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habe, ja daß derselbe sie schon in der Hand gehabt habe. Es schien also alles so eingetroffen zu sein, wie ich kombiniert hatte, der Gauner hatte versucht, die Tasche zu erbrechen, und als ihm dies nicht gelungen, hatte er beabsichtigt, in X. mit der ganzen Tasche zu verschwinden. Um mich nun nicht zu früh darauf aufmerksam zu machen, hatte er seine ganz ähnliche Tasche über meinem Platz in das Gepäcknetz gelegt. Also hatten wir ihn wieder in der Falle, so daß er nach einigen Augenblicken, in die Enge getrieben, eingestand, meine Tasche an sich genommen zu haben. Na, da war ja jeder Zweifel beseitigt, das Übrige konnten wir ruhig den Beamten überlassen. Ein kurzer Blick in den Fahrplan überzeugte mich, daß wir noch eine halbe Stunde bis zum Abgang des nächsten Zuges nach B. Zeit hatten, und nachdem ich

Kleine Mitteilungen.

Die Ausstellung unseres Verlages auf der Weltausstellung von St. Louis ist, wie wir schon mitgeteilt haben, mit der bronzenen Medaille ausgezeichnet worden. Dazu wird dem Aussteller jeweils noch ein künstlerisch ausgeführtes Diplom, in Photogravüre auf schwerem Kupferdruckpapier gedruckt, überreicht. Da wir annehmen, daß es unsere Leser interessieren wird, dieses Diplom kennen zu lernen, bringen wir (Seite 107) eine Abbildung desselben. Seine Ausführung ist überaus sorgsam und wirkungsvoll. In der Mitte der Komposition ist eine weibliche Figur mit der Freiheitsmütze dargestellt, welche sich durch die Sterne und Streifen ihres Gewandes als die Verkörperung der Vereinigten Staaten charakterisiert. Der allegorische Inhalt der übrigen Komposition ist nicht ohne weiteres klar. Soll die gekrönte Figur die alten Kulturstaaten Europas darstellen? Der Sinn der Darstellung ist jedenfalls der, daß die Güter des Erdballes auf allen Handelswegen nach Amerika zusammengeströmt sind, um dort mit der Fackel der Wissenschaft beleuchtet und geprüft zu werden. Der äußere Kranzfries birgt die Namen sämtlicher Einzelstaaten des nordamerikanischen Staatenbundes in seinen Verschlingungen.

Ausstellung. Wir bringen hierdurch unseren Lesern, allen Industriellen sowohl wie Künstlern zur Kenntnis, daß in diesem Jahre von Juni bis Oktober in Paris in den Champs-Elysées eine Internationale kunstgewerbiche Fachausstellung, umfassend: Keramik, Glas, Kristall und verwandte Industrien unter dem Titel: „ Exposition Internationale des Arts et Industies du Feu“ eröffnet wird. – Die Klassifizierung der Maschinen, der Kunstwerke, der Ausstellungsarbeiten und Erzeugnisse umfaßt 12 Gruppen, die in 28 Klassen eingeteilt sind. – Die Gruppen sind folgende: Gruppe 1: Rohstoffe; Gruppe 2: Maschinen, Einrichtungen, Oefen und gewerbliche Ofenbauerei; Gruppe 3: Bauliche und hygienische Keramik; Gruppe 4: Keramik im Hausgebrauch; Gruppe 5: Kunstund Dekorationskeramik; Gruppe 6: Glas- und Kristallfabrikation; Gruppe 7: Die Erzeugnisse der Keramik, Kristall- und Glasfabrikation im Dienste der Wissenschaften: Chemie, Physik, Optik, Photographie usw.; Gruppe 8: Kunstschmelz arbeiten und gewerbliche Emaillierkunst; Gruppe 9: Bau- und Dekorationskunst; Gruppe 10: Bibliographie: Gruppe 11: Volkswirtschaft, Gewerbeschulen; Gruppe 12: Künstlericher Nachtrag, Zurückblickende Ausstellung. – Diese Ausstellung, deren internationaler Charakter keine geringe Anziehungskraft ausüben wird, steht sowohl unter dem Protektorat der französischen Ministerien des Handels, der öffentlichen Arbeiten, des Unterrichts und der schönen Künste, als auch unter dem eines Komitées, welches aus hervorragenden Persönlichkeiten gebildet ist. – Diese zahlreichen und starken Unterstützungen und ganz besonders die Wichtigkeit und Bedeutung des Programms, garantieren für einen vollen Erfolg. – Man wolle sich zur Erlangung von Auskünften, Prospekten usw. an den Generaldirektor der Exposition Internationale des Arts et Industries du Feu, Herrn Ch. Biny, Paris, Rue St. Roch 19, wenden. – Sowohl durch ihre Unermeßlichkeit, als auch durch die Mannigfaltigkeit der Erzeugnisse gestatten die großen Weltausstellungen den Gewerbetreibenden nicht mehr, daß die Verdienste ihrer Arbeiten bekannt und gewürdigt werden. – Um nun diese große Lücke auszufüllen, und um den vom französischen Parlament geäußerten Wünschen zu entsprechen, hat das Handelsministerium beschlossen, die Spezialausstellungen zu unterstützen, welche gestatten, sich sehr eingehend Rechenschaft über die wirklichen Fortschritte in den Gewerbeoder Kunstzweigen, die jemals den Gegenstand bilden, zu verSchaffen. – Indem man ihnen einen internationalen Charakter verleiht, ergreift man das wirksamste Mittel, den Vervollkommnungsgeist zugleich mit der Erfindungsbegabung bei den Produzenten

meine Tasche wieder in Empfang genommen hatte, brachte ich meine resolute, hübsche Begleiterin zum Bahnhof. Ihrer stockend und errötend vorgebrachten Einladung, sie doch einmal in ihrem Heim in B. aufzusuchen, hatte ich das Glück, zufällig schon acht Tage später Folge leisten zu können, als mich meine Tour wieder über B. führte. Und als ich dann entdeckte, daß ich von L., meinem Wohnsitze, nur zwei Stunden mit dem Schnellzug nach B. zu fahren hatte, half ich dem Zufall öfter etwas nach und wiederholte meinen Besuch in B. wieder und wieder und heute . . . .

