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Frage- und Antwortkasten. für brieflich gewünschte Pragebeantwortung bitten wir das Porto beizufügen.

Fragen: Frage 537. Wer ist der Fabrikant des Ohrlochstechers „Schmerzlos“?

K. & W. in P. Frage 564. Wer liefert Preßteile für Kirchensachen billigst?

E. F. in L. Frage 568. Wie verhindert man das Braun- und Schwarzwerden unechter Bijouterie- und Metallgegenstände in wirksamer Weise? Das sogen. Zaponieren hat sich nicht immer zweckdienlich erwiesen.

F. H. in B. Frage 570. Wer fabriziert Siegelstangenhalter in Silber mit Pfanne und Spirituslampe?

R. F. in P. u. L. Frage 581. Ist jemand von den geehrten Fachkollegen in der Lage, ein besseres, bezw. reinlicheres Metallputzmittel für die Politur von Tombak u. dgl. anzugeben, als das bekannte Polierrot? Eventuell welches und wo erhältlich?

P. H. in B. Frage 582. Wer war der Aussteller der großen, sieben- oder neunlichtigen Kandelaber in Silber (Schilf - Motiv) auf der Pariser Weltausstellung 1900? Ich bitte um gefl. Antwort. J. Ļ. in B.

Frage 585. Wer ist Lieferant von Federstahl, wie solcher zu den Bischofmechaniken der Manschettenknöpfe verwendet wird?

H. N. in N. Frage 597. Welche Firma hat die Medaille (in Zink) von der „Marienburger Gewerbeausstellung 1884" geprägt? H. W. in M.

Frage 598. Wer fabriziert oder liefert Pressungen für Ohrgehänge und Ringe?

R. R. in L. Frage 599. Welche Firma in der Nähe, oder in Pforzheim) fabriziert die Weiß metallkeiten, die als Warenzeichen ein springendes Pferd tragen?

F. H. in G. Frage 600. Wer liefert Pressungen von Broschen, Schließen und Kolliers im Renaissancestil?

A. N., Budapest. Frage 601. Wer liefert Silber- oder Doublé-PorträtFassungen?

M. H. Gold. Frage 602. Wer liefert unversilberte prima Neusilbermesserbänkchen (mit vier Kugeln) großweise als Spezialität?

H. K., Nickelwerk Schwerte i. W. Frage 603. Wird Neusilber als Unterlagemetall versilberter Waren beim Absilbern in Schwefelsäure (erhitzt) bei Zusatz von Salpetersäure angegriffen ? Gibt es ein besseres Mittel schwer versilberte Waren abzusilbern? H. K., Nickelwerk Schwerte i. W.

Frage 604. Wer galvanisiert Erstlingsschuhe in bester Ausführung?

Antworten: Zu Frage 551. Email - Aufsätze für Silberohrringe liefern: Adolf Köhler, Pforzheim. Emil Kindler, Pforzheim, Calwerstr. - Georg Heinrich, Pforzheim, Holzgartenstr.

Zu Frage 571. Der originellste_Trauringständer ist die durch ein Uhrwerk in Bewegung gesetzte Trauring-Schmiede (gesetzl. geschützt) von Adolf Köhler, Pforzheim.

Zu Frage 583. Vernickelte Anhänger zum Oeffnen (Totenköpfe, Nüsse, Eicheln, Glücksschweinchen) liefert: Schulte & vom Hofe, Metallwarenfabrik, Lüdenscheid. – Die Firma Klein & Quenzer in Oberstein wird Ihnen gewiß mit fraglichen Nickelanhängern dienen können.

Zu Frage 584. Kleine Globen als Anhänger bezog man früher von Gablonz. Vielleicht ist eine der dortigen Steinschleifereien oder Handlungen so freundlich, Ihnen behilflich zu sein. Dies wäre vielleicht die Großhandlung F. H. Hofmann in Kuka u bei Gablonz (Böhmen).

Zu Frage 586. Broschen usw. mit jeder gewünschten Ansicht liefern: Paul Hübner, Berlin O., Markusstr. 5. — C. Müller, Steinwiesen (Bayern). – Schulte & vom Hofe, Metallwarenfabrik, Lüdenscheid.

Zu Frage 587. Wenn Sie Schreibgarnituren usw., Silber in Verbindung mit Steinarten suchen, sei Ihnen die Firma Ernst Larquette in Pforzheim empfohlen. ·Tassen, Services usw., mit Silber aufgeschlagen und montiert, besorgt Ihnen Herr C. F. Jourdan in Pforzheim als Vertreter einer großen Fabrik dieser Artikel.

Zu Frage 589. Goldene Buchstabenringe, auch nach russischer Schreibart, fertigen: Bernh. Brenner, Ringfabrik, Pforzheim. Carl Siebenpfeiffer, Pforzheim, Durlacherstr. 23.

Zu Frage 590. Betr. Gegenstände verquicken Sie mit in Salpetersäure aufgelöstem Quecksilber, welches mit destilliertem Wasser verdünnt ist; wenn der Gegenstand dann gut versilbert, nochmals gekratzt, verquickt und versilbert ist, läßt sich die Versilberung gut mit dem Stahl polieren ohne aufzusteigen.

G. Klein. Zu Frage 591. Kupferwaren in bester Ausführung fabrizieren vorteilhaft und zu billigsten Preisen: Nürnberger Metall- und Lackierwaren-Fabrik, vorm. Gebrüder Bing, A.-G., Nürnberg.

Zu Frage 592. Rosenkränze (Silber und versilbert, letztere auch in Filigran) liefern: Adolf Köhler, Pforzheim. Pfeiffer & Schölch, Pforzheim. – Schumann & Vahl, Weißenfels.

