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Da

schäftes 40—50%, in anderen Fällen 64—79°0, in einem Falle hat folgendes Inserat veröffentlicht:
sogar 128% Aufschläge zu den Einkaufspreisen darstellten. Die
„reduzierten Ausverkaufspreise“ aber erhielten noch Zuschläge von

Einen Goldschmiede-Lehrkursus für junge Uhrmacher 18, 20, 22, 36 bis 48% zu den Einkaufspreisen. Da sieht man,

hat Herr Gold- und Silberschmied Erich Neuendorff in wie weit der „Ausverkaufs-Schwindel“ gediehen ist. Wieder

Münster i. W., Hörster Strasse 2, eröffnet, auf den wir hiereine Verurteilung der Bera-Compagnie

durch aufmerksam machen.“ hat in München stattgefunden. Ein Juwelier dort schreibt uns:

Natürlich preist die „Deutsche Uhrmacherzeitung“ ein solches „Sie werden sich noch entsinnen, daß die Bera-Diamanten-Com Unternehmen an. Wir für unseren Teil müssen erklären, daß es pagnie auch hier die Namen der Kunden veröffentlichte, die unter

uns eigentümlich berührt, wenn ein Goldschmied die Konkurrenz den Bera-Steinen echte Diamanten herauszufinden wußten.

seines Gewerbes auch noch in solchen Lehrkursen ausbilden will, hatte nun der Redakteur des Grobian“ einen der genannten damit die Betreffenden dann sich mit Fug und Recht „Uhrmacher Diamantenfinder in seinem Blatte lächerlich gemacht, weshalb ihn und Goldschmied“ nennen können. Was soll denn daraus werden? das Schöffengericht München 1 zu 50 Mk. Geldstrafe verurteilte.

Wenn man noch auf einer Scheidung der beiden Gewerbe beIn dem Urteil aber wurde ausdrücklich festgelegt, daß „das

stehen bleiben will, so dürfen solche Brücken nicht gebaut werden. Geschäftsgebaren der 'Bera-Gesellschaft ein betrügerisches und

Oder sollte doch einmal die Zeit kommen, wo diese Scheidung, gemeingefährliches sei". War da nicht eigentlich die Bera-Com wie die „Deutsche Goldschmiedezeitung“ schon vor Jahren prophepagnie die Verurteilte? Vielleicht geben Sie auch diesen Fall in

zeite, von der Bildfläche des gewerblichen Lebens verschwinden Ihrem Blatte bekannt.“ Mit Vergnügen! Wir sind auch ganz der wird? Uns hat man wegen dieser Anschauung fast der Felonie Meinung des Herrn Einsenders. Gerichtet ist auch in diesem

geziehen. Und heute? Auch die gemeinschaftlichen Beratungen Prozeß wieder das „amerikanische System“ der Bera-Compagnie. der Uhrmacher und Goldschmiede führen ja immer näher und In einem weiteren Prozeß wegen unlauteren Wettbewerbs, den näher zusammen. Vereint müßten alle Interessenten gegen der Allgemeine Gewerbeverein, München gegen die Inhaber der Compagnie vor der dritten Kammer für Handelssachen in München

die Schundwaren der Versandhäuser angestrengt hatte, und in der es sich darum handelte, ob ein als

vorgehen. Es ist wirklich ein beschämendes Gefühl, wenn man „echter Diamant" verkaufter Stein wirklich „echt“ sei, haben die

da liest: „Doppel-Kavalier-Uhrkette nur 98 Pf. Als Geschenk Sachverständigen Dr. Grünling, Konservator an der Mineralogi- noch eine Kavalier-Gelduhr gratis!“ Diese Uhrkette wird obenschen Sammlung des Staates, und Hofjuwelier Heiden sich

drein mit der folgenden Reklame bedacht: „Diese prachtvolle, übereinstimmend dahin ausgesprochen, daß dieser angeblich echte feuervergoldete Doppel - Kavalier - Uhrkette kostet nur 98 Pf., Diamant nichts als Glas sei. Also Schwindel über Schwindel!

10 Stück auf einmal nur 9 Mk.“ Unterzeichnet ist dieses schöne In der oft ventilierten Frage

Inserat: „Gebr. Wolfertz, Versandhaus „Rotkäppchen", Wald Goldschmied und Uhrmacher

bei Solingen Nr. 2219. Wenn doch dieses „Rotkäppchen“ der

Wolf fräße! Wir würden den Jäger nicht holen, der ihm den ist ein neues Ereignis zu melden. Die „Deutsche Uhrmacherzeitung“ Leib aufschnitte und Rotkäppchen wieder zum Leben erweckte!

Die moderne Gravierkunst.

zwar

Geschichte und Technik des Gravierens. Dargestellt von Gold- und Silberschmied, Graveur und Ziseleur waren C. J. Stahl. Eine ganz empfindliche Lücke in der Reihe unserer eins und erst später fand die Spezialisierung der einzelnen TechSpezialwerke bemüht sich obiges, im Verlage von A. Hartleben, niker statt. Interessant weiß er uns noch über die GoldschmiedeWien und Leipzig erschienene Buch auszufüllen und