„Sind Sie etwa der beneidenswerte Gatte einer der hübschesten Frauen, die ich je das Vergnügen hatte, kennen zu lernen,“ ergänzte ich lachend. „Sie erraten den Schluß der Geschichte,“ erwiderte er nur.

durch einen Wettbewerb anzufeuern, dessen Ergebnis sich immer unter der vielfachen Form von neuen und schnell umsichgreifenden Fortschritten offenbart. – Nachdem man der eigentlichen Indusrie den sehr großen Platz, auf den sie Anspruch hat, gegeben, ist es unumgänglich, einen nicht weniger großen der Kunst zu reservieren, denn das Ziel der Ausstellung würde nur zum Teil erreicht sein, wenn sie nicht dazu beitragen würde, vor den Menschenmengen die Kultur des Schönen auszubreiten, den Sinn für die Aesthetik mit den Anforderungen des modernen Lebens in Einklang zu bringen und den künstlerischen Sinn, der bis jetzt nur einer ausgewählten Klasse vorbehalten war, immer mehr zu entwickeln. – Die Exposition Internationale des Arts et Industries du Feu wird also zweifellos einen wirklichen internationalen Wettstreit von ganz besonderer Anziehung bilden. – Zu jeder Zeit hat Deutschland bei den verschiedenen Ausstellungen den ersten Rang eingenommen. Zweifellos wird es auch diesmal den hohen Ruf, den es sich in der Industrie-, Kunst- und Handelswelt erworben hat, behaupten und wird die Zahl der deutschen Aussteller auf der Exposition Internationale des Arts et Industries du Feu wohl eine recht ansehnliche werden.

Eine Silberflotte wurde dem Kaiserpaar zur silbernen Hochzeit von den Seglern und Ruderern Deutschlands gewidmet. Die Flotte besteht aus acht in Silber hergestellten Schiffen, die verschiedene Größen von 50 cm bis über 1 m besitzen. Sie zeigen die historische Entwickelung des Segelschiffes von 1100 bis zur Jetztzeit, von dem Wikinger-Boot bis zur Segeljacht „Meteor“: Die Fahrzeuge sind mit außerordentlicher Genauigkeit den alten Schiffen nachgebildet. Das alte Normannenschiff mit den Schildern und Fähnchen der Ritter, die „Lübische Kogge“, wie sie in der Blüte der Hansa die Meere befuhr, die venetianische „Galeere“, jenes große Ruderfahrzeug der Renaissance, in dem Tausende von Gefangenen an die Ruderbänke geschmiedet schmachteten, dessen See- und Kriegstüchtigkeit in der Schlacht bei Lepanto hervortrat, die bekannte „Victory“ und so fort, stellen die historische Entwickelung dar. Ob diese Silberflotte, die auch als Tafeldekoration dienen soll, im königlichen Schloß oder in einem Museum Aufstellung finden soll, darüber hat sich der Kaiser noch nicht entschieden.

Ein neuer Edelstein ist nach Berichten der englischen Blätter in Rhodesia entdeckt worden. Er ähnelt einem Topas, ist aber von sehr hellblauer Farbe, so daß die Sachverständigen nicht wissen, ob man ihn richtig als Topas bezeichnet. Gelbe Topas hat man in Rhodesia schon gefunden, aber ob die himmelblauen Steine der Gattung Topas angehören, ist noch zweifelhaft. Die Frage, welchen Wert der neue Edelstein besitzt, hängt natürlich davon ab, wie viele zu Tage gefördert werden und welche Aufnahme sie beim Publikum finden. Der Stein ist auf dem Boden des Südafrikanischen Options-Syndikats gefunden worden.

Die Stein-Industrie in Idar konnte mit dem Exportgeschäft im letzten Quartal zufrieden sein. Wenn auch der Umsatz gegen das vorletzte Quartal etwas zurückgegangen sein mag, so ist dieser Nachlaß keinesfalls groß gewesen. Vorwiegend war wieder Nordamerika der Hauptabnehmer, ebenso herrschte von England aus große Nachfrage nach gewissen Artikeln, so daß die Schleifereien stets vollauf beschäftigt waren. Ein großer Artikel ist immer noch der Amethyst, feine Steine sind immer gefragt, und da wenig wirklich feines Material an den Markt kommt, sind die Preise immer noch im Steigen. Noch größere Preissteigerungen brachte in den letzten Monaten der blaue Aquamarin, dieser Stein wurde bei jeder folgenden Auktion bei gleicher Qualität mit 25–33% teurer bezahlt. – Der Opal hat seinen Stand immer noch behalten, wenn auch die große Nachfrage wie vor 2–3 Jahren nicht mehr besteht, sind wirklich gute Steine immer noch bei guten Preisen stets gefragt,

Für die Gratisabgabe des 0ffiziellen Leipziger Meß-Adreßbuchs Verkäufer-Verzeichnisses) zur Michaelis-Messe 1906 und zur ster-Vormesse 1907 versandte der Meß-Ausschuß der Handelskammer Leipzig dieser Tage an alle ihm bekannten Meßeinkäufer einen Fragebogen, der zugleich auch der Neubearbeitung des Meßeinkäufer-Verzeichnisses dient. Da sich die Auflage des MeßAdreßbuchs jedesmal nach der Zahl der ordnungsmäßig beantragten Vormerkungen richtet und Firmen, die nicht antworten, bei der Verbreitung des Buches nicht berücksichtigt werden können, empfehlen wir den Empfängern des Fragebogens, dessen pünktliche Rücksendung, und evtl. noch nicht befragten Interessenten, sich beim Meß-Ausschuß der Handelskammer Leipzig baldigst zu melden. Den Inseraten teil für das Einkäufer-Verzeichnis besorgt wieder die Firma Haasenstein & Vogler, A.-G., Leipzig.

Ein silberner Schellenbaum. Großes Interesse erregte der in dem Kunstschaufenster der Fr. Königschen Hofbuchhandlung in Hanau ausgestellte silberne Schellenbaum, der bekanntlich als Jubiläumsabe dem 97. Inf.-Regt. in Saarburg am 1. April überreicht wurde. ie ÄÄ von ehemaligen Kameraden und Freunden des Regiments gestiftet und in echtem Silber ausgeführt, ist aus dem kunstgewerblichen Atelier der Firma Wolf & Knell in Hanau hervorgegangen und dürfte dieses Meisterwerk einheimischer Edelmetallindustrie genannter Firma wieder alle Ehre machen.

Probieranstalt für Edelmetalle. Bei den Interessenten ist Vielfach die Annahme verbreitet, daß die Königl. Probieranstalt für Edelmetalle in Frankfurt a. M. aufgehoben sei. Diese Annahme ist unzutreffend, vielmehr wird jene Anstalt nach der Bestimmung des Herrn Finanzministers beibehalten. Sie befaßt sich nach wie vor für Behörden und Private mit Ausführung von Feingehaltsbestimmungen, mit Schmelzungen und Wägungen von Gold und Silber sowie deren Legierungen. Die Amtslokalitäten befinden sich bis zur Fertigstellung eines geplanten Neubaues im Hause Münzgasse 9 und sind von 8–1 Uhr und von 2–7 Uhr geöffnet.

