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Gold- und Silberscheideanstalt Frankfurt a. M. hat soeben ihren Geschäftsbericht veröffentlicht. Der Bericht lautet außerordentlich günstig. Der Bruttogewinn erhöhte sich um über eine halbe Million auf dreieinhalb Millionen Mark. Die Dividende, die letztes Jahr von 16% auf 18% erhöht wurde, wird diesmal mit 22% vorgeschlagen. – Herr Fabrikdirektor Wienenberger, in Firma Rodi & Wienenberger, A.-G., in Pforzheim, wurde auf Vorschlag der Kreisversammlung zum Bezirksrat ernannt. Mit Rücksicht auf seine Tätigkeit als Stadtrat hat Herr Wienenberger abgelehnt.

Aus Innungen und Vereinen.

Hanauer Kunstgewerbeverein. Gemäß den Beschlüssen der Generalversammlung und der letzten Vorstandssitzung des Hanauer Kunstgewerbevereins setzt sich dessen Vorstand für das neue Vereinsjahr zusammen wie folgt: Vorsitzender: Wilhelm Behrens, i. Fa. W. Behrens; Stellvertreter: H. Zwernemann, i. Fa. Heinr. Zwernemann; Schriftführer: Karl Gereth, i. Fa. Chr. Kißling; Stellvertreter: Otto Backes, i. Fa. Backes & Co.; Kassierer: Georg Deines, i. Fa. Peter Deines Söhne; Julius Steinheuer, i. Fa. Steinheuer & Co.; Fritz Kreuter jun., i. Fa. Fr. Kreuter & Co.; Otto Bonn, i. Fa. Ochs & Bonn; Professor Offterdinger als künstlerischer Beirat. Geschäftsführer des Vereins ist Dr. phil. Grambow, Syndikus der Handelskammer.

Berichtigungen.

In der Nr. 17 Ihrer Zeitung befindet sich unter „Kleine Mitteilungen“ eine Notiz, welche den Ausstand der Besteckarbeiter bei der Firma Franz Bahner betrifft. Die Notiz enthält Unrichtigkeiten. Wir möchten deshalb die verehrliche Redaktion, gestützt auf den § 11 des Preßgesetzes, um Aufnahme folgender Berichtigung ersuchen: Die Kündigung ist erfolgt, nachdem die Firma durch Anschlag am schwarzen Brett den Austritt aus der Organisation verlangt hatte. Wir kämpfen also um die Anerkennung der uns im § 152 der Gewerbeordnung gewährten Rechte. Den Ausdruck Wegelagerer müssen wir entschieden zurückweisen. Wenn wir Streikposten ausstellen, so ist das ebenfalls unser gutes Recht. Nachdem die Firma alle Einigungsversuche unsererseits abgewiesen hat, bleibt uns nichts anderes übrig, als den Kampf durchzuführen.

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Wie uns inzwischen Herr Bahner, Düsseldorf, mitgeteilt hat, haben die ausständigen Besteckarbeiter bereits am Sonntag die schriftliche Kündigung in einer Versammlung aufgesetzt und auch unterschrieben, dieselbe aber erst am Montag an die Firma übersandt. Am Sonntag hatte aber Herr Bahner schon Nachricht über das inzwischen fertiggestellte Kündigungsschreiben erhalten und ist deshalb den Ausständigen durch den erwähnten Anschlag zuvor gekommen. Nicht angebracht war es, daß nicht allein die ausständigen Besteckarbeiter, sondern noch andere, nicht direkt Interessierte, sich an der Bewegung beteiligten und die arbeitswilligen Kollegen des Abends mit höhnischen Rufen, Johlen und Pfeifen belästigten, so daß erst ein größeres Polizeiaufgebot eingreifen mußte. Wir wollen noch mitteilen, daß der Betrieb der Firma Bahner unbehindert weiter geht und in keiner Weise beeinträchtigt ist.

Von Kunstgewerbeschulen.

Dem Jahresberichte der Goldschmiedeschule zu Pforzheim entnehmen wir folgendes: Die Goldschmiedeschule Pforzheim, die dieses Jahr erstmalig mit einem Jahresbericht an die Oeffentlichkeit tritt, ist hervorgegangen aus der Goldschmiedeabteilung der Gewerbeschule – Bericht über das Schuljahr 1905/06. Vom 1. Mai des Jahres 1905 ab ist die seitherige „Goldschmiedeabteilung“ der Gewerbeschule als selbständige „Goldschmiedeschule Pforzheim“ unter eigenem Vorstand organisiert. – Vom Januar 1906 bis Ende des Schuljahres besuchten einige Lehrer der Anstalt einen praktischen