kunst bei unsern Vorfahren, den alten Germanen zu berichten. Im mit Erfolg, denn das Stahlsche Buch ist nicht nur dem Anfänger, Alemanenrecht, das etwa im Jahre 616 entstand, finden wir im Kasondern auch dem älteren erfahrenen Graveur sehr zu empfehlen, pitel 79 über Goldschmiede erwähnt: „Wer einen solchen, der sein es gibt manchen Fingerzeig und neue Anregungen. Zunächst Meisterstück gemacht hatte, erschlug, mußte es mit 40 Gulden bügibt der Verfasser eine kurze allgemeine Uebersicht über die Ben.“ Wie gering wurde hier unsere schöne Kunst bewertet, denn Geschichte der Gravierkunst, er erwähnt die ältesten Gravierver merkwürdigerweise war dieselbe Strafe auf Tötung eines Schweinesuche, das Einritzen von Linien und Ornamenten in Tierknochen hirten gesetzt. Später wurde es besser und wir finden die Goldusw. und kommt so fortlaufend bis auf den heutigen Stand der schmiede und Graveure an der Spitze der Gilden und Zünfte und Graviertechnik zu sprechen. Im folgenden Abschnitt bespricht er viele Privilegien und Rechte wurden ihnen zuteil. In der Jetztzeit dann ausführlich die Gravier- und Steinschneidekunst, die Emaille haben wir endlich die Ziselier- und Gravierkunst als selbständige und Niellotechniken bei den Griechen und Römern im Altertum, Berufszweige und hoffentlich bringt die Zeit diese zu immer höheund im Kapitel „Mittelalter“ teilt er uns manches über die Anwen rer Wertung Ueber die Technik des Gravierens spricht der dung der Gravierung in der kirchlichen Kunst mit und spricht unter Verfasser nun ganz ausführlich und mit großer Gewissenhaftigkeit anderem über Albrecht Dürer, Holbein, Benvenuto Cellini, und erwähnt selbst kleinere Sachen, die aber doch von großer Wenzel Jamnitzer, über die Gravierungen der Zunftgeräte und Wichtigkeit sind, z. B. das Anspitzen der Bleistifte und dgl. Im die feinen Uhrgravierungen der damaligen Zeit. Im 15. Jahrhundert Abschnitt „Werkzeuge“ lesen wir mancherlei über Stichel, Punzen, ist leider die Graviertechnik infolge Ueberhandnahme der Massen Gravierkugeln, Kluppen usw., Anfertigung von Werkzeug, Härten, fabrikation und Eindringen des Maschinenbetriebs in dieses Arbeits Schleifen, dann folgen die praktischen Uebungen, und bei Bespregebiet sehr zurückgegangen und erst seit dem Ende des Jahrhun chung der Schriften und Monogramme empfiehlt der Schreiber allen derts und Anfang des jetzigen ist wieder Aussicht vorhanden, daß Graveuren und Goldschmieden aufs angelegentlichste das im Verdie Gravierkunst zu höherer Blüte gelangt. Viel aber bleibt jetzt lage von Wilhelm Diebener, Leipzig erschienene Monogrammnoch zu wünschen übrig und sehr mit Recht klagt der Verfasser werk, welches bis jetzt in seiner Reichhaltigkeit und Zweckdienüber die zähe Konsequenz, mit der viele Graveure sich hüten, an lichkeit unübertroffen ist. Nun folgen eine Reihe von Mitteilungen dere Schriftformen, andere Dekorationen auszuführen, als eben die über Heraldik, Stahlgravierungen, Stempel, Petschafte, Schilderalten, aus der „Lehre“ übernommenen, und ganz vereinzelt findet gravierung, Emaillieren, Tauschieren, Aetzen, und vieles andere bis man erst Graveure, welche mit der Zeit fortschreiten, sich von zur modernen Elektrogravüre und Reduziermaschine und zum Schluß alten Ueberlieferungen freimachen und sich der Wanderfahrt nach die zahlreichen Rezepte, Ratschläge und Hilfsmittel. Zweifellos der sonnigen Kunst anschließen. Im Kapitel „Die Gravierkunst in wird die Lektüre dieses Buches dem Graveur und Goldschmied ihrer wirtschaftlichen Entwicklung“ erweckt der Verfasser unser In manche Vorteile bringen und ist die Anschaffung sehr zu empteresse durch die Mitteilungen über das Zusammenwirken der Gra fehlen. Zu beziehen ist dasselbe ebenfalls vom Verlagshause vier- und Goldschmiedekunst und behauptet sehr richtig, daß es Wilhelm Diebener, Leipzig. in früherer Zeit „spezielle“ Graveure nicht gab, sondern

Albert Kahlbrandt, Altona.

Das schlechte Stempeln der Gold- und Silberwaren.

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Wenn wir unsere heutigen Gold- und Silberwaren auf ihre abgesehen, ist dies durchgängig so. Manche große und angeStempelung hin ansehen, so müssen wir uns oft darüber wundern, sehene Firmen sind in dieser Beziehung so nachlässig und gleichin welcher kleinlichen Art und Weise dies geschieht. An den gültig, als handele es sich dabei um Fabrikmarken in Weißblechmeisten Schmuck- und kostbaren Geräten ist die Stempelung so töpfe oder in billige Gürtlerwaren einzuschlagen. Die Stempelung versteckt angebracht, daß man fast glauben sollte, es handle sich ist doch aber die Urkunde, die dem echten Gegenstande mithier darum, eine Verunzierung des Gegenstandes zu vermeiden. gegeben wird. Sie beurkundet einesteils den Feingehalt des Es ist ja richtig, daß die Zeichnung besonders bei Schmucksachen Edelmetalles, andererseits aber auch den Erzeuger des Schmucknicht in ihrer Schönheit durch das Stempeln beeinträchtigt werden oder Gebrauchsstückes. Daher kann nicht dringend genug darf, aber bei einigermaßen guten Willen und Geschmack wird wohl empfohlen werden, das Feingehalts- und Warenzeichen recht an jedem Kunstwerke der Goldschmiede ein passendes Plätzchen liebevoll möchten wir sagen in großer, deutlicher zu finden sein, wo der Stempel Waren- und Beschauzeichen Weise an dem ihnen gehörenden Platz anzubringen, so, wie dies in gehöriger und deutlicher Weise einzuschlagen wäre. durchgängig unsere alten Meister taten. Dieselben fertigten ihre Sehen wir uns nur einmal

Merk- und Beschauzeiin dieser Beziehung die Stem

chen nicht so, wie dies heute pelungen, besser noch gesagt

II bei uns geschieht, erhaben, Merkzeichen, unserer alten

sondern gravierten dieselben Meister an, wie deutlich und

in ganz natürlicher Weise in schön dieselben ihren

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8 den Stahlpunzen ein, und dies Schmuckwerken angebracht

in der einfachsten und schlichsind! Wie deutlich und cha- H

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testen Ausführung, so daß ihre rakteristisch! Die Stempelung

