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suche, er habe ihn bereits mit mindestens fünfzig schön tun sehen, und da er leider –- man könne das nicht leugnen – auch ein hübscher Mensch sei und augenscheinlich sein gutes Auskommen habe, so werde er ganz sicher eine reichere heiraten als Ninetta. Donna Isabella seufzte darauf nur, nahm ihren Rosenkranz und suchte sich auf diese Weise mit der unangenehmen Geschichte abzufinden. Eines Abends erzählte Ninetta den Eltern ganz unbefangen, daß der Nachbar Andrea am Morgen mit der „Regina Margherita“ nach Ägypten abgereist sei, in Geschäften habe er gesagt. Ihr Vater wurde aufgeregt. Woher sie das wisse? fragte er. Andrea habe es ihr selbst erzählt, bereits vor einigen Tagen, und sie habe es schon immer sagen wollen, doch stets vergessen.

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Signor Barnaba sprach sich dann mißmutig über die Inferiorität des weiblichen Geschlechts aus, wurde für einige Tage sehr nachdenklich und verkündigte schließlich den Seinen, daß er mit der nächsten „Regina Margherita“ ebenfalls nach Ägypten gehen werde. Er wolle sich doch das schöne Geschäft nicht von diesem Menschen vor der Nase wegschnappen oder verderben lassen.

Isabella war bekümmert über diese Reise, aber was war da zu machen? Sie betete also recht fleißig, daß alles gut gehen möge, und tat im geheimen für die glückliche Rückkehr ihres Mannes ein Gelübde, von dem sie sich eine große Wirkung versprach.

Signor Barnaba reiste also ab und fand drüben, daß ihm der Nachbar bisher noch nichts geschadet hatte. Aber er bedauerte deshalb die Reise nicht; sie hatte ihm doch mancherlei Neues gezeigt und ihm weitere Perspektiven für seine Kunst eröffnet. Besonders war da eine, die er sehr nutzbringend auszubeuten gedachte: Bei einem Trödler hatte er einen alten Horussperber

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7800 Exemplaren

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Der Arbeitsmarkt, der sich gerade im vergangenen Jahre entsprechend der Bedeutung unserer Zeitung in sehr bemerkenswerter Weise gesteigert hat, erlangt nunmehr ein weiteres Fundament für seine Wirksamkeit dadurch, daß aufgegebene Inserate – Stellenangebote, Stellengesuche, Geschäfts-An- und -Verkäufe und dergl. – jedem

Die Export-Ausgabe der Deutschen Goldschmiede-Zeitung wird an ca. 5000 Firmen des Groß-, Export- und Importhandels der ganzen Welt verbreitet.

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gefunden, für den er sich sehr interessierte, nicht weil er antik und der heilige Vogel – das Symbol des jungen Gottes Horus – war, sondern weil man ihn ausgezeichnet imitieren konnte. Die Figur war aus Metall, roh und doch von künstlerischem Geiste inspiriert und ließ sich in Stein ausgezeichnet nachmachen. Besonders wenn man sie etwas größer und feiner in der Ausführung lieferte. So wäre das, entgegen so vielen andern Altertümern, „eine Zierde für jeden Salon“, und kein Engländer, der seine Ägyptenreise gemacht, würde ohne solch einen Vogel heimkehren, der neben dem Reiz einer künstlerischen Darstellung auch noch den Vorzug hatte, „echt antik“ zu sein. Leider erwies sich der Händler bezüglich des Preises unerbittlich; der Vogel war eben erst gefunden worden, und der Fellache, der ihn aus einem alten

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Wilhelm Diebener.

Schutthügel ausgewühlt hatte, kam zufällig dazu und konnte nur bestätigen, daß es sich da um ein ganz seltenes altes Stück handele, das für drei Pfund geradezu verschenkt sei. Barnaba hätte jedoch dieses Geld gern gespart, denn er hoffte, den Vogel aus dem Gedächtnis nachahmen zu können. Aber es gibt bei diesen antiken Sachen so vieles zu berücksichtigen, was man nicht im Kopfe behalten kann, und das, wenn unbeachtet geblieben, die Fälschung zu deutlich verrät. Darum lohnte es sich doch wohl, die Ausgabe zu wagen. So wurde der Sperber erworben, und Signor Barnaba machte davon seiner Gattin Mitteilung in dem Briefe, in dem er ihr seine baldige Rückkehr anzeigte; er habe einen wunderschönen Horussperber gekauft, der sowohl ihr als Ninetta viel Vergnügen bereiten werde. Dabei empfand er jetzt Schon eine innere Freude, wenn er sich die enttäuschten GeSichter von Frau und Tochter vorstellte beim Erblicken dieses antiken Kleinods, denn selbstverständlich würden sie einen lebenden Vogel erwarten.