Montierkurs an der Großh. Kunstgewerbeschule, um ihre Kenntnisse in der Edelmetalltechnik zu erweitern und zu befestigen. Vom 7. bis 10. März nahm ein Lehrer an einem Kurs für Metallfärben teil, der beim Großh. Landesgewerbeamt, Abt. I stattfand. Die dort erworbenen Kenntnisse sollen im Unterricht für Materialkunde Verwendung finden. Durch Entgegenkommen der Stadtverwaltung wurde es ermöglicht, probeweise einen Unterricht im Metalltreiben einzuführen. Die neu eingeführten freiwilligen Zeichenkurse erfreuten sich eines starken Besuches (143 Schüler). Die Emailmaler wurden versuchsweise zu einer eigenen Abteilung (11 Schüler vereinigt. – Zu Beginn des Schuljahres war eine Aenderung des Unterrichtsbetriebes insofern eingetreten, als der Zeichen- und Modellierunterricht von den Realien getrennt und beide, soweit als tunlich, besonderen Fachlehrern überwiesen wurden. Da infolge der angegebenen Personalveränderungen ein Mangel an Lehrkräften für den Unterricht in den Realien eingetreten war, so wurden unter freundlichem Entgegenkommen des hiesigen Volkschulrektorates Lehrer von der städtischen Volkschule als Hilfskräfte herangezogen. – Gewerbelehrer Geißler gründete im August 1905 einen # werbeverein Pforzheim“ dem hauptsächlich die Inhaber derjenigen Kleinbetriebe angehören, deren Lehrlinge den Unterricht der Goldschmiedeschule besuchen. Gewerbelehrer Geißler bekleidete seither das Amt eines Schriftführers. Der Vorstand der Goldschmiedeschule, Professor R. Rücklin, hielt am 30. Januar in dem Verein einen Vortrag über: „Die Verhältnisse von Kleingewerbe und Großindustrie in Pforzheim.“

Besteckhalter.

Nichts ist beim Essen unangenehmer, als wenn der Löffel in die Sauce gleitet, während man im Begriff ist, mit der Gabel ein Stück Fleisch anzustechen. Man ist alsdann genötigt, zur Selbsthilfe zu greifen und den beschmutzten Löffelstiel mit der eigenen, sauberen Serviette wieder abzuwischen, eine unsaubere Geschichte! Daß aber auch darin Abhilfe geschafft werden kann, das zeigt untenstehende, kleine Abbildung. Dieser kleine Apparat, Besteckhalter genannt, beweist ohne alle große Erklärung seine gute und praktische Verwendbarkeit für alle Teller und Schüsseln, daß die Bestecke nicht ins Essen glei- - T- ten. Es ist dies ein Halter - - -

aus Metall, mit einer Klammer am unteren Teil versehen, damit derselbe auf dem Tellerrande aufgeklemmt wird. Gabel und Löffel liegen sicher und nebeneinander darauf, und es ist unmöglich, daß sie ein Bad in der Brühe nehmen können. – Jedenfalls eine gute Idee für unsere Silberwaren- und Metallwarenfabrikanten, dies auszubeuten und die Idee künstlerisch auszugestalten.*) (La Nature.)

) Diesen Besteckhalter liefert die Firma M. Bore, 210 rue de Rivoli, Paris,

Amerikanische Patente.

26045. Broschnade 1n. F. H. Wheway „The Woodstock“ Acock's Green, Warwickshire. Nadeln für Broschen, welche nächst des Charniers stärker werden, so daß das Brechen derselben vermieden wird.

26272. Manschettenknöpfe. A. Hardim an Kidd ermin ster, Worcestershire. Das Bindeglied A der Knöpfe ist an einem Ende mit einem doppeltem Haken versehen, deren beide Enden dicht zusammenschließen, aber in der gegenseitigen Richtung aneinander vorbeigehen. Dadurch kann der 5 B Knopf Bb aus dem Kettenglied A ausgehängt A resp. herausgesprengt werden, ungefähr so, wie AG Fro man einen Schlüssel aus dem Schlüsselring CL: herausnimmt. Das Glied A ist aus einem Stück Draht G gebogen und fest mit dem unteren Knopf B verlötet. Durch Einschieben der Oese A in das Knopfloch, dreht man den Knopf so, daß die Schleifen a3 im Knopfloch klemmen und dadurch das Befestigen von Knopf Bb an das Glied A bedeutend erleichtert wird.

Eiskanne. o Krakauer, New York. In einem Krug, Kanne oder sonstiges Gefäß für zu kühlende Flüssigkeiten, ist ein eishaltender, sackförmiger Behälter (6 und 7) gegenüber dem Ausguß (3) angebracht, so daß beim Ausgießen das darin enthaltene Eis stets darin bleibt.

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Kunstvolle Arbeit. Der Stuttgarter Bildhauer E. Kiemlen hat die für die Herkommer-Konkurrenz in München bestimmte Ehrengabe, deren Entwurf seinerzeit aus der Konkurrenz mit Erfolg hervorging, nunmehr vollendet. Sie ist von der Firma P. Bruckmann & Söhne, Heilbronn, in Silber ausgeführt und stellt auf dunkelgrünem Steinsockel eine etwa 50 cm hohe, mit einem Lorbeerkranz dahinfliegende weibliche Gestalt dar. Auf dem Sockel ist ein Schild angebracht, der die Inschrift trägt.

Mitteilungen aus dem Geschäftsverkehr. (Außer Verantwortlichkeit der Redaktion.)