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Merkzeichen an den Jahrsoll doch für den Beschauer

hunderte alten Geräten noch den Wert und die Herkunft

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heute vollkommen erkennbar des Gegenstandes zeigen.

sind. Aus diesem Grunde ist es

Wir brauchen sie nur so wichtig, daß das Zeichen

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der Reihe nach anzusehen, (DH an einem leicht auffindbaren

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wie sie in dem trefflichen Platz gehört und nicht in

Handbuch von Dr. Marc 17

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23 einer solchen Kleinheit aus

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Rosenberg: „Der Goldgeführt werden darf, daß wir 1. Merkzeichen: Wenzel Jamnitzer, geb. 1508 in Wien, zünftig in Nürnberg, † 1585.

schmiede Merkzeichen" dasselbe mit bloßem Auge 2. Merkzeichen: Daniel Lauer, Meister in Nürnberg, 1583. 3. Merkzeichen: Hanns Bertold, (Verlag von Heinrich Keller, nicht genau erkennen können. Meister in Nürnberg, 1601. 4. Merkzeichen: Nicolaus Schmidt, Meister in Nürnberg, 1582.

Frankfurt a. M.) in so schönen 5. Merkzeichen: Franz Vischer (Fischer), Meister in Nürnberg, 1600. 6. Merkzeichen: Denn gerade durch diese Hans Petzold, geb. 1551, Meister in Nürnberg, † 1633. 7. Beschauzeichen: Augsburg,

und vielen Beispielen vorKleinheit läuft das Zeichen so Ende 16. Jahrh. 8. Merkzeichen: vermutlich Jacob Jäger, Augsburg, † 1673. 9. Meister geführt werden, ein Werk, oft Gefahr, durch die kleinste zeichen, Augsburg. 10. Merkzeichen: Christof Bantzer, Augsburg, † 1653. 11. und 12. dem wir auch die obigen Verletzung beim Gebrauch Beschauzeichen von Straßburg, 1472 - 1567. 13. und 14. Merkzeichen: Johann Friedr.

Abbildungen entnahmen. Wir Krug, Meister in Straßburg, 1739. 15. Merkzeichen: Johann Ludwig Imlin, Meister in oder infolge Abschleifens an Straßburg, 1689. 16. Merkzeichen: Cornelius Linck, Meister in Straßburg, 1656. 17. Merk

lesen darin unter StraßDeutlichkeit zu verlieren. zeichen: Daniel Hammer, Meister in Straßburg, 1659. 18. Merkzeichen: Gottfried Lang, burg im Jahre 1472",

Es passiert uns im Ge Meister in München, + 1632. 19. Merkzeichen von Hans Schleich, † 1616, Jacob Seite 338: „Wie die goltschäftsleben so oft, daß bei

Wilhelm, + 1629, Heinrich Albertin, 1599, sämtlich in München. 20. Merkzeichen:
Georg Hoffmann, Breslau, wird erwähnt 1589-1600. 21. Beschauzeichen von Alt-Hanau,

smyde ir wergk zeichenen Verkäufen der Kaufende das 17. Jahrh. 22. Merkzeichen: Sebastian Fechter der Ältere, Meister in Basel, 1633, + 1692. und eyn gemeyn Zeychen Wert- und Fabrikzeichen zu 23. Joh. Christoph Barrowsky, Meister in Riga, 1771. 24. Merkzeichen: Johann haben söllent(Abbildung 11 sehen wünscht. Dabei gerät Lamoureux, Meister in Riga, † 1744.

und 12). Und weiter auf aber der Verkäufer zumeist

Seite 346: Jeder goldtsmid in Verlegenheit, indem er sich vergeblich abmüht, die kleine Stelle sol sin eygen zeichen haben. Art. 18 (1739): „Und uff das man zu finden, wo der Stempel in verschämter Kleinheit ver wissen möge, welcher goldtschmidt ein yede arbeit gemacht habe, steckt ist. Er hat die unebene, sogenannte gestempelte Stelle sol fürtter ein yegklicher goldtschmidt, der das hantwerck in der zwar schon gesehen, diese aber nur für einen Fehler im Metall stat Straszburg treyben und bruchen will, ein besonder merkgehalten. Die heutigen Stempelungen sind ja meistens derart, daß zeichen und uff demselben puntzen synen namen gestochen haben, der Stahl eines kräftigen Silberpolierers hinreicht, den ganzen dasselbig, so offt, er sin arbeit will lossen zeichen, mit yme schönen Stempel in eine buckelige Trümmerstätte zu verwandeln, tragen und durch die verordenten beschauwer neben des hantwo dann kaum das kundigste Auge, noch dazu mit der Lupe wercks zeichen schlagen lossen." bewaffnet, die Überreste entziffern kann. Bei matten Silber- und Zum Schlusse sei noch auf die obigen Abbildungen von MerkGoldsachen ist dies allerdings weniger der Fall; aber wie ist auch zeichen unserer alten Meister hingewiesen; mögen sie das bedarin schon gesündigt worden. Wie oft kommen nicht in unsere weisen, was in obigen Zeilen gesagt ist. Dieselben sind in dopWerkstätten goldene und silberne Broschen, wo der Haken oder pelter Größe wiedergegeben. Übrigens wird auch heute noch bei die Nadel abgebrochen ist? Und aus welchem Grunde? Weil den konservativen Völkern die Stempelung in der alten und deutman sich nicht scheute, den Stempel auf den Broschhaken oder lichen Weise gehandhabt. Wir erinnern nur an die englischen in den Nadelstiel einzuschlagen! Von verständigen Ausnahmen und russischen Punzierungen.

P. A.

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Neues vom metrischen Karat.

