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Eigene Anfertigung eines Chatons- oder CarmoisierungsRinges nach freier Wahl, Montieren einer Brosche, eines Colliers, Anhängers, Armbandes, Medaillons, Ohrschrauben resp. Ohrringe; Einfassungen von Semi-Emaille-Bildern oder Münzen, einzelne Montierungsstücke, kirchliche und profane Sachen, Geräte, Studien in Metall nach der Natur (Pflanzen etc.) Die Arbeiten brauchen nicht nach eigenen Entwürfen ausgeführt zu sein, vielmehr können fremde Zeichnungen benutzt werden, diese sind jedoch der eingesandten Arbeit beizufügen. Die Ausführung kann in Kupfer oder Messing, Gold und Silber, am besten aber in Silber erfolgen. Es werden nicht nur Arbeiten aus dem letzten Lehrjahr angenommen, sondern jedes Lehrjahr wird berücksichtigt. Es ist jedoch zu bemerken, in welchem Lehrjahr der Lehrling steht. Erwünscht ist es, daß als Konkurrenzarbeit von jedem Lehrling möglichst nur ein Stück, dieses aber so gut als möglich gefertigt wird, da es den Preisrichtern nicht auf die Zahl der eingesandten Arbeiten, sondern hauptsächlich auf deren gute Ausführung ankommt. Es ist auch nicht notwendig, daß diese Arbeit verkaufsmäßig hergestellt wird, vielmehr ist es richtiger und auch erwünschter, das Stück unpoliert oder auch ungefaßt, aber sauber verfeilt und geschabt einzuliefern, weil in diesem letztem Zustande die Goldschmiedearbeit am besten zu beurteilen ist. Es wird auch viel Gewicht darauf gelegt, daß die Stücke gut gelötet sind. Bei Arbeiten für Weißjuwelen sind die „à jours“ für die Steine gut zu fräsen und auf der Rückseite recht schön in Bogen auszufeilen. Bei Broschen ist der Nadelstiel einzustiften. Bei Medaillons sind die dazu gehörenden Glasränder mit Gläsern einzuliefern. Ferner wollen die Lehrherren darauf achten, daß ihre Lehr1i nge eine Arbeit wählen, welche auch dem Lehrjahre angemessen

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ist, bezw. dem Können des Lehrlings entspricht, damit nicht der eine zu schwierige, der andere zu leichte Arbeiten in Angriff

nimmt.

Einsendung der Arbeit
und Bescheinigung des Lehrherrn.

Der Arbeit wird ein verschlossenes Kuwert beigelegt, das mit einem Kennwort zu versehen ist. Die Arbeit, sowie die Einlage des Kuwerts hat das Kennwort ebenfalls zu tragen und die Bescheinigung des Meisters mit folgendem Wortlaut:

Der unterzeichnete Lehrmeister bescheinigt hiermit, daß der Lehrling .......... - - - - - - - - - - - - - - - - - - - geb. - - - - in............ - die eingesandte Konkurrenzarbeit mit dem Motto: im ... Jahre seiner Lehre

Ort: ..................... Datum: ............ - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Unterschrift des Lehrmeisters: .......... - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Unterschrift des Lehrlings:

Prämien und Diplome. Wir setzen für die besten Arbeiten Prämien aus und zwar als 1. Preis 3o M., als 2. Preis 2o M., als 3. Preis 1o M. Alle anderen Arbeiten erhalten Zensuren und jene, die mindestens das Prädikat „Gut“ verdienen, auch Diplome. Die Preise werden nicht in bar ausgezahlt, sondern der betreffende Lehrling erhält einen Bon, den er an Zahlungsstatt für zu kaufende Werkzeuge, Bücher etc. an den Lieferanten der Werkzeuge etc. einsenden kann.

Schluß für die Annahme der Arbeiten 3o. April 19o6.

Die richtige und sachgemäße Ausbildung der Lehrlinge und die bessere Ausbildung der Gehilfen zu fördern, ist ja das vorzüglichste Mittel, um unser Fach zu heben und wir wollen unser Möglichstes hierzu beitragen.

Wir ersuchen deshalb alle Meister, welche Lehrlinge beschäftigen, dieselben zur Beteiligung an unserer Prüfung anzuhalten und sehen recht zahlreichen Einsendungen entgegen.

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für den kunstgewerbl. Teil: Professor Rud. Rücklin, Leiter der Goldschmiedeschule Pforzheim

für den fachtechn. Teil: Goldschmied Paul Axthelm

für den Verlag: Wilhelm Diebener.

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Kleine Mitteilungen.

Eine Ausstellung von Schülerarbeiten verbunden mit einer Preisverteilung veranstaltete vor kurzem die Fachschule der Juwelier e-, Gold- und Silberschmiede – Innung zu Berlin. Die Ausstellung wurde mit einer Ansprache des Obermeisters Fischer eröffnet, der die Schüler zur eifrigen Arbeit, zu redlicher Führung und nie erschlaffendem Fleiß ermahnte, damit sie etwas Tüchtiges in ihrem schönen Kunsthandwerk zu leisten vermöchten. Nach einigen zündenden Worten des Juweliers Rudolf Menzel wurde die Ausstellung der Oeffentlichkeit übergeben. Mit dem Hauptpreis wurde ein überaus sorgfältig mit der Hand gearbeiteter, im Empirestil gehaltener Anhänger ausgezeichnet, den Otto Klingmü11er gefertigt. Weitere Auszeichnungen erhielten Gruhl, der bei der Firma Hoch beschäftigt ist; Giessel, beim Vater arbeitend; Gürke, bei Rudolf Menzel tätig, und andere mehr, deren Tüchtigkeit und Fleiß verdientermaßen auf diese Weise Anerkennung fanden.