Verschluß für Armbänder und Kolliers. 276989. Ritter & Reymann, Ketten- und Bijouteriefabrik, Hanau a. M., Vorstadt 13. Verschluß für Kolliers und Armbänder mit am federnden Schnepperende angelenkten Hebel. Das Gebrauchsmuster ist ein Verschluß für Kolliers und Armbänder und bezweckt, den bekannten Verschlüssen dieser Art gegenüber einen sicheren und leichter zu handhabenden Verschluß zu bilden und zwar wird dies dadurch erreicht, daß an den federnden Schenkel des bekannten Schneppers statt des üblichen, mit diesem festverbundenen Knopfes ein Hebel drehbar gelagert ist, welcher bei der Aufwärtbewegung des außerhalb des Schloßkastens liegenden Hebelarmes mittels des gegen den federnden Schnepperschenkel anliegenden Exzenters den Schnepper zusammendrückt, so daß der letztere bei der Ausübung eines Druckes gegen den schräg nach abwärts gerichteten Hebel aus dem Schloßkasten herausgeführt, der Verschluß mithin gelöst wird. In beiliegender Zeichnung ist das Gebrauchsmuster dargestellt und zwar in Fig. 1 in Seitenansicht und in Fig. 2 in Draufsicht, während Fig. 3 und 4 mittlere Längsschnitte durch den Schloßkasten in der Schließ- und in der Oeffnungslage der Verschlußteile sind. A ist der Schloßkasten, welcher in der bekannten Weise an seiner Vorderseite mit einer Oeffnung zur Einführung des bekannten Schneppers b und mit einer Widerlagsfläche c für den federnden Schnepperteil versehen ist, mittels deren

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der Schnepper in dem Schloßkasten a zurückgekalten und der Verschluß geschlossen gehalten wird. An Stelle des bei den üblichen Verschlüssen für Kolliers und Armbänder mit dem federnden Teil des Schneppers festverbundenen Knopfes ist beim Gebrauchsmuster an diesem Schnepperschenkel ein Hebel d bei e drehbar gelagert, welcher nach dem Einführen des Schneppers b in den Schloßkasten a und nach dem Niederdrücken in die wagrechte Lage, wie in Fig. 3 gezeigt ist, an der Oberseite des Schloßkastens entlang liegt. Zwecks Oeffnung des Verschlusses wird zunächst der Hebel d aus der Lage in Fig3 in die Lage in Fig. 4 übergeführt, dann mit dem Finger ein Druck in der Pfeilrichtung, Fig. 4, auf den Hebeld ausgeübt. Die Folge dieses Druckes ist zunächst das Zusammendrücken des Schneppers in die in Fig. 4 gezeigte Lage, in welcher das vordere Ende des federnden Schnepperschenkels, wie in Fig. 4 dargestellt ist, zusammengedrückt wird, so daß der Schnepper bei der weiteren Druckwirkung nach vorwärts aus der Oeffnung der vorderen Schloßkastenwand herausgleiten und der Verschluß geöffnet werden kann. Die vorliegende Anordnung des Verschlusses gestattet demnach das Oeffnen des letzteren nur nach Ueberführung des Hebels d aus der in Fig. 3 gezeigten in die in Fig. 4 dargestellte Lage. Ein unbeabsichtigtes Oeffnen des Verschlusses durch einfache Druckwirkung auf das Schließorgan, wie es bei den bisher gebräuchlichen Verschlüssen der Fall war, ist beim vorliegenden Verschluß ausgeschlossen. Ein an der Unterseite des Hebels d vorgesehener Stift f greift in der Schließlage in ein entsprechendes Loch g an der Oberseite des Schloßkastens g ein und verhindert dadurch ein etwaiges Oeffnen des Verschlusses durch eine auf

den Schnepper in der Längsrichtung desselben ausgeübte Zugwirkung. Das Verlieren eines mit dem vorliegenden Verschluß versehenen Kolliers oder Armbandes ist demnach ausgeschlossen. Die Ausgestaltung des die Oeffnung des Verschlusses vermittelnden Organe als Hebel erleichtert schließlich das Oeffnen des Verschlusses wesentlich. – Schutzanspruch: 1. Ein Verschluß für Kolliers und Armbänder mit am federnden Schnepperschenkel (b) angelenktem, durch eine Oeffnung des Verschlußkastens (a) geführten Hebel (d). 2. Ein Verschluß für Kolliers und Armbänder nach Anspruch 1, mit an dem Hebel (d) angeordnetem, in der Schließlage in eine Oeffnung (g) des Schloßkastens (a) eingreifendem Stift (f).

Patente und Gebrauchsmuster für die Werkstatt.

Mitgeteilt von Patentanwalt Karl Wessel, Berlin SW. 61, Gitschiner Straße 94a.

44a. 169460. Fried– rich Dankwort in Hamburg-Eimsbüttel. Nackenknopf. Patentiert im Deutschen Reiche vom 24. Dezember 1904. PatentAnspruch: Nackenknopf, Fig. 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß der in bekannter Weise am Schaft (b) angebrachte Bügel (c) nach innen gebogen und mit stumpfen Spitzen (d) versehen ist. Die Spitzen (d, Fig. 2) drücken sich in das Krawattenband (B) hinein. Die Wölbung des Bügels bewirkt außerdem noch, daß Westen- und Rockkragen leicht über den Bügel gleiten können.

44a. 168314. Hugo Weber in DresdenPlauen. Klappbügel für Verschlußsicherungen von Sicherheitsnadeln, Armbändern u. dgl. Patentiert im Deutschen Reiche vom 21. Mai 1904 ab. Die Erfindung betrifft eine Neuerung an Verschlußsicherungen für Schmuckstücke, bei denen ein sogenannter Klappbügel angewendet wird. Sie besteht in der besonderen Gestaltung und Anordnung des Bügels, durch welche der Bügel unter Federwirkung in die Schließlage geführt wird. In der Zeichnung ist die Erfindung dargestellt in Fig. 1 und 2 an einer Brosche, in Fig. 3, 4 und 5 an einem Verschluß für Armbänder, Halsketten, Klemmschnuren usw. a bezeichnet den zum besseren Anfassen mit einer Nase d versehenen Bügel, der mit Zapfen h in die Oese e (Fig. 1 und 2) eingesetzt ist. Die Oesee hat zu beiden Seiten je zwei Ausschnitte e”, in die sich die Schenkel des Bügels in

Fig. 1.