Der niederländische Diamantarbeiterbund hatte bekanntlich mit der Juwelier-Vereinigung ein Abkommen getroffen, durch welches der fortwährenden Steigerung der Arbeitslöhne, der ein Sinken einmal folgen muß, ein Ziel gesetzt würde. Dieses Abkommen ist jetzt wieder aufgehoben worden. Die Arbeitgeber sind also auch nicht mehr an das festgesetzte Lohnminimum gehunden. Zurzeit allerdings steigen die Löhne, wie wir aus einer Amsterdam er Zuschrift an die „Voss. Ztg.“ lesen, noch immer rapid.

Bestimmungen über den Feingehalt und die Stempelung von Gold- und Silberwaren in Rumänien. Ein am 1. April ds. Js. in Kraft getretenes Gesetz, betreffend die Einführung einer Kontrolle des Feingehalts von Gegenständen aus Edelmetallen, vom 13./26. Februar ds. Js., enthält u. a. folgende Bestimmungen: Alle Gegenstände aus Gold oder Silber, die in Rumänien hergestellt oder vom Auslande dorthin eingeführt werden, unterliegen hinsichtlich ihres Feingehaltes der staatlichen Kontrolle. Nachstehende Feingehalte sind zulässig:

a) für Gegenstände aus Gold:

Feingehalt . . 900 Tausendteile,

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- yy - - - b) für Gegenstände aus Silber:

Feingehalt . . 950 Tausendteile,

- yy - - - - 13

3. yy . . . . 750 77 Der fünfte Feingehalt bei Goldwaren ist nur zulässig für Heiligenbilder, Teile von Schirmen und Stöcken und für Ziselierarbeiten im Gewichte von wenigstens 4 Kilogramm. Gegenstände mit einem anderen als dem obigen Feingehalt, der aber nicht unter das gesetzlich festgesetzte Minimum herabgehen darf, werden mit dem unmittelbar niedrigeren gesetzlichen Feingehalt bezeichnet. Alle in Rumänien hergestellten Gegenstände aus Gold oder Silber müssen einem bei der Generalzolldirektion in Bukarest eingerichteten Prüfungsamte vorgelegt werden und erhalten, wenn sie dem gesetzlichen Feingehalt entsprechen, das amtliche Stempelzeichen; sofern sie den gesetzlichen Mindest-Feingehalt nicht haben, werden sie vernichtet und dem Eigentümer so zurückgegeben. Die Prüfungsgebühren für Goldwaren betragen 15 Lei und für Silberwaren 150 Lei für je 100 Gramm. Für goldene Uhren ist die Gebühr auf 4 Lei und für silberne auf 1 Lei für das Stück festgesetzt. Außerdem ist eine Stempelgebühr von 10 Bani für jedes Stück zu entrichten. Die aus dem Auslande eingeführten Gold- und Silberwaren werden von dem Eingangszollamte der Prüfungsstelle zugesandt, wo sie der nämlichen Prüfung und Behandlung unterzogen werden wie die im Inlande hergestellten Gegenstände. Die zu vernichtenden Gegenstände können auf Antrag ihres Eigentümers auf dessen Kosten nach Rückerstattung des Zolles ins Ausland zurückgesandt werden.

Die Fachschule der Juwelier-, Gold- und Silberschmiede-Innung Berlin, Koppenplatz 12 eröffnet am 18. April einen Gehilfenkursus für Fachzeichnen, Monogramm- und Schriftzeichnen, Gravieren, Ziselieren, Fassen und Treiben. Der Unterricht ist Abends und Sonntags und dauert bis 1. Oktober. Anmeldungen nimmt der Leiter der Schule, C. Schleusing, Schöneberg, Sedanstraße 18 oder in der Fachschule entgegen.

Eine Kollektion kunstgewerblicher Gegenstände stellt Kunstmaler Friedrich Adler in der Verkaufshalle des Münchener Kunstgewerbevereins aus. Sie sind so mannigfaltig, daß es fast selbstverständlich ist, wenn sie auch in ihrem Wert sich stark unterscheiden. Da ist goldenes und silbernes Geschmeide, besonders Halsgehäng, aparte Verbindung zarter Gesamtwirkung mit antikisierender Gediegenheit der Materialbehandlung und der Edelsteinfassung. Originelle und kraftvolle Formen zeigen auch die Gebrauchsgegenstände aus Metall, vornehmlich die Leuchter, die Tintenzeuge und das silberne Fischvorlagebesteck. Höchste Zweckmäßigkeit wirkt unwillkürlich als Schönheit.

Der Geschäftsführer der Nürnberger Filiale der bekannten SaritaGesellschaft ist flüchtig geworden, nachdem die Staatsanwaltschaft gegen ihn eine Untersuchung wegen Betruges durch Verkauf angeblich echter, jedoch minderwertiger Goldwaren eingeleitet hatte.

Personalien und Geschäftsnachrichten.

Auszeichnung. Der Handelsrichter Herr J. H. Werner, Seniorchef der Firma kaiserlicher Hofjuwelier J. H. Werner, Berlin, Friedrichstr. 173, ein um die Goldschmiedekunst hochverdienter Mann, ist zum königlich preußischen Kommerzienrat ernannt worden, wozu wir ihm an dieser Stelle unsere herzlichsten Glückwünsche darbringen.

Jubiläen. Am 1. April feierte Herr Hofjuwelier Alfred Roesner, Dresden, Schloßstr. 3, sein 25jähriges Geschäftsjubiläum. Der Ä erfreut sich des Rufes eines tüchtigen Geschäftsmannes. ahlreiche Fürstlichkeiten des In- und Auslandes haben von ihm kostbare und kunstvolle Schmuckarbeiten anfertigen lassen. Der Jubiläumstag wurde in der Wohnung des Herrn Roesner auf der Marschall-Allee in Blasewitz festlich begangen. Im Laufe des Vormittags fanden sich daselbst neben zahlreichen Gratulanten der Obermeister der Dresdner Goldschmiede-Innung, Herr Eckert, ein, der die Glückwünsche der Innung aussprach. Herr Roesner stiftete für die Wohltätigkeitskasse der Innung 300 Mk. In herzlicher Weise hatte auch der preußische Gesandte Graf Dönhoff „seinen strebsamen Landsmann“ beglückwünscht. Bei der Tafel wurden zahlreiche Trinksprüche ausgebracht, die dem Jubilar, seiner Familie und seinem in stetem Aufschwung begriffenen Unternehmen galten. – Die Firma Schimming & Autenrieth in Stuttgart, Großhandlung von Gold- und Silberwaren, feiert am 15. April d. J. ihr 30jähriges Bestehen. Das Geschäft wurde durch die Herren Wilhelm Schimming und Wilhelm Autenrieth gegründet und ging am 1. April 1904 an den jetzigen Inhaber, Herrn Richard Wißmann über, dem wir gelegentlich dieses Gedenktages ein weiteres Blühen und Gedeihen dieses Unternehmens wünschen. – Herr Heinrich Deibel, Geschäftsführer und erster Verkäufer der Filiale Hessenberg & Co. in Homburg v. d. H. (Hauptgeschäft in Frankfurt a. M.), begeht am 19. April sein 25jähriges Jubiläum in diesem Hause. Wir möchten nicht verfehlen, Herrn Deibel bei dieser Gelegenheit die besten Glückwünsche der „Deutschen GoldschmiedeZeitung“ darzubringen.

