger Kunstindustrieller, „Kleinodienabeiter, Goldstecher und Kunstdreher“ wie es im alten Stiftungsbriefe heißt, zur Hebung der einheimischen Juwelier- und Edelmetall-Industrie, ist seit dem Jahre 1889 ihrer ursprünglichen Bestimmung, vornehmlich Fachschule für diese Kunsthandwerke zu sein, zurückgegeben. Ein vorbereitender Kursus bildet die Schüler gemeinsam im Freihand- und Körperzeichnen aus; von da ab erfolgt der Unterricht im Zeichnen, Modellieren und Entwerfen je nach der Silber- oder Goldschmiedetechnik in gesondertem Lehrgange. Die Goldschmiede, Emailmaler, Ziseleure, Graveure und Silberschmiede finden dann in den bestehenden, mit Esse und Schmelzofen versehenen Werkstätten für Bijouterie, Emailmalerei, Gravier- und Ziselierkunst ihre letzte Ausbildung. Außerdem gibt die Anstalt den Schülerinnen Gelegenheit, im Kunststicken sowie im Musterzeichnen und Malen für kunstgewerbliche Techniken sich auszubilden. Für die reiferen Schüler und Schülerinnen finden Vorträge über die Entwicklung der Kunst und des Kunstgewerbes vom Altertum bis zur Neuzeit mit bildlicher Erläuterung statt, desgleichen für die fortgeschrittenen Schüler Vorträge über Metallochemie und Mineralogie – Die zur Benutzung der Lehrer und Schüler bestehende Bibliothek umfaßt: 1. 2500 Bücher uud Sammelwerke mit zusammen über 4000 Bänden und Mappen. 2. Eine systematisch geordnete Vorlagensammlung, 1884 Mappen mit ca. 50000 Tafeln. 3. Eine Sammlung von Handzeichnungen, Kupferstichen und Photoraphien, ca. 5000 Blatt, einschließlich über 1200 Ornamentstiche. Ä Bibliothek ist Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 5–8 Uhr abends auch dem Publikum zur Benutzung geöffnet. An in Hanau bekannte Personen werden einzelne Bücher und Blätter gemäß der Bibliothekordnung auf kurze Zeit verliehen. Das gedruckte „Verzeichnis der Bücher- und Vorlagensammlung der Bibliothek“ wird zum Preise von 150 Mk. abgegeben. Das Museum enthält eine reichhaltige Gruppe von Metallgeräten (580) und vorbildlichen Schmuckstücken (350) in Originalen und getreuen, meist in der Anstalt selbst gefertigten, Nachbildungen, eine größere Sammlung älterer und neuerer Kunststickereien und textiler Muster, Porzellangeräte, Naturalien usw. Sehr umfassend ist der Bestand an Gipsabgüssen der figuralen und ornamentalen Plastik, an Gegenständen der Kleinkunst, Medaillen, Münzen usw. Von 2700 im wesentlichen aus dem Königlichen Staatsarchiv zu Marburg stammenden Urkundensiegeln besitzt die Anstalt die Formen und werden Abgüsse davon abgegeben. Bibliothek und Museum erfahren durch umfangreiche Anschaffungen aller wichtigen Neuerscheinungen auf dem Gebiete der Kunst und des Kunstgewerbes, insbesondere der Edelschmiedekunst, eine stete Vermehrung. – Chronik der Anstalt 1905. An Stelle des ausscheidenden Direktors, Prof. Wiese, übernahm ab 1. April 1905 der erste Lehrer, Prof Offterdinger, vertretungsweise die Leitung der Anstalt. Mit der Fortführung des von Prof. Wiese erteilten Unterrichts im Figurenmodellieren und Aktzeichnen wurden bis auf weiteres die Lehrer Reisner und KochHonnef betraut. – Für die Schüler und Schülerinnen wurden neue, verschärfte Ordnungsbestimmungen erlassen. Der Unterrichtsplan erfuhr einige wesentliche Erweiterungen. Die im letzten Jahresbericht erwähnte Fachklasse für Lithographie und Buchdruck wurde