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macht, so muß die Aufkündigungsfrist sowohl als auch das Kündigungsrecht stets für beide Teile gleich bemessen sein. Es ist z. B. unzulässig, in dem Arbeitsvertrage oder der Arbeitsordnung festzulegen, daß die Kündigungsfrist acht Tage betrage, der Gehilfe aber nur an den Samstagen kündigen könne. Auch die Form der Kündigung darf nicht verschieden verabredet sein. Alle Be

stimmungen, welche gegen die Gleichheit des Kündigungsrechtes verstoßen, sind nichtig; es tritt aber dann nicht die Nichtigkeit des ganzen Vertrages ein, sondern nur der Bestimmungen über die Kündigung. Und an Stelle der gesamten Kündigungsbestimmungen treten dann die gesetzlichen Bestimmungen über die Kündigungsfristen.

Der Goldwaren-Großhandel in Schottland.

Trotz der vielhundertjährigen Vereinigung sind die UnterSchiede zwischen dem englischen und dem schottischen Charakter immer noch sehr große und jeder, der die Grenze zum erstenmal überschreitet, hat das Gefühl in ein vollkommen eigenartiges Land zu kommen, ja selbst wer Schottland schon längere Zeit kennt, kann dieses Gefühl nicht los werden, namentlich wenn er aus dem Süden Englands kommt. Besonders ist dies auch mit dem Dialekt des Volkes der Fall, an den man sich ebenso schwer gewöhnen kann, wie an die Eigenart der schottischen Bauweise und der ganzen schottischen Atmosphäre. Schottland ist eben zur großen Genugtuung der Schotten, etwas ganz anderes wie England. Nichtsdestoweniger findet man offene Herzen und treue FreundSchaft und wenn einmal das Eis gebrochen ist, so werden die geschäftlichen Beziehungen zum Vergnügen. Immer wird man mit herzlichem Handschlag und der freundlichen und aufrichtigen Frage nach dem eigenen und dem Wohlbefinden der Familie empfangen; und wenn das Geschäft schlecht geht und man keine Bestellung erhält, so wird die Absage doch in einem so freundlichen Tone gegeben, daß man das Schmerzliche derselben gar nicht empfindet. Für den schottischen Großhandel in Schmuck steht Glasgow an erster Stelle und wir wollen deshalb auch zuerst von dieser Stadt reden. Glasgower Geschäftsleute einschließlich der Grossisten zeichnen sich durch zwei verschiedene Charaktereigenschaften aus. Der Glasgower ist ein arger Unzufriedener aber ein guter Zahler. Warum er stets unzufrieden ist, weiß der liebe Himmel, aber er st es in guten und schlechten Zeiten. Der Quartalserste beunruhigt ihn schon Wochen vorher, selbst Monate, und er bildet sich ein, daß außer ihm sonst niemand Miete oder Steuern zu bezahlen hat. Das Geschäft und die Nachfrage mag noch so groß sein, nichts erheitert sein Gemüt; für ihn birgt der Zukunft Schoß nur schwarze Lose. Trotzdem kommt er vorwärts und wenn seine Griesgrämigkeit überwunden ist, so kauft er sogar und zwar nicht schlecht. Mitten in den größten Klagen, aus denen man schließen müßte, daß er schon dicht vor dem Bankrott steht, kann er sich plötzlich zur Durchsicht des Lagers entschließen und eine Entnahme von mehreren tausend Mark machen; wenn er dann die Rechnung sieht, wird er natürlich wieder brummen und so tun, als ob er sie niemals bezahlen könnte. Fast könnte man Angst haben, ihm die Ware da zu lassen, aber man weiß, daß sein Brummen zu neun Zehnteln nicht ernst gemeint ist und daß man auf der nächsten Reise das Geld in der Tasche hat. Denn wie oben erwähnt, ist der Glasgower ein großartiger Zahler. In der Regel ist die erste und für den Reisenden angenehmste Frage beim Eintritt in sein Kontor, ob man den Auszug mitgebracht habe und noch ehe man richtig Antwort geben kann, hat er selbst schon das Konto aufgeschlagen, den Scheck geschrieben und wartet schon auf die Quittung. Für den rich

tigen Schotten ist die Furcht vor dem Bezahlen größer als beim Bezahlen und trotz seines ewigen Brummens geht das letztere doch mit freundlichem Blicke vor sich. Natürlich trifft dies prompte Zahlen auch nicht für alle zu, denn es gibt überall faule Kunden und der Neuling wird gut tun, sich erst zu erkundigen, ehe er die Ware aus den Händen gibt.

ad - Von den verschiedenen Arten von Glasgower Großhandlungen sei zunächst diejenige erwähnt, die sich ausschließlich mit dem Vertrieb erstklassiger Schmuckwaren und Uhren befaßt. Von dieser Gattung gibt es zwei oder drei wirklich prima feine Gros