Firmen - Eintragungen. Im Handelsregister wurde eingetragen: Heinrich Steenaerts jun., Juwelier in Aachen ist unter Uebernahme der Aktiven und Passiven alleiniger Inhaber der Firma. Zu der Firma Giuseppe Knoll in Gmünd, Gold- und Silberwarenhandlung – Engros wurde eingetragen: „In Alexandrien (Aegypten) wurde eine Zweigniederlassung errichtet.“

Geschäfts-Eröffnungen. Die Herren Emil Riebel und Hermann Mürte eröffneten in Pforzheim eine Fabrik moderner Beschläge zur Etuis-, Zelluloid-, Kamm-, Buch- und Album-Fabrikation. – Herr E. Volland eröffnete in Eßlingen, Obertorstr. 44, einen Laden mit Gold-, Silber- und versilberten Waren.

Geschäfts-Verlegungen. Die graphische Kunstanstalt von G. Rebner & Co. in Leipzig verlegte ihre Geschäftsräume. Von Lilienstr. 21 nach Josephinenstr. 15. – In Memel verlegte Herr John Giese, Juwelier und Goldschmied, sein Geschäft von der Marktstr. 46 nach der Börsenstr. 5. – Das Juwelier-Geschäft ve bunden mit Gravier-Anstalt von Ch. Müller in Straßburg ist nach der Großen Kirchgasse 6 verlegt worden.

Verschiedenes. In die Bijouteriefabrik Carl Lay in Pf0rz" heim ist Herr Jakob Be er als Teilhaber eingetreten.

Die Ausschaltung der Kunsthandwerker durch die Lehrer in den Lehrwerkstätten der Kunstgewerbeschulen.

Referat des Vorsitzenden des Verbandes Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede, Fischer, in der vom Fachverband zur Förderung der wirtschaftlichen Interessen des Kunstgewerbes einberufenen Versammlung am 9. März 1906.

Meine sehr geehrten Herren! Die Kunstgewerbetreibenden fast aller Branchen befinden sich seit Jahren in einer immer mehr sich steigernden Errregung wegen der Konkurrenz, die ihnen durch die Lehrer an den Lehrwerkstätten der Kunstgewerbeschulen entstanden ist. Nun würden ja unsere Kunstgewerbetreibenden eine loyale Konkurrenz gewiß nicht fürchten. Der Wettbewerb ist aber ein sehr ungleicher und ungerechter; denn die Lehrer an den Lehrwerkstätten tragen nicht die Lasten, die für den freien Kunstgewerbetreibenden unerläßlich sind, ganz abgesehen davon, daß die Position der Lehrer, welche meistens den Professorentitel erhalten, eine wesentlich günstigere ist. Infolge dieser besseren gesellschaftlichen Stellung ist es den Herren ermöglicht, in den wohlhabenden und den distinguiertesten Kreisen eingeführt zu werden, welche ihnen die größeren kunstgewerblichen Arbeiten zuführen können und auch tatsächlich zuführen. Wie ist es nun gekommen, daß diese Kunstgewerbeschulen sich so schnell entwickeln konnten, bevor man festgestellt hatte, daß die Einrichtungen dem Kunsthandwerk und dem Kunstgewerbetreibenden von Nutzen seien. Denn es unterliegt doch gar keinem Zweifel, daß man mit der Schaffung der Kunstgewerbeschulen und Lehrwerkstätten beabsichtigte, das Kunstgewerbe zu heben, sowie aber auch den Kunstgewerbetreibenden neue Kräfte zugeführt werden sollten. Ein Beispiel, wie solche Lehrwerkstätten entstanden sind, und wie sie noch entstehen, liegt hier vor. Es wird in dem Pforzheimer Beobachter aus Stuttgart geschrieben: „An der Kunstgewerbeschule hat sich schon seit Jahren in immer steigerndem Maße das Bedürfnis geltend gemacht, den theoretischen Unterricht nicht bloß wie jetzt schon in den Fächern des Modellierens, der Holzschnitzerei und des Ziselierens, sondern auch in den anderen geeigneten Fächern, insbesondere in der Möbelschreinerei, durch praktische Arbeiten in einer Lehr- und Versuchswerkstätte zu vervollkommnen.“ Es ist also offensichtlich hier für diese Schule mit Lehrwerkstätte Propaganda gemacht und man ist wohl nicht im Zweifel darüber, aus welchen Kreisen diese Empfehlung herrührt. In der Abgeordnetenkammer für Württemberg wurden, wie aus einem Bericht vom 17. Juli 1901 hervorgeht, 36650 Mk. für Einrichtung einer Lehr- und Versuchswerkstätte an der Kunstgewerbeschule einstimmig angenommen. Die Redner aller Parteien erklärten es für gut und notwendig, das Streben im Kunstgewerbe nach Fortschreiten zu unterstützen. Der Herr Kultusminister Dr. v. Weizsäcker dankte für die freundliche und erfreuliche Aufnahme der Forderung, betonte, daß die Pflege des Kunstgewerbes zu den schönsten Aufgaben eines deutschen Mittelstaates gehöre, und wünschte, daß der ehrliche Versuch, dem kunstgewerblichen Unterricht neue Bahnen zu öffnen, und gleichzeitig unserer Industrie fördernd zur Seite zu stehen, zu einem schönen Ziele führen möge. Sie ersehen also auch hier aus diesen Ausführungen, daß es sich einmal darum handelte, neue Bahnen für das Kunstgewerbe zu schaffen, aber auch der Industrie fördernd zur Seite zu stehen. Nach allem, was wir nun bisher über diese Lehrwerkstätten erfahren konnten und auch was wir heute in dem ersten Teil dieser Verhandlungen gehört haben, ist die Aufgabe, dem Kunstgewerbe tüchtige Kräfte zuzuwenden, nicht erfüllt worden. Nebenher ist die Konkurrenz entstanden, weil die Herren Professoren ihre Privataufträge in den Lehrwerkstätten ausführen und ausführen lassen, durch Heranziehung der Schüler und Stipendiaten. Dieser Zustand ist auf die Dauer haltlos und muß dahin führen, daß die Kunstgewerbetreibenden als Mitbewerber um größere künstlerische Erzeugnisse ausgeschaltet werden. Dem Fachverband sind eine ganze Reihe von Fällen, die Ihnen wohl zum Teil schon bekannt gegeben sind, zugegangen, welche die Schädigung der Kunstgewerbetreibenden zur Genüge beweisen. Ich erwähne hier nur aus dem Jahre 1902 ein silbernes