eingerichtet, zunächst aber noch auf Lithographie beschränkt; im nächsten Jahre werden voraussichtlich auch die nötigen Anschaffungen behufs Ausdehnung auf den Buchdruck gemacht werden können. Um auch solchen älteren Meistern und Gehilfen, welche die Zeichenakademie nicht mehr besuchen, Gelegenheit zu weiterer künstlerischer Ausbildung zu geben, wurde an zwei Abenden im Aktzeichnen unter Leitung des Lehrers KochHonnef eingeführt. Die Beteiligung ist sehr rege und der Erfolg durchaus zufriedenstellend. Der Lehrer der Kunstgeschichte Dr. Quilling, veranstaltete außer den wöchentlichen kunstgeschichtlichen Lichtbildervorträgen kunstgeschichtliche Uebungen mit beschränkter Teilnehmerzahl. Die Uebungen haben den Zweck, an Stelle des akademischen Vortrages kunstgeschichtlichen Unterricht zu setzen, indem die Schüler und Schülerinnen Fragen stellen, von dem Lehrer gefragt werden, indem sie selbst die Bearbeitung gestellter Aufgaben übernehmen und infolge dieser eignen Mitwirkung sich mehr kunstgeschichtliche Kenntnisse aneignen als durch das nur rezeptive Anhören der Vorträge. Außerdem begann Dr. Quilling einen auf die Dauer eines Jahres berechneten Zyklus von wöchentlichen Lichtbildervorträgen, der die Entwicklung der Kultur vom Altertum bis zur Neuzeit zum Gegenstand hat. Die Schüler und Schülerinnen der Anstalt haben freien Zutritt und machen von der gebotenen Vergünstigung ausgiebigen Gebrauch. – In der Ziselierklasse wurde ein Kursus für Hamm erarbeit eingerichtet, um die Schüler auch mit der Herstellung der Rohform der Geräte und Gefäße vertraut zu machen. Der Unterricht wurde in 16 wöchentlichen Doppelstunden von einem Silberschmiede der Firma J. D. Schleißner Söhne erteilt und so stark besucht, daß eine Wiederholung des Kursus im Sommerhalbjahr 1906 bereits genehmigt ist. – Für die Stickereiklasse ist Erweiterung durch Aufnahme der Maschinen Stickerei und der Web etechnik beantragt und aller Wahrscheinlichkeit nach im nächsten Jahre ausführbar. – Der Leiter der Gravierwerkstatt, R. Wolff, übernahm ab 1. Oktober eine Lehrstelle an der Fachschule für Metallindustrie in Solingen; der seither von ihm erteilte Unterricht wurde vom 1. Oktober 1905 bis 1. Januar 1906 vertretungsweise dem Graveur Friedrich Naas aus Hanau, von da an dem Graveur Wilhelm Gertenbach aus Hanau übertragen. – Auch an der im Jahre 1906 in Dresden stattfindenden 3. deutschen Kunstgewerbe-Aus – stellung wird sich die Zeichenakademie, wenn nur auch in bescheidenem Umfange, beteiligen. Auf dem am 9. April 1905 in Breslau abgehaltenen XV. Delegiertentag des Verbandes deutscher Kunstgewerbevereine war sie durch Lehrer Estler vertreten. – An dem vom 1.–20. Mai 1905 an der Kunstgewerbeschule zu Düsseldorf unter Leitung von Prof. Behrens veranstalteten Kursus im Schriftzeichnen nahm im Auftrage des Herrn Ministers Lehrer W. Schultz teil. – Die Gesamtzahl der Schüler betrug zu Anfang des Sommersemesters 286 (gegen 314 des Vorjahres; davon waren 83 Tages vollschüler, welche durchschnittlich 46 Stunden wöchentlich am Unterricht teilnahmen; die übrigen Schüler besuchten denselben durchschnittlich 10 Stunden in der Woche. Die Gesamtzahl der Schülerinnen betrug 31 (im Vorjahr 28); von diesen waren 6 Tagesschülerinnen mit 36 Stunden und 25 Schülerinnen, welche wöchentlich durchschnittlich 18 Stunden nahmen.