sisten, die mit den besten Detailleuren in Schottland große Um

sätze machen; für sie existiert die große Masse billiger Ware

überhaupt nicht und der Hauptteil ihres Lagers kommt aus den besten Londoner Werkstätten, obgleich sie hier und da auch in der billigeren Birminghamer Ware große Aufträge geben. Der Verkehr mit ihnen ist sehr erstrebenswert, aber Ausführung und Steine usw. müssen stets von allerbester Qualität sein. Obschon diese paar Häuser dem Gesamtbetrage nach, vielleicht die höheren Zahlen erreichen, so ruht das Hauptgeschäft in Glasgow doch bei den Häusern zweiten Ranges, bei denen es mehr der Menge als der Güte der Waren nach geht. Wohl verstanden ist mit „zweiten Ranges“ nicht etwa der zweite Rang im Zahlen zu verstehen, denn in dieser Beziehung sind diese Geschäfte ebenso gut wie die erstklassigen; der Unterschied im Range beruht eben nur auf der Art der Ware die geführt wird. Und es gibt eine ganze Reihe von solchen guten Grossisten zweiten Ranges in Glasgow, die sich natürlich unter sich bei der Kundschaft ziemlich Konkurrenz machen, die aber dadurch, daß jeder seine Spezialitäten hat, doch ganz gut bestehen. Der schottische Detailleur ist sehr konservativ und das ist für den, der bei ihm eingeführt ist, Selbstredend sehr angenehm, namentlich wenn er sich Mühe gibt, seinen Kunden stets gut und gewissenhaft zu bedienen; aber für den, der sich erst in Schottland einführen will, ist der Anfang außerordentlich schwer und nur bei der größten Geduld und Ausdauer kann man hoffen, nach und nach ins Geschäft zu kommen und mit der Zeit die aufgewendete Mühe belohnt zu sehen. Eine ganz besondere Eigenart der schottischen BijouterieGrossisten ist es, daß sie ganz merkwürdige Nebenartikel führen, wie z. B. Angelgerätschaften und manchmal weiß man wirklich nicht ob diese, oder die Schmuckwaren den Hauptartikel des Geschäftes bilden, ebenso wie man nicht weiß, ob erst die Henne oder erst das Ei auf der Welt waren. Der Verkauf von Fischereigeräten muß sich allerdings in einem Lande lohnen, welches in seinen Fjorden und Bächen einen großen Reichtum an Lachsen und Forellen aufzuweisen hat, aber wie sich Bijouterie und Angelei zusammen reimen, ist schwer zu erklären; eher kann man schon verstehen, daß ein Goldwaren-Grossist neben Broschen und Ringen auch Mikroskope, zahntechnische Instrumente, Fernrohre u. dgl. führt, aber auch Geigen kommen ab und zu vor. (Fortsetzung folgt.)

Zollbehandlung der von Handlungsreisenden unpunziert eingeführten Muster von Edelmetallwaren in Österreich-Ungarn.

Nach Artikel 5, Z III, 6, des am 25. Januar 1905 zwischen Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reiche abgeschlossenen Zusatzvertrages sind Edelmetallwaren, welche von Handlungsreisenden lediglich als Muster zum Zwecke des Vorzeigens im Eingangsvormerkverfahren gegen Zollsicherstellung eingeführt werden und daher nicht in den f..eien Verkehr übergehen dürfen, auf Verlangen

der Partei vom Punzierungszwange zu befreien, wenn entsprechende Sicherheit geleistet wird, die im Falle des nicht termingemäßen Wiederaustrittes der Muster verfällt. Zu dieser Bestimmung sind durch Verordnung der Ministerien der Finanzen und des Handels vom 21. Februar 1906 im Einvernehmen mit den beteiligten ungarischen Ministerien Ausführungs

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geschriebene Gewerbelegitimationskarte auszuweisen haben. Die einzuführenden Muster müssen dem Zollamte gleichzeitig mit der Abgabe der zollamtlichen Erklärung mittels einer besonderen Konsignation in doppelter Ausfertigung angemeldet werden. In dieser Konsignation ist für jedes Muster die Fabriknummer, die handelsmäßige Bezeichnung, das Eigengewicht und der Verkaufswert anzugeben. Muster von gleicher Fasson, gleichem Eigengewichte und gleichem Handelswerte können auch nach ihrer Stückzahl gemeinschaftlich erklärt werden. Für die eingeführten Muster ist außer dem tarifmäßigen Einfuhrzolle der volle Handels(Verkaufswert in Kronenwährung bar sicherzustellen. Dieser ist an der Hand der Wertdeklaration der Partei von einem ortsansässigen beeideten Sachverständigen im Vereine mit einem Beamten des zuständigen Punzierungsamtes zu ermitteln und in die Konsignation einzusetzen. Die Wertdeklaration und Einschätzung kann auf Verlangen der Partei bei, auf Kartons und dergleichen Unterlagen befestigten Musterkollektionen auch gemeinschaftlich für jede selbständige

Kollektion erfolgen, wenn die gemeinschaftliche Identifizierung

sämtlicher zu einer Kollektion gehörigen (auf einer Unterlage befestigten) Muster tunlich ist. Weigert sich die Partei, die Höhe der Einschätzung anzuerkennen, so steht es ihr frei, die Hinzuziehung eines zweiten Sachverständigen zu verlangen. Kann zwischen den zur Einschätzung berufenen Beamten über die Höhe des Verkaufswertes ein Einverständnis nicht erzielt werden, so gilt die höhere der Einschätzungen. Nach erfolgter Einschätzung sind die Muster in geeigneter Weise durch kleine Bleiplomben oder Wachssiegel zu identifizieren. Bei, auf Kartons und dergleichen Unterlagen befestigten Musterkollektionen kann auf Verlangen der Partei die Anbringung je eines Siegels an den Enden eines durch sämtliche Muster hindurchgehenden Verschlußfadens als genügend angenommen werden. Nach Erlegung des Zolles und nach barer Sicherheitsleistung für den Handelswert können die Muster ohne weitere punzierungsamtliche Behandlung dem Reisenden mit der Verpflichtung ausgefolgt werden, daß die Muster längstens binnen 6 Monaten zur