Taufbecken, nebst Kanne, Kruzifix und Leuchtern für die Königl. Hof- und Garnisonkirche in Potsdam, nach künstlerischen Entwürfen des Lehrers Roloff vom Kunstgewerbemuseum zu Berlin angefertigt. Hätte die Schule des Kunstgewerbemuseums nicht bestanden, so würde ganz selbstverständlich dieser große Auftrag den Kunstgewerbetreibenden zugute gekommen sein. So aber wurde die Arbeit dem Kunstgewerbemuseum zugeführt, und stellt dies doch ohne Zweifel eine Schädigung des freien Kunstgewerbes dar. Ferner erinnere ich noch an den Pokal für die Stadt Köln, von welchem es ebenfalls heißt: „Mit der Ausführung wurde Herr Otto Roloff, Fachlehrer der Ziselierklasse der Berliner Kunstgewerbeschule, von dem auch der Entwurf stammt, betraut. Interessant wäre es ja, zu wissen, wie der Herr Lehrer Otto Roloff zu diesem Auftrag gekommen ist; denn in Köln sind tüchtige Kunsthandwerkstätten vorhanden, die den Pokal mindestens ebenso vorzüglich ausgeführt hätten. Noch andere Beispiele habe ich dem Verband seinerzeit mitgeteilt, doch wurde dem Vorstand des Verbandes die erfreuliche Mitteilung, daß die Verhältnisse an dem Platz sich wesentlich gebessert hätten. Diese Besserung ist also auf das Vorgehen von unserer Seite zurückzuführen. Dennoch wird von den Lehrern an den Schulen die Tatsache der erheblichen Schädigung bestritten. Als ein Beweis dafür möge ein Vortrag dienen, den der Herr Prof. Dr. Julius Lessing, Direktor des Kunstgewerbemuseums in Berlin, vor etwa fünf Jahren über das Festzeug in Berlin gehalten hat. Der Herr äußerte sich dahin, nachdem er die Notwendigkeit hervorgehoben, für Grundsteinlegungen, Einweihungen von Gebäuden, Enthüllung von Denkmälern und sonstigen feierlichen Anlässen ein Gezelt zu schaffen, damit die Mitglieder unseres Herrscherhauses und andere hervorragende Persönlichkeiten dem Festvorgang beiwohnen können, daß nur in den seltensten Fällen, die Zeit und die Mittel es erlaubten, etwas wirklich Würdiges herzustellen. Zumeist begnügte man sich mit allerlei Aufputz, den die Tapezierer auf Lager hatten, aus irgend einem Geschäft wurde ein Teppich entliehen, besondere Not war mit den Stühlen, die, oft aus allen Ecken zusammengetragen, ein buntscheckiges, unwürdiges Bild boten. Sie sehen also meine Herren, daß auch hier in dieser Darstellung schon eine gewisse Tendenz ersichtlich ist. Nun wird weiter das neue Festzeug besprochen und da heißt es denn: „Die Grundzüge des Ganzen sind durch den Direktor der Unterrichtsanstalt Prof. Ewald festgestellt, und die Ausführung ist von ihm geleitet worden“, und weiter: „Diese Wandteppiche sind von Prof. Emil Doepler entworfen und in der Stickereiklasse des Museums unter Leitung von Frl. Ida Seliger ausgeführt. Hier wie bei allen übrigen Teilen des Festzeuges kam es darauf an, daß dieser große Staatsauftrag zugleich ein vollwertiges Lehrmaterial für die Unterrichtsanstalt des MuseumS Sei.“ Sie werden zugeben meine Herren, daß es Ehrensache auch der freien Kunstgewerbetreibenden gewesen wäre, einen solchen Staatsauftrag auszuführen. Weiter heißt es in dem Vortrag des Herrn Prof. Dr. Lessing, nachdem die Wandteppiche und Stickornamente besprochen: „In ganz ähnlicher Weise sind die Holzarbeiten besprochen. Prof. Rieth übernahm mit seiner Klassse die Bearbeitung der sämtlichen Möbel, im Zusammengehen mit den Tischlern Olm und Karl Müller. Für die Schnitzereien stellte Prof. Taubert Modelle und Arbeiter, die Vergoldungen lieferte Noak, die Tapezierarbeiten Voigt, die Seidenbezüge die Städtische höhere Webeschule. An keiner Stelle trifft die häufig auftretende Behauptung zu, daß die Klassen der Lehranstalten dem freien Handwerk die Arbeit fortnehmen, überall wird Hand in Hand mit den besten Werkstätten gearbeitet, und die jungen Leute, die an derartigen, ganz vornehmen Aufträgen in den Klassen ausgebildet werden, sind ja gerade jene, die nach kurzer Frist in das Handwerk zurücktreten und es mit den erworbenen Fähigkeiten befruchten.“ Ferner wird noch angeführt, daß zu diesen Hauptstücken noch allerlei kleines Gerät hinzukommt. Die Metallarbeiten sind nach Entwürfen von Prof. Behrendt, in der Ziselierklasse von Prof. Roloff in vergoldetem Silber ausgeführt. Sie ersehen nun aus diesen Ausführungen, daß der Herr Prof. Lessing die von den Kunstgewerbetreibenden behaupteten Schäden der Lehrwerkstätten als an keiner Stelle zutreffend erklärt, und doch liefert er selbst den schlagendsten Beweis durch seine Rede, daß sechs Professoren an den Entwürfen und an den Ausführungen zum großen Teil in den Lehrwerkstätten gearbeitet haben. Und man kann sehr wohl die Vermutung aussprechen, daß, wenn in einzelnen Fällen Kunsthandwerker herangezogen wurden, man diese Arbeiten damals, also vor etwa sechs Jahren, in den Lehrwerkstätten auszuführen noch nicht in der Lage war. Ein anderer der Herren Professoren schreibt über diese Angelegenheit: „Ich erfahre soeben, daß die Goldschmiedevereinigung gegen die Herstellung von Kunstgegenständen der Fachlehrer an den Kunstgewerbeschulen stark agitiert. Wo diese kaum überlegte Agitation einzelner Leute hinführen soll, ist jedem Eingeweihten kaum verständlich. Man müßte an Brotneid einzelner denken, die dann in den Vereinen diese Agitationen betreiben.“ Sie sehen, eine sehr höfliche und sachliche Auffassung ist das nicht. Um diese Mißstände zu beseitigen, wendete sich der Vorstand des Verbandes Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede am 21. Januar 1902 an den Herrn Kultusminister. In einem eingehend begründeten Schreiben wurden die Schädigungen nachgewiesen und schließlich der Antrag gestellt und die Bitte ausgesprochen, dafür zu sorgen, daß die geschilderten Schäden beseitigt werden. Darauf erhielten wir von dem Herrn Kultusminister am 10. Mai 1902 folgende Entscheidung: „Auf die Eingabe vom 21. Januar d. Js. erwidere ich dem Verband Deutscher Juweliere, Goldund Silberschmiede, daß in der Fachklasse des Kunstgewerbemuseums für Metallarbeiten bei einer so weitgehenden Einschränkung, wie sie dortseits als wünschenswert bezeichnet wird, ein praktischer Unterricht nicht mit Erfolg würde betrieben werden können. Von der Generalverwaltung der Königlichen Museen ist bereits seit Jahren Anordnung getroffen, daß Anfertigung von Marktware von den Werkstätten des Kunstgewerbemuseums ausgeschlossen bleibt und daß nur künstlerisch zu lösende Einzelaufträge ausgeführt werden.“ Also alle Kunsterzeugnisse sollen der Schule verbleiben, die Marktware dem Kunstgewerbetreibenden. Sehr zutreffend schreibt ein Interessent dazu: „Was den Schlußsatz anbetrifft, daß die Anfertigung von Marktware ausgeschlossen ist und nur künstlerisch zu lösende Einzelaufträge ausgeführt werden, so ist, abgesehen von der ganzen Haltlosigkeit dieser Redewendung, zu bemerken, daß die Lehrwerkstätte eines Museums überhaupt nicht dazu da ist, um große Kunstwerke auszuführen, das soll man den Kunstgewerbetreibenden überlassen, die dafür ihre Steuern zahlen müssen, die Lehrwerkstätte soll nur dem Handwerk tüchtige, ausgebildete Kräfte zuführen, das ist ihre Aufgabe und weiter nichts. Eine Frage von so einschneidender Bedeutung mit glatten Redensarten abzutun, wie es hier geschieht, denen überall der Stempel der Hilflosigkeit aufgedrückt ist, ist doch eine etwas sehr starke Zumutung an die Leichtgläubigkeit der Antragsteller und verdient mit den kräftigsten Worten beantwortet zu werden.“ Von einer Beantwortung in diesem Sinne haben wir aber doch abgesehen, weil wir die Zwecklosigkeit von vornherein eingesehen haben. Wir wandten uns jedoch an den Abgeordneten Kirsch-Düsseldorf, mit der Bitte, die Angelegenheit im Abgeordnetenhaus anzuregen, welcher in sehr klarer und übersichtlicher Weise in der 49. Sitzung am 17. März 1902 folgendes äußerte: „Mit dem Kunstgewerbemuseum ist eine Kunstgewerbeschule verbunden, die die Aufgabe hat, das Kunsthandwerk zu fördern und tüchtige Jünger des Kunsthandwerks heranzubilden. Sie ist vor allen Dingen nicht dazu bestimmt, in Konkurrenz zu treten mit den einzelnen Kunsthandwerkern oder dem Kunsthandwerke selbst. Nun wird aber Klage darüber geführt – und na::entlich geschieht das in jetziger Zeit, wo ein Teil des Kunsthandwerks mehr als sonst darniederliegt wegen der allgemeinen finanziellen Deroute