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Zu Frage 568 und 581. Um das Braun- und Schwarzwerden unechter und silberner Gegenstände wirksam zu verhindern, gibt es bis jetzt noch kein anderes Mittel als das Zaponieren. Es gibt aber zum Reinigen dieser Gegenstände das gute, giftfreie Putzpulver „Syrius“, das die Firma Carl Weber jr., Schwäb. Gmünd, in zwei Qualitäten (I und II) auf den Markt bringt. Das Pulver I ist zum Putzen von Gold-, Silber- und unechter Waren präpariert. Ebenso ist dasselbe sehr geeignet für oxydierte, versilberte, mattvergoldete, mattgoldene und patinierte Waren, während das Pulver „Syrius Nr. II“ für ganz stark angelaufene, oxydierte Silberwaren, Neusilber und Zinn präpariert ist.

Zu Frage 593. Als billigste Bezugsquelle von Bonbonnieren, Bartbürsten, Zigarren- und Zigarettenspitzen, Toiletten- und Nagelgarnituren empfiehlt sich: Carl Weber jr., Schwäb. Gmünd.

Zu Frage 598, 600, 601. Fragl. Artikel fabriziert: O. Benken – dörfer, Präge-Anstalt, Fabrikation von Bestandteilen für Schmuck-, Galanterie- und Luxusgegenstände, Pforzheim, Bleichstr. 29.

Zu Frage 601. Bezugnehmend auf diese Anfrage könnte ich Ihnen Fassungen für Broschen, mit echten böhmischen Granaten, zum billigsten Preise (in 25 mm inneren Durchmesser) liefern. Auch andere Steine könnten statt echter Granaten geliefert werden.

F. A. Hofmann, Bijouterie- und Glaswaren-Export,
Kuckan – Gablonz a. N. (Böhmen).

Zu Frage 602. Unversilberte prima Neusilbermesserbänkchen

sind zu beziehen: J. H. Schoepf, Pforzheim.

Nachdruck aus dem Inhalt vorliegender Zeitung ist nur mit Erlaubnis der Redaktion und unter genauer Quellenangabe gestattet.

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Es ist schon einige Wochen her, seit die Eröffnungsfanfaren der dritten Deutschen Kunstgewerbe-Ausstellung zu Dresden verklungen sind und man kann sich bereits ein ruhiges, von keinerlei Festjubel und Bankettbegeisterung beeinträchtigtes Urteil über das bilden, was an Schönheit und Kunst diesmal der städtische Ausstellungspalast in der Stübel-Allee und Lennéstraße der sächsischen Residenzstadt bietet. Am 12. Mai wurde die Ausstellung in Gegenwart König Friedrich Augusts eröffnet und welche Bedeutung der Ausstellung beigemessen wird, das bewies schon am Eröffnungstage die Anwesenheit bekannter Kapazitäten von Kunst und Kunstgewerbe, von denen wir nur Prof. Grenander-Berlin, Prof. Seliger und Direktor Dr. Graul-Leipzig, Prof. Behrens-Düsseldorf, Prof. BrinkmannHamburg, Prof. Hoffacker-Karlsruhe, Prof. Dr. Woermann, Prof. Dr. Adolf Stern-Dresden usw. hier nennen wollen. Was Architekt Lossow in seiner Ansprache an den König hervorhob, das betätigt auch wieder diese neue Ausstellung in Sachsens Hauptstadt: „Das stärkende Bewußtsein, des Schutzes und der steten Huld der Fürsten des Hauses Wettin jederzeit gewärtig sein zu können, haben Kunst und Kunstgewerbe in Sachsens Residenz eine bleibende Heimstätte geschaffen, auf deren Grund und Boden eine fruchtbare Weiterentwicklung der Künste für alle Zeiten gewährleistet ist.“ Ja, das deutsche Kunstgewerbe kann auch auf diese neue Heerschau stolz sein! Alle großen Kunstgewerbezentren haben sich beteiligt und ihr Bestes zum Ruhme unseres deutschen Vaterlandes beigetragen.