Der Jahresbericht der Hanauer Handelskammer für 1905 konstatiert den außerordentlichen Fortschritt, dessen sich Gütererzeugung und Güterumsatz im Wirtschaftsjahre 1905 zu erfreuen hatten und bemerkt, daß diese Beobachtung auch für die Mehrzahl der im Bezirk der Handelskammer vorwiegend vertretenen Industrie- und Handelszweige zutrifft. Die Firmen der Goldwaren- und Juwelenbijouteriebranche, die chemischen Werke und die Wachs- und Gummiwarenfabriken berichten über eine bedeutende Umsatzsteigerung; die Edelmetallwarenfabriken (mit Ausnahme einiger Silberwarenfabriken) sowie ihre Hilfsindustrien, Holzhandel, Marmorsägerei, Steingutfabrikation, Kunstdruckerei und einzelne Zweige der Textilindustrie waren andauernd stark beschäftigt, so daß teilweise (Edelmetallwaren) gar nicht alle Aufträge ausgeführt werden konnten und sich in einzelnen Branchen ein empfindlicher Mangel an guten Arbeitskräften herausstellte, dies speziell in der Wachswaren- und Textilindustrie, der Kunstgießerei, Diamant- und Edelsteinschleiferei und in allen Zweigen der Bijouteriefabrikation.

Die Urgeschichte der Brosche. Die Geschichte der Brosche, dieses heute beliebtesten weiblichen Schmuckstückes, führt bis in die Urzeiten der Geschichte zurück. Schon in Gräbern der Bronzezeit finden sich Sicherheitsnadeln, sogenannte Fibeln, die sich allmählich durch reicheres Ornament zu Broschen entwickeln. So sehen wir z. B. im Pester Nationalmuseum eine Gewandnadel, die durchaus unserer Sicherheitsnadel entspricht; doch durch reichere Verzierung der Enden mit schön ornamentierten Platten entsteht allmählich ein schildartiger Schmuck, den wir Brosche benennen müssen. Die Nadel selbst aber ist wieder die künstliche Nachahmung und Nachbildung eines gewöhnlichen Dorns; den Dorn gebrauchen auch heute noch die Frauen Oberägyptens, um ihre Kleider festzustecken. Die Archäologie hat ja zu unserem Erstaunen es offenbart, daß die ägyptische Dame viele tausend Jahre vor Christi Geburt schon in den geheimnisvollen Zeiten prähistorischer Epochen in Toiletten und Allüren ihrer Schwester in unserem zwanzigsten Jahrhundert nicht unähnlich war. Sie trug nicht nur elegante Röcke und Korsagen, nein, sie schmückte sich mit Armbändern, Halsketten und Ohrringen, wie die Frau von heute. Und da sie von diesen ihren Kostbarkeiten sich auch im Tode nicht trennte und sie mit ins Grab nahm, sind uns in ägyptischen Mumien für alle Fragen nach ältesten Toilettegegenständen wundervolle Dokumente zur Aufklärung dargeboten. So sind denn auch Spangen, Nadeln und Broschen aufgefunden worden. Die frühesten Nadeln sind wohl aus Knochen gemacht worden, doch sind auch schon Nadeln aus Kupfer und Bronze in den Gräbern sehr früher Epochen ausgegraben worden. Bei allen primitiven Völkern scheint die Entwicklung von Dorn über die Nadel zur Sicherheitsnadel und Brosche früh fortgeschritten zu sein, denn in skandinavischen, keltischen, schottischen, ungarischen Gräbern hat man bereits broschenartige Nadeln gefunden, die eine außerordentliche Schönheit des Ornaments, eine prachtvolle Behandlung des Materials und eine strenge Einfachheit der Form zeigen, wie wir sie heute bei der Brosche meistens nicht mehr finden. Auch betonen sie immer stark das Prinzip der Nadel, die zusammenhalten soll, und bestanden gewöhnlich aus zwei symmetrischen Teilen, so daß in der Brosche sich zwei Gewandstücke symbolisch vereinigten und verbanden. Es hatte die Spange auch in aller primitiven Kleidung eine viel wichtigere Bedeutung als bei uns, denn damals trug man ja keine genähten Kleider, die nach festem Schnitt zusammengehalten werden, sondern die frei fallenden Stoffmassen des antiken Gewandes wurden nur hier und da durch eine Spange gerafft und gebändigt. Die Brosche ist ja heute völlig zum Schmuck geworden, sie hat ihren Beruf als Nadel, als zwei Gewandteile verbindenden Gegenstand vergessen und glänzt nun in Diamanten und kostbaren Fassungen, sie wird jetzt auch nur von Frauen getragen, lange Zeit aber war sie auch Männern ein unentbehrliches Toilettenstück.

