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welche die Frage nicht von Anfang an verfolgt haben, möchte ich kurz vorausschicken, daß das jetzige Karat ungesetzlich ist, weil es nicht mit dem in den meisten Ländern eingeführten metrischen Maß und Gewicht übereinstimmt. Die Folge davon war, daß in Deutschland, in Frankreich, in Italien, in Österreich usw. seitens der Behörden fortgesetzt Karatwagen und Karatgewichte beschlagnahmt und deren Besitzer zum Teil mit hohen Geldstrafen belegt wurden, weil sie in ihren Geschäften ungesetzliche Gewichte benutzten. Infolgedessen wendeten sich die Verbände der Fachgenossen in den verschiedenen Ländern an die Behörden, um für das alte Karat die gesetzliche Genehmigung zur Verwendung zu erhalten. Diesem Ersuchen konnten die Regierungen nicht stattgeben, weil sie damit einem internationalen Abkommen zuwider gehandelt hätten und weil sie sehr richtig sagten, daß die Einführung des metrischen Maßes und Gewichtes einen großen Kulturfortschritt bedeutete und die Genehmigung eines veralteten Gewichtes ein Rückschritt wäre. So wurde denn auch die Eingabe des Verbandes deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede an die Regierung wegen Beibehaltung des alten Karates rundweg abschlägig beschieden. Die deutsche Regierung machte aber das internationale Bureau für Maße und Gewichte in Sèvres, Frankreich, auf die Frage aufmerksam und der Direktor dieses Bureaus, dessen Vorsitzender übrigens der Leiter der Berliner Sternwarte, Herr Professor Wilhelm Förster ist, kam auf die Idee, das alte Karat dem metrischen Maße und Gewichte anzupassen und es dadurch zu einem gesetzlichen Gewicht zu machen. Der Wert des bisherigen Karatgewichtes Schwankt in den verschiedenen Ländern zwischen 191.7 Milligramm in Ägypten und 2546 Milligramm in Arabien; in den Hauptländern des Edelsteinhandels England, Belgien, Holland schwankt es zwischen 205.0 und 205,8 Milligramm; 1 Milligramm ist gleich einem Zehntel Gramm. Durch diese Verschiedenheiten im Werte entstehen im internationalen Handel fortwährend Schwierigkeiten, so daß schon vor Jahren die Vereinigung der Amsterdamer Steinhändler übereinkam, in Streitfällen das metrische Gewicht entscheiden zu lassen und daß in diesem Falle 47 Karat gleich ein Gramm sein sollten. Herr Ch. Ed. Guillaume nun als Leiter des internationalen Maß- und Gewichts-Bureaus schlug vor, das alte Karat von ungefähr 205 Milligramm fallen zu lassen und dafür ein neues von 200 Milligramm einzuführen, welches sich in das gesetzliche metrische System einfügen würde. Alle, aber auch alle Personen, welche irgendwie mit Edelsteinen zu tun haben und an die Abschätzung eines vorliegenden Edelsteines nach dem alten Karat gewöhnt sind, hätten keinerlei Schwierigkeiten durch die Reform, denn der Mann soll noch geboren werden, der auf den ersten Blick in allen Fällen sofort zweifellos ohne Wage feststellen kann, ob ein Stein z. B. 53 oder 54 Vierundsechzigstel wiegt. Es hätte also niemand umzulernen und was die Preise der Edelsteine betrifft, so ist es allgemein bekannt, daß diese derart schwanken, daß ein vorübergehender Unterschied von 22 % nicht die geringste Rolle spielt; größer ist nämlich der Unterschied des neuen gegen das alte Karat nicht. Mit der Bewertung auf 200 Milligramm könnte man zugleich die Einteilung des Karates auf Hundertstel, statt der

bisherigen Vierundsechzigstel durchführen und dies wäre eine

weitere bedeutende Erleichterung im Steinhandel. Es muß doch auch dem konservativsten Gemüte einleuchten, daß sich nach dem Dezimalsystem besser, schneller und sicherer rechnet wie früher

