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PRedaktion und Uerlag BEERÜNDET UN- ErScheint Sonnabend Leipzig 28 HERAUSGEGEBEN Annahmeschluß

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N - - 1 - Hnzeige-Gebühren: Redaktion: Kunstgewerblicher Teil: W LH. D E E N ER Die 4 gespaltene Ilonpareille-Zeile 25 Pf.

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Hermann Eckhardt, Dresden +.

In unserer letzten Nummer berichteten wir bereits, daß der Freund und Kollegen für die treue Mitwirkung an der Arbeit des Obermeister der Dresdener Goldschmiede-Innung, Herr Hermann Verbandes zum Ausdruck brachte. Der Dresdener Männer-GesangEckhardt, nach kurzem Leiden plötzlich und unerwartet verschieden Verein, der in Eckhardt eins seiner langjährigen Mitglieder verlor, ist. Diese Nachricht wird bei allen Fach- brachte ihm noch einen Ehrengesang genossen, die ihn kannten, Überraschung dar. Zahlreiche Blumen, darunter das und herzliches Bedauern hervorgerufen prächtige Palmen-Arrangement der Inhaben, denn nichts deutete darauf hin, nung, die Spende des Verbandes, des daß dem 59jährigen das Alter eine genannten Gesang-Vereins, der „DeutBürde war. Gestalt und Aussehen er- schen Goldschmiede-Zeitung“, für die weckten vielmehr den Eindruck voller der Unterzeichnete erschienen war, beManneskraft und man wähnte für ihn deckten den Sarg, und mit all diesen das Ende des Lebens in noch weiter Zeichen der Verehrung und Liebe wurFerne. Auch seine Nächststehenden, den die sterblichen Überreste des VerFrau und Kinder, seine Dresdener Kol- schiedenen unter dem Banner der Innung legen, die ihn noch wenige Tage vor und des Männer-Gesang-Vereins dem dem Hinscheiden bei sich gesehen und Wege der Ewigkeit entgegengeführt. gesprochen hatten, haben nicht ahnen Was ist die Ursache all dieser Wertkönnen, daß ein asthmatischer Anfall schätzung, die sich Hermann Eckhardt dem sonst so Rüstigen ein so rasches verdient hat, er, der als Geschäftsmann Ende bereiten würde. Eine schmerz- nicht einmal so gewaltig hervorgetreten liche Bewegung und große Anteilnahme ist, daß man, besonders nach heutiger beherrschte daher die hochansehnliche Auffassung, seinem Geschäft, das er seit zahlreiche Trauer-Versammlung, die sich sieben Jahren einem Nachfolger überließ, am Freitag, den 25. Mai, auf dem Tri- eine besondere Bedeutung hätte zunitatis-Friedhof zu Dresden eingefunden schreiben können? Die Ursache liegt hatte, um dem Verschiedenen das letzte Hermann Eckhardt ganz und gar in seiner Persönlichkeit! Geleit zu geben. Die Familie sah neben Eine seltene Treue zeichnete ihm auS Verwandten und Freunden die meisten und eine Aufrichtigkeit in der Gesinnung, der Dresdener Goldschmiede um sich die in einem herrlichen Familienleben versammelt. Die letzteren, denen er Ausdruck fand, die aber auch das starke 13 Jahre lang ein Führer gewesen war, Band war, das ihn als Obermeister mit wollten ihrem Obermeister den Ab- seinen Dresdener Kollegen verband und schiedsgruß und Dank ins Grab nachrufen. Für den Verband ihm im Ausschuß des Verbandes mit Recht einen Platz sicherte. Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede war Herr Wilhelm Eckhardt war im wahren Sinne des Wortes ein Mann, von echtem Fischer erschienen, der ebenfalls beredte Worte des Dankes dem Schrot und Korn, der, selbst aus kleinsten Verhältnissen hervo