Von Ludwig Schröder*). Zum letzten Male habe ich in der Nummer vom 18. Dezember einen Bericht über den augenblicklichen Stand der Angelegenheit 1905 der „Deutschen Goldschmiede-Zeitung“ über das metrische geben und erbitte mir für die nachfolgenden Zeilen das freundliche Karat berichtet und zwar, daß das Syndikat der Pariser Steinhändler, Interesse der Anhänger wie der Gegner des neuen Karats. Vorsitzender M. Falco, sich für die Einführung des metrischen Für diejenigen Leser der „Deutschen Goldschmiede-Zeitung“, Karats ausgesprochen habe. Seitdem haben sich in der Frage dieser

*) In dem Kampfe um das metrische Karat bringen wir hier wieder eine Reform mancherlei andere maßgebende Instanzen in zustim

Kundgebung, welche für dasselbe eintritt, da wir auch den gegenteiligen Anmendem Sinne geäußert, deshalb möchte ich in nachstehendem schauungen aus Pforzheim und Hanau Raum gegeben haben. (Die Schriftltg.)

welche die Frage nicht von Anfang an verfolgt haben, möchte ich nach Taler, Silbergroschen und Pfennigen, nach Fuß und Zoll, nach kurz vorausschicken, daß das jetzige Karat ungesetzlich ist, weil Pfund, Lot und Quentchen und in unserm Falle nach Vierundes nicht mit dem in den meisten Ländern eingeführten metrischen sechzigsteln. Maß und Gewicht übereinstimmt. Die Folge davon war, daß in Der in der Fachpresse aller Länder veröffentlichte Gedanke Deutschland, in Frankreich, in Italien, in Österreich usw. seitens des Herrn Guillaume zur Vereinfachung des Karates von 205 auf der Behörden fortgesetzt Karatwagen und Karatgewichte beschlag 200 Milligramm fand überall begeisterte Aufnahme; die Verbände nahmt und deren Besitzer zum Teil mit hohen Geldstrafen belegt der verschiedenen Länder besprachen ihn, viele faßten Beschlüsse wurden, weil sie in ihren Geschäften ungesetzliche Gewichte be zu seinen Gunsten, z. B. das Syndikat der Pariser Steinhändler, die nutzten. Infolgedessen wendeten sich die Verbände der Fachge Chambre syndicale der Pariser Juweliere, Gold- und Silberschmiede, nossen in den verschiedenen Ländern an die Behörden, um für das der Vorstand des Deutschen Verbandes, die Freie Vereinigung in Beralte Karat die gesetzliche Genehmigung zur Verwendung zu erhalten. lin usw. Dem italienischen Goldschmiede Verbande ließ ich das geDiesem Ersuchen konnten die Regierungen nicht stattgeben, weil samte Material in dieser Frage zugehen und dessen stellvertretender sie damit einem internationalen Abkommen zuwider gehandelt hätten Vorsitzender erklärte mir persönlich, das die Reform „eminentemente und weil sie sehr richtig sagten, daß die Einführung des metrischen logica“ sei und er nicht zweifle, daß sich auch sein Verband ihr Maßes und Gewichtes einen großen Kulturfortschritt bedeutete und anschließen werde. In England habe ich ebenfalls bereits die gedie Genehmigung eines veralteten Gewichtes ein Rückschritt wäre. eigneten Schritte getan und ich weiß bestimmt, daß die dortigen So wurde denn auch die Eingabe des Verbandes deutscher Juweliere, Interessenten, ebenso wie die amerikanischen, der Reform - sehr Gold- und Silberschmiede an die Regierung wegen Beibehaltung sympatisch gegenüber stehen; das englische Maß- und Gewichtsgedes alten Karates rundweg abschlägig beschieden.

setz von 1897 bestimmt ausdrücklich, daß im internationalen Handel Die deutsche Regierung machte aber das internationale Bureau mit Edelsteinen das metrische Gewicht gesetzlich zulässig sei. für Maße und Gewichte in Sèvres, Frankreich, auf die Frage auf Betreffs der Eingabe der Hanauer Handelskammer an das merksam und der Direktor dieses Bureaus, dessen Vorsitzender Reichsamt des Innern wegen Beibehaltung des alten Karats bin ich übrigens der Leiter der Berliner Sternwarte, Herr Professor Wilhelm außer dem abschlägigen Bescheide, der darauf ergangen ist, von Förster ist, kam auf die Idee, das alte Karat dem metrischen einer in diesem Reichsamt maßgebenden Persönlichkeit ermächtigt, Maße und Gewichte anzupassen und es dadurch zu einem gesetz zu erklären, daß: lichen Gewicht zu machen. Der Wert des bisherigen Karatge Eine Legalierung des alten deutschen Karates als wichtes schwankt in den verschiedenen Ländern zwischen 191.7 Gewichtseinheit für den Handel mit Edelsteinen, keinesMilligramm in Ägypten und 254.6 Milligramm in Arabien; in den falls zu erwarten ist, um so weniger als bereits unter MitHauptländern des Edelsteinhandels England, Belgien, Holland wirkung des hochoffiziellen internationalen Maß- und schwankt es zwischen 205.0 und 205.8 Milligramm; 1 Milligramm Gewichtsbureaus eine Vereinbarung im Werke ist, durch ist gleich einem Zehntel Gramm. Durch diese Verschiedenheiten im welche ein internationales metrisches Karat von 200 MilliWerte entstehen im internationalen Handel fortwährend Schwierig- gramm geschaffen und allseitig legalisiert werden könnte. keiten, so daß schon vor Jahren die Vereinigung der Amsterdamer Dem habe ich noch hinzuzufügen, daß auch in Belgien und Steinhändler übereinkam, in Streitfällen das metrische Gewicht ent Holland und anderen Ländern von anderer Seite die nötigen Schritte scheiden zu lassen und daß in diesem Falle 4'/. Karat gleich ein getan worden sind, um diese zum Anschluß an das metrische Karat Gramm sein sollten.