Zu Frage 593. Für Zigaretten-Etuis, modernster und feinster Art, sind als Fabrikanten bekannt: Beck & Burgschneider, Silberwarenfabrik, Pforzheim. – Louis Kuppenheim, Pforzheim. Fr. Bemberg, Pforzheim. - Robert Ungerer, Silberwarenfabrik, Pforzheim.

Zu Frage 594. Die bezeichneten Scherzanhänger liefern: Adolf Köhler, Pforzheim. – Eugen Porcher, Pforzheim.

Bernhard Stein & Co., Frankfurt a. M. — Gebr. Levin in Braunschweig.

Zu Frage 595. Die Laubsägen ,Finis“ liefert die Firma Hagenmeyer & Kirchner, Berlin C., Unterwasserstr. 9a. Fabrikant der Laubsäge „Finis“ ist: J. N. Eberle & Cie. in Augsburg. Auch zu beziehen von J. Schmalz in Pforzheim. Georg Jakob, Leipzig, Katharinenstr.

Zu Frage 596. · Massive kleine Kugeln für alle Zwecke liefern als Spezialität die Firmen: Victor Řehm in Pforzheim. Adolf Feiler, Bijouterie-Hilfsartikel- Fabrik, Pforzheim.

Zu Frage 604. Erstlingsschuhe galvanisiert in vorzüglichster Ausführung die Würtembergische Metallwaren - Fabrik Geislingen a. d. Steige.

Bekanntmachungen des Verbandes Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede.

Protokoll der Vorstandssitzung des Verbandes Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede am Montag, den 30. April 1906, abends 6'/, Uhr

in der Geschäftsstelle, Oranienstr. 143. Anwesend die Herren: Menzel, Telge, Müller, Schmidt, Walter, Fischer.

Es gelangt zur Kenntnis ein Schreiben des Herrn Anton Rath, Schriftführer des Vereins der Juweliere, Gold- und Silberschmiede Bayerns, wonach in der Hauptversammlung am 24. März Herr Hofgoldschmied Theodor Heiden, München, zum ersten Vorsitzenden des Vereins Bayern gewählt ist. Es wird gleichzeitig in dem Schreiben der Wunsch ausgesprochen, Herrn Heiden als Ausschußmitglied für Bayern vorzuschlagen.

Der Vorstand begrüßt den Vorschlag, Herrn Heiden in den Ausschuß zu wählen, mit Freuden und wird in der nächsten Sitzung einen entsprechenden Antrag stellen.

Von Herrn Juwelier Merklein, Nürnberg, ist die Mitteilung eingegangen, daß er den Vorsitz der Freien Vereinigung der Juweliere, Gold- und Silberschmiede von Nürnberg und Fürth niedergelegt hat und dafür Herr Kleining in Firma I. A. Egersdörfer den Vorsitz übernommen hat.

Infolge der Rundfrage bei den Herren des Ausschusses, ob sie einem Darlehen aus der Unterstützungskasse an einen würdigen Kollegen zustimmen, sind neun Zustimmungen eingegangen, nur eine dagegen, mithin ist die Unterstützung bewilligt.

Ferner haben sechs Herren vom Ausschuß auf die schriftliche Anfrage für Abhaltung des Verbandstages Eisenach am 4., 5. und 6. August sich zustimmend erklärt, mithin wird eine vorläufige Einladung zu diesem Zeitpunkt beschlossen.

Es kommt ein Schriftstück der Amtsanwaltschaft Nürnberg zur Vorlesung, wonach infolge der Beschwerde an den Herrn Justitzminister in München die Strafverfolgung gegen eine hausierende Firma wieder aufgenommen ist und neue Erhebungen angestellt werden sollen. Das Ergebnis des neuerdings eingeleiteten Strafverfahrens soll dem Vorstand bekannt gegeben werden.

Von dem Verband der Glaser-Innungen ist auf Ersuchen des Vorsitzenden die Geschäftsordnung einer Sterbe-Unterstützungskasse eingegangen. Dieser Kasse gehören jetzt 2461 Mitglieder an. Im Todesfalle ist bis jetzt den Hinterbliebenen schon seit Jahren der Betrag von 310 Mark bei jedem Todesfall bezahlt worden, obgleich die Mitglieder nur bei jedem Sterbefall 20 Pf. in die Kasse einzuzahlen haben und bei der Aufnahme je nach dem Alter eine Aufnahmegebühr von 2 Mark bis 8 Mark zu entrichten ist.

Der Vorstand beschließt, diese Angelegenheit Herrn Menzel zur Bearbeitung zu übergeben, um in der nächsten Ausschußsitzung darüber zu berichten.