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gegangen und infolgedessen sich durch eigener Hände Fleiß heraufarbeitete, besonders für den kleinen Goldschmied ein Herz hatte, dessen Interesse zu vertreten ihm stets die erste Aufgabe war. Darum trat er auch mit Energie für die Hebung des Innungswesens, für den Befähigungsnachweis und alle sonstigen Mittel zur Förderung des Handwerkerstandes ein. Nicht durch Worte allein hat er gewirkt, nein, besonders durch sein eigenes Verhalten: Treue und Glauben glänzten in seinem Schild wie reines Gold. – Konnte es da Wunder nehmen, daß die Dresdener Goldschmiede ihn zum Führer bestellten und ihn so lange Jahre als solchen immer wieder durch die Neuwahl auszeichneten? Gar manchem ist er vielleicht zu friedliebend, zu wenig vorwärtsgehend erschienen, aber wieviel hat er ausgleichend gewirkt, wenn auseinandergehende Ansichten hervortraten, wie ist gerade er berufen gewesen, durch seine Art und durch seine reichen Lebenserfahrungen

doch immer wieder einen Ausweg und damit den Weg zum Vorwärts zu finden zwischen den mannigfachen Meinungen, die sich in jedem Gemeinwesen zeigen! Und wir glauben, gerade damit hat er sich große Verdienste um die Dresdener Goldschmiede erworben, deren Kollegialität den Geist und Stempel von Eckhardts Wirken trägt. Die verdiente Anerkennung ist deshalb auch bei der Beerdigung in vollem Maße zutage getreten, und die Goldschmiede im Reiche, die Eckhardt kannten, ihm aber ein sichtbares Zeichen der Anteilnahme nicht widmen konnten, werden dem Kranz, der ihm gespendet wurde, im Geiste gern einen Lorbeerzweig hinzufügen. Wenn es auch nichts in der Welt gibt, den Hinterbliebenen den Verlust zu ersetzen, so mögen sie einen Trost in der allseitigen Verehrung und Liebe finden, die der Gatte und Vater bei der Mitwelt und besonders bei den Fachgenossen sich erworben hat. Wilhelm Diebener

Von der Hehlerei und dem Paragraph 259.

Motto: Die Erfahrung ist ein Born, aus dem viele schöpfen!

Ein jeder kennt die Bitte im Vaterunser: „Und führe uns nicht in Versuchung“. Der Wichtigkeit dieser wenigen Worte ist sich der erst recht klar, dem das Verhängnis auf seinem Lebenswege Situationen brachte, die ohne lange Überlegung kurz die Entscheidung erforderten. In solchen Momenten liegen Glück oder Unglück oft für das ganze Leben in dieser plötzlichen, unvorhergesehenen Entscheidung, und wehe, wenn fehl gegriffen wird. Für immer kann etwas haften bleiben, und nur guter Wille, Fleiß, Beharrlichkeit und ein ziemliches Maß von Selbstvertrauen können den Betroffenen dann noch erhalten.

Die verschiedenen Hehlereiprozesse der letzten Zeit haben von neuem gezeigt, in welcher Gefahr auch der schweben kann, der gutgläubig eine Sache ankauft, von der sich hinterher herausstellt, daß sie gestohlen ist, und wie vorsichtig man beim Ankauf von Gold und Silber sein muß. Eine Menge Goldschmiede haben diesen Ankauf auf ihren Schildern und Firmen angeschrieben, glauben diese Käufe ruhig machen und den Verdienst gut mitnehmen zu können. Das ist Grund genug, einmal auf den § 259 einzugehen. Derselbe lautet:

„Wer seines Vorteils wegen Sachen, von denen er weiß oder den Umständen nach annehmen muß, daß sie mittels einer strafbaren Handlung erlangt sind, verheimlicht, ankauft, zum Pfande nimmt oder sonst an sich bringt oder zu deren Absatze bei anderen mitwirkt, wird als Hehler mit Gefängnis bestraft.“

Die Fassung dieses Paragraphen ist eigentlich eine sehr klare, viele kennen denselben aber nicht. Die meisten glauben, wenn sie nicht wissen, daß der Gegenstand gestohlen oder unredlich erworben ist, ruhig kaufen zu können. Wenn sie dann gar einen dem Werte angemessenen Preis zahlen, halten sie sich auf alle Fälle gesichert. Beides ist nicht richtig, denn, der Paragraph besagt ausdrücklich „oder den Umständen nach annehmen muß“, daß die Waren mittels einer strafbaren Handlung erlangt sind. Dieser Satz sollte jedem Kollegen bei jedem Kauf, Tausch, Pfande usw. vorschweben. Es existiert oft die irrige Ansicht, als ob nur Kaufen eventuell strafbar sei, Tauschen, Beleihen usw., aber straflos. Jedes Ansichbringen eines Gegenstandes ganz gleich, in welcher Art und Form, welcher durch eine strafbare Handlung erlangt ist, ist auch strafbar. Strafbar, wenn bei diesem Ansichbringen Nebenerscheinungen hervortraten, welche darauf hinweisen, daß der Gegenstand mittels einer strafbaren Handlung erlangt ist, resp. sein kann.