Man hat in letzter Zeit den Ausstellungen von zwei Seiten aus Schwerthiebe beizubringen versucht. Einmal hat man gesagt, die kleinen bedeutungslosen Ausstellungen, ja die gefährlichen Schwindel-Ausstellungen überwucherten die wirklich bedeutungsvollen Expositions und das anderemal folgten die Ausstellungen so rasch aufeinander, daß eine allgemeine Ausstellungsmüdigkeit Platz gegriffen habe. Nun, was den Einwand der Überflüssigkeit sogenannter Winkelausstellungen anlangt, so darf ihm sicherlich nicht die Berechtigung versagt werden. Auch wird man den Kampf gegen die von Privatseite mit dem Tamtam einer verlockenden Reklame in Szene gesetzten Ausstellungen zweifelhaften Charakters sicherlich gern unterstützen. Dagegen kann von einer Ausstellungsmüdigkeit nach unserem Dafürhalten kaum die Rede sein, denn die Dresdner Ausstellung hat gerade das Gegenteil gezeigt. Mit einer Freudigkeit und Frische sind Künstler und Kunstgewerbtreibende bemüht gewesen vom Guten das Beste, vom Neuen das Neueste zu bieten und um die Palme des Erfolges zu streiten. Eine Ausstellung muß aber ein bestimmtes Ziel vor Augen haben, nach einem bestimmten Prinzip organisiert sein, um Ausstellungsfreudigkeit zu erwecken. Wo man sieht, daß eine zahllose und wahl