Ueber den Stand der Angelegenheit gegen die Benennung „Brillant" oder „Diamant“ für Glassteine berichtet Herr Fischer, daß, nachdem der Prozeß gegen die Bera-Kompagnie, welcher in München beschlossen wurde, ohne Erfolg war, er sich in einem Schreiben vom 14. März an Herrn Merklein, Nürnberg, gewendet habe, welcher auf dem Verbandstag für Schaffung eines Gesetzes plädiert hat; er habe auch zugesagt, die Unterlagen für eine Petition zu geben. In dem Schreiben vom 14. März habe er nochmals daran erinnert, doch sei das Material noch nicht eingegangen. Inzwischen habe sich das Journal eingehend mit der Angelegenheit beschäftigt und sei jetzt am 29. April ein Entwurf für eine Petition von dem Journal der Goldschmiedekunst eingegangen. Dieser liegt eine erhebliche Vorgeschichte zugrunde, indem vor längerer Zeit die Goldschmiede-Innung Leipzig an das Journal das Ersuchen richtete, gegen den Bera-Schwindel vorzugehen. Daraufhin hat das Journal zunächst an die Erste Kammer des sächsischen Ständehauses und dann an den Landtag sorgfältig begründete Eingaben gerichtet, die auch volle Würdigung gefunden hatten. Dem Vorschlag, durch ein strafferes Gesetz den Bera-Diamanten- Unfug zu beseitigen, konnte aber nicht Folge gegeben werden, weil dafür die Reichsbehörden zuständig seien. In der Ersten sächsischen Kammer wurde am 27. Februar darauf hingewiesen, daß es dem Journal der Goldschmiedekunst überlassen bleiben müsse, sich an den Bundesrat zu wenden. Das Journal ist somit vollständig legitimiert, die Sache weiter zu verfolgen. Am 6. April ging denn ein Schreiben ein, wonach an den Vorstand des Verbandes die Mitteilung gelangte, daß das Journal es für seine Pflicht gehalten habe, die sächsische Regierung in dieser Angelegenheit mobil zu machen und daß ihr dies in den Grenzen der Möglichkeit vollständig gelungen sei. Das Journal möchte nicht auf halbem Wege stehen bleiben und wäre bereit, die Sache in der angeregten Weise bei dem Bundesrat weiter zu verfolgen. Indessen wolle es aber auch nicht dem Verband vorgreifen und fragte an, ob der Vorstand die Angelegenheit zu der seinigen machen wolle und fügte mit Recht hinzu, daß die Behandlung derartiger Fragen von seiten der Fachpressé gewisse Grenzen haben müsse. Darauf habe er, der Vorsitzende, bereits am 9. April das Journal der Goldschmiedekunst gebeten, uns einen Antrag für das Reichsamt des Innern in Grundzügen vorzubereiten, weil die Arbeiten im Vorstand zur Zeit sehr bedeutende seien. Außerdem haben mündliche Verhandlungen darüber in Berlin und Leipzig stattgefunden. Er habe nun den von dem Journal eingereichten Entwurf, ebenso die Vorgänge insbesondere die Verhandlungen in den sächsischen Kammern einer gründlichen Prüfung unterzogen und komme zu dem Ergebnis, daß verschiedene Verbesserungen notwendig sind. Erforderlich sei, daß in der Petition nicht nur auf die Eingaben an die sächsischen Behörden und die Verhandlungen hingewiesen wird, sondern auch diese beigefügt werden, ebenso möglichst viele Erkenntnisse der verschiedenen Gerichte, ferner eine möglichst große Anzahl von unlauteren Inseraten und ebenso die Plakate aus Hamburg, Leipzig

und Danzig, welche Warnungen enthalten, damit die betreffenden Dezernenten, welche den beantragten Gesetzentwurf zu bearbeiten haben, sich über den Umfang des Glassteinschwindels gründlich orientieren können. Jedenfalls sei notwendig, daß in erster Linie diese Petition von dem Verband unterzeichnet würde, denn nur dieser ist als der berufene Vertreter des Gewerbes anzusehen, nicht aber, wie es in dem Entwurf der Petition heißt: das „Journal der Goldschmiedekunst“.

In derselben Angelegenheit ist von seiten der Redaktion und des Verlags der „Deutschen Goldschmiede-Zeitung“ dem Vorstand von einer Petition Kenntnis gegeben, welche an den Reichstag abgeschickt ist. Die Bearbeitung entspricht nicht den Anforderungen des Verbandes an eine Petition an die höchste Reichsbehörde und ist an die Redaktion entsprechend geschrieben worden *).

Von dem Vorsitzenden des Internationalen Maß- und GewichtsKomitees, Herrn Professor Förster, ist ein Schreiben eingegangen, woraus hervorgeht, daß es völlig aussichtslos ist, in irgend einem der Staaten, welche das metrische System angenommen haben, eine Karat-Gewichtsgröße gesetzlich zugelassen zu sehen, welche nicht einer der nach den Grundsätzen des metrischen Systems zur Aichung zuzulassenden Gewichtsgrößen entspricht. Bei dem allgemeinen Interesse für das metrische Karat empfiehlt der Vorstand, das Schriftstück zu veröffentlichen.

Herr Fischer berichtet weiter, daß mit Bezug auf die Verhandlungen in der letzten Vorstandssitzung das Gutachten der

Handwerkskammer Berlin, über die Frage, ob Uhrmacher, welche nur Uhrmacher gelernt haben, aber Goldwarenreparaturen auszuführen in der Lage sind, das Recht haben sollen, sich als Goldarbeiter zu bezeichnen, jetzt der Protokollbericht über die 12. Vollversammlung der Handwerkskammer zu Berlin am Montag den 26. März, erschienen ist. Es heißt da wörtlich:

„Ferner ist in der Frage: Uhrmacher und Goldarbeiter ein Gutachten abgegeben worden, daß allerdings zu unserer Überraschung nicht überall Billigung gefunden hat. Erlauben Sie, daß ich deshalb mit ein paar Worten darauf eingehe. Es handelte sich um die Frage, ob ein Uhrmacher gesetzlich berechtigt ist, Reparaturen an Goldarbeiten auszuführen. Es ist dem Vorstand vorgeworfen worden, er habe sich in seinem Gutachten auf einen manchesterlichen Standpunkt gestellt und ohne Anhörung von Sachverständigen oder so ähnlich geurteilt.

