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Patent-Bericht, mitgeteilt vom Patentanwalt Dr. Fritz Fuchs, dipl. Chemiker und Ingenieur Alfred Hamburger, Wien VII., Siebensterngasse 1.

Oesterreich. KI. 44 a. Firma Winter & Adler in Wien. Manschettenknopf mit zwei durch einen S:eg bleibend mit einander verbundenen Knöpfen, welche zwecks Erleichterung des Einknöpfens gegeneinander verdrehbar sind. Die aus einem hülsen- und einem in diesen drehbaren zapfenförmigen Stücke bestehenden Stegteile sind gegen Längsverschiebungen relativ zu einander, bezw. gegen Trennung durch eine in eine Ring- oder Bogenut des zapfenförmigen Teiles eingreifende Sieke oder Warze des hülsenförmigen Teiles gesichert.

Rechtsrat, Rechtsschutz für den Goldschmied.

Wichtige gerichtliche Entscheidungen. Dürfen die an Sonn- und Festtagen beim Ladenschluß im Laden schon anwesenden Kunden noch bedient werden? Diese Frage hat das Reichsgericht im Urteil vom 29. Juni 1905 verneint. Der der Entscheidung zugrunde liegende Fall war folgender: Ein Kaufmann hatte an den drei letzten Sonntagen vor Weihnachten nach Ladenschluß den Geschäftsbetrieb innerhalb des geschlossenen Ladens 1-1/2 Stunden fortgesetzt und auch seine Gehilfen und Lehrlinge so lange beschäftigt. In dem deswegen gegen ihn eröffneten Strafverfahren machte er geltend, daß er hierzu nach § 139e der Gewerbeordnung berechtigt gewesen sei, da es sich um die Bedienung der beim Ladenschlusse schon vorhandenen Kunden gehandelt, auch die Fortsetzung des Gewerbebetriebes sich im verschlossenen Laden, also nicht in einer offenen Verkaufsstelle vollzogen habe. Das Reichsgericht ist dieser Auffassung nicht beigetreten: Der $ 139 e der Gewerbeordnung bestimmt zwar, daß die beim Ladenschluß im Laden schon anwesenden Kunden noch bedient werden dürfen, indes beziehe sich diese Vorschrift nur auf den Ladenschluß an den Werktagen. Die Verkaufszeit an Sonn- und Festtagen sei besonders durch den $ 105b geregelt. Danach sei die Beschäftigung des handelsgewerblichen Hilfspersonals an den Sonn- und Festtagen nur an bestimmten, von der Polizeibehörde festgesetzten Stunden zulässig. Diese Beschäftigungszeit sei einer Verlängerung nicht fähig, insbesondere sei eine Bedienung der zur Zeit des Ladenschlusses schon vorvorhandenen Kunden durch das Gehilfenpersonal und auch durch den Ladeninhaber selbst nicht zugelassen. Der § 105 b bestimme die Beschäftigungsdauer des Hilfspersonals an Sonntagen innerhalb des gesamten Handelsgewerbes. Wollte man für offene Verkaufsstellen zulassen, daß die bereits vor dem Ladenschluß begonnenen Geschäfte noch abgewickelt werden dürften, so würden die in solchen offenen Verkaufsstellen beschäftigten Gehilfen und Lehrlinge im Vergleich zu dem übrigen handelsgewerblichen Hilfspersonal schlechter gestellt sein in bezug auf die Höchstarbeitsdauer. Dies würde aber weder nach dem Wortlaut noch nach der Tendenz der in Frage stehenden Rechtsnorm gerechtfertigt sein. - Die Bedienung der zur Zeit des sonntäglichen Ladenschlusses noch vorhandenen Kundschaft sei bei dem Mangel einer ausdrücklichen gegenteiligen Vorschrift unter allen Umständen verboten, also auch dann, wenn der Geschäftsbetrieb sich im geschlossenen Laden fortsetze. Denn es handele sich nicht darum, wie lange der Laden offengehalten werden dürfe, sondern um die Dauer der Beschäftigung der Gehilfen und um die Dauer des Geschäftsbetriebes. In beider Beziehung sei aber eine Verlängerung nicht zulässig. Diese Entscheidung hat, wie noch hervorgehoben werden soll, nicht nur für die eigentlichen Kaufleute, sondern für alle Inhaber offener Verkaufsstellen Interesse. Als solche gelten auch die Handwerksläden.

Frage- und Antwortkasten. Für brieflich gewünschte Fragebeantwortung bitten wir das Porto beizufügen. Die Herren Fabrikanten, Grossisten und Detailleure werden in ihrem und Aller Interesse höflichst aufgefordert, von der allezelt kostenfreien Benutzung dieser Abteilung den aus. giebigsten Gebrauch zu machen, Fragen allgemeiner und technischer Art uns einzusenden und an deren Beantwortung sich zu beteiligen. Die Aufnahme einer Antwort erfolgt in jedem Einzelfalle auf ausdrücklichen Wunsch. Auch dieser Teil unseres Blattes ist dazu geschaffen, zur gegenseitigen Belehrung belzutragen.

Fragen: Frage 537. Wer ist der Fabrikant des Ohrlochstechers „Schmerzlos“ ?

K. & W. in P. Frage 546. Kann mir einer der Herren Kollegen sagen, wer der Fabrikant von Silberwaren ist, die als Warenzeichen drei in einem Oval (oder Kreis) befindliche Kugeln tragen? F. A. in E.

Frage 551. Welche Firma liefert die Email-Aufsätze für SilberOhrringe?