Bei der Abfahrt in Alexandrien gewahrte Signor Barnaba, daß ein widriges Geschick den Nachbar Andrea mit ihm auf das gleiche Fahrzeug gebracht hatte, und er bemühte sich, den jungen Mann möglichst kühl zu behandeln. Dieser jedoch schien das gar nicht zu bemerken, er war im Gegenteil die Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit selbst, und da es ihm gelang, sich innerhalb weniger Stunden das Wohlwollen der ganzen Schiffsgesellschaft zu erringen, so widerstand auch Signor Barnaba dem Einflusse seines Nachbarn nicht, und es bahnte sich ein freundschaftliches Verhältnis zwischen ihnen an. Wer hätte auch einem Menschen böse sein können, der die schönsten Piedigrottalieder, von ganzen fünfundzwanzig Jahren her, sang; und für einen Tenor mit guten hohen Tönen schwärmte Signor Barnaba wie jeder richtige Italiener. Sie waren also Freunde geworden, und gegen Ende der Fahrt plagte den Älteren doch die Neugier nach dem Zweck der Reise seines Nachbarn. Er wußte daher das Gespräch geschickt darauf zu bringen, aber Andrea wich ihm aus, und so fand er es für angezeigt, durch ein Entgegenkommen ermutigend auf den jungen Mann einzuwirken. Es war am letzten Nachmittag; sie saßen auf dem Verdeck, und eine kleine Pause war in der Unterhaltung eingetreten. Da ging Signor Barnaba hinab in seine Kajüte, holte den Horussperber herauf und zeigte ihn Andrea mit einem gewissen Stolz. Dieser besah das Kunstwerk, lobte es sehr und fragte nach dem Preise. Barnaba, der von dem Werte seines Sperbers überzeugt war, schlug schnell zwei Pfund drauf und sagte Andrea, daß er fünf Pfund gekostet habe. Der junge Mann lächelte. „Lieber Herr Nachbar,“ sagte er, „wenn ich gewußt hätte, daß Sie sich dafür interessieren, so hätte ich Sie schon lange eingeladen, in San Giovanni nur eine Tür weiter zu gehen. Sie hätten da diese schönen Vögel zu Hunderten haben können, das Stück zu drei Lire. Und ich hätte dabei noch recht gut verdient. Diese Horussperber werden in meinem kleinen Atelier ausgebrütet!“ Mit dem Preis von drei Lire hatte Signor Andrea ebenfalls gelogen, nach unten zu, aber er wollte seinem Nachbarn das Nachmachen gründlich verleiden, und so lag es nur in seinem Interesse, den Preis so niedrig als möglich anzugeben. Barnaba war enttäuscht und ärgerlich, aber er suchte sich so wenig als möglich davon merken zu lassen. Andrea, der sich seine Verstimmung denken konnte, wollte ihn davon abbringen, und ging nun, das zu holen, was er selbst eingekauft hatte. Es nahm wenig Platz ein: in einem Schächtelchen brachte er eine Krawattennadel und eine Brosche, beide einen Skarabäus als Mittelpunkt der geflügelten Sonnenscheibe tragend. „Das ist eigentlich noch das einzige, was man echt drüben bekommt – die Skarabäen,“ sagte Andrea belehrend, „es gibt ihrer so viele, daß es sich nicht lohnt, sie- nachzumachen. Ich habe vierzig Piaster für das Stück gezahlt und sie dann fassen laSSen!“ Barnaba betrachtete jetzt mit einem gewissen Hochgefühl die beiden Kleinode. „Hm,“ sagte er, „wenn Sie sich in San Giovanni die Mühe gegeben hätten, eine Tür weiter zu gehen, so hätten Sie die beiden Dinger da für eine Lira kaufen können. Diese Sorte Käfer wächst in meinem Studio. Sie hätten sich dann vielleicht die Ausgabe für die Goldfassung gespart!“ Der junge Mann lachte nur darüber. „Wen wollen Sie mit der Brosche beglücken?“ fragte Barnaba. Jener richtete sich etwas auf. „Wenn man siebenundzwanzig Jahre alt ist, darf man doch an einen Schatz denken!“ sagte er heiter. „Und dem darf man doch etwas mitbringen von der Reise!“ „Wenn Sie jedem von Ihren Schätzen solch ein Ding mitbringen wollten, wär's ein gutes Geschäft für mich,“ erwiderte Barnaba, „denn ich denke, daß Sie doch schon mit mindestens hundert Mädchen schön getan haben!“ „Wenn man die Beste und die Schönste haben will, muß man eben alle ansehen,“ sagte Andrea. Um die gleiche Zeit waren Signora Isabella und Signorina Ninetta in großer Aufregung. Die Mutter hatte sich überall erkundigt, was für eine Art Vogel ein Horussperber sei, aber niemand konnte ihr darauf genügende Auskunft geben. Ninetta war der Meinung, es sei eine Art Papagei, denn sie hatte sich schon lange einen solchen gewünscht. Ein Bekannter, der aus einem