Das haben wir aber nicht getan, sondern sorgfältig nach eingehender Anhörung der Sachverständigen untersucht, ob nicht doch auf Grund der Gewerbeordnung oder anderer Gesetze ein Einschreiten angängig sei, ob insbesondere nicht das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb eine Handhabe biete. In ersterer Hinsicht sind wir natürlich zu dem Gutachten gekommen, daß die Gewerbeordnung keine Handhabe gewährt, dem Uhrmacher die Vornahme von Reparaturen an Goldarbeiten zu verbieten.“

Daraus geht doch klar und deutlich hervor, daß der Handwerkskammer-Sekretär Dr. Röhl_gar nicht begriffen hat, worauf es bei dem Gutachten ankommt. Er stehe heut auf dem Standpunkt, daß die Handwerkskammer Berlin ungeeignet ist, überhaupt ein Sachverständigen-Gutachten zu geben. Er habe sich deshalb infolge eines Schreibens von dem Vorsitzenden des Vereins der Juweliere, Gold- und Silberschmiede des Regierungsbezirks Frankfurt a. O. am Montag, den 23. April, wegen der außerordentlich wichtigen Angelegenheit nach Frankfurt a. O. begeben und dort in der Handwerkskammer unter Hinzuziehung des Vorsitzenden Paul Sorge und des Juweliers Klose die ganze Materie durchgesprochen, und er hoffe, von dort ein brauchbares Gutachten zu erhalten.

Nach Erledigung einiger Angelegenheiten, welche sich für die Oeffentlichkeit nicht eignen, ist Schluß der Sitzung 8 Uhr 35 Minuten. Fischer. Oscar Müller. Rudolf Menzei. Schmidt.

Paul Telge. Hermann Walter.

Bekanntmachung.
In Angelegenheit Uhrmacher, die sich Goldarbeiter nennen.

Hierdurch bringen wir zur Kenntnis aller unserer Mitglieder, sowie auch solcher Herren, die sich dem Verbande noch nicht angeschlossen haben, daß am 14. Mai wiederum eine gründliche Besprechung des ganzen Materials über die Frage, ob ein Uhrmacher, der nur Uhrmacher gelernt hat, wohl aber in der Lage ist, einige Reparaturen an Goldwaren auszuführen, berechtigt sein soll, daraufhin sich Goldarbeiter oder Goldschmied zu benennen, mit unserm Rechtsbeistand stattgefunden hat. Dieser ist bereit, nachdem das Gutachten der Berliner Handwerkskammer die Frage nicht geklärt sondern verwirrt hat, über diese so außerordentlich wichtige Materie ein gründliches Gutachten zu erstatten, hält es jedoch vorab für dringend notwendig, daß aus allen Städten Deutschlands ein Verzeichnis der Uhrmacher, welche sich Goldarbeiter, Goldschmied oder Juwelier benennen, bei dem Vorstand des unterzeichneten Verbandes eingereicht wird. Wir richten daher an alle unsere Mitglieder und auch an alle Nichtmitglieder, weil sämtliche Juweliere, Gold- und Silberschmiede bei dieser Angelegenheit lebhaft interessiert sind, das höfliche, aber dringende Ersuchen, uns aus allen Städten die Uhrmacher zu benennen, welche sich in Inseraten, oder Firmenschildern, oder am Haus diese unberechtigte Bezeichnung zugelegt haben. Unser Rechtsbeistand hält diese Statistik für dringend notwendig, um diesen Unfug nachzuweisen, um, falls die Gesetze nicht ausreichen sollten, diesen Mißstand zu beseitigen, Gesetzesvorschläge machen zu können, damit ein Unwesen beseitigt wird, welches allgemein als solches beklagt wird. Der Vorstand des Verbandes allein ist nicht imstande, ohne die Mithilfe aller Beteiligten, den jetzigen Zustand zu beseitigen, trotz eingehender sorgfältiger Arbeit, welche in den letzten Jahren darin stattgefunden hat und für die in dem nächsten Geschäftsbericht in Eisenach die Beweise erbracht werden. Ein Nichtbeachten dieser Bekanntmachung würde zur Folge haben, daß der Vorstand jede Tätigkeit nach dieser Richtung hin einstellen müßte. Berlin, den 15. Mai 1906. Verband Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede Berlin S., Oranien-Straße 143.

Fischer.

*) Hierzu bemerken wir, daß uns bereits verschiedene Reichstagsabgeordnete zu der Eingabe beglückwünscht und ihre Bereitwilligkeit ausgesprochen haben, die Sache im Reichstage zu vertreten. Uns ist die Weisung von kundigen Parlamentariern geworden, daß bei solcher Eingabe ,,Kürze des Witzes Seele ist“,

Die Redaktion der Deutschen Goldschmiede-Zeitung.

Nachdruck aus dem Inhalt vorliegender Zeitung ist nur mit Erlaubnis der Redaktion und unter genauer Quellenangabe gestattet.

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Hermann Eckhardt, Dresden † In unserer letzten Nummer berichteten wir bereits, daß der Freund und Kollegen für die treue Mitwirkung an der Arbeit des Obermeister der Dresdener Goldschmiede - Innung, Herr Hermann Verbandes zum Ausdruck brachte. Der Dresdener Männer-GesangEckhardt, nach kurzem Leiden plötzlich und unerwartet verschieden Verein, der in Eckhardt eins seiner langjährigen Mitglieder verlor, ist. Diese Nachricht wird bei allen Fach