E. B. in 0. Frage 554. Wer fabriziert Broschen, Vorstecknadeln usw. für Bienenzüchter?

J. S. in Pf. Frage 558. Wie werden aus Messingblech gefertigte Gegenstände gefärbt (oxydiert)? 1. Stahlgrau, 2. schön Braun, womöglich matt. An den Gegenständen ist auch mit Zinn gelötet? C. F. in E.

Frage 559. Wie kann bei gepreßtem Messing (Firmaplättchen) die Schrift schwarz gemacht werden, damit dieselbe recht deutlich hervortritt (die Schrift ist vertieft gepreßt). Ein Lackieren der Buchstaben oder Ausfüllen mit schwarzem Wachs ist ausgeschlossen.

C. F. in E. Frage 562. Wer liefert Poliermittel für Stahlblech-Massenartikel, die in der Scheuertrommel verwendet werden? Fr. S. in G. Frage 564. Wer liefert Preßteile für Kirchensachen billigst?

E. F. in L. Frage 565. Ich bitte un gefl. Angabe einiger Firmen, welche Rosenkranzschnüre fabrizieren?

J. Sch. in P. Frage 567. Wer liefert gute, augenblicklich gangbare Artikel irgend welcher Art, besonders Bijouterie - Artikel (Gablonzer ausgeschlossen) im Preise von 15—24 Mk. p. Groß? Offerte mit Muster erbeten.

Frage 568. Wie verhindert man das Braun- und Schwarzwerden unechter Bijouterie- und Metallgegenstände in wirksamer Weisc? Das sogen. Zaponieren hat sich nicht immer zweckdienlich erwiesen.

P. H. in B. Frage 519. Wer erzeugt oder von wo bezieht man die Spazierstöcke mit imitierten Silbergriffen mit der Marke Nikel-Silver? Dieselben sind schön gearbeitet.

A. P. in D. Frage 570. Wer ist der Fabrikant, der Reklame - EheringStänder, wo die imitierten Trauringe so arrangiert sind, daß dieselben einen Turm bilden? Das Ganze in unecht und vergoldet.

F. 0. in M. Frage 571. Wer fabriziert Siegelstangenhalter in Silber mit Pfanne und Spirituslampe?

R. F. in P. u. L. Frage 572. Wer liefert bei größeren Bezügen Mechanik für Brust- und Manschettenknöpfe, doppelarmig, also mit zwei Klappen, in Silber 800 ?

K. & S. in P. Frage 573. Wer liefert Stahlbürsten, federhart, für Silberfabrikation passend?

K. & S. in P.

Antworten: Zu Frage 552. Maschinen zur Anfertigung von Brissuren liefert: Rich. Wittlinger, Ingenieur, Stuttgart, Gutenbergstr. 81.

Zu Frage 560. Billige hübsche Photographie-Rahmen liefert: Gottfr. Rupp jr., Pforzheim, Gymnasiumstr. 72.

Zu Frage 566. „Slave bangles“ fertigen billigst: Gebrüder Stein, G. m. b. H., Metallwarenfabrik, Oberstein.

K.

Patente und Gebrauchsmuster. Gebrauchsmuster - Eintragungen. 44 a. 271 275. Durchsteckknopf mit einem gewundenen Steg zwischen zwei Kopfgliedern. Aug. F. Richter, Hamburg. 24, 3. 05. R. 15333.

44 a. 271 890. Panzerkette, deren Glieder mit quer verlaufenden Auskehlungen versehen sind. Max Feßler, Pforzheim. 10. 1. 06. F. 13 423.

44a. 271892. Stiftbefestigung an entsprechend hohl ausgebildeten Körpern mittels eines erhärtbaren Materials. Eduard Peine & Co., Hamburg. 11. 1. 06. P. 10781.

44a. 271914. Sicherheitshutnadel, deren aufsteckbares Sicherungsstück im Innern ein Material enthält, in welches sich die Nadel einsticht. Walther Stöckigt, Greiz. 31. 1. 06. St. 8264.

44a. 271932. Haarnadel mit drei freien Schenkeln. Oskar Dietrich, Burkhardtsdorf. 5. 2. 06. D. 10844.

44 a. 272 134. Schmuckkörper für Broschen, Anhänger u. dgl., mit auf der Oberfläche angeordnetem, emailliertem Spruch, Vogt & Hoheisen, Pforzheim. 19. 1. 06. V. 4971.

44a. 272 250. Fingerring mit Monogramm. Robert Brüche, Charlottenburg, Weimarerstr. 29. 3. 1. 06. B. 29758.

22i. 272333. Schwarz gefärbter Gelatineleim in Tafelform. J. Neugebauer, Elberfeld, Kurfürstenstr. 12. 8. 1. 06. N. 5938.

44a. 272611. Sicherheitsnadel mit an Stelle der üblichen Spiralfeder angeordnetem, durch einen Knopf verziertem Haken. Thüringische Nadel- und Stahlwaren - Fabrik Wolff, Knippenberg & Co., Akt.-Ges., Ichtershausen. 12. 2. 06. T. 7470.

21b. 272 704. Konstante höhere Spannungen liefernde Batterie mit sehr kleinen Trockennormalelementen. Dr. Friedrich Krüger, Göttingen. 23. 12. 05. K. 26 882.

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Nachdruck aus dem Inhalt vorliegender Zeitung ist nur mit Erlaubnis der Redaktion und unter genauer Quellenangabe gestattet.