Australischer Bund. Das Handels- und Zolldepartement des Australischen Bund es hat folgende Zolltarif-Entscheidung getroffen: Goldene oder silberne Kettentäschchen mit Kettengriff, als Säcke, Körbe usw. fallen unter Tarif Nr. 130 und zahlen 20 Prozent vom Wert Einfuhrzoll.

Eintragungen in Arbeitsbücher. Ueber die Führung der Arbeitsbücher bestimmt der § 111 der Gewerbeordnung, daß der Arbeitgeber bei dem Eintritt des gewerblichen Arbeiters in das Arbeitsverhältnis die Zeit des Eintritts und die Art der Beschäftigung, am Ende des Arbeitsverhältnisses die Zeit des Austritts und, wenn die Beschäftigung Aenderungen erfahren, die Art der letzten Beschäftigung einzutragen hat. Die Eintragungen sind mit Tinte zu bewirken und von dem Arbeitgeber oder dem dazu bevollmächtigten Betriebsleiter zu unterzeichnen. Ein Arbeitgeber hatte in mehreren Arbeitsbüchern seiner Arbeiter die Unterzeichnung nicht handschriftlich, sondern mittels eines Stempels vollzogen. Das Kammergericht hat in Uebereinstimmung mit den Vorinstanzen ausgesprochen, daß ein Stempel nicht ausreiche und daß deshalb eine strafbare Uebertretung gemäß den Strafbestimmungen der Gewerbeordnung vorliege, denn den Ausdruck „unterzeichnen“ verwende der Sprachgebrauch des täglichen Lebens nur da, wo geschrieben werde. Und wenn, wie bezüglich der Arbeitsbücher geschehen, das Gesetz gerade auf die Person des Unterzeichnenden Gewicht lege, dann müsse geschrieben werden, damit an den Schriftzügen erkannt werden könne, wer die Beurkundung vorgenommen habe. Dies sei bei einer Unterstempelung nicht möglich.

Lehrvertrag. Der die gewerblichen Lehrlings verhältnisse regelnde Teil der Gewerbeordnung bestimmt bekanntlich, daß der Lehrvertrag binnen vier Wochen nach Beginn der Lehre schriftlich abzuschließen, von dem Gewerbetreibenden, dem Lehrling und dessen gesetzlichen Vertreter zu unterzeichnen und in einem Exemplar dem letzteren auszuhändigen ist. Die Verabsäumung der Schriftform macht zwar den Lehrvertrag nicht ungültig; dieser Mangel hat indes für beide Teile den Verlust des Entschädigungsanspruches bei vorzeitiger Beendigung des Lehrverhältnisses und für den Lehrherrn außerdem Strafbarkeit gemäß § 150 der Gewerbeordnung und den Verlust des Anspruchs auf polizeiliche Zurückführung des entlaufenen Lehrlings zur Folge. Es ist nun vielfach die Ansicht verbreitet, daß mit dem Ablauf der vierwöchentlichen Frist die Verpflichtung zum Abschlusse des Lehrvertrages aufgehört habe und die Nichtbefolgung der betreffenden Bestimmung der Gewerbeordnung von da ab straflos bleibe. Diese Ansicht ist irrig. Durch die Festsetzung der Frist von vier Wochen schränkt das Gesetz nicht die Dauer der Verpflichtung in der Art ein, daß sie mit dem Ablauf der Frist endigte, sondern es läßt dem Lehrherrn nur eine gewisse Zeit zur Nachholung des Versäumten und gewährt ihm Straffreiheit für den Fall, daß bis zum Ablauf der Frist das Versäumte nachgeholt wird. Die Verpflichtung zum schriftlichen Abschlusse des Lehrverhältnisses besteht so lange, als die Lehre dauert, und erst mit dem Tage der Beendigung des Lehrverhältnisses beginnt die dreimonatige Strafverjährung der Uebertretung zu laufen.