brachte ihm noch einen Ehrengesang genossen, die ihn kannten, Überraschung

dar. Zahlreiche Blumen, darunter das und herzliches Bedauern hervorgerufen

prächtige Palmen - Arrangement der Inhaben, denn nichts deutete darauf hin,

nung, die Spende des Verbandes, des daß dem 59 jährigen das Alter eine

genannten Gesang-Vereins, der „DeutBürde war. Gestalt und Aussehen er

schen Goldschmiede-Zeitung“, für die weckten vielmehr den Eindruck voller

der Unterzeichnete erschienen war, beManneskraft und man wähnte für ihn

deckten den Sarg, und mit all diesen das Ende des Lebens in noch weiter

Zeichen der Verehrung und Liebe wurFerne. Auch seine Nächststehenden,

den die sterblichen Überreste des VerFrau und Kinder, seine Dresdener Kol

schiedenen unter dem Banner der Innung legen, die ihn noch wenige Tage vor

und des Männer-Gesang-Vereins dem dem Hinscheiden bei sich gesehen und

Wege der Ewigkeit entgegengeführt. gesprochen hatten, haben nicht ahnen

Was ist die Ursache all dieser Wertkönnen, daß ein asthmatischer Anfall

schätzung, die sich Hermann Eckhardt dem sonst so Rüstigen ein so rasches

verdient hat, er, der als Geschäftsmann Ende bereiten würde. Eine schmerz

nicht einmal so gewaltig hervorgetreten liche Bewegung und große Anteilnahme

ist, daß man, besonders nach heutiger beherrschte daher die hochansehnliche

Auffassung, seinem Geschäft, das er seit zahlreiche Trauer-Versammlung, die sich

sieben Jahren einem Nachfolger überließ, am Freitag, den 25. Mai, auf dem Tri

eine besondere Bedeutung hätte zunitatis - Friedhof zu Dresden eingefunden

schreiben können? Die Ursache liegt hatte, um dem Verschiedenen das letzte

Hermann Eckhardt

ganz und gar in seiner Persönlichkeit! Geleit zu geben. Die Familie sah neben

Eine seltene Treue zeichnete ihm aus Verwandten und Freunden die meisten

und eine Aufrichtigkeit in der Gesinnung, der Dresdener Goldschmiede um sich

die in einem herrlichen Familienleben versammelt. Die letzteren, denen er

Ausdruck fand, die aber auch das starke 13 Jahre lang ein Führer gewesen war,

Band war, das ihn als Obermeister mit wollten ihrem Obermeister den Ab

seinen Dresdener Kollegen verband und schiedsgruß und Dank ins Grab nachrufen. Für den Verband ihm im Ausschuß des Verbandes mit Recht einen Platz sicherte. Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede war Herr Wilhelm Eckhardt war im wahren Sinne des Wortes ein Mann, von echtem Fischer erschienen, der ebenfalls beredte Worte des Dankes dem Schrot und Korn, der, selbst aus kleinsten Verhältnissen hervo.

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gegangen und infolgedessen sich durch eigener Hände Fleiß heraufarbeitete, besonders für den kleinen Goldschmied ein Herz hatte, dessen Interesse zu vertreten ihm stets die erste Aufgabe war. Darum trat er auch mit Energie für die Hebung des Innungswesens, für den Befähigungsnachweis und alle sonstigen Mittel zur Förderung des Handwerkerstandes ein. Nicht durch Worte allein hat er gewirkt, nein, besonders durch sein eigenes Verhalten: Treue und Glauben glänzten in seinem Schild wie reines Gold. Konnte es da Wunder nehmen, daß die Dresdener Goldschmiede ihn zum Führer bestellten und ihn so lange Jahre als solchen immer wieder durch die Neuwahl auszeichneten? Gar manchem ist er vielleicht zu friedliebend, zu wenig vorwärtsgehend erschienen, aber wieviel hat er ausgleichend gewirkt, wenn auseinandergehende Ansichten hervortraten, wie ist gerade er berufen gewesen, durch seine Art und durch seine reichen Lebenserfahrungen

doch immer wieder einen Ausweg und damit den Weg zum Vorwärts zu finden zwischen den mannigfachen Meinungen, die sich in jedem Gemeinwesen zeigen! Und wir glauben, gerade damit hat er sich große Verdienste um die Dresdener Goldschmiede erworben, deren Kollegialität den Geist und Stempel von Eckhardts Wirken trägt. Die verdiente Anerkennung ist deshalb auch bei der Beerdigung in vollem Maße zutage getreten, und die Goldschmiede im Reiche, die Eckhardt kannten, ihm aber ein sichtbares Zeichen der Anteilnahme nicht widmen konnten, werden dem Kranz, der ihm gespendet wurde, im Geiste gern einen Lorbeerzweig hinzufügen. Wenn es auch nichts in der Welt gibt, den Hinterbliebenen den Verlust zu ersetzen, so mögen sie einen Trost in der allseitigen Verehrung und Liebe finden, die der Gatte und Vater bei der Mitwelt und besonders bei den Fachgenossen sich erworben hat.

Wilhelm Diebener.

Von der Hehlerei und dem Paragraph 259.

Motto: Die Erfahrung ist ein Born,

aus dem viele schöpfen! Ein jeder kennt die Bitte im Vaterunser: „Und führe uns nicht in Versuchung“. Der Wichtigkeit dieser wenigen Worte ist sich der erst recht klar, dem das Verhängnis auf seinem Lebenswege Situationen brachte, die ohne lange Überlegung kurz die Entscheidung erforderten. In solchen Momenten liegen Glück oder Unglück oft für das ganze Leben in dieser plötzlichen, unvorhergesehenen Entscheidung, und wehe, wenn fehl gegriffen wird. Für immer kann etwas haften bleiben, und nur guter Wille, Fleiß, Beharrlichkeit und ein ziemliches Maß von Selbstvertrauen können den Betroffenen dann noch erhalten.