Bei jedem „Ansichbringen“ hat der Goldschmied sich die Frage vorzulegen: Ist jeder Verdacht unredlichen Erwerbs ausgeschlossen? Ist nun der Offerierende ein Bekannter, so ist die Prüfung ja eine ziemlich einfache. Die allererste Frage und Prüfung muß das Alter des Verkäufers sein, und diese Frage muß die Volljährigkeit ergeben, damit der Betreffende frei und nach eigenem Ermessen über das Seine verfügen kann.

Die zweite Erwägung muß darin bestehen, ob der GegenStand seinen Umständen und seinem Werte nach auch mit der an bieten den Person im Einklang ist. Es kann ein Junge keine Uhr, eine Waschfrau keinen Brillantring und ein Arbeiter keinen goldenen Chronometer anbieten, ohne begründeten Verdacht zu erregen. Sind beide Erwägungen ohne Bedenken und der Anbietende dem Käufer als solide bekannt, so wäre es töricht, falls ein Verdienst in Aussicht steht, diesen abzuweisen. Eine Erschwerung des rechtlich Erworbenen will ja auch das Gesetz nicht, sondern es will jedem den Besitz und das Seine schützen.

Ganz anders aber steht die Angelegenheit, wenn der Anbietende ein Unbekannter, die Person minderjährig oder der Wert in kein Verhältnis mit der Person zu bringen ist. Beim Minderjährigen muß jeder Kauf ohne Bedenken sofort abgewiesen werden. Beim Unbekannten ist größte Vorsicht am Platze, und zwar bei einem Kaufe noch mehr, wie bei einem Tausche. Der Verkäufer ist bestrebt, Geld zu erhalten, also ein anderes, allgemein verwendbares Zahlungsmittel, und befindet sich durchweg in einer Art von Not; während in den Fällen eines Tausches meistens dem Gegenstand noch Barmittel hinzugefügt werden müssen.

Man hat also im ersten Falle es meistens mit einem Geldbedürftigen zu tun, während im zweiten Falle der Tauscher eine geldbesitzende Person ist die sich entweder etwas Besseres zulegen will oder einen für sie unbrauchbaren gegen einen brauchbaren Gegenstand abstoßen will. Und trotzdem darf auch der Tauscher nicht außer acht gelassen werden. Gerade Frauen sind hieraufhin stets vorsichtig zu behandeln. Ich will einen Fall aus meiner Praxis anführen, wo ein Ehemann nach vier Jahren ein von mir in Abwesenheit meines Chefs abgeschlossenes OhrringeGeschäft zum mindesten noch rückgängig zu machen versuchte. Nach seiner, des Ehemannes, gemachten und genau behaupteten Anzeige sei erstens das Geschäft ohne seine Einwilligung erfolgt und zweitens habe sich seine Frau infolge weiblicher Umstände in hochgradiger Erregung, wenn nicht geistigem Defekt, befunden. Der ganze Tausch war so minimaler Art, daß vielleicht auf tausend solcher Geschäfte, selbst wenn der Mann recht gehabt hätte, keine Anzeige erfolgen würde. Es genügt dieses aber als Beweis, wie vorsichtig und aufmerksam der Geschäftsmann sein muß.

Jeder Tausch verlangt auch die Prüfung der Umstände und seiner Nebenumstände. Wenn ein Arbeiter einen billigen 8 kar. Ring gegen einen soliden 14 kar. vertauscht und die Differenz mit einem Fünfzigmarkschein bezahlt, ist an dem Geschäft nichts verdächtig. Es sind also keine Umstände vorhanden, wonach der Ring oder der Fünfzigmarkschein mittels einer strafbaren Handlung erworben sein müßten. Wenn aber dieser gleiche Arbeiter seinen 8kar. Ring gegen einen Brillantring für 100 Mk. vertauscht und die Differenz mit einem Tausendmarkschein bezahlen will, sind bereits zwei verdächtige Umstände vorhanden. Erstens, was will der Arbeiter mit einem Brillantring, wie kommt der Mann dazu, eine seinen Verhältnissen nicht angemessene Ausgabe zu machen, und zweitens, wie gelangt der Mann zu einem Tausendmarkschein. Hier erfordert die Vorsicht, zögernd zu handeln. Ein empfehlenswerter Weg ist hierbei stets, das Geschäft abzuschließen, sich selbst aber noch nicht zu binden, z. B. den 8 kar. Ring und wenn möglich auch den Tausendmarkschein zu behalten, unter der Ausrede, denselben auf der Bank erst wechseln zu müssen. Auch der gekaufte Ring wird unter Ausreden, wie: ihn in der Weite richten zu wollen, Etuis aussuchen, aufpolieren usw. zurückbehalten und der Käufer auf eine Stunde später bestellt. Gern wird dem Käufer aber auch in Aussicht gestellt, alles an eine bestimmte Adresse hinsenden zu wollen. Es muß die Taktik jetzt herrschen, den Käufer nicht zu verletzen, das Geschäft zu machen, wenn die verdächtigen Umstände weggeräumt sind, und das Geschäft nicht zu machen, wenn die Umstände nicht als unverdächtig aufzuklären sind.