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wagerechter oder senkrechter Stellung einlegen. b bezeichnet die Nadel, c den Broschenhaken. In Fig. 3 bis 5 sitzt der Bügel nicht in einer Oese, sondern in dem einen Teil f des Verschlusses. Der andere Teil g besitzt einen Stift oder Rand, hinter den sich der Bügel in der Schlußlage legt. Wird der Bügel aus der einen Stellung in die andere geführt, so gleiten die Schenkel, auseinanderfedernd, aus den betreffenden Ausschnitten heraus, und nach Hinwegführung derselben über die Kurve e” klappte der Bügel durch die zusammenfedernde Wirkung der Schenkel selbsttätig in die eine oder andere Stellung. Nebenbei kann man hier noch die Anordnung treffen, daß die Bügelenden hh durch das Aufklappen des Bügels auseinandergebogen, durch das Umlegen einander genähert werden, wodurch sie sich von der Seite her z. B. in die Verschlußfeder des anderen Teils einschieben.

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Rechtsrat, Rechtsschutz für den Goldschmied. Wichtige gerichtliche Entscheidungen.

Vorzeitige Auflösung des Lehrverhältnisses wegen Krankheit des Lehrlings. In einem Lehrvertrage war die Zahlung einer Entschädigung seitens des Lehrlings für den Fall vorgesehen, daß der letztere aus irgend einem Grunde seine Lehrzeit nicht aushalten sollte. Dieser Fall trat ein, da der Lehrling erkrankte und auf Grund ärztlichen Gutachtens die Lehre verlassen mußte. Der Anspruch des Lehrherrn auf Zahlung der vereinbarten Entschädigung wurde von dem Gewerbegericht mit folgender Begründung anerkannt: § 127b, Absatz 3, gibt dem Lehrling das Recht, das Lehrverhältnis einseitig und ohne Zustimmung des Lehrherrn aufzulösen, wenn er zur Fortsetzung der Arbeit unfähig wird, also insbesondere wenn er erkrankt. Hierzu erklärt aber § 127f, daß, wenn auf diese Weise der Lehrvertrag durch den Lehrling einseitig aufgelöst worden ist und ein schriftlicher Lehrvertrag vorgelegen hat, von dem Lehrherrn ein Anspruch auf Entschädigung geltend gemacht werden kann. Das Gesetz macht die Entschädigung also nicht von einem Verschulden des Lehrlings abhängig. Sie ist aber innerlich durchaus berechtigt. Der Lehrvertrag wird auf mehrere Jahre abgeschlossen; in der ersten Zeit nimmt der Lehrling den Meister in hohem Maße in Anspruch und er ersetzt dies erst in der letzten Zeit durch kundige Hilfeleistung. Es folgt daraus, daß der Lehrherr geschädigt ist, wenn der Lehrling vor Ablauf des Lehrverhältnisses austritt, da seine Mühewaltung durch Leistungen des Lehrlings noch nicht voll wieder ausgeglichen ist. In diesem Falle also erleidet der Lehrherr einen Schaden, welcher bei Eingehung des Vertrages nicht in der Absicht der Parteien gelegen hat, und an welchem auch der Lehrherr durchaus unschuldig ist. Wenn nun wie hier keiner von beiden Teilen an dem schädigenden Umstande die Schuld trägt, so ist es gerechter, den Erkrankten einen Schaden durch die Krankheit erleiden zu lassen, als denjenigen, der mit dieser Krankheit an sich nichts zu tun gehabt hat.

Neue zeichnerische Vorlagen.

Neue Ornamente für die Industrie und das Kunstgewerbe für Fachund gewerbl. Fortbildungsschulen entworfen von Leonh. Hellmuth, Kgl. Professor in Nürnberg. Professor Leonh. Hellmuth in Nürnberg hat sich seinen Künstlerruf erworben durch die Gediegenheit und Gewissenhaftigkeit seines stets mit der Zeit fortschreitenden Schaffens. Die „Neuen Ornamente“, die er in dem vorliegenden Werk veröffentlicht, zeigen diese Vorzüge seiner Arbeitsweise aufs Neue, und werden jedem Interessenten reiche Anregung bieten. R. R.

Büchertisch.

