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Arme eines Polypen sind, darüber wird uns aus München von einem Freund unseres Blattes einiges mitgeteilt. Er schildert uns das Ausborgen der Angestellten. Aus dem Taits-Geschäft in Berlin wurden z. B. ein Frl. Luckart, Frl. Hinz und Herr Teitelbaum ins Kora-Geschäft nach Dresden verpumpt. Die Leipziger Bera-Compagnie lieferte die Verkäuferinnen Frl. Vogel und Frl. Wust nach Dresden, erstere wurde später zur Sarita-Compagnie nach Hannover, letztere zur Lucios-Gesellschaft nach Frankfurt a. M. abgeschoben. Und da wagen sich die Geschäftsführer noch davon zu reden, daß die Compagnien nicht zusammenhingen. In Wiesbaden arbeitet gegenwärtig „Headleys Diamond Palace“ mit den alten bekannten Mitteln. Die vier Lock-Brillanten für 6 Mk. sind auch dort ins Schaufenster praktiziert. In dem Prozeß, der in Frankfurt a. M. gegen den Inhaber des Lucios-Diamanten-Geschäftes, Löwenthal, angestrengt war und in dem letzterer zu 1000 Mk. Geldstrafe verurteilt wurde, ist die Revision des Angeklagten vom Reichsgericht verworfen worden. Auch die bayerischen satirischen Blätter „Der Grobian“ (Nr. 14) und das bekannte „Bayerische Vaterland“ (Nr. 81) kämpfen in München gegen den Diamantenschwindel. Die Taits-Diamanten werden jetzt, nachdem ihnen in Deutschland doch zu sehr zugesetzt wurde, in Wien unter der Devise „Wir müssen Geld haben“, zum Preise von 1 Mk. an den Mann gebracht. Ein Wiener Goldschmied schreibt uns dazu: „Es wäre doch die höchste Zeit, solche Schwindel-Gesellschaften in die Luft zu sprengen, da sämtliche Geschäftsleute darunter leiden. Solche Schwindel-Annoncen! Hundert Stück dieser Steine kosten in Gablonz 4 Mk.!“ Wir verstehen einen solchen Ausbruch der Entrüstung sehr gut. Wir kämpfen ja auch seit Jahren gegen diese Auswüchse im Geschäftsverkehr. Wir haben auch fort und fort gegen die Geschenke an die Kundschaft, soweit sie Gold- und Silberschmuck, Uhren usw. betreffen, Front gemacht. Zu unserer Notiz in Nr. 13, die Seifenfabrik J. Gioth in Hanau betreffend, die jedem, der 400 leere Schachteln von gemahlener Kernseife vorweist, eine Uhr schenkt, wird uns von der Firma mitgeteilt, daß unsere Bedenken gegen die Bonität dieser Uhren unbegründet

seien und die Uhren gut gingen. Das haben wir nicht in Abrede gestellt. Wir haben nur erklärt, daß uns alle solche Gratis-Uhren verdächtig vorkommen und daß wir gegen die ganze Art und Weise dieser Reklame unsere Wurfmaschine richten müssen. Daß die vereinigten Schuhfabriken in Stuttgart, Krämer & Flammer in Heilbronn und hundert andere dasselbe tun, ändert daran nichts. Ein geschäftlicher Unfug bleibt ein solcher, auch wenn ihn noch so viele sanktionieren. Unser Artikel über

Reiselager-Versicherung

hat in den Kreisen der Goldschmiede großes Interesse erregt und uns zahlreiche Zuschriften eingebracht. Von dem Pforzheimer Generalvertreter der „Agrippina“, See-, Fluß- und LandtransportVersicherungsgesellschaft in Köln, Herrn Franz Leppert, ist uns nun eine Police für die Versicherung von Reise lagern unterbreitet worden, aus welcher wir ersehen, daß dieselben lediglich auf die Bijouterie-Reiselager zugeschnitten sind. Die Bedingungen sind frei von allen Härten und tragen den im BijouterieGroßhandel bestehenden Gepflogenheiten und Bedürfnissen nach jeder Richtung hin in liberalster Weise Rechnung. Diese Police enthält auch die von uns bemängelte Schattenseite, wie wir gern konstatieren, nicht und zeichnet sich insbesondere dadurch aus, daß die Bijouterie-Reiselager nicht nur auf der Reise, sondern auch am Domizil des Versicherten in gleicher Weise als versichert gelten (§ 1 b) wie auf der Reise. Mithin ist für das Reiselager, solange es in den Geschäftsräumen am Domizil verbleibt, eine besondere Versicherung gegen Feuers-, Einbruchs- und Diebstahlsusw. Gefahr nicht erforderlich. Die Prämie für diese für die Interessenten der Bijouteriebranche geschaffenen Police ist angemessen. Die Versicherungsgesellschaft „Agrippina“ besteht seit dem Jahre 1845 und erfreut sich in Geschäftskreisen großer Sympathie. Die Redaktion der „Deutschen Goldschmiede-Zeitung“ ist natürlich gern bereit, noch weitere Auskünfte über diese Versicherung im Anschluß an den gebrachten Artikel zu geben.

Neues vom Schaufenster.

Wie wichtig die Reklame heutzutage für jeden selbständigen Geschäftsbetrieb ist, braucht wohl keinem einsichtigen Geschäftsmann hier wiederholt zu werden.