Wiederausfuhr gelangen, zu welchem Behufe der Fälligkeitstermin auf dem zollamtlichen Vormerkschein ausdrücklich anzusetzen ist. Die beiden Exemplare der Konsignation sind dem Unikate und dem Duplikate des Vormerkscheines, von welchen letzteres der Partei ausgefolgt wird, anzustempeln. Im Falle des Wiederaustrittes der Muster innerhalb der vorgenannten Frist hat sich das Zollamt an der Hand des von der Partei beizubringenden Duplikates des Vormerkscheines und der demselben angestempelten Konsignation die Überzeugung zu verschaffen, daß gegen die Identität der zum Wiederaustritte angemeldeten Muster mit den im Vormerkverfahren eingeführten kein Zweifel obwaltet und insbesondere die angebrachten Identitätssiegel unverletzt sind. Falls der Befund keine Anstände ergibt, ist sowohl der Zoll als auch die hinterlegte Wertsicherstellung durch das Austrittszollamt zurückzuerstatten, die Identitätszeichen sind abzunehmen, und die Rückerstattung sowie die Siegelabnahme sind sowohl auf dem Vormerkschein als auch auf der Konsignation ausdrücklich amtlich zu bestätigen. Bei nur teilweiser Ausfuhr der Muster ist lediglich die Wertsicherstellung für die wiederaustretenden Muster zurückzuerstatten, der Zoll dagegen erst dann, bis die letzten zu einem Vormerkschein gehörigen Muster wieder ausgeführt sind. Sind die unter einer Vormerkregisterpost eingeführten Muster innerhalb der vorgeschriebenen Frist nicht ganz oder teilweise wieder ausgeführt, so ist der Zoll sowie der sichergestellte Handelswert, soweit derselbe noch nicht zurückerstattet ist, endgültig zu verrechnen und gegen den Reisenden das Gefällsverfahren einzuleiten. Bei Musterkollektionen, deren Handelswert gemeinschaftlich erklärt und eingeschätzt ist, treten die vorgenannten Folgen für die ganze unter einem Siegel gehaltene Kollektion bereits dann ein, wenn auch nur eines der unter einem Siegel gehaltenen Muster nicht ausgeführt wird. Die Eingangsabfertigung unpunzierter Muster darf nur bei den k. k. Hauptzollämtern in Wien, Prag, Innsbruck, Linz, Graz, Kr kau, Lemberg und Triest sowie bei den königlich-ungarischen Hauptzollämtern in Budapest, Preßburg, Kaschau, Szegedin und Temesvár stattfinden; der Wiederaustritt dagegen kann bei jedem, mit den Befugnissen eines Hauptzollamtes ausgestatteten Zollamte erfolgen Die Kosten der Einschätzung hat die Partei zu tragen. Die Verordnung ist am 1. März 1906 in Kraft getreten.

Offener Sprechsaal.

Unter dieser Rubrik veröffentlichen wir Einsendungen von Abonnenten und Fachkollegen, die in sachlicher Weise auf Übelstände aufmerksam machen und zur Diskussion darüber auffordern. Wir bitten alle unsere Leser, von dieser Einrichtung recht häufig Gebrauch machen zu wollen, mit der Bemerkung, daß diese Einsendungen ohne unsere redaktionelle Verantwortung erscheinen.

Rubin-Rekonstitue.

Die verschiedenen Artikel in Ihrer Zeitung über die RubinRekonstitue haben mich zu folgender Auslassung veranlaßt, welche Sie vielleicht in der „Goldschmiede-Zeitung“ verwenden können.

Es wird jetzt so viel über die Rubin-Rekonstitue geschrieben und ist da schon wiederholt die Frage aufgeworfen worden, ob man diese Art von Rubine unter die „Juwelen“ (ich meine damit die verschiedenen „echten“ Steine) rechnen soll. Ich möchte diese Frage mit einem „Nein“ beantworten. Denn meiner Meinung nach kann man diese Rubin-Rekonstitue nicht für „echte Steine“ ansehen, da der Natur künstlich nachgeholfen ist. Wenn auch der Stoff echt ist, so ist doch der fertige Stein ein Kunstprodukt. Ebenso verhält es sich mit den neuerdings in den Handel gebrachten sogenannten „japanischen Perlen“. Diese sind auch ein Kunstprodukt, da die obere Schicht resp. Haut echt ist und der Kern aus Perlmutter besteht, welcher künstlich in die sogenannte echte Haut, oder sagen wir Blase,

eingefügt ist. Diese weißen, japanischen Perlen sind ja schon längere Zeit im Handel, doch werden neuerdings auch schwarze derartige Perlen angeboten. Soll man nun den Verkauf dieser Rubin-Rekonstitue und dieser japanischen Perlen an das Publikum für richtig halten oder nicht? Antwort: Eigentlich nicht! Da das Publikum diese genannten Arten, weil billiger, kaufen würde, würden die echten Rubine und Perlen einem viel schwereren Verkaufe unterliegen. Andererseits aber würden die Juweliere mit diesem künstlich nachgeholfenen Rubinen und Perlen wieder ein ganz gutes Geschäft machen, da das Publikum, wie schon gesagt, von diesen Arten eher und auch mehr kaufen würde, weil ihm die echten Steine zu teuer und der Effekt der ersteren doch derselbe ist. Leider wird man ja darauf hingewiesen, nach Ersatzmitteln zu greifen, da die heutigen Preise der Juwelen geradezu enorm hoch sind und dadurch der Verkauf sehr erSchwert ist. G.

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Freie Vereinigung des Gold- und Silberwarengewerbes zu Berlin.