M. Mayr. Das Formen und Modellieren, illustrierte Anleitung zur selbständigen Erlernung der Formerei mit Gips und Leim und des Modellierens in Ton, Modelliererde, Wachs, Plastilin, Gummiknetmasse usw. Vierte, bedeutend erweiterte Auflage. Mit 104 Seiten Oktav und über 100 Abbildungen von Former- und Modellierutensilien, Büsten- und Figurengerüsten. Broschiert. Preis 1.50 Mk., ersch. 1906. Verlag der Kunstmaterialien – und Luxuspapier-Zeitung München VII. Es ist diese, für Künstler, Dilettanten, Kunstgewerbetreibende und Techniker verfaßte Unterrichtsschrift, die den Stoff mit künstlerischem und technischen Ernst und in planmäßiger Folge behandelt, allen Gold- und Silberschmieden, die sich mit der Technik der Formerei und Modellierkunst vertraut machen wollen, ferner allen Kunst- und Gewerbetreibenden und Technikern, die über Fragen aus dem Gebiete der Former- und Modelliertechnik Auskunft wünschen, bestens zu empfehlen. Das Werkchen beginnt mit der Erörterung der wichtigsten Materialien, geht dann auf die mechanischen Methoden der Plastik u. a. auf das Abgießen von Medaillen, Münzen und Siegeln ein, gibt nützliche Winke über die Behandlung, auch über Reinigen und Bemalen fertiger Gipsarbeiten und macht dann den Leser, von leichteren Modellierarbeitsmethoden ausgehend, mit den wichtigsten Arbeitsweisen des modellierenden Bildhauers bekannt. Für das Relief-, Büsten- und Figurenmodellieren gibt das Werkchen ausführliche Anleitung, dazu noch eine Maßtabelle über die Proportionen der menschlichen Figur und Winke für das ausdrucksvolle Modellieren von Gesichtern und nackten Figuren, endlich eine für die Kleinplastik wertvolle, gründliche Anleitung zur photomechanischen Relieferzeugung nach Zeichnungen, Druckbildern und Photographien. Die in der vierten Auflage neu hinzugekommenen Abbildungen über Einteilungen männlicher und weiblicher Figuren und über die für künstlerische Darstellung wichtiger Muskeln des menschlichen Körpers sind von großem, praktischen Wert für Goldschmiede, die figürliche Sachen arbeiten wollen. Im selben Verlag und vom gleichen Verfasser sind in den letzten Jahren an kunstgewerblichen

Lehrbüchern zum Selbstunterricht erschienen: „Die keramische (Porzellan-, Glas- und Unterglasur-)Malerei (ersch. 1904, 150 Mk.) „Die Brandmalerei in ihren neuesten Phasen samt Tief- und Kerbbrand“ (ersch. 1906, 1.50 Mk.) und „Das technische und mechanische Zeichnen, Malen und Vervielfältigen (ersch. 1903, 1.50 Mk.)

Ein lieber alter Freund hat uns soeben seinen Besuch abgestattet, der Kleine Brockhaus. Er trägt ein ganz modernes buntes Gewand und ist noch volkstümlicher geworden, als er bisher schon war, ein echter Wissensanwalt für tägliche Nöte. Zum Lobe seiner äußeren Ausstattung etwas zu sagen, hieße Bücher nach Leipzig tragen. Es ist zu bewundern wie es die Firma Brockhaus fertig gebracht hat, in einem Bande von 1000 Seiten so viel Wissensstoff und Anschauungsmaterial unterzubringen. Und dabei zeigt der Kleine Brockhaus keine Abhängigkeit von seinem großen Bruder, der 17 Bände umfaßt. Er ist in Wort und Bild eine selbständige Schöpfung. Die Artikel der großen Konversations-Lexika erfüllen einen anderen Zweck, sie wollen studiert werden; die in den 2 Bänden des Kleinen Brockhaus sind zu plötzlicher Orientierung bestimmt, sie sind so kurz als möglich. Es ist unglaublich, daß in dem vorliegenden 1. Bande gegen 40000 Stichwörter untergebracht werden konnten neben Tausenden von Abbildungen und Karten und Extrabeilagen. Die Brauchbarkeit des Kleinen Brockhaus ist daher eine unbeschränkte. Im Kontor des Kaufmanns oder Industriellen, im Bureau des Beamten, auf dem Schreibtische des Gelehrten, im Geschäft jedes Gewerbetreibenden, im Heim jedes intelligenten Arbeiters, kurz in jeder deutschen Familie fehlt etwas, wenn dieses Hausbuch fehlt. Und da der Preis von 12 Mark für den stattlichen, reich mit Abbildungen und Karten ausgestatteten Band sehr billig ist, wird niemand von der Anschaffung dieses Universalwerkes zurückzuschrecken brauchen. Wo wir den Kleinen Brockhaus aufschlagen, finden wir ihn ebenso originell wie belehrend. Drei Leitbuchstaben oben auf Textseiten, Abbildungen und Karten scheinen uns eine neue sehr praktische Erfindung. Trefflich sind die tausend kleinen Textabbildungen, die auf den ersten Blick einen Begriff erläutern, den man ohne Zeichnung nicht erklären kann. Und eine Fülle von bunten Karten und Kärtchen reizt nach längerem Betrachten. Deutschland allein ist illustriert mit nicht weniger als 27 Karten und 25 Nebenkarten und durch eine große Anzahl Bilder der interessantesten und wichtigsten Gebirge, Landschaften und Städte, auch eine neue Erfindung. Lehrreich, völlig neu und entzückend sind die zahlreichen Bildertafeln in schwarz und bunt, die jedem etwas bringen werden. Kirchengeräte und Entwicklungsgeschichte von Tier und Mensch, die fernsten Sterne am Himmel und die kleinsten Bazillen auf der Erde, die modernsten Maschinen und Heilverfahren und die ehrwürdigsten Bauten des Altertums, die Kriegswaffen aller Zeiten und Blut und Eingeweide des Menschen, die neuentdeckte afrikanische Halbgiraffe Okapi, kurzum alles ist im Bilde vereinigt, was den Benutzer des Werkes nur immer interessieren kann. Schließlich wollen wir auch die vielen Textbeilagen besonders hervorheben, die ausführliche statistische Ergänzungen wichtiger Artikel geben, die zum vollen Verständnis des betreffenden Artikels nötig sind, z. B. die höchsten Berge, Hauptdaten der Weltgeschichte in neuartiger Anordnung, Kriminalstatistik u. a. Wir wünschen dem Werke, das bedeutende Herstellungskosten verursacht haben muß, die weiteste Verbreitung, die es reichlich verdient, damit der Verlag uns immer wieder mit neuen, den eilenden Zeitereignissen folgenden Auflagen beschenken kann.