lose Anhäufung aller möglichen und unmöglichen Ausstellungsobjekte kritiklos angehäuft wird, wo man voraussieht, daß schließlich nur ein armseliges Sammelsurium von Schaustücken paradiert, da wird allerdings eine Ausstellungsmüdigkeit eintreten, denn an solchen Konglomerat-Ausstellungen ist all die Zeit her kein Mangel gewesen. Was ist aber das Ziel der Dresdener Ausstellung? Welche charakteristischen Züge sind ihr eingeprägt? Welches eigenartige Prinzip gibt ihr eine besondere Bedeutung? Wer ihre prächtigen Hallen durchwandelt, der wird es bald gewahr werden, daß es der Grundsatz ist, auch bei den industriellen Erzeugnissen die Auswahl nach rein künstlerischen Gesichtspunkten vorzunehmen. Die Fabrikanten und Gewerbtreibenden, welche hier ihre Erzeugnisse ausstellen, haben Hand in Hand mit den Künstlern wirken und schaffen müssen, um Gebilde vor Augen zu führen, welche kunstgewerblichen Wert besitzen. Cornelius Gurlitt-Dresden hat sehr glücklich von der Ausstellung gesagt: Sie ist eine Kunstgewerbeausstellung, aber sie wird zur Kunstausstellung, denn sie wird im wesentlichen beschickt von Künstlern, die in den Fabrikanten und Handwerkern ihre Mitarbeiter gesucht und gefunden haben. Es ist dies einmal eine neue Erscheinung. Bisher suchte immer der Fabrikant, der Gewerbtreibende sich den Künstler, hier hat der Künstler sich jene gesucht. Von unserer Gold- und Silberschmiedekunst mag das allerdings kaum gelten. Wir glauben, daß hier wohl noch immer die Initiative aus den industriellen Etablissements selbst und nicht aus den Ateliers gekommen ist, also die Künstler von den Industriellen für sich gewonnen wurden. Aber auch hier hat sich das Prinzip geltend gemacht, nur solche Ausstellungsobjekte vorzuführen, welche auf wirklichen künstlerischen Wert Anspruch erheben können, auch hier weht uns der Geist des Künstlers an, auch hier ist so viel des Neuen und Schönen geboten, daß wieder einmal der Beweis erbracht wurde, daß unsere heimische Gold- und Silberwarenindustrie noch auf der Höhe der Zeit steht und sich mit allen konkurrierenden Nationen getrost messen kann. Es ist hier nicht unsere Aufgabe, näher darauf einzugehen. Das wird von anderer, fachmännischer Seite geschehen. Dieser Artikel hat nur orientierenden Charakter. Wer die Ausstellung aufmerksam studiert, bemerkt, daß der Raum kunst in erster Linie das Wort erteilt worden ist. In diesem Rahmen hat sich die Ausstellung die Aufgabe gestellt, ein Bild der künstlerischen Kultur unserer Tage zu geben. Da diese Kultur nicht einheitlich ist, muß auch die Ausstellung, um Gurlitts Worte zu gebrauchen, verschiedene Wege wandeln, um dieses Ziel zu erreichen. Vor allem aber muß sie künstlerische Gesamtwirkungen vorführen, die für unsere Zeit bezeichnend sind. Dieses Ziel mußten auch die Ausstellungen unserer Gold- und Silberwarenindustrie im Auge behalten. Innerhalb dieser Gesamtwirkungen kommt jede einzelne bildende Kunst, jedes einzelne Kunstgewerbe zu seinem Rechte und was mit das Wichtigste ist, Kunst und Kunstgewerbe werden im Zusammenhang mit dem täglichen Leben gezeigt! Es soll vorgeführt werden, wie alle Einzelleistungen von Kunst, Kunsthandwerk und Kunstindustrie sich zum zweckentsprechenden und stimmungsvollen Raum zusammenfügen. Was man gewollt hat, hat man erreicht! Wer die Ausstellung verläßt, wird es mit dem freudigen Bewußtsein tun, daß die angewandte Kunst, das Kunstgewerbe in Deutschland sich noch in aufsteigender Linie bewegen, und daß wir insbesondere von der schaffenden Hand des Goldschmiedes im Verein mit dem Künstler noch manches herrliches Gebilde, des Ruhmes wert, erwarten können. Die Freude, den kunstgewerblichen Einzelgegenstand zu veredeln, war ebenfalls ein vornehmes Ziel der Ausstellung. Man wollte – wir gebrauchen wiederum Gurlitts Worte – die Aufmerksamkeit auf eine der Grundlagen künstlerischer Kultur, auf den Reiz der Handarbeit, lenken. Darum ist in der Ausstellung, ohne Unterschied der Zeiten und Völker, an bezeichnenden Beispielen zur Anschauung gebracht, wie aus dem Wesen des Stoffes die künstlerische Bearbeitung sich entwickelt hat, und hieraus innere Gesetze entstehen, die dem Wechsel geschichtlicher Stile nicht unterworfen sind. Man hat Anstrengungen gemacht, eine gewählie Ausstellung der technisch vollendetsten alten kunstgewerblicher Erzeugnisse aus ganz Deutschland zusammenzubringen. Daneben soll aber der Stand unserer heutigen kunsthandwerklichen Techniken klar zum Ausdruck kommen, und so ein instruktives vergleichendes Bild gegeben werden. Aber auch alles dieses soll sich frei und ungekünstelt in dem großen Rahmen der Raumkunst entwickeln. So dürfen wir wohl sagen: Harmonie ist alles, wohin unser Auge blickt, Harmonie wirkt von allen Seiten entzückend auf uns ein, Harmonie erhebt unsere Herzen in diesem geweihten Raume! Das ist der erste Eindruck, den wir empfangen haben. Das wird voraussichtlich der letzte Eindruck bleiben! Und nun sei an dieser Stelle noch eine kurze Übersicht über das gegeben, was das Ausstellungsterrain in sich birgt. Es sind drei große Gruppen unterschieden: Kunst . . . Kunsthandwerk . . . Kunstindustrie! Die Kunstabteilung scheidet sich in bildende Kunst und Raumkunst, letztere ist in Profankunst, Kirchenkunst, Bau- und Landschaftskunst getrennt. Das Kunsthandwerk präsentiert sich in der Volkskunst, in den verschiedenen Techniken, den Arbeiten der Schulen und in Einzelerzeugnissen, die nach Stadt- oder Staatsgruppen wieder zusammengefaßt sind. Die Kunstindustrie bietet die kunstgewerblichen Erzeugnisse, bei denen die Maschine die ausschlaggebende Tätigkeit entfaltet. So ist alles vertreten, was in unseren Tagen den Stand der kunstgewerblichen Entwicklung wiedergeben kann, und wir gewinnen die Überzeugung, daß wir einer Zeit entgegengehen, in welcher der Sinn für das