Wir bringen hier eine gedrängte Ubersicht der ersprießlichen Tätigkeit der Freien Vereinigung, aus welcher man ersieht, daß es auch für die dem Verband angeschlossenen Körperschaften noch viele Fragen gibt, welche für unser Fach wichtig und von ihnen zu behandeln sind. Wer ein Interesse an den Bestrebungen der Freien Vereinigung hat, der sollte nicht verfehlen, dieses durch seine Mitgliedschaft zu bekunden. Die Statuten können von Herrn Max Winter, Berlin, Lützow 80 bezogen werden.

Protokoll der General-Versammlung.

Die am Mittwoch, den 2. Mai im Restaurant Schultheiß in Berlin abgehaltene Generalversammlung hatte folgende Tagesordnung: 1. Verlesung des Protokolles der Versammlung v. 25. Januar. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Geschäftsbericht des Vorstandes: 4. a) des Vorsitzenden. b) des Schatzmeisters.

4. Bericht der Rechnungsprüfer und Entlastung des Schatzmeisters. 5. Entlastung des Vorstandes und des Ausschusses. 6. Neuwahl: a) des 1. Vorsitzenden, b) der beiden Schriftführer. 7. Neuwahl der Ausschußmitglieder und der Rechnungsprüfer. 8. Verschiedenes.

Die Sitzung wird nach 9 Uhr von Herrn Schmidt eröffnet. Das Protokoll der Sitzung vom 25. Januar wird verlesen und genehmigt. Neue Mitglieder hatten sich nicht gemeldet. – Es erstattete deshalb sofort Herr Schmidt den Jahresbericht. Derselbe wurde mit großem Beifall aufgenommen und beschlossen, den Bericht sowohl wie den des Herrn Müller über die Tätigkeit der Schutzeinrichtung gegenüber Hochstaplern in Druck erscheinen und allen Interessenten zugehen zu lassen.

Nach dem Bericht des Herrn Hagenmeyer betrug die Einnahme, einschließlich des Bestandes von 73.66 Mk., . 1312.66 Mk.

die Ausgabe - - - - - - - * 1003.40 „

Bestand am 31. April 309,26 Mk

Das Gesammtvermögen besteht aus 5500.66 Mk.

Nachdem Herr Cassel als Rechnungsprüfer den Richtigbefund mitgeteilt und die Entlastung beantragt hatte, wurden sowohl der Kassierer wie der Gesamtvorstand entlastet. Darauf übernahm Herr Schaper den Vositz, da die Wahlzeit des Herrn Schmidt abgelaufen war. Nach kurzer Debatte wurde, auf Antrag des Herrn Abraham, Herr Schmidt durch Zuruf wiedergewählt. Ebenso die beiden Schriftführer, Herren Winter und Schröder, sowie die bisherigen Ausschußmitglieder, mit Ausnahme des Herrn Sembach, der auf eine Wiederwahl verzichtete. Auch wurden die beiden Rechnungsprüfer, die Herrn Cassel und Dippe, wiedergewählt. – Herr Winter stellt darauf den Antrag, der versehentlich in die Tagesordnung nicht aufgenommen worden ist, für die kaufmännischen Fortbildungsschulen bis 100 Mk. auch in diesem Jahr zu bewilligen. Es gingen im Winter sowohl wie jetzt je 8 Schüler in die Schule. Der Antrag wurde angenommen. Bei dem Punkt „Verschiedenes“ wird über die „Arbeitsordnung“ gesprochen. Die Gehilfen hatten eine Protest-Versammlung einberufen. Es wurde jedoch betont, daß alle Betriebe eine Arbeitsordnung haben müssen, mit Ausnahme der kleinen Betriebe unter 10 Gehilfen, und daß diese Arbeitsordnung gerade die kleineren Arbeitgeber schützen soll, speziell in den kleinen Städten. Außerdem hat der Verband kein Mittel, dieselbe einzuführen. Er kann sie nur empfehlen und steht es jedem Meister frei sie einzuführen, wie jedem Gehilfen, ob er dort arbeiten will oder nicht. Jedenfalls muß erst der Verbandstag abgewartet werden. Max Winter, Schriftführer.

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Jahresbericht.

Die Freie Vereinigung zählt gegenwärtig 132 Mitglieder. Als Ehrenmitglied wurde im Laufe des verflossenen Geschäftsjahres Herr Prof. Wiese, früher Direktor der Hanauer Akademie, aufgenommen. Die laufenden Arbeiten des Jahres fanden in 5 Vorstands- und Ausschußsitzungen und in 3 Vierteljahrsversammlungen Erledigung. Gelegentlich der letzteren fanden folgende Vorträge und Ausstellungen statt: 1. Ein Vortrag des Herrn Prof. Rücklin, Pforzheim, über das Thema: Umfang und Ziele der praktischen Arbeit an Goldschmiede-Fachschulen und Kunstgewerbeschulen. Damit

verbunden war eine Ausstellung seitens des Herrn Wilhelm Dieben er von Schmuckmustern für den Klein-Goldschmied und von Gravierarbeiten im Flachstich, beides als Ergebnis eines Preisausschreibens der „Deutschen Goldschmiedezeitung“.

2. Eine Ausstellung origineller Neuarbeiten – phantastischer Kuriositäten – seitens unseres Ehrenvorsitzenden Herrn Hofgoldschmied Schaper.

3. Ein Vortrag unseres I. Verbandsvorsitzenden Herrn Wilhelm Fischer über „Rubis reconstitué“, d. h. über künstlich hergestellten rubinechten Stoffes.