Nr. 16

Fachtechnischer und wirtschaftlicher Teil

*** Redaktion: Fachtechnischer und wirtschaftlicher Teil: Syndikus Herm. Pilz, Leipzig 225 Kunstgewerblicher Teil: Professor Rudolf Rürklin, Leiter der Goldrmmiede-Smule, Pforzheim

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Unter den vielen Vorschlägen, welche zur Wahrung und Förderung der Interessen des Kleinhandels gemacht werden, ist es die Frage eines

Kommunalen Warenhauses, welche noch immer die Geister erregt. Wir haben schon seiner Zeit erklärt, daß wir nach dem Zusammenbruch des gemeinsamen Geschäftshauses der Detaillisten in Hagen nur noch wenig an den Segen kommunaler Warenhäuser glauben können, und die Rolle des ungläubigen Thomas spielen wir auch heute noch weiter, trotz aller Stimmungsmacher für diese Warenhäuser. Es ist ganz richtig, daß die Warenhaussteuer nicht viel gefruchtet hat und die Hoffnungen, welche optimistische Leute an dieses Heilmittel knüpften, haben sich nicht erfüllt. Da hat nun Prof. G. Schanz in der „Sozialen Praxis“ als neues Heilmittel die Schaffung von kommunalen Warenhäusern vorgeschlagen und zwar in folgender Weise: Die Stadt errichtet das Gebäude, stattet vielleicht auch das Innere aus, stellt die nötigsten Beamten an und verpachtet auf dem Submissionswege, gegen Stellung einer Kaution die einzelnen Abteilungen. Die Kleingewerbetreibenden und Handeltreibenden in Berlin haben sich für diese Idee ausgesprochen und aus dem Kreise unserer Abonnenten wurde unsere Redaktion über ihre Meinung bezüglich dieses Heilmittels befragt. Wir stehen nun, wie gesagt, noch immer auf dem Standpunkte, daß diese kommunalen Warenhäuser eine Utopie sind. Gerade dort, wo sie ihre heilsame Wirkung ausüben sollen, in den großen Städten, wo die Warenhäuser üppig emporwuchern, wird ihre Wirkung ausbleiben. Wie wollte man dem gewaltigen Andrang gerecht werden? Der Höchstbietende würde die Abteilungen mieten. Es wäre also wieder eine Einrichtung zugunsten der Kapitalkräftigen. Auch müßten doch, wenn die Insassen gleichmäßig reüssieren wollten, von ihnen gleiche Preise gehalten werden, und dahin wird es nie kommen. Aber es werden auch diejenigen, welche nicht in dem KommunalHandelshaus Platz finden, billigere Preise ansetzen, um jenen die Kunden wegzufangen. So werden sich der Durchführung der Idee zahlreiche Hürden in den Weg stellen, über die nicht so leicht voltigiert werden kann.

Ein anderes Mittel, dem Kleinhandel zu nützen, ist dagegen die Bildung von besonderen

schlechtes. Die Mitglieder der Kammer werden auf 6 Jahre gewählt. Der in § 449 bestimmte Wahlmodus interessiert uns hier nicht. Die der Kammer für Kleinhandel zunächst vorgesetzte Behörde ist die Handelskommission des Senates, bei der sie ihre Berichte, Wünsche und Gutachten einzureichen hat. Die Kammer ist nach § 13 berufen, auf alles, was zu ihrem gesetzlichen Wirkungskreise gehört und den von ihr vertretenen Berufskreisen dienlich sein kann, ihr Augenmerk zu richten. Sie kann auch zu ihren Beratungen Sachverständige beliebig zuziehen.

Man hat der Bildung dieser Kleinhandelskammern entgegengehalten, daß doch die bestehenden Handelskammern schon die Interessen des gesamten Handels, also auch des Kleinhandels, zu vertreten hätten, und es liegt darin sicherlich etwas Wahres. Aber bei den wachsenden Aufgaben der Handelskammern für den deutschen Großhandel und dessen Ausbreitung, bei den immer intensiver werdenden Exportarbeiten derselben, darf es nicht Wunder nehmen, daß das Interesse doch für die Leiden und Freuden der mittleren und kleineren Geschäftsleute nicht so warm ist, als zu wünschen wäre, und wir sind der Überzeugung, daß die Handelskammern zu Hamburg und Bremen gar nichts mehr gegen die Bildung dieser Nebenkammern über kurz oder lang einwenden werden. Die Detaillistenkammer in Hamburg hat sich ja gut bewährt. Sie hat auch in der Frage Stellung genommen, welche die Beeinträchtigung des Goldwarenhandels

durch die Leihhäuser betrifft. Die von ihr in Vorschlag gebrachten Maßnahmen gipfeln auch in der Aufhebung des Vorrechtes der öffentlichen Pfandleihanstalten, im Erlaß von Bestimmungen, welche den Massenversatz eigens zum Zwecke der Verpfändung hergestellter Waren unmöglich machen, in der Behandlung der Pfandscheine als Inhaberpapiere und in dem Verbot, in Verbindung mit dem Pfandgeschäft ein Verkaufsgeschäft zu treiben. Auch in Hamburg werden die Pfandleihanstalten dazu mißbraucht, neue Gegenstände als Pfänder anzunehmen und in den Handel zu bringen, und zwar sowohl Waren, die eigens zu diesem Zwecke angefertigt werden, wie auch andere neue fertige und halbfertige Waren, die in großen Posten versetzt werden. Namentlich sehr geringwertige Uhren werden in blendender Aufmachung und Ausstattung in den Schaufenstern neu errichteter Pfandleihanstalten zum Verkauf gestellt, um beim Publikum den Anschein zu erwecken, als ob die Gegenstände nur deshalb so billig seien, weil sie von jemand aus Not versetzt wurden. In Hamburg hat leider die Verbindung von Pfandleihanstalten mit Verkaufsgeschäften derartig überhand genommen, daß man sagen kann, diese Betriebsform bildet die Regel. Die Täuschung des Publikums, als ob es hier billiger kaufe, wird häufig noch durch Plakate mit der Aufschrift: „Verkauf uneingelöster Pländer“ verstärkt. So mehren sich die Stimmen gegen die Leihhausschädigungen, und die Gesetzgebungsmaschine wird wohl in nicht allzu langer Zeit auch in dieser Frage Arbeit bekommen.