In den allermeisten Fällen lassen sich schon während des Kaufes unauffällig zum Zwecke dieser Klarstellung Fragen stellen. Nehmen wir an, es sei an einem Badeplatz, und der Betreffende macht seiner Äußerlichkeit nach den Eindruck eines Hausdieners. Dieses unauffällig festzustellen, sind ja Kleinigkeiten, denn ohne Bedenken wird der Hausdiener Auskünfte geben, die sich für die Nachforschung eignen. Ist der Käufer fort, wird die erzielte Zwischenzeit benutzt, zu erkundigen, ob die von dem Hausburschen gemachten Aussagen auf Wahrheit beruhen. Es muß also festgestellt werden, ob der Hausdiener wirklich in dem von ihm benannten Hotel bedienstet ist. Ob ferner derselbe seinem Verdienste nach redlich einen Tausendmarkschein besitzen kann. Diese Erkundigungen müssen, wenn auch nicht gerade beim Wirte selbst, so doch bei einer einwandfreien Persönlichkeit, wie Oberkellner, Portier usw. erfolgen. Ergibt die Auskunft die Richtigkeit und keine weiteren Bedenken, so kann das Geschäft ruhig zum Abschluß gelangen. Ist die Auskunft aber unklar und sind die Bedenken nicht auf irgend eine andere Art oder durch weitere gute Zeugen befriedigend zu klären, so muß das Geschäft unterbleiben. Als letztes kann dann aber immer noch die Klarstellung durch den Käufer selbst versucht werden. Diese führt, sofern redliche Erwerbung vorliegt, fast stets zum Erfolg. Dem Käufer oder Tauscher werden jetzt offen die Umstände erklärt, weshalb das Geschäft unterbleiben muß. Hierdurch wird der Käufer in seinem Ansehen engagiert, und es liegt in seinem Interesse, ehrenhaft dazustehen. In den allermeisten Fällen wird er alle Zweifel jetzt selbst zu heben suchen. Weigert er sich aber, so mag der Geschäftsmann ruhig auf jeden Verdienst verzichten, denn etwas ist nicht richtig.

Ganz ähnlich wie beim Tausch muß der Geschäftsmann auch beim Kaufe verfahren, nur, wie schon erwähnt, noch vorsichtiger. Von vornherein möchte ich mich dahin aussprechen, nie von Unbekannten zu kaufen. Auf alle Fälle muß eine Legitimierung erfolgen, besser aber, wenn dieses durch Bekannte bestätigt werden kann. Kleine unbedeutende Verkäufe sollte Inan ihres geringen Verdienstes und den damit verbundenen Gefahren wegen überhaupt ablehnen. Ohne jede Prüfung, kurzer Hand klar und entschieden abweisen, ist dafür das allein Richtige.

Ist der Gegenstand und der in Aussicht stehende Gewinn aber ein größerer, so muß der Käufer in eine rasche, aber sorgfältige Prüfung eintreten. Dann aber mag er seinen Vorteil wahren, mit anderen Worten, so billig wie nur irgend möglich kaufen. Als selbstverständlich darf ich voraussetzen, daß dieses billige Kaufen nicht auf Verschweigen wahrer Tatsachen beruhen darf. Der Käufer darf den Verkäufer nicht falsch belehren, und gestellte Fragen hat er wahrheitsgetreu zu beantworten. Würde ein Käufer z. B. auf gestellte Fragen ausweichend antworten und dadurch den Verkäufer in dem Eindruck belassen oder gar bestärken, als ob Gold, Doublé, Silber, Neusilber, echte Steine, unecht wären, so würde auf Anzeige bestimmt ein Verfahren wegen Betrugs gegen denselben eröffnet.