Zusammentreffen der Invalidenrente mit Unfallrente. Invalidenrente erhält derjenige Versicherte, dessen Erwerbsunfähigkeit dauernd auf weniger als ein Drittel herabgesetzt ist. Ist die Erwerbsunfähigkeit durch einen Unfall herbeigeführt, so begründet sie einen Anspruch auf Invalidenrente nur insoweit, als die zu gewährende Invalidenrente die Unfallrente übersteigt. Die Anwendung dieser Bestimmung hat nach der Rechtsprechung des Reichsversicherungsamts zur Voraussetzung, daß der Unfall die völlige Erwerbsunfähigkeit im Sinne des Invalidenversicherungsgesetzes, also mindestens zwei Drittel derselben, verursacht hat. Ist dies nicht der Fall, haben vielmehr noch andere Umstände zur Erreichung des für die Gewährung der Invalidenrente erforderlichen Grades der Erwerbsminderung wesentlich mitgewirkt, so ist auf Antrag die volle Invalidenrente zu gewähren und darf dann auch die Unfallrente nicht gekürzt werden. Die Rentengewährung tritt auch dann ein, wenn die Unfallfolgen in dem Grade nachgelassen haben, daß die durch sie herbeigeführte Erwerbsunfähigkeit sich auf weniger als zwei Drittel vermindert hat. Indes ist zu berücksichtigen, daß Unfall- und Invalidenrente zusammen den 7,fachen Grundbetrag der letzteren nicht übersteigen dürfen. Die Grundbeträge sind der Höhe der Lohnklasse entsprechend festgesetzt und zwar auf 60–100 Mk. Abgesehen von dieser Beschränkung ergibt sich hiernach, daß die Invalidenrente, sofern die übrigen Voraussetzungen für ihre Gewährung vorliegen, nur dann wegen der Unfallrente versagt oder entzogen werden darf, wenn diese mindestens 66°„% beträgt oder wenn die Berufsgenossenschaft an Stelle der Rente Krankenhauspflege gewährt, da letztere als der Vollrente gleichwertig angesehen wird. Einen erfreulichen Erfolg und eine wertvolle Anerkennung und Wertschätzung hat Pforzheims Kunst-Industrie erfahren. Wie wir zuverlässig hören, ist die Herstellung des Silberschatzes, den die badischen Städte ihrem Großherzogs-Paar anläßlich der Jubiläums-Festlichkeiten im Herbste verehren und der nach Entwürfen und unter Leitung des Herrn Kunstgewerbeschul-Direktors Hoffacker in Karlsruhe ausgeführt werden soll, der hiesigen Silber waren – Fabrik Lutz & Weiß in Gemeinschaft mit Herrn Hof-Juwelier Trübner in Karlsruhe übertragen worden. Die ehrenvolle Auszeichnung des hiesigen Platzes wird allenthalben mit Freude begrüßt werden.

Zur Frage des Abendmahlskelches. Das Genfer Konsistorium befaßte sich in erster Beratung mit der Frage des gemeinsamen Abendmahlkelches. Von den angefragten 21 Gemeinden sprachen sich acht für den gemeinsamen Kelch aus, acht für das neu vorgeschlagene System, wo jeder Kommunikant den Wein aus einem besonderen Trinkgefäß genösse; fünf weitere Gemeinden neigen einem Versuch mit der Neuerung zu. Der endgültige Beschluß dürfte dahin lauten, daß die Wahl der Art der Kommunion in das Belieben der Gemeinden gestellt wird, daß aber der gemeinsame Kelch als Regel gilt.

Personalien und Geschäftsnachrichten.

Auszeichnung. Ihre Majestät die Königin-Witwe von Sachsen hat geruht, dem Juwelier und Goldarbeiter C. Altenloh in Brüssel (Belgien) das Prädikat „Hoflieferant“ zu verleihen.

Jubiläen. Am 14. d. M. beging der Goldschmiedemeister Herr Hermann Dörbandt in Berlin, Köpenicker Straße 69, mit seiner Ehefrau, Friederike geb. Benckert, das Fest des 40jährigen Ehejubiläums, gleichzeitig die 40jährige Begründung seines Geschäfts in der Köpenicker Straße und das 50jährige Jubiläum als Goldschmied.

Firmen-Eintragung. Die Firma Richter, Mü11er & Buschman n in Zschopau ist eingetragen worden. Gesellschafter sind der Graveur Franz Josef Richter, der Graveur Carl Müller und der Kaufmann Paul Richard Buschmann, sämtlich in Zschopau. Die Gesellschaft ist am 1. April 1906 errichtet worden. Angegebener Geschäftszweig: Anfertigung und Verkauf von Metallknöpfen und Bijouteriewaren.

Firmen-Aenderung. Die Firma Bohnenberger, Böhmler & Cie., Uhrkettenfabrik in Pforzheim, wurde in Bohnenberger & Böhm l er geändert.

Geschäfts-Eröffnung: Die Herren Aug. Stahl und Gottl.

Breitling in Pforzheim eröffneten daselbst eine Etuis- und Kofferfabrik. Beide Herren waren langjährige Mitarbeiter in der Kofferfabrik Haug.

Geschäfts-Verlegungen. Die Fabrik für Sport- und Vereinsabzeichen W. Boerger, Berlin SO., Adalbertstr. 51, Gravier-, Emaillier- und Präge- Anstalt, hat ihren Betrieb vergrößert und demzufolge die elektrisch betriebene Fabrik nach Adalbertstr. 42 verlegt. Kontor und Musterlager bleiben Adalbertstr. 51. – Die Bijouterie-Fabrik Gerwig & Bertsch in Pforzheim ist durch die erfreuliche Ausdehnung ihres Geschäftes gezwungen gewesen, ihre Fabrik nach den bedeutend größeren Räumlichkeiten Weiherstraße 27 zu verlegen; ebenso haben dieselben die maschinelle Einrichtung des Betriebes bedeutend vergrößert. – Das seit dem Jahre 1877 bestehende Juwelen-, Gold- und Silberwaren-Geschäft des Kammerjuweliers Herrn Eduard Riemer in Prag übersiedelte vom Graben 35 ins Nebenhaus Graben 33. Das neue, mit vielem Geschmack ausgestattete Geschäftslokal präsentiert sich äußerst vorteilhaft.