– daß in der Kunstgewerbeschule, besonders in der Werkstätte der Fachklasse für Ziseliere, Gegenstände hergestellt werden, die weiter verkauft wurden, daß sogar Bestellungen auf solche Arbeiten angenommen werden. Der Kunsthandwerker muß sich ja sagen, daß, wenn in solchen, von dem Staat hergestellten Werkstätten, wo die Lehrlinge doch wesentlich unter der Leitung der betreffenden Lehrer zu lernen haben, kunstgewerbliche Gegenstände zum Verkauf angefertigt werden, dadurch eine für den Kunsthandwerker gefährliche Konkurrenz schon deshalb eintritt, weil er sich auf eigene Kosten die Werkstätte halten und daher nicht so billig zu liefern imstande ist, wie das seitens der Kunstgewerbeschule hinsichtlich der dort angefertigten Kunstgegenstände geschehen kann. Eine Beseitigung dieses Übelstands wird sich ja wohl nicht gänzlich erreichen lassen, weil immerhin solche Gegenstände angefertigt werden müssen, die als Vorbilder für das Kunsthandwerk im Lande zu dienen haben; die neuen Formen müssen in die Wirklichkeit praktisch übertragen, es muß dem Kunsthandwerker gezeigt werden, was die Neuzeit auf diesem Gebiet vermag. Aber, wie gesagt, es wird darüber Klage geführt, daß gewissermaßen ein unlauterer Wettbewerb dadurch entstanden ist, daß dort zuviel derartige Sachen angefertigt und in den Handel gebracht werden. Ich hoffe, daß die Generaldirektion der Museen dieser Sache näher treten und eine eingehende Prüfung vornehmen wird. Wir haben ja im Extraordinarium dieses Etats einen Betrag von 30 000 Mk. ausgeworfen, der zur Anfertigung von kunstgewerblichen Gegenständen für den Unterricht bestimmt ist. Das geschieht aber ausdrücklich unter Hinweis darauf, daß der Unterricht in der Kunstgewerbeschule gefördert werde. Das ist das Prinzip, das vor allen Dingen bei jener Schule hochgehalten werden muß.“