Patente und Gebrauchsmuster.

Patent-Bericht,

mitgeteilt vom Patentanwalt Dr. Fritz Fuchs, dipl. Chemiker und Ingenieur Alfred Hamburger, Wien VII., Siebensterngasse 1.

Oesterreich. Einspruchsfrist bis 15. Juni 1906.

Kl. 44a. Chemische Fabrik Morgenstern Dr. Weiskopf & Co., in Morgenstern (Böhmen). Schmuckring aus zwei oder mehreren behufs Oeffnens senkrecht zur Ringebene gegeneinander verdrehbaren, starren und hohlen Bogenteilen. Die Verbindung dieser und deren Federung in die Schlußlage wird durch eine durch die hohlen Bogenteile hindurchgeführte und in denselben an ihren Enden festgelegte Torsionsfeder bewirkt.

Kl. 48b. Dr. Albert Lang, Professor in Karlsruhe. Verfahren zur Oxydierung und Färbung oder Emailierung von Aluminiumgegenständen mit Ueberziehen derselben mit Metallschichten nach Einwirkung von Quecksilberverbindungen, dadurch gekennzeichnet, daß die durch letztere entstehende oberflächliche Amalgamschicht entfernt und dadurch ein regerer Oxydationsprozeß erregt wird und die entstehende Oxydationsschicht auf der Oberfläche durch leicht reduzierbare Verbindungen z. B. des Chroms und anderer Metalle gefärbt oder mit beliebigen Metallschichten bedeckt oder mit Email überzogen wird.

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Protokoll der Vorstandssitzung des Verbandes Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede am Montag, den 30. April 1906, abends 6% Uhr in der Geschäftsstelle, Oranienstr. 143.

Anwesend die Herren: Menzel, Telge, Müller, Schmidt, Walter, Fischer.

Es gelangt zur Kenntnis ein Schreiben des Herrn Anton Rath, Schriftführer des Vereins der Juweliere, Gold- und Silberschmiede Bayerns, wonach in der Hauptversammlung am 24. März Herr Hofgoldschmied Theodor Heiden, München, zum ersten Vorsitzenden des Vereins Bayern gewählt ist. Es wird gleichzeitig in dem Schreiben der Wunsch ausgesprochen, Herrn Heiden als Ausschußmitglied für Bayern vorzuschlagen.

Der Vorstand begrüßt den Vorschlag, Herrn Heiden in den Ausschuß zu wählen, mit Freuden und wird in der nächsten Sitzung einen entsprechenden Antrag stellen.

Von Herrn Juwelier Merklein, Nürnberg, ist die Mitteilung eingegangen, daß er den Vorsitz der Freien Vereinigung der Juweliere, Gold- und Silberschmiede von Nürnberg und Fürth niedergelegt hat und dafür Herr Kleining in Firma I. A. Egersdörfer den Vorsitz übernommen hat.

Infolge der Rundfrage bei den Herren des Ausschusses, ob sie einem Darlehen aus der Unterstützungskasse an einen würdigen Kollegen zustimmen, sind neun Zustimmungen eingegangen, nur eine dagegen, mithin ist die Unterstützung bewilligt. Ferner haben sechs Herren vom Ausschuß auf die schriftliche Anfrage für Abhaltung des Verbandstages Eisenach am 4., 5. und 6. August sich zustimmend erklärt, mithin wird eine vorläufige Einladung zu diesem Zeitpunkt beschlossen. Es kommt ein Schriftstück der Amtsanwaltschaft Nürnberg zur Vorlesung, wonach infolge der Beschwerde an den Herrn Justitzminister in München die Strafverfolgung gegen eine hausierende Firma wieder aufgenommen ist und neue Erhebungen angestellt werden sollen. Das Ergebnis des neuerdings eingeleiteten Strafverfahrens soll dem Vorstand bekannt gegeben werden. Von dem Verband der Glaser-Innungen ist auf Ersuchen des Vorsitzenden die Geschäftsordnung einer Sterbe-Unterstützungskasse eingegangen. Dieser Kasse gehören jetzt 2461 Mitglieder an. Im Todesfalle ist bis jetzt den Hinterbliebenen schon seit Jahren der Betrag von 310 Mark bei jedem Todesfall bezahlt worden, obgleich die Mitglieder nur bei jedem Sterbefall 20 Pf. in die Kasse einzuzahlen haben und bei der Aufnahme je nach dem Alter eine Aufnahmegebühr von 2 Mark bis 8 Mark zu entrichten ist.