Todesfälle. Herr A. Well, Chef der Firma C. Well, Silber

warenfabrik in Berlin ist gestorben. – In Zittau starb infolge Herzschlag der Goldschmied Herr Gustav Otto Schröter. – In Posen starb am 9. ds. Mts. nach langem schweren Leiden der Goldschmiedemeister und Juwelier Herr Anton Stark.

Verschiedenes. Die A.-G. Rodi & Wie nenberger in Pforzheim beschloß in ihrer außerordentlichen Generalversammlung die Erhöhung ihres Aktienkapitals von 500000 auf 800000 Mk.

Aus Innungen und Vereinen.

Freie Vereinigung der Gold- und Silberschmiede zu Görlitz. Sitzung am 4. April 1906. Der Vorsitzende Kollege Finster eröffnete die Versammlung unter Bekanntgabe der Tagesordnung. Auf die heute Satzungsgemäß stattzufindenden Vorstandswahlen wird noch besonders hingewiesen. Aus Gesundheitsrücksichten hat unser langbewährter Kassierer sein Amt niedergelegt. Der Vorsitzende spricht sein Bedauern aus, baldige Besserung dem Erkrankten wünschend. Im Anschluß wird dem scheidenden Vorstandsmitglied Dank für die

treue Pflichterfüllung zu teil. Ein schriftlich eingegangener Antrag wird, da zu spät eingereicht, zurückgestellt bis zur Oktoberversammlung. Zur Vorstandswahl erklärt der bisherige Vorsitzende sein Amt nicht mehr annehmen zu können, wenn er von Seiten der Mitglieder nicht auf eine regere Unterstützung rechnen darf. Als Vorsitzender wird Kollege Finster, als Schriftführer Kollege Scholze, als Kassierer Kollege Freitel gewählt. Die Herren nehmen die Wahl mit Dank an. Der Jahresbericht sowie die Kassenberichte kommen zur Verlesung und wird der Vorstand entlastet. Der Vorsitzende spricht dem Berichterstatter Dank aus. Die Kasse besteht aus 73,44 Mk. Barbestand, 100,12 Mk. Sparkassenbestand; Reinvermögen 173,56 Mk. Die Kasse wird geprüft und in Ordnung gefunden. Einer Anregung, im Sommer eine Herrenpartie auszuführen und dem Vorstand das Weitere zu überlassen, wurde freudig zugestimmt. Aus dem Protokolle der Verb-Vorstands-Sitzungen kommen einige Sachen zur Vorlesung. Über die Gehilfenprüfungen erstattet Kollege Finster Bericht. Es sind 4 Ausgelernte geprüft worden, das Resultat war bei dreien „Gut“, bei einem „Genügend“ ausgefallen. Des weiteren spricht er sich lobend aus über die Prüflinge, nicht nur die Arbeiten wären sehr exakt ausgefallen, auch im Mündlichen habe man den Anforderungen entsprochen. Zu dem Antrage, welcher heute nicht zur Abstimmung gelangt, spricht Kollege Scholze und erwähnt noch einiges, was in Frage zu ziehen sei. Der Vorsitzende erklärt sich nicht einverstanden und bittet, heute auf eine Debatte nicht einzugehen. Das „Rabattmarkensystem“ kommt ebenfalls zur Besprechung, ein Beschluß soll einer späteren Versammlung überlassen bleiben. Zum Schluß ruft der Vorsitzende „Frohes Wiedersehen nach der Sommerpause“ der Versammlung zu. (Die nächste Zusammenkunft der Görlitzer Goldschmiede findet nach Bedarf, eventl. am 3. Oktober d. J. statt.)

Von Kunstgewerbeschulen.

Bekanntlich ist vom 1. Mai d. J. ab die seitherige GoldschmiedeAbteilung der Gewerbeschule als selbständige Goldschmiedeschule Pforzheim unter einem eigenen Vorstand organisiert. Soeben ist der erste Ä dieser Schule im Druck erschienen. Er zeigt, daß sie im letzten Jahre von 694 Vollschülern und 322 Zeichenschülern (Gästen), zusammen also 1016 Schülern, besucht war. Auf die einzelnen Spezialberufe verteilen sich die Schüler wie folgt: Gold- und Silberschmiede 703, Fasser und Graveure 295, Ziseleure 4, Emailmaler und Emailleure 14. Der

Lehrkörper besteht aus den Herren: Rücklin, Rudolf, Professor,

Vorstand; Viall, Christian, Gewerbelehrer; Gaum, Wilhelm, Gewerbelehrer; Geißler, Joseph, Gewerbelehrer; Kamm, Georg, Zeichenlehrer; Rapp, Fritz, Reallehrer; Thoma, Karl, Zeichenlehrer; Pfeifer, Paul, Zeichenlehramtskandidat; Karcher, Karl, Bildhauer und Hilfslehrer; Bastanier, Georg, Emailmaler und Hilfslehrer. Als Hilfslehrer wirken mit die Volksschulhauptlehrer H. Gramlich, A. Popp, G. Sexauer, K. Späth, F. Scheuermann und F. Welper. Durch Entgegenkommen der Stadtverwaltung wurde es ermöglicht, probeweise einen Unterricht im Metalltreiben einzuführen. Derselbe wird von Bildhauer und Hilfslehrer K. Karchner erteilt. Die neu eingeführten freiwilligen Zeichenkurse erfreuten sich eines starken Besuches (143 Schüler). Die Emailmaler wurden versuchsweise zu einer eigenen Abteilung (11 Schüler) vereinigt. Den Unterricht im Malen und Zeichnen erhalten sie von Ennailmaler und Hilfslehrer G. Bastanier. Die Lehrer der Anstalt sind auch außerhalb tätig, durch Vorträge usw., und vom Gewerbelehrer Geißler wurde z. B. im August hier ein Gewerbeverein gegründet.