Infolge dieser Rede, die alle unsere Wünsche zusammengefaßt hat, erwiderte der Herr Generaldirektor der Museen, Herr Regierungskommissar Dr. Schöne: „Ich möchte dem Herrn Abgeordneten nur mit zwei Worten erwidern, daß die Verwaltung sich wohl bewußt ist, daß der Betrieb einer Lehrwerkstätte, um die es sich hier handelt, nicht ohne die Gefahr besteht, zu solchen Befürchtungen, wie der Herr Abgeordnete sie hier ausgesprochen hat, Anlaß zu geben. Das hat dazu geführt, daß schon vor mehreren Jahren eine besondere Prüfung der Verhältnisse vorgenommen ist und ein besonderes Reglement für den Betrieb dieser Unterrichtswerkstätten bei dem Kunstgewerbemuseum erlassen worden ist, dessen Grundgedanke der ist, von diesen Werkstätten alle Arbeiten auszuschließen, die nicht für den Unterrichtsbetrieb, für die Belehrung und Ausbildung der Schüler des Kunstgewerbemuseums brauchbar, wirksam und fruchtbar sind. Es ist also ausgeschlossen alle Massenarbeit, alle Herstellung von gleichgültigen Gebrauchsgegenständen, an der die jungen Leute entweder nichts oder sehr wenig lernen würden; der ganze Betrieb ist auf solche Arbeiten beschränkt, die für die Ausbildung der jungen Leute nach den verschiedenen Richtungen, in denen sie deren bedürfen, von Bedeutung und fruchtbar sind. Soweit meine Kenntnis reicht, ist keinerlei Abweichung von diesem Reglement vorgekommen. Die Übersicht, die wir kürzlich mal eingefordert haben, über die in den betreffenden Werkstätten ausgeführten Arbeiten, steht durchaus im Einklang mit diesem Reglement und ich hoffe nicht, daß irgend etwas vorgekommen ist, was zu ernsten Klagen in dieser Richtung wirklich Anlaß geben könnte. Die Verwaltung wird nicht ermangeln, ein wachsames Auge über diesen Betrieb zu halten und dafür zu sorgen, daß zu derartigen Beschwerden auch in Zukunft kein Anlaß geboten werde.“

Sie ersehen also aus diesen Ausführungen, daß auch diesen Herren die Mißstände, welche durch die Lehrwerkstätten hervorgerufen werden, unbekannt geblieben sind. Und dies ist sehr erklärlich, weil die Information stets von Herren ausgeht, über die wir Klagen zu führen wohl berechtigt sind.

Was nun das Reglement anbetrifft, mit welchem die ausgeführten Arbeiten durchaus im Einklang stehen sollen, so liegt mir hier ein sehr dehnbares Exemplar vor. Es heißt im § 3 der Dienstanweisung für Direktoren über die Nebenämter und Nebenbeschäftigung des Direktors, daß zur Übernahme von Nebenarbeiten, wenn sie längeren Zeitaufwand oder die Übernahme rechtlicher Verpflichtungen bedingen, die Genehmigung des Regierungspräsidenten erforderlich ist. Ohne weiteres gestattet sind Nebenarbeiten geringeren Umfanges, vorausgesetzt, daß sie das Interesse der Anstalt nicht be einträchtigen. In der Dienstanweisung B für das Lehrpersonal heißt es in § 3 über die Nebenbeschäftigungen der Lehrer: „Zur Übernahme größerer Nebenarbeiten von längerer Dauer ist die Genehmigung des Direktors erforderlich. Vorübergehende kleinere Nebenarbeiten dürfen ohne besondere Erlaubnis übernommen werden. Zu ihren Privatarbeiten dürfen die Lehrer die Schüler der Anstalt nur mit Genehmigung des Direktors heranziehen.“ Sie werden zugeben, meine Herren, daß nach Lage der Sache

Der Krummstab der Aebtissin vom Kloster Drübeck, der ihr am 1. April vom Kaiser überreicht wurde, ist, wie wir erfahren, im Auftrage des Kaisers von Professor Döpler d. J. entworfen worden. Er ist in vergoldetem Silber gehalten, mit Grubenschmelz und mit Halbedelsteinen besetzt, von Otto Roloff ausgeführt worden. Das Sudarium daran besteht aus resedagrüner Seide mit Goldstickerei.

Von Kunstgewerbeschulen.

Die Fach- und Zeichenschule der Juweliere, Gold- und Silberschmiede in der neuen städtischen Schule in Berlin, Koppenplatz 12 hält vom Sonntag bis Dienstag eine Schülerarbeiten-Ausstellung ab. Diese ist bei freiem Eintritt geöffnet: Sonntag von 11–4 Uhr, Montag und Dienstag von 5–9 Uhr. Sie umfaßt Modellierarbeiten, kunstgewerbliche Zeichnungen, Schmuckentwürfe, Fachzeichnungen von Silbergefäßen und praktische Ausführungen von Schmuckgegenständen.

Aus Innungen und Vereinen.

Der Goldschmiede-Verein „Dinglinger“ in Dresden hielt am Sonnabend den 31. März d. Js. seine erste Hauptversammlung ab. Nach Verlesung der Jahresberichte folgte die Entlastung des Gesamtvorstandes, und wurden bei der Neuwahl wiedergewählt die Herren Fr. Scharf, Vorsitzender und R. Kusche, Kassierer; ferner die Herren G. Poock als Schriftführer und A. Dombrowski als Revisor. In den Vergnügungsausschuß wurden gewählt die Herren Irmscher, Hünicke und Girbig. Aus den Jahresberichten sei erwähnt: Der Kassenbestand beträgt 115 Mk. Im Laufe des Jahres wurden 17 Kollegen als Mitglieder neu aufgenommen. Leider mußten aber einige der Kollegen wegen Stellungswechsel den Verein wieder verlassen, so daß die Mitgliederzahl augenblicklich 30 beträgt. Die 22 Versammlungen im Jahre waren durchschnittlich von 20 Kollegen besucht. Verschiedene Beschlüsse und Einrichtungen verdienen wohl erwähnt zu werden: Eine Unterstützungskasse wurde eingerichtet, aus welcher Mitglieder, welche stellungslos werden, kleine Unterstützungen erhalten. Fremd zugereiste Kollegen, welche die Versammlungen besuchen, erhalten ebenfalls, soweit sie unterstützungsberechtigt sind, 1,00 Mk. Mitgliedern werden bei Stellungswechsel 3,00 Mk. für Inserate in den Fachzeitungen gewährt. Ein Briefkasten ist eingerichtet und werden Anfragen fachlicher Art in derselben Versammlung besprochen und Auskunft erteilt. Die Vereinsbibliothek wurde fleißig benutzt und sind wir jedem Kollegen, welcher dem Verein Bücher und Werke, welche von fachlicher Bedeutung für Gold- und Silberschmiede, Graveure und Ziseleure sind, dankbar, wenn er uns die Bezugsquellen derselben angibt. So ist der Verein stets bemüht, trotz der geringen Monatsbeiträge, seinen Mitgliedern neue Vorteile zu bieten, und es ist darum wirklich zu beklagen, daß die große Mehrzahl der Kollegen in Dresden dem Verein immer noch fernstehen und den zahlreichen Einladungen so wenig Beachtung schenken. Möge es dem neuen Vorstand vergönnt sein, ebenso für den Verein zu wirken wie dem vorjährigen, um ebenfalls die Anerkennung und den Dank der Mitglieder für seine Arbeiten zu erhalten, und möge unser „Gut Borax!“ in der nächsten Hauptversammlung von der doppelten Anzahl Stimmen erschallen. – Alle Zuschriften beliebe man an Herrn Fritz Scharf, Vorsitzenden, Dresden-A., Terrassen-Ufer 25, zu senden. . P.