Wer lange Jahre persönlich mit Interesse im Geschäftsleben stand, weiß, wie verwickelt und verworren die Fäden oft sind. Ein Fall, der vielleicht einzig dasteht, muß hier noch angeführt werden. Es mögen gut 15 Jahre her sein: Durch einen meiner Gehilfen wurde ich während der Mittagszeit gerufen. Schleunigst gehe ich ins Geschäft, und wie ich dasselbe betrete, liegt auf meinem Arbeitsplatz eine goldene Savonnettuhr mit goldener Panzerkette. Der Verkäufer war in Wirklichkeit ein total zerlumpter Landstreicher. Die bloßen Zehen aus den Stiefeln, Hose und Rock zerfetzt. Im Gesicht dagegen war der Mann intelligent, ich möchte sagen schön, und die Sprache war die eines gebil

deten Mannes. Der Kontrast war hier auf das schärfste gegeben. Ich frage nach dem Preise für Uhr und Kette und der Mann fordert, sage ganze „12 Mk.“. Eine gewisse Zeit werde ich wohl zur Erholung gebraucht haben, denn die Gegenstände waren für 100 Mk. sehr billig. Meine nächste Frage war: „Wie kommen Sie zu solcher Uhr und Kette?“ Der Betreffende antwortet mit der größten Ruhe: „Das habe ich mir in Genf gekauft zum Preise von 195 Frank“. Mein Staunen will also kein Ende nehmen, wie hätte ich solches Unding mir auch erklären können. Nun verlange ich Erklärung von ihm, und diese war recht einfacher Art. Er erwiderte: „Ich bin Küchenchef, habe schon viel Geld verdient, besondere Umstände haben mich aber zurückgebracht; wenn ich nur so viel bares Geld erhalte, daß ich mich hier in anständiger Weise vorstellen kann, so erhalte ich wieder Stellung und diesen geringen Wert kann ich dann leicht ersetzen; wenn ich mir Hemd, Kragen, Hut, Stiefel usw. kaufen kann, ist mir geholfen“. Nun verweise ich den Anbieter an das Pfandhaus; rund heraus erklärt aber derselbe, da gehe er nicht hin. Der Mann war auf diese Art nicht fortzubringen, und so blieb mir kein anderer Weg als zu erklären, daß ich unter diesen Umständen die unrechtmäßige Erwerbung annehmen müsse, daher jeden Kauf ablehne. Dagegen wolle ich Käufer zu einem weit höheren Preise sein, wenn er mir irgend eine Adresse aufgebe, wo ich mich über ihn erkundigen könne. Ich rechnete ja mit voller Unmöglichkeit, aber ich hatte mich verrechnet. „Einen Herrn der mich jahrelang kennt, den habe ich hier, aber ungern, sehr ungern gehe ich zu demselben“, war seine Erwiderung. Meine Standhaftigkeit konnte er aber nicht ins Wanken bringen, und sofern er mir Uhr und Kette verkaufen wollte, mußte er diese Reserve aufgeben. Als Bedingung stellte er nun aber auf, daß ich sofort mit ihm gehen müsse. Vorm Kasino machten wir Halt, und er ging in die Küche, um den Chef zu rufen. Dieser erschien in weißem Gewand direkt von der Arbeit und vom Herd weg. Ein etwas verwundertes Gesicht machte dieser Herr, wie ich ihm die Sachlage von meinem Standpunkt aus erklärte. Dann erfolgte aber die beruhigendste Versicherung betreffs der Richtigkeit. Der Chef erklärte mir, seit fünf Jahren Chef im Kasino zu sein und den Verkäufer seit Jahren als einen sehr gewandten Koch zu kennen. Uhr und Kette habe er damals schon besessen, wie er mit ihm in der Schweiz zusammen arbeitete. Ich behändigte noch in Gegenwart des Chefs dem Verkäufer einen anständigen Betrag, und jeder zog zufrieden seines Weges.