Schützt Eure Läden vor Einbruchsdiebstahl!

Einen raffinierten Goldwarendiebstahl versuchten vor kurzem im Geschäft des Juweliers Bolthausen in M.-Gladbach zwei junge Mädchen, die ihren Beruf als Arbeiterinnen in einer hiesigen Fabrik anscheinend mit dem bequemeren Leben als Hochstaplerinnen zu vertauschen wünschten. Mit einem Barvermögen von 10 Pf. betraten sie zwischen 7 und 8 Uhr das genannte Geschäft, in dem sich nur die Verkäuferin befand, von der sie einige Ringe zur Auswahl verlangten. Schon hatte man ihnen die kostbaren Schätze dreier Kasten vorgelegt, als sie das Verlangen äußerten, einige im Schaufenster ausliegende Ringe anzusehen. Die Zeit, in der die Verkäuferin die gewünschten Ringe herbeischaffte, nützten die beiden Fabrikmädchen aus, um vier Ringe im Werte von etwa 70 Mk. in den Aermeln ihrer Kleider verschwinden zu lassen. Von der Verkäuferin wurde indessen das plötzliche Verschwinden der Schmucksachen sofort bemerkt, und aus diesem Grunde der Geschäftsinhaber herbeigerufen, der den beiden hoffnungsvollen Dämchen sogleich die nähere Bekanntschaft mit der Polizei vermittelte.

Rechtsrat, Rechtsschutz für den Goldschmied. Wichtige gerichtliche Entscheidungen.

Dürfen die an Sonn- und Festtagen beim Ladenschluß im Laden schon anwesenden Kunden noch bedient werden? Diese Frage hat das Reichsgericht im Urteil vom 29. Juni 1905 verneint. Der der Entscheidung zugrunde liegende Fall war folgender: Ein Kaufmann hatte an den drei letzten Sonntagen vor Weihnachten nach Ladenschluß den Geschäftsbetrieb innerhalb des geschlossenen Ladens 1–12 Stunden fortgesetzt und auch seine Gehilfen und Lehrlinge so lange beschäftigt. In dem deswegen gegen ihn eröffneten Strafverfahren machte er geltend, daß er hierzu nach § 139e der Gewerbeordnung berechtigt gewesen sei, da es sich um die Bedienung der beim Ladenschlusse schon vorhandenen Kunden gehandelt, auch die Fortsetzung des Gewerbebetriebes sich im verschlossenen Laden, also nicht in einer offenen Verkaufsstelle vollzogen habe. Das Reichsgericht ist dieser Auffassung nicht beigetreten: Der § 139e der Gewerbeordnung bestimmt zwar, daß die beim Ladenschluß im Laden schon anwesenden Kunden noch bedient werden dürfen, indes beziehe sich diese Vorschrift nur auf den Ladenschluß an den Werktagen. Die Verkaufszeit an Sonn- und Festtagen sei besonders durch den § 105b geregelt. Danach sei die Beschäftigung des handelsgewerblichen Hilfspersonals an den Sonn- und Festtagen nur an bestimmten, von der Polizeibehörde festgesetzten Stunden zulässig. Diese Beschäftigungszeit sei einer Verlängerung nicht fähig, insbesondere sei eine Bedienung der zur Zeit des Ladenschlusses schon vorvorhandenen Kunden durch das Gehilfenpersonal und auch durch den Ladeninhaber selbst nicht zugelassen. Der § 105b bestimme die Beschäftigungsdauer des Hilfspersonals an Sonntagen innerhalb des gesamten Handelsgewerbes. Wollte man für offene Verkaufsstellen zulassen, daß die bereits vor dem Ladenschluß begonnenen Geschäfte noch abgewickelt werden dürften, so würden die in solchen offenen Verkaufsstellen beschäftigten Gehilfen und Lehrlinge im Vergleich zu dem übrigen handelsgewerblichen Hilfs

personal schlechter gestellt sein in bezug auf die Höchstarbeits

dauer. Dies würde aber weder nach dem Wortlaut noch nach der Tendenz der in Frage stehenden Rechtsnorm gerechtfertigt sein. – Die Bedienung der zur Zeit des sonntäglichen Ladenschlusses noch vorhandenen Kundschaft sei bei dem Mangel einer ausdrücklichen gegenteiligen Vorschrift unter allen Umständen verboten, also auch dann, wenn der Geschäftsbetrieb sich im geschlossenen Laden fortsetze. Denn es handele sich nicht darum, wie lange der Laden offengehalten werden dürfe, sondern um die Dauer der BeÄ der Gehilfen und um die Dauer des Geschäftsbetriebes. In beider Beziehung sei aber eine Verlängerung nicht zulässig. – Diese Entscheidung hat, wie noch hervorgehoben werden soll, nicht nur für die eigentlichen Kaufleute, sondern für alle Inhaber offener Verkaufsstellen Interesse. Als solche gelten auch die Handwerksläden.