zu veranlassen und meine letzten Nachrichten vom Direktor des Herr Ch. Ed. Guillaume nun als Leiter des internationalen internationalen Bureaus besagen, daß die formelle Zustimmung der Maß- und Gewichts-Bureaus schlug vor, das alte Karat von unge dortigen Interessenten in Kürze zu erwarten sei. fähr 205 Milligramm fallen zu lassen und dafür ein neues von Bereits in der internationalen Zusammenkunft vom 13. April 1905 200 Milligramm einzuführen, welches sich in das gesetzliche hat sich das offizielle internationale Bureau ausdrücklich für die metrische System einfügen würde. Alle, aber auch alle Personen, Einführung des metrischen Karates von 200 Milligramm erklärt und welche irgendwie mit Edelsteinen zu tun haben und an die Ab denjenigen Gegnern, die glauben, daß England der Reform abgeschätzung eines vorliegenden Edelsteines nach dem alten Karat neigt sei, kann ich mitteilen, daß in derselben Zusammenkunft das gewöhnt sind, hätten keinerlei Schwierigkeiten durch die Reform, Apothekergewicht im internationalen Verkehr dem metrischen Gedenn der Mann soll noch geboren werden, der auf den ersten Blick wicht angepaßt wurde und daß es ein Engländer, Namens in allen Fällen sofort zweifellos ohne Wage feststellen kann, ob Cherney war, der für diese Reform eintrat. Solche interein Stein z. B. 53 oder 54 Vierundsechzigstel wiegt. Es hätte also nationalen Zusammenkünfte zur Besprechung und internationalen niemand umzulernen und was die Preise der Edelsteine betrifft, Regelung von Maß- und Gewichtsfragen finden alljährlich statt. so ist es allgemein bekannt, daß diese derart schwanken, daß ein Die diesjährige wird auf Grund der inzwischen eingegangenen Zuvorübergehender Unterschied von 22 % nicht die geringste Rolle stimmungserklärungen zum metrischen Karat neue Beschlüsse zu spielt; größer ist nämlich der Unterschied des neuen gegen das seinen Gunsten fassen und sie den Regierungen der einzelnen alte Karat nicht. Mit der Bewertung auf 200 Milligramm könnte Länder als Material überweisen. Den Fachverbänden der einzelnen man zugleich die Einteilung des Karates auf Hundertstel, statt der Länder erwächst dann die Pflicht, bei ihren auf diese Art offiziell bisherigen Vierundsechzigstel durchführen und dies wäre eine vorbereiteten Behörden wegen Einführung des metrischen Karates weitere bedeutende Erleichterung im Steinhandel. Es muß doch vorstellig zu werdenu nd so, wie die Sachen liegen, ist es ganz auch dem konservativsten Gemüte einleuchten, daß sich nach dem unzweifelhaft, daß die Regierungen ein Gesetz zugunsten des Dezimalsystem besser, schneller und sicherer rechnet wie früher metrischen Karates erlassen werden.

Nachbesserungsrecht des Verkäufers.

Bekanntlich hat nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch bei Lieferung mangelhafter Ware der Käufer das Recht, Wandelung oder Minderung, d. h. Rückgängigmachung des Kaufs oder Herabsetzung des Kaufpreises zu verlangen. Es fragt sich nun, ob nach bürgerlichem Recht dem Verkäufer das Recht zusteht, durch Nachbesserung der mangelhaften Ware die vom Käufer verlangte Wandelung abzuwenden.

Mit dieser Frage beschäftigt sich das Reichsgericht in der angezogenen Entscheidung. Es geht davon aus, daß das Gesetz an keiner Stelle dem Verkäufer ausdrücklich das Recht zugesprochen habe, das Wandelungsbegehren des Käufers, d. h. das Verlangen nach Rückgängigmachung des Kaufs, durch Nachbesserung der mangelhaften Ware oder Ersatzlieferung einer vertrags

mäßigen Ware abzuwenden. Es schließt aber aus allgemeinen Erwägungen, daß in besonders gearteten Fällen ein solches Recht an kannt werden müsse, nämlich dann, wenn die Ausübung des Wandelungsrechtes seitens des Käufers nur den Zweck haben kann, dem Verkäufer Schaden zuzufügen, oder, wenn aus dem nach Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte auszulegenden Inhalt des Vertrags die Verpflichtung des Käufers zu folgern ist, die ausgebesserte Leistung gelten zu lassen.

Diese Entscheidung des Reichsgerichts ist mit Genugtuung zu begrüßen. Sie ist eine lebendige Fortentwicklung des in der modernen Gesetzgebung im allgemeinen betonten Billigkeitsprinzips. Hierbei wird es ja im allgemeinen seltener vorkommen, daß

jemand lediglich aus Chikane von dem ihm zustehenden Wandelungsrecht Gebrauch macht. Desto häufiger wird der zweite Fall vorkommen. Es ist also zu beachten, daß der Inhalt des Kaufvertrags nach Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte ausgelegt werden muß und daß man auf Grund einer solchen Auslegung öfters dazu kommen kann, dem Verkäufer ein Nachbesserungsrecht zuzusprechen. Hierbei werden namentlich die im Handelsverkehr geltenden Gewohnheiten und Gebräuche berücksichtigt werden müssen. Es wird in unserer Branche handels

üblich sein, daß sich der Käufer eine Nachbesserung mangelhafter Ware gefallen lassen muß. Dann kann er das sonst dem Käufer zustehende Wandelungsrecht nicht ausüben, sofern nicht Treu und Glauben im besonderen Falle dafür spricht. So wird beispielsweise, wenn ein Kunde bei einem Juwelier einen Ring nach einem bestimmten Muster bestellt und bei der Fassung sich Mängel zeigen, der ganze Ring nicht zurückgewiesen werden können, sondern es muß dem Juwelier erst Gelegenheit zur Verbesserung, zur Abhilfe des Mangels gegeben werden.

Wie ist die Lage der Gold- und Silberarbeiter?

Zur Statistik des Metallarbeiter-Verbandes.