Wenn nun wirklich in diesem Falle sich herausgestellt haben sollte, daß Uhr und Kette, wie § 259 sich ausdrückt, mittels einer strafbaren Handlung erlangt gewesen wären, so hätte ich doch einer Anklage ruhig entgegensehen können. Die Umstände lagen freilich so, daß ich Verdacht nehmen mußte; diesen Verdacht aber habe ich durch persönliche gewissenhafte Erkundigung aufgeklärt. Selbst wenn, was noch vorkommen könnte, ich belogen worden wäre, hätte dieses an meiner Straflosigkeit nichts ändern können. Nach § 259 hätte eine begründete Anklage kaum erhoben werden können.

Eine andere Frage aber drängt sich noch vor: Wenn ich mich in gleicher Weise, wie vorstehend, erkundigt hätte und jetzt dem Verkäufer nur 12 Mk. gegeben, wäre dieses gesetzlich strafbar gewesen? Daß eine solche Handlung eine Gemeinheit, ein durch und durch verwerfliches Benehmen wäre, bedarf keiner Frage. Denn es wäre die Notlage eines anderen ausgebeutet worden. Wahrscheinlich könnte man deshalb auf Grund des Wucherparagraphen 302a gefaßt werden.

Ob bei zweifelhaften und verdächtigen Gegenständen die Polizei in Tätigkeit zu setzen ist, möchte ich als eine Gefühlsund Taktangelegenheit betrachtet wissen. Ist der Gegenstand ganz zweifellos unrechtmäßig erworben, dann ja. Handelt es sich ferner um Verbrechen, dann möchte ich auch jeden Verdacht angezeigt wissen; denn die menschliche Gemeinschaft gebietet, sich gegenseitig beizustehen. Ist die Sache aber minimal, dazu noch recht zweifelhaft, so würde es im allgemeinen für den Goldschmied wohl am richtigsten sein, das Geschäft abzulehnen und sich um nichts zu kümmern. Ganz besonders sind auch Gehilfen und Angestellte darauf hinzuweisen, daß sie sich aller zweifelhaften Käufe zu enthalten haben, welche in Abwesenheit des Prinzipals oder der Vertretung ihnen angeboten werden. Das Gesetz bestraft im allgemeinen nur die bösen Absichten, hier bestraft es auch die Absicht eines Gehilfen, wenn derselbe auf diese Art dem Geschäfte einen Nutzen zuführen wollte. Ausdrücklich betont der § „oder zu seinem Absatze bei anderen mitwirkt“. Diese Fassung würde daher den Gehilfen treffen. Wenn ich in dem heiklen Thema dieses Artikels alles niederlegte, was Praxis und Erfahrung mich gelehrt, so glaube ich mich insoweit nützlich gemacht zu haben, daß mancher Kollege mit be

sonderer Vorsicht an Privatkauf und -Tausch herantritt. Möge jeder in der Stunde, wo durch leichten Kauf ihm besonderer Vorteil winkt, die Charakterfestigkeit besitzen, wenn zweifelhaft, dann abzulehnen. Wer aber diese Festigkeit nicht besitzt, für den möge die Bitte in Erfüllung gehen:

„Und führe uns nicht in Versuchung“. G. H.

Offener Sprechsaal.

Unter dieser Rubrik veröffentlichen wir Einsendungen von Abonnenten und Fachkollegen, die in sachlicher Weise auf Übelstände

aufmerksam machen und zur Diskussion darüber auffordern.

Wir bitten alle unsere Leser, von dieser Einrichtung recht häufig Ge

brauch machen zu wollen, mit der Bemerkung, daß diese Einsendungen ohne unsere redaktionelle Verantwortung erscheinen.

Die jetzt wiederkehrende Sport-Saison veranlaßt mich zu folgendem Artikel: Seit den letzten Jahren haben sich die Programme der verschiedenen Sport-Vereine für ihre Veranstaltungen zur Reklame herausgebildet. Die Programme sind jetzt nicht mehr nur solche, sondern ein richtiges kleines Buch, in welchem der weitaus größere Platz den verschiedensten Inseraten eingeräumt ist. An und für sich ist dies ja ganz schön und gut; bringen diese Inserate doch eine gute Einnahme für den betreffenden Verein. Aber wie diese Inserate aufgenommen werden, ist nur zu verurteilen. Will ein Verein für seine sportlichen Veranstaltungen Ehrenpreise beschaffen, seien dieselben nun aus Silber, Alfenide oder Kayserzinn, so wird erst dem betreffenden Juwelier oder Ladeninhaber der einschlägigen Geschäfte gesagt, wenn er kein Inserat für das Programm aufgibt, nichts bei ihm gekauft würde. Verneint dies der Juwelier, so wird eben bei der Konkurrenz gekauft und diese macht das Geschäft, weil sie sich mit der Aufgabe eines ent