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Frage 565. Ich bitte um gefl. Angabe einiger Firmen, welche Rosenkranzschnüre fabrizieren? J. Sch. in P.

Frage 567. . Wer liefert gute, augenblicklich gangbare Artikel irgend welcher Art, besonders Bijouterie-Artike (Gablonzer ausgeschlossen) im Preise von 15–24 Mk. p. Groß? Offerte mit Muster erbeten. K.

Frage 568. Wie verhindert man das Braun- und SchwarzWer den unechter Bijouterie- und Metallgegenstände in wirksamer Weise? Das sogen. Zaponieren hat sich nicht immer zweckdienlich erwiesen. P. H. in B.

- - Frage 5. 9. Wer erzeugt oder von wo bezieht man die SpazierStöcke mit imitierten Silbergriffen mit der Marke Nike1-Sis ver? Dieselben sind schön gearbeitet. A. P. in D.

Frage 570. Wer ist der Fabrikant, der Reklame - Ehering-Ständer, wo die imitierten Trauringe so arrangiert sind, daß dieselben einen Turm bilden? Das Ganze in unecht und vergoldet. F. O. in M. Frage 571. Wer fabriziert Siegelstangenhalter in Silber mit Pfanne und Spirituslampe? R. F. in P. u. L. Frage 572. Wer liefert bei größeren Bezügen Mechanik für Brust- und Manschettenknöpfe, doppelarmig, also mit zwei Klappen, in Silber "ooo? K. G S. in P. Frage 573. Wer liefert Stahlbürsten, federhart, für Silberfabrikation passend? S. in P. Antworten: Zu Frage 552 Maschinen zur Anfertigung von Brissuren liefert: Rich. Wittlinger, Ingenieur, Stuttgart, Gutenbergstr. 81. Zu Frage 560. Billige hübsche Photographie-Rahmen liefert: Gottfr. Rupp jr., Pforzheim, Gymnasiumstr. 72. Zu Frage, 566. „Slave bangles“ fertigen billigst: Gebrüder Stein, G. m. b. H., Metallwarenfabrik, Oberstein.

Nachdruck aus dem Inhalt vorliegender Zeitung ist nur mit Erlaubnis der Redaktion und unter genauer Quellenangabe gestattet.

Nr. 16

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Unter den vielen Vorschlägen, welche zur Wahrung und Förderung der Interessen des Kleinhandels gemacht werden, ist es die Frage eines

Kommunalen Warenhauses,

welche noch immer die Geister erregt. Wir haben schon seiner Zeit erklärt, daß wir nach dem Zusammenbruch des gemeinsamen Geschäftshauses der Detaillisten in Hagen nur noch wenig an den Segen kommunaler Warenhäuser glauben können, und die Rolle des ungläubigen Thomas spielen wir auch heute noch weiter, trotz aller Stimmungsmacher für diese Warenhäuser. Es ist ganz richtig, daß die Warenhaussteuer nicht viel gefruchtet hat und die Hoffnungen, welche optimistische Leute an dieses Heilmittel knüpften, haben sich nicht erfüllt. Da hat nun Prof. G. Schanz in der „Sozialen Praxis“ als neues Heilmittel die Schaffung von kommunalen Warenhäusern vorgeschlagen und zwar in folgender Weise: Die Stadt errichtet das Gebäude, stattet vielleicht auch das Innere aus, stellt die nötigsten Beamten an und verpachtet auf dem Submissionswege, gegen Stellung einer Kaution die einzelnen Abteilungen. Die Kleingewerbetreibenden und Handeltreibenden in Berlin haben sich für diese Idee ausgesprochen und aus dem Kreise unserer Abonnenten wurde unsere Redaktion über ihre Meinung bezüglich dieses Heilmittels befragt. Wir stehen nun, wie gesagt, noch immer auf dem Standpunkte, daß diese kommunalen Warenhäuser eine Utopie sind. Gerade dort, wo sie ihre heilsame Wirkung ausüben sollen, in den großen Städten, wo die Warenhäuser üppig emporwuchern, wird ihre Wirkung ausbleiben. Wie wollte man dem gewaltigen Andrang gerecht werden? Der Höchstbietende würde die Abteilungen mieten. Es wäre also wieder eine Einrichtung zugunsten der Kapitalkräftigen. Auch müßten doch, wenn die Insassen gleichmäßig reüssieren wollten, von ihnen gleiche Preise gehalten werden, und dahin wird es nie kommen. Aber es werden auch diejenigen, welche nicht in dem KommunalHandelshaus Platz finden, billigere Preise ansetzen, um jenen die Kunden wegzufangen. So werden sich der Durchführung der Idee zahlreiche Hürden in den Weg stellen, über die nicht so leicht voltigiert werden kann.