Eines der wertvollsten Mittel für eine reell betriebene Geschäftsreklame ist für das Ladengeschäft jedenfalls das geschmackvoll und zweckmäßig eingerichtete Schaufenster. Vor allem muß die Einrichtung desselben derart sein, daß man auch leicht daran ändern und Einzelnes herausnehmen kann, da das Publikum naturgemäß seine Wünsche häufig auf das im Schaufenster Gesehene richtet. Auch ist es vorteilhaft, wenn der Dekorateur rasch und bequem Waren neu einfügen kann, ohne daß der Anblick des dekorierten Schaufensters dem Publikum entzogen zu werden braucht.

Von diesen Gesichtspunkten ausgehend, bringt die alte, gut renommierte Firma Förstendorf & Schönecker, Leipzig, eine beachtenswerte Neuerung.

Es ist dies „Die herausdrehbare Mittelscheibe“, D. R. G. M. 207630 (siehe nebenstehende Abbildung).

Auf einer senkrechtstehenden Säule ruhend, wird durch eine leichte Drehung derselben die sonst für den Straßenpassanten be

stimmte Gesamtdekoration dem Käufer im Laden gezeigt, ohne daß ein Stück von seinem Platze entfernt werden müßte. Dieser Vorteil allein dürfte schon genügend Anlaß zur Beschaffung dieser Einrichtung geben. Außerdem aber wird die Arbeit des Dekorierens dadurch bedeutend erleichtert. Durch eine kleine Drehung der Scheibe nach

links oder rechts gelangt man bequem zu den Seitenscheiben.

Die Mittelscheibe selbst wird dekoriert nachdem sie ganz dem Laden zugedreht ist. Das lästige und doch so notwendige Hinund Herlaufen während des Dekorierens wird ganz vermieden, da man jederzeit mit Leichtigkeit sich von der Wirkung überzeugen kann.

Es ist ohne weiteres klar, daß das Interesse des Publikums am Schaufenster in erster Linie dadurch wach erhalten werden muß, daß der Inhalt desselben von Zeit zu Zeit wechselt. Jede Neueinrichtung also, die dem leichten Wechsel der Schaufensterdekoration förderlich ist, muß von dem Ladeninhaber mit besonderem Interesse geprüft werden. Die obengenannte Firma ist stets bereit, über ihre Erfindung, die durch unsere Abbildung noch besonders verdeutlicht wird, mit Auskünften und Kostenanschlägen zu Diensten zu stehen.

Der Befähigungsnachweis in der Reichstagskommission und die Meistervorrechte. Der Werdegang eines Goldschmiedemeisters der Gegenwart.

Obwohl der Ansturm, welcher von seiten der Gewerbetreibenden immer von neuem unternommen wird, um den Befähigungsnachweis allgemein durchzusetzen, bislang zu keinem Erfolge geführt, vielmehr zuletzt eine ganz bestimmte Absage der Regierung erhalten hat, läßt man sich doch im Lager der Anhänger des Befähigungsnachweises nicht einschüchtern und geht mit demselben

Feldgeschrei immer von neuen in den Kampf. Inzwischen hat sich an der Sache nichts geändert. Wir sympathisieren vollständig mit denen, welche im Befähigungsnachweis das wirksamste Mitte zur Hebung des Gewerbestandes erblicken, wir bekennen offen, daß der Befähigungsnachweis eigentlich eine ganz natürliche Forderung der beteiligten Kreise ist, ja eine Forderung der Gerechtig“ keit, – aber wir sind noch heute der Meinung, daß unsere Zeit leider nicht mehr eine solche Einschränkung von Handel und Gewerbe zuläßt, daß der Einschnitt in das gewerbliche Leben ein so tiefer sein würde, daß möglicherweise ernste wirtschaftliche Komplikationen nicht ausbleiben würden. Wir wissen, daß es auch unter den Goldschmieden in den Innungen begeisterte Anhänger des allgemeinen Befähigungsnachweises gibt und wir verstehen diese Begeisterung durchaus, aber die Gewerbefreiheit hat doch so tief Handel und Gewerbe heutzutage durchdrungen, daß wir an eine Durchführung des gutgemeinten Planes nicht zu glauben vermögen. Das gilt auch von dem sog. „bedingten Befähigungsnachweis“. In der 11. Kommission des Reichstages hat man einen Befähigungsnachweis für das Bauhandwerk angenommen. Er liegt im öffentlichen Interesse, denn es hat sich gerade in letzter Zeit in unheilvoller Weise gezeigt, welches Unglück heraufbeschworen werden kann, wenn nicht ordentlich ausgebildete Scharwerker ans Bauen gehen. Eine solche öffentliche Gefahr ist aber nicht bei allen Gewerben zu konstatieren. Die Kommission beschäftigte sich aber auch mit der Frage des Befähigungsnachweises im Handwerk überhaupt. Von den Mitgliedern der Mehrheit war ein Antrag eingebracht, im Rahmen der Novelle auch den „kleinen“ Befähigungsnachweis einzuführen, also zur Anleitung von Lehrlingen nur den zu berechtigen, der auch zur Führung des Meistertitels berechtigt ist, und, vorbehaltlich der Ausnahmen zugunsten dessen, der in besseren Fachschulen sich vorgebildet hat, den Meistertitel nur demjenigen zuzuerkennen, der die Meisterprüfung (statt bisher die Gesellenprüfung) bestanden hat. Der Staatssekretär Graf von Posadowsky war jedoch dagegen. Er empfahl, die vorliegende Gewerbenovelle nicht mit dieser weiteren und gesetztechnisch erst noch Sorgfältiger durchzuarbeitenden Materie zu belasten, sondern sich einstweilen auf eine Resolution zu beschränken. Er werde

Die herausdrehbare Mittelscheibe (zu dem Artikel „Neues vom Schaufenster“).