sprechenden Inserates einverstanden erklärt. Es muß sich also wohl jeder, nolens volens, zur Aufgabe eines Inserates herbeilassen. Ein „Geschäft“ mit Vereinen ist ja heutzutage gar nicht mehr zu machen. Durch die große Konkurrenz, welche auch leider nicht immer anständig handelt, sind die Preise sehr heruntergedrückt; es werden 10"o, ja manchmal noch mehr nachgelassen, die Gravierung der Ehrenpreise, welche manchmal recht lang ist, muß gratis geliefert werden, ein Etui dazu darf auch nichts kosten, und dann noch die Unkosten für das Inserat, was bleibt dann noch übrig vom Verdienst? Gar nichts, man muß sogar noch froh sein, daß man bei diesem sogenannten Geschäft nicht noch Geld zugesetzt hat. Leider wird sich in dieser Angelegenheit nichts zur Besserung tun lassen, da diese Unsitte schon zu sehr eingerissen ist, und manche Geschäfte trotz allem und diesem eben weiter die Ehrenpreise zu minimalem oder gar keinem Verdienst an die Vereine abgeben. G.

Kleine Mitteilungen.

Für die neue Auflage des 0ffiziellen Leipziger Meß-Adreßbuchs (Michaelismesse 1906 Beginn 26. August) wird vom Meß-Ausschuß der Handelskammer Leipzig gegenwärtig der maßgebende Anmeldebogen versendet. Die pünktliche Rücksendung des Anmeldebogens ist allen Ausstellern dringend zu empfehlen, da die Aufnahme oder Wiederaufnahme im Buche davon abhängt. Neue Aussteller, die das Formular noch nicht erhalten haben sollten, bekommen es auf Wunsch vom Meß-Ausschuß noch zugestellt. Aufträge für den Inserat enteil des Buches sind an die Firma Haasenstein 6 Vogler, A.-G. zu Leipzig zu richten.

Die Firma Dr. Richter & Co. in Pforzheim, Gold- und SilberScheide- und Legier-Anstalt, Walz- und Drahtwerk, hat ihre BureauRäume in das Hauptgebäude, Zerrennerstraße 21, verlegt; der Einbau einer größeren Kraftanlage sowie die Aufstellung einer Anzahl neuer Maschinen in den Nebengebäuden, hat diese Verlegung notwendig gemacht. Im Jahre 1865 gegründet, aus kleinen Anfängen emporgewachsen und nunmehr eine der bedeutendsten am Platze, hat diese Scheide- und Gekrätzpräparier-Anstalt nach und nach noch eine Anzahl Spezialitäten aufgenommen: Gold- und Silberlegierungen in Blech- und Drahtform für die Bijouterie- und Metallwarenfabrikation usw. Gleichzeitig betreibt sie die Herstellung von Gold- und Silberloten der verschiedenen Gehalte und von Spezialloten für Doublé-, Alpaka-, Tombak-, Messing- und Stahl-Lötung, dem jeweiligen Zweck angepaßt als Blech in Streifen, als Draht oder als Feilung; ferner von Gold- und Silbersalzen (Chorgold, Chlorsilber, salpetersaures Silber, Cyansilber), Galv. Bädern, Streichprobe-Utensilien, als Streichnadeln, -Sterne, Säuren; Schmelzpulvern zum Abtreiben und Glattschmelzen. Ihre Legierbücher für die Goldwarenfabrikation haben schon die 3. Auflage erfahren.

Nach nunmehr erfolgter Beendigung der Verlassenschafts-Abhandlung des verstorbenen Herrn Heinrich Herzka in Wien, zeigt dessen Witwe, Frau Rosalie Herzka, als nunmehrige Alleininhaberin der Firma, die Fortführung des Gold- und Juwelenfabrikund Engros-Geschäftes unter Beibehaltung der Firma Heinrich Herzka (Wien VII, Siebensterngasse 46) in sonst unveränderter Form an. Die bisherige Prokura ihres Neffen, des Herrn Sándor Herzka, bleibt gleichfalls aufrecht. Die Aufrechthaltung des alten und geachteten Hauses wird allseitig sympathisch begrüßt.

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mit der Aufschrift: DT „Hausieren mit Sehmucksachen,

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Tasehenuhren, Brillen u.optiseh.

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