Die verschiedenen Hehlereiprozesse der letzten Zeit haben von neuem gezeigt, in welcher Gefahr auch der schweben kann, der gutgläubig eine Sache ankauft, von der sich hinterher herausstellt, daß sie gestohlen ist, und wie vorsichtig man beim Ankauf von Gold und Silber sein muß. Eine Menge Goldschmiede haben diesen Ankauf auf ihren Schildern und Firmen angeschrieben, glauben diese Käufe ruhig machen und den Verdienst gut mitnehmen zu können. Das ist Grund genug, einmal auf den § 259 einzugehen. Derselbe lautet:

„Wer seines Vorteils wegen Sachen, von denen er weiß oder den Umständen nach annehmen muß, daß sie mittels einer strafbaren Handlung erlangt sind, verheimlicht, ankauft, zum Pfande nimmt oder sonst an sich bringt oder zu deren Absatze bei anderen mitwirkt, wird als Hehler mit Gefängnis bestraft.“

Die Fassung dieses Paragraphen ist eigentlich eine sehr klare, viele kennen denselben aber nicht. Die meisten glauben, wenn sie nicht wissen, daß der Gegenstand gestohlen oder unredlich erworben ist, ruhig kaufen zu können. Wenn sie dann gar einen dem Werte angemessenen Preis zahlen, halten sie sich auf alle Fälle gesichert. Beides ist nicht richtig, denn, der Paragraph besagt ausdrücklich „oder den Umständen nach annehmen muß“, daß die Waren mittels einer strafbaren Handlung erlangt sind. Dieser Satz sollte jedem Kollegen bei jedem Kauf, Tausch, Pfande usw. vorschweben. Es existiert oft die irrige Ansicht, als ob nur Kaufen eventuell strafbar sei, Tauschen, Beleihen usw., aber straflos. Jedes Ansichbringen eines Gegenstandes ganz gleich, in welcher Art und Form, welcher durch eine strafbare Handlung erlangt ist, ist auch strafbar. Strafbar, wenn bei diesem Ansichbringen Nebenerscheinungen hervortraten, welche darauf hinweisen, daß der Gegenstand mittels einer strafbaren Handlung erlangt ist, resp. sein kann.

Bei jedem Ansichbringen“ hat der Goldschmied sich die Frage vorzulegen: Ist jeder Verdacht unredlichen Erwerbs ausgeschlossen? Ist nun der Offerierende ein Bekannter, so ist die Prüfung ja eine ziemlich einfache. Die allererste Frage und Prüfung muß das Alter des Verkäufers sein, und diese Frage muß die Volljährigkeit ergeben, damit der Betreffende frei und nach eigenem Ermessen über das Seine verfügen kann.

Die zweite Erwägung muß darin bestehen, ob der Gegenstand seinen Umständen und seinem Werte nach auch mit der anbietenden Person im Einklang ist. Es kann ein Junge keine Uhr, eine Waschfrau keinen Brillantring und ein Arbeiter keinen goldenen Chronometer anbieten, ohne begründeten Verdacht zu erregen. Sind beide Erwägungen ohne Bedenken und der Anbietende dem Käufer als solide bekannt, so wäre es töricht, falls ein Verdienst in Aussicht steht, diesen abzuweisen. Eine Erschwerung des rechtlich Erworbenen will ja auch das Gesetz nicht, sondern es will jedem den Besitz und das Seine schützen.

Ganz anders aber steht die Angelegenheit, wenn der Anbietende ein Unbekannter, die Person minderjährig oder der Wert in kein Verhältnis mit der Person zu bringen ist. Beim Minderjährigen muß jeder Kauf ohne Bedenken sofort abgewiesen werden. Beim Unbekannten ist größte Vorsicht am Platze, und zwar bei einem Kaufe noch mehr, wie bei einem Tausche. Der Verkäufer ist bestrebt, Geld zu erhalten, also ein anderes, allgemein verwendbares Zahlungsmittel, und befindet sich durchweg in einer Art von Not; während in den Fällen eines Tausches meistens dem Gegenstand noch Barmittel hinzugefügt werden müssen.

Man hat also im ersten Falle es meistens mit einem Geldbedürftigen zu tun, während im zweiten Falle der Tauscher eine geldbesitzende Person ist die sich entweder etwas Besseres zulegen will oder einen für sie unbrauchbaren gegen einen brauchbaren Gegenstand abstoßen will. Und trotzdem darf auch der Tauscher nicht außer acht gelassen werden. Gerade Frauen sind hieraufhin stets vorsichtig zu behandeln. Ich will einen Fall aus meiner Praxis anführen, wo ein Ehemann nach vier Jahren ein von mir in Abwesenheit meines Chefs abgeschlossenes OhrringeGeschäft zum mindesten noch rückgängig zu machen versuchte. Nach seiner, des Ehemannes, gemachten und genau behaupteten Anzeige sei erstens das Geschäft ohne seine Einwilligung erfolgt und zweitens habe sich seine Frau infolge weiblicher Umstände in hochgradiger Erregung, wenn nicht geistigem Defekt, befunden. Der ganze Tausch war so minimaler Art, daß vielleicht auf tausend solcher Geschäfte, selbst wenn der Mann recht gehabt hätte, keine Anzeige erfolgen würde. Es genügt dieses aber als Beweis, wie vorsichtig und aufmerksam der Geschäftsmann sein muß.

Jeder Tausch verlangt auch die Prüfung der Umstände und seiner Nebenumstände. Wenn ein Arbeiter einen billigen 8 kar. Ring gegen einen soliden 14 kar. vertauscht und die Differenz mit einem Fünfzigmarkschein bezahlt, ist an dem Geschäft nichts verdächtig. Es sind also keine Umstände vorhanden, wonach der Ring oder der Fünfzigmarkschein mittels einer strafbaren Handlung erworben sein müßten. Wenn aber dieser gleiche Arbeiter seinen 8 kar. Ring gegen einen Brillantring für 100 mk. vertauscht und die Differenz mit einem Tausendmarkschein bezahlen will, sind bereits zwei verdächtige Umstände vorhanden. Erstens, was will der Arbeiter mit einem Brillantring, wie kommt der Mann dazu, eine seinen Verhältnissen nicht angemessene Ausgabe zu machen, und zweitens, wie gelangt der Mann zu einem Tausendmarkschein. Hier erfordert die Vorsicht, zögernd zu handeln.