sich bemühen, bis zur weiteren Beratung im Plenum eine vollständig übersichtliche Stellungnahme der verbündeten Regierungen herbeizuführen. Der Antrag der Mehrheitsparteien wurde leider darauf zurückgezogen und in eine Resolution umgewandelt. In Verbindung damit beantragte der Abgeordnete Patzig eine zweite Resolution, die für alle Lehrlinge, Arbeitsburschen, jugendliche Arbeiter usw. den reichsgesetzlichen Zwang zum Besuch einer Fortbildungsschule verlangt. Beide Resolutionen wurden angenommen. Die Einführung des sogenannten „kleinen Befähigungsnachweises“ halten auch wir für durchführbar, und wir wollen hoffen, daß es nicht bei der gefaßten Resolution wieder sein Bewenden hat. Wenn für das Baufach die Einführung eines Befähigungsnachweises im öffentlichen Interesse liegt, so möchten wir dieses öffentliche Interesse auch für den sogenannten „kleinen“ Befähigungsnachweis reklamieren. Es liegt in der Tat im öffentlichen Interesse, daß der junge gewerbliche Nachwuchs durch kundige, tüchtige Meister seine Ausbildung erhält, wenn er dereinst imstande sein soll, gegen die Feinde, welche dem Handwerk drohen, anzukämpfen und sich im großen Konkurrenzkampfe zur Ehre und zum Segen seines Berufes durchzuschlagen. Wer nichts versteht, kann nur Unverständige bilden. Wer nichts gelernt hat, kann nicht lehren. Das sind Binsenwahrheiten. Aber wer das Gewerbeleben kennt, wird uns zugestehen, daß heute leider zu oft solche den Lehrherrn abgeben wollen, die selbst noch lernen müßten. Die Bönhasen und Pfuscher schicken wieder nur solche aus ihren Betrieben in die Welt hinaus. Hier kann also sehr wohl behufs einer Gesundung der Verhältnisse im gewerblichen Leben eingesetzt werden. Schwierigkeiten werden dadurch nicht erwachsen, daß nur dem Meister die Ausbildung der Lehrlinge vorbehalten bleibt. Das ist ein Vorrecht, welches sich leicht begründen läßt! P.

Eine Osterbetrachtung eines alten Goldschmiedemeisters.

Beim Eintritt ins vierte Lehrjahr muß der Lehrling soweit ausgebildet sein, daß er die einfacheren Arbeiten einer guten Goldschmiedewerkstätte mit ziemlicher Sicherheit anfertigen kann. Es muß sein Bestreben sein, die Anfertigung schwieriger, feinerer Artikel vorzunehmen. Der Lehrmeister ist mit Rat und Tat zur Hand. Er wird nachhelfen, wenn es einmal nicht so geht, wie es gehn soll. Der Lehrling übe sich in Brillant- und Diamantarbeiten, auch in besseren Herren- und Damen-Medaillons und sorge dabei für saubere Anlegung der Scharniere, eine Arbeit, welche alle Aufmerksamkeit beansprucht. Die Reparaturarbeiten müssen jetzt Selbständig ausgeführt werden können; das Gravieren und Fassen muß ebenfalls mit Hilfe des Meisters jetzt vorwärtsgehen. Nur