noch unaufgeklärten Grunde im Ruf großer Gelehrsamkeit stand, sagte, es müsse eine Art Wüstengeier sein, konnte aber mit seiner Ansicht nicht durchdringen. Ein solch nutzloses und häßliches Vieh würde der Vater gewiß nicht mitbringen. Aber darüber waren sich die beiden Frauen einig, daß der Horussperber, da er nun einmal mitkomme, auch untergebracht werden müsse, und so wurde beschlossen, einen Käfig für ihn zu kaufen. Ninetta befürwortete allerdings einen Ständer mit Stange, an der man den Sperber durch ein Kettchen befestige, da die Sperber auf diese Weise untergebracht zu sein gewöhnt wären, aber die Mutter bestand auf einem Messingkäfig. Das war reinlicher und sah auch schöner aus. So wurde also der Messingkäfig schnell gekauft. Er war groß, damit der Vogel Raum habe, und etwas teuer; aber man tröstete sich, daß der Vater in der Freude des Wiedersehens über diese nicht im voraus bewilligte Ausgabe ein Auge zudrücken werde. Weshalb brachte er überhaupt ein solches Tier mit! Zwei seidene Kleider, für Mutter und Tochter, wären viel willkommener gewesen! Dann war das Schiff angekommen und der Empfang ein so lauter gewesen, als sei Signor Barnaba aus einer andern Welt zurückgekehrt. Der Nachbar Andrea, der die neue Freundschaft ausnützte und sich dicht neben Barnaba hielt, bekam auf diese Weise auch sein Teil an dem herzlichen Empfang ab. Als die Droschke bestiegen werden sollte, die sie hinaus nach San Giovanni führte, erinnerte sich Ninetta des Vogels. „Wo ist denn der Sperber?“ fragte sie, „wir können ihn doch nicht hier auf dem Schiff zurücklassen 1“ „Ich habe ihn im Koffer!“ antwortete Barnaba würdig und im Innern vergnügt über den Erfolg seiner Rede, denn die beiden Frauen sahen ihn ganz bestürzt an. „Im Koffer? Ist er denn unterwegs gestorben?“ „Gestorben?“ fragte Barnaba. „Aber ein Horussperber ist doch nicht lebendig, der kann doch nicht sterben! Wißt ihr denn das nicht?“ Signor Barnaba sprach, als ob das jedes Kind wissen müsse, oder als ob seine Damen ägyptische Altertumskunde Studiert hätten. „Und ich habe ein großes Messingbauer um vierzig Lire für ihn gekauft!“ brach Signora Isabella los. „Was ist das eigentlich, ein Horussperber?“ Signor Barnaba trieb zum Einsteigen, denn es wurde ihm ungemütlich. Dann stand auch Signor Andrea dabei, der zwar das Gesicht nicht verzog, von dem er aber genau wußte, daß er ihn auslache und vielleicht gar die ganze Geschichte weiter erzählen werde. So fuhr denn die Droschke davon, und die Insassen betrachteten einander verlegen und ungehalten, ein jedes mit der unangenehmen Gewißheit, daß nun zu Hause eine dramatische Szene folgen werde. Signor Andrea nahm mit seiner Droschke einen kleinen Umweg durch die Stadt und trieb sie sehr zur Eile an. Er wollte noch etwas besorgen und doch nicht viel später ankommen als die Santis. Es gelang ihm auch: Signor Barnaba war noch nicht dazu gekommen, seiner Meinung über den Messingkäfig Ausdruck zu geben, als die Droschke draußen schon hielt und Andrea in das Zimmer trat. Er trug einen wunderbaren bunten Papagei auf der Hand, den er Signora Isabella überreichte als Zeichen seiner hohen Verehrung, und als er darauf Signorina Ninetta die schöne Skarabäusbrosche gab als Zeichen seiner tiefen Zuneigung, war die Mama auch darüber sehr glücklich, und der Papa fand schließlich nichts mehr einzuwenden. Denn Andrea flüsterte ihm lachend ins Ohr: „Ich habe sie alle studiert und kann beschwören, daß Sie die Beste und die Schönste um den ganzen Golf herum ist.“ Den Horussperber brauchte Signor Barnaba nicht zu kopieren. Nachdem die beiden Herren ihre Ateliers näher kennen gelernt hatten, fanden sie, daß es viel besser sei, diese zu vereinigen, anstatt einander Konkurrenz zu machen, und so ist die Firma Santi und Minotoli entstanden, die dafür sorgt, daß der Reisende stets die echtesten, besterhaltenen „Antiquitäten“ in Ägypten findet Und den Papagei hat Frau Ninetta, die Schönste und Beste am ganzen Golf, die Worte sprechen gelehrt: „Ich bin ein Horussperber!“ wozu er sich jedoch, in Anbetracht der offenen Unwahrheit dieser Behauptung, erst nach langen Bemühungen bere finden ließ. Jetzt ist er aber beinahe selbst davon überzeugt,

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Diamanten, Perlen, Smaragde und Rubine

sind in der letzten Zeit in London die fashionabelsten Edelsteine gewesen. Neuerdings hat aber die Königin Alexandra begonnen, Saphire zu tragen, und es ist daher wahrscheinlich, daß diese Steine während der kommenden Saison sehr in Mode kommen werden. Ganz besonders werden in diesem Jahre, wie es scheint, wieder Tiaren und Kronen aus Edelsteinen getragen. Die Damen legen sie sehr häufig abends im Theater und immer bei Hofe an. Wer wirklich „fashionable“ sein will, muß mindestens drei solcher Tiaren „zum wechseln“ haben, und diese müssen natürlich mit verschiedenen Edelsteinen besetzt sein, damit nicht etwa jemand auf den Gedanken kommen könnte, daß man nur eine hat. Der Kopfschmuck, der heutzutage getragen wird, zeichnet sich durch eine wunderbare künstlerische Ausführung aus. Man gibt nicht mehr so viel auf die Größe und den Wert der Steine an und für sich, sondern auf die Art und Weise, wie der ganze Kopfputz ausgeführt ist. Die englischen Juweliere können darin allerdings absolut nicht mit den Parisern konkurrieren, so daß derartige Kunstwerke ausschließlich in der französischen Hauptstadt gekauft oder oder von dort nach England gebracht werden. Straußenfedern aus Diamanten z. B. sind in diesem Jahre eingeführt worden, die man geradezu als Wunderwerke betrachten muß. Sie sind so voll gearbeitet, daß sie wirklichen Straußenfedern durchaus ähnlich sehen und sind dabei so leicht wie die Originale selbst, ja die Spitzen bewegen sich sogar. Dann sind Kolliers in Kragenform, wie sie die Königin Alexandra immer zu tragen pflegt, wieder sehr in Mode gekommen, nachdem man sie einige Jahre eigentlich gar nicht mehr gesehen hatte. Sie bestehen gewöhnlich aus mehreren Reihen von Steinen, die durch mit Diamanten besetzte Querstangen zusammen gehalten werden. Auch griechische Muster werden vielfach nachÄ und sind neuerdings außerordentlich beliebt geworden. ewöhnlich werden diese der klassischen Kunst nachgeahmten Schmucksachen nur aus weißen Steinen hergestellt, zuweilen werden aber auch Rubine und Smaragde mit dazu verwendet. Große, mit Diamanten besetzte Kreuze sind ebenfalls sehr in Nachfrage und werden als etwas ganz besonders fashionables angesehen. Herren sind mit ihren Neuheiten bescheidener. Das einzige, was in diesem Winter für sie auf den Markt gebracht worden ist, sind goldene Miniaturalbums, die an der Uhrkette getragen werden und eine ganze Reihe von Photographien enthalten können.