Auf Grund eigener statistischer Erhebungen der Gold- und heute, bei hauptsächlich internationalem Gepräge, in den Händen Silberwarenindustrie in Deutschland hat der deutsche Metallarbeiter- kapitalkräftiger Grossisten. Diese dominierende Stellung des GroßVerband ein Werkchen erscheinen lassen unter dem Titel: „Die handels hat die ganze Produktion von Gold- und Silberwaren Gold- und Silberarbeiter, ihre Lohn und Arbeitsverhält außerordentlich beeinflußt, andererseits ist aber auch dadurch erst nisse“ (Stuttgart, Verlag von Alexander Schlicke & Co.). Wir der Weltmarkt erschlossen worden, so daß heute die deutschen haben die Schrift mit großem Interesse gelesen und empfehlen Produkte nicht nur erfolgreich neben den Pariser Erzeugnissen sie allen denen, welche sich mit den sozialen Verhältnissen in konkurrieren, sondern diese zum Teil überflügeln. den industriellen Betrieben unserer Branche beschäftigen wollen, Was die Zahl der Betriebe anlangt, so betrug sie 1875: zum Studium. Freilich muß alles, was darin niedergelegt ist, 5615, 1882: 5574 und 1895: 6123. Die Zahl der Arbeitnehmer mit Vorsicht aufgenommen werden, weil die Statistik lückenhaft war 1875: 23 341, 1882: 23 101 und 1895: 34 145. Auf einen geblieben ist. Nach der Zählung vom 14. Juni 1895 gab es in Betrieb kamen durchschnittlich 4,2-4,1-5,6 Personen. Die Deutschland 6123 Betriebe mit 34 145 Arbeitnehmern. Seitdem Zahl der Betriebe mit Motoren war 1882 noch 70, 1895 aber ist die Zahl jährlich, wie in allen Berufszweigen, noch gewachsen. schon 325. Bei der Erhebung von 1875 war noch kein solcher Und wie war die Beteiligung an der Enquete auf Grund der Frage Betrieb zu konstatieren. Die Zahl und Größe dieser Betriebe erbogen des Metallarbeiterverbandes ? Es sind an der Statistik gab 1895 insgesamt 57 Großbetriebe, 216 Mittelbetriebe und 297 Betriebe mit 6408 Arbeitnehmern beteiligt. Dieses Resultat 97 Kleinbetriebe. Von den im Jahre 1895 gezählten 20 433 Geist nicht bedeutend und zeigt, daß auch die Gold- und Silber hilfen und Arbeitern, waren nur 1611 im deutschen Metallarbeiterarbeiter zu einem großen Teile solchen Erhebungen mit einem Verband organisiert, das ist 7,9%. Die Arbeitszeit ist nach den beklagenswerten Indifferentismus gegenüberstehen. An dem Mib Erhebungen nicht einheitlich geregelt und namentlich nicht in erfolg aber soll natürlich schuld sein: Die „Deutsche Gold Pforzheim, Schwäb. Gmünd und Hanau. Sind genügende Aufträge schmiede-Zeitung!“ Man wird sich entsinnen, daß wir zu glei vorhanden, so wird mit Ueberzeit gearbeitet, bei flauem Gecher Zeit eine Arbeitgeber-Statistik auf Grund von uns aus schäftsgang und in der stillen Zeit muß mehrere Tage ausgesetzt gegebener Fragebogen zu schaffen unternahmen. Wir fanden nun werden, oder es wird die Arbeitszeit pro Tag bis zu 5 Stunden auch bei einer großen Zahl von Goldschmieden freudige Unter verkürzt. Die Ueberstunden werden nicht immer bezahlt. Im stützung und erhielten ein Material, das viel Interessantes bot. Gegenteil, von den sämtlichen an der Statistik beteiligten 297 BeUnd doch haben wir dieses Material nicht publiziert. Der Grund trieben bezahlen nur 61=20,5% Zuschläge für Ueberstunden und dafür? Das Material war lückenhaft, unzulänglich, gerade wie zwar von 10-33%. Halten wir dem unsere eigene damalige das, was jetzt vom Metallarbeiter-Verband vorgelegt wird. Und Statistik entgegen, so können wir konstatieren, daß hinsichtlich mit solchem Material zu arbeiten ist immer bedenklich. Die Ge der festen Arbeitszeit und der Ueberstunden auch in Berlin, fahr einer tendenziösen Entstellung liegt nahe, wenn man Zahlen Hamburg, Dresden, München, Leipzig, Breslau, Görlitz, Neustadt a. H., zur Beweisführung benutzt, die nicht ausreichen, um ein sicheres Köln usw. keine festen Vereinbarungen getroffen worden sind, Gesamtbild zu zeichnen. Daß wir das vorher prophezeiten, wird sondern sehr verschiedentliche Anordnungen bestehen. Das Durchuns zum Vorwurf gemacht und der Redakteur der Goldschmiede schnittsalter sämtlicher an der Statistik des MetallarbeitnehmerZeitung wird wieder einmal als Sündenbock dem Opfermesser Verbandes beteiligten Personen beträgt 30 Jahre. Als durchüberliefert. (Vgl. S. 12 ff. der Schrift.) Aber wir kannten unsere schnittlicher Jahresarbeitsverdienst ergab sich bei ständigen ArPappenheimer! Privatenqueten, mögen sie nun unter Arbeitgebern beiten 1162 M. Geklagt wird über die hohen Mietpreise, welche oder Arbeitnehmern veranstaltet werden, werden wohl nie ein vom Einkommen allein 20,9% verschlingen. Die Feststellungen völlig befriedigendes Resultat geben. Wenn wir auf die Ver über die Heimarbeit sind so lückenhaft, daß wir sie hier überöffentlichung unseres Materials seinerzeit verzichteten, so geschah gehen wollen. Etwa 30,99% der beteiligten Arbeitnehmer hat es, weil wir uns nicht befugt hielten, aus demselben wirtschafts Ausgaben für eigenes Werkzeug gehabt. Die sanitären Werkpolitische Konsequenzen zu ziehen, wie es der Metallarbeiter stättenverhältnisse werden ungünstig geschildert. Es wird noch Verband tut. Inimerhin ist eine Erhebung in bald 300 Betrieben über mangelnde Luftzufuhr, schlechte Ventilation, nicht ausreichende mit über 6000 Personen schon interessant genug, um das Buch Waschgelegenheit geklagt, während die Lichtzufuhr als befriedigend zu einer verdienstvollen Arbeit zu stempeln.