Courage, Courage und nochmals Courage und viel Beharrlichkeit muß der Goldschmied haben! Im vierten Lehrjahre hat der Lehrling ferner das Legieren der Metalle, das Schmelzen, das Reinigen der Feilung, das Färben, das Vergolden, das Versilbern, das Oxydieren usw. selbständig vorzunehmen und werden diese Arbeiten infolge der Hilfeleistungen bei denselben in den ersten Jahren keine großen Schwierigkeiten verursachen. Man lasse den Lehrling bei der Legierung des Metalles nicht nach einer Legierungstabelle arbeiten. Diese bringt ihm kein Verständnis, sondern man gebe ihm die Schrift „Das Legieren des Goldes und Silbers“ von Joh. Schöller sen., Goldschmied, Materborn bei Cleve, in die Hand; diese Schrift erklärt alles Nötige derartig, daß jeder Goldschmied ein volles Verständnis der Legierung erhält und frei, ohne jegliche Hilfe legieren kann. Es sei mir an dieser Stelle erlaubt, darauf aufmerksam zu machen, daß unsere Fachliteratur in den Werkstätten lange nicht die Verbreitung hat, die dieselbe verdient. Besonders sind es die Spezialschriften über einzelne Arbeiten, welche meist daselbst noch fehlen, ja, viele Goldschmiede wissen nicht einmal, daß es für manche Arbeit eine Spezialschrift gibt, trotzdem dieselben so nützlich, trotzdem unsere Zeit dieselben gebieterisch verlangt, um sichere und gute Arbeit schnell und exakt zu liefern. Ein Fehler ist ferner, daß unsere regelmäßig erscheinenden Fachzeitungen nicht genug beachtet werden. Mancher Goldschmiedemeister ist zwar Abonnent, aber nur ab und zu fällt es ihm ein, einen Blick in die Fachzeitung zu tun. Er läßt sich dazu keine Zeit; die Zeitungen liegen in einer stillen Ecke und ihr Inhalt kommt den Betreffenden nicht zugute. Der Unterricht im Zeichnen muß im vierten Jahre soweit gediehen sein, daß Schmuckwaren tadellos fachgemäß gezeichnet werden können. Auch der Unterricht in der Steinkunde und in der Buchführung ist nach Möglichkeit fortzusetzen. Sind nun in fleißiger, aufmerksamer und gut unterrichteter Weise vier Jahre bei dem Lehrling dahingegangen, dann kann derselbe sich einer Gehilfenprüfung unterwerfen und wird sie bestehen. Ein neuer Abschnitt des beruflichen Lebens beginnt. Der junge Gehilfe wird in den meisten Fällen gut tun, noch einige Zeit in der Werkstatt des Lehrmeisters zu arbeiten, um das Erlernte zu befestigen, nach kurzer Zeit hat er sich aber nach einer anderen Stellung in einem ähnlichen Geschäft umzusehen, und hat er eine Stellung gefunden, dann – getrosten Mutes diese anzutreten. Da der Gehilfe jetzt für die gute Ausführung der ihm anvertrauten Arbeiten größtenteils verantwortlich ist, so wird sein Wissen und Können in mannigfachster Weise erprobt werden. Aber Fleiß und sorgfältigste Beachtung alles dessen, was er gelernt hat, wird es ihm ermöglichen, gute Arbeiten zu liefern und sich dadurch die Zufriedenheit und die Achtung des Meisters wie seiner Fachgenossen zu erwerben. Nachdem der Gehilfe in der neuen Stellung erprobt und mit dem Erfolg seiner Arbeiten zufrieden ist, kann er ein Jahr darin aushalten und sich dann um eine Stellung in einem Fabrikgeschäft bemühen, damit er auch die fabrikmäßige Anfertigung der verschiedenen Schmuckwaren gründlich kennen lernt, denn wenn er auch in der Herstellung vieler Artikel bewandert ist, so hat er dennoch keine Gelegenheit gehabt, die schnelle und schnellste Anfertigung derselben zu betreiben. Am zweckmäßigsten nimmt der Gehilfe Stellung in einer größeren Fabrikstadt, da hat er am ersten Gelegenheit, seine Ausbildung in jeder Weise zu fördern. Nachdem der Gehilfe in einem Fabrikgeschäft in Arbeit getreten ist, muß es sein Bestreben sein, hier die Anfertigung der verschiedensten Artikel zu beachten und sich die dazu nötigen Fertigkeiten anzueignen, wozu es auch nötig sein wird, öfters die Stellung zu wechseln, um sich auf die einzelnen Artikel einzuarbeiten und die dazu nötigen Einrichtungen und Maschinen kennen zu lernen. Seine Aufgabe ist, viel lernen, wenn auch dadurch weniger Geld verdient wird. Eine spätere Zeit wird ihn entschädigen! Die Tätigkeit im Fabrikbetrieb muß zwei bis drei Jahre anhalten, und während dieser Zeit sollen noch die Übungen im Gravieren und Fassen fleißig betrieben werden. Es ist jede Gelegenheit zu benutzen, sich in diesen Fächern auszubilden. Der Unterricht im Zeichnen, Modellieren und in der Buchführung ist beizubehalten, auch muß die in den größeren Fabrikstädten gebotene Gelegenheit, durch den Besuch von Fach-, Kunst- oder Gewerbeschulen sein Wissen und Können zu bereichern, unbedingt ausgenutzt werden. Sind nun zwei bis drei Jahre in dieser Weise benutzt, so hat der Gehilfe sich die Frage zu stellen: „Was will, was kann ich werden?“ Er ist nun alt genug, er hat Erfahrung genug, um diese wichtigen Fragen selbst zu beantworten, er muß sich jetzt für Fabrik- oder Privatbetrieb ganz entscheiden. Hat der Gehilfe zu einer Spezialarbeit

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Montieren, im Gravieren, Fassen, oder in einem anderen Fache der Schmuckwarenfabrikation hervorragend tüchtig, so kann er sich in dem betreffenden Fache dem Fabrikbetriebe widmen und wird sich eine gute Existenz sichern können. Hat der Gehilfe die Absicht und Aussicht, ein Geschäft mittleren oder kleineren Umfanges zu gründen, so muß er zur Privatarbeit zurück, er muß wieder Stellung in einem Privatbetrieb einnehmen, um sich noch manches anzueignen, was zum tüchtigen Goldschmiedemeister nötig ist. Seine Ausbildung wird ihn befähigen, eine Stelle als erster Gehilfe zu beanspruchen und darin sein Können und Wissen zu betätigen und zu vervollkommnen.

Nach Eintritt in eine solche Stellung hat der Gehilfe seine Aufmerksamkeit nicht bloß auf die Arbeiten der Werkstatt zu richten, sondern er hat nach Möglichkeit den Gang und das Wesen des Verkaufsgeschäftes zu beobachten. Er hat sich im Umgange mit der Kundschaft zu üben, hat die Ladeneinrichtungen und das Warenlager in Betracht zu ziehen, die Schaufensterauslagen zu studieren, die Grundsätze, welche im Verkauf der selbstangefertigten Ware und der Fabrikware vorherrschend sind, zu erlernen, die Durchschnittspreise für Reparaturarbeiten einzuprägen, Einsicht in eine gute Buchführung zu nehmen und vieles andere noch sich anzueignen, was zur Leitung eines Goldwarengeschäfts gehört. Auch hat der Gehilfe jetzt die Fachzeitungen und Fachschriften, unsere „Deutsche Goldschmiedezeitung“, mit vergrößerter Aufmerksamkeit zu lesen. Ihr Inhalt wird für ihn immer mehr an Interesse gewinnen. Sie werden ihn über Arbeitsverhältnisse und Bezugsquellen aufklären, werden ihn über alle nützlichen Erfindungen und Verbesserungen Mitteilungen bringen, werden ihn durch Abbildungen schöner Goldschmiedearbeiten zur Vervollkommnung seiner Arbeiten anregen, und ihn mit den Forderungen der Zeit bekannt machen.