Ein empfehlenswerter Weg ist hierbei stets, das Geschäft abzu deten Mannes. Der Kontrast war hier auf das schärfste gegeben. schließen, sich selbst aber noch nicht zu binden, z. B. den 8 kar. Ich frage nach dem Preise für Uhr und Kette und der Mann forRing und wenn möglich auch den Tausendmarkschein zu behalten, dert, sage ganze „12 Mk.“. Eine gewisse Zeit werde ich wohl unter der Ausrede, denselben auf der Bank erst wechseln zu zur Erholung gebraucht haben, denn die Gegenstände waren für müssen. Auch der gekaufte Ring wird unter Ausreden, wie: ihn 100 Mk. sehr billig. Meine nächste Frage war: „ „Wie kommen in der Weite richten zu wollen, Etuis aussuchen, aufpolieren usw. Sie zu solcher Uhr und Kette ? Der Betreffende antwortet mit zurückbehalten und der Käufer auf eine Stunde später bestellt. der größten Ruhe: „Das habe ich mir in Genf gekauft zum Preise Gern wird dem Käufer aber auch in Aussicht gestellt, alles an von 195 Frank“. Mein Staunen will also kein Ende nehmen, wie eine bestimmte Adresse hinsenden zu wollen. Es muß die Taktik hätte ich solches Unding mir auch erklären können. Nun verlange jetzt herrschen, den Käufer nicht zu verletzen, das Geschäft zu ich Erklärung von ihm, und diese war recht einfacher Art. Er machen, wenn die verdächtigen Umstände weggeräumt sind, und erwiderte: „Ich bin Küchenchef, habe schon viel Geld verdient, das Geschäft nicht zu machen, wenn die Umstände nicht als un besondere Umstände haben mich aber zurückgebracht; wenn ich verdächtig aufzuklären sind.

nur so viel bares Geld erhalte, daß ich mich hier in anständiger In den allermeisten Fällen lassen sich schon während des

Weise vorstellen kann, so erhalte ich wieder Stellung und diesen Kaufes unauffällig zum Zwecke dieser Klarstellung Fragen stellen.

geringen Wert kann ich dann leicht ersetzen; wenn ich mir Hemd, Nehmen wir an, es sei an einem Badeplatz, und der Betreffende

Kragen, Hut, Stiefel usw. kaufen kann, ist mir geholfen“. Nun macht seiner Äußerlichkeit nach den Eindruck eines Hausdieners.

verweise ich den Anbieter an das Pfandhaus; rund heraus erklärt Dieses unauffällig festzustellen, sind ja Kleinigkeiten, denn ohne

aber derselbe, da gehe er nicht hin. Der Mann war auf diese Bedenken wird der Hausdiener Auskünfte geben, die sich für die

Art nicht fortzubringen, und so blieb mir kein anderer Weg als Nachforschung eignen. Ist der Käufer fort, wird die erzielte

zu erklären, daß ich unter diesen Umständen die unrechtmäßige Zwischenzeit benutzt, zu erkundigen, ob die von dem Hausburschen

Erwerbung annehmen müsse, daher jeden Kauf ablehne. Dagegen gemachten Aussagen auf Wahrheit beruhen. Es muß also fest

wolle ich Käufer zu einem weit höheren Preise sein, wenn er gestellt werden, ob der Hausdiener wirklich in dem von ihm

mir irgend eine Adresse aufgebe, wo ich mich über ihn erkundigen

könne. benannten Hotel bedienstet ist. Ob ferner derselbe seinem Ver

Ich rechnete ja mit voller Unmöglichkeit, aber ich hatte dienste nach redlich einen Tausendmarkschein besitzen kann. Diese

mich verrechnet. „Einen Herrn der mich jahrelang kennt, den Erkundigungen müssen, wenn auch nicht gerade beim Wirte selbst,

habe ich hier, aber ungern, sehr ungern gehe ich zu demselben“, so doch bei einer einwandfreien Persönlichkeit, wie Oberkellner,

war seine Erwiderung. Meine Standhaftigkeit konnte er aber Portier usw. erfolgen. Ergibt die Auskunft die Richtigkeit und keine

nicht ins Wanken bringen, und sofern er mir Uhr und Kette weiteren Bedenken, so kann das Geschäft ruhig zum Abschluß

verkaufen wollte, mußte er diese Reserve aufgeben. Als Bedingung gelangen. Ist die Auskunft aber unklar und sind die Bedenken

stellte er nun aber auf, daß ich sofort mit ihm gehen müsse. nicht auf irgend eine andere Art oder durch weitere gute Zeugen

Vorm Kasino machten wir Halt, und er ging in die Küche, um befriedigend zu klären, so muß das Geschäft unterbleiben. Als

den Chef zu rufen. Dieser erschien in weißem Gewand direkt letztes kann dann aber immer noch die Klarstellung durch den

von der Arbeit und vom Herd weg. Ein etwas verwundertes Käufer selbst versucht werden. Diese führt, sofern redliche Er