nach Taler, Silbergroschen und Pfennigen, nach Fuß und Zoll, nach Pfund, Lot und Quentchen und in unserm Falle nach Vierundsechzigsteln. Der in der Fachpresse aller Länder veröffentlichte Gedanke des Herrn Guillaume zur Vereinfachung des Karates von 205 auf 200 Milligramm fand überall begeisterte Aufnahme; die Verbände der verschiedenen Länder besprachen ihn, viele faßten Beschlüsse zu seinen Gunsten, z. B. das Syndikat der Pariser Steinhändler, die Chambre syndicale der Pariser Juweliere, Gold- und Silberschmiede, der Vorstand des Deutschen Verbandes, die Freie Vereinigung in Berlin usw. Dem italienischen Goldschmiede Verbande ließ ich das gesamte Material in dieser Frage zugehen und dessen stellvertretender Vorsitzender erklärte mir persönlich, das die Reform „eminentemente logica“ sei und er nicht zweifle, daß sich auch sein Verband ihr anschließen werde. In England habe ich ebenfalls bereits die geeigneten Schritte getan und ich weiß bestimmt, daß die dortigen Interessenten, ebenso wie die amerikanischen, der Reform sehr sympatisch gegenüber stehen; das englische Maß- und Gewichtsgesetz von 1897 bestimmt ausdrücklich, daß im internationalen Handel mit Edelsteinen das metrische Gewicht gesetzlich zulässig sei. Betreffs der Eingabe der Hanauer Handelskammer an das Reichsamt des Innern wegen Beibehaltung des alten Karats bin ich außer dem abschlägigen Bescheide, der darauf ergangen ist, von einer in diesem Reichsamt maßgebenden Persönlichkeit ermächtigt, zu erklären, daß: Eine Legalierung des alten deutschen Karates als Gewichtseinheit für den Handel mit Edelsteinen, keine Sfalls zu erwarten ist, um so weniger als bereits unter Mitwirkung des hoch offiziellen internationalen Maß- und Gewichts bure aus eine Vereinbarung im Werke ist, durch welche ein internationales metrisches Karat von 200 Milligramm geschaffen und allseitig legalisiert werden könnte. Dem habe ich noch hinzuzufügen, daß auch in Belgien und Holland und anderen Ländern von anderer Seite die nötigen Schritte getan worden sind, um diese zum Anschluß an das metrische Karat zu veranlassen und meine letzten Nachrichten vom Direktor des internationalen Bureaus besagen, daß die formelle Zustimmung der dortigen Interessenten in Kürze zu erwarten sei. Bereits in der internationalen Zusammenkunft vom 13. April 1905 hat sich das offizielle internationale Bureau ausdrücklich für die Einführung des metrischen Karates von 200 Milligramm erklärt und denjenigen Gegnern, die glauben, daß England der Reform abgeneigt sei, kann ich mitteilen, daß in derselben Zusammenkunft das Apothekergewicht im internationalen Verkehr dem metrischen Gewicht angepaßt wurde und daß es ein Engländer, Namens Cherney war, der für diese Reform eintrat. Solche internationalen Zusammenkünfte zur Besprechung und internationalen Regelung von Maß- und Gewichtsfragen finden alljährlich statt. Die diesjährige wird auf Grund der inzwischen eingegangenen Zustimmungserklärungen zum metrischen Karat neue Beschlüsse zu seinen Gunsten fassen und sie den Regierungen der einzelnen Länder als Material überweisen. Den Fachverbänden der einzelnen Länder erwächst dann die Pflicht, bei ihren auf diese Art offiziell vorbereiteten Behörden wegen Einführung des metrischen Karates vorstellig zu werdenu nd so, wie die Sachen liegen, ist es ganz unzweifelhaft, daß die Regierungen ein Gesetz zugunsten des metrischen Karates erlassen werden.

Nachbesserungsrecht des Verkäufers.

Bekanntlich hat nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch bei Lieferung mangelhafter Ware der Käufer das Recht, Wandelung oder Minderung, d. h. Rückgängigmachung des Kaufs oder Herabsetzung des Kaufpreises zu verlangen. Es fragt sich nun, ob nach bürgerlichem Recht dem Verkäufer das Recht zusteht, durch Nachbesserung der mangelhaften Ware die vom Käufer verlangte Wandelung abzuwenden.

Mit dieser Frage beschäftigt sich das Reichsgericht in der angezogenen Entscheidung. Es geht davon aus, daß das Gesetz an keiner Stelle dem Verkäufer ausdrücklich das Recht zugesprochen habe, das Wandelungsbegehren des Käufers, d. h. das Verlangen nach Rückgängigmachung des Kaufs, durch Nachbesserung der mangelhaften Ware oder Ersatzlieferung einer vertrags

mäßigen Ware abzuwenden. Es schließt aber aus allgemeinen Erwägungen, daß in besonders gearteten Fällen ein solches Recht anerkannt werden müsse, nämlich dann, wenn die Ausübung des Wandelungsrechtes seitens des Käufers nur den Zweck haben kann, dem Verkäufer Schaden zuzufügen, oder, wenn aus dem nach Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte auszulegenden Inhalt des Vertrags die Verpflichtung des Käufers zu folgern ist, die ausgebesserte Leistung gelten zu lassen. Diese Entscheidung des Reichsgerichts ist mit Genugtuung zu begrüßen. Sie ist eine lebendige Fortentwicklung des in der modernen Gesetzgebung im allgemeinen betonten Billigkeitsprinzips. Hierbei wird es ja im allgemeinen seltener vorkommen, daß jemand lediglich aus Chikane von dem ihm zustehenden Wandelungsrecht Gebrauch macht. Desto häufiger wird der zweite Fall vorkommen. Es ist also zu beachten, daß der Inhalt des Kaufvertrags nach Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte ausgelegt werden muß und daß man auf Grund einer solchen Auslegung öfters dazu kommen kann, dem Verkäufer ein Nachbesserungsrecht zuzusprechen. Hierbei werden namentlich die im Handelsverkehr geltenden Gewohnheiten und Gebräuche berücksichtigt werden müssen. Es wird in unserer Branche handels

üblich sein, daß sich der Käufer eine Nachbesserung mangelhafter Ware gefallen lassen muß. Dann kann er das sonst dem Käufer zustehende Wandelungsrecht nicht ausüben, sofern nicht Treu und Glauben im besonderen Falle dafür spricht. So wird beispielsweise, wenn ein Kunde bei einem Juwelier einen Ring nach einem bestimmten Muster bestellt und bei der Fassung sich Mängel zeigen, der ganze Ring nicht zurückgewiesen werden können, sondern es muß dem Juwelier erst Gelegenheit zur Verbesserung, zur Abhilfe des Mangels gegeben werden.

Wie ist die Lage der Gold- und Silberarbeiter?
Zur Statistik des Metallarbeiter-Verbandes.