Eine solche allgemeine Ausbildung ist dem Gehilfen am besten zu ermöglichen, wenn er solche Stellungen zu erhalten sucht, wo er in Hause des Meisters Wohnung und Kost erhält. In einer solchen Stellung wird ihm am ersten dazu Gelegenheit geboten werden. Ein pflichttreues, freundliches und in jeder Weise anständiges Benehmen wird dazu beitragen, daß ihm in alle nötigen Arbeiten Einblick gewährt wird. Diese Arbeiten, welche mehrere Jahre in Anspruch nehmen können, und nicht zu früh durch Gründung eines eigenen Geschäftes abgebrochen werden sollen, fordern auch ab und zu einen Wechsel der Stellung. Dadurch werden dem Gehilfen die verschiedenen Verhältnisse und geschäftlichen Eigentümlichkeiten vor Augen geführt. Er wird dadurch in seinem Benehmen sicherer, er wird geschäftskundiger. Sind auf diese Weise in fleißiger und aufmerksamer Arbeit, unter Beachtung alles Zweckdienlichen, mehrere Jahre dahingegangen, dann muß der Gehilfe sich einer Meisterprüfung unterwerfen. Er wird sie in Ehren bestehen. Ein solcher Meister kann mit berechtigtem Stolze, mit freudiger Befriedigung auf seinen Werdegang zurückblicken. Es war eine schwere, harte Schule, in welcher nur durch andauernden Fleiß, gepaart mit Lust und Liebe, ein gutes Resultat zu erzielen ist.

Diejenigen Goldschmiedemeister, welche einen derartigen Lehrund Werdegang durchgemacht haben und ein Geschäft übernehmen oder gründen, besitzen in ihrer Arbeitskraft ein unschätzbares Kapital zur Sicherung ihrer Existenz. Ganz besonders im Mittelund Kleinbetrieb sind sie befähigt, durch musterhafte Arbeiten ihrer Werkstatt einen guten Ruf zu verschaffen und dadurch zur Hebung und Erweiterung ihres Geschäftes wesentlich beizutragen. Das schöne Kunsthandwerk der Goldschmiede hat noch einen goldenen Boden, nur muß es verstanden, muß es ausgeübt werden.

Diese Darlegung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit Sie soll nur annähernd den Wert der Schulung zeigen, welche die Ausbildung zum tüchtigen Goldschmiedemeister voraussetzt, welche für den Betrieb der mittleren und kleineren Goldwarengeschäfte in erster Linie notwendig ist.

besondere Veranlagung, ist er im Zeichnen, Musterentwerfen und Mit gut Borax! J. Sch.

Was berichten die Handelskammern über das Geschäft 1905?

1. Hanau. Das Geschäftsjahr 1905 brachte einen unverkennbaren Aufschwung. Es war ein hoher Beschäftigungsgrad zu konstatieren, verbunden mit einer nicht unwesentlichen Erhöhung der Löhne. Dieselbe wurde von den Fabrikanten freiwillig gewährt. Vom August ab folgten die Aufträge so rasch und mit so kurzen Lieferfristen, daß die Fabrikation kaum nachkommen konnte. Mangel an geschulten Arbeitern und Lehrlingen fühlbar, desgleichen der Übelstand der schleppenden Zahlungsweise und die Mißstände im Pfandleihwesen. Für die Fabrikation feiner Gold- und Juwelen waren blieb das Jahr anhaltend günstig, in Bijouterien mittelf einer Art war der Geschäftsgang ein lebhafter, namentlich im Frühjahr und Herbst, und auch die Produktion kur anter Artikel hatte guten Absatz zu verzeichnen. Die Herstellung goldener Ketten hat Zunahme erfahren, der Absatz war auch im Ausland gut, nur macht sich in Österreich die starke Konkurrenz der dortigen Goldketten-Industrie mehr und mehr geltend. In der Silber waren fabrikation hielt sich die Produktion annähernd auf der Höhe des Vorjahres. Im Großund Exporthandel mit Gold- und Silberwaren gestaltete sich der Absatz befriedigend. Eine Erhöhung der Verkaufspreise war allerdings nicht zu erzielen. Auch im Handel mit Edelsteinen war das Geschäftsjahr befriedigend. Die Diamantenschleiferei klagte über einen erheblichen Mangel an Arbeitern und Lehrlingen,

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desgleichen die Edelsteinschleiferei. Die Fabrikation von Etuis für Bijouterien und Uhren erfreute sich lebhaften Geschäftsganges. Die Platin-Industrie hat sich, was den Absatz betrifft, in normalen Bahnen bewegt. 2. Breslau. Die Folgen des ungünstigen Sommers 1904 beeinflußten die Kaufkraft des Publikums im Bezirk. Erst die günstige Ernte 1905 belebte sie wieder und schaffte ein gutes Weihnachtsgeschäft. Auf dem Diamantenmarkt fand eine beispiellose Steigerung der Preise statt. Auch die Preise für Perlen zogen dauernd an. Im Übrigen teilte sich diese ungünstige Konjunktur auch weiterhin dem Gebiete der farbigen Edelsteine mit, was sich besonders bei Saphieren fühlbar machte. Als Material für Steinfassungen der Brillanten wurde vorherrschend Platin, „das weiße Gold“, verwandt. Stark gekauft wurden die zart und vornehm wirkenden Anhänger und Broschen im Stile von Marie Antoinette, zierlich geschlungene Schleifen und Bänder, in Vebindung mit ebenso zarten Blatt-Festons und Kränzen. In Silberwaren wandte man sich dem Jugendstil ab und dem Empire zu. Liebhaber fanden auch die Silbergeräte in holländischem Geschmack, wie er in den ersten Jahrzehnten des verflossenen Jahrhunderts herrschte. Sie erinnern an die Prunkstücke aus dem urgroßmütterlichen Silberschatz. Was den Export anlangt, der im japanischen Krieg unvermindert fortbestand, so wurde er durch die inneren Wirren vollständig lahmgelegt.