Der Vorstand beschließt, diese Angelegenheit Herrn Menzel zur Bearbeitung zu übergeben, um in der nächsten Ausschußsitzung darüber zu berichten. Ueber den Stand der Angelegenheit gegen die Benennung „Brillant“ oder „Diamant“ für Glassteine berichtet Herr Fischer, daß, nachdem der Prozeß gegen die Bera-Kompagnie, welcher in München beschlossen wurde, ohne Erfolg war, er sich in einem Schreiben vom 14. März an Herrn Merklein, Nürnberg, gewendet habe, welcher auf dem Verbandstag für Schaffung eines Gesetzes plädiert hat; er habe auch zugesagt, die Unterlagen für eine Petition zu geben. In dem Schreiben vom 14. März habe er nochmals daran erinnert, doch sei das Material noch nicht eingegangen. Inzwischen habe sich das Journal eingehend mit der Angelegenheit beschäftigt und sei jetzt am 29. April ein Entwurf für eine Petition von dem Journal der Goldschmiedekunst eingegangen. Dieser liegt eine erhebliche Vorgeschichte zugrunde, indem vor längerer Zeit die Goldschmiede-Innung Leipzig an das Journal das Ersuchen richtete, gegen den Bera-Schwindel vorzugehen. Daraufhin hat das Journal zunächst an die Erste Kammer des sächsischen Ständehauses und dann an den Landtag sorgfältig begründete Eingaben gerichtet, die auch volle Würdigung gefunden hatten. Dem Vorschlag, durch ein strafferes Gesetz den Bera-Diamanten-Unfug zu beseitigen, konnte aber nicht Folge gegeben werden, weil dafür die Reichsbehörden zuständig seien. In der Ersten sächsischen Kammer wurde am 27. Februar darauf hingewiesen, daß es dem Journal der Goldschmiedekunst überlassen bleiben müsse, sich an den Bundesrat zu wenden. Das Journal ist somit vollständig legitimiert, die Sache weiter zu verfolgen. Am 6. April ging denn ein Schreiben ein, wonach an den Vorstand des Verbandes die Mitteilung gelangte, daß das Journal es für seine Pflicht gehalten habe, die sächsische Regierung in dieser Angelegenheit mobil zu machen und daß ihr dies in den Grenzen der Möglichkeit vollständig gelungen sei. Das Journal möchte nicht auf halbem Wege stehen bleiben und wäre bereit, die Sache in der angeregten Weise bei dem Bundesrat weiter zu verfolgen. Indessen wolle es aber auch nicht dem Verband vorgreifen und fragte an, ob der Vorstand die Angelegenheit zu der seinigen machen wolle und fügte mit Recht hinzu, daß die Behandlung derartiger Fragen von seiten der Fachpresse gewisse Grenzen haben müsse. Darauf habe er, der Vorsitzende, bereits am 9. April das Ä der Goldschmiedekunst gebeten, uns einen Antrag für das Reichsamt des Innern in Grundzügen vorzubereiten, weil die Arbeiten im Vorstand zur Zeit sehr bedeutende seien. Außerdem haben mündliche Verhandlungen darüber in Berlin und Leipzig stattgefunden. Er habe nun den von dem Journal eingereichten Entwurf, ebenso die Vorgänge insbesondere die Verhandlungen in den sächsischen Kammern einer gründlichen Prüfung unterzogen und komme zu dem Ergebnis, daß verschiedene Verbesserungen notwendig sind. Erforderlich sei, daß in der Petition nicht nur auf die Eingaben an die sächsischen Behörden und die Verhandlungen hingewiesen wird, sondern auch diese beigefügt werden, ebenso möglichst viele Erkenntnisse der verschiedenen Gerichte, ferner eine möglichst große Anzahl von unlauteren Inseraten und ebenso die Plakate aus Hamburg, Leipzig und Danzig, welche Warnungen enthalten, damit die betreffenden Dezernenten, welche den beantragten Gesetzentwurf zu bearbeiten haben, sich über den Umfang des Glassteinschwindels gründlich orientieren können. Jedenfalls sei notwendig, daß in erster Linie diese Petition von dem Verband unterzeichnet würde, denn nur dieser ist als der berufene Vertreter des Gewerbes anzusehen, nicht aber, wie es in dem Entwurf der Petition heißt: das „Journal der Goldschmiedekunst“. In derselben Angelegenheit ist von seiten der Redaktion und des Verlags der „Deutschen Goldschmiede-Zeitung“ dem Vorstand von einer Petition Kenntnis gegeben, welche an den Reichstag abgeschickt ist. Die Bearbeitung entspricht nicht den Anforderungen des Verbandes an eine Petition an die höchste Reichsbehörde und ist an die Redaktion entsprechend geschrieben worden*). Von dem Vorsitzenden des Internationalen Maß- und GewichtsKomitees, Herrn Professor Förster, ist ein Schreiben eingegangen, woraus hervorgeht, daß es völlig aussichtslos ist, in irgend einem der Staaten, welche das metrische System angenommen haben, eine Karat-Gewichtsgröße gesetzlich zugelassen zu sehen, welche nicht einer der nach den Grundsätzen des metrischen Systems zur Aichung zuzulassenden Gewichtsgrößen entspricht. Bei dem allgemeinen Interesse für das metrische Karat empfiehlt der Vorstand, das Schriftstück zu veröffentlichen. Herr Fischer berichtet weiter, daß mit Bezug auf die Verhandlungen in der letzten Vorstandssitzung das Gutachten der

*) Hierzu bemerken wir, daß uns bereits verschiedene Reichstagsabgeordnete zu der Eingabe beglückwünscht und ihre Bereitwilligkeit ausgesprochen haben, die Sache im Reichstage zu vertreten. Uns ist die Weisung von kundigen Parlamentariern geworden, daß bei solcher Eingabe „Kürze des Witzes Seele ist“.

Die Redaktion der „Deutschen Goldschmiede-Zeitung“.