Die Täuschung des Publikums spielt ja leider heute im Geschäftsleben eine größere Rolle denn je. Das zeigt am besten der

Unsolide Handel mit den Diamanten-Imitationen, mit dem wir uns jetzt fast in jeder Nummer beschäftigen müssen. Daß die Gesellschaften alle organisch zusammenhängen und nur

Kammern für den Kleinhandel, wie sie bereits in Hamburg und Bremen bestehen. Die Kammer für den Kleinhandel in Bremen ist erst kürzlich ins Leben gerufen worden. Unserer Redaktion ging das „Gesetz betreffend die Kammer für Kleinhandel in Bremen“ zu und es verlohnt sich wohl, auf einige Hauptbestimmungen desselben hier hinzuweisen. Die Mitglieder der Kammer werden erwählt von denjenigen Personen männlichen Geschlechts, die das Wahlrecht zur Bürgerschaft besitzen und denjenigen mindestens 25 Jahre alten Personen weiblichen Geschlechts, die seit mindestens 2 Jahren Staatsangehörige Bremens sind und ein Kleinhandelsgeschäft oder Gast- und Schankwirtschaft seit mindestens einem Jahre betreiben. Außerdem den Angehörigen bestimmter Geschäftszweige, zu denen in Gruppe 11 auch die Gold- und Silberwaren-, Juwelen- und UhrenGeschäfte gehören. Die Kammer besteht aus 18 Mitgliedern. Wählbar ist jeder Wahlberechtigte, jedoch nur männlichen Ge

Arme eines Polypen sind, darüber wird uns aus München von einem Freund unseres Blattes einiges mitgeteilt. Er schildert uns das Ausborgen der Angestellten. Aus dem Taits-Geschäft in Berlin wurden z. B. ein Frl. Luckart, Frl. Hinz und Herr Teitelbaum ins Kora-Geschäft nach Dresden verpumpt. Die Leipziger Bera-Compagnie lieferte die Verkäuferinnen Frl. Vogel und Frl. Wust nach Dresden, erstere wurde später zur Sarita-Compagnie nach Hannover, letztere zur Lucios-Gesellschaft nach Frankfurt a. M. abgeschoben. Und da wagen sich die Geschäftsführer noch davon zu reden, daß die Compagnien nicht zusammenhingen. In Wiesbaden arbeitet gegenwärtig „Headleys Diamond Palace“ mit den alten bekannten Mitteln. Die vier Lock-Brillanten für 6 Mk. sind auch dort ins Schaufenster praktiziert. In dem Prozeß, der in Frankfurt a. M. gegen den Inhaber des Lucios-Diamanten-Geschäftes, Löwenthal, angestrengt war und in dem letzterer zu 1000 Mk. Geldstrafe verurteilt wurde, ist die Revision des Angeklagten vom Reichsgericht verworfen worden. Auch die bayerischen satirischen Blätter „Der Grobian“ (Nr. 14) und das bekannte „Bayerische Vaterland“ (Nr. 81) kämpfen in München gegen den Diamantenschwindel. Die Taits-Diamanten werden jetzt, nachdem ihnen in Deutschland doch zu sehr zugesetzt wurde, in Wien unter der Devise „Wir müssen Geld haben“, zum Preise von 1 Mk. an den Mann gebracht. Ein Wiener Goldschmied schreibt uns dazu: „Es wäre doch die höchste Zeit, solche Schwindel-Gesellschaften in die Luft zu sprengen, da sämtliche Geschäftsleute darunter leiden. Solche Schwindel-Annoncen! Hundert Stück dieser Steine kosten in Gablonz 4 Mk.!“ Wir verstehen einen solchen Ausbruch der Entrüstung sehr gut. Wir kämpfen ja auch seit Jahren gegen diese Auswüchse im Geschäftsverkehr. Wir haben auch fort und fort gegen die Geschenke an die Kundschaft, soweit sie Gold- und Silberschmuck, Uhren usw. betreffen, Front gemacht. Zu unserer Notiz in Nr. 13, die Seifenfabrik J. Gioth in Hanau betreffend, die jedem, der 400 leere Schachteln von gemahlener Kernseife vorweist, eine Uhr schenkt, wird uns von der Firma mitgeteilt, daß unsere Bedenken gegen die Bonität dieser Uhren unbegründet

seien und die Uhren gut gingen. Das haben wir nicht in Abrede gestellt. Wir haben nur erklärt, daß uns alle solche Gratis-Uhren verdächtig vorkommen und daß wir gegen die ganze Art und Weise dieser Reklame unsere Wurfmaschine richten müssen. Daß die vereinigten Schuhfabriken in Stuttgart, Krämer & Flammer in Heilbronn und hundert andere dasselbe tun, ändert an nichts. geschäftlicher Unfug bleibt ein solcher, auch wenn ihn noch so viele sanktionieren. Unser Artikel über