Offener Sprechsaal.

Unter dieser Rubrik veröffentlichen wir Einsendungen von Abonnenten und Fachkollegen, die in sachlicher Weise auf Übelstände aufmerksam machen und zur Diskussion darüber auffordern. Wir bitten alle unsere Leser, von dieser Einrichtung recht häufig Gebrauch machen zu wollen, mit der Bemerkung, daß diese Einsendungen ohne unsere redaktionelle Verantwortung erscheinen.

Von einem Abonnenten aus Niederl. Ostindien erhalten wir folgende Zuschrift über den „Rubin-Rekonstitue“:

In der „Deutschen Goldschmiede-Zeitung“ las ich einen AufSatz von Herrn Fischer in Berlin über Rubin-Rekonstitue. Ich bin nämlich bereits seit längerer Zeit fleißiger Leser Ihrer beiden Zeitungen und durch Vermittlung einer hiesigen Buchhandlung Ihr Abonnent. Öfters schon wollte ich die eine oder andere Frage, die in Ihrer Zeitung angeregt wird, beantworten, aber meine Artikel würden meistens zu spät bei Ihnen anlangen*). Vor etwa 6 Monaten wurde in Paris ein Fabrikant von RubinRekonstitue hinter Schloß und Riegel gesetzt, weil er kleine echte Rubinchen auf einer rotierenden Scheibe erhitzte und aus der entstandenen Masse größere Rubinen verfertigte. Bisweilen ließ man die kleinen Steinchen auch in einem Gefäße schmelzen, was schließlich dasselbe ist. Ich erwähne dies nur, weil Herr Fischer von geschmolzener Tonerde spricht, Al, O, (übrigens die Formel für Korund Tonerde-Oxyd), was ein Irrtum ist. Früher hat wohl ein gewisser Herr Frémy Tonerde geschmolzen und mit Zusatz von Chrom für die Farbe ganz kleine Rubinkristalle gemacht, – aber das ist doch nicht das, was man heutzutage unter RubinRekonstitue versteht. Nun zur Sache: Der eingangs erwähnte Pariser Fabrikant schickte schon seit Jahren diese vergrößerten Rubine ungeschliffen nach Rangun in Birma, woselbst ein sehr reger Handel von rohen Rubinen besteht, welche aus der Irawadigegend kommen. Diese Kunstrubinen wurden da mit den Natursteinen gemischt und als echt verkauft. So kam es, daß der Käufer schließlich durchgängig unter den jeweiligen Partien ungefähr * Kunststeine und echte in die Hände gespielt bekam, ohne daß er es merkte, schon deshalb, weil man den ungeschliffenen Kunststein sehr schwer vom ungeschliffenen Naturstein unterscheiden kann. Schließlich wurde es aber entdeckt, unglücklicherweise aber erst nach einer sehr langen Zeit, so daß jetzt eine Unmasse von RubinenRekonstitue, und zwar geschliffen, im Handel sind. Die Fälschung wurde von einem Rubinschleifer entdeckt, denn der „Kunstrubin“ ist spröde und bricht sehr leicht. Das letztere ist mir auch

*) Der Bericht ist am 8. März aufgegeben und bei uns am 9. April angelangt.

wiederholt passiert. Im großen Ganzen ist aber doch gegenwärtig die Gefahr nicht mehr so groß, wie Herr Fischer meint, weil der Fachmann den Kunststein doch leicht vom echten unterscheiden, kann. Vielleicht trägt dieser Brief noch dazu das Seinige bei, um in weiteren Kreisen den Rubin-Rekonstitue unbeliebt zu machen. Bekannt ist übrigens, daß man auch unter Rubin-Rekonstitue bessere und schlechtere hat. In Kürze gebe ich Ihnen jetzt die Eigenschaften des echten und des Kunststeines an, natürlich nur für Leser, die es vielleicht noch nicht wissen. Mein Wissen stützt sich auf ein über dreißig Jahre langes Studium von Schmucksteinen. Ich bin in aller Herren Länder und Minen herumgekommen, bin von Beruf Juwelier und im Besitze von allen möglichen Instrumenten zum Untersuchen der Steine. Natürlich habe ich auch eine dichroskopische Lupe (von Herrn Haidinger, Wien). Ich habe dieselbe überall eingeführt. Ich will trotzdem nicht sagen, daß ich vollkommen bin, denn das ist man ja nie! Stets gibt es Neues, denn die Chemiker und Physiker sind stets an der Arbeit, Neues zu schaffen.