Ein anderes Mittel, dem Kleinhandel zu nützen, ist dagegen die Bildung von besonderen

Kammern für den Kleinhandel,

wie sie bereits in Hamburg und Bremen bestehen. Die Kammer für den Kleinhandel in Bremen ist erst kürzlich ins Leben gerufen worden. Unserer Redaktion ging das „Gesetz betreffend die Kammer für Kleinhandel in Bremen“ zu und es verlohnt sich wohl, auf einige Hauptbestimmungen desselben hier hinzuweisen. Die Mitglieder der Kammer werden erwählt von denjenigen Personen männlichen Geschlechts, die das Wahlrecht zur Bürgerschaft besitzen und denjenigen mindestens 25 Jahre alten Personen weiblichen Geschlechts, die seit mindestens 2 Jahren Staatsangehörige Bremens sind und ein Kleinhandelsgeschäft oder Gast- und Schankwirtschaft seit mindestens einem Jahre betreiben. Außerdem den Angehörigen bestimmter Geschäftszweige, zu denen in Gruppe 11 auch die Gold- und Silberwaren-, Juwelen- und UhrenGeschäfte gehören. Die Kammer besteht aus 18 Mitgliedern. Wählbar ist jeder Wahlberechtigte, jedoch nur männlichen Ge

schlechtes. Die Mitglieder der Kammer werden auf 6 Jahre gewählt. Der in § 4–9 bestimmte Wahlmodus interessiert uns hier nicht. Die der Kammer für Kleinhandel zunächst vorgesetzte Behörde ist die Handelskommission des Senates, bei der sie ihre Berichte, Wünsche und Gutachten einzureichen hat. Die Kammer ist nach § 13 berufen, auf alles, was zu ihrem gesetzlichen Wirkungskreise gehört und den von ihr vertretenen Berufskreisen dienlich sein kann, ihr Augenmerk zu richten. Sie kann auch zu ihren Beratungen Sachverständige beliebig zuziehen. Man hat der Bildung dieser Kleinhandelskammern entgegengehalten, daß doch die bestehenden Handelskammern schon die Interessen des gesamten Handels, also auch des Kleinhandels, zu vertreten hätten, und es liegt darin sicherlich etwas Wahres. Aber bei den wachsenden Aufgaben der Handelskammern für den deutschen Großhandel und dessen Ausbreitung, bei den immer intensiver werdenden Exportarbeiten derselben, darf es nicht Wunder nehmen, daß das Interesse doch für die Leiden und Freuden der mittleren und kleineren Geschäftsleute nicht so warm ist, als zu wünschen wäre, und wir sind der Überzeugung, daß die Handelskammern zu Hamburg und Bremen gar nichts mehr gegen die Bildung dieser Nebenkammern über kurz oder lang einwenden

werden. Die Detaillistenkammer in Hamburg hat sich ja gut bewährt. Sie hat auch in der Frage Stellung genommen, welche die Beeinträchtigung des Goldwarenhandels durch die Leihhäuser betrifft. Die von ihr in Vorschlag gebrachten Maßnahmen gipfeln

auch in der Aufhebung des Vorrechtes der öffentlichen Pfandleihanstalten, im Erlaß von Bestimmungen, welche den Massenversatz eigens zum Zwecke der Verpfändung hergestellter Waren unmöglich machen, in der Behandlung der Pfandscheine als Inhaberpapiere und in dem Verbot, in Verbindung mit dem Pfandgeschäft ein Verkaufsgeschäft zu treiben. Auch in Hamburg werden die Pfandleihanstalten dazu mißbraucht, neue Gegenstände als Pfänder anzunehmen und in den Handel zu bringen, und zwar sowohl Waren, die eigens zu diesem Zwecke angefertigt werden, wie auch andere neue fertige und halbfertige Waren, die in großen Posten versetzt werden. Namentlich sehr geringwertige Uhren werden in blendender Aufmachung und Ausstattung in den Schaufenstern neu errichteter Pfandleihanstalten zum Verkauf gestellt, um beim Publikum den Anschein zu erwecken, als ob die Gegenstände nur deshalb so billig seien, weil sie von jemand aus Not versetzt wurden. In Hamburg hat leider die Verbindung von Pfandleihanstalten mit Verkaufsgeschäften derartig überhand genommen, daß man sagen kann, diese Betriebsform bildet die Regel. Die Täuschung des Publikums, als ob es hier billiger kaufe, wird häufig noch durch Plakate mit der Aufschrift: „Verkauf uneingelöster Pfänder“ verstärkt. So mehren sich die Stimmen gegen die Leihhausschädigungen, und die Gesetzgebungsmaschine wird wohl in nicht allzu langer Zeit auch in dieser Frage Arbeit bekommen. Die Täuschung des Publikums spielt ja leider heute im Geschäftsleben eine größere Rolle denn je. Das zeigt am besten der

Unsolide Handel mit den Diamanten-Imitationen,

mit dem wir uns jetzt fast in jeder Nummer beschäftigen müssen. Daß die Gesellschaften alle organisch zusammenhängen und nur

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