Reiselager-Versicherung hat in den Kreisen der Goldschmiede großes Interesse erregt und uns zahlreiche Zuschriften eingebracht. Von dem Pforzheimer Generalvertreter der „Agrippina“, See-, Fluß- und LandtransportVersicherungsgesellschaft in Köln, Herrn Franz Leppert, ist uns nun eine Police für die Versicherung von Reiselagern unterbreitet worden, aus welcher wir ersehen, daß dieselben lediglich auf die Bijouterie-Reiselager zugeschnitten sind. Die Bedingungen sind frei von allen Härten und tragen den im BijouterieGroßhandel bestehenden Gepflogenheiten und Bedürfnissen nach jeder Richtung hin in liberalster Weise Rechnung. Diese Police enthält auch die von uns bemängelte Schattenseite, wie wir gern konstatieren, nicht und zeichnet sich insbesondere dadurch aus, daß die Bijouterie-Reiselager nicht nur auf der Reise, sondern auch am Domizil des Versicherten in gleicher Weise als versichert gelten (8 1b) wie auf der Reise. Mithin ist für das Reiselager, solange es in den Geschäftsräumen am Domizil verbleibt, eine besondere Versicherung gegen Feuers, Einbruchs- und Diebstahlsusw. Gefahr nicht erforderlich. Die Prämie für diese für die Interessenten der Bijouteriebranche geschaffenen Police ist angemessen. Die Versicherungsgesellschaft „Agrippina“ besteht seit dem Jahre 1845 und erfreut sich in Geschäftskreisen großer Sympathie. Die Redaktion der „Deutschen Goldschmiede-Zeitung“ ist natürlich gern bereit, noch weitere Auskünfte über diese Versicherung im Anschluß an den gebrachten Artikel zu geben.

Neues vom Schaufenster.

Wie wichtig die Reklame heutzutage für jeden selbständigen Geschäftsbetrieb ist, braucht wohl keinem einsichtigen Geschäftsmann hier wiederholt zu werden.

Eines der wertvollsten Mittel für eine reell betriebene Geschäftsreklame ist für das Ladengeschäft jedenfalls das geschmackvoll und zweckmäßig eingerichtete Schaufenster. Vor allem muß die Einrichtung desselben derart sein, daß man auch leicht daran ändern und Einzelnes herausnehmen kann, da das Publikum naturgemäß seine Wünsche häufig auf das im Schaufenster Gesehene richtet. Auch ist es vorteilhaft, wenn der Dekorateur rasch und bequem Waren neu einfügen kann, ohne daß der Anblick des dekorierten Schaufensters dem Publikum entzogen zu werden braucht.

Von diesen Gesichtspunkten ausgehend, bringt die alte, gut renommierte Firma Förstendorf & Schönecker, Leipzig, eine beachtenswerte Neuerung.

Es ist dies „Die herausdrehbare Mittelscheibe“, D. R. G. M. 207630 (siehe nebenstehende Abbildung).

Auf einer senkrechtstehenden Säule ruhend, wird durch eine leichte Drehung derselben die sonst für den Straßenpassanten be

stimmte Gesamtdekoration dem Käufer im Laden gezeigt, ohne daß ein Stück von seinem Platze entfernt werden müßte.

Dieser Vorteil allein dürfte schon genügend Anlaß zur Beschaffung dieser Einrichtung geben.

Außerdem aber wird die Arbeit des Dekorierens dadurch bedeutend erleichtert. Durch eine kleine Drehung der Scheibe nach links oder rechts gelangt man bequem zu den Seitenscheiben. Die Mittelscheibe selbst wird dekoriert nachdem sie ganz dem Laden zugedreht' ist. Das lästige und doch so notwendige Hinund Herlaufen während des Dekorierens wird ganz vermieden, da man jederzeit mit Leichtigkeit sich von der Wirkung überzeugen kann.

Es ist ohne weiteres klar, daß das Interesse des Publikums am Schaufenster in erster Linie dadurch wach erhalten werden muß, daß der Inhalt desselben von Zeit zu Zeit wechselt. Jede Neueinrichtung also, die dem leichten Wechsel der Schaufensterdekoration förderlich ist, muß von dem Ladeninhaber mit besonderem Interesse geprüft werden. Die obengenannte Firma ist stets bereit, über ihre Erfindung, die durch unsere Abbildung noch besonders verdeutlicht wird, mit Auskünften und Kostenanschlägen zu Diensten zu stehen.

Der Befähigungsnachweis in der Reichstagskommission und die Meistervorrechte.

Obwohl der Ansturm, welcher von seiten der Gewerbetreibenden immer von neuem unternommen wird, um den Befähigungsnachweis allgemein durchzusetzen, bislang zu keinem Erfolge geführt, vielmehr zuletzt eine ganz bestimmte Absage der Regierung erhalten hat, läßt man sich doch im Lager der Anhänger des Befähigungsnachweises nicht einschüchtern und geht mit demselben