Der Naturrubin nimmt die neunte Nummer der Härteskala ein. Er muß also den Topas ritzen, welcher die achte Nummer einnimmt. Rubin hat eine ziemlich starke Lichtbrechung, und zwar nach den meisten Richtungen bricht er das Licht doppelt, nur in der hexakonalen Achsenrichtung nicht. Er zeigt darum, weil er doppelte Lichtbrechung hat, den sogenannten Dichroismus, und zwar hell und dunkelrot, das letztere etwas violett, das Violett zeigt der rote Topas nicht. Rubin wird dick und dünn geschliffen, je nachdem er heller oder dunkler gefärbt ist, d. h. gut piementierte sind dunkler. Diese werden etwas dünner geschliffen, wie die helleren Steine. Rubin erster Qualität muß stets durchsichtig sein, ein feuriges (nicht zu dunkles) Rot haben, kurz, er muß ohne den geringsten Fehler sein. Ist das nicht der Fall, dann ist auch der echte Rubin eben nicht sehr hoch zu schätzen (also die Gefahr für Rubin-Rekonstitue wird schon weniger). Beim gutgefärbten Steine sieht man Dichroismus schon mit bloßem Auge. – Aber jetzt kommt noch ein besonders wichtiges Merkmal. Der echte Rubin hat noch eine sehr vorzügliche Eigenschaft, welche kein einziger anderer roter Stein hat (roter Diamant ausgeschlossen), nämlich er behält seine feurige rote Farbe auch beim Kunstlicht (Kerzen- oder Lampenlicht). Alle übrigen roten Steine bekommen beim Kunstlicht einen gräulich-schwärzlichen Schatten. Der rote Rubin ist des Abends sogar noch schöner als bei Tage, und diese gute Eigenschaft hat der RubinRekonstitue nicht. Bei Tage schon kann man eine Probe nehmen, wenn man einen echten Rubin und einen Rubin-Rekonstitue nebeneinander legt und ein brennendes Zündhölzchen darüber hält, dann wird man ganz deutlich sehen, daß der echte noch feuriger wird und daß der Rubin-Rekonstitue einen schwärzlichen Schein bekommt (sog. Schatten) und nicht so feurig aussieht wie der echte. Hat man sich darin gut geübt, dann wird man den Unterschied auch schon ohne Zündholzlicht bemerken. Ein geübtes Kennerauge wird dies sofort sehen. Auch mit der Dichrolupe kann man beweisen, daß man Rubin-Rekonstitue unter Händen hat, und zwar an den blauen Streifen, wie Herr Fischer bereits erwähnte. Diese Streifen zeigt der echte Rubin nie. Außerdem ist der Dichroismus bei den echten Rubinen nach jeder Richtung hin gleich, während die Rubin-Rekonstitue, die ich besitze, von oben nach unten und umgekehrt schönen, in der Querdurchsicht dagegen keinen, und schräg gesehen nur ganz schwachen Dichroismus zeigen. Die Bläschen sieht man im Mikroskope. Die Ursache dieser hier aufgezählten Fehlerquellen ist darin zu suchen, daß eben der Rubin-Rekonstitue aus einer geschmolzenen Masse verfertigt wird und der Naturstein beim Entstehen viel dünnflüssiger war, weshalb natürlich die chemische atomielle Stoffverbindung des Kunststeins niemals so gut sein kann wie beim Naturstein. Übrigens sind physikalische Eigenschaften mit den optischen sehr verwandt. Kunststein hat kein solches

Molikülärnetz wie der echte. Daß dieses so ist, kommt daher, daß man bis jetzt noch keine Schmelztiegel hat, welche solche große Hitze ertragen können, so daß man die Rubinmasse nicht so dünnflüssig schmelzen kann, wie dies einstmals in der Natur geschah. War die Masse mehr oder weniger dünnflüssig, so erhielt man auch bessere oder schlechtere Sorten.

So lange dies noch zu den Unmöglichkeiten gehört, so lange ist noch stets ein großer Unterschied zwischen Natur- und Kunststein. Der Kunststein ist eben darum stets etwas trübe, spröde und niemals vollständig durchsichtig. Er ist sogar etwas leichter zu ritzen als der echte, auch dieses kommt von der fehlerhaften Verbindung. So lange man also keine dünnflüssigere Rubinmasse Schmelzen kann, ist die Gefahr des Nachahmens von Rubinen für den Handel so groß nicht, es wird auch noch gute Wege haben, bis man es mit der Fabrikation von Kunststeinen weiterbringt.

Es sind wohl eine große Masse Kunstrubine im Handel, man halte sich aber nur an die hier angegebenen Fehler, dann wird man mit kleiner Mühe sich vor Schaden schützen.

So, Herr Diebener, wollen Sie nun Obiges in besserem Deutsch in Ihre Zeitung setzen? Es ist mir – weil ich schon so lange (20 Jahre) im Ausland bin und weil ich zumal wenig schreibe – nicht möglich, einen kunstgerechten Aufsatz zu schreiben. Mit freundlichem Gruß

hochachtungsvoll Jul. Strutt,

techn. adviseur van den Gouvernements Pandhuisdienst.

Kleine Mitteilungen.

In der Silberwarenfabrik von Franz Bahner in Düsseldorf haben 38 Besteckarbeiter die Kündigung eingereicht. Dieselben haben, ohne irgend einen Grund anzugeben, oder irgend eine Forderung zu stellen, gekündigt und sind vergangenen Dienstag ausgetreten. Wie wir hören, weil 2 Arbeiter, die dem Metallarbeiterverbande angehören, aus triftigen Gründen entlassen worden sind. Die Leute haben einen Verdienst bis zu 7 Mk. pro Tag gehabt, sind gut behandelt worden und bezeichnet jeder Unparteiische, dieses Vorgehen als unerhörten Frevelmut. Die Herren belageren nun mit ihren Freunden die Wege zur Fabrik und suchen auf alle mögliche Weise die treuen und neuen Leute abzuhalten, wie die richtigen Wegelagerer. Dies ist eine Schmach für die gesamten deutsehen Goldund Silberarbeiter.