Gesicht machte dieser Herr, wie ich ihm die Sachlage von werbung vorliegt, fast stets zum Erfolg. Dem Käufer oder Tauscher

meinem Standpunkt aus erklärte. Dann erfolgte aber die beruhiwerden jetzt offen die Umstände erklärt, weshalb das Geschäft

gendste Versicherung betreffs der Richtigkeit. Der Chef erklärte unterbleiben muß. Hierdurch wird der Käufer in seinem Ansehen

mir, seit fünf Jahren Chef im Kasino zu sein und den Verkäufer engagiert, und es liegt in seinem Interesse, ehrenhaft dazustehen.

seit Jahren als einen sehr gewandten Koch zu kennen. Uhr und In den allermeisten Fällen wird er alle Zweifel jetzt selbst zu

Kette habe er damals schon besessen, wie er mit ihm in der heben suchen. Weigert er sich aber, so mag der Geschäftsmann

Schweiz zusammen arbeitete. Ich behändigte noch in Gegenwart ruhig auf jeden Verdienst verzichten, denn etwas ist nicht richtig.

des Chefs dem Verkäufer einen anständigen Betrag, und jeder

zog zufrieden seines Weges. Ganz ähnlich wie beim Tausch muß der Geschäftsmann auch

Wenn nun wirklich in diesem Falle sich herausgestellt haben beim Kaufe verfahren, nur, wie schon erwähnt, noch vorsichtiger.

sollte, daß Uhr und Kette, wie g 259 sich ausdrückt, mittels einer Von vornherein möchte ich mich dahin aussprechen, nie von Un

strafbaren Handlung erlangt gewesen wären, so hätte ich doch bekannten zu kaufen. Auf alle Fälle muß eine Legitimierung er

einer Anklage ruhig entgegensehen können. Die Umstände lagen folgen, besser aber, wenn dieses durch Bekannte bestätigt werden

freilich so, daß ich Verdacht nehmen mußte; diesen Verdacht aber kann. Kleine unbedeutende Verkäufe sollte inan ihres geringen Verdienstes und den damit verbundenen Gefahren wegen über

habe ich durch persönliche gewissenhafte Erkundigung aufgeklärt.

Selbst wenn, was noch vorkommen könnte, ich belogen worden haupt ablehnen. Ohne jede Prüfung, kurzer Hand klar und entschieden abweisen, ist dafür das allein Richtige.

wäre, hätte dieses an meiner Straflosigkeit nichts ändern können.

Nach § 259 hätte eine begründete Anklage kaum erhoben werden Ist der Gegenstand und der in Aussicht stehende Gewinn können. aber ein größerer, so muß der Käufer in eine rasche, aber sorg Eine andere Frage aber drängt sich noch vor: Wenn ich mich fältige Prüfung eintreten. Dann aber mag er seinen Vorteil wahren, in gleicher Weise, wie vorstehend, erkundigt hätte und jetzt dem mit anderen Worten, so billig wie nur irgend möglich kaufen. Verkäufer nur 12 Mk. gegeben, wäre dieses gesetzlich strafbar Als selbstverständlich darf ich voraussetzen, daß dieses billige gewesen? Daß eine solche Handlung eine Gemeinheit, ein durch Kaufen nicht auf Verschweigen wahrer Tatsachen beruhen darf. und durch verwerfliches Benehmen wäre, bedarf keiner Frage. Der Käufer darf den Verkäufer nicht falsch belehren, und gestellte Denn es wäre die Notlage eines anderen ausgebeutet worden. Fragen hat er wahrheitsgetreu zu beantworten. Würde ein Wahrscheinlich könnte man deshalb auf Grund des WucherparaKäufer z. B. auf gestellte Fragen ausweichend antworten und da graphen 302 a gefaßt werden. durch den Verkäufer in dem Eindruck belassen oder gar bestärken,

Ob bei zweifelhaften und verdächtigen Gegenständen die als ob Gold, Doublé, Silber, Neusilber, echte Steine, unecht wären,

Polizei in Tätigkeit zu setzen ist, möchte ich als eine Gefühlsso würde auf Anzeige bestimmt ein Verfahren wegen Betrugs

und Taktangelegenheit betrachtet wissen. Ist der Gegenstand ganz gegen denselben eröffnet.

zweifellos unrechtmäßig erworben, dann ja. Handelt es sich ferner Wer lange Jahre persönlich mit Interesse im Geschäftsleben um Verbrechen, dann möchte ich auch jeden Verdacht angezeigt stand, weiß, wie verwickelt und verworren die Fäden oft sind. wissen; denn die menschliche Gemeinschaft gebietet, sich gegenEin Fall, der vielleicht einzig dasteht, muß hier noch angeführt seitig beizustehen. Ist die Sache aber minimal, dazu noch recht werden. Es mögen gut 15 Jahre her sein: Durch einen meiner zweifelhaft, so würde es im allgemeinen für den Goldschmied Gehilfen wurde ich während der Mittagszeit gerufen. Schleunigst wohl am richtigsten sein, das Geschäft abzulehnen und sich um gehe ich ins Geschäft, und wie ich dasselbe betrete, liegt auf nichts zu kümmern. Ganz besonders sind auch Gehilfen und meinem Arbeitsplatz eine goldene Savonnettuhr mit goldener Angestellte darauf hinzuweisen, daß sie sich aller zweifelhaften Panzerkette. Der Verkäufer war in Wirklichkeit ein total zer Käufe zu enthalten haben, welche in Abwesenheit des Prinzipals lumpter Landstreicher. Die bloßen Zehen aus den Stiefeln, Hose oder der Vertretung ihnen angeboten werden. Das Gesetz beund Rock zerfetzt. Im Gesicht dagegen war der Mann intelligent, straft im allgemeinen nur die bösen Absichten, hier bestraft es ich möchte sagen schön, und die Sprache war die eines gebil auch die Absicht eines Gehilfen, wenn derselbe auf diese Art

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