Feldgeschrei immer von neuein in den Kampf. Inzwischen hat sich an der Sache nichts geändert. Wir sympathisieren vollständig mit denen, welche im Befähigungsnachweis das wirksamste Mittel zur Hebung des Gewerbestandes erblicken, wir bekennen offen, daß der Befähigungsnachweis eigentlich eine ganz natürliche Forderung der beteiligten Kreise ist, ja eine Forderung der Gerechtig

keit, – aber wir sind noch heute der Meinung, daß unsere Zeit sich bemühen, bis zur weiteren Beratung im Plenum eine vollleider nicht mehr eine solche Einschränkung von Handel und Ge ständig übersichtliche Stellungnahme der verbündeten Regierungen werbe zuläßt, daß der Einschnitt in das gewerbliche Leben ein herbeizuführen. Der Antrag der Mehrheitsparteien wurde leider so tiefer sein würde, daß möglicherweise ernste wirtschaftliche darauf zurückgezogen und in eine Resolution umgewandelt. In Komplikationen nicht ausbleiben würden. Wir wissen, daß es auch Verbindung damit beantragte der Abgeordnete Patzig eine zweite unter den Goldschmieden in den Innungen begeisterte Anhänger Resolution, die für alle Lehrlinge, Arbeitsburschen, jugendliche des allgemeinen Befähigungs

Arbeiter usw. den reichsgenachweises gibt und wir ver

setzlichen Zwang zum Besuch stehen diese Begeisterung

einer Fortbildungsschule durchaus, aber die Gewerbe

verlangt. Beide Resolutionen freiheit hat doch so tief

wurden angenommen.

Die Handel und Gewerbe heut

Einführung des sogenannten zutage durchdrungen, daß wir

„kleinen Befähigungsnachan eine Purchführung des

weises“ halten auch wir für gutgemeinten Planes nicht zu

durchführbar, und wir wollen glauben vermögen. Das gilt

hoffen, daß es nicht bei der auch von dem sog. „beding

gefaßten Resolution wieder ten Befähigungsnachweis“.

sein Bewenden hat. Wenn In der 11. Kommission

für das Baufach die Eindes Reichstages hat man

führung eines Befähigungseinen Befähigungsnachweis

nachweises im öffentlichen für das Bauhandwerk ange

Interesse liegt, so möchten wir nomnien. Er liegt im öffent

dieses öffentliche Interesse lichen Interesse, denn es hat

auch für den sogenannten sich gerade in letzter Zeit in

„kleinen“ Befähigungsnachunheilvoller Weise gezeigt,

weis reklamieren. Es liegt welches Unglück heraufbe

in der Tat im öffentlichen schworen werden kann, wenn

Interesse, daß der junge genicht ordentlich ausgebildete

werbliche Nachwuchs durch Scharwerker ans Bauen ge

kundige, tüchtige Meister hen. Eine solche öffentliche

seine Ausbildung erhält, wenn Gefahr ist aber nicht bei

er dereinstimstande sein allen Gewerben zu konsta

soll, gegen die Feinde, welche tieren. Die Kommission be

dem Handwerk drohen, anschäftigte sich aber auch mit

zukämpfen und sich im großen der Frage des Befähigungs

Konkurrenzkampfe zur Ehre nachweises im Handwerk

und zum Segen seines Beüberhaupt. Von den Mit

rufes durchzuschlagen. Wer gliedern der Mehrheit war

nichts versteht, kann ein Antrag eingebracht, im

Unverständige bilden. Wer Rahmen der Novelle auch

nichts gelernt hat, kann nicht den kleinen“ Befähigungs

lehren. Das sind Binsennachweis einzuführen, also

wahrheiten. Aber wer das zur Anleitung von Lehrlingen

Gewerbeleben kennt, wird nur den zu berechtigen, der Die herausdrehbare Mittelscheibe (zu dem Artikel „Neues vom Schaufenster“).

uns zugestehen, daß heute auch zur Führung des Meister

leider oft solche den titels berechtigt ist, und, vorbehaltlich der Ausnahmen zugunsten Lehrherrn abgeben wollen, die selbst noch lernen müßten. dessen, der in besseren Fachschulen sich vorgebildet hat, den Meister Die Bönhasen und Pfuscher schicken wieder nur solche aus titel nur demjenigen zuzuerkennen, der die Meisterprüfung (statt ihren Betrieben in die Welt hinaus. Hier kann also sehr wohl bisher die Gesellenprüfung) bestanden hat. Der Staatssekretär Graf behufs einer Gesundung der Verhältnisse im gewerblichen Leben von Posadowsky war jedoch dagegen. Er empfahl, die vorliegende eingesetzt werden. Schwierigkeiten werden dadurch nicht erGewerbenovelle nicht mit dieser weiteren und gesetztechnisch erst wachsen, daß nur dem Meister die Ausbildung der Lehrlinge vornoch sorgfältiger durchzuarbeitenden Materie zu belasten, sondern behalten bleibt. Das ist ein Vorrecht, welches sich leicht besich einstweilen auf eine Resolution zu beschränken. Er werde gründen läßt!

P.

[graphic]

nur

zu

Der Werdegang eines Goldschmiedemeisters der Gegenwart.
Eine Osterbetrachtung eines alten Goldschmiedemeisters.