Schöne auch im täglichen Leben wieder regsamer werden wird, als es in den letzten Jahren, ja Jahrzehnten der Fall gewesen ist. Wir erblicken gerade darin, daß sich der Künstler intensiver als je mit dem Kunstgewerbtreibenden zu gemeinsamer inniger Arbeit verbindet, die Gewähr, daß auch in die Kunst, welche die Aufgabe hat, dem täglichen Leben Reiz und Anmut zu verleihen, ein neuer frischer Zug kommen wird, daß unsere Umgebung im eigenen Heim nicht mehr fade und tot vor uns stehen, nein lebendig und reizvoll und damit beglückend auf uns einwirken wird. Die Menschheit bedarf in ihrem rastlosen Kampfe, rastlos und rücksichtslos kann man ihn nennen, der Einwirkungen künstlerischer Gebilde, die ihr schöne Reize, stimmungsvolle harmonische Abklärung verleihen. Dazu werden die Künstler und Kunstgewerbtreibenden, wie die Dresdner Ausstellung zeigt, das ihrige beitragen. Die Ausstellungsleitung hat einen vortrefflichen orientierenden Katalog herausgegeben, der auch schätzenswerte ästhetische und kunsthistorische Randglossen enthält. Von den Firmen und Namen, die besonders das Interesse des Goldschmiedes erregen werden, seien folgende hervorgehoben: Adalbert Milde & Co.-Dresden, Gabriel Hermeling-Köln, Emil Richter-Dresden, (Hermann Holst), J. Th. Heinze-Dresden, Matusch-Dresden, E. Kreinsen Nachf.-Dresden, Württembergische Metallwarenfabrik Geislingen, Th. Müller-Weimar, Wilkens & Söhne-Hemelingen, Wilhelm Frölich-Bremen, Wegner-Magdeburg, Emil Lettré-Berlin, Peter Bruckmann Söhne-Heilbronn, Ludwig Neresheimer-Hanau, Ehrenlechner-Dresden, E. Föhr-Stuttgart, B. Behr & Co.-Dresden, Theodor Fahrner-Pforzheim, Glaser & Sohn - Dresden, August Wallack-Weimar, Sächsische Achat-Industrie-Dresden-Briesnitz, Wilhelm Schwarz-Meißen, Stuttgarter Metallwarenfabrik W. Meyer und Franz Wilhelm, A. Werner & Söhne-Berlin, usw. Aus dieser Namensübersicht sollen unsere Leser sehen, daß die Kunst diesmal nicht an wenig stolze Namen gebannt ist, sondern daß sich neben den großen Firmen auch der Werkstattsgoldschmied erfreulicherweise an der Ausstellung beteiligt hat. Einen imponierenden Eindruck machen natürlich die großen Kollektivausstellungen des Kunstgewerbe vereins Pforzheim und der Gmünden er Edelmetall-Industrie, über die aus anderer Feder in dieser Nummer berichtet wird. Von den Ausstellungen unserer Fachschulen interessieren den Goldschmied die der Großherzogl. Kunstgewerbeschulen Pforzheim und Karlsruhe, der Kunstgewerbeschulen Düsseldorf, Krefeld, Schwäbisch-Gmünd, sowie die der Kgl. Zeichen-Akademie Hanau und der Kgl. Fachschule für Metallindustrie Iserlohn. Wir überlassen es selbstverständlich dem Redakteur unseres Kunstteiles, auch auf einzelne dieser Ausstellungsobjekte noch näher einzugehen. Der deutsche Goldschmied aber, der jetzt gen Dresden pilgert, wird von der dritten Deutschen Kunstgewerbe-Ausstellung viele neue Eindrücke mitbringen, zu neuem zielbewußtem Wirken und Schaffen angeregt und von Stolz für seine schöne Kunst erfüllt werden. Das ist die hohe ideelle Bedeutung solcher erstklassiger Ausstellungen. Herm. Pilz.

Die Beteiligung der Pforzheimer und Gmünder Edelmetallindustrie an der III. Deutschen Kunstgewerbeausstellung Dresden 1906.

Ein Bericht über eine Fachausstellung soll immer zugleich eine Kritik sein. Mindestens soll das Gute hervorgehoben und besonders gewürdigt, das Minderwertige und Uninteressante durch die Art seiner Darstellung und Besprechung als solches gekennzeichnet sein. Daß bloß die Belobten mit der Kritik

einverstanden zu sein pflegen, sollte den ehrlichen Ausstellungsberichterstatter nicht beeinflussen. Was wir heute bringen, ist nun aber kein Ausstellungsbericht im eigentlichen Sinne des Wortes. Ein solcher setzt immer voraus, daß ein vergleichendes Studium von gemeinsam

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