„Bera-Diamanten“ in Aegypten. Auch am Nil treibt diese Gesellschaft ihr Wesen, und zwar scheint sie hier zu versuchen, ihre Geschäfte noch lohnender zu gestalten als in Deutschland. In einem uns vorliegenden Blatte aus Kairo werden die bekannten Schmucksachen zum Preise von 50 Piaster das Stück angeboten. Da 1 Piaster soviel ist wie 21 Pfennig, muß man am Nil für einen so schönen Schmuck 10.50 Mk. zahlen, also ziemlich mehr als bei uns. Aber vor Anfechtungen scheint diese betriebsame Gesellschaft auch am Nil und im Orient überhaupt nicht geschützt zu sein, denn am Ende einer glänzenden Darstellung der angeblichen TatSache, daß die Zollbeamten eines kleinen südamerikanischen Staates diese Sachen für echten Diamantenschmuck gehalten hätten, wird bemerkt, daß „the pawn-brokers tried all in their power to stop our commerce“ (die Pfandverleiher taten alles Mögliche, um unser Geschäft zu unterbinden). Jedenfalls ist der Nachteil, den diese BeraSchmucksachen dem legitimen Schmucksachengeschäft bringen, ein um so nachhaltigerer, als diese Unternehmer von einem Weltplatze zum anderen ziehen werden, um diese Erzeugnisse an den Mann zu bringen.

Es ist ein neues Metall gefunden worden – Tantal nennen es die Techniker, dem man wunderbare Eigenschaften nachrühmt. Das Tantal besitzt eine unglaubliche Härte und Zähigkeit. Bei Bohrversuchen, zu welchen man den besten Diamantbohrer benutzte, gelang es, obgleich dieser 72 Stunden lang auf ein millimeterstarkes Tantalblech einwirkte, wobei er in der Minute 5000 Umdrehungen machte ! – nur, eine unscheinbare Mulde von einem viertel Millimeter Tiefe hervorzubringen. Die Zähigkeit des Tantal, das weicher als Stahl ist, war beim Zerreissen grösser (93 Kilogramm auf den Quadratmillimeter) und der Schmelzpunkt bedeutend höher (2276 Grad Celsius) als der des Gußstahls (1375 Grad) und des Platins (1775 Grad). Dazu kommt noch die außerordentliche Beständigkeit des neuen Metalls, das durch Kochen in den schärfsten Säuren, mit Ausnahme der Flußsäure, nicht angegriffen wird, sowie die Widerstandsfähigkeit gegenüber den Temperatureinflüssen. Es ist bekannt, daß Eisenbahnschienen sich im Sommer „werfen“ (verbiegen), wenn bei ihrer Verlegung in kälterer Jahreszeit kein Zwischenraum zwischen den Stößen gelassen worden ist (der letztere beträgt auf die Schienenlänge bis zu 3,2 Millimeter. AS Tantal hingegen zeigt bei einem Temperaturunterschied von 60 Grad (also zum Beispiel von + 30 Grad bis – 30 Grad) nur die winzige Längendifferenz von acht Millionstel Teilen eines Millimeters. Einen Fehler hat das Tantal freilich noch: es ist sehr teuer. Gegenwärtig muß man mit ihm noch sparsam wirtschaften, aber für 45.000 elektrische Glühlampen reicht schon ein einziges Kilogramm hin.

Wie Kairoer Blätter zu melden wissen, plant die deutsche Regierung die Errichtung einer deutschen Handelskammer in Aegypten und es sollen Erhebungen nach dieser Richtung hin zwischen Berlin und hier gepflogen werden. Da es hier englische und französische Handelskammern gibt, so ist dem deutschen Auslandsgeschäft eine gleiche Vertretung hier allerdings sehr zu wünschen.

Das Glasperlengeschäft mit Kalkutta. Dasselbe liegt zum größten Teile in italienischen Händen, und es werden große Beträge darin umgesetzt. Indessen verlautet, daß italienische sowohl wie österreichische Firmen, von denen ebenfalls mehrere an dem Geschäft beteiligt sind, dieses vernachlässigen und die Kundschaft weniger sorgfältig als früher bedienen, sodaß der Moment für deutsche Firmen sehr günstig wäre, um dort ins Geschäft zu kommen zu suchen. Die meisten dafür in Frage kommenden Firmen dürfen in folgendem Verzeichnisse enthalten sein, das wir ohne eigene Verantwortung mitteilen: Balmer Lawrie & Co.; Jules Karpeles & Co.; Geo. Atherton & Co.; Wm. Osc. Boeckel; W. H. Nebel & Co.; Stewart Mackenzie & Co.; Rentiers & Co., sowie die eingeborenen Firmen B. C. B. Sethia & Co.; Doss & Co.; Gosh Sinha & Co.; P. C. Hazra; M. N. Mehta und D. M. Cassoobhoy, alle in Kalkutta.