Handwerkskammer Berlin, über die Frage, ob Uhrmacher, welche nur Uhrmacher gelernt haben, aber Goldwarenreparaturen auszuführen in der Lage sind, das Recht haben sollen, sich als Goldarbeiter zu bezeichnen, jetzt der Protokollbericht über die 12. Vollversammlung der Handwerkskammer zu Berlin am Montag den 26. März, erschienen ist. Es heißt da wörtlich:

„Ferner ist in der Frage: Uhrmacher und Goldarbeiter ein Gutachten abgegeben worden, daß allerdings zu unserer Überraschung nicht überall Billigung gefunden hat. Erlauben Sie, daß ich deshalb mit ein paar Worten darauf eingehe. Es handelte sich um die Frage, ob ein Uhrmacher gesetzlich berechtigt ist, Reparaturen an Gold arbeiten auszuführen. Es ist dem Vorstand vorgeworfen worden, er habe sich in seinem Gutachten auf einen manchesterlichen Standpunkt gestellt und ohne Anhörung von Sachverständigen – oder so ähnlich – geurteilt.

Das haben wir aber nicht getan, sondern sorgfältig nach eingehender Anhörung der Sachverständigen untersucht, ob nicht doch auf Grund der Gewerbeordnung oder anderer Gesetze ein Einschreiten angängig sei, ob insbesondere nicht das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb eine Handhabe biete. In ersterer Hinsicht sind wir natürlich zu dem Gutachten gekommen, daß die Gewerbeordnung keine Handhabe gewährt, dem Uhrmach er die Vornahme von Reparaturen an Gold arbeiten zu verbieten.“

Daraus geht doch klar und deutlich hervor, daß der Handwerkskammer-Sekretär Dr. Röhl gar nicht begriffen hat, worauf es bei dem Gutachten ankommt. Er stehe heut auf dem Standpunkt, daß die Handwerkskammer Berlin ungeeignet ist, überhaupt ein Sachverständigen-Gutachten zu geben. Er habe sich deshalb infolge eines Schreibens von dem Vorsitzenden des Vereins der Juweliere, Gold- und Silberschmiede des Regierungsbezirks Frankfurt a. O. am Montag, den 23. April, wegen der außerordentlich wichtigen Angelegenheit nach Frankfurt a. O. begeben und dort in der Handwerkskammer unter Hinzuziehung des Vorsitzenden Paul Sorge und des Juweliers Klose die ganze Materie durchgesprochen, und er hoffe, von dort ein brauchbares Gutachten zu erhalten.

Nach Erledigung einiger Angelegenheiten, welche sich für die Oeffentlichkeit nicht eignen, ist Schluß der Sitzung 8 Uhr 35 Minuten.

Fischer. Oscar Müller. Rudolf Menzel. Schmidt. Paul Telge. Hermann Walter.

Bekanntmachung. In Angelegenheit Uhrmacher, die sich Goldarbeiter nennen.

Hierdurch bringen wir zur Kenntnis aller unserer Mitglieder, sowie auch solcher Herren, die sich dem Verbande noch nicht angeschlossen haben, daß am 14. Mai wiederum eine gründliche Besprechung des ganzen Materials über die Frage, ob ein Uhrmacher, der nur Uhrmacher gelernt hat, wohl aber in der Lage ist, einige

Reparaturen an Goldwaren auszuführen, berechtigt sein soll, darauf

hin sich Goldarbeiter oder Goldschmied zu benennen, mit unserm Rechtsbeistand stattgefunden hat. Dieser ist bereit, nachdem das Gutachten der Berliner Handwerkskammer die Frage nicht geklärt sondern verwirrt hat, über diese so außerordentlich wichtige Materie ein gründliches Gutachten zu erstatten, hält es jedoch vorab für dringend notwendig, daß aus allen Städten Deutschlands ein Verzeichnis der Uhrmacher, welche sich Goldarbeiter, Goldschmied oder Juwelier benennen, bei dem Vorstand des unterzeichneten Verbandes eingereicht wird. Wir richten daher an alle unsere Mitglieder und auch an alle Nichtmitglieder, weil sämtliche Juweliere, Gold- und Silberschmiede bei dieser Angelegenheit lebhaft interessiert sind, das höfliche, aber dringende Ersuchen, uns aus allen Städten die Uhrmacher zu benennen, welche sich in Inseraten, oder Firmenschildern, oder am Haus diese unberechtigte Bezeichnung zugelegt haben. Unser Rechtsbeistand hält diese Statistik für dringend notwendig, um diesen Unfug nachzuweisen, um, falls die Gesetze nicht ausreichen sollten, diesen Mißstand zu beseitigen, Gesetzesvorschläge machen zu können, damit ein Unwesen beseitigt wird, welches allgemein als solches beklagt wird. Der Vorstand des Verbandes allein ist nicht imstande, ohne die Mithilfe aller Beteiligten, den jetzigen Zustand zu beseitigen, trotz eingehender sorgfältiger Arbeit, welche in den letzten Jahren darin stattgefunden hat und für die in dem nächsten Geschäftsbericht in Eisenach die Beweise erbracht werden. Ein Nichtbeachten dieser Bekanntmachung würde zur Folge haben, daß der Vorstand jede Tätigkeit nach dieser Richtung hin einstellen müßte.

Berlin, den 15. Mai 1906
Verband Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede

Berlin S., Oranien-Straße 143. Fischer.

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