hingestellt wird. Im zweiten Teil des Werkes werden die VerDie Schrift konstatiert zunächst, daß die Gold- und Silber hältnisse in einzelnen Städten geschildert, und zwar in Berlin, warenindustrie aus dem ehemals handwerksmäßigen Gewerbe, das Braunschweig, Bremen, Breslau, Döbeln, Düsseldorf, Elmshorn, zum größten Teil für den lokalen Markt arbeitete, sich zu einer Essen, Gera, Schwäb. Gmünd, Görlitz, Halle, Hanau, Heilbronn, Großindustrie entwickelte, die auf dem Weltmarkte heute ton Itzehoe, Krefeld, Leipzig, Liegnitz, Libau, Magdeburg, Mainz, Neuangebend ist. Dies gilt besonders von der Bijouterieindustrie münster, Pforzheim, Rathenow, Regensburg, Stuttgart und Viersen. und hauptsächlich von den mit der Fabrikation von Schmuckwaren Den Schluß bilden die Tabellen über Arbeitsverdienst, Ueberzeitsich befassenden Hauptorten Pforzheim, Schwäb. Gmünd und Hanau. arbeit, Aussetzen, Mietsverhältnisse, Aufwendung für eigenes Der Mittel- und Kleinbetrieb hat sich in der Goldwarenindustrie Werkzeug, Organisationsverhältnisse und Familienstand. Wir trotzdem noch ziemlich erhalten und macht nur langsame Fort werden gelegentlich noch einiges von den Berichten aus den einschritte zum Großbetrieb. Der ganze Bijouteriewarenhandel liegt zelnen Städten hier wiedergeben.

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Die feuerfesten künstlichen Steine.

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Materialien, welche durch lange Zeit hohen Temperaturen stoff treten würden. Es würden sich Karbidverbindungen in der ausgesetzt werden können, bezeichnet man, wenn sie sich hier Masse bilden und letztere dann beim Abkühlen des Ofens rissig bei nicht verändern, als absolut feuerfeste Körper. Mit Rücksicht werden. auf den gegenwärtigen Stand der Technik, welche häufig von Man prüft das Material auf seine Verwendbarkeit am einsehr hohen Temperaturen Gebrauch macht, ist die Darstellung fachsten dadurch, daß man eine Probe desselben fein mahlt und wirklich feuerfester Massen von so großer Wichtigkeit geworden, mit Hilfe von Stärkekleister zu dünnen Zylindern formt, ähnlich daß sie sich nicht nur zu einem selbständigen Gewerbe ausge- · jenen, welche man in den elektrischen Bogenlampen verwendet. bildet, sondern dieses sich sogar in einzelne Zweige geteilt hat; Man verwendet die Probezylinder als Pole für den elektrischen es gibt bekanntlich Fabriken, welche sich ausschließlich mit der Strom und läßt zwischen ihnen den Lichtbogen entstehen. Ist Anfertigung feuerfester Bausteine befassen, während in anderen das Material für unsere Zwecke verwendbar, so verbrennen die ebenso ausschließlich feuerfeste Schmelztiegel dargestellt werden. Stäbchen nach und nach, ohne einen Rückstand zu hinterlassen;

In neuerer Zeit hat der Begriff „feuerfest“ eine sehr große enthält dasselbe aber größere Mengen mineralischer Körper, so Einschränkung erfahren, und zwar ist die Einschränkung von dem bilden sich Massen von schlackenartiger Beschaffenheit und muß Zeitpunkte an zu rechnen, in welchem man angefangen hat, sich der Graphit oder die Koks einer Reinigung unterworfen werden. der Wärme, welche der elektrische Lichtbogen entwickelt, zu be Letztere besteht darin, daß man das gepulverte Material mit dienen, um gewisse Körper zum Schmelzen zu bringen. Diese konzentrierter Salpetersäure behandelt, wodurch Eisenoxyd, Kalk Anwendung der Elektrizität hat zur Errichtung der elektrischen und Magnesia gelöst und dann durch Auswaschen des Pulvers Öfen geführt und werden diese gegenwärtig schon in größtem mit Wasser beseitigt werden können. Um noch vorhandene Maßstabe zur Darstellung von Aluminium, Magnesium, Karborun Kieselsäure zu entfernen, muß die Masse mit starker Natronlauge dum, Kalziumkarbid usw. verwendet.

gekocht und wieder mit Wasser behandelt werden. Die Temperatur des elektrischen Lichtbogens ist eine

Feuerfeste Massen für Öfen. Für diese Öfen bedarf hohe, daß Platin, welches bis jetzt nur in der Flamme des Knall man feuerfester Massen von verschieden großer Widerstandsfähiggasgebläses zum Schmelzen gebracht werden kann, zum Sieden keit gegen hohe Temperaturen. Zur Ausmauerung von Heizungen und Verdampfen gebracht wird. Körper, welche in unseren Öfen

für Dampfkessel und andere durch lange Zeit in Gang zu erals unschmelzbar erklärt werden müssen, wie z. B. die reine Ton haltende Feuerungen bedarf man zwar eines Materiales, welches erde, die Magnesia, schmelzen im elektrischen Ofen wie Glas. der Weißglut vollkommen zu widerstehen imstande ist, welches Wir kennen zwar noch jetzt einige Körper, welche wir auch durch aber vor allem eine große Festigkeit besitzt, um durch die mechaElektrizität nicht zu schmelzen imstande sind, wie z. B. den Kohlen nische Einwirkung beim Einwerfen von Kohle nicht zu schnell stoff und das Osmiummetall; nach den bisher aber über die abgenutzt zu werden. Außerdem müssen solche Massen hinWirkung der Elektrizität gemachten Wahrnehmungen scheint es reichende Ausdehnungsfähigkeit haben, um beim raschen Anheizen uns sehr wahrscheinlich zu sein, daß es gelingen werde, elektrische und Erkaltenlassen der Heizung nicht rissig zu werden. Wir sind Ströme von solcher Stärke herzustellen, um mit denselben alle in der Lage, durch die sog. Schamottemasse diesen Anforderungen Körper ohne Ausnahme zu schmelzen.