Auf Grund eigener statistischer Erhebungen der Gold- und Silberwarenindustrie in Deutschland hat der deutsche MetallarbeiterVerband ein Werkchen erscheinen lassen unter dem Titel: „Die Gold- und Silberarbeiter, ihre Lohn und Arbeitsverhältnisse“ (Stuttgart, Verlag von Alexander Schlicke & Co.). Wir haben die Schrift mit großem Interesse gelesen und empfehlen sie allen denen, welche sich mit den sozialen Verhältnissen in den industriellen Betrieben unserer Branche beschäftigen wollen, zum Studium. Freilich muß alles, was darin niedergelegt ist, mit Vorsicht aufgenommen werden, weil die Statistik lückenhaft geblieben ist. Nach der Zählung vom 14. Juni 1895 gab es in Deutschland 6123 Betriebe mit 34 145 Arbeitnehmern. Seitdem ist die Zahl jährlich, wie in allen Berufszweigen, noch gewachsen. Und wie war die Beteiligung an der Enquete auf Grund der Fragebogen des Metallarbeiterverbandes? Es sind an der Statistik 297 Betriebe mit 6408 Arbeitnehmern beteiligt. Dieses Resultat ist nicht bedeutend und zeigt, daß auch die Gold- und Silberarbeiter zu einem großen Teile solchen Erhebungen mit einem beklagenswerten Indifferentismus gegenüberstehen. An dem Mißerfolg aber soll natürlich schuld sein: Die „Deutsche Goldschmiede-Zeitung!“ Man wird sich entsinnen, daß wir zu gleicher Zeit eine Arbeitgeber-Statistik auf Grund von uns ausgegebener Fragebogen zu schaffen unternahmen. Wir fanden nun auch bei einer großen Zahl von Goldschmieden freudige Unterstützung und erhielten ein Material, das viel Interessantes bot. Und doch haben wir dieses Material nicht publiziert. Der Grund dafür? Das Material war lückenhaft, unzulänglich, gerade wie das, was jetzt vom Metallarbeiter-Verband vorgelegt wird. Und mit solchem Material zu arbeiten ist immer bedenklich. Die Gefahr einer tendenziösen Entstellung liegt nahe, wenn man Zahlen zur Beweisführung benutzt, die nicht ausreichen, um ein sicheres Gesamtbild zu zeichnen. Daß wir das vorher prophezeiten, wird uns zum Vorwurf gemacht und der Redakteur der GoldschmiedeZeitung wird wieder einmal als Sündenbock dem Opfermesser überliefert. (Vgl. S. 12ff. der Schrift.) Aber wir kannten unsere Pappenheimer! Privatenqueten, mögen sie nun unter Arbeitgebern oder Arbeitnehmern veranstaltet werden, werden wohl nie ein völlig befriedigendes Resultat geben. Wenn wir auf die Veröffentlichung unseres Materials seinerzeit verzichteten, so geschah es, weil wir uns nicht befugt hielten, aus demselben wirtschaftspolitische Konsequenzen zu ziehen, wie es der MetallarbeiterVerband tut. Immerhin ist eine Erhebung in bald 300 Betrieben mit über 6000 Personen schon interessant genug, um das Buch zu einer verdienstvollen Arbeit zu stempeln.

Die Schrift konstatiert zunächst, daß die Gold- und Silberwarenindustrie aus dem ehemals handwerksmäßigen Gewerbe, das zum größten Teil für den lokalen Markt arbeitete, sich zu einer Großindustrie entwickelte, die auf dem Weltmarkte heute tonangebend ist. Dies gilt besonders von der Bijouterieindustrie und hauptsächlich von den mit der Fabrikation von Schmuckwaren sich befassenden Hauptorten Pforzheim, Schwäb. Gmünd und Hanau. Der Mittel- und Kleinbetrieb hat sich in der Goldwarenindustrie trotzdem noch ziemlich erhalten und macht nur langsame Fortschritte zum Großbetrieb. Der ganze Bijouteriewarenhandel liegt

heute, bei hauptsächlich internationalem Gepräge, in den Händen kapitalkräftiger Grossisten. Diese dominierende Stellung des Großhandels hat die ganze Produktion von Gold- und Silberwaren außerordentlich beeinflußt, andererseits ist aber auch dadurch erst der Weltmarkt erschlossen worden, so daß heute die deutschen Produkte nicht nur erfolgreich neben den Pariser Erzeugnissen konkurrieren, sondern diese zum Teil überflügeln. Was die Zahl der Betriebe anlangt, so betrug sie 1875: 5615, 1882: 5574 und 1895: 6123. Die Zahl der Arbeitnehmer war 1875: 23 341, 1882: 23 101 und 1895: 34145. Auf einen Betrieb kamen durchschnittlich 4,2–4,1–5,6 Personen. Die Zahl der Betriebe mit Motoren war 1882 noch 70, 1895 aber schon 325. Bei der Erhebung von 1875 war noch kein solcher Betrieb zu konstatieren. Die Zahl und Größe dieser Betriebe ergab 1895 insgesamt 57 Großbetriebe, 216 Mittelbetriebe und 97 Kleinbetriebe. Von den im Jahre 1895 gezählten 20 433 Gehilfen und Arbeitern, waren nur 1611 im deutschen MetallarbeiterVerband organisiert, das ist 7,9%. Die Arbeitszeit ist nach den Erhebungen nicht einheitlich geregelt und namentlich nicht in Pforzheim, Schwäb. Gmünd und Hanau. Sind genügende Aufträge vorhanden, so wird mit Ueberzeit gearbeitet, bei flauem Geschäftsgang und in der stillen Zeit muß mehrere Tage ausgesetzt werden, oder es wird die Arbeitszeit pro Tag bis zu 5 Stunden verkürzt. Die Ueberstunden werden nicht immer bezahlt. Im Gegenteil, von den sämtlichen an der Statistik beteiligten 297 Betrieben bezahlen nur 61 =20,5% Zuschläge für Ueberstunden und zwar von 10–33%. Halten wir dem unsere eigene damalige Statistik entgegen, so können wir konstatieren, daß hinsichtlich der festen Arbeitszeit und der Ueberstunden auch in Berlin, Hamburg, Dresden, München, Leipzig, Breslau, Görlitz, Neustadt a. H., Köln usw. keine festen Vereinbarungen getroffen worden sind, sondern sehr verschiedentliche Anordnungen bestehen. Das DurchSchnittsalter Sämtlicher an der Statistik des MetallarbeitnehmerVerbandes beteiligten Personen beträgt 30 Jahre. Als durchschnittlicher Jahresarbeitsverdienst ergab sich bei ständigen Arbeiten 1162 M. Geklagt wird über die hohen Mietpreise, welche vom Einkommen allein 20,9% verschlingen. Die Feststellungen über die Heimarbeit sind so lückenhaft, daß wir sie hier übergehen wollen. Etwa 30,9% der beteiligten Arbeitnehmer hat Ausgaben für eigenes Werkzeug gehabt. Die sanitären Werkstättenverhältnisse werden ungünstig geschildert. Es wird noch über mangelnde Luftzufuhr, schlechte Ventilation, nicht ausreichende Waschgelegenheit geklagt, während die Lichtzufuhr als befriedigend hingestellt wird. Im zweiten Teil des Werkes werden die Verhältnisse in einzelnen Städten geschildert, und zwar in Berlin, Braunschweig, Bremen, Breslau, Döbeln, Düsseldorf, Elmshorn, Essen, Gera, Schwäb. Gmünd, Görlitz, Halle, Hanau, Heilbronn, Itzehoe, Krefeld, Leipzig, Liegnitz, Libau, Magdeburg, Mainz, Neumünster, Pforzheim, Rathenow, Regensburg, Stuttgart und Viersen. Den Schluß bilden die Tabellen über Arbeitsverdienst, Ueberzeitarbeit, Aussetzen, Mietsverhältnisse, Aufwendung für eigenes Werkzeug, Organisationsverhältnisse und Familienstand. Wir werden gelegentlich noch einiges von den Berichten aus den einzelnen Städten hier wiedergeben.