Rechtsrat, Rechtsschutz für den Goldschmied. Wichtige gerichtliche Entscheidungen.

Das Ergebnis der Gesellenprüfung kann weder der Lehrling noch sein Lehrherr anfechten. Beide haben kein Beschwerderecht und es gibt auch keine Stelle, die zuständig wäre, Beschlüsse des Gesellenprüfungsausschusses infolge erhobener Beschwerde oder von Amts wegen aufzuheben. Die Aufsichtsbehörde hat nur das Recht, den Vorsitzenden des Prüfungsausschusses nötigenfalls durch Androhung von Ordnungsstrafen anzuweisen, den Beschluß zu beanstanden, d. h. wenn Gründe dafür vorliegen. Selbstverständlich

anzunehmen ist, daß diese Genehmigung seitens der Herren Direktoren ohne weiteres erfolgt. Der Schlußsatz in der Dienstanweisung sagt sehr deutlich, daß die Lehrer zu ihren Privatarbeiten die Schüler der Anstalt nur mit Genehmigung des Direktors heranziehen dürfen. Nun, auch diese Genehmigung scheint stets erteilt zu werden: denn sonst würden die vielen Beschwerden der Kunstgewerbetreibenden nicht vorhanden sein. (Schlußfolgt.)

kann der Vorsitzende auch ohne Anweisung der Behörde von seinem Beanstandungsrecht Gebrauch machen. Insbesondere werden Ordnungswidrigkeiten beim Verlaufe der Prüfung Veranlassung zur Beanstandung geben. Die Beanstandung hat die Wirkung, daß der Beschluß vorläufig nicht in Kraft tritt und nicht zur Ausführung gelangt. Ihre Rechtsmäßigkeit hat der Ausschuß der Handwerkskammer endgültig nachzuprüfen. Wird sie anerkannt, so ist der Beschluß damit hinfällig und der Prüfungsausschuß hat alsdann erforderlichenfalls einen neuen Beschluß zu fassen. Wird die Anerkennung dagegen versagt, so bleibt der Beschluß bestehen. Sind Ordnungswidrigkeiten bei der Prüfung vorgekommen, so steht es den Beteiligten frei, sie zur Kenntnis der Aufsichtsbehörde zu bringen und diese dadurch zur Einleitung des Verfahrens zu veranlassen.

Zur Frage, wann ein Wanderlager vorliegt, hat das Preußische Kammergericht eine wichtige Entscheidung getroffen. Der Fall war folgender: Ein Händler hatte an einem fremden Orte in einem Gastzimmer zwei Wanduhren aufgehängt und den Wirt beauftragt, sie für ihn zu verkaufen, falls sich unter den Gästen Abnehmer fänden. Im Verlauf von zwei Wochen hatten im ganzen etwa 5 Uhren, aber gleichzeitig nie mehr als 1–2 Uhren in dem Gastzimmer gehangen, da der Händler jedesmal nach dem Verkaufe einer Uhr eine andere brachte. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen den Händler wegen unbefugter Veranstaltung eines Wanderlagers. Sie vertrat dabei den Standpunkt, daß für den Begriff des Wanderlagers der Wert und Umfang der Warenbestände unerheblich sei. Das Kammergericht sprach den Angeklagten frei, weil ein Bestand von höchstens zwei Uhren nicht als ein Lager anzusehen sei. Nach dem Sprachgebrauche sei die erste Voraussetzung für den Begriff des Wanderlagers das Vorhandensein eines Warenlagers, d. h. einer Ansammlung von Waren. Ein bedeutender Bestand sei zwar nicht erforderlich, man werde aber von einem Lager dann nicht sprechen können, wenn die Menge der vorhandenen Waren von ganz geringem Umfange sei. Da dies im Streitfalle zutreffe, so sei die Freisprechung des Angeklagten begründet. – Es sei noch bemerkt, daß das Kammergericht in einem früheren Falle einen Bestand von 8 Paar Stiefeln als ein Wanderlager angesehen hat.

Büchertisch.

Formen und Gießen. Eine vollständige, technische Anleitung und genaue Beschreibung aller im Kunsthandwerk und Gewerbe angewandter Materialien, als Gips, Wachs, Schwefel, Leim, Harz, Guttapercha, Ton, Lehm, Sand und deren Behandlung behufs Darstellung von Gipsfiguren, Stukkatur, Ton-, Zement-, Steingut- usw. Waren, sowie der bei Guß von Statuen, Glocken und in der Messing-, Zink-, Blei- und Eisengießerei vorkommenden Gegenstände. Mit 22 Abbildungen. Von Eduard Uhlenhuth, Bildhauer. Das Buch erscheint in der fünften, vermehrten und verbesserten Auflage in A. Hartlebens Verlag, Wien und Leipzig zu dem billigen Preise von 2.80 Mk. gebunden. Das Buch als Anleitung zum Gießen sollte in keiner Werkstattbibliothek fehlen. Es ist in seiner Ausgestaltung und Bearbeitung so ausführlich, klar und verständlich geschrieben, daß es wirklich als eine Volksausgabe anzusehen ist. Obschon das Gießen von Gold und Silber wenig ausführlich darin beschrieben ist, so wäre es doch recht sehr zu empfehlen das Buch zu kaufen und zu lesen, aber gründlich zu lesen. Der Verfasser desselben, Herr Uhlenhuth, der von Beruf Bildhauer ist und beim Bronzeguß vieler von ihm selbst geschaffenen Kunstwerke das Formen und Gießen derselben geleitet und ken: , gibt darin eine Menge Ratschläge. Er behandclt in seinem Buche mit Rücksichtnahme auf alle Gewerbe, die mit der Gießerei zu tun haben, das Formen und Gießen in Gips, die Herstellung von Formen aus Materialien wie Leim, Ton, Harz und Guttapercha zum Abformen, die Gußformen und Formen für Galvanoplastik, die Herstellung von Modellierwachs usw. Auch das Metallgießen, besonders der Eisen- und Bronzeguß und die dazu gehörenden Materialien, sind ausführlich beschrieben; das Formen in Sand, die Legierungen der dazu gehörenden Metalle (Kupfer, Zink, Blei, Zinn, Antimon usw.) – kurz es ist viel darin enthalten, was zum Lernen wert und daher allen zum Lesen zu empfehlen wäre. Das Buch ist auch durch den Verlag der Deutschen Goldschmiede-Zeitung zum obigen Preise zu beziehen.

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