II. Beim Eintritt ins vierte Lehrjahr muß der Lehrling soweit Courage, Courage und nochmals Courage und viel Beausgebildet sein, daß er die einfacheren Arbeiten einer guten Gold harrlichkeit muß der Goldschmied haben! schmiedewerkstätte mit ziemlicher Sicherheit anfertigen kann. Es Im vierten Lehrjahre hat der Lehrling ferner das Legieren der muß sein Bestreben sein, die Anfertigung schwieriger, feinerer Metalle, das Schmelzen, das Reinigen der Feilung, das Färben, das Artikel vorzunehmen. Der Lehrmeister ist mit Rat und Tat zur Vergolden, das Versilbern, das Oxydieren usw. selbständig vorHand. Er wird nachhelfen, wenn es einmal nicht so geht, wie es zunehmen und werden diese Arbeiten infolge der Hilfeleistungen gehn soll. Der Lehrling übe sich in Brillant- und Diamantarbeiten, bei denselben in den ersten Jahren keine großen Schwierigkeiten auch in besseren Herren- und Damen-Medaillons und sorge dabei verursachen. Man lasse den Lehrling bei der Legierung des Mefür saubere Anlegung der Scharniere, eine Arbeit, welche alle Auf talles nicht nach einer Legierungstabelle arbeiten. Diese bringt merksamkeit beansprucht. Die Reparaturarbeiten müssen jetzt ihm kein Verständnis, sondern man gebe ihm die Schrift „Das selbständig ausgeführt werden können; das Gravieren und Fassen Legieren des Goldes und Silbers“ von Joh. Schöller sen., Goldmuß ebenfalls mit Hilfe des Meisters jetzt vorwärtsgehen. Nur schmied, Materborn bei Cleve, in die Hand; diese Schrift erklärt

alles Nötige derartig, daß jeder Goldschmied ein volles Verständnis Montieren, im Gravieren, Fassen, oder in einem anderen Fache der Legierung erhält und frei, ohne jegliche Hilfe legieren kann. der Schmuckwarenfabrikation hervorragend tüchtig, so kann er

Es sei mir an dieser Stelle erlaubt, darauf aufmerksam zu sich in dem betreffenden Fache dem Fabrikbetriebe widmen und machen, daß unsere Fachliteratur in den Werkstätten lange nicht wird sich eine gute Existenz sichern können. Hat der Gehilfe die Verbreitung hat, die dieselbe verdient. Besonders sind es die die Absicht und Aussicht, ein Geschäft mittleren oder kleineren Spezialschriften über einzelne Arbeiten, welche meist daselbst noch Umfanges zu gründen, so muß er zur Privatarbeit zurück, er fehlen, ja, viele Goldschmiede wissen nicht einmal, daß es für muß wieder Stellung in einem Privatbetrieb einnehmen, um sich manche Arbeit eine Spezialschrift gibt, trotzdem dieselben so nütz noch manches anzueignen, was zum tüchtigen Goldschmiedemeister lich, trotzdem unsere Zeit dieselben gebieterisch verlangt, um nötig ist. Seine Ausbildung wird ihn befähigen, eine Stelle als sichere und gute Arbeit schnell und exakt zu liefern. Ein Fehler erster Gehilfe zu beanspruchen und darin sein Können und Wissen ist ferner, daß unsere regelmäßig erscheinenden Fachzeitungen zu betätigen und zu vervollkommnen. nicht genug beachtet werden. Mancher Goldschmiedemeister ist

Nach Eintritt in eine solche Stellung hat der Gehilfe seine zwar Abonnent, aber nur ab und zu fällt es ihm ein, einen Blick Aufmerksamkeit nicht bloß auf die Arbeiten der Werkstatt zu richin die Fachzeitung zu tun. Er läßt sich dazu keine Zeit; die ten, sondern er hat nach Möglichkeit den Gang und das Wesen Zeitungen liegen in einer stillen Ecke und ihr Inhalt kommt den

des Verkaufsgeschäftes zu beobachten. Er hat sich im Umgange Betreffenden nicht zugute.

mit der Kundschaft zu üben, hat die Ladeneinrichtungen und das Der Unterricht im Zeichnen muß im vierten Jahre soweit ge Warenlager in Betracht zu ziehen, die Schaufensterauslagen zu diehen sein, daß Schmuckwaren tadellos fachgemäß gezeichnet studieren, die Grundsätze, welche im Verkauf der selbstangeferwerden können. Auch der Unterricht in der Steinkunde und in tigten Ware und der Fabrikware vorherrschend sind, zu erlernen, der Buchführung ist nach Möglichkeit fortzusetzen. Sind nun in

die Durchschnittspreise für Reparaturarbeiten einzuprägen, Einfleißiger, aufmerksamer und gut unterrichteter Weise vier Jahre sicht in eine gute Buchführung zu nehmen und vieles andere bei dem Lehrling dahingegangen, dann kann derselbe sich einer noch sich anzueignen, was zur Leitung eines Goldwarengeschäfts Gehilfenprüfung unterwerfen und wird sie bestehen. Ein neuer gehört. Auch hat der Gehilfe jetzt die Fachzeitungen und FachAbschnitt des beruflichen Lebens beginnt.

schriften, unsere „Deutsche Goldschmiedezeitung“, mit verDer junge Gehilfe wird in den meisten Fällen gut tun, größerter Aufmerksamkeit zu lesen. Ihr Inhalt wird für ihn immer noch einige Zeit in der Werkstatt des Lehrmeisters zu arbeiten, mehr an Interesse gewinnen. Sie werden ihn über Arbeitsverhältum das Erlernte zu befestigen, nach kurzer Zeit hat er sich aber nisse und Bezugsquellen aufklären, werden ihn über alle nützlichen nach einer anderen Stellung in einem ähnlichen Geschäft umzu Erfindungen und Verbesserungen Mitteilungen bringen, werden ihn sehen, und hat er eine Stellung gefunden, dann — getrosten Mutes durch Abbildungen schöner Goldschmiedearbeiten zur Vervolldiese anzutreten. Da der Gehilfe jetzt für die gute Ausführung kommnung seiner Arbeiten anregen, und ihn mit den Forderungen der ihm anvertrauten Arbeiten größtenteils verantwortlich ist, so der Zeit bekannt machen. wird sein Wissen und Können in mannigfachster Weise erprobt werden. Aber Fleiß und sorgfältigste Beachtung alles dessen, was