Handlungsreisende in der Schweiz. Das k. bayerische Staatsministerium des königlichen Hauses und des Aeußern gibt den Handels- und Gewerbekammern zur Verständigung der Interessenten (insbesondere der Händler mit Gold- und Silberwaren, Bijouterieartikeln, Taschenuhren, Edelsteinen etc.) folgendes bekannt: Der (mit Ausnahme der Anlage A und der hierauf bezüglichen Bestimmungen im Art. 4 Ziff. 4) am 1. Januar 1906 in Kraft tretende Zusatzvertrag zum Handels- und Zollvertrag zwischen dem Deutschen Reiche und der Schweiz (R.-G.-Bl. 1905, S. 319) enthält in Art. 1 Ziff. VI die neue Bestimmung, daß den mit einer Gewerbelegitimationskarte versehenen Gewerbetreibenden (Handlungsreisenden) die Mitführung von Waren insoweit erlaubt sein soll, als sie den im Inlande domizilierten inländischen Gewerbetreibenden (Handlungsreisenden) gestattet wird. Nach schweizerischem Recht (Art. 1 Abs. 2 des Bundesgesetzes betreffend die Patenttaxen der Handelsreisenden vom 24. Juni 1892) kann durch besondere Beschlußnahme des schweizerischen Bundesrates Handelsreisenden das Mitführen von Waren gestattet werden, wenn die sofortige Uebergabe der Ware an den Käufer für den Betrieb ihres Geschäftes notwendig ist. Diese Bewilligung kann jedoch nur solchen Handelsreisenden erteilt werden, welche ausschließlich mit Wiederverkäufern oder Geschäftsleuten in Verkehr treten, die den angebotenen Handelsartikel in ihrem Gewerbe verwenden. Einschlägige Gesuche sind von auswärtigen Handelshäusern an die Regierung desjenigen Kantons zu richten, der zuerst bereist werden soll. Dieselben werden hierauf, mit einem Gutachten versehen, dem eidgenössischen Handelsdepartement zum endgültigen Entscheide unterbreitet.

Die Arbeiter der Bijouteriefabriken Pforzheim sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Sie verlangen eine um 25% höhere Bezahlung der Ueberstunden.

Eine Vorlesung, die 12000 Mk. Unkosten verursachte hat der bekannte englische Physiker Sir W. Crookes in Kimberley vor der British Association über Diamanten gehalten. Bei dieser Gelegenheit erwähnte er eine besondere Eigentümlichkeit des Diamanten, die darin besteht, daß er für Röntgenstrahlen außerordentlich durchlässig ist, während nachgemachte Diamanten diese Strahlen fast gar nicht durchlassen. Es sei dies ein außerordentlich gutes Mittel, echte Steine von Nachahmungen zu unterscheiden. Bei seinen Versuchen verflüchtigte Sir W. Crookes Diamanten, wodurch die Vorlesung außerordentlich teuer wurde.

Der Erweiterungsbau des Leykaufschen kunstgewerblichen Magazins. Die Mitglieder des Magistratskollegiums in Nürnberg mit den beiden Bürgermeistern an der Spitze haben am 22. Dezember den Erweiterungsbau des Leykaufschen kunstgewerblichen Magazins besichtigt. Nach der Besichtigung, bei der lebhafte Anerkennung allseitig ausgedrückt wurde, sprach Herr Leykauf den gemeindlichen Kollegien den Dank für das bei seinem Neubau gezeigte Entgegenkommen aus; ohne die Abtretung von Gemeindeland hätte der Neubau unterbleiben müssen. Redner erwähnte, daß die gemeindlichen Kollegien durch Schaffung großartiger Einrichtungen (Stadttheater, Bahnhofsplatz usw.) auch den Geschäftsmann veranlaßt hätten, nachzufolgen. Die Geschäftswelt bedürfe hierzu des Fremdenzuzugs, und auch hierfür sei in erfreulicher Weise das Nötige im Gang. Redner schloß mit einem Hoch auf die Stadt Nürnberg. Herr Bürgermeister Geh. Hofrat Dr. v. Schuh bemerkte in seiner Erwiderung, daß Herr Leykauf, der, wie er ja selbst erkläre, sich aus kleinen Anfängen emporgeschwungen, nun ein Etablissement

geschaffen habe, das anderen in der größten Weltstadt ebenbürtig Zur Warnung der Kollegen teilt uns die Firma Franz & August Wüsten, Hofgoldschmiede in Köln folgendes mit: Der Silberarbeiter Kolditz trat gestern Nachmittag 3 Uhr bei uns in Stellung und erhielt eine Brosche mit Brillanten zur Fertigstellung. Derselbe verschwand gegen 5% Uhr heimlich unter Mitnahme von 4 Brillanten, 1 Perle und 1 Kamee, alle gefaßt, im Werte von ca. 300 Mk. Bei der Kriminal-Polizei ist derselbe, wie sich jetzt herausstellte, schon bekannt und wird hiermit gebeten, den Kolditz bei Auftauchen verhaften zu lassen.

zur Seite treten könne. Redner schloß mit einem Hoch auf Herrn Leykauf und dessen Familie

Zum 60jährigen Bestehen der sächsischen Taschenuhren-Industrie in Glashütte. Die Jubiläumsfeier der Uhrenfabrik A. Lange u. Söhne hat dem Inhaber der Firma, Herrn Uhrenfabrikant Emil Lange, veranlaßt, eine hochherzige Stiftung zum Besten seines Arbeiterpersonals, sowie zwei weitere der gesamten Stadt zu gute kommende Stiftungen zu schaffen; und zwar überwies der genannte Chef der Firma die Summe von 45000 Mk. der bereits mit einem Grundkapitale von 5000 Mk. bestehenden Friedrich Emil Lange-Stiftung, die für die altersschwachen bezw. invaliden Arbeiter und Beamten der Firma bestimmt ist. Weiter schenkte Herr Emil Lange 5000 Mk. zu dem bereits bestehenden Fonds für die Errichtung eines Volksbades bezw. einer Lesehalle in Glashütte. Ferner erklärte sich der Chef der Firma zur Übernahme einer Freistelle in dem zu Dippoldiswalde neuerrichteten Bezirkssiechenhause bereit. – Am 7. Dezember 1845 fand, wie ein damaliger Zeitungsbericht meldet, „die feierliche Einführung der Lehrlinge in die von dem Uhrenmachermeister Ferdinand Adolf Lange aus Dresden zur Anfertigung der Bestandteile der Taschenuhren hier eingerichteten Werkstätten statt“. – Daß der 7. Dezember ein Dank- und Freudenfesttag für die Stadt Glashütte seit nunmehr 60 Jahren ist und in absehbarer Zeit bleiben wird, beweist ein Rückblick über die verflossenen 6 Jahrzehnte. Zur diesjährigen 60. Wiederkehr hatte der Inhaber der Firma, Herr Uhrenfabrikant Emil Lange, ganz besonders festliche Veranstaltungen getroffen, die durch die aus diesem Anlasse gemachten Stiftungen zu einem für alle Zeiten leuchtenden Merksteine und nicht minder bleibenden Denkmale wie das am 50jährigen Jubiläum aus Stein gesetzte gestaltet worden sind. Möge das Haus A. Lange u. Söhne auch fernerhin blühen und gedeihen zum Segen der Stadt Glashütte und zum Heile der gesamten Uhrenindustrie!