Im Anschluß an den letzten Vortrag wurde die Anlegung einer Steinsammlung zu Lehr- und Informationszwecken und deren Unterbringung in dem Geschäftszimmer des Verbandes beschlossen. Freiwillige Beiträge, beziehungsweise geschenkweise Überlassung von Halb- und Edelsteinen zu Händen des Herrn Verbandsvorsitzenden für diese Sammlung werden mit Freude begrüßt werden. Weiter wurde im Anschluß die Ausbildung der Lehrlinge durch Veranstaltung von Vortrags-Zyklen in der Königl. Bergakademie in Erwägung gezogen und den Meistern, bzw. Geschäftsherren der Besuch des jährlich in der Bergakademie zur Abhaltung kommenden Vortrags-Zyklus über Edelsteinkunde als Hospitanten anempfohlen.

Die Besteck-Konvention steht hier in Berlin leider auf einem toten Punkt. Für andere Städte bzw. Bezirke hat der Verband der Silberwarenfabrikanten Deutschlands vermittelnde Bemühungen zugesagt und in die Wege geleitet. Über den Erfolg wird zur gegebenen Zeit berichtet werden.

In der Sachverständigen-Frage hat eine gemeinschaftliche Besprechung mit dem Innungsvorstande und eine Eingabe an den Herrn Landgerichtspräsidenten die Annahme der vorgeschlagenen Herren Menzel und Hadank als gerichtliche Sachverständige gezeitigt. Über eine in Verfolg dieser Eingabe über den Sachverständigen Herrn Schluttig beim Landgerichtspräsidenten von unserem Vorstande auf Grundlage beigefügten Beweismaterials eingeleitete Beschwerde wird nach Eingang der Antwort entsprechende Mitteilung gemacht werden.

Für schwierige Fälle von Taxationen und SachverständigenBegutachtungen stellte Herr Fischer die jeweilige Einberufung einer Sachverständigen-Kommission in Aussicht; eine solche hat meines Wissen einmal schon getagt.

In Sachen „ Feuerschutzkasse des Verbandes“ hatte die Vereinigung für Fortsetzung der Vorarbeiten gesimmt. Es werden weitere Mitteilungen hierüber demnächst erfolgen. Die Eingabe an den Bundesrat, die gesetzliche Zulassung des Karatgewichtes und der Karatwage herbeizuführen, ist abschlägig beschieden worden. Dagegen liegt die Möglichkeit der Einführung des „metrischen Karats“ im Wert von 200 Milligramm nach Erkundigungen an zuständiger Stelle vor, so daß der Beschluß der Freien Vereinigung, dahin zu wirken, daß in allen Ländern das metrische Karat, welches einem Gewicht von 200 Milligramm entspricht, einzutreten, Aussicht auf Erfolg haben dürfte. Den schriftlichen Verkehr hierüber mit den in Frage kommenden Institutionen Frankreichs und Englands hat Herr Ludwig Schroeder freundlichst übernommen.

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„Kein Handwerk hat mehr seinen Wert,
Ueberlastet ist jedes und beschwert;
Ein jeder Knecht will Meister werden,
Drum sind jetzt Handwerk viel auf Erden,
Mancher zum Meister sich erklärt,
Dem nie ein Handwerk ward gelehrt.
Was dieser nicht will billig geben,
Da sieht man zwei oder drei daneben,
Die meinen das zu liefern wohl,
Doch die Arbeit ist nicht, wie sie soll;
Man hudelt Ware jetzt in Eil',
Daß man sie billig halte feil.
Dabei kann man nicht lange bleiben:
Teuer kaufen und wohlfeil vertreiben!
Mancher erleichtert andern den Kauf
Und nimmt darüber zum Tor den Lauf.
Wohlfeilen Kauf liebt jedermann
Und doch ist keine Bürgschaft dran;
Denn wenig Kosten legt man an,
Wenn man es schnell nur schaffen kann
Und wenn es nur ein Anseh'n habe.
Das Handwerk trägt man so zu Grabe,
Es kann kaum noch ernähren sich.
Was du nicht tu'st, das tu nun ich,
Und leg' nicht Zeit noch Kosten an,
Wenn ich nur recht viel liefern kann.“

Die Ausstellungs-Medaille. Auf der 3. Deutschen KunstgewerbeAusstellung in Dresden wird den Besuchern Gelegenheit geboten werden, die Herstellung der künstlerischen Ausstellungs-Medaille an Ort und Stelle in Augenschein zu nehmen. Vor zehn Jahren regte Professor Lichtwark die Vertreter der bildhauerischen Kleinkunst an, sich gleich den Franzosen auch der Medaille zuzuwenden. Erfreulicherweise nahmen sich die besten Künstler der Sache an und aus diesem Bestreben heraus bildete sich der Typ der deutschen Kunstmedaille. Freilich unterscheidet sich die deutsche Medaille nicht unwesentlich von der französischen, denn sie zeigt vor allen Dingen eigenartige und derbe Formen. Daß sich die Medaillenkunst in Deutschland so schnell entwickeln konnte, ist dem Verständnis der staatlichen und städtischen Behörden zu danken; auch kunstsinnige Privatpersonen wandten ihr Interesse der Sache zu, und ebenso fanden die Bestrebungen für die Schaffung einer deutschen Kunstmedaille freundliche Förderung durch die kunstverständige Presse. Aber auch die Technik wußte sich diesem Fortschritt in der Kleinkunst anzupassen; auf der 3. Deutschen Kunstgewerbe