in entsprechender Weise zu genügen. Feuerfeste Massen für elektrische Öfen. Zurzeit Manche Feuerungen sind aber von solcher Beschaffenheit, besteht die feuerfeste Masse, aus welcher man elektrische Öfen daß das Material, aus welchem sie hergestellt werden, ganz errichtet, ausschließlich aus Kohlenstoff und wendet man letzteren anderen Einflüssen Widerstand leisten muß und ist z. B. bei jenem in Form des Minerales Graphit oder in Form des sog. Retorten Material, aus welchem man die zur Darstellung des Eisens diegraphites, welcher sich an den Wölbungen der Leuchtgasretorten nenden sog. Hochöfen herstellt, der Fall. Das Material, aus abscheidet, oder endlich auch in Form von Steinkohlenkoks an. welchem ein Hochofen erbaut werden soll, muß durch sehr lange Gewöhnliche Holzkohle wird aus dem Grunde nicht verwendet, Zeiträume, die Monate und Jahre betragen, den höchsten Temweil sie teuerer ist als die anderen hier genannten Arten der Kohle. peraturen, die höher als 2000 Grad Celsius liegen, Widerstand

Die Zubereitung der Kohle für die Zwecke der Herstellung leisten und außerdem gegen die chemischen Einwirkungen der in elektrischer Öfen erfolgt in der Weise, daß man den Graphit dem Ofen schmelzenden Massen, Erze samt den Zuschlägen sehr bzw. die Koks in ein feines Pulver verwandelt, dieses mit einem indifferent sein. Da wir in letzterer Beziehung überhaupt keinen Bindemittel zu einem bildsamen Teig anrührt, mit welchem man Körper kennen, welcher dieser Anforderung in vollem Maße enteinen aus feuerfesten Steinen hergestellten Bau auskleidet. Ge sprechen würde, muß man die den chemischen Einwirkungen am wöhnlich gibt man demselben die Form eines Schmelztiegels, in meisten ausgesetzten Teile der Hochöfen von Zeit zu Zeit erwelchem die zu schmelzenden Körper der Einwirkung des elek erneuern. trischen Lichtbogens ausgesetzt werden. Als zweckmäßigstes Die Schamotte. Die unter diesem Namen bekannte Masse Bindemittel für das Kohlenpulver hat sich sehr dünner Stärke besteht ihrem Wesen nach einem feuerfesten Ton. Um kleister erwiesen; derselbe wird beim Anheizen des Ofens in einen Ton auf seine Eignung zur Darstellung von Schamotte zu der Weise zersetzt, daß von ihm nichts hinterbleibt als reiner prüfen, genügt es in der Regel, ihn der Temperatur auszusetzen, Kohlenstoff.

welche im Scharffeuerraume eines Porzellanofens herrscht. Man Da es sich in einem elektrischen Ofen darum handelt, die formt aus dem Ton Körper mit scharfen Kanten und Ecken und zu bearbeitende Masse gegen Abkühlung von außen zu schützen, läßt diese Körper einen Scharfbrand im Porzellanofen mitmachen. so muß man der aus Kohle bestehenden Ausfütterung des Ofens Wenn die Probekörper nach dem Brande auch an den Kanten eine größere Dicke geben, um durch die Kohle selbst die Isolie und Ecken nicht geschmolzen oder auch nur gesintert erscheinen, rung herbeizuführen. Gewöhnlich wird zwischen das Mauerwerk kann man den Ton, aus welchem sie dargestellt wurden, als und den Kohlentiegel noch feiner Quarzsand eingestampft. Nach feuerfest ansehen. Selbstverständlich darf dieser Ton keinen Kalk der Herstellung des elektrischen Ofens muß derselbe solange sich enthalten; letzterer würde zwar die Feuerfestigkeit nicht beeinselbst überlassen bleiben, bis die Kohlenmasse vollständig trocken trächtigen, aber durch seine Veränderung beim Lagern des gegeworden ist, und ist dann der Ofen noch vorsichtig mit Holz brannten Tones an der Luft den Ton zur Darstellung feuerfester kohle anzuheizen, damit die letzten Spuren von Feuchtigkeit ver Massen unbrauchbar machen. trieben und die Stärke zersetzt wird. Erst dann kann der Ofen Wenn man sich die Überzeugung von der Verwendbarkeit für elektrische Zwecke in Gebrauch genommen werden.

des Tones verschafft hat, braucht man denselben nur in Form Bevor man einen Graphit oder Koks zur Darstellung der von etwa faustgroßen Klumpen zu bringen und diese in einem Kohlefütterung für elektrische Öfen überhaupt in Gebrauch nehmen Schachtofen mit ununterbrochenem Betriebe zu brennen. Die gekann, muß das Material auf seine Eignung zu diesem Zwecke brannten Tonmassen werden schließlich durch Mahlen in Kollergeprüft werden. Manche Graphitsorten und die Koks mancher mühlen, Desintegratoren usw. in feines Mehl verwandelt und Steinkohlen enthalten nämlich so bedeutende Beimengungen von bilden dann die als Schamotte bezeichnete Masse. Mineralkörpern, namentlich Eisenoxyd, Kalk- und Magnesiaver Die Darstellung von Schamottemehl auf diesem Wege verbindungen und Kieselsäure, daß diese Körper in der Hitze des ursacht bedeutende Auslagen; man sucht daher in den Schamotteelektrischen Lichtbogens in chemische Aktion mit dem Kohlen fabriken soweit als möglich schon fertiges Schamottematerial zur

aus

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