Eine solche allgemeine Ausbildung ist dem Gehilfen am er gelernt hat, wird es ihm ermöglichen, gute Arbeiten zu liefern

besten zu ermöglichen, wenn er solche Stellungen zu erhalten

sucht, wo er in Hause des Meisters Wohnung und Kost und sich dadurch die Zufriedenheit und die Achtung des Meisters wie seiner Fachgenossen zu erwerben. Nachdem der Gehilfe in

erhält. In einer solchen Stellung wird ihm am ersten dazu Geder neuen Stellung erprobt und mit dem Erfolg seiner Arbeiten

legenheit geboten werden. Ein pflichttreues, freundliches und in

jeder Weise anständiges Benehmen wird dazu beitragen, daß ihm zufrieden ist, kann er ein Jahr darin aushalten und sich dann um eine Stellung in einem Fabrikgeschäft bemühen, damit er auch die

in alle nötigen Arbeiten Einblick gewährt wird. Diese Arfabrikmäßige Anfertigung der verschiedenen Schmuckwaren gründ

beiten, welche mehrere Jahre in Anspruch nehmen können, und

nicht zu früh durch Gründung eines eigenen Geschäftes lich kennen lernt, denn wenn er auch in der Herstellung vieler

abgebrochen werden sollen, fordern auch ab und zu einen Artikel bewandert ist, so hat er dennoch keine Gelegenheit gehabt,

Wechsel der Stellung. Dadurch werden dem Gehilfen die verdie schnelle und schnellste Anfertigung derselben zu betreiben.

schiedenen Verhältnisse und geschäftlichen Eigentümlichkeiten vor Am zweckmäßigsten nimmt der Gehilfe Stellung in einer größeren Fabrikstadt, da hat er am ersten Gelegenheit, seine Aus

Augen geführt. Er wird dadurch in seinem Benehmen sicherer,

er wird geschäftskundiger. Sind auf diese Weise in fleißiger und bildung in jeder Weise zu fördern. Nachdem der Gehilfe in einem Fabrikgeschäft in Arbeit getreten ist, muß es sein Bestreben sein,

aufmerksamer Arbeit, unter Beachtung alles Zweckdienlichen,

mehrere Jahre dahingegangen, dann muß der Gehilfe sich einer hier die Anfertigung der verschiedensten Artikel zu beachten und

Meisterprüfung unterwerfen. Er wird sie in Ehren bestehen. sich die dazu nötigen Fertigkeiten anzueignen, wozu es auch nötig sein wird, öfters die Stellung zu wechseln, um sich auf die ein

Ein solcher Meister kann mit berechtigtem Stolze, mit freudiger zelnen Artikel einzuarbeiten und die dazu nötigen Einrichtungen Befriedigung auf seinen Werdegang zurückblicken. Es war eine

schwere, harte Schule, in welcher nur durch andauernden Fleiß, und Maschinen kennen zu lernen. Seine Aufgabe ist, viel lernen,

gepaart mit Lust und Liebe, ein gutes Resultat zu erzielen ist. wenn auch dadurch weniger Geld verdient wird. Eine spätere Zeit wird ihn entschädigen! Die Tätigkeit im Fabrikbetrieb muß

Diejenigen Goldschmiedemeister, welche einen derartigen Lehrzwei bis drei Jahre anhalten, und während dieser Zeit sollen noch

und Werdegang durchgemacht haben und ein Geschäft übernehmen die Übungen im Gravieren und Fassen fleißig betrieben werden.

oder gründen, besitzen in ihrer Arbeitskraft ein unschätzbares Es ist jede Gelegenheit zu benutzen, sich in diesen Fächern aus

Kapital zur Sicherung ihrer Existenz. Ganz besonders im Mittelzubilden. Der Unterricht im Zeichnen, Modellieren und in der

und Kleinbetrieb sind sie befähigt, durch musterhafte Arbeiten ihrer Buchführung ist beizubehalten, auch muß die in den größeren

Werkstatt einen guten Ruf zu verschaffen und dadurch zur Hebung Fabrikstädten gebotene Gelegenheit, durch den Besuch von Fach-,

und Erweiterung ihres Geschäftes wesentlich beizutragen. Das Kunst- oder Gewerbeschulen sein Wissen und Können zu be

schöne Kunsthandwerk der Goldschmiede hat noch einen goldenen reichern, unbedingt ausgenutzt werden. Sind nun zwei bis drei Boden, nur muß es verstanden, muß es ausgeübt werden. Jahre in dieser Weise benutzt, so hat der Gehilfe sich die Frage Diese Darlegung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. zu stellen: „Was will, was kann ich werden?“ Er ist nun Sie soll nur annähernd den Wert der Schulung zeigen, welche die alt genug, er hat Erfahrung genug, um diese wichtigen Fragen Ausbildung zum tüchtigen Goldschmiedemeister voraussetzt, welche selbst zu beantworten, er muß sich jetzt für Fabrik- oder Privat für den Betrieb der mittleren und kleineren Goldwarengeschäfte betrieb ganz entscheiden. Hat der Gehilfe zu einer Spezialarbeit in erster Linie notwendig ist. besondere Veranlagung, ist er im Zeichnen, Musterentwerfen und Mit gut Borax!

J. Sch.

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