Ausstellung soll dieser interessante Zweig der Technik dem Publikum vorgeführt werden. Die erste Anregung ging, wie bereits oben bemerkt, von den Franzosen aus. In Deutschland war die Dresdner Medaillenmünze von Glaser & Sohn in Dresden diejenige Firma, welche die erste französische Produktionsmaschine zur automatischen Herstellung der Patrizen (erhabenen Prägestempel) einführte und noch heute damit arbeitet. Die Firma Glaser & Sohn wird nun im Verein mit der Maschinenfabrik von L. Schuler in Göppingen und mit der Leipziger Maschinenbau-Gesellschaft m. b. H. Sellerhausen in der Ausstellung die Herstellung einer offiziellen Medaille zeigen, welche als Andenken an die 3. Deutsche Kunstgewerbe-Ausstellung an Ort und Stelle verkauft werden soll. Der Betrieb wird ungefähr derselbe sein, wie er von der „Administration de monnaie et medaille“ in Paris im Jahre 1900 gezeigt wurde. Auch die Herstellung der Stanzen auf einer deutschen Graviermaschine wird mit vorgeführt werden. Die Göppinger Fabrik von L. Schuler liefert Spezialmaschinen der Prägebranche und die oben erwähnte Leipziger Fabrik fertigt Graviermaschinen an. Auch die Preismedaille soll in der Ausstellung selbst hergestellt werden. Man darf sich von diesen Vorführungen eine Förderung der deutschen Medaillenkunst versprechen.

Moderne Stilfragen. Als Einleitung für eine Reihe von Veranstaltungen der Zentralstelle für Gewerbe und Handel hielt kürzlich Herr Prof. G. E. Pazaurek, der neue Direktor des Landesgewerbemuseums in Stuttgart, einen Vortrag über „Moderne Stilfragen“, dem auch Präsident v. Mosthaf anwohnte. Wie der Redner zunächst bemerkte, sollen weitere Vorträge über das kunstgewerbliche und ästhetische Gebiet, teilweise einzeln, teilweise in Zyklen, veranstaltet werden. Die Frage: Was ist Stil? lasse sich dahin beantworten, daß er ein Zusammenfassen sämtlicher ästhetischer Eigenheiten, die für eine Kulturepoche maßgebend und charakteristisch sind, darstelle. An einer großen Anzahl von Lichtbildern vom Mittelalter bis zur Gegenwart wurden nun die verschiedenen Stilarten und insbesondere auch ihre Auswüchse und Kunstwidrigkeiten veranschaulicht. Der Redner bezeichnete es als unmöglich, einen in die Zeit nicht passenden Stil zu pflegen, namentlich sei es für die Gegenwart unmöglich, in den alten Stilarten weiterzuarbeiten, denn das praktische Leben und die Verhältnisse hatten sich total geändert. Die Sezession habe mit diesen Sachen in der neuesten Zeit durch die gemeinsame Ablehnung der alten Kunstformen gründlich aufgeräumt. Wenn wir die moderne Richtung betrachten, so unterscheiden wir zwei Gruppen. Die einen gestatten es, daß die Natur uns weiter die Vorbilder gibt, die anderen lehnen auch dieses ab und greifen nur zum Ornament und den geometrischen Figuren. Die moderne Pflanzenstilisierung habe den Motivenschatz wesentlich bereichert. Japan könne uns am meisten, allerdings mehr in dekorativer Hinsicht, anregen, doch ging man hierin schon vielfach zu weit. Zwei Gefahren seien dem modernen Stil entstanden, der von England herübergekommene, aber jetzt schon fast überwundene Präraphaelismus und die jetzt noch mit Vorliebe gepflegte Biedermaierzeit. Eine Fortsetzung des Biedermaierstils stehe uns leider bevor; dadurch aber, daß alles auf die Spitze und zur grassen Opposition getrieben werde, dürften wir uns damit nicht befreunden können. Der gefährlichste von den Ratschlägen, den wir unserm Kunstgewerbe geben können, sei aber der Hinweis auf den sogen. Jugendstil. Kunstgesetze stellen etwas anderes dar als die, wenn auch von höchster Stelle vorgeschriebene Reglementierung der Kunst. Kunstgesetze seien die konstruktiven Grundgesetze, die schon Semper aufgestellt habe. Um eine Weiterbildung des Stils zu ermöglichen, sollen wir den Künstlern die Lust zum freien Schaffen nicht ein– Schränken.