Der Dienst für die Punzierung der Edelmetalle in Rumänien wurde in der Generaldirektion der Zölle im Finanzministerium installiert. Alle für die Punzierung bestimmten Gold- und Silbergegenstände werden in dieses Amt geschickt werden. Zum Chef des Punzierungsamtes wurde der Ingenieur Jon Balbaren ernannt, als Chemiker-Verifikatoren fungieren die Herren T. Apostoliu, Radu Negru, N. Jrescu, M. Stoiceanu, Ropala und Valeanu. Im kurzen werden die Punzierungsämter auch bei den Zollämtern in Jassy und Craiova errichtet werden.

Ausstellung. Der Industrie-Verein in Tondern (SchleswigHolstein) beabsichtigt zum Herbst ds. Js. hier eine IndustrieAusstellung zu veranstalten.

Ausstellung. Die einer Tageszeitung entnommene Notiz der Ausstellung von Schüler arbeiten der Fachschule der Juwelier-, Gold- und Silberschmiede – Innung zu Berlin ist dahin zu ergänzen, daß der mit den 1. Preis ausgezeichnete Anhänger von Herrn Hans Gruhl, Berlin stammt.

Der für das 97. Inf.-Reg. in Saarburg als Geschenk angefertigte Schellenbaum enstammt der Instrumenten – Fabrik Max Enders in Mainz. Die Silberarbeiten wurden in Hanau angefertigt.

Personalien und Geschäftsnachrichten.

Auszeichnung. Die Goldschmiede – Innung zu Graudenz hat Herrn Juwelier Rosalowsky, der sein 50jähriges Meisterjubiläum begehen konnte, zu ihrem Ehrenmeister ernannt.

Jubiläen. Die Firma G. W. Voeltzkow jr. (Inh. F. Voeltzkow), Metallwaren-Fabrik, Berlin, Sebastianstr. 76 hat am 19. ds. Mts. ihr 50jähriges Jubiläum mit dem ganzen Personal in Grünau (Restaurant Stein) feierlich begangen. – Die bestbekannte Firma Hofjuwelier M. Kersth, Prag, Obstgasse, welche in London, Paris, Wien, Karlsbad und Manchester Niederlassungen hat, feierte

die 40jährige Wiederkehr des Tages der Eröffnung ihrer hiesigen Zentrale. Aus diesem Anlaß widmeten die jetzigen Inhaber, die in der Prager Gesellschaft beliebten Brüder Munory, dem Personale eine größere Geldspende und außerdem den drei ältesten Mitarbeitern, die schon durch mehrere Dezennien der Firma treue Dienste leisten, Ehrengeschenke. Firmen-Aenderung. In die Firma Hugo Wallmann, Bijouterieund Ringfabrik in Köln a. R., Waisenhausgasse 11, ist Herr Joseph Sorg als Teilhaber aufgenommen worden. Die Firma wurde demzufolge in Wallmann & Sorg umgeändert. Firmen-Eintragung. Zu der Firma Jacob Hirschheimer, Edelsteinhandlung in Pforzheim, wurde eingetragen: Der Kaufmann Jacob Hirschheimer Ehefrau, Sofie geb. Harburger, ist Prokura erteilt.

Geschäfts-Eröffnungen. Herr August Schreiner, Juwelier und Goldschmied, hat das im Konkurs befundene, seit 40 Jahren bestehende Teuffelsche Geschäft in Amberg käuflich erworben und bereits wieder eröffnet. – In Freiburg i. Br. eröffnete Herr Eugen Heinkele in den Räumen der früheren Firma Nopper & Co., Kaiserstr. 18 ein Bijouterie-, Gold- und Silberwaren-Geschäft. – Herr Edm und Waibel, Juwelier und Goldschmied eröffnete in Lahr (Baden) ein Uhren-, Gold- und Silberwaren-Geschäft. Filialen bestehen bereits in Badenweiler und St. Blasien.

Geschäfts-Verlegungen. Die Bijouterie-Fabrik Emil Hettler, Pforzheim verlegte am 23. ds. Mts. ihre Geschäftslokalitäten nach Bleichstr. 37. – Herr August Metzger, Goldwaren und Uhren, Saarbrücken verlegte sein Geschäft nach Eisenbahnstr. 46. – Infolge weiterer Ausdehnung des Geschäftes hat sich die Firma Fr. Curtze & Co., Fabrik feinster Lederwaren in Stuttgart entchlossen, Herrn Kaufmann Rudolf Wester als aktiven Teilhaber aufzunehmen. Das Geschäft wird in die größeren Räume, Alleestraße 28 verlegt und bleibt der Wortlaut der Firma unverändert.

Verschiedenes. Die Firma F. W. Quist, Metallwaren-Fabrik, Eßlingen (Württemberg) hat für die Ausstellung auf der Leipziger Messe schöne Ausstellungsräume am Neumarkt 291. gemietet.

Büchertisch.

Die moderne Gravierkunst, Geschichte und Technik des Gravierens, dargestellt von C. J. Stahl (A. Hartlebens Verlag, Wien und Leipzig) Eine sehr fleißige und gewissenhafte Arbeit, bei welcher der Verfasser ersichtlich aufs Ausgiebigste von Fachleuten beraten wurde. Die Kapitel über die Werkzeuge, über das Erlernen der Graviertechnik, über Schriftgravierung, Aetzen und dergl. sind besonders instruktiv gehalten. – Nicht ganz einwandfrei ist die Behandlung der kunsthistorischen und kunstgewerblichen Partien. Hier, wo der praktisch tätige Fachmann wenig oder gar keine Auskunft zu geben

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