Ein kostbarer Pokal. Für die nette runde Summe von 60000 Mk. erwarb der „Verein für Erhaltung von Nürnberger Kunstwerken“ den berühmten Holzschuher-Pokal und übergab ihn dem Germanischen Museum in Nürnberg zur Verwahrung. Dieses wertvolle Stück stammt aus dem Besitz der alten Nürnberger Patrizierfamilie der Holzschuher; sie brachten den Pokal seinerzeit nach Augsburg mit, und hier fand er sich im Nachlaß vor. Das Trinkgefäß ist sehr kunstvoll aus einer Kokosnuß geschnitzt und reich mit Edelsteinen besetzt. Man schreibt die Arbeit dem Nürnberger Bildhauer Peter Flötner zu und gibt als Zeit ihrer Entstehung den Beginn oder die Mitte des 16. Jahrhunderts an.

Ausstellungen. In der König Karl – Halle des LandesgewerbeMuseums in Stuttgart befindet sich gegenwärtig bis 15. Januar eine wertvolle Ausstellung ostasiatischer Kunstgewerbeerzeugnisse aus den Sammlungen von Prof. Dr. Bälz, die manchen Angehörigen unserer Gold- und Silberwaren-Industrie nach der schwäbischen Residenz lockt. Die Ausstellung enthält Gegenstände aus allen Gebieten des ostasiatischen, hauptsächlich des japanischen Kunstgewerbes. Besonders hervorzuheben ist der Schrank mit den reichen Geschenken, die Prof. Dr. Bälz vom Kaiser von Japan erhalten hat. Es handelt sich dabei um goldene und silberne Vasen von hohem, künstlerischen Wert.

Ausstellung in Reichenberg (Böhmen). Vom 3. Mai bis Anfang Oktober ds. k findet hier unter dem Namen „Deutschböhmische Ausstellung Reichenberg 1906“ eine Industrie-, Gewerbe-, Kunst-, Land- und Forstwirtschafts-Ausstellung statt.

Preisausschreiben. Die Zinn- und Metallwerke Felsenstein & Mainzer in Nürnberg hatten ein Preisausschreiben zu einem Entwurfe zu einem Zinnkruge erlassen. Den 1. Preis, 400 Mk., erhielt J. Mander, ein Münchener Künstler.

Personalien und Geschäftsnachrichten.

Auszeichnungen. Für Verdienste um das Kunstgewerbe Bayerns wurde dem Vorsitzenden der Vereinigung für angewandte Kunst, Kunstkeramiker J. J. Schar vogel der Michaelsorden 4. Klasse verliehen. – In den Beirat der Verkehrsanstalten Württembergs wurde Herr Kommerzienrat Hermann Erhard in Schwäb. Gmünd als Ersatzmann von Seiten der Handelskammer Heidenheim gewählt. – Der Prinz-Regent von Bayern hat anläßlich des Neujahrfestes 1906 u. a. dem Goldarbeiter und Graveur in der Fabrik von Kurz & Ob er bigler in Weißenborn bei Neu-Ulm, Heinrich Adam, die bronzene Medaille des Verdienstordens vom heiligen Michael verliehen.

Jubiläen. Die Britanniawarenfabrik von Fr. Burberg & Comp. (Inh.: Sepeckebom & Uberfeld) in Mettmann feierte das Fest ihres 25jährigen Bestehens. Auch beging zu gleicher Zeit der Formenmacher Gottlieb Bremicker sein 25jähriges Arbeitsjubiläum. – Am 20. Januar ds. Js. feiert Herr Karl August Stephan in der Firma J. H. Werner in Berlin sein 25jähriges Jubiläum. Wir bringen ihm zu diesem Ehrentage hier unsere besten Glückwünsche dar.

Firmen- Aenderungen. Die Firma Richard Taubert, GoldwarenEngros (bisherige Inhaber Rich. Taubert und Herm. Rothe) firmiert ab 1. Januar 1906: Taubert & Rothe, Dresden-A., Marschallstraße 8I. – Die Diamantschleiferei G. & Ph. Jakoby in Hanau a. M. ist in den Besitz des Herrn Ginzberg übergegangen. Die neue Firma gewährt den Arbeitern jährlich 8tägigen Urlaub unter Weiterbezahlung des durchschnittlichen Akkordlohnes, sowie eine Erhöhung des Lohntarifs um 15%. – Die Kunstgewerbliche Metallwarenfabrik Orion, Nürnberg ist mit der „Orivit“, Aktien-Gesellschaft für Kunstgew. Metallwarenfabrikation Köln-Braunsfeld vereinigt worden. Der seitherige Inhaber der Kunstgew. Metallwarenfabrik Orion, Herr Georg Friedrich Schmitt und Herr Heinrich Alle bilden als Direktoren den neuen Vorstand der Gesellschaft.