Wie veranlaßt man die Geschäftskunden, keine Zahlungen an die Reisenden zu leisten. Vielen Geschäftsleuten ist es nicht angenehm, wenn die Kunden Zahlungen an die Reisenden leisten, die vielleicht häufiger wechseln oder die sie für nicht ganz ehrlich oder nicht für charakterfest genug halten, ihnen die Verwahrung größerer oder kleinerer Schuldbeträge anzuvertrauen. Da nun aber für den Fall, daß zwischen Verkäufer und Käufer nichts besonderes Vereinbart wird, § 55, Abs. 2 des Handelsgesetzbuches maßgebend ist, wonach die Reisenden für ermächtigt gelten, den Kaufpreis aus den von ihnen abgeschlossenen Verträgen einzuziehen, so ist derjenige, welchem wirklich daran gelegen ist, daß seine Kunden den schuldigen Kaufpreis direkt ihm selber übermitteln, gezwungen, den Kunden seinen Wunsch in ganz klarer, unzweideutiger Weise zu erkennen zu geben, und richtet sich ein Kunde trotz alledem einmal nicht nach dieser Anweisung, so muß er ihn sofort darauf aufmerksam machen, unter dem Hinweis, daß er – wenn er sich auch mit der nun einmal an den Reisenden bewirkten Zahlung einverstanden erklären wolle – doch unter allen Umständen für die Zukunft Zahlung an ihn selber verlange. Versäumt der Geschäftsmann diese Vorsichtsmaßregel, so kann er sehr leicht sein Geld und seinen Kunden verlieren wie der Kläger in dem nachstehend geschilderten Falle. Dieser nämlich, ein Engrossist, hatte durch seinen Reisenden einem Kunden wiederholt Warenposten verkauft. Auf seinen Rechnungen befand sich der gedruckte Vermerk „Zahlungen bitte direkt an mich nach F. zu senden“. Trötzdem zahlte der Kunde einmal an den Reisenden, und der Geschäftsmann rügte es nicht. Auch die nächste Zahlung leistete der Kunde wieder an den Reisenden, der jedoch diesmal damit – es waren über 800 Mk. – verschwand. etzt klagte der Engrossist gegen seinen Abnehmer auf nochmalige ahlung des Betrages, indem er erklärte, jener habe es sich selbst zuzuschreiben, wenn er einen Posten zweimal bezahlen müsse, denn er habe seinen klaren Vermerk auf der Rechnung nicht beachtet. Und während tatsächlich das Landgericht den Kunden, dem Klageantrage gemäß, verurteilte, den schon einmal an den Reisenden entrichteten Betrag nochmals an den Geschäftsherrn selbst zu zahlen, kam das Oberlandesgericht Frankfurt zur Abweisung des Klageanspruchs des Engrossisten. Dieser Gerichtshof war nämlich der Meinung, daß der Kläger es gewesen sei, der fahrlässig handelte. Nachdem der Beklagte das erste Mal Zahlung an den Reisenden geleistet habe, war der Kläger, wenn er gebührende Sorgfalt walten ließ, verpflichtet, seinem Abnehmer gegenüber die Erklärung abzugeben, daß er in Zukunft Zahlungen an den Reisenden nicht als ordnungmäßige ansehen werde und daß er gegebenenfalls die Haftung für alles, was sich aus dieser Ordnungswidrigkeit ergebe, ablehnen müsse. Sodann aber werde durch den Aufdruck „Zahlungen bitte direkt an mich nach F. zu senden“ nicht klar und unzweideutig zum Ausdruck gebracht, daß der Reisende keine Inkassovollmacht besitze. Der Gerichtshof habe sich veranlaßt gesehen, ein Gutachten der Handelskammer einzufordern und diese habe sich dahin ausgesprochen, daß der erwähnte Rechnungsvermerk nicht entfernt genüge. Die Bezeichnung „bitte“ werde im Geschäftsverkehr vielfach nur als Ausdruck eines Wunsches aufgefaßt, nicht aber könne sie als geeignet bezeichnet werden, um dem Kunden klar zu machen, daß er nur an den Geschäftsherrn zu zahlen habe. Der Kläger hätte sich also einer Wendung bedienen müssen, wie „Zur Vermeidung von Irrtümern bemerke ich, daß meine Reisenden zur Empfangnahme von Fakturenbeträgen nicht berechtigt sind“ oder „Zahlungen sind stets direkt an mich zu leisten“, oder „Meine Reisenden sind zur Empfangnahme von Geldern nicht berechtigt“ oder dergl.

Strafbarkeit des Gehilfen für Bedienung der Kunden nach Ladenschlußzeit. Ein Gehilfe hatte nach 9 Uhr abends an einen Besucher des Ladens Waren verkauft und war deshalb angeklagt worden. Das Landgericht sprach ihn frei, weil nur der selbständige Gewerbetreibende als Ladeninhaber sich des Vergehens gegen die Bestimmungen über die Ladenschlußzeit schuldig machen könnten, nicht aber der unselbständige Gewerbegehilfe. Diese Bestimmungen hätten den Schutz der gewerblichen Arbeiter im Auge und es widerspräche diesem Zwecke, wenn die Zuwiderhandlung eine Bestrafung des zu schützenden Arbeiters nach sich ziehen solle. Das Oberlandesgericht hob diese Entscheidung auf und verurteilte den angeklagten Gehilfen zu einer Geldstrafe. Es führte dabei aus, daß das verbotene Bedienen der Kunden nach Ladenschlußzeit eine Tätigkeit sei, die sowohl von dem Gewerbetreibenden als von den in seinem Gewerbebetriebe tätigen Angestellten vorgenommen werden könne. Die Strafbestimmungen der Gewerbeordnung müßten daher auf beide Anwendung finden. Wenn das Landgericht weiter meine, der Zweck des Gesetzes schließe eine Bestrafung des Gehilfen, dessen Schutz es vielmehr wolle, aus, so sei dem nicht beizupflichten. Wenn auch die betreffenden Bestimmungen der Gewerbeordnung vornehmlich den Schutz der gewerblichen Arbeiter gegen übermäßige Ausnutzung ihrer Arbeitskraft im Auge habe, so hindere dies doch nicht, daß ein einzelner Arbeiter den zum allgemeinen Schutz der Arbeiter erlassenen Vorschriften zuwiderhandeln

könne und sich dadurch strafbar mache. – Aus den gleichen Gründen hat dasselbe Oberlandesgericht in einem andern Falle einen Gehilfen für strafbar erklärt, der an einem Sonntage in einer offenen Verkaufsstelle Kunden nach der Ladenschlußzeit bedient hatte.

Ueber die Dauer der Fortbildungsschulpflicht der Lehrlinge enthält die Gewerbeordnung keine direkte Bestimmung. Sie schreibt im 127 nur vor, daß der Lehrherr verpflichtet ist, den Lehrling zum esuche der Fortbildungs- oder Fachschule anzuhalten und den Schulbesuch zu überwachen. Außerdem hat sie in § 120 allgemein den Gewerbeunternehmern die Verpflichtung auferlegt, ihren Arbeitern unter 18 Jahren die zum Besuche einer Fortbildungs- oder Fachschule nötige Zeit zu gewähren. Aus dieser letzteren Bestimmung hatte ein Handwerksmeister gefolgert, daß die Fortbildungsschulpflicht der Lehrlinge nach Vollendung des 18. Lebensjahres aufhöre. Sein Lehrling hatte demzufolge nur bis zu seinem 18. Lebensjahre die Fortbildungsschule, dann aber eine von der Innung eingerichtete Fachschule besucht. Diese war von der höheren Verwaltungsbehörde als ausreichender Ersatz der allgemeinen Fortbildungsschule nicht anerkannt. Das Gericht gelangte zu einer Verurteilung des Handwerksmeisters, weil eine Altersgrenze, bis zu welcher der Lehrling zum Schulbesuch angehalten werden solle, nicht bestimmt sei. Die Fortbildungsschulpflicht der Lehrlinge sei im § 127 der Gewerbeordnung besonders geregelt. Die allgemeine Bestimmung des § 120 wonach die dort ausgesprochene Verpflichtung der Gewerbeunternehmer mit der Vollendung des 18. Lebensjahres der Arbeiter aufhöre, komme bezüglich der Lehrlinge nicht zur Anwendung. Daraus folge, daß der Lehrling solange zum Besuche der Fortbildungs- oder Fachschule anzuhalten sei, als das Lehrverhältnis bestehe. Durch den Besuch einer Fachschule an Stelle der Fortbildungsschule werde der Schulpflicht nur dann genügt, wenn die Fachschule von der höheren Verwaltungsbehörde als ausreichender Ersatz der allgemeinen Fortbildungsschule anerkannt, der letzteren also gleichartig sei, insbesondere in bezug auf den Lehrplan, die Unterrichtsfächer und die Pflichtstunden. Im Streitfalle habe es sich nicht um eine solche Fachschule gehandelt, der Schulpflicht sei deshalb nicht genügt worden.

Freiwillige Fortsetzung der Krankenkassenmitgliedschaft. Bekanntlich sind diejenigen Krankenkassenmitglieder, die aus der die Mitgliedschaft begründenden Beschäftigung ausscheiden und nicht zu einer Beschäftigung übergehen, vermöge welcher sie Mitglieder einer anderen Krankenkasse werden, berechtigt, so lange Mitglieder der Kasse zu bleiben, als sie sich im Gebiete des Deutschen Reiches aufhalten. Sie müssen, wenn sie von diesem Rechte Gebrauch machen wollen, ihre dahingehende Absicht binnen einer Woche dem Kassenvorstande anzeigen. Dieser Anzeigepflicht wird genügt, wenn der Versicherte oder dessen Beauftragter die vollen statutenmäßigen Kassenbeiträge zum ersten Fälligkeitstermin zahlt, der allerdings innerhalb der für die Anzeige vorgeschriebenen Frist liegen muß. Die Befugnis zur Erhaltung der Mitgliedschaft bildet eine Ausnahmebestimmung des Krankenversicherungsgesetzes, die mit den übrigen Regeln für den Erwerb der Kassenangehörigkeit nichts zu tun hat. Demnach unterliegt sie keinerlei Beschränkungen. Mitglieder der Kasse können sowohl diejenigen bleiben, die erwerbslos geworden oder in eine nichtversicherungspflichtige Beschäftigung eingetreten sind, als auch diejenigen, die sich selbständig gemacht haben. Auch Betriebsbeamten, deren Gehalt sich über 2000 Mk. erhöht, steht das Recht der Fortsetzung der Mitgliedschaft zu, gleichviel, ob die Gehaltserhöhung unter Fortsetzung der Beschäftigung in demselben Betriebe eintritt oder gelegentlich des Eintritts in einen anderen Betrieb. Freiwillige Mitglieder haben in Krankheitsfällen Anspruch auf die gleichen Unterstützungen, die den Zwangsmitgliedern zustehen. Indessen sind die Kassen berechtigt, durch Kassenstatut zu bestimmen, daß für nicht in ihrem Bezirk sich aufhaltende Mitglieder an die Stelle der ärztlichen Behandlung, der Arznei und der Heilmittel eine Vergütung in Höhe von mindestens der Hälfte des Krankengeldes tritt. Von dieser Berechtigung haben die meisten Kassen Gebrauch gemacht. Die Mitgliedschaft erlischt, wenn die Beiträge an zwei aufeinander folgenden Zahlungsterminen nicht geleistet werden.

Ein Russe mit angeblich 500000 Rubel wendet sich an eine Anzahl Hanauer Goldwarenfabrikanten mit Angebot von billigen Gelddarlehen. Da es sich um einen Schwindler handeln dürfte, so werden dieselben gebeten, die erhaltenen Briefe an den Geschäftsführer des Kunstgewerbevereins Herrn Dr. Grambow einzusenden.

| Ausstand der Juwelierarbeiter in Paris. Ein Haufe von etwa hundert ausständigen Juwelierarbeitern zogen am 28. April gegen 5 Uhr nachmittags nach dem Place de l'Opera um vor den Läden in der Rue de la Paix eine Kundgebung zu veranstalten; Munizipalgarden und Polizeimannschaften trieben sie aber auseinander. Es wurden Verhaftungen vorgenommen.

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