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Die feuerfesten künstlichen Steine.

Materialien, welche durch lange Zeit hohen Temperaturen ausgesetzt werden können, bezeichnet man, wenn sie sich hierbei nicht verändern, als absolut feuerfeste Körper. Mit Rücksicht auf den gegenwärtigen Stand der Technik, welche häufig von sehr hohen Temperaturen Gebrauch macht, ist die Darstellung wirklich feuerfester Massen von so großer Wichtigkeit geworden, daß sie sich nicht nur zu einem selbständigen Gewerbe ausgebildet, sondern dieses sich sogar in einzelne Zweige geteilt hat; es gibt bekanntlich Fabriken, welche sich ausschließlich mit der Anfertigung feuerfester Bausteine befassen, während in anderen ebenso ausschließlich feuerfeste Schmelztiegel dargestellt werden.

In neuerer Zeit hat der Begriff „feuerfest“ eine sehr große Einschränkung erfahren, und zwar ist die Einschränkung von dem Zeitpunkte an zu rechnen, in welchem man angefangen hat, sich der Wärme, welche der elektrische Lichtbogen entwickelt, zu bedienen, um gewisse Körper zum Schmelzen zu bringen. Diese Anwendung der Elektrizität hat zur Errichtung der elektrischen Öfen geführt und werden diese gegenwärtig schon in größtem Maßstabe zur Darstellung von Aluminium, Magnesium, Karborundum, Kalziumkarbid usw. verwendet.

Die Temperatur des elektrischen Lichtbogens ist eine so hohe, daß Platin, welches bis jetzt nur in der Flamme des Knallgasgebläses zum Schmelzen gebracht werden kann, zum Sieden und Verdampfen gebracht wird. Körper, welche in unseren Öfen als unschmelzbar erklärt werden müssen, wie z. B. die reine Tonerde, die Magnesia, schmelzen im elektrischen Ofen wie Glas. Wir kennen zwar noch jetzt einige Körper, welche wir auch durch Elektrizität nicht zu schmelzen imstande sind, wie z. B. den Kohlenstoff und das Osmiummetall; nach den bisher aber über die Wirkung der Elektrizität gemachten Wahrnehmungen scheint es

uns sehr wahrscheinlich zu sein, daß es gelingen werde, elektrische

Ströme von solcher Stärke herzustellen, um mit denselben alle Körper ohne Ausnahme zu schmelzen. Feuerfeste Massen für elektrische Öfen. Zurzeit besteht die feuerfeste Masse, aus welcher man elektrische Öfen errichtet, ausschließlich aus Kohlenstoff und wendet man letzteren in Form des Minerales Graphit oder in Form des sog. Retortengraphites, welcher sich an den Wölbungen der Leuchtgasretorten abscheidet, oder endlich auch in Form von Steinkohlenkoks an. Gewöhnliche Holzkohle wird aus dem Grunde nicht verwendet, weil sie teuerer ist als die anderen hier genannten Arten der Kohle. Die Zubereitung der Kohle für die Zwecke der Herstellung elektrischer Öfen erfolgt in der Weise, daß man den Graphit bzw. die Koks in ein feines Pulver verwandelt, dieses mit einem Bindemittel zu einem bildsamen Teig anrührt, mit welchem man einen aus feuerfesten Steinen hergestellten Bau auskleidet. Gewöhnlich gibt man demselben die Form eines Schmelztiegels, in welchem die zu schmelzenden Körper der Einwirkung des elektrischen Lichtbogens ausgesetzt werden. Als zweckmäßigstes Bindemittel für das Kohlenpulver hat sich sehr dünner Stärkekleister erwiesen; derselbe wird beim Anheizen des Ofens in der Weise zersetzt, daß von ihm nichts hinterbleibt als reiner Kohlenstoff. Da es sich in einem elektrischen Ofen darum handelt, die zu bearbeitende Masse gegen Abkühlung von außen zu schützen, so muß man der aus Kohle bestehenden Ausfütterung des Ofens eine größere Dicke geben, um durch die Kohle selbst die Isolierung herbeizuführen. Gewöhnlich wird zwischen das Mauerwerk und den Kohlentiegel noch feiner Quarzsand eingestampft. Nach der Herstellung des elektrischen Ofens muß derselbe solange sich selbst überlassen bleiben, bis die Kohlenmasse vollständig trocken geworden ist, und ist dann der Ofen noch vorsichtig mit Holzkohle anzuheizen, damit die letzten Spuren von Feuchtigkeit vertrieben und die Stärke zersetzt wird. Erst dann kann der Ofen für elektrische Zwecke in Gebrauch genommen werden. Bevor man einen Graphit oder Koks zur Darstellung der Kohlefütterung für elektrische Öfen überhaupt in Gebrauch nehmen kann, muß das Material auf seine Eignung zu diesem Zwecke geprüft werden. Manche Graphitsorten und die Koks mancher Steinkohlen enthalten nämlich so bedeutende Beimengungen von Mineralkörpern, namentlich Eisenoxyd, Kalk- und Magnesiaverbindungen und Kieselsäure, daß diese Körper in der Hitze des elektrischen Lichtbogens in chemische Aktion mit dem Kohlen

stoff treten würden. Es würden sich Karbidverbindungen in der Masse bilden und letztere dann beim Abkühlen des Ofens rissig werden. Man prüft das Material auf seine Verwendbarkeit am einfachsten dadurch, daß man eine Probe desselben fein mahlt und mit Hilfe von Stärkekleister zu dünnen Zylindern formt, ähnlich

jenen, welche man in den elektrischen Bogenlampen verwendet.

Man verwendet die Probezylinder als Pole für den elektrischen Strom und läßt zwischen ihnen den Lichtbogen entstehen. Ist das Material für unsere Zwecke verwendbar, so verbrennen die Stäbchen nach und nach, ohne einen Rückstand zu hinterlassen; enthält dasselbe aber größere Mengen mineralischer Körper, so bilden sich Massen von schlackenartiger Beschaffenheit und muß der Graphit oder die Koks einer Reinigung unterworfen werden. Letztere besteht darin, daß man das gepulverte Material mit konzentrierter Salpetersäure behandelt, wodurch Eisenoxyd, Kalk und Magnesia gelöst und dann durch Auswaschen des Pulvers mit Wasser beseitigt werden können. Um noch vorhandene Kieselsäure zu entfernen, muß die Masse mit starker Natronlauge gekocht und wieder mit Wasser behandelt werden. Feuerfeste Massen für Öfen. Für diese Öfen bedarf man feuerfester Massen von verschieden großer Widerstandsfähigkeit gegen hohe Temperaturen. Zur Ausmauerung von Heizungen für Dampfkessel und andere durch lange Zeit in Gang zu erhaltende Feuerungen bedarf man zwar eines Materiales, welches der Weißglut vollkommen zu widerstehen imstande ist, welches aber vor allem eine große Festigkeit besitzt, um durch die mechanische Einwirkung beim Einwerfen von Kohle nicht zu schnell abgenutzt zu werden. Außerdem müssen solche Massen hinreichende Ausdehnungsfähigkeit haben, um beim raschen Anheizen und Erkaltenlassen der Heizung nicht rissig zu werden. Wir sind in der Lage, durch die sog. Schamottemasse diesen Anforderungen in entsprechender Weise zu genügen. Manche Feuerungen sind aber von solcher Beschaffenheit, daß das Material, aus welchem sie hergestellt werden, ganz anderen Einflüssen Widerstand leisten muß und ist z. B. bei jenem Material, aus welchem man die zur Darstellung des Eisens dienenden sog. Hochöfen herstellt, der Fall. Das Material, aus welchem ein Hochofen erbaut werden soll, muß durch sehr lange Zeiträume, die Monate und Jahre betragen, den höchsten Temperaturen, die höher als 2000 Grad Celsius liegen, Widerstand leisten und außerdem gegen die chemischen Einwirkungen der in dem Ofen schmelzenden Massen, Erze samt den Zuschlägen sehr indifferent sein. Da wir in letzterer Beziehung überhaupt keinen Körper kennen, welcher dieser Anforderung in vollem Maße entsprechen würde, muß man die den chemischen Einwirkungen am meisten ausgesetzten Teile der Hochöfen von Zeit zu Zeit erErI1EUETI1. Die Schamotte. Die unter diesem Namen bekannte Masse besteht ihrem Wesen nach aus einem feuerfesten Ton. Um einen Ton auf seine Eignung zur Darstellung von Schamotte zu prüfen, genügt es in der Regel, ihn der Temperatur auszusetzen, welche im Scharffeuerraume eines Porzellanofens herrscht. Man formt aus dem Ton Körper mit scharfen Kanten und Ecken und läßt diese Körper einen Scharfbrand im Porzellanofen mitmachen. Wenn die Probekörper nach dem Brande auch an den Kanten und Ecken nicht geschmolzen oder auch nur gesintert erscheinen, kann man den Ton, aus welchem sie dargestellt wurden, als feuerfest ansehen. Selbstverständlich darf dieser Ton keinen Kalk enthalten; letzterer würde zwar die Feuerfestigkeit nicht beeinträchtigen, aber durch seine Veränderung beim Lagern des gebrannten Tones an der Luft den Ton zur Darstellung feuerfester Massen unbrauchbar machen. Wenn man sich die Überzeugung von der Verwendbarkeit des Tones verschafft hat, braucht man denselben nur in Form von etwa faustgroßen Klumpen zu bringen und diese in einem Schachtofen mit ununterbrochenem Betriebe zu brennen. Die gebrannten Tonmassen werden schließlich durch Mahlen in Kollermühlen, Desintegratoren usw. in feines Mehl verwandelt und bilden dann die als Schamotte bezeichnete Masse. Die Darstellung von Schamottemehl auf diesem Wege verursacht bedeutende Auslagen; man sucht daher in den Schamottefabriken soweit als möglich schon fertiges Schamottematerial zur weiteren Verarbeitung zu erlangen. Derartiges Material findet sich in sehr vielen Stoffen, welche in den Abfällen vorkommen. Scherben von Porzellangeschirr, Scherben von Steinzeug, Ziegelbruch aus abgetragenen Heizungen, Scherben von den Kapseln, in welchen das Porzellan gebrannt wird, bilden das Rohmaterial zur Anfertigung von Schamotte. Wie aus der Aufzählung dieser Körper zu entnehmen ist, bestehen sie sämtlich aus stark gebranntem, feuerfestem Tone.

Mit Hilfe dieser Körper wird Schamotte in der Weise angefertigt, daß man die Scherben und Bruchstücke zu Mehl vermahlt und dieses mit einem feuerfesten Tone innig vermischt, wobei man der Masse noch eine entsprechende Menge von Sand, der aber auch aus einem feuerfesten Körper bestehen muß, Quarzsand, zusetzen kann. Da die so erhaltene Masse sehr mager ist, d. h. wenig Bindekraft besitzt, so muß das Formen der feuerfesten Schamottesteine mit besonderer Sorgfalt vorgenommen werden.

Das Formen geschieht am zweckmäßigsten in eisernen Formen, welche mit der Schamottemasse vollgestampft werden; das Material in den gefüllten Formen wird dann noch durch Anwendung einer Presse kräftig zusammengedrückt. Man stellt die Schamottemassen gewöhnlich schon in solchen Formen dar, daß es keines Zerschlagens oder Zersägens solcher Stücke bedarf, um aus ihnen eine Heizung oder einen Schmelzofen zu erbauen. Man formt daher prismatische Ziegel, welche zusammengesetzt ein Gewölbe ergeben oder nebeneinander gelegt, einen ringförmigen Zylinder bilden, wie man ihn zur Herstellung von Schachtöfen verwendet.

Das Brennen der Schamotteziegel geschieht mit aller Sorgfalt, damit sich größere Stücke nicht verziehen und keine Ausschußware erzielt wird. Zum Aufbaue der Heizungen und Ofen aus den Schamottesteinen verwendet man als Mörtel gewöhnliches Schamottemehl und trachtet überhaupt, die Steine so dicht nebenünd übereinander zu setzen, daß sich nur sehr schmale Fugen ergeben, welche zum Schlusse noch mit Schamottemehl, das mit

Wasser zu einem dicken Brei angerührt wurde, sorgfältig verstrichen werden, so daß der ganze Raum der Heizung oder des Schmelzofens von feuerfester Masse begrenzt ist.

Feuerfeste Massen für Schmelzöfen. Bevor man feuerfeste Massen von entsprechender Beschaffenheit auf künstlichem Wege darstellen lernte, wendete man vorzugsweise Steatit, hauptsächlich aus Magnesiasilikaten bestehend, an. Die Steatite besitzen in gewöhnlichem Zustande nur eine geringe Härte, werden aber durch Erhitzen bis zur Weißglut sehr hart. Außer den Steatiten, welche nicht gerade häufig in entsprechend großen Massen gefunden werden, um aus ihnen Quadern herstellen zu können, wendet man ganz besonders Quarzfels für die Erbauung von absolut feuerfesten Öfen an.

Der Quarzfels oder Quarzit besteht aus fast ganz reiner Kieselsäure, welche in der Hitze unserer Öfen vollkommen unschmelsbar ist und auch chemischen Einwirkungen, mit Ausnahme jener der schmelzenden Alkalien, gut widersteht.

Der Quarz hat den siebenten Härtegrad und genügt die Anführung dieser Tatsachen, um eine Vorstellung von der mühevollen Arbeit zu geben, welche notwendig ist, um aus diesem Gesteine Quadern zu formen. In England, woselbst die Eisenhochöfen wohl am längsten in Anwendung stehen, wendet man mit Vorliebe zur Erbauung von Hoch- und Schweißöfen den Stein von den Dinasfelsen im Neathtale bei Swansea in Süd-Wales an; das Gestein dieses Felsens besteht aus reinem Quarzit.

Mit den Fortschritten in der chemischen Wissenschaft gelang es endlich, auf künstlichem Wege Massen herzustellen, welche dem Dinassteine an Feuerfestigkeit nicht nachstanden, und zu deren Herstellung nicht jene schwere Arbeit notwendig ist, welche bei der Herstellung von Quadern aus Quarzit ausgeführt werden muß. Man hat diese künstlich dargestellten Massen auch als Dinassteine oder Dinaskristall bezeichnet und versteht unter dieser Bezeichnung gegenwärtig allgemein jede an Kieselsäure sehr reiche, feuerfeste und harte Masse. (Schlußfolgt.)

Pressen mit großem Hub und dennoch kleinen Abmessungen.

In der Regel werden Pressen mit großem Hub in ähnlicher Weise ausgeführt, wie solche mit kleinem, d. h. als aufrecht stehende Maschinen mit vertikaler Stößelbewegung. Sie haben oft eine recht beträchtliche Höhe und müssen daher besonders kräftig und schwer gebaut werden, um die nötige Stabilität zu erhalten. Dies ist um so mehr der Fall, wenn sich die Riemscheiben oben an der Maschine befinden und der Antrieb durch horizontal laufende Riemen erfolgt, die einen bedeutenden seitlichen Zug auf die Maschine ausüben. Solche schwere Maschinen sind, selbst wenn man von dem hohen Anschaffungspreis absieht, wenig beliebt, vor allem wegen der Schwierigkeit ihrer AufStellung und Unterbringung, zumal wenn dieselbe in höheren Stockwerken erfolgen soll. Dieser Umstand führte nun zu der Konstruktion von horizontal arbeitenden oder liegenden Pressen, die wesentlich leichter wie stehende sind bei gleicher Leistung. Eine Maschine dieser Art ist auf der beigegebenen Abbildung dargestellt. Dieselbe dient zur Herstellung von Patronenhülsen, fugenlosem Scharnier, Doublédraht oder dergl. und preßt Stücke bis 500 mm Länge. Die Maschine weist außer ihrer liegenden Bauart noch eine Anzahl Neuerungen auf, die sehr zu schneller wie

auch bequemer Arbeit beitragen. So geschieht der Rücklauf des Stößels mit größerer Geschwindigkeit wie der Arbeitslauf und der Hub läßt sich auf sehr einfache und schnelle Weise auf jedes gewünschte Maß einstellen, so daß bei Herstellung kurzer Arbeitsstücke ein Zeitverlust durch unnötig langen Hub vermieden wird. Das Anhalten des Stößels in den Endstellungen er- - - - folgt automatisch, ebenso auch das Drehen des Einspannkopfes, der mit Gelenk versehen ist. Es ist ferner von großer Annehmlichkeit, daß man den Stößel auf jeder Stelle des Vor- oder Rückganges momentan zum Stillstand bringen kann, einfach durch Drehen eines nahe der Arbeitsstelle angebrachten Hebels. Dem Einspannen der Durchzüge dient eine neue Anordnung, vermittelst welcher stets ein zentrisches Festhalten erfolgt Die Befestigung geschieht durch Drehen zweier Handhebel, rascher und einfacher wie bei der Verwendung der allgemein gebräuchlichen Pratzen. Um auch die Herstellung von 500 mm langen Scharnieren von sehr kleinem Durchmesser zu ermöglichen, ist eine besondere Vorrichtung vorgesehen, die ohne weiteres vom Arbeitsstande aus bedient werden kann. Die beschriebene Maschine wurde von der Maschinenfabrik Hermann Haulick, Pforzheim, gebaut. Das Gewerberecht unterscheidet zwischen einem ordentlichen und einem außerordentlichen Kündigungsrechte. Unter ersterem versteht man die regelmäßige Auflösung des Arbeitsverhältnisses, unter Einhaltung der gesetzlichen oder verabredeten Kündigungsfrist, unter letzterem ist das Recht gemeint, das Arbeitsverhältnis ohne Einhaltung einer gesetzlichen oder verabredeten Kündigungsfrist sofort lösen zu können. Betrachten wir zunächst das beiderseitige Kündigungsrecht der Goldschmiede und der Goldschmiedegehilfen.

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Die Auflösung des Arbeitsvertrages mit unseren Gehilfen und Sonstigen Angestellten.

Von J. G. Jehle, Sekretär und stellvertr. Vorstand des städt. Versicherungsamtes München.

Die Kündigungsfrist.

Nach § 122 der Gewerbeordnung kann das Arbeitsverhältnis zwischen ihnen durch eine jedem Teile freistehende, vierzehn Tage vorher erklärte Kündigung gelöst werden. Es können die Beteiligten aber auch andere Kündigungsfristen verabreden. Geschieht das, so müssen die Aufkündigungsfristen für beide Teile gleich sein. Vereinbarungen, welche dieser Bestimmung zuwiderlaufen, sind nichtig.

Wenn bei der Einstellung eines Goldschmiedegehilfen über die Kündigung überhaupt nichts gesprochen wurde, so darf nicht angenommen werden, daß eine Kündigungsfrist nicht besteht. In solchen Fällen gilt vielmehr die gesetzliche Kündigungsfrist von 14 Tagen.

Gemäß des § 621 des Bürgerl. Gesetzbuches kommt es bei der Kündigung darauf an, ob Stunden-, Tage-, Wochen- oder Monatslohn vereinbart ist; dieser Bestimmung gemäß kann bei Stundenlohn stündlich, bei Tagelohn täglich, bei Wochenlohn wöchentlich, bei Monatslohn monatlich gekündigt werden. Diese Bestimmung des bürgerlichen Rechts gilt aber nur für nicht gewerbliche Dienstverträge, also z. B. für Dienstboten bei Herrschaften, für landwirtschaftliche Arbeiter, nicht aber für gewerbliche Arbeiter, für die der oben bereits genannte § 122 der Gewerbeordnung maßgebend blieb.

Wie bereits erwähnt, kann die gesetzliche vierzehntägige Kündigungsfrist durch eine entgegenstehende Vereinbarung geändert, also entweder verlängert, gekürzt oder auch ganz aufgehoben werden. Es ist aber eine ausdrückliche Verabredung notwendig. Die Berufung auf Herkommen, Üblichkeit oder stillschweigendes Einverständnis genügt nicht.

Ausschluß einer Kündigungsfrist.

Welche rechtliche Bedeutung hat demnach ein Anschlag in der Goldschmiedewerkstatt oder Fabrik: „Kündigung ist ausgeschlossen“ oder „Kündigung findet nicht statt“?

Einem solchen Anschlage kommt eine rechtliche Bedeutung nicht bei, wenn der Goldschmiedegehilfe nicht ausdrücklich durch den Arbeitgeber oder dessen Stellvertreter darauf hingewiesen wurde. Ist aber in einer Arbeitsordnung der Ausschluß der Kündigung festgelegt, und ist die Arbeitsordnung auf der Arbeitsstelle an einer für jedermann ersichtlichen Stelle angebracht, so genügt der Aushang und ist ein besonderer Hinweis auf den Ausschluß der Kündigung oder die Aushändigung der Arbeitsordnung nicht notwendig. Auch im Laufe des Arbeitsverhältnisses kann die Kündigung ausgeschlossen werden. Sagt z. B. der Goldschmied einige Zeit nach dem Eintritt des Gehilfen zu diesem, daß es bei ihm eine Kündigung nicht gebe und setzt der Gehilfe dann seine Arbeit fort, ohne etwas zu erinnern, so ist der Kündigungsausschluß bewirkt. Der Goldschmiedegehilfe braucht aber diesen Ausschluß der Kündigungsfrist während des Arbeitsverhältnisses nicht anzuerkennen. Dem Goldschmied steht dann lediglich das gesetzmäßige Kündigungsrecht zu.

Lösung des Dienstverhältnisses mitten in der Arbeit.

Bei vereinbartem Ausschluß der Kündigung darf ohne besonderen Grund das Arbeitsverhältnis nicht jeden Augenblick mitten in der Arbeit und mitten im Arbeitstage gelöst werden. Durch den Kündigungsausschluß wird nämlich lediglich die gesetzliche 14tägige Kündigungsfrist beseitigt, nicht aber das Recht eingeräumt, grundlos jeden Augenblick das Arbeitsverhältnis zu

lösen. Der Arbeitstag gilt als geringste Einheit im Arbeitsvertrage. Dies liegt im Interesse beider Teile. Der Gehilfe, welcher mitten im Tage entlassen wird, findet schwerlich am gleichen Tage eine andere Beschäftigung, der Goldschmied aber auch nicht leicht geeigneten Ersatz. Es ergibt sich also aus diesem Rechtszustande, daß das Arbeitsverhältnis beiderseits nur von einem Tage auf den anderen gekündigt werden darf. Anders ist es bei dem außerordentlichen Kündigungsrecht, bei nur probe- oder aushilfsweiser Verwendung und bei direkt gegenteiliger Vereinbarung.

Aufsuchen anderer Stellungen.

Nach § 629 des bürgerlichen Rechts hat nach Kündigung eines dauernden Arbeitsverhältnisses der Arbeitgeber dem Arbeiter auf Verlangen angemessene Zeit zum Aufsuchen eines anderen Dienstes zu gewähren. Ohne den Arbeitgeber zu fragen, darf jedoch der Arbeiter nicht von der Arbeit weglaufen, um sich um eine andere Arbeit umzusehen. Das Gesetz spricht von einer angemessenen Zeit. Jedenfalls muß also die Zeit so bemessen sein, daß es dem Arbeiter tatsächlich auch möglich ist, eine neue Arbeit zu finden.

Ist der Gehilfe von vornherein auf eine bestimmte Zeit eingestellt worden, so endet nach § 620 des Bürgerl. Gesetzbuches das Dienstverhältnis von selbst mit Ablauf der Zeit, für die es eingegangen ist. Wenn aber das Dienstverhältnis nach Ablauf der bestimmt festgelegten Zeit vom Gehilfen mit Wissen und Willen des Goldschmiedes fortgesetzt wird, so gilt es auf unbestimmte Zeit fortgesetzt und es tritt dann die gesetzliche (14tägige) Kündigungsfrist ein.

Probe- und Aushilfsstellungen.

Im Volksmunde kennt man eine dauernde Stellung und eine aushilfsweise Verwendung. Es wäre falsch, anzunehmen, daß bei Zusicherung dauernder Stellung eine kündigungslose Stellung eingeräumt sei. Es kann auch eine solche Stellung – abgesehen von besonderen Abmachungen – regelmäßig unter Einhaltung der 14tägigen Frist gekündigt werden.

Nur bei Probe- oder Aushilfe beschäftigung gibt es eine Kündigungsfrist nicht, weil § 122 der Gewerbeordnung nur auf ständige Arbeitsverhältnisse Anwendung findet. Wird nach Ablauf der Probezeit aber das Verhältnis verabredungsgemäß oder stillschweigend weitergesetzt, so verwandelt sich die probeweise Beschäftigung in eine ständige oder dauernde, und dann kann das Verhältnis nur durch Einhaltung der gesetzlichen oder verabredeten Frist gekündigt werden, wenn nicht ausdrücklich eine Kündigung ausgeschlossen wurde.

Form der Kündigung.

Die Aufkündigung ist an keine besondere Form gebunden, es sei denn, daß durch besondere Verabredung eine bestimmte (schriftliche) Form vorgesehen wurde. In allen Fällen muß aber die Kündigung unbedingt und zweifellos sein.

Wenn z. B. der Goldschmied zu einem Gehilfen nach unbotmäßigem Benehmen sagt „wenn ich dies nochmals wahrnehme, sind sie entlassen“, so liegt damit noch nicht eine Kündigung vor. Läßt sich der Gehilfe trotz einer solchen Mahnung oder Drohung noch einmal etwas zuschulden kommen, so kann das Verhältnis nur durch Einhaltung der Kündigungsfrist gelöst werden, den Fall natürlich ausgenommen, daß das Verschulden genügend Grund zur sofortigen Entlassung ist.

Berechnung der Kündigungsfrist.

Die Berechnung der Kündigungsfrist richtet sich nach § 187 Abs. 1 des Bürgerl. Gesetzbuches. Hiernach wird der Tag, an welchem die Kündigung erfolgt, nicht mit in die Frist eingerechnet. Eine am Montag den 7. August erfolgte Kündigung löst das Arbeitsverhältnis am Montag den 21. August auf. Bis zu diesem Tage (einschließlich) kann der Gehilfe den Lohn beanspruchen. Wird von der oben bereits erwähnten Befugnis auf Verlängerung oder Verkürzung der Kündigungsfrist von den Beteiligten Gebrauch ge

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