Geschäfts-Eröffnungen. Die Firma Bachofer & Schöttle in Oberndorf a. N. eröffnete am Schuhmarkt 309 einen Juwelen-, Goldund Silberwaren-Laden. – S. Kugelmann in Mannheim eröffnete Planken EL 16 ein Schmuck-, Galanterie- und Lederwarengeschäft.

Geschäfts-Verlegung. Herr Jul. Engel in Pforzheim hat seine mechanische Werkstätte nach der Ringstraße 11 verlegt.

Prokuren. Für die Firma M. Baumert & Co. in Leipzig erhielt der Sohn des Inhabers, Herr Günther Baumert, Prokura.

Todesfälle. In Berlin starb der Juwelier Rudolf Wentzcke. – In München starb der Metallwarenfabrikant Johann Feßler. – Im 60. Lebensjahre starb in München-Sendling Herr Privatier Michael Brod, ehemaliger königl. bairischer Hof-Graveur. – Gleichfalls in München verschied hochbetagt Herr Florian Auer, früher Goldschmied, zuletzt Privatier.

Verschiedenes. Da die Herstellung fertiger Waren durch die Vielseitigkeit des Betriebs in letzter Zeit bei der Firma Rob. Hasenmayer in Pforzheim eine rasche Ausdehnung erlangt hat, so daß einerseits es ihr unmöglich wird, die Abnehmer nach Wunsch zu befriedigen, andererseits auch die Räumlichkeiten nicht mehr ausreichen, hat sie die Abteilung „Herstellung und Vertrieb fertiger Waren“ an Herrn Adolf Kiedaisch in Pforzheim, ohne Aktiva und Passiva, käuflich abgetreten. Die Abteilung „PrägeAnstalt“ (Herstellung und Vertrieb von Neuheiten für die gesamte Bijouterie-, Kleinsilber- und Metallwaren-Industrie in rohem Zustande) verbleibt nach wie vor in den Händen des Herrn Hasenmayer. – Goldwarenfabrikant Zieher in Schwäb. Gmünd wurde zum Vorsitzenden des Ausschusses der Versicherungs-Anstalt Württemberg gewählt. – Wie wir erfahren, wurde die von Ch. Müller, Juwelier in Straßburg angefertigte Goldschmiedewerkstätte en miniature, welche in der Straßburger Historischen Schmuckausstellung ausgestellt war, für das Frankfurter Museum angekauft. – Das Juwelen-, Schmucksachen- und Uhrengeschäft „L. J. Goliger et fils, Emanuel Goliger et Henry Cohn, successeurs“ in Kairo hat folgenden Wechsel im Besitzstand zu verzeichnen. Die vorstehende, erst am 1. Januar 1905 gegründete Firma, ist „im beiderseitigen Einverständnis“ der beiden Inhaber aufgelöst worden. Henry Cohn übernimmt die Aktiven der Firma, sowie die Regelung der sämtlichen Passiven, während Goliger nichts mehr mit der Firma zu tun hat, also für Schulden irgendwelcher Art nicht aufzukommen braucht, wie es ausdrücklich in der betreffenden gerichtlichen Bekanntmachung heißt.

Aus Innungen und Vereinen.

Mosaik wird vielfach in der Bijouteriefabrikation verwendet. Es dürfte daher manchen Leser interessieren, näheres darüber zu hören. Im Badischen Kunstgewerbeverein in Karlsruhe hielt am 16. November im großen Rathaussaal Herr Karl Ule, Lehrer an der Großherzoglichen Kunstgewerbeschule einen Vortrag über „Musivische Kunst“. Der Ausdruck musivisch ist gleichbedeutend einem viel öfter gebrauchten Wort: Mosaik, die Kunst durch Aneinanderfügen kleiner, vielfarbiger Stein-, Glas- oder Holzstückchen Bilder und Figuren herzustellen. In der Antike sind besonders Bilder auf Fußböden in Mosaik hervorgebracht worden, die jedoch, trotz ihrer oft großartigen Darstellung (Alexanderschlacht) in unserer Zeit dem ästhetischen Geschmack nicht mehr voll genügen; uns sagen die geometrischen Muster viel mehr zu. Als Material für die musivische Kunst sind Glas, Holz, Stein die hauptsächlichsten; vor allem aber ist es das Glas, dem die Zukunft vorausgesagt wird, da es sich durch Dauerhaftigkeit, Bildsamkeit und vornehmlich durch seine unübertreffliche Farbenpracht auszeichnet. Jahrhunderte hindurch war Italien von der Glasmosaik-Kunst beherrscht. In Deutschland war Karl der Große der erste, der bedeutende Mosaikkünstler berief und die Stifts-Marienkirche in Aachen durch die italienischen Künstler mit Mosaikwerken verschönern ließ. In Deutschland aber selbst hat die musivische Kunst in dem letzten Ä einen solchen Aufschwung genommen, daß es ihm im 20. Jahrhundert vorbehalten scheint in der Glasmosaik-Kunst die Vorherrschaft über die Nachbarländer, selbst über Italien zu erringen. Das moderne Verfahren besteht hauptsächlich darin, daß der Künstler die Zeichnung anfertigt, nicht aber auch das Mosaikwerk ausführt. Bei dem Vortrage waren auch Mosaikarbeiten ausgestellt und Lichtbilder ergänzten denselben.

Schützt Eure Läden vor Einbruchsdiebstahl!

In Hannover vereitelte das Wach- und Schließinstitut einen Einbruch in den Juwelierladen von H. W. Die Einbrecher wurden von den Beamten des Instituts beobachtet und im gegebenen Moment mit Hilfe eines Schutzmanns auf frischer Tat ertappt und der Revierwache eingeliefert. – In Berlin wurde in dem Goldwarengeschäft von P. D. ein Einbruchsdiebstahl verübt. Die Diebe schnitten aus der Scheibe des Schaufensters ein kleines Dreieck aus und holten mit Zangen etwa ein Dutzend goldener Ketten und Broschen durch die engen Maschen des Gitters. Da die wertvollen Brillantringe, Broschen und Ohrringe allabendlich aus dem Fenster entfernt werden, ist der Schaden nicht sehr bedeutend.

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Es giebt dem Armband dadurch Sowie durch die Modellierung der äußeren Glieder die Form eines Panzerkettenbracelets. Nr. 262613. Anmelder: Kling & Schmitt, Pforzheim. Metallgeflecht, welches aus durchbrochenen umgebogenen Metallgliedern mit innerhalb derselben angeordneten Verzierungen in Form von Blümchen p. p. zuzammengehängt ist. Schutzanspruch: 1. Metallgeflecht, welches aus durchbrochenen Metallgliedern mit innerhalb - - derselben angeordneten Verzierungen in Form Metallgeflecht von Blümchen zusammengehängt ist. 2. Eine Ausführungsform nach Anspruch, dadurch gekennzeichnet, daß statt der innerhalb der Glieder angeordneten Blümchen auch andere Figuren angeordnet sein können. Nr. 261742. Anmelder: Emil Binder, Pforzheim. Anhänger aus sechs zusammenschiebbaren mit Emaillebildern verzierten Teilen, die an ihrem unteren Ende durch ein gefaßtes Scharnier festgehalten werden, und, wenn auseinandergeschoben, einen Stern, oder wenn susammengeschoben, ein längliches Viereck darstellen. Schutzanspruch: Das Neue und Eigentümliche dieses Anhängers ist, daß man durch Auseinander4 *. bezw. Zusammenschieben sei\ ner einzelnen Teile aus einem \ länglichen Viereck einen sechs- V teiligen Stern und umgekehrt aus einem Stern ein längliches Viereck herstellen kann.

Büchertisch.

Eine Kölner Goldschmiedewerkstätte des 17. Jahrhunderts betitelt sich ein ansprechender Beitrag zur Kunstgeschichte Kölns von P. Ä Braun, so veröffentlicht in den Stimmen aus Maria

aach. Jahrg. 1905,

der zurzeit eingehendste Kenner der jesuitischen Kirchenbaukunst, alles erreichbare archivalische Material zusammengetragen, um einen Überblick über die Entwicklung der Goldschmiedewerkstätte im Kölner Jesuitenkolleg, ihre Meister und ihre Erzeugnisse zu geben. Wie unter den Kirchenbauten des 17. Jahrhunderts die Jesuitenkirchen eine hervorragende Stellung einnehmen, so ragt unter diesen wieder als bedeutendste Vertreterin des auf gotischer Anlage beruhenden, mit Elementen des Barocks glücklich durchsetzten sogenannten Jesuitenstiles die von 1618–1629 erbaute Ä kirche unzweifelhaft als die bedeutendste hervor. Die Erbauung dieser großartigsten Kirche der niederrheinischen Jesuitenprovinz regte eine neue lebendige, alle Zweige der Kleinkunst und des Kunsthandwerks umfassende Kunsttätigkeit im Kölner Jesuitenkolleg an, die durch das ganze 17. Jahrhundert rege anhielt und erst in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zur Neige ging. Es waren ausschließlich Laienbrüder, welche, meist durch den Ruf der alten Kunststadt Köln an den Rhein gezogen, in die von den Jesuiten geleitete blühende Sodalität der jungen Handwerker eintraten, damit zugleich den Orden kennen lernten, in der Folge der Gesellschaft Ä beitraten und dann dieser und der Verherrlichung des Allerhöchsten ganz ihre Kunst widmeten. Eine besonders eifrige Tätigkeit entfalteten die Goldschmiede, deren Wirken mit dem Jahre 1636 begann und seine höchste Blüte in der Zeit von etwa 1640–1670 erreichte. Nicht weniger als neun Goldschmiede übten hintereinander im Kölner Kolleg erfolgreich ihre edle Kunst aus. Der bedeutendste unter denselben war der 1577 zu Amsterdam geborene Bruder Theodor Silling, welcher im Jahre 1657 zu Köln das Zeitliche segnete; ihm zunächst stand sein 1605 zu Augsburg geborener und 1658 zu Köln verstorbener Gehilfe Bruder Antonius Klemens. Die meisten Erzeugnisse dieser Künstler sind verloren gegangen; um so mehr ist es zu begrüßen, daß der Verfasser uns von den wenigen noch erhaltenen Kunstwerken dieser Werkstätte genaue Beschreibungen gibt, unter denen die Büsten des h. Aloisius (Köln, St. Peter), des h. Franz Xaver (Köln, St. Mariä Himmelfahrt), des h. Adrian (ebenda) und der Schrein mit der Toga des h. Ignatius (ebenda) einen ganz hervorragenden Platz einnehmen, welche auch durch gute Abbildungen dem Leser veranschaulicht werden. Mit dem Tode des Bruders Peter Dorn im Jahre 1741 ging die Goldschmiedewerkstatt im Kölner Jesuitenkolleg ein, nachdem sie, nicht lange mehr von dem Kolleg selbst überdauert, in ihrem rund hundertjährigen Bestehen prächtige Werke zum Schmuck der Kollegkirche hervorgebracht hatte.

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Heft 10.“ Mit großem Fleiße